Nein, keine Besucher aus dem Prominentenverzeichnis im Weinberg, um diesen Titel zu rechtfertigen, aber eine
noch unbeantwortete Frage, die sich mir aufdrängte, als ich die drei Reihen der Tafeltrauben hinter dem Haus sah, die ich mir immer für das Ende des Rebschnittes lasse. Wer ist wer?
Irgendwo habe ich das auch schon eimal aufgeschrieben - blos wo? Und bevor sich die Trauben zeigen und ihre Farbe verraten, kann ich, um ehrlich zu sein, diese Reben nicht auseinander halten.
Aber gerade an den noch ungeschnittenen Rebreisern sind natürlich die Knospen schon am weitesten fortgeschritte - wesentlich weiter als an den schon zurückgeschnittenen Reben für den neuen
Wein, die mit ihrem kurzen Schnitt mit oft nur einem freien Auge oft gerade erst die Knospen etwas schwellen lassen und nur beim Chenin die ersten Blättchen entfalten.

Und während man an dieser Knospe eines Côt (Malbec) deutlich den Unterschied zum vergangenen Jahr sieht der Jahrgang 2008 war Mitte
April viel weiter fortgeschritten . Da wir heuer einen viel längeren und auch in der Durchschnittstemperatur kühleren
Winter hatten als 2007/2008, hat der Austrieb beim Wein gut 10 bis 14 Tage Verspätung.
Und so sind es eben die Esstrauben: Muscats d'Hambourg, Chasselats, Muscats d'Alexandrie und Muscat à petit grain und die anderen, die ich eben erst später wieder werde benennen können,
die ihre ersten, lichtdurchfluteten Blättchen entfalten, jeder auf seine ganz spezielle Art - seinen eigenen Farbnuancen.

Hier also ein Mosaik aus den letzten Tagen. Côt in der Mitte, rechts oben Mourvèdre, kein
Frühstarter, und unten links der absolute Frühstarter und Sprinter: eine alte Rebe, die unter der Gartenmauer als wilde Liane wächst und sich unbeschnitten jedes Jahr weiter an
einem Feigenbaum hochrankt - nie gespritz - immer bei bester Gesundheit und mit unzähligen Trauben im Herbst, die wir den Vögeln überlassen - bei ihr sieht man sogar schon die ersten kleinen
Traubenstände...
Und während dessen arbeiten Bienen und Hummeln aller Art, begleitet von leichtflügeligen
Schmetterlingen, die mir immer aus dem Bild fliegen, an den Blüten der Obstbäume und des Flieders, der seinen Duft ums Haus herum verströmt.
Und unsere Freunde, die Marienkäfer (garantiert einheimischer Herkunft) , die unseren Wein noch nicht mit Fehltönen bedrohen, sind auch wieder zur Stelle, um sich der ersten Blattläuse anzunehmen.

Uns morgen werde ich mich wohl zum letzten Mal mit der elektrischen Rebschehre
bewaffnen, um auch in den Tafeltrauben aufzuräumen...

... ehe es dann wohl kontinuierlich weiter geht mit dem Entfernen der Geiztriebe, dem Säubern der
Rebstöcke, dem Hochheben der ersten Drähte, den ersten Durchgängen mit der Sense, um das sprießende Gras knapp zu halten, usw. usw. ... bis zur Ernte gibt es kaum Leerlauf für den
Winzer... mal sehen, was das Jahr uns bringt!
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