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30 janvier 2008 3 30 /01 /janvier /2008 19:53

undefined  Noch eine Woche bis zum  Ende der närrischen  Saison und auch bis zum Finish der 8. Weinrallye, für die ich diesmal den Startschuss geben durfte. 

Unter den Weinbloggern herrscht schon Aufbruchstimmung, viele sind bereits auf der Pirsch, um ein geeignetes Exemplar (oder gar deren mehrere) zu  entdecken, einer meiner liebsten Foodbloggerlaminacucina - hat sogar schon einen phänomenalen Frühstart  hingelegt, der uns  auf exemplarische Weise den Weg weisen könnte.

Vielleicht schafft das Thema es ja auch, die teilweise noch bestehende Grenze zwischen diesen beiden Komponenten des Genussbloggens noch weiter einzureißen - mich würde es freuen! Wobei mir allerdings aufgefallen ist, dass viele Weinblogger sich durchaus auch für gutes Essen begeistern und häufig darüber bloggen, was sie selber gerne kochen, die meisten Foodblogger aber selten darüber Auskunft geben, womit sie all diese köstlichen Gerichte eigentlich herunterspülen - das kann doch nicht immer nur Wasser sein...

Lars von Schreiberswein hat uns heute als Warm-up schon mal die Etiketten gezeigt, die sich eher für's Gruselkabinett als für die bevorstehende Weinrallye eignen.

Das hat mich daran erinnert, dass ich von meiner Kurzreise nach Deutschland auch noch das eine oder andere dieser Exemplare im Fotogepäck mitgebracht habe. Da ich die Flaschen nicht gekauft und also auch nicht probiert habe, werden sie in meinem Beitrag nicht auftreten können, aber ganz vorenthalten wollte ich sie meinen Lesern dann doch nicht.

Hier also zunächst ein perfektes Beispiel der viel besprochenen Critter-Labels auf einem Australischen Rosé mit dem an Kreuzworträtsel erinnernden schönen Namen: Four Emus gefunden.

Four Emus Australien Rosé 2005
Da ich im Winter eh Schwierigkeiten habe, mich mit Rosé im Glas anzufreunden (im Sommer auch, aber da habe ich schon dazugelernt) und ich auch Sorge hatte, dass der Inhalt eines recht preiswert in einem Laden angebotenen Weins, in dem ich normalerweise meine Unterhosen und Socken kaufe, vielleicht wirklich nur mein Auge erfreuen würde, habe ich ihn stehen lassen.

Aus ähnlichen Gründen fand auch das zweite Etikett nicht seinen Weg in mein Reisegepäck, aber jeder, der den frisch umgezogenen Saublogger Wolfhos von Hausmannskost kennt, wird verstehen, warum ich an dieser Auslage nicht vorübergehen konnte und nachdem er mir sein heutiges Saubloggen am Mittwoch gewidmet hat, freue ich mich besonders,  ihm die folgenden Erinnerungsfotos zu widmen.

Metzgerei Lipgens Erkrath
Gefunden im Schaufenster der Metzgerei Lipgens auf der Bahnstraße in Alt-Erkrath, in der ich schon als Kind immer die obligate Scheibe Fleischwurst gereicht bekam, die mich jedesmal dazu brachte, mein damaliges Vegetariertum vorübergehend auszusetzen.

Metzgersekt
"Die Sinne werden Dir geweckt, trinkst Du ein Glas vom Metzgersekt" - natürlich halbtrocken, man will ja nicht, dass Tante Erna säuerlich die Lippen verzieht!

Nach dieser Einstimmung kann ich nur noch allen, die Lust darauf haben, uns am Aschermittwoch ihre Trouvaillen vorzustellen, die Lektüre der ausführlichen Teilnahmemodalitäten empfehlen, die man  im Winzerblog von Thomas, der die Themen verwaltet, findet .

Hier noch mal die Kurzfassung:

Drei Voraussetzungen: der Wein sollte verkostet - vielleicht sogar getrunken - werden. Es sollte ein Foto der Flasche oder des Etiketts geben und dann sollte, wie immer, der Beitrag auf ihrem Blog vor Mitternacht des 6. Februar (Aschermittwoch) veröffentlicht werden.

Für Teilnehmer, die über keinen eigenen Blog verfügen, besteht die Möglichkeit, mir ihren Beitrag per Email zuzusenden, ich veröffentliche ihn dann gerne mit Bild auf meinem Blog.

Eine kleine Nachricht mit dem Link zum Artikel bitte an lisson at wanadoo.fr schicken.




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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Weinrallye
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25 janvier 2008 5 25 /01 /janvier /2008 14:14

undefinedIn den letzten beiden Wochen war es recht ruhig auf dem Blog. Die Winzerin war unterwegs - nicht mit der Rebschere im Weinberg, wo ja die eigentliche Saisonarbeit des Rebschnitts bis Ende März ansteht, sondern mit der Bahn auf den Schnellstrecken zwischen Frankreich und Deutschland. Es war wieder die Zeit für einen Besuch in Düsseldorf gekommen, wo meine Mutter sehnsüchtig auf diese wenigen Tage im Jahr wartet.

Aufbruch diesmal weit vor Morgengrauen, günstige Bahnpreise sind eben auch hier oft an ungünstige Reisezeiten gebunden. Der TGV nach Paris fuhr kurz nach 5 Uhr morgens in Béziers ab und bis dahin ist es erst noch eine gute Stude mit dem Auto über finstere Landstraßen. Immerhin konnte ich kurz vor dem Bahnhof mein 4. gekreuztes Auto zählen!  Die ersten Sonnenstrahlen zeigten sich dann schüchtern irgendwann auf der Schnellstrecke quer durch Burgund zwischen Valence und Paris. Vom Weinangebot in der Bar des TGV gibt es nichts Neues zu berichten, ebensowenig wie von  von dem im Thalys am Nachmittag.  (Nicht, dass ich etwa am frühen Morgen schon Lust auf etwas anderes als einen heißen Kaffee gehabt hätte, aber man muss sich als Erzeuger ja schließlich über den Markt auf dem Laufenden halten...).
undefinedIn Paris  angekommen, galt es, wie üblich den Bahnhof zu wechseln - inzwischen gönne ich mir ein Taxi - die Zeiten, in denen ich mein Gepäck mutig durch Metro-Schächte und über Treppen und endlose Gänge hinter mir her zerrte, sind vorbei. Grauer Himmel und Regen über der Stadt. Die Vélibs, die überall am Straßenrand schnell und günstig zu mietenden Fahrräder von Paris - eine hervorragende ökologische Idee für Großstädte, blieben bei diesem Wetter in ihren Ständern. Inzwischen freute ich mich schon auf ein gemütliches und möglichst reichhaltiges Frühstück vor der Weiterfahrt.

undefinedIch wählte voller Gottvertrauen das bekannte Restaurant - Bistro Terminus Nord, direkt gegenüber dem gleichnahmigen Bahnhof aus.  Na ja, wie konnte ich auch vergessen, dass das in Frankreich wohl ein frommer Wunsch bleiben muss. Wie üblich gab die kompletteste Frühstücksformel neben dem Café nur eine Scheibe Baguette, das übliche Croissant und Butter und ein Töpfchen Marmelade her - meine Bitte um ein Stück Käse verhallte vergebens beim irritierten
Garçon - für ihn war es erst 11 Uhr, man hatte die Küche also noch nicht mit solchen Sonderwünschen zu belästigen - dass ich inzwischen schon seit 8 Stunden auf den Beinen war, konnte er ja nicht ahnen. So nahm ich mit dem vorlieb, was man mir gab und beschloss, mich in Düsseldorf in den nächsten Tagen redlich für diese Enttäuschung zu entschädigen.

