Pages

Kalender

Mai 2008
L M M J V S D
      1 2 3 4
5 6 7 8 9 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 29 30 31  
<< < > >>

Kommentare

Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

Begleiten Sie mich also auf dem Weg durchs Winzerjahr. Hinterlassen Sie Ihre Kommentare oder stellen Ihre Fragen, damit aus diesem Blog ein lebendiges Kommunikationsmittel wird.

Ihre Iris Rutz-Rudel



Lundi 28 avril 2008

Erinnern Sie sich noch an die kleine Knospe des Cot (oder Malbec) vom Anfang des Monats?

 

Knapp 4 Wochen später hat sich daraus ein schöner Trieb entwickelt, an dem sich nicht nur die Blätter entfalten, sondern auch die kleinen Traubenstände schon deutlich zu erkennen sind.

 

Hier als Diashow ein Zwischenbericht:

 

 

 

 

Die Sorte gehört zu denen, die sehr früh ausschlagen (ungefähr zur gleichen Zeit, wie unser Pinot Noir) und dann ca.14 Tage nach dem Pinot auch ihre Reife erreicht. Wir verwenden sie für unsere Cuvée Les Échelles de Lisson, in der sie mit den beiden Cabernetsorten, dem Merlot und dem petit Verdot assembliert wird.

Nach Möglichkeit werden alle Sorten gemeinsam vergoren - wobei der Côt so etwas wie den Starter (pied de cuve) für die anderen, später reifen Sorten abgibt, gefolgt vom Merlot, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und schließlich dem
petit Verdot, der als letzter reift.


 


Jeudi 17 avril 2008
Nach dem Pumpen im Keller tut der Gang in den Weinberg bei strahlendem Sonnenschein wieder besonders gut. Während ich auf dem Weg nach oben schon viele Pausen mache, um die ersten überzähligen Knospen von den Stöcken zu streifen, die trotz eines rigorösen Winterschnitts sonst die Zahl der Triebe im Sommer durch unerwünschte Seitensprosse an den Stämmen und vor allem im Fußbereich der Reben zu stark erhöhen würden, ist Klaus schon wieder in voller Rüstung bereit, den von nun an andauerndern Kampf um die Eindämmung der Wuchskraft unserer natürlichen Dauerbegrünung aufzunehmen.

Eine Tätigkeit, bei der man sich gut gegen den Flug von kleinen Steinen und Holzstückchen schützen muss, bei der er also nicht gerade einem entspannten Spaziergänger ähnelt.


Polster an den Schienbeinen, feste Hosen und dicke Handschuhe, der Helm mit Visier über der Schutzbrille und die Ohrenschützer sind da Pflicht und machen deutlich, warum die Arbeit bei steigenden Temperaturen immer beschwerlicher werden wird...

Es ist auch nicht angeraten, in der Nähe zu arbeiten, denn die Geschosse, die die Motorsense aufwirbeln kann, fliegen leicht schon einmal 10 bis 15 Meter und können auch aus dieser Entfernung noch erheblich weh tun.

So legte ich schnell eine sichere Distanz zwischen uns und stieg in die auch vom Geräuschpegel her ruhigeren Höhen des Pinot auf.

Unterwegs blühen jetzt auch an den Wegen und in den Mauern die roten Spornblumen (Centhrantus ruber), die hierzulande poetisch Lila d'Espagne (spanischer Flieder) heißt. Sie werden uns bis in den Herbst begleiten und sind gern gesehene Gäste für Insekten und Schmetterlinge.



In den Terrassen der Echelles de Lisson schmücken noch vereinzelt alte Ranken die Drähte der Verspannung, les vrilles auf Französisch und bilden kleine Skulpturen, die an die Kraft erinnern, mit der sich die Triebe der Reben im Sommer hier festkrallen werden.




Eine alte Sichel, die irgendwann im Gelände vergessen wurde, erinnert an die Zeit vor der Erfindung der Motorsense:



Nach ein paar Stunden treiben mich Hunger und einsetzende Müdigkeit  hinunter zum Haus - die Motorsense ist nicht mehr zu hören - aber Klaus hat ganze Arbeit geleistet: die Weinstöcke hinterm Haus recken ihre Arme freudig dem Himmel entgegen.



