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13 décembre 2005 2 13 /12 /décembre /2005 01:58


„Sound of wine“  die Musik des Weins in der Gärung, das gibt es sogar schon auf CD, ein einfallsreicher Winzer aus Österreich hatte bereits diese Idee und hat vor einigen Jahren die Gärgeräusche seiner Barriqueweine zu einem Opus mit 15 Sätzen zusammengestellt – und Werner Elflein  war so  freundlich davon zu  berichten.

In Lisson war während der letzten Tage eine andere Musik des Weinmachens zu hören: nach dem Glucksen des Vorlaufs, also des erstens Weins, der aus den Tanks sprudelte und gleich durch den Schlauch mit Schwerkraft in den alten Gewölbekeller floss, um dort  die frisch gespülten Barriques zu füllen, war das anheimelnde Geräusch der alten vertikalen Spindelpresse zu hören.



Click-ClackClick-ClackClick–ClackClick-Clack  zu Beginn, um den schönen alten Mechanismus der Gewichte um die zentrale Spindel nach unten gleiten zu lassen

Click  -  Clack     Click – Clack    Click – Clack     



Click



Clack




Click

Gegen Ende, wenn es langsam schwieriger wird, den Mechanismus noch einmal mit dem eisernen Hebel zu einer weiteren Umdrehung zu bewegen, der die kleinen Keile „klicken“ lässt und so den Rhythmus erzeugt, der die Anstrengung begleitet.

Der Druck ist sanft, leicht zu regeln. So besteht kein Risiko, unangenehme Stoffe aus Rappen und Kernen  mit heraus zu pressen. Es entsteht einrichtiger Maischekuchen, bei dem die festen Bestandteile gleichzeitig dafür sorgen, dass der Saft schon leicht gefiltert wird, bevor er in den Eimer fließt, aus dem er dem Vorlauf nach unten in die Fässer folgt.



Der Tresterhut, der übrig bleibt, strömt noch einen angenehmen Weingeruch aus, es ist fast schade, ihn auf den Kompost für den Garten zu bringen.

Während ich noch diesen Geruch einatme, werde ich an die alte Praxis erinnert, bei der man früher das ganze noch einmal auseinander nahm, neu auf die Presse füllte und unter Zusatz von Wasser die „Piquette“ herauspresste, den früher oder später immer sauren (piqué) Wein, den man den Arbeitern auf den Gütern als Durst stillendes Getränk servierte.


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11 décembre 2005 7 11 /12 /décembre /2005 12:44
Die Klimakunde hat ja gezeigt, dass wir, je nach Jahreszeit, recht extreme Bedingungen haben können: viel bis zu viel Sonne, keinen oder sehr viel Regen, Wind, bis das wir abwinken...

Davon hängt auch unsere Energieversorgung ab. Wir sind nicht ans nationale französische Atom-Stromnetz angebunden, das EDF = Electricité de France verteilt. Leider gäbe es auch keine Chance, nur Strom aus dem nicht weit entfernt auf der anderen Seite des Tales liegenden Wasserkraftwerkes zu bekommen oder von den auch hier in luftiger Höhenlage sprießenden Windparks. Verschiedene Anbieter oder eine Stromrechnung, auf der die Herkunft des Stroms vermerkt ist,  sind hier noch nicht in Sicht.

Also haben wir in Lisson von Anfang an beschlossen, uns unabhängig und so alternativ wie möglich zu versorgen. Wenn man erst gelernt hat, dass die wichtigste Maßnahme das Vermeiden von Energieverschwendung ist, geht das ganz einfach.

No-Watt für die Weinproduktion.

Low-Watt für die tägliche Versorgung im Haus und romantische Abende bei Kerzenlicht und Petroleumslampen bei geselligen Gelegenheiten und an langen Winterabenden – das spart auch die Anti-Faltencrême!

Kochen mit Gas – wie fast überall hier mit „Feldgas“ aus großen Flaschen statt „Stadtgas“ und heizen mit Holz im Winter – die Grüneichen und Kastanienwälder müssen ständig ausgedünnt und gepflegt werden, wenn wir nicht ganz zuwachsen  und einem der gefährlichen Waldbrände zum Opfer fallen wollen, also ist immer genug Vorrat da, der wieder nachwächst.



