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19 septembre 2010 7 19 /09 /septembre /2010 16:40

Nach dem eher traurigen Kapitel von gestern, soll es heute mit einer positiveren Note weitergehen, dafür muss dann mein Beitrag zur heutigen Weinrallye # 37: Tout Blanc  - über die Weißweine aus dem Midi noch etwas warten, bis ich wieder mit einem Glas an der Tastatur sitze;-). Ich hoffe, Stefan Schwytz und Mathias Lubner von BACcantus werden mir die Verzögerung verzeihen.

 

 

Zum Glück kann ich von meinen täglichen Kontrollgängen durch die verbleibenden Rebparzellen mit den spätreifen Sorten (Mourvèdre und Petit Verdot) noch ein paar ermutigendere Bilder und Neuigkeiten mitbringen, die die Hoffnung  aufleben lassen, dass ich im Endeffekt doch wieder einige schöne Flaschen, die den Jahrgang 2010 in Lisson wiederspiegeln, zustande bringen werde.

 

Wie Dirk Würz, möchte auch ich  nicht schon jetzt behaupten, dass es sich um den “Ultrasuperausnahmejahrhundertjahrgang” handelt, wenn auch aus ganz anderen Gründen - selten gab es so wenig Regen, wie in diesem Sommer, vor allem im August. Dafür war der Start zu schwierig,  der ja satte 14 Tage Verspätung bei der Blüte mit sich brachte, die zwar durch einen warmen und trockenen Sommer aufgeholt wurden... aber gerade die spätreifen Sorten werden wohl in diesem Jahr kaum viel über 13° potentiellem Alkohol liegen - was im Vergleich zum ebenfalls als "Sonnenjahr" empfundenen 2007, wo die phenologische Reife von satten 14° bis 15° begleitet wurde, bei gleichzeitig immer noch genügend vorhandener Säure, die die Frische garantierte, wohl doch eher einen feinstoffigeren Wein, wie 2005 oder 2002 erwarten läßt. 

 

Auf jeden Fall ist eins schon klar: auch der Lisson 2010 wird ein rares Tröpfchen werden ;-)...

 

Jetzt aber ab in den Weinberg!

 

mourvèdre18 ans

 

Ob es sich um unsere als Pfropfreben gepflanzten Mourvèdre auf R 110 Unterlage handelt, die 1991, bei der Einrichtung des Weinberges von uns gepflanzt wurden, später als Becher (Gobelet) geformt, mit niedrigem Stamm und 3 Armen, an denen wir jeweils einen Pfropfen mit einem freien Auge beim Winterschnitt behalten. Ziel: wenige, aber eben sehr reife Trauben, die konzentrierten Saft ergeben für unsere Weine..

 

mourvèdre 9 ans

 

oder um die dazwischen stehenden jüngeren Stöcke, vor Ort einige Jahre später ebenfalls auf R 110 von uns vor Ort aufgepfropft - mit Rebholz, dass ich noch gemeinsam mit Claude Rudel in den Weinbergen der Grange des Pères (natürlich in Absprache mit Laurent Vailhé;-)  ) ausgesucht hatte. 

 

Alle haben uns dieses Jahr sehr schöne Traubengebinde gegeben - und haben während des extrem trockenen und heißen Sommers gezeigt, dass sie inzwischen tief genug wurzeln, um auch dem Trockenstress zu widerstehen, mit dem wir hier ja  wesentlich öfter konfrontiert sind, als mit zu viel Wasser ...

 

mourvèdre 1

 

Füllige Trauben mit fetten Beeren an den einen - die für den Mourvèdre eher typischen lascheren Trauben, die ihn noch besser vor eventueller Spätfäule schützen, bei den anderen - hier zeigt sich deutlich, dass die Unterschiede, auch innerhalb einer Sorte, je nach Klone oder Untervariante sehr verschieden ausfallen. 

 

mourvèdre 2

 

Die Trauben ähneln sich nie exakt - die Pfropfunterlage, das Pfropfholz, die Stellung im Weinfeld (eher höher oder tiefer am Hang), die Stellung in einer Reihe (mit oder ohne Schattenwurf von den Nachbarstöcken), selbst die Stellung einer Traube am selben Stock (voll in der Nachmittagssonne oder eher mit Morgensonne und Nachmittagsschatten), ja, auch die am Jahrestrieb (ganz unten, oder etwas höher angesiedelt) - all das spielt eine Rolle und gibt jeder Traube ihre eigene Gestalt und ihren eigenen Charakter - und so ist der Wein, der daraus resultiert schon ein "Mischsatz" aus all diesen Einzelcharakteren, die Synergie im Cuve ergibt erst das Ganze, das ja auch hier mehr ist, als die Summe seiner Teile: eben ein jeweils sehr individueller Jahrgang, der sich schon nach dieser Definition jedem  nivellierenden Reproduktionsversuch wiedersetzt .  