 


In meiner Heimatstadt angekommen, erinnerten mich vereinzelte Narren vor dem Bahnhof und vor allem die Dekorationen der Schaufenster daran, dass es ja auf den Höhepunkt des Karnevals zugeht. Selbst der Rosenmontagszug, vor dem ich früher immer geflohen war, ist in diesm Jahr mit seiner kurzen "Saison" ja nicht mehr weit.

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Immerhin mochte ich immer die farbenfrohen Kostüme, und vor dem auf dem rechten Foto, mit dem Namen Weinfass habe ich tatsächlich einen Moment gezögert. Ein kleines Detail am unteren Rand des Fasses, das so gar nicht eder Konstruktion eines echten Barriques entspricht, hat mich dann aber doch davon abgebracht:-).

Ein wichtiger Bestandteil des lokalen Brauchtums ist jede Saison die Wahl des Prinzenpaars. Prinz Karneval und seine Venetia, wie ihr Düsseldorfer Titel ist, die ab dem 11.11. um 11Uhr11 allen Sitzungen und sonstigen Ereignissen vorstehen, waren in diesem Jahr einen besonderen Blick wert. 


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Prinz Josef der 1. und Venetia Barbara die 1. stehen also der Saison 2007/2008 vor - oben im üblichen, traditionellen Ornat - unten in einer eher poppigen Version.

undefinedBilder von folgender Seite

Ich fand die Wahl besonders gut, denn das Prinzenpaar symbolisiert diesmal die geglückte Union zweier Dinge, die mir wichtig sind: Brot und Wein sind hier eine ideale Verbindung eingegangen!

Josef 1., Josef Hinkel im täglichen Leben, ist der Besitzer einer Düsseldorfer Traditionsbäckerei, die schon seit über 100 Jahren in Familienbesitz ist und ihre Läden in der Düsseldorfer Altstadt hat. Seine Auslagen inspieren mich immer zu Fotos, ob es nun vor Weihnachten die Auswahl an Weihnachtsgebäck und Spezialitäten ist, oder die breite Palette der Brote und Brötchen, die ich in Frankreich schon von Zeit zu Zeit vermisse.

Auch in diesem Jahr hatte ich die Bilder schon geschossen, ehe ich Kenntnis von seiner neuen Funktion hatte. Zu den zahlreichen Brotsorten auf dem Bild in der Mitte, hat sich eine speziell für den Anlaß kreierte gesellt: ein Brot, das die traditionelle Narrenkappe der Jecken symbolisiert (Bild links). Und natürlich darf in meiner Sammlung das typische Düsseldorfer Röggelchen nicht fehlen, das kross gebackene, doppelte, kleine Roggenbrötchen auf dem linken Bild, dass traditionell erst nach dem Backen getrennt wird und die Unterlage für den berühmten"halven Hahn" auf den Speisekarten der Altstadtkeipen bildet, mit dem Fremde so gerne verwirrt werden (das Brötchen wurde  ursprünglich mit Harzer Käse und Zwiebeln serviert - dazu natürlich ein Altbier - heute hat der neutralere Gauda den Handkäs ersetzt).


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 Die Venetia, Barbara Oxenfort, ist nicht nur sehr fotogen, sondern vor allem bekannt als Mitbesitzerin des Düsseldorfer Restaurants und Weinhauses Tante Anna, ebenfalls mit einer langen Tradition in der Altstadt gelegen. Man kann hier traditionelle und internationale Küche genießen, aber vor allem von der exemplarischen Weinkarte des Hauses profitieren, die mit ihren über 400 Referenzen zeigt, dass hier noch ein echter Weinkeller gepflegt wird. 

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Bilder im Original auf www.tanteanna.de

Die Weinkarte kann man sich hier zu Gemüte führen. Sie weist nicht nur eine hervorragende Auswahl von deutschen Weinen bekannter Winzer aller Anbaugebiete auf, sondern auch eine Liste französischer Weine, u.a. einer grandiosen Auswahl der Grand Crus aus Bordeaux, die zum Teil in 20 Jahrgängen noch im Keller verfügbar sind und dem Liebhaber den Mund wässrig machen. Dazu teilweise zu Preisen, die man sicher auf den Karten französischer Nobelrestaurants mit der Lupe suchen müsste.

Leider war diesmal mein Aufenthalt zu kurz, um meiner Neugier nachzugeben. Sonst hätte ich gerne an einem Dinner rund um die Kombination von Essen und Wein teilgenommen, begleitet von "köstlichen Liedern über den Wein vertont und interpretiert von Heike Beckmann (Komposition und Klavier) und Barbara Oxenfort (Gesang)", denn Barbara ist auch ausgebildete Sängerin. Und auch das Jazz Dinner in Begleitung eines Vokal Jazz Quartetts hätte mich durchaus gereizt, da die Dame auch hierin ausgewiesen ist.

Auch über das jährlich stattfindende Niederkasseler Tonnenrennen wollte ich noch berichten, an dem auch das Prinzenpaar teilnimmt. Meine Recherchen ergaben allerdings, dass es sich ursprünglich dabei nicht um Weinfässer handelte, die auf Schubkarren um die Wette durch die Straßen gekarrt werden, es waren nicht einmal Bierfässer, wie ich erst vermutete, sondern wie ich aus diesem Artikel lernte : "Am Anfang stand eine ruchbare Tonne" - es waren leere Jauchefässer, die die ersten Spaßvögel durch die Gassen von Niederkassel auf der linken Rheinseite karrten...

Bleibt mir also nur noch, ein schallendes  Düsseldorf Helau! - den Schlachtruf der Düsseldorfer Jecken - auszubringen auf die glückliche Wahl einer Verbindung von Brot und Wein - die Spiele können weitergehen.