Für den geringen Bedarf sorgen also seit ein paar Jahren unsere Sonnenpanele,  von Frühling bis Herbst kein Problem.



Selbst im Winter ist damit die Grundversorgung garantiert, aber seit einigen Wochen hilft ein kleines Windrad, die Tramontane, den Nordwind, in speicherbare Energie umzuwandeln.



Und wenn wir uns in den herbstlichen Regenperioden den tosenden Bach ansehen, wissen wir, dass auch da noch Reserven aktiviert werden können.



Nur wenn gar nichts mehr hilft, oder mal ein paar Heimwerker-Werkzeuge in Gang gesetzt werden müssen, wird der Nothelfer, das kleine Elektroagregat hinterm Haus angeworfen und wir verschwenden ein paar Liter Benzin.


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1 décembre 2005 4 01 /12 /décembre /2005 00:00


 

Ein  verregnetes Wochenende im Internet hat ein paar Gedanken zurückgelassen, die mir im Kopf herum gehen.

 

Zunächst ein kurzer Text, der die Meldungen zusammen fasst:

„ Die Zulassung amerikanischer Praktiken bei der Weinbereitung für den Import dieser Weine nach Europa teilt die Kritiker in zwei Lager. Hier die Liste der Maßnahmen, die bisher in Europa noch verboten sind: 

Zusatz von bis zu 7% Wasser
Aufzuckern bis zu einem Gehalt von 13,5° Alkohol
Mehr zugelassene Mittel, um den Säuregehalt zu korrigieren
Eichenspäne, um die Weine geschmacklich abzurunden
Korrektion der flüchtigen Säure
Entalkoholisierung
Zuführung von Aromen“

Was soll man dazu sagen:

Zunächst einmal könnte es einen Winzer ganz schön wütend machen, zu sehen, dass noch mehr zusammengepanschte Weine am Markt sein werden – aber dann hört man mit Erstaunen, dass es auch schon Stimmen gibt,  die diesen Katalog nur kritisieren, weil sie darin eine illoyale Bevorzugung der Konkurrenz sehen und durchaus bereits wären, die gleichen Methoden zu verwenden, wenn sie dadurch Marktvorteile bekämen. 

Meine Webspaziergänge haben mich dann auch auf andere Seiten gebracht – und was ich dort im Angebot sah, hat mich doch recht nachdenklich gemacht. All das kann man in Frankreich schon lange kaufen – es wird hier fabriziert – also ist es auch hier zugelassen – und wenn all die Pülverchen zugelassen sind und zum Verkauf stehen, dann heißt das, es gibt auch genügend Winzer, die sie benutzen.

Schon vor einiger Zeit  mischte sich auch Hugh Johnson, dessen Bücher ich immer als interessant und lehrreich erlebt habe, auf sehr polemische Weise in die Diskussion über so genannte “authentische  und natürliche Weine“ ein..

 "Nature doesn't make wine. Nature makes vinegar. Only by interfering with the natural process do we stop it at the stage of 'wine'. In fact, wine wouldn't even exist without mankind." (die Natur macht keinen Wein, die Natur macht nur Essig. Nur durch unsere Eingriffe in den natürlichen Prozess bewahren wir die Stufe des „Weins“. In Wirklichkeit würde es ohne den Eingriff des Menschen gar keinen Wein geben).

Im Prinzip nicht falsch, aber wenn  er anschließend die Kritik an der Industrialisierung, wie sie im19. Jahrhundert geboren wurde, auf die Gegenkultur des Anti-Establishments der 70ger und 80ger Jahre extrapoliert, und diese Bewegungen als die Quellen der Traditionsbefürworter ortet, die Authentizität als oberstes Prinzip fordern und dann auch noch eine Opposition von Tradition und Qualität konstruiert, bekommt auch sein abschließendes Credo einen bitteren Nachgeschmack:

“Drink what you like, regardless of how it's made. That's the only true yardstick for you to use. Evaluate with your palate, not some idealistic romance-novel views of what the world should be...”