 

baies mourvèdre

 

 

Keine Spuren von Spritzmitteln in diesem Jahr auf den Traubenhäuten  - die klimatischen Bedingungen dieses Sommers und Frühherbstes waren ideal, um das Risiko einzugehen, selbst auf die sonst übliche, niedrig dosierte Sprühung mit Kupferkalk zu verzichten. Das ist relativ häufig möglich, an unseren Hanglagen im Hinterland des Languedoc - wie auch in anderen Berggegenden des Midi und erklärt wohl auch die hohe Dichte an biologisch oder biodynamisch arbeitenden Winzern hier im Süden. Sonne und Wind satt sind halt ideale Verbündete im Kampf gegen Pilzkrankheiten, die in feuchteren und kühleren nördlicheren Weingegenden den Winzern auch in diesem Jahr schwer zu schaffen machten. Und auch unsere Rebsorten  auf den eher kargen Böden wachsend - und wie oben schon ausgeführt, eher auf geringe Ertragsmengen (bei uns theoretisch im Schnitt so höchstens 15 bis 20 hl/ha) "getrimmt", schützen uns recht regelmäßig vor Rebfäule, die ja im Norden - von der Champagne bis hinüber nach Deutschland und Österreich, den Winzern in diesem Jahr große Sorgen bereitet.


"übelste Fäulniss. Weißschimmel, Rosafäule und usw. Egal ob Öko oder Konventionell. Anlagenweise natürlich unterschiedlich. Essigfäule ist auch schon da" gibts da zu lesen - und es ist sicher  eher Galgenhumor,  wenn Dirk Würz dazu schreibt: Das macht aber auch nichts… einfach kann es schließlich jeder.

 

chenin 1

 

Und weil heute eigentlich alles "Tout Blanc" sein sollte, hier schnell noch ein Bild unserer wenigen weißen Trauben, ein paar Stöcke unseres Chenin, gemischt unter die Mourvèdrereben hinter dem Haus. Sie dienten uns damals als Versuchspflanzen, um zu beobachten, wie sich sich verhalten und hier einleben, falls wir eines Tages eine Parzelle mit dieser Rebsorte oben auf dem Berg anpflanzen wollten, um einen Edelsüßen mit hoher natürlicher Säure im Barrique zu vinifizieren. ... dazu ist es leider nach 2001 nicht mehr gekommen. Ich hatte schon einmal anlässlich einer Weinrallye  ausführlich davon berichtet.

 

Jetzt geht es also täglich darum, den richtigen Moment abzupassen, um diese letzten Trauben einzubringen - und gegen den Reflex anzukämpfen, sie auf jeden Fall schnellsten zu ernten, solange sie noch da sind. Denn was brächte es, nur auf die Menge zu schielen, solange die Qualität eines zukünftigen Lissonweins noch nicht voll garantiert ist - eben kein leicht süffiger Blässling - mit Primärfrucht, den man schluckt, ehe man ihn überhaupt auf der Zunge und am Gaumen wahrgenommen hat - möglichst noch gut gekühlt, sondern ein Tropfen, den man genießt, dem man seine volle Aufmerksamkeit und eben auch Zeit widmet, in der man ihm nachspürt, um die Spuren seiner Herkunft, seiner sich jährlich erneuernden Geschichte nachzuhorchen - diese Einzigartigkeit, die wir wir ihm jedes Jahr neu in Weinberg und Keller zu entlocken versuchen...

 

presse citron

 

 

Also jeden zweiten Tag Kontrolle der Dichte (Zuckergehalt) des Traubensafts (ganz nah an 13° potentiellem Alkohol inzwischen) und Verkostung von Häuten und Kernen, deren Reife auch eine wesentliche Rolle für die Ernteentscheidung spielt. Die kleine Besucherin an meiner Zitruspresse scheint da schon recht zufrieden zu sein:-).

 

 

sucré

 

 

und auch die beim Mourvèdre beim ersten Saft nie so intensive Farbe wird langsam sichtbarer. 

 

jus 4 cépages

Also wird das nächste Kapitel dann wohl sehr bald von der echten Ernte 2010 in Lisson berichten - so viel ist sicher - zum Glück lässt uns das sonnige Wetter dieser ersten Herbsttage noch die Wahl. 