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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Essen und Trinken
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12 janvier 2008 6 12 /01 /janvier /2008 18:04

Nach den letzten Artikeln könnte der Eindruck entstanden sein, dass  die Winzerin nur noch auf virtuellen Weinrallye-Reisen unterwegs ist. Eine ganz reale Reise steht zwar unmittelbar bevor - es geht nächste Woche wieder für ein paar Tage nach Düsseldorf - trotzdem ist zu Hause jetzt natürlich die Zeit des Winterschnitts  angebrochen. Eine der arbeitsintensivsten Tätigkeiten im Weinberg, die bis Ende März abgeschlossen sein sollte.

Der Vorteil eines Blogarchivs ist es, dass  man bei solchen immer wieder zu einer bestimmten Saison anstehenden Arbeiten auf eben diese Archive verweisen kann. Alles, was es so im allgemeinen dazu zu sagen gibt, habe ich also hier im November 2006 unter der Überschrift Winterschnitt im Weinberg schon gesagt.

Auch bei den deutschen Winzerkollegen sind natürlich entsprechende, gut dokumentierte Artikel zu finden. So kann ich hier auch wieder auf den Winzerblog verweisen, der hier darüber berichtet und, wie immer,  viele interessante Links zusammengetragen hat.

Der Rebschnitt beginnt mit dem Vorschnitt, das heißt dem Kürzen der inzwischen von ihren Blättern befreiten Triebe des letzten Jahres. Dabei werden diese Triebe erst einmal sommarisch auf ca. 15 cm gekürzt, das macht den Rebstock übersichtlicher für die anschließende Feinarbeit beim eigentlichen Schnitt.

Diese Vorarbeit geht am schnellsten mit der kleinen Rebschere von statten, die nur mit einer Hand geführt wird und so die zweite für das Ziehen und Gruppieren der Reiser freiläßt.


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Man sieht deutlich, dass mir dieses robuste Modell schon seit vielen Jahren gute Dienste leistet.

Bei Drahverspannung erlaubt der Vorschnitt, erst einmal all den Wildwuchs aus den Drähten zu ziehen und auch in unseren Feldern mit den Einzelstöcken und den Gobelets gehört diese Vorarbeit und das anschließende, mühsame Aufsammeln des Rebholzes zu den notwendigen Vorbereitungen, um vor allen weiteren Arbeiten zunächst gründlich im Weinberg aufzuräumen.

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Viele Jahre hindurch habe ich dann anschließend mit der klassischen zweihändigen Rebschere gearbeitet, die für mich immer noch das flexibelste und eleganteste Werkzeug ist. Nur meine wiederholten und immer schlimmer werdenden Handgelenkschmerzen haben mich dazu bringen können, sie durch eine akubetriebene elektrische Rebschere zu ersetzen.

Ähnlich wie an den Komfort im Auto (Servolenkung und ABS) gewöhnt man sich aber auch hier an die neue Technik und inzwischen bin ich stolz, dass das Model meiner Wahl auch in Tests besonders gut abgeschnitten hat. Ich kann die Öffnung der Klingen durch einfachen Knopfdruck größer stellen und so auch dickeres Holz mühelos schneiden. Eine weitere Besonderheit meines Electrocoup-Models besteht  darin, dass es eine Art Verzögerungsstufe beim Abdrücken hat, die es erlaubt, den Schnittansatz fast so gut wie mit der mechanischen Rebschere zu präzisieren und nicht gleich alles im Hauruckverfahren abzurasieren (wie Thomas so schön maliziös berichtet: manchmal inklusive der Finger).

Leider gibt es zu dieser Arbeit immer noch keine Livebilder der Winzerin. Aber auf dieser Seite des Herstellers kann man das Model studieren und sogar hier ein Flash-Video sehen, das die Schere in Aktion zeigt. Ich muss aber zugeben, dass ich nicht halb so schnell bin, die der Herr in dem Film!

Sollte mich Klaus nach meiner Rückkehr aus Deutschland einmal mit dem Fotoaparat in den Weinberg begleiten, liefere ich die Bilder meiner Performanz aber gerne später nach.

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Hier nun zum Abschluss das Bild eines Weinstockes (Mourvèdre für den Clos des Cèdres) nach vollendetem Winterschnitt: 3 Äste mit je einem Pfropfen, an dem ich ein freies Auge gelassen habe. Im Idealfall ergibt das 6 neue Rebtriebe für das neue Jahr, an denen maximal 6 Trauben wachsen sollten.

Was darüber hinausgeht, wird im Frühjahr beim Austrieb als "Geiztrieb" behandelt und abgestreift oder, falls das Jahr wirklich zu wuchskräftig großzügig ist, später als Grünernte ausgedünnt.



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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Arbeit im Weinberg
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12 janvier 2008 6 12 /01 /janvier /2008 00:00


undefinedEine Frau am Steuer für die 8. Weinrallye, dachte sich Thomas vom frisch gestylten Winzerblog, das muss auch mal sein. Da glaubte er noch, ich bliebe brav in meiner näheren Umgebung und würde den Tross zu einer Tour durchs Languedoc oder doch zumindest durch Frankreich einladen. Aber ich will mir ja nicht gleich den Vorwurf eines dicken Heimvorteils einhandeln.

Also habe ich ein anderes meiner Lieblingsthemen aus den Archiven geholt - eines, dass mich auch in meinem beruflichen Altag durchaus beschäftigt, dass mich aber auch als Weinliebhaber und Weinkäufer immer wieder fasziniert.

Also Aufruf an alle Etikettentrinker: Holt sie hervor, Eure schönsten Flaschen.

Ob es sich um die handelt, die seit Jahren brav auf dem Kaminsimms verstauben oder blank geputzt in der Vitrine der Kellerbar ausgestellt sind. Ja, die, die ein Vermögen gekostet haben, aber die man doch einmal in seinem Leben getrunken haben muss, wenn man in entsprechenden Kreisen mitreden will (oder einfach nur nicht dumm sterben möchte).

Vielleicht haben Sie sie ja mit Ihrem Verkostungsklub getrunken, um sich die Flasche leisten zu können und den Genuß mit anderen zu teilen. Vielleicht war es aber auch das liebevolle Geschenk eines Partners, undefinedder endlich einmal ihrem Affen Zucker geben wollte und sie mit diesem Sammlerstück überrascht hat und jetzt warten Sie auf eine Gelegenheit, um sie in trautem tête à tête zu zelebrieren.  Dann könnte das Etikett diesen beiden ähneln.  undefinedIch muss  zugeben, dass ich nur eine davon probiert habe, aber das habe ich schon ausführlich hier erzählt. Die andere habe ich vor vielen Jahren einmal verschenkt, ein Dankeschön für den einzigen Weinliebhaber, der ich damals kannte - da wollte ich natürlich auf Nummer sicher gehen. 