(Trinken Sie, was Sie mögen, egal, wie es hergestellt wurde.  Das ist die einzige Elle, mit der Sie messen sollten. Bewerten Sie mit Ihrem Gaumen, nicht mit irgendwelchen idealistischen Ansichten aus romantischen Romanen, darüber, was sein sollte...).

So sehr ich unterschreiben würde, dass man trinken sollte, was einem schmeckt, so sehr  bin ich aber auch davon überzeugt, dass  der Genuss noch erhöht werden kann, wenn man weiß, was man trinkt, wie das, was man trinkt zustande kommt! Und wenn ich sehe, welche Manipulationen heute möglich und auch schon üblich sind, dann will ich noch dringender wissen, wer was wie macht. Und ich möchte Antworten auf meine Fragen. Wenn die Praktiken hinterfragt werden, bleiben Authentizität und Natürlichkeit keine leeren Worte, die nur als Artefakte einer neuen Marketingstrategie, einer neuen Marktmode eingesetzt werden.

Seien wir also neugierig, auch über den Rand unseres Glases hinaus und stellen unsere Fragen, auch wenn sie manchen stören, und wenn das überlebter romantischer Idealismus sein soll, seien wir mit Überzeugung romantische Idealisten!

 

 

 

 

 

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30 novembre 2005 3 30 /11 /novembre /2005 18:58



Das hat eine französische Marketingagentur herausgefunden, die untersucht hat, was in der Konzeption eines Flaschenetiketts Franzosen zum Kauf reizt oder davon abhält. Sie legten 300  ausgewählten Verbrauchern  je 50 Etiketten französischer und ausländischer Weine vor, die sie bewerten sollten. Dabei wurde methodisch einer Bewertung nach dem Kriterium „mag ich, mag ich nicht“, kaufe ich, kaufe ich nicht“ bevorzugt, es ging nicht um Kommentare.

Nach dieser Studie geht es Franzosen eher um Etiketten, die als „Adelsbrief für den Wein“ gelten können, also eher klassische Modelle. Nach Aussagen der Agentur ist ein zu gestyltes Design- Etikett eher kontraproduktiv für die Kaufentscheidung. Dabei stimmten die Vorlieben der 300 Probanden überein, unabhängig von Alter, Geschlecht, Beruf oder Ort des Einkaufs.

Die Lektüre dieses Artikels hat mich nicht ganz überzeugt, ich wüsste doch gerne mehr über die Zusammenstellung der Gruppe der Befragten – und natürlich würde es mich sehr interessieren, ob bei einer Umfrage in Deutschland ein ähnliches Ergebnis zustande käme.

Wenn man die vielen Künstleretiketten bedenkt, die auf internationalen, aber auch französischen Flaschen inzwischen auch florieren, wären die ja dann alle „am Markt vorbei“ produziert worden.

Die Frage stellt sich sicher auch unterschiedlich, ob der Wein nun in einem neutralen Supermarktregal gewählt wird, oder nach vorheriger Beratung durch einen Weinfachhändler, der sicher sowieso mehr Gewicht auf den Inhalt als auf die Verpackung legen wird.

Auch beim Direktverkauf ab Gut habe ich noch nicht bemerkt, dass das Etikett für die Kaufentscheidung eines Besuchers noch eine Rolle spielt, da zählt wohl nur der Wein im Glas.

Aber ich gebe zu, dass man sich als Winzer schon Gedanken darüber macht, wie man seine Kinder anzieht. Nach so langer Sorge und Sorgfalt sollen sie ja auch schön in die Welt entlassen werden und irgendwie sollen sie ihre Eltern ja auch würdig vertreten.