 

jus saft juice

und danke all den Freunden von Lisson, die mir in den letzten Tagen Mut zugesprochen haben ...

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Published by Iris Rutz-Rudel - dans weingut-lisson
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19 septembre 2010 7 19 /09 /septembre /2010 16:38

Seine Versprechen sollte man halten, hier also das weniger schöne, zweite Kapitel der Weinernte 2010 in Lisson.  

 

Ich hätte dieses Kapitel auch schon am letzten Samstag schreiben können, nach dem Kontrollgang durch den gesamten Weinberg, der mir Aufschluss über den Reifegrad der einzelnen Parzellen und ihrer Rebsorten geben sollte. Aber das, was ich da bei meinem Rundgang wieder einmal zu Geicht bekam, hat mich doch für ein paar Tage eher entmutigt - auch wenn es nicht die erste traumatisierende Erfahrung mit dem Problem war, brauchte ich einige Zeit, um die traurigen Bilder und ihre Konsequenzen publik zu machen. 

 

Es gibt eben schlechte Neuigkeiten, die man erst verdauen muss - über die Konsequenzen nachdenken - Bilanz ziehen - und es fällt schwer, all die hochfliegenden Hoffnungen zu Grabe zu tragen, die die schönen und gesunden Trauben gewckt hatten, die wir trotz des eher schwierigen Starts im Frühjahr haben wachsen sehen - sich einzugestehen, dass wieder einmal ein ganzes Jahr harter Arbeit, viel Zeit, auch Geld, in wenigen Nächten in den Sand gesetzt wurden - und das eben leider nicht zum ersten Mal... 

 

 

Schäden am Gelände

 

trous holes löcher

 

An vielen Stellen wieder tiefe Löcher - auch wenn man das auf dem Foto nicht so richtig erkennen kann, sind die natürlich auch noch mit Vorliebe an Stellen, wo das Gelände besonders steil ind steinig ist - also schwer wieder auszugleichen - eben nur mit der Hacke - und zusätzlich gefährlich für alle weiteren  - ja nur zu Fuss möglichen Arbeiten in der Parzelle. Das Beispiel stammt aus dem besonders steilen Hang auf der linken Seite der Arena unseres Clos des Cèdres.  

 

passage

 

Eingerissene Mauern, mit schweren, ausgegrabenen Steinen versperrte Passagen in den Terassen der  Échelles, unsere schmalen Fußpassagen, so schon steil und unbequem, auf denen wir die Kisten mit den Trauben bis zum nächsten Weg tragen müssen, bis zu dem wir mit unserem kleinen Raupenfahrzeug, dem Rampicar, kommen können, der einzigen mechanischen Hilfe beim Transport im Weinberg. 

 

après sanglier

 

und, natürlich noch viel schlimmer als das: wieder ganze Parzellen mit Stöcken, an denen keine Trauben mehr hängen, nur noch leere Strünke, da wo vor kurzem noch gesunde, halbreife Trauben hingen - wie immer angefangen mit den früher reifen Sorten:  Pinot, Merlot, Côt, diesmal aber auch die beiden Sorten Cabernet...

 

vide 2

 

Wildschweine, Dachse - und vermutlich auch wieder die Rehe, deren deutliche Fressspuren wir im letzten Jahr zum ersten Mal innerhalb der Elektrozäune gesichtet haben - alle haben sich schon wieder reichlich bedient - die einen (Rehe) sauberer als die anderen (Schweine) - aber alle mit erschreckender Gründlichkeit, so dass uns gerade genug Beeren auf den Trauben blieben, um den diesjährigen Verlust nicht nur quantitativ, sondern auch qualitatif zu ermessen.. (siehe voriger Artikel)

 

vide 3

 

Im Gegensatz zum Hagel - der in diesem Jahr in anderen Gegenden Europas reichlich aufgetretenen Plage der Bauern, der ganze Ernten in wenigen Minuten vernichten kann, kann man sich gegen die Fressfeinde nicht versichern.  Und so, wie schon die Entschädigung durch eine Versicherung bei unseren kleinsten Etragsmengen wohl immer zu Schwierigkeiten führen würde (da passt nichts in die Norm) - ist es bei Wildfrass noch schlimmer: zuständig für die Meldungen und die Entschädigung sind die örtlichen Jagdgesellschaften, die den Schaden erst vor Ort abschätzen müssen und dann die errechneten Fehlmengen auf Grundlage des Kilopreises der von den örtlichen Winzergenossenschaften an ihre Mitglieder gezahlt wird (im Schnitt in den letzte Jahren 27 Cent/kg) erstatten - also im günstigsten Fall für einen Hektar Schaden in unserem Weinberg 500 € - bei nur 1,5 ha gesamter Anbaufläche,  bleibt also - mit etwas Glück nur noch den Ertrag eines knappen halben Hektars,  ein Jahresergebnis, dass zum Überleben nicht reicht - (So wie die normale Bezahlung ihrer Ernten durch die Genossenschaften ja auch schon lange  nicht mehr zum Überleben der Weinbauern in der Gegend reicht... daher die vielen gegen Prämie gerodeten Flächen und die nachfolgende Verwilderung der Landschaft, die dann wieder zur noch besseren Lebensbedingungen für die Wildtiere führen). 