Oder aber, zweite Chance für weniger orthodoxe Weinfreunde:

Die Flasche, die Sie rein aus dem Bauch heraus gekauft haben - oder vielmehr ganz vom Auge her, weil Sie Ihnen in der endlosen Reihe eines Supermarktregals aufgefallen ist oder bei Ihrem Weinhändler oder beim Stöbern im Internet, weil sie sich von den ewigen Abbildungen von Schlössern und Gütern in diskreter schwarz-weiß-Zeichnung, den altehrwürdigen Familienwappen oder den zeitweilig trendigen schwarzen Labels mit Golddruck abhob. Durch ihre graphische Gestaltung, die Farbe, das Motiv, die Form, den  Namen, den Humor, die Originalität oder einfach dadurch, dass sie besonders gut zur neuen Tischdekoration der Grillparty passte.


swimming poule Wichtig ist in dieser Kategorie, dass beim Kaufentschluss einmal nicht Parker-Punkte oder Sterneklassifizierungen die ausschaggebende Rolle spielten, sondern Ihr ganz subjektiver "Coup de Coeur", der ästhetische Reiz stärker war als die letzte Forumsdiskussion oder die Verkostungsnotizen in Vinum oder das sakrosankte vorher kalkulierte Preis/Leistungsverhältnis


Vielleicht schlummert ja sogar noch eine solche Flasche im Keller, die aus einemundefined  Spontankauf stammt und die jetzt mit gutem Grund geöffnet werden könnte. Wenn Sie bisher noch tapfer den Marketingsirenen widerstanden haben, ist jetzt die Gelegenheit, sich mal zu opfern und sich ganz den optischen Reizen hinzugeben. Wir wissen ja alle, dass inzwischen Flaschen, genau wie alle anderen Produkte, auch danach "angezogen" werden, aus welcher Entfernung man sie im Regal wahrnimmt - 6 Meter sind da durchaus ein Verkaufsargument der Werbefuzzis, das ich schon gelesen habe. 

Wagen Sie Ihr coming-out, wenn Sie schon lange ein heimlicher Liebhaber von 
"critter-labels" sind (gab es eigentlich eine Cuvée Knud?). Die sind ja seit dem Kängeru mit dem berühmten gelben Schwanz überall zu finden, ob sie nun als Wölfe, Schweinchen oder französische Kaninchen daherkommen. 


Cuvee A  Nieport  man and wine

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Die Auswahl ist groß, man kann sich auch auf den Seiten der Önographilie und der Önosemiophilie der Sammler inspirieren lassen (hier, hier und hier), oder - auch ohne Französischkenntnisse - dem Diskussionsfaden über Etiketten und Rückenetiketten auf dem französischen Forum LPV (La Passion du Vin) folgen, der dort seit Weihnachten täglich mit neuen Beispielen bestückt wird.. Oder auch - dazu reichen Englischkenntnisse - den Archivbeitrag unseres großen Bruders vom Wine Blogging Wednesday von vor zwei Jahren durchforsten.

Und irgendwie paßt das Thema ja auch in die Karnevalszeit (ich gestehe: ich bin im Rheinland geboren und großgeworden). Ziehen wir also ein buntes (Narren)-Kleid über unsere grauen Alltagsuniformen

Drei Bedingungen: der Wein sollte verkostet - vielleicht sogar getrunken - werden. Es sollte ein Foto der Flasche oder des Etiketts geben und dann sollte, wie immer, der Beitrag auf ihrem Blog vor Mitternacht des 6. Februar (Aschermittwoch) veröffentlicht werden.
- die 7. Weinrallye  ausgerufen vom Kaulweinblog, war ja schon ein interessantes Training. 

Eine kleine Nachricht mit dem Link zum Artikel bitte an lisson at wanadoo.fr schicken.

Leser, die keinen eigenen Blog haben, aber trotzdem an dieser Rallye teilnehmen möchten, können mir ihren Beitrag nebst Fotos per Email schicken, ich werde ihn dann gerne in der Zusammenfassung des Themas hier veröffentlichen! Alles, was man sonst immer schon über die Idee der Weinrallye, ihre Durchführung, "Teilnahmebedingungen", Logos und schon abgefahrene Strecken wissen muß, findet man sehr übersichtlich bei Thomas im Winzerblog in der neu gestalteten entsprechenden Kategorie.


Ab jetzt also: Augen auf, Platz den großen Verführern, es lebe der Spontankauf - und hoffentlich: wohl bekomms!











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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Weinrallye
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10 janvier 2008 4 10 /01 /janvier /2008 14:39

undefinedDas heutige Thema, "alles außer Glas", also Bag in Box, Tetrapack und andere Weindosen, obwohl schon lange im Voraus vom Kaulweinblog angekündigt, scheint nicht nur mich vor Schwierigkeiten gestellt zu haben. So geht es auch mir so, dass ich vor den leicht erhältlichen Kanistern (bzw. inzwischen ja BiBs - Bag in Box) , die hier überall auf der Erde gestapelt auch aus lokaler Produktion beim Lebensmittelhändler oder sogar beim Fleischer (siehe Bild unten) erhältlich sind, zurückschrecke, weil ich nicht weiß, was ich mit den restlichen 4,9 Litern dann machen sollte.

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Als ich etwas mehr über die Weine  auf dem Foto wissen wollte, fand ich sie auf der Webseite der Coopérative  von Roquebrun (AOC Villages Saint Chinian) unter "Tonnelet" also kleines Fass, sehr witzig.

Es gibt hier (wie bei meinem schon erwähnten Metzger und auch überall sonst), eine durchaus große Auswahl:

AOC Saint Chinian rot , Cave de Roquebrun, 5 L, 2006, 14,90 €, gibt's auch in der 10 L Box für 27,45 €. Etwas preiswerter als AOC Coteaux du Languedoc und am preiswertesten als Vin de Pays Haute Vallée de l'Orb mit 10 Litern für 20,95 €. Hier übrigens mit einem Anteil von 25% einer Rebsorte, von der ich noch nie gehört habe, dem oder der "Consault". Ich konnte nichts darüber im Internet finden, es handelt sich aber vermutlich um eine (wohl produktive) Kreuzung von irgendwas mit Cinsault, der klassischen Traubensorte im Süden für leichte, fruchtige Weine und Rosés.

AOC/VDQS Weine
machen übrigens schon 30% des BIB-Markts aus.

Leider paßt diese Verpackung einfach nicht zu meiner Art des Weinkonsums. Der ist eher mäßig, deshalb lege ich Wert auf beste Qualität, selbst eine Flasche reicht manchmal über die Woche. Und bei Besuch, selbst wenn darunter eine Mehrheit als Vieltrinker bekannter deutscher oder englischer Gäste ist, bricht mein pädagogischer Eros durch, der hofft, dass sie vielleicht doch einmal den Unterschied schmecken und ich verzichte auf "Geiz ist geil" und hole aus dem Keller, was da an guten, zur Einführung vielleicht eher frucht- als tanninbetonten Weinen so lagert.