Dabei ist die Geschichte unserer Etiketten für die Lisson Weine sicher recht amüsant. Jahrelang (denn die Planung, Rodung und Pflanzung und erste Pflege unseres Weinbergs hat natürlich Jahre gedauert) hatten wir eher die Vorstellung, unsere Weine einmal mit einem Etikett zu versehen, das einen Teil unseres Lebensgefühls hier in Lisson widerspiegelt, ursprüngliche, wilde Landschaft, eine kleine Kulturinsel der Natur abgetrotzt, ein altes Gemäuer mit steinernen Spitzbögen unterm Dach und einem kühlen Gewölbekeller  - unsere einfache Lebensart ohne viel moderne Technik , die Vorliebe fürs Authentische, bei Menschen, Dingen und Gedanken –  vereint mit unserer Liebe zur alten Musik, Gregorianik in romanischen Kapellen – da schien alles auf einen Entwurf im Stil mittelalterlicher Lettrinen  (Leitbuchstaben) hinauszulaufen, ein stilisiertes L am linken Rand, für Lisson, vielleicht eine winzige Vignette  aus dem Jahreslauf des Weinbergs, unser Name – das wär’s.

Und dann kam alles anders.

Eines Tages brachte uns ein Bekannter, Paul Driessen, der den Sommer immer in seinem Haus in Olargues verbringt, eine Weinflasche zum Abendessen mit, die er originell mit einem kleinen ovalen Aufkleber versehen hatte, einer Karikatur, die eindeutig Claude und mich darstellte, umrankt von Schnörkeln und „gekrönt“ von ein paar Trauben.

Die Flasche wurde getrunken (ich glaube, es war ein Wein der Coopérative aus Berlou), die Zeichnung wurde abgelöst und aufbewahrt. Bei den ersten Weinen aus Lisson, die als Fassproben zu Freunden mitgenommen wurden, dienten mir Fotokopien des Ovals als Schmuck, die Freunde waren von unserer gut getroffenen Darstellung begeistert – und ein Jahr später entstand so auf der Basis von Pauls Karikatur das erste Etikett, ein Modell, dass mit nur leichten Abweichungen bis heute unsere Lissonweine schmückt.



Jedes Jahr, wenn ich die DIN A 4 Bögen mit jeweils 9 fotokopierten Etiketten auseinander schneide und über das Krönchen stolpere, dem natürlich nur mit der Nagelschere richtig beizukommen ist, verfluche ich zwar einige Tage lang den „Erfinder“ des Schnörkels, aber der gehört schließlich inzwischen auch zum handgearbeiteten Markenzeichen unseres Weins.



Bisher bekam nur der Ausnahmewein Bel Hazard ein neues Etikett. Da dieser schöne Zufall ja einmalig ist, wurde er von Klaus mit einem Entwurf, der zu seiner dunkel-lachsrosa Farbe und der schlanken 0,50 l Flasche passt, bekleidet. Die Feder fand ich beim Gang über den Weinberg in einem kleinen Waldstück, mehr hatte der Fuchs nicht übrig gelassen von ihrem ursprünglichen Besitzer.



und noch ein kleines Spiegelbild von Lisson, für die, die bis zum Ende gelesen haben.


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30 novembre 2005 3 30 /11 /novembre /2005 00:00


Wird hier eine neue Rubrik heißen, nach den Dingen, die man bei einem Spaziergang am Meeresufer findet und auf morgendlichen Spaziergängen gerne einsammelt. Fundstücke könnten sie auch heißen, all diese Dinge, die man mit nach Hause nimmt, ohne noch recht zu wissen, was man damit eigentlich machen will. Manchmal ist noch etwas Nützliches dabei, manchmal wird man zum Basteln angeregt, kreiert sogar ein neues Dekorationsstück, manchmal ist der Fund aber von Nahem betrachtet gerade noch gut fürs Feuer. Und wer hat noch nicht davon geträumt, eines Tages die Flaschenpost vom anderen Ufer des Ozeans zu finden....


Und selbst wenn man, wie ich, weit vom Meeresstrand entfernt lebt, kann man auf den Wellen des Web surfen, durch die Seiten eines Buches, einer Zeitschrift spazieren, ein Stück einer angeregten Unterhaltung vom Vorabend mit nach Hause bringen. All das breitet man tagsüber in seinem Kopf aus- und abends, bei einem Glas Wein neben der Tastatur, kann man sein Strandgut, sein Fundstück, verarbeiten.