 

Die anderen Spuren die uns helfen, die Verursacher zu identifizieren, bereichern mal wieder meine Fotosammlung -  sie sind oft schon beim Betreten einer Parzelle am Gestank zu identifizieren, den diese Hinterlassenschaften verströmen - Aromen, die wohl niemand gerne in seinem Glas wiederfinden würde...  

 

defections

 

Wie immer findet man sie in allen erdenklichen Größen, große und kleine Vertreter der Schwarzkittel haben hier gemeinsam ihr Bankett genossen: 

 

merde pas vin

 

Aber genug der unappetitlichen und frustrierenden Illustrationen, der am Anfang eingefügte Link zeigt ja zu genüge, dass ich langsam zum Spezialisten der Weinbergs-Skatologie werden könnte. 

 

Und um mit einer versöhnlicheren und optimistischeren Note zu enden: das nächste Kapitel wird wieder von schönen Trauben auf schönen Bildern handeln - von unserem Mourvèdre hinterm Haus, der nun bald bei 13° potentiellem Alkohol, also genügend Zucker, angekommen ist und mit seinem Geschmackskomponenten, und seinen langsam schön knackigen Kernen uns noch die Hoffnung läßt, in der kommenden Woche doch noch ein oder zwei richtige Erntetage in Lisson einplanen zu können, so wie in früheren Jahren.

 


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Published by Iris Rutz-Rudel - dans weingut-lisson
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11 septembre 2010 6 11 /09 /septembre /2010 19:48

Gestern Gang durch den Weinberg, um das Fortschreiten der Traubenreife zu kontrollieren und dafür die notwendigen Trauben der einzelnen Rebsorten zu pflücken, dieren Messung Auskunft über den aktuellen Reifestand geben und uns so erlauben, die Erntezeitpunkte festzusetzen - so wie es im Lehrbuch steht...

 

Angefangen habe ich mit dem  Clos des Cèdres, wo Mourvèdre, petit Verdot und Merlot wachsen, der Blick auf das satte Grün der Weinstöcke beim Tritt aus dem Schatten unten in der Arena läßt das Herz höher schlagen: 

 

Clos des Cèdres Septembre 2010

 

 

Esst eine Freude, den petit Verdot zu sehen - der endlich - nach gut 18 Jahren - erwachsen geworden ist - der Name wird durch die winzige Größe der einzelnen Beeren bestätigt, wirklich "tout petit" , dafür sind die Trauben aber zahlreich und sehr gesund. Alsspätreifende Rebsorte muss dieser Kandidat aber wohl noch eine Zeit auf die Ernte warten und dabei möglichst mindestens noch 2 potentielle Alkoholgrade gewinnen ,  im Moment wird er noch von einer mehr als kröftigen Säure dominiert - das Gleiche gilt für den benachbarten Mourvèdre dieses hohen Feldes, dem es noch an Ausgewogenheit im Geschmack der Trauben fehlt. 

 

petit Verdot Septembre 2010

 

Von dort geht es weiter, über die Kuppe unseres Weinbergs auf die andere Seite , in Gegenrichtung des Rundgangs, den ich sonst immer mit Besuchern von Lisson mache - an den Pinotterassen des Clos du Curé kann ich schnell vorbeigehen. Ich habe sie in diesem Jahr erst sehr (zu) spät schneiden können - und das leider nicht aus agronomischen Gründen. Das Grün ist zwar für den trockenen Sommer, den wir hinter uns haben, immer noch erfreulich kräftig, aber die wenigen Traubenstände, die die zu späte Blüte während einer Schlechtwetterperiode Ende Mai überstanden haben, werden wohl keine größere Erntemanschaft notwendig machen...

 

Anschließend steige ich über den vierten Elektrozaun auf meiner Tour - er funktioniert gut, wie mir eine unfreiwillige Berührung bestätigt - um durch die schmalen Terassen der Échelles weiter abzusteigen: die beiden Cabernets und der Côt (Malbec) gilt es hier zu besichtigen. 