Leider ist bei den meisten Gegeneinladungen nicht damit zu rechnen, dass mir das mit Gleichem vergolten wird. Hier probiere ich immer mal wieder ein Glas dieser "Fotainenweine" (so werden sie auch gerne genannt), bei dem es dann auch wegen mangelnder Begeisterung meiner Geschmacksnerven bleibt -  weshalb ich auch immer ohne Probleme recht unkalkoholisiert auf der Rückfahrt das Steuer übernehmen kann... danke, liebe Freunde!

In örtlichen Bistros und Restaurants, wo die BIBs inzwischen für die offenen Weine auch Einzug unter der Theke gehalten haben, ist es mir manchmal lieber, ein Glas "Spezialbier" (es gibt fast überall eine breite Auswahl guter - belgischer - Marken) zu trinken, als mir den oxydierten  Hauswein anzutun. Dabei kann man bei den Rotweinen, falls sie noch nicht zu lange angezapft wurden (Haltbarkeit im BIB 6 Monate, nach Öffnung maximal 3 Wochen bei guter Kühlung) zur Pizza oder zum Steak Frites noch glimpflich davonkommen. Deutsche Touristen, die im Sommer ein Glas offenen Weiswein auf der Terrasse ordern, halte ich, falls es nicht ihr allererster Versuch ist, allesamt für Masochisten!


Wegen des schlechten Wetters in den letzten Tagen, habe ich es leider nicht geschafft, mich bis zum nächsten, wohlsortierten größeren Supermarkt durchzukämpfen (immerhin ca. 25 km entfernt), um  nachzusehen, wie weit die kleineren Alternativverpackungen, wie Tetra-Packs und Blechdosen, über die ich viel im Internet gelesen habe, dort inzwischen ihren Einzug gehalten haben. 1 Liter oder gar 0,25 Liter wären für den Selbsttest ja eine durchaus bekömmlichere Menge.

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Davon kommen, nach Testläufen in den letzten Jahren in USA, Kanada, Großbritannien und den skandinavischen Ländern, auch in Frankreich immer mehr auf den Markt. Irgendwie muß der Weinsee doch trocken zu legen sein. Da läuft das French Rabbit, das französische Kaninchen der Gruppe Boisset (Clos de Tart), um die Wette mit Produkten von Cordier und Duboeuf, alle nicht gerade Zwerge auf dem Weinmarkt.  Die Verkaufsargumentation geht von modern, leicht, praktisch mitzunehmen bis hin zu ökologischen Argumenten mit Recycling. Für 4 verkaufte französische Kaninchen wird in Kanada ein Baum gepflanzt und auch die Wiederverwertbarkeit wird illustriert. Es werden schon lange nicht mehr nur einfache Massenweine unbekannter Herkunft abgefüllt, sondern, wie in den BIBs auch AOC-Weine, nicht nur das  Languedoc, sondern auch Bordeaux sind in das Geschäft eingestiegen.

Die Marktanalysen in Frankreich sprechen, selbst bei jungen Leuten, zwar noch von einer Tendenz, den Wein als kulturelles Erbe anzusehen und so beim Packeging eher die "klassischen" Formen zu bevorzugen. Aber das gilt wohl doch hauptsächlich für den "festiven" Wein, wo die Flasche (und auch möglichst das Plop des Korkens, sei er denn auch aus Kunststoff) zum Outfit einer festlichen Tafel gehört.

Für die Hauptkonsumenten, für die der Wein, wie im vorigen Jahrhundert, noch ein Nahrungsmittel ist, das zum täglichen Essen gehört, zeigt sich zu meinem Erstaunen, dass die BIB-Konsumenten eher in den großen Städten leben und eher ältere Menschen (80 % über 50) und kinderlose Paare sind. Dabei zählen die "gutgestellten" Haushalte eher zu den BIB-Kunden als die aus der Kategorie "bescheidene Einkünfte". (Quelle hier)

Aber, wie es weiter so schön heißt: "Das kulturelle Gewicht der Flasche im Weinuniversum hindert aber andere Operateure nicht daran, in die Marktlücke der Weinkartons zu investieren. Die Firma Trilles (Val d'Orbieux - bekannt durch den so beliebten "Vin Mythique"), hat eine Palette von Vins de Pays d'Oc in 25 cl Kartons herausgebracht, die direkt aus der Verpackung getrunken werden können, mit einem Premium Teleskop Trinkhalm." was auch immer das sein mag. Die Seite der Firma ist im Moment leider "außer Betrieb".

"Der Bordeaux Händler Cordier setzt auch auf den Tetra Prisma 25 cl, aus zwei Bordeaux-Rebsorten, indem er Tandem als AOC Bordeaux auf den Markt bringt, mit einem "sensorischen" Trinkhalm mit mehreren Düsen, der "das gleiche Gefühl im Mund wie beim Trinken aus dem Glas" erzeugen soll." (hier)

"Dieser Markt für Spaßweine für den Nomaden-Konsum und/oder das Freilufttrinken führt auch zur Entwicklung von Büchsen  (siehe oben) oder mit Aluminium verschlossenen Gläsern."

Davon konnte ich schon nach meiner letzten Deutschlandreise aus dem TGV berichten (hier).

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Selbst Michel-Edouard Leclerc, Besitzer einer der größten Supermarktketten Frankreichs, führt in seinem Blog aus, dass, obwohl er sich anfangs irrte, weil er nicht an den Siegeszug des Weins in BIBs und Kartons glauben wollte, diese Form der Verpackung inzwischen schon 11,2% der Umsatzsumme und 18% des Umsatzvolumens in seinen Läden ausmacht. Leclerc besetzt inzwischen 20% des Bag in Box Marktes. 

Soweit also mein "Nichtartikel" für diese Ausgabe der Weinrallye. Ich hoffe, dass der Leser doch ein paar interessante Einzelheiten erfahren konnte und mir so verzeiht, dass bei mir auch in Zukunft der Normalfall einer Verkostung von Wein, der nicht aus der Flasche kommt, bei der Fassprobe in meinem Keller stattfindet.

Aber noch mal ein großes Bravo für all die tapferen Selbstversuche der anderen Rallyeteilnehmer, die ich heute schon gelesen habe und die uns der Kaulwein-Blog dann sicher in voller Breite vorstellen wird.



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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Weinrallye
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4 janvier 2008 5 04 /01 /janvier /2008 15:27
Zum neuen Jahr gab's einen fulminanten Auftakt mit Sturmwarnung über der Küste des Golf de Lyon und Extra-Warnung für unser Hinterland des Espinouse wegen nächtlicher Gewitter mit starkem Dauerregen.