Einige dieser in unserem Kopf gestrandeten Gedanken können uns einen ganzen Tag lang bei der Arbeit begleiten. Über einen Weinstock gebeugt während der Ernte oder während des Vorschnitts im Winter, nur unterbrochen vom Refrain „Achtung, nicht in die Finger schneiden“. Wie bei anderen Berufen gibt es auch für Weinbauern recht eintönige Tätigkeiten, bei denen man ein Thema braucht, das man im Kopf drehen und wenden kann, um seine Gedanken zu beschäftigen und aufkommende Langeweile und die allgegenwärtigen Rückenschmerzen zu übertönen. Mitgesenktem Kopf erfindet man also die Welt neu, findet Antworten auf nie gestellte Fragen, entwirft den Vortrag, den man gerne den Weinliebhabern halten würde, die passende Antwort für das nächste Mal, wenn jemand fragt: „Was ist das eigentlich, dieses berühmte „Terroir“?... und so gelangt man schneller zum Ende der Rebzeile, ans Ende der Terrasse, zum Feierabend, wenn die Sonne versinkt.

Ich wünsche mir also noch viel Strandgut, viele Fundstücke am frühen Morgen, die mich über Tag begleiten können. Dinge, die ich abends am Laptop dann gerne mit Ihnen teilen möchte – und keine Sorge, ich werde versuchen, den Rest rechtzeitig ins Feuer zu werfen.
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27 novembre 2005 7 27 /11 /novembre /2005 00:05
Geographisch gesehen, hat Olargues eine besondere Lage im Hérault. Diese kleine Kreisstadt ist 60 km von der Mittelmeerküste und dem Golf de Lyon entfernt, von den Schlemmlandebenen  des Küstengebiets mit ihren alles bedeckenden Weinfeldern getrennt durch ein Relief von mit Garrigue überwachsenen Hügeln, in die Weingebiete wie Saint Chinian und Faugères eingebettet sind. Das Tal des kleinen Flusses Jaur, der Olargues umspült, liegt auf 150 m Höhe vor den letzten Südausläufern der Cevennen, die hier noch einmal zu felsigen Bergen von 1000m Höhe aufragen, mitten im Parc Régional du Haut Languedoc.

Diese bedeutenden Reliefunterschiede sind auch eine Erklärung für unser besonderes Klima.

Roquebrun und Saint Chinian, nur 20 km Luftlinie weiter südlich gelegen, profitieren noch voll vom Mittelmeerklima, von dem unsere bereits bergigere Zone schon teilweise ausgeschlossen ist. 20 km weiter westlich, in Saint Pons, ist schon ein deutlicher ozeanischer Einfluss vom Atlantik her zu spüren (hier liegt auch die Wasserscheide) und von Norden wird der Einfluss geradezu kontinental.

Diese Einflüsse des Reliefs zeigen sich vor allem in der Höhe der jährlichen Niederschlagsmengen,  die zunehmen, je weiter man sich vom Meer entfernt (von 600 mm auf mehr als 1400 mm auf den Höhenzügen).  Das liegt nicht unbedingt an mehr Regentagen, aber die Regen sind im Hinterland wesentlich stärker.

In der jährlichen Verteilung der Niederschläge erkennt man deutlich, dass sehr trockene Sommer oft von Herbstperioden mit extremen Regenperioden abgelöst werden. Nur Schnee ist unterhalb von 600 m eher ein seltenes Phänomen. Gut für uns, denn unsere Weinberge liegen nur zwischen 200 und 300 m Höhe.

Meist scheint doch die Sonne – und die  Tage, an denen sie sich bedeckt hält, haben hier viel schneller einen negativen Einfluss auf unsere Psyche – wir sind es einfach nicht gewohnt, auf ihr helles Licht zu verzichten.

Das Mittelmeerklima ist durch seine milden Jahreszeiten gekennzeichnet. Eine Ausnahme macht nur der Sommer, der mit seiner oft Wochen dauernden Hitze und Trockenheit dann manchmal die in Deutschland geflohene Feuchtigkeit vermissen lässt....

Durch die Bergausläufer der Cevennen – Caroux, Somail und Espinouse – ist das Tal von Jaur und Orb relativ geschützt vor den starken Nordwinden, die weiter östlich als Mistral durch das Rhonetal fegen.