 

souche Cabernet Franc Septembre 2010

Bei meiner späten Rückkehr vom zweiten Deutschlandbesuch in diesem Jahr hatte ich einige vom Oidium betroffene Trauben beim Cabernet Sauvignon entdeckt - aber auch hier hatte sich das Laubwerk sehr gut von dieser Atacke erholt - der potentielle Ernteverlust schien durch die reich behangenen anderen Stöcke voll ausgeglichen zu werden. 

Cabernets Septembre 2010

 

Ein letzter, vorsichtiger  Schritt, um unten aus der Umzäunung zu steigen - vorsichtig, um auch nicht  auf der schmalen, zewühlten Passage an der letzten hohen Mauer auszurutschen und die mühsam gesammelten Trauben in ihren beschrifteten Tüten schon unterwegs zu zerquetschen.  a  

 

Und endlich wieder unten vorm Haus angekommen, wo im Schatten der Pergola das Handwerkszeug für die Messung ausgebreitet wird: die Zitruspresse, um den Saft zu gewinnen, das feine Haarsieb, um den Saft zu klären, der Trichter, um die kostbaren Tropfen in das Messglas zu füllen und das Mustimeter, die Mostwaage, die mir den Zuckergehalt der Flüssigkeit angibt, von dem ich Rückschlüsse auf den potentiellen Alkoholgehalt des zukünftigen Weins ziehen kann. 

 

contrôle maturité

 

Dabei ist auch Gelegenheit, die Kerne einer sorgfältigen Prüfung zu unterziehen:Farbe, Knacken beim Durchbeißen und den Saft zu verkosten -beides sagt mit einiger Erfahrung oft schon mehr über die Traubenreife und Qualität aus, alsjedes noch so moderne Messinstrument. 

 

premiers jus contrôle 2010

 

Hier die 4 Kandidaten von gestern: von links nach rechts Cabernets 13°, petit Verdot 10,8°, Mourvèdre haut 9°, Merlot 13,5°.

Ein schönes Bild, diese 4 frischen Säfte mit ihren delikaten Farbnuancen - zwei kleben schon richtig an den Händen, bei zweien zieht die Säure einem noch den Mund zusammen - und damit Schluss für heute - bis dahin klingt ja alles noch wie eine schöne, bukolische  Geschichte - die dem Leser die Sonntagsruhe nicht verdirbt... die - zumindest für uns - harte Realität folgt bald...

 

 

 


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Published by Iris Rutz-Rudel - dans weingut-lisson
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9 septembre 2010 4 09 /09 /septembre /2010 10:09
Zum Tag des alkoholgeschädigten Kindes, der in der Presse begangen wird, haben viele Leser in meinen Archives den alten Artikel über Warnhinweise auf Französischen Weinetiketten gefunden, in dem ich von unserer graphischen Gewissenfrage berichtete. Die haben wir inzwischen, etwas diskreter, als 2008 vorgestellt, gelöst - und die letzte schwangere Besucherin im Keller von Lisson vor 2 Wochen wurde von mir auch dringendst auf den Spucknapf hingewiesen und in die möglichst elegante und kleckerfreie Benutzung eines solches eingewiesen.
Nicht, dass ich das so kommentarlos in der heutigen Presse wiedergegebene APF Meldung lächerlich machen wollte. Alkoholmisbrauch ist ein ernstes Problem, und nicht nur für schwangere Frauen...aber die völlig kommentarlose Art der Darstellung, die undifferenzierte Wiedergabe der Statistiken, finde ich nach wie vor eher verdummend als aufklärend.

Hier also zur Feier des Tages noch einmal der alte Artikel - und in guter Pressemanier ohne neue Recherchen und kommentarlos;-):

Vor ein paar Jahren fand ich auf der Jagd nach alten Weingläsern (neben ausgefallenen Kochbüchern und Büchern über Wein meine dritte Sammelleidenschaft) dieses schöne alte Fleißkärtchen bei Monique Ferrat, der freundlichen Dame, die den Laden mit den regionalen Spezialitäten und die Brocante in Olargues betreut.

 


bon point (Fleißkärtchen) Pasteur - Vorderseite

 

Ich weiß nicht, aus welcher Zeit des vorigen Jahrhunderts es genau stammt - ich würde auf die dreißiger Jahre tippen. Die Rückseite zeigt Louis Pasteur, wie Wikipädia richtig sagt, einer der bekanntesten Wissenschaftler Frankreichs, dem nicht nur das berühmten Institut Pasteur in Paris seinen Namen verdankt, sondern der auch wirklich in Frankreich wie ein Nationalheld verehrt wird.