Meteo France hatte sich nicht getäuscht. Auch wenn wir auf unserer Talsohle vor den starken Windböen besser geschützt sind als die Mittelmeerküste, so wurden wir doch in den Stunden nach Mitternacht von Blitz und Donner wachgehalten. Auch am Morgen ist noch keine Sonne zu sehen, eine Wiederauflage von "singing in the rain" , von dem ich ja auch in vergangenen Jahren von Zeit zu Zeit berichten konnte.


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Am beeindruckendsten ist dabei wohl immer die Geräuschkulisse rings ums Haus. Unsere sonst trockenen Schluchten und das kleine Bächlein von Lisson verwandeln sich in rauschende Sturzbäche und die zahlreichen Wasserfälle erfüllen mit ihrem Tosen die Luft, auch wenn der Niederschlag längst wieder abgenommen hat.

An einen Ausflug ins Dorf ist dann für 24 Stunden nicht zu denken, die Furt über den Weg wäre unseren Motoren nicht zuträglich und auch die Gummistiefel sind nicht hoch genug...


wasserfall  wasserfall  undefined  undefined  die Furt

Also bleiben wir im Trockenen, kontrollieren von Zeit zu Zeit den Wasserstand in den Nebengebäuden (nicht besorgniserregend) und trösten uns damit, dass der Blitz die Telefonleitung nicht erwischt hat und auch noch kein Baum auf die Leitung gestürzt ist. Wasser können wir nach dem recht trockenen Jahrgang 2007 gut gebrauchen. Cela refait les reserves - das füllt die Vorräte wieder auf. Und irgendwann kommt nach Regen ja auch wieder Sonne und die Arbeit im Weinberg kann weitergehen.

In diesem Sinne wünschen wir allen Freunden von Lisson noch ein gutes, feuchtfröhliches Neues Jahr. Möge sich all das Wasser in guten Wein verwandeln!







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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Allgemeines
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23 décembre 2007 7 23 /12 /décembre /2007 17:41

Langsam geht auch dieses Jahr  seinem Ende entgegen.  Schnee und Eis  haben sich schon wieder verabschiedet.

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So, wie wir uns darüber freuen können, dass seit gestern die Sonne wieder täglich später unter geht, die für uns auf der Talsohle dunkelste Zeit des Jahres also langsam wieder vorbei ist, so zeigen sich auch unter Frost und Eis schon die kleinen Rosenknospen, die uns schon aufs Frühjahr und seine neuen Blütenträume hoffen lassen.

Im Weinberg sollte es durchaus ruhiger zugehen: hier steht noch der gesamte Winterschnitt bevor und es ist ein gutes Gefühl, zu wissen, dass die alten Triebe verholzen und der Saft sich auf die Stöcke und Wurzeln konzentriert, ehe ein neuer Zyklus anbricht.

Ein paar Tage Ruhe zum Jahreswechsel werden wir genießen, denn zu guter Letzt hat uns doch noch die Erkältungswelle, die im Tal grassiert, erreicht und unsere Ernegien etwas lahm gelegt.  Da ist es gut, dass wir eh keine Feiertagspläne hatten - Geschenkerummel schenken wir uns schon lange - Festtagsvöllerei muss auch nicht sein - also einfach ein paar friedlich, besinnliche Tage als Pespektive, bevor es mit neuen Kräften wieder ins Gelände geht.

Und so steht für den ersten (und in Frankreich einzigen) Feiertag zwar Wildschwein auf dem Programm - ein, wie der diesem Blog geneigte Leser inzwischen weiß, Dauerthema in Lisson. Aber eben nicht in seiner unverdaulichen Form als Eindringling im Weinberg oder schwer verdaulich mit Klößen, sondern sehr informativ auf dem Bildschirm:

In der Reihe Arte-Wunderwelten wird am Dienstag, dem 25. Dezember um 12 Uhr 35  der sehr sehenswerte Beitrag

Japan - Brennpunkt Wildschwein

von Motohito Nishibashi wiederholt, der uns 46 Minuten lang die Erkenntnisse von Professor Eguchi aus Tokio vorstellt:


"Wildschweine haben es Professor Eguchi aus Tokio ganz besonders angetan. Entgegen aller Vorurteile und Abneigungen in der Bevölkerung fand er heraus, dass sich hinter deren schwerfälligen Erscheinung ungeheure Kraftpakete mit großer Lernfähigkeit verbergen. Für Bauern bleiben die gefräßigen und wehrhaften Tiere stets Feinde ihrer Landwirtschaft. Professor Eguchi hat es sich zur Aufgabe gemacht, eben diesen Ruf in Frage zu stellen und das ungeliebte Borstenvieh und seinen Bestand zu schützen.

Im Bezirk Shizuako liegt ein Freizeitpark, der sich die außergewöhnlichen Fähigkeiten der Tiere zu Nutzen gemacht hat. Seine Attraktion: dressierte Wildschweine. Der Besucher kann die Tiere bei zahlreichen, ausgefallenen Renn- oder Schwimmvorführungen erleben. Für Professor Eguchi ist der Park jedoch in erster Linie ein hervorragendes Versuchslabor, in dem er die Tiere und ihr Verhalten beobachten kann. Zusammen mit seinen Studenten führt er Experimente durch, um herauszufinden, wie man Bauern helfen kann, deren Felder von Wildschweinen heimgesucht werden. Er nimmt die Sorgen der Bauern ernst und bemüht sich, mehr über Wildschweine zu erfahren, um sie in der Folge auch besser schützen zu können."

Die duchgeführten Experimente ergänzen unsere eigenen Beobachtungen zum Verhalten dieser Tiere in freier Wildbahn und geben durchaus interessante Hinweise darauf, wie man z.B. einen Elektrozaun so konstruiert, dass er wirklich als Hindernis wahrgenommen wird. Wir haben ja schon mehrmals über unsere Schutzmaßnahmen berichtet und Klaus hat auch in Fachkreisen schon erregte Diskussion mit seinen Fragen nach technischer Information ("wieviel Ohm hat ein Wildschwein?") ausgelöst (siehe hier).  Durchaus auch lesenswert für den technischen Laien, da unser Thema auch bei Elektronikern zu einen wahren Sturm von kuriosesten Ideen geführt hat.

Dass auch im japanischen Beitrag "Hausmittel", wie Löwenexkremente, zur Sprache kommen, hat uns amüsiert -  beliebt sind auch "Humanurin" und "Menschenhaare" - aber die Studien über das konkrete Sprungverhalten der Wildschweine oder den Einsatz von Schafherden zur wildschweinabschreckenden Landschafts- und Brachenpflege sind  durchaus weniger exotisch und auch (oder gerade) in Europa leichter umzusetzen. Zumal hier auch die gleich mitgedachte Weiterverwertung von Hammel- und Lammfleisch auf ein empfangsbereiteres kulinarisches Umfeld stößt, als in Japan...