Diese Methode ist zwar etwas mühsamer, als ein Durchgang mit der Giftspritze und in feuchten Jahren auch öfter zu wiederholen, aber zumindest findet man so keine Unkrautvernichtungsmittel als Rückstände in Boden, Pflanzen und Wein!

Sollten wir nach dem eher trockenen Winter einen feuchten Sommer bekommen, muss das Ganze natürlich noch ein- bis zweimal wiederholt werden .... das Jahr wird's zeigen.





Lundi 7 avril 2008



Die kleine Knospe aus dem letzten Artikel hat sich in 4 Tagen weiterentwickelt



Samedi 1 mars 2008


Traenen der Reben - pleurs de vigne

Zum ersten Mal in diesem Jahr flossen sie gestern  reichlich, die Tränen  der Reben,  der aufsteigende Saft, der ab einer  Durchschnittstemperatur von 8°C im Frühjahr aufsteigt und so beim Winterschnitt aus den Schnittstellen austritt.

Für mich ein Zeichen, mich mit dem Rebschnitt jetzt zu sputen, denn auch wenn es sich um einen normalen Vorgang handelt, bei dem die Rebe die Schnittstellen mit den im Saft zahlreich enthaltenen Inhaltsstoffen  schützt und schließlich mit einem Harzpfropfen verschließt, ist es doch ein Zeichen des Aufbruchs. Bald werden die Knospen der  frühreifen Sorten  schwellen und dann ist es bis zum neuen Ausbruch nicht mehr weit.

Die ersten Bilder junger Triebe habe ich heute morgen bei einem Kollegen aus dem Roussillon gesehen, der sie - sehr frühzeitig in diesem Jahr, für den Muscat à petit grain, also die kleine Muskattraube,   festgehalten hat. Natürlich nicht ohne auf die Gefahr von Spätfrösten hinzuweisen, die in diesem Stadium großen Schaden anrichten und nicht nur die Ernte dieses Jahres in Gefahr bringen können, sondern auch Auswirkungen auf das folgende Jahr haben könnten, da  nach einem extremen Frostbefall manchmal noch einmal neu geschnitten werden muss.

Die Sorge ist ernst zu nehmen, auch wenn sie sich in die lange Jereminade der Winzer einreiht, die, abhängig von der Natur, wohl erst beruhigt schlafen, wenn die Ernte im Fass vergoren ist.

Elegie der Wengerter

Jammernd dappet’se durch d’Wengert,
heulend, ('s schmerzt scho in de Ohre)
von morgends früh bis Obends dämmert
„de ganze Bettl isch verfrore".

Zeigt sich dann doch en Hoffnungsschimmer
kommt die Kalte Sophie, Mitte Mai
hört m'r wieder e Gewimmer
„jetzt isch’s ganz bestimmt vorbei".

Sieht m’r trotzdem Rebeblüte
so isch’s zu spät, wie könnt’s aus sei
blühn sie zeitig, s’isch zum Wüte
regert’s ganz gewiss druff nei.

Wenn d’Rebe doch noch Traube trage
hen’s d’Wengerter no lang net leicht
m’r hört se jetzt scho wieder klage
mol isch’s zu trocke, mol zu feicht.

Oktober, Lese, volle Kübel
bald gibt’s wieder neie Wie.
D’Qualität isch gar net übel
bloß: mehner könnt’s jo scho no sei.

Die Wengerter sen voller Klage
un des fascht über’s ganze Johr.
Sie hen e schwere Bürd‘ zu trage
un kriege früh scho graue Hoor.

gefunden hier  auf der Infoseite der  schönen Weinlyrikseite des Staatsweingutes Weinsbergs.


Natürlich  haben diese Tränen auch schon  immer die Neugier, nicht nur der Winzer, erregt.  Elmar M. Lorey hat in seiner Weinapotheke  und auf seiner Webseite  die lange Geschichte  dieser Beschäftigungen aufgeführt.  Von Plinius  über Hildegard von Bingen bis ins 19. Jahrhundert wurden so Rebtränen als Heilmittel gegen ungefähr alles,  von Augen- und Ohrbeschwerden über Brechreiz,  Sommersprossen, Warzen und selbst Vielsauferei  empfohlen.  Seit Kurzem ist sogar der Begriff  Rebtränen von einem  geschäftstüchtigen  Winzer als Markenname  für  kosmetische Produkte geschütz worden.

All das, und auch die  Dosierung der bisher gefundenen 32 Inhaltsstoffe des Saftes findet man ausführlich dargestellt hier




Vendredi 8 février 2008
Nach einem  ausgedehnten, teils interessanten, teils befremdenden aber auch amüsanten längeren Ausflug in die Welt der deutschen Weinblogger, sei's als Beobachter ihrer Querelen, sei's als rasender Weinrallyereporter, ist jetzt wieder Ruhe in Lisson eingekehrt und die Winzerin widmet sich ihren eigentlichen Aufgaben.

Zum Glück ist das schöne Wetter auch zurück - also Rendez-vous avec le Soleil beim Winterschnitt im Weinberg. 

Rebschnitt 1

Über den Ablauf dieser zeitaufwändigen Arbeit, bei der man eine der wichtigsten Grundlagen für  die Qualität des kommenden Jahrgangs legt, habe ich ja schon Anfang Januar berichtet.  Da gibt es auch Links auf frühere Artikel zu diesem Thema und Quellen bei anderen Winzerbloggern.

Seit gestern gibt es aber zum erstem Mal auch Fotos  davon. Alle vorausgehenden Versuche, mit Rechts zu schneiden und mit Links  gleichzeitig die Raiser und  die Kamera zu halten und dabei etwas anderes als ein Stück  Ärmel oder eine Schuhspitze  aufs Bild zu bannen, schlugen in den vergangenen Jahren kläglich fehl.

Diesmal unterbracht Klaus freundlicherweise  kurz seine Holzfällerarbeiten  im benachbarten Grüneichenwäldchen , um mich auf frischer Tat im Bild festzuhalten.

undefined

Ich arbeite, wie schon berichtet, mit einer elektrischen Rebschere der Firma Electrocoup (und bekomme für diese Schleichwerbung keinerlei Rabatte oder Sonderklicks:-)). Sie wird  mit Akupacks betrieben wird, die man wie einen kleiner Rucksack auf den Rücken schnallt und für ungefähr 8 Stunden Autonimie garantieren, ehe man sie wieder aufladen muss. Vorne hängt, wie beim Sherif im wilden Westen  ein Lederhalfter am Gürtel, in das man die Schere stecken kann, wenn man mal ein paar Schritte läuft, um  den Rücken zu strecken.

Winterschnitt taille

Meine Haltung auf den Fotos ist natürlich besonders schlecht fürs Kreuz und geradezu unprofessionell - auch bei geringen Steigungen sollte man sich immer unterhalb des Rebstockes positionieren und so gegen den Hang geneigt arbeiten, um den Rücken zu schonen.  Aber was tut man nicht alles für eine Fotosession...

Wie schon im Januarartikel erklärt, forme ich hier nach dem Gobelet- oder Becherschnitt. Man sieht auch am nicht gestutzten Rebstock hinter mir, dass es sich beim Mourvèdre um eine Rebsorte mit sehr wenig biegsamen, aufrecht wachsenden Ruten handelt, weshalb man hier auch auf jede Form von Stütze oder Anbinden verzichten kann. Man muss bei solchen Rebsorten nicht fürchten, dass die Ruten mit den Blättern später am Boden liegen und so die weiteren Arbeiten behindern, wie z.B. das regelmäßige Sensen unserer Dauerbegrünung, den Durchgang für eventuell notwendige Spritzungen oder auch, ganz am Ende, die Ernte.

Die im Idealfall auf 5 bis 6 fruchttragende Ruten beschränkten Weinpflanzen sind durch diese aufrechte Haltung auch immer ideal durchlüftet, so dass keine Staunässe entsteht und eventuelle Feuchtigkeit nach Regen schnell wieder abtrocknet. Das spart Spritzmittel und ermöglicht in trockenen Jahren, wie z.B. 2007, mit nur einer Kupferkalkspritzung im Juli die Pflanzen ausreichend zu schützen - in nördlicheren oder westlicheren Breiten ( Champagne oder Bordeaux) konnten die Kollegen im letzten Jahr in ihren regengebeutelten Weinfeldern mit starkem Befall von falschem Mehltau nur davon träumen.

Mourvedre

Hier ein schön offen geformter Stock, an dem man deutlich sieht, dass das Innere für die spätere Sonneneinstrahlung und damit für eine maximale Fotosynthese gut geöffnet ist.