Besonders geschätzt wird er natürlich auch in Winzerkreisen, schließlich entdeckte er als erster die Geheimnisse der Milchsäuregärung und damit der Fermentation, sondern er gewann auch neue Erkenntnisse über die Weinsäure. Der ihm zugesprochene Satz: Der Wein ist das gesundeste und sauberste aller Getränke (der auf dem Bild oben zitiert wird), zierte jahrelang Schilder am Straßenrand von Béziers ob das heute noch so ist, möchte ich angesichts des zweiten Teils dieses Artikels fast bezweifeln...

 


bon point Pasteur - Rückseite

Die Rückseite enthält unter der Überschrift: Nährwert des Wein  eine vergleichende Auflistung: 1 Liter Wein mit 10° Alkohol entspricht dem Nährwert von 900 gr Milch, 370 gr Brot, 585 gr Fleisch oder 5 Eiern.

Daraus schloß das unterzeichnende Nationale Propagandakommité, also so eine Art Marketingsgesellschaft des Weinbauverbandes aus Paris folgerichtig:


Der Wein ist gesund, trinken Sie Wein.


Nun, wie schon hier ausgeführt, war in noch nicht so lange vergangenen Zeiten in Frankreich der Liter Wein vom Familientisch nicht wegzudenken, was eben auch den relativ hohen Prokopfverbrauch jener Zeiten erklärt - ein alltägliches Produkt.

Wenn ich mir die heutigen Preise für die angegebenen Mengen ansehe: zwischen 0,80 und 1,60 € für die Milch  (je nach Qualität), zischen 1 und 3 € für die Eier, zwischen 5 et 15 € für Fleisch (nach oben hier allerdings offen...) und - wie bei meinem Dorfbäcker, um 2,50 € für die gleiche Menge Brot - stelle ich fest, dass all das inzwischen wesentlich teurer ist, als ein Liter Tafel- oder Landwein mit 10° Alc., sei er aus dem Midi oder aus  Bordeaux (wobei ich natürlich nicht von den Primeurweinen spreche:-)).

Aber ich vermute, dass diese Art von Fleißkärtchen in der Pädagogik heutzutage genau so politisch unkorrekt wären, wie eine mit zu positiven Bildern arbeitende Weinwerbung in Frankreich. Gott in Frankreich dürfte vielleicht noch ein Gläschen trinken (wenn er sich dabei nicht werbewirksam fotografieren läßt), Wasser in Wein zu verwandeln würde nicht nur von konkurrenzneidischen Winzern, sondern vor allem von der sehr aktiven Anti-Alkohol-Lobby angeprangert - und für Maria und ihre Schwestern sähe die Sache ganz böse aus.  
Gemäß eines ministeriellen Erlasses vom 2. Oktober 2006, müssen ab dem 3. Oktober 2007 alle Flaschen, die alkoholische Getränke enthalten, mit diesem Logo geschmückt werden:

undefined

oder den folgenden Aufdruck zeigen:
"la consommation de boissons alcoolisées pendant la grossesse, même en faible quantité, peut avoir des conséquences graves sur la santé de l'enfant" - Der Konsum von alkoholhaltigen Getränken während der Schwangewrschaft, selbst in geringen Mengen, kann schwere Konsequenzen für die Gesundheit des Kindes nach sich ziehen -.

Das möchte ich zwar als Aussage gar nicht bestreiten, da es sich aber um einen sehr langen Satz handelt, wäre es nicht einfach, ihn elegant auch noch auf's Etikett zu zwängen, das ja seit dem vergangenen Jahr auch schon den obligatorischen Warnhinweis "enthält Schwefel" aufnehmen musste. 

Also experimentiere ich jetzt auf der Suche nach dem geeignetsten Ort für das neue Logo  auf unseren Etiketten. Manchmal frage ich mich dabei, ob es in Ländern, die nicht der gleichzeitigen Anti-Alkohol-Kampagne wie Frankreich ausgesetzt sind, nicht irrtümlich als Verbot des Getränks für adipöse Personen, deren Body Mass Index  (BMI = Gewicht geteilt durch die Körpergröße zum Quadrat) höher als 30 ist und die zusätzlich noch Pferdeschwanzträger sind, mißinterpretiert werden könnte. .. an Ihre Taschenrechner  - oder dem Link folgen, da wird das für Sie online berechnet!