Vielleicht gehören dann irgendwann solche Bilder wirklich nur noch ins Reich der Fantasie....

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In diesem Sinne: Frohe Feiertage!




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18 décembre 2007 2 18 /12 /décembre /2007 14:45
weinrallye-200.jpg
Die 6. Weinrallye, ausgerufen von Lars vom Blog Schreiberswein, stellte uns vor die Frage: "Mit welchem Schaumwein feiert ihr ins neue Jahr?". Dazu erfuhr man, dass der heutige Tag, der 18. Dezember gleichzeitig auch der Internationale Tag der Migranten ist. Also für mich doppelter Anlass, einen Beitrag von Lisson vorzubereiten.
Seit Mitternacht berichtet Lars schon über den Zwischenstand, etliche Schaumweine haben es schon über die Ziellinie geschafft.

Um regional zu bleiben, hätte ich nun über eine Blanquette aus Limoux, klassisch oder nach der méthode ancestrale, berichten können. Oder über eine Clairette  oder einen Crémant de Die.
Aber es geht ja um einen besonderen Anlass, nämlich um den Übergang ins neue Jahr und da sollte es schon ein besonderer Schaumwein sein. Also heißt es hier und heute:

Vive le Champagne!

zwei-gaeser-champagner.jpg

Dass es sich dabei schon um ein besonderes Getränk handelt, fiel mir vor ein paar Jahren auf der Prowein in Düsseldorf so richtig auf. Damals arbeitete ich als Dolmetscherin am Stand eines französischen Champagnerhauses aus Reims und stellte während der drei Messetage fest, dass kein einziger der professionellen Kunden an diesem Stand auch nur ein einziges Mal den Spucknapf benutzen wollte, der an Weinständen, außer von eingeschlichenen Privatbesuchern, sonst immer fleißig gefüllt wird. Obwohl ich schon für diverse Winzer auf Messen gearbeitet habe und dabei natürlich schon aus Prinzip (schließlich "arbeite" ich ja) nicht schlucke, muss ich zugeben, dass es auch mir nicht möglich war, den Nektar mit den prickelnden Bläschen wieder auszuspucken.

Nach dieser Erfahrung konnte ich den von Lily Bollinger überlieferten Spruch besser verstehen:

Ich trinke ihn, wenn ich froh bin
und wenn ich traurig bin.
Manchmal trinke ich davon, wenn ich
allein bin; und wenn ich Gesellschaft habe,
dann darf er nicht fehlen.

Wenn ich keinen Hunger habe,
mache ich mir mit ihm Appetit.
Wenn ich hungrig bin, lasse ich ihn
mir schmecken.
Sonst aber rühre ich ihn nicht an.
Ausser, wenn ich Durst habe.

Zitat gefunden in  einem Buch über Champagner (Christian Göldenboog, Klett-Cotta, 1998), dessen Autor auch an unserem Stand Halt machte. Es enthält alles, was man immer schon über dieses Getränkt wissen wollte - und vieles mehr, z.B. auch die Erklärung zu Aussage : "Kluge Liebespärchen trinken nie Champagner".

francisblogboulard.jpgAber jetzt zu meinem Auserwählten: einem Champagner von Francis Boulard, Ihnhaber, mit seiner Frau Jeanne, des Guts Champagne Raymond Boulard aus Cauroy les Hermonville.

Francis habe ich zwar noch nicht persönlich getroffen, aber da er auch zu den emsigsten französischsprachigen Winzerbloggern gehört, sind wir auf diesem virtuellen Weg inzwischen durchaus Freunde geworden.

Seine schöne Webseite wird durch den Blog, der uns an Francis Arbeit in Weinberg und Keller, aber auch an seinen Reisen und Entdeckungen auf internationalen Weinmessen teilnehmen läßt, lebendig ergänzt. Nicht zuletzt die wunderschönen Fotos aus der Champagne lohnen, sich einmal durch seine Archive zu klicken.

Die ersten Flaschen von Champagne Boulard sind übrigens durch einen "Ringtausch" in meinen Besitzt gelangt. Und so hatte ich das Privileg, Ende 2005, nein, nicht an Sylvester, sondern zu einem improvisierten Essen mit Freunden, die um Lisson frische Steinpilze gesammelt hatten, die legendere Cuvée La Comète zu genießen.


comete-2000.jpg

Dabei handelt es sich (und hier übersetze ich Ihnen den französischen Text des Gutes), um eine Cuvée, die von langer Hand vorbereitet wurde. Der Grundwein für diese zweite Cuvée des Jahrgangs 1986 lagerte 12 Jahre in den Kellern des Gutes, um seine qualitative Höchstform für das Jahr 2000 zu erreichen. Ein vollreifer Champagner, der für die Liebhaber alter Jahrgänge reserviert wurde. 1986 war der Jahr des Halleyschen  Kometen, daher der Name. Die hier assemblierten Crus stammen aus 7 traditionellen Lagen, darunter der Grand Cru Vallée de la Marne-Rive Droite und der Montagne de Reims.

etiquette-comete2.gif

Die Rebsorten sind :
    weiße Trauben : Chardonnay 60 %,
    rote Trauben: Pinot Noir 20 % et Pinot Meunier 20%.

Böden: Kalklehm und Kalk-Lehm-Kieselerde Böden.

mittleres Alter der Reben : 30 Jahre.
Handlese "halb-spät", um eine optimale Reife zu erreichen, einen natürlichen hohen Zuckergehalt und volles Aromenpotential. Strenge, wiederholte Auslese im Weinberg.

Die einzelnen Chargen wurden auf einem Membrankelter, der 4000 Kilo faßt, sanft gepresst. Nur die Cuvées, die das höchste Alkoholpotential hatten, sowie die speziellen Geschmackskomponenten, die für den Jahrgang aussagekräftig waren, wurden für die Erarbeitung dieses Jahrgangschampagners ausgewählt. Die Weinbereitung erfolgte klassisch  in kleinen  Edelstahltanks mit 50Hl. Kältebehandlung, keine malolaktische Gärung. Dieser Champagner wurde nicht dosiert (bei der endgültigen Abfüllung wurde kein Zucker mehr zugefügt).

bulles.jpg
Meine Verkostungsnotizen erinnern mich an die feinen Perlen, die in den Gläsern aufstiegen, an den warmen Bernsteinton und die vollen Aromen, in denen eine leicht oxydative Note sich vereinte mit den Aromen von Honig und Früchten (wie Quitten), die eine ideale Vereinigung mit unserer Choucroute eingingen.