Der kurze Anschnitt ist auf dem letzten Foto dieser Serie gut zu erkennen. Ich schneide  so, dass über dem schlafenden Auge an der Basis des Pfropfens ein freies Auge für den zweiten Fruchtreiser bleibt.

courson Pfropfen
Damit sind von meiner Seite die Weichen für die angestrebte Ertragsmenge gestellt - den Rest bestimmt das Klima des Jahrgangs. Nach unserer Erfahrung sollte man beim Mourvèdre eine Etragsmenge von 20 bis 25 hl pro Hektar nicht übersteigen, wenn man konzentrierte Weine mit hoher Lagerfähigkeit für den Barriqueausbau anstrebt, wie sie auch von den besseren Traditionsgütern in Bandol gemacht werden.

Mourvèdre gehört seit einigen Jahren auch zu den Verbesserungs-Rebsorten (cépages améliorateurs) der meisten hiesigen AOCs, wie Saint Chinian, Faugères und generell die Weine der Coteaux du Languedoc. Die Rebsorten Mourvèdre, Syrah, Grenache und Lledoner Pelut  müssen  mindestens 40% (seit 2005 50%) der Anbaufläche eines AOC Winzers ausmachen und neben den traditionellen Rebsorten Carignan und Cinsault auch zu entsprechenden Mindestanteilen (Mourvèdre mindestens 5%) in die Mischsätze (Assemblages) aufgenommen werden. Reine Rebsortenweine, wie wir sie in Lisson oft aus 100% Pinot Noir oder 100% Mourvèdre erarbeiten, sind vom AOC ausgeschlossen und müssen als Vin de Pays oder, wie in Lisson, als Vin de (très bonne) Table gekennzeichnet werden.

Und weils gerade so schön passt, hier als Anhang noch ein paar Zahlen.

Während bei den AOCs die Ertragsmengen je Appellation auf 45 bis 55 hl/Ha beschränkt werden müssen, sind für VdP und VdT oft 80 bis 90 hl/Ha erlaubt. Je nach Verkaufskurs an der Weinbörse kann sich ein Weinbauer also ausrechnen, ob er besser auf Menge oder Qualität setzt - ein einfaches Rechenexempel Quelle ONIVIN (Office National Interprofessionnel...des Vins) für die letzten statistisch ausgewertet vorliegenden Kampagnen:

AOC: Coteaux du Languedoc incl. St.Chinian /Faugères: 
1997/98  77,1 €/Hl  2005/06 79,8 €/Hl

VdP Languedoc/Roussillon 
2005/06 49,99 €/Hl 

VdT Languedoc/Roussillon 
2005/06 37,43 €/Hl

Bei abgerundeten Zahlen (ich bin rechenfaul) ergäbe das für einen durchschnittlichen Weinbauern, der seine Entscheidungen nicht vom Mythos Wein, sondern von seinem Bedarf an Monatseinkommen für die Familie abhängig macht für als AOC deklarierten Wein ein potentielles Einkommen von 4000 €/Ha, für einen, wegen seiner höheren Ertragsmenge nur als VdP zugelassenen Wein ein mögliches Einkommen von 4500 €/Ha. Faites votre calcul!



Für Neugierige zum Selbststudium hier noch ein paar Zahlen aus der gleichen Quelle zu einer anderen Region, die dieser Tage stark in der Diskussion auftauchte:

AOC:
Bordeaux: 1997/98 von 157,3 €/Hl auf 2004/2005 96 € /Hl

Saint Emilion et Grands Crus: 1997/98 von 398,8 €/Hl auf 2004/05 307,0 €/Hl

Medoc
: 1997/98 von 322,7 €/Hl auf 2004/05 166,4 €/Hl


VdP Aquitaine: 2005/06 52,16 €/Hl
VdT Aquitaine:
2005/06 32,49 €/Hl

Alle Angaben ohne Gewähr, à consommer avec modération!





Kaleidoskop

im Blog suchen

Zufallsbilder

weiter empfehlen

Cliquez ici pour recommander ce blog

Blogfamilien


 

 

W3C

  • Feed RSS 2.0
  • Feed ATOM 1.0
  • Feed RSS 2.0
 
renouveler un nom de domaine sur over-blog.com - Contact - C.G.U. - Rémunération en droits d'auteur avec TF1 Network - Signaler un abus