Hier also als Scoop die ersten Entwürfe für unseren Jahrgang 2006:


nouvelles étiquettes
Wie Sie feststellen, haben wir uns noch nicht entschlossen, ob die abgebildete Person nun links- oder rechtsdrehend repräsentiert werden sollte. Dabei weiss man inzwischen, dass solche Entscheidungen nicht nur für den gesundheitlichen Wert von Joghurt, sondern auch für das Einkaufsverhalten von Kunden in Supermärkten von hoher Bedeutung sind - von den politischen Konsequenzen der Orientierung will ich hier gar nicht erst sprechen...

Da Umfragen aber allgemein sehr beliebt sind, möchte ich meinen Lesern und /oder Freunden unserer Weine aber auch eine Wahlmöglichkeit einräumen:


nach links (...)  oder nach rechts (...)


- kreuzen Sie Ihre Wahl an
- oder hinterlassen Sie einen Kommentar

Natürlich sollten schwangere Frauen über die Auswirkungen ihrer Ernährungsgewohnheiten auf das werdende Kind informiert werden. Das
fetale Alkoholsyndrom (FASD) kann bei starkem Missbrauch  laut Untersuchungen zu Wachstumsstörungen, körperliche Deformierungen sowie geistige und seelische Behinderungen führen. Der Intelligenzquotient der betroffenen Kinder liegt im Schnitt bei 75 (Normwert: 100). Noch gravierender sind jedoch die emotionalen Auffälligkeiten und Verhaltensstörungen, wie z. B. Hyperaktivität, Ablenkbarkeit und Auffälligkeit in der Schule

Je nach Ernährungsgewohnheiten unserer lieben Mütter (oder - für Männer, ihrer Ehefrauen), die während ihrer Schangerschaft noch nicht von einem solchen wirkungsvollen Logo geschützt und gewarnt wurden, sollten wir  ab sofort einmal in uns gehen und evaluieren, welche Schäden dieses ungeschütze Leben uns und unseren Sprößlingen zugefügt hat....

Vielleicht waren Struwelpeter, Zappelphillip und Konsorten immer schon nur die unschuldigen Opfer ihrer Eierlikör oder Pikkolöchen trinkenden Rabenmütter!

 

(Ende des Eigenzitats)

 

und als kleine Ergänzung und Skoop die endgültige Fassung der Dame auf unseren Weinetiketten:

 

frau.jpg

  ....auf denen ich nach wie vor einen Hinweis auf Pestizid- und Herbizitrückstände im Wein für mindestens ebenso wichtig halte, wie diese Art der Warnung - und vielleicht auch für die meisten Frauen  (schwanger oder nicht) für wirkungsvoller - aber da wird uns ja lieber versichert, dass alles unter den schädigenden "Schwellenwerten" liegt - wie auch bei Obst und Gemüse aus konventionellem Anbau - Synergien und Akkumulationen werden nicht untersucht - und selbst die Anreicherung solcher Gifte in der Muttermilch haben noch nicht zu einem Verbot von Nahrungsaufnahme in der Schwangerschaft oder während der Stillzeit geführt...

 

diese Art der "Message on a bottle" wäre aber meiner Meinung nach sinnvoller und wirkungsvoller, weil sie vielleicht durch Reaktionen der Konsumenten zu Veränderungen in der Landwirtschaft führen könnten, die der Gesundheit unserer Kinder mehr Nutzen brächte, als die durchgestrichene Dame.

 


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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Strandgut
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7 septembre 2010 2 07 /09 /septembre /2010 15:50

Während wir geduldig auf die Weinernte warten - heute Nacht wieder von Donnergrollen und einem zum Glück nur harmlosen Gewitter aufgeschreckt und uns natürlich besorgt fragen, ob die gesunden Trauben, die da reifen, auch die Angriffe unserer zahlreichen Fressfeinde überstehen werden.

 

Trotz voll geladener Batterien und sorgfältig kontrollierter Zäune, trotz der schon von den Jägern abgeschossenen 3 Wildschweine wissen wir ja, dass man die Ernte erst sicher hat, wenn die Trauben im Keller sind...

 

Es ist also wichtig, jetzt den Mut nicht zu verlieren, die Hoffnung die der Anblick der gesunden Traubenbündel natürlich immer im Herzen weckt - und so ist jede kleine FreudeI willkommen, die hilft, die Moral zu bewahren - wie diese  Besucher, die uns täglich zeigen, dass das Gleichgewicht unserer Umwelt wenigstens bei der kleinen Fauna noch nicht gestört ist: 

 

tierische Besucher August 2010 kl

zum Vergrößern das Bild anklicken

 

 

on das die Kellerkröte buffo buffo ist, die sich bei meinem Anblick mächtig aufplusterteq oder die beindruckende gelb-schwarze Spinne im Weinberg, oder all die Schrecken, Schmetterlinge und Libellen, die dieses Jahr so zahlreich rings ums Haus vertreten sind. 