Leider kann ich diese Erfahrung zu Sylvester nicht mehr wiederholen. Aber es wartet eine weitere Flasche von Francis auf uns: diesmal wird es seine Cuvée Petraea sein, deren Korken knallen wird.

etiquette-petraea2.gif

Auch hier geben die Ziffern XCVII - MMIV wieder Aufschluss über den Werdegang der Cuvée. Der Name Petraea stammt von der Eichensorte der Quercus petraea, aus der die feinsten Eichenbretter (merrains) für die Fabrikation von Eichenfässern gemacht werden.  Es ist eine Assemblage aus den Ernten von 1997 (XCVII) bis 2003 (MMIV). Die drei ersten Jahrgänge wurden dabei in Eichenfässern  (Quercus Petraea) vinifiziert und ausgebaut getrennt nach Rebsorten und Lagen. Die Fässer waren Barriques, die bereits 3 Weine enthalten hatten, mit nur 10% neuen Holz. Die Assemblage erfolgt erst kurz vor der Abfüllung auf Flaschen.

Anschließend wird jedes Jahr der neue Wein des Jahrgangs hinzugefüllt, im Rahmen eines Viertels ders Gesamtvolumens. Von diesem Mischsatz wird dann jeweils die dieser "Auffüllung" entsprechende Menge abgezogen und auf Flaschen gefüllt, da man ja jedes Jahr nur einen Teil des Gesamtvolumens abzieht.

Dieses Prinzip wird Solera genannt, es erlaubt die Präsenz alter Jahrgänge in der Assemblage: eine Solera, die vor 50 Jahren begonnen wurde, enthält also immer, wenn auch nur noch in geringen Mengen, Weine, die bis zu 50 Jahre alt sind, da eben immer nur soviel jährlich davon abgefüllt wird, wie vom neuen Jahrgang dazukommt. 

Es ist diese "Basis" von 75% älteren Weinen in der Reserve, die es möglich macht, eine gleichbleibende Qualität, unabhängig vom Jahrgang zu erzeugen, die auch die Lage gleichbleibend zum Ausdruck bringt.

Cuvée Petraea :

Gobales Volumen = 75 hl, + ou - 25 hl die zugefügt und abgezogen werden. 
Natürliche Hefen. Weinbereitung ohne Schönung und Filterung. Aufrühren der feinen Hefen der neuen Ernte, je nach Maßgabe des Jahrgangs. Für die Phase der Schaumbildung wird der Druck auf 5at/cm2 beschränkt (statt 6at für die klassischen Cuvées), um einen feinen, diskreten Schaum zu erhalten, der die Struktur und den Weincharakter der Cuvée besser unterstreicht, ohne die Eleganz zu mindern.

Dosierung : 7 g / l. Traubenmostkonzentrat.
Assemblage :
Pinot Noir 60 % + Pinot Meunier 20 % + Chardonnay 20 %.
Mittleres Alter der Reben: 30 ans.

(Preis im Fachhandel zwischen 24 und 28 €)

champagner-petraea.jpg
Soweit also die theoretische Vorbereitung auf den Sylvesterabend - bisher ist der Genuß noch rein virtuell...

champagner-bulles.jpg

.. aber dann werden sie wieder aufsteigen im Glas, les fines bulles, die feinen Bläschen, die uns so beleben und inspirieren und mit denen wir anstoßen werden, auf ein hoffentlich gutes Neues Jahr!


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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Weinrallye
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16 décembre 2007 7 16 /12 /décembre /2007 14:27

Auch im Süden Frankreichs  breiten manchmal düstere Wolken ihre Schwingen aus.

schneefl--gel.jpgFoto: Klaus

Schnee fällt über Nacht - aber schon der nächste Morgen bringt wieder wohltuenden Sonnenschein.

Schnee und Eis sind schnell  abgetaut

tauwetter.jpg
Unser Bergpanorama erscheint wieder klar und reingewaschen.

berg.jpg



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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Strandgut
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14 décembre 2007 5 14 /12 /décembre /2007 10:36
 
In unseren neuen Barriques geht alles seinen, winterlich bedingten, ruhigen Gang. Der Pinot Noir hat seine malolaktische Gärung abgeschlossen, die anderen Weine haben erst mal eine Pause eingelegt, da die Kellertemperaturen inzwischen doch zu niedrig sind und die kleinen Helfer warten jetzt auf den Frühling, ehe sie ihre Arbeit wieder aufnehmen.

Wir werden ein paar von den alten Barriques, die jetzt zu Lagerzwecken nur noch mit geschwefeltem Wasser aufgefüllt sind, aussortieren.  Dann stellt sich wieder die Frage ihrer Weiterverwendung und da ist Kreativität gefragt.

Natürlich kann so ein bebrauchtes Barrique noch als Wassertonne unter einer Regenrinne dienen. Das haben Freunde von uns auch schon damit gemacht, auch halb zersägt als Blumenkübel werden sie häufig auf den Märkten angeboten - ich habe schon Sessel und natürlich die üblichen Bartische aus Barriques gesehen, das ist Geschmacksache... Auch in unserem Keller verkosten wir an einem aufrecht stehenden Barrique, aber im Wohnraum baruche ich das nicht unbedingt, man kann die Rustikalität auch übertreiben.

Kopfplatten (hier) oder auch einzelne Dauben (hier)werden gerne von Künstlern als Untergrund für Bilder benutzt - es gibt sogar Stereoboxen aus dem Holz alter Whisky-Fässer, die einen besonders guten Klang haben sollen. Kein Wunder, immerhin handelt es sich um hervorragende, gut abgelagerte Eiche - bei uns natürlich nur französische:-)

Aber die schönste und originellste Verwendung, die ich bisher gesehen habe, ist die Sammlung von Château Puech Haut, die ich voriges Jahr auf der Vinisud-Messe in Montpellier entdeckte. Der Besitzer des Weinguts konnte moderne Künstler aller Stilrichtungen dazu gewinnen, je ein ihnen zur Verfügung gestelltes Barrique zu gestalten oder transformieren.

Hier ein paar kleine Kostproben. Vielleicht eine Anregung für die nächste Weihnachtsbastelaktion:












Man sieht, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.  Ein paar weitere Kostproben, diesmal von meinem Fassmacher Boutes gesponsert, finden sich hier. Ich frage mich, ob man mit gebrauchten Barrique-Socken (hier) auch so kreativ umgehen wird - obwohl, wenn ich so drüber nachdenke, habe ich auch da schon die eine oder andere Idee...

Aber keine Angst, dafür werde ich meine Kellermethoden nicht extra ändern!

Bruno-Barrique.jpg
In Lisson profitiert erst mal Bruno vom Barrique-Recycling.




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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Strandgut
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Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

Begleiten Sie mich also auf dem Weg durchs Winzerjahr. Hinterlassen Sie Ihre Kommentare oder stellen Ihre Fragen, damit aus diesem Blog ein lebendiges Kommunikationsmittel wird.

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