Hier ist es die Tramontane, die am intensivsten bläst, manchmal 3, 6 oder 9 Tage hintereinander. Dieser trockene Nord-West-Wind ist vor allem im Winter und im Frühjahr aktiv – kann sich aber durchaus auch zu anderen Jahreszeiten bemerkbar machen. In 2005 war das vor allem im August der Fall – gut für den Weinberg, weil bei diesem Wind Pilzkrankheiten keine Chancen auf den Blättern der Rebstöcke haben,  aber bei anhaltender Trockenheit auch ein zusätzlich erschwerender Faktor, der zu Wachstumsstörungen der Trauben führen kann, wenn vorher die Wasserreserven im Boden nicht groß genug waren.


Dazu ist es natürlich noch ein idealer Faktor, um die Waldbrandgefahr in den dann trockenen, unzugänglichen Grüneichenwäldern und Garriguelandschaften (Strauchheide) zu erhöhen.

Der Marin (Süd-Ost-Wind) und der seltenere Grec (Ostwind), sind oft sehr stürmische Winde, die mit starken Störungen im Mittelmeerraum zusammenhängen. Sie werden meist von starken Wolken und ebensolchen Regenfällen begleitet, wie es sie in diesem Herbst bereits 3 mal gegeben hat.

Im Laufe der nächsten Zeit werde ich wohl auch einmal über das spezielle Mikroklima von Lisson berichten – aber um Sie für die Geduld zu entschädigen, mit der Sie bis hierher gelesen haben, folgt hier der Link zu dem kleinen Film, den Klaus gestern gedreht hat, mit Wathosen bekleidet und einem großen Regenschirm ausgerüstet, um die Kamera zu schützen, während ich nur schnell ein paar kleine Digitalfotos machte.

Wir haben unser „Lisson in the rain“ mit einer kleinen Musik hinterlegt, denn trotz der Beklemmung, die diese meteorologischen Exzesse  immer auslösen – wenn alles tost und braust und dazu noch die Blitze zucken,  wir doch zufrieden sind, dass es – nach Abschluss der Weinernte! - geregnet hat um die Wasserreserven von Boden und Quellen endlich wieder aufzufüllen.


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26 novembre 2005 6 26 /11 /novembre /2005 23:59


Jetzt, wo alle Trauben glücklich im Keller angekommen sind, geht die Arbeit hier weiter.

Pinot, Cabernets (meine Kurzform für den kleinen Tank, in dem die Rebsorten Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Malbec und Petit Verdot gemeinsam gären – fehlt in diesem Jahr der Merlot, aus der Arena, der in diesem Jahr so früh reif war, dass ihn die Wildtiere schon Mitte August in zwei Nächten vollkommen abgefressen haben) und Mourvèdre, sowie eine Tank mit einer noch nicht verratenen Rebsorte, warten darauf, dass wir – wie jeden Tag – die Deckel der Tanks abheben und den Tresterhut mit dem Holzstampfer eindrücken, damit „Dickes und Dünnes“, Trester und Saft homogenisiert werden und gemeinsam an der Gärung und Extrahierung im Tank teilnehmen.

Dieser Tresterhut, bestehend aus Stielen, Häuten und Kernen, also den festen Bestandteilen der Trauben steigt während der Gärung immer wieder an die Oberfläche des Saftes, getrieben auch von der nicht unbeträchtlichen Gasentwicklung (CO²)  im Tank. Klaus braucht seine ganze Kraft, um den alten Holzstampfer bis zum Saft vorzutreiben, der unter dem Schutz des Tresterhuts brodelt.

Da wir den Saft nicht, wie sonst oft üblich, unten am Tank abziehen und dann von oben wieder hineinpumpen, dient dieses Eindrücken, die pigeage dazu, feste und flüssige Bestandteile der Maische im Tank zu homogenisieren.  Es ist immer ein besonderer Genuss für mich, diesem lebendigen Vorgang über den Rand des Tanks zuzusehen, alle Sinne sind da beteiligt, ich atme den Geruch ein, lausche auf das Blubbern, koste den langsam entstehenden Wein, zerdrücke einige noch ganz erhaltene Beeren am Gaumen, koste den schon beginnenden alkoholischen Geschmack, kann mich an den Farbtönen nicht satt sehen, die immer dunkler werden, kann selbst mit den Fingern die Verwandlung erspüren, anfangs noch klebrig vom Zuckergehalt, melden sie mir dann eine fast seidige Textur und färben sich mit der Zeit immer mehr im Kontakt mit den Anthozyanen...  sinnliche Eindrücke, die berauschen.



Es ist immer wieder faszinierend, die Transformation dieser jungen süßen Säfte mit ihren zart durchscheinenden Farben, wie ich sie schon bei den Reifeprüfungen vor der Ernte im Glas gesehen habe, zu verfolgen. Mit zunehmender Aktivität der natürlichen Hefen und längerem Kontakt der Beerenhäute mit dem immer alkoholischer werdenden Saft nimmt ihre Farbintensität zu,



bei einigen schmeckt man noch etwas Restzucker, weil die Gärung noch nicht abgeschlossen ist, bei den anderen spürt man die ersten Tannine, die während des anschließenden geduldigen Ausbaus in den Fässern gezähmt werden müssen – im Halbschatten des Gewölbekellers.


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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Kellerarbeit
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26 novembre 2005 6 26 /11 /novembre /2005 23:40
Am Abend eines Erntetages folgt noch das Einmaischen in dem großen Raum oben im Haus, in dem die kleinen Edelstahltanks auf einem Podest aufgereiht stehen. Das ist wieder eine einfache Sache in Lisson, wie alles rund um den Wein  - man braucht nur ein wenig Muskelkraft.



Die Kisten mit den ungefähr 12 kg ganzer, unbeschädigter Trauben werden einzeln in eine Bütte geleert und die Beeren werden dort leicht mit dem Holzstampfer angedrückt, bis der erste Saft austritt. Das geschieht langsam und erlaubt es gleichzeitig, die vereinzelten Blätter oder Grashalme, die sich in die Kisten verirrt haben, auszusortieren.



Nach zwei Kisten wird die Bütte mit vereinten Kräften in die oben offenen runden Tanks gefüllt, auch hier brauchen wir keinen Manitu, nur unsere Muskeln.








Ein letzter Blick in den gefüllten Tank – hmmm, ein gesunder Geruch frisch angepresster Trauben –



 Deckel drauf und jetzt lassen wir der Natur ihren Lauf.

Kein Zufügen von Schwefel beim Einmaischen – keine Killer-Hefen, nach denen dann Reinzuchthefen künstlich zugeführt würden – unsere Trauben bringen alles mit, was sie brauchen, um die Transformation von Zucker in Alkohol, von Traubensaft zu Wein zur rechten Zeit zu garantieren.

Keine Temperaturkontrolle nötig, keine künstliche Abkühlung oder Erhitzung. Die Gärung wird auch so irgendwann beginnen, sofort oder in zwei Tagen, das hängt von der Außentemperatur der Gärkellers“ ab, der ein Raum oben im Haus ist, zum Weinberg hin ebenerdig,  nach vorne hin auf der ersten Etage, da über dem Gewölbekeller gelegen, in dem schon die Eichenbarriques warten, die die vergorenen Säfte aus den Tanks in einigen Wochen aufnehmen werden. Ganz natürlich von oben, mittels Schwerkraft natürlich.




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26 novembre 2005 6 26 /11 /novembre /2005 20:50
Wir steigen und steigen – nun, dieser Teil des Weinbergs und seine Terrassen heißen nicht umsonst: „Echelles de Lisson“, die Leitern von Lisson. Sieben kleine Terrassen sind zu erklimmen, um oben beim Cabernet Sauvignon anzukommen. Bevor man mit der Arbeit beginnen kann, muss man erst einmal verschnaufen.




Eine gute Gelegenheit,  die immer wieder schöne Aussicht auf die Berge gegenüber, die Silouette der „Femme Couche“, der liegenden Frau und in der Ferne auf das mittelalterliche Stadtbild von Olargues mit seinem prominenten Turm zu genießen. Aus der Erntfernung kann man gnädig über die eher hässlichen Neubauten von Mehrzweckhalle und neuer Mittelpunktschule hinwegsehen.

Heute ist schon ein Besucher vor uns auf der Terrasse, ein Perlhuhn macht sich scheu von dannen,

 
noch ein Liebhaber unserer reifen Trauben.


Der Cabernet Sauvignon ist vollreif – bei der letzten Reifemessung waren es schon 13,5° potenzieller Alkohol – das sind 103 Oechsle – mehr muss nicht sein, denn der Geschmackstest zeigt reife Frucht und knackige braune Kerne.



Die Ertragsmenge ist wieder mal winzig – während ich die Trauben schneide, rechne ich im Kopf aus:

zwei Kisten Cabernet Sauvignon

 zwei Kisten mit jeweils ungefähr 12 kg Trauben von 200 Stöcken, das sind 24 kg – also so über den Daumen gepeilt 24 Flaschen mit 0,75l Inhalt – also ein kleines Glas pro Stock.  Bei dieser Ausbeute wäre es schwierig, dem Beispiel einiger Weingüter zu folgen, die ihre Reben stockweise an Liebhaber vermieten und eine Flasche pro Stock versprechen...  man hat Zeit beim Schneiden, solche Gedankenexperimente im Kopf durchzuspielen – ai – aber man darf sich nicht zu sehr davon ablenken lassen, sonst fließt Blut, denn ein Schnitt in den Daumen ist schnell passiert.

Jetzt aber erst mal eine kleine Pause – Gelegenheit nachzuforschen, woher dieser angenehme Blumenduft kommt, dessen Honigaroma der Nase schmeichelt: aha – es ist diese kleine stachelige Liane mit den glänzenden Blättern und den hübschen weißen Blüten -




eine  Pest, wenn sie sich bis in die Rebstöcke und die Spanndrähte vorarbeitet, aber so betörend  mit ihrem Duft, dass ich ihr gerne einen Platz an den Mauern und Abhängen zwischen den Terrassen reserviere.


Zwischen den Rebstöcken, die hier wegen der Enge der Terrassen nur in zwei oder drei Reihen stehen, hat der letzte Regen Majoran und Origano wachsen lassen, die den steinigen Boden bedecken – wir treten auf einen Teppich von wilder Minze – Vergnügen für alle Sinne.





Wir arbeiten uns langsam nach unten: nach dem Cabernet Sauvignon, der ganz oben wächst, folgt Cabernet Franc und ganz unten einige Reihen Malbec (Cot), an denen sich die Tiere bereits gütlich getan haben – die Beerenhäute sind weicher als die der Cabernets.

Langsam scheint die Sonne schon niedriger und der Rücken sendet Signale aus, dass es langsam genug ist, mit der Gymnastik. Die Weinstöcke sind hier im Cordon de Royat Stil geformt und geschnitten und auf Drahtverspannung gezogen, die beiden Arme des Cordon trennen sich in etwa 30 cm Höhe wagerecht vom Stamm – das ist ganz schön niedrig und man muss sich außerdem durch die Drähte schlängeln und gut unter den Blättern nachschauen, um keine Trauben auf der Rückseite der Reihe zu vergessen. Bei den letzten Stöcken geht’s nur noch auf Knien.



Klaus holt die letzten Kisten mit dem Rampi-Car, dem knallroten kleinen Kettenfahrzeug ab, dem einzigen Gefährt, das in diesem Gelände manövrieren kann. Ursprünglich sind diese Terrassen eben für die Bearbeitung mit Maultieren angelegt worden...


Unten hinterm Haus angekommen, muss noch eingemaischt werden, aber das wird ein neues Kapitel.






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Published by Iris Rutz-Rudel - dans weingut-lisson
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Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

Begleiten Sie mich also auf dem Weg durchs Winzerjahr. Hinterlassen Sie Ihre Kommentare oder stellen Ihre Fragen, damit aus diesem Blog ein lebendiges Kommunikationsmittel wird.

Ihre Iris Rutz-Rudel


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