 

 

Und natürlich haben auch die  menschlichen Besucher, wie immer besonders zahlreich im Ferienmonat August, dazu beigetragen, die mich durch Weinberg und Keller begleitet haben und mir so viel positives Feedback beim Verkosten unserer Weine gegeben haben...

 

besucher August 2010 kl

 

stellvertretend für alle, diese kleine Kollage und unser Dank an Euch, die Ihr aus ganz Frankreich und Europa, ja bis aus Norwegen zu uns gekommen seit und uns mit Euer Neugierde, Eurer Offenheit, Euren Fragen und Kommentaren und Eurem Vertrauen, wenn Ihr unseren Wein in Kofferraum oder Rucksack verstaut habt,  ermutigt habt, weiter zu machen, uns auf die nächste Ernte zu freuen, aus der dann hoffentlich wieder ein guter Jahrgang entstehen wird...

 

 


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29 août 2010 7 29 /08 /août /2010 14:50

 

Der Sommer ist für andere Ferienzeit, für uns in Lisson ist er immer auch mit vielen Besuchern verbunden. Viele entdecken zum ersten Mal unser schönes Hinterland des Hèrault, mitten im regionalen Naturpark des Oberen Languedoc

 

Solche Besuche sind auch für uns immer interessant, bringen sie uns doch einen wechselnden Blick von außen auf Lisson, seinen Weinberg und unsere Weine, eine nützliche Anregung, um nicht in selbstgefällige Routine zu verfallen.

 

Und wenn uns ein Besucher anschließend noch diesen Blick in so ansprechender Form zur Verfügung stellt, wie diese musikalisch untermalte Diashow, freuen wir uns, das Ergebnis mit all unseren Lesern teilen zu dürfen:  

 

Herzlichen Dank,  Mathieu Chadronnier, so offenen Auges unseren verwunschenen Ort durchstreift zu haben -   beim Rundgang über den Weinberg zusammen mit seiner Frau Anne-Laurence und Sohn Léo - immer höher hinauf mit aufmerksamem Blick nicht nur für die sich immer weiter erschließende  umgebende Landschaft, sondern auch für das versteckte Detail. 


Und  Anne-Laurence Chauvel-Chadronnier, in der französischen Weinbloggerszene besser bekannt durch ihren Blog  RougeBlancBulles..., der in diesem Jahr mit der  wine blog trophy 2010 als einer der besten französischsprachigen Weinblogs ausgezeichnet wurde, begleitete diesen Rundgang mit dem professionnelen Blick der ehemaligen Leiterin eines größeren Weinguts im Médoc  - aber auch mit ihrer wohltuend weiblichen  Sensibilität, die es leicht macht, auch über Gefühle und Sorgen im Jahreslauf einer Winzerin  zu sprechen. 


Die freundlichen und lobenden Worte, die sie für den Bericht über ihren Besuch,  unseren Empfang und - last but not least - unsere Weine  anschließend gefunden hat, haben mich sehr berührt...

in Französisch hier nachzulesen:
 



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Published by Iris Rutz-Rudel - dans weingut-lisson
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20 août 2010 5 20 /08 /août /2010 16:09

Logo Weinreich hat das Thema der Weinrallye # 36, Wein und Musik ausgerufen - alle Regeln zur Weinrallye findet  man wie immer bei Thomas auf dem Winzerblog.

 

"Wein & Musik. Zwei Genusswelten, die aufeinandertreffen und dann vielleicht miteinander verschmelzen (?), so stellen wir uns die Rallye vor."

 

Musik war  schon einige Male ein Thema in diesem Blog - sie spielt ja auch in unserem täglichen Leben eine große Rolle - und zwar fast jede Form von Musik, ob es nun die Sounds of Wine sind, die unsere Arbeit begleiten, oder unsere persönlichen Vorlieben zur Entspannung - eher Rock und Pop orientiert für den einen, eher klassisch für den anderen, was dann auch schon zu einem Glas Wein neben dem kleinen Piano führen kann

 

wein und Piano

 

Auch bei einer der vergangenen Weinrallyes wurde gleich die passende Musik zum Wein vorgestellt, es lag ja auch nur nahe, einen Wein mit dem klangvollen Namen "Rendez-vous du Soleil" aus der Gegend von Narbonne mit dem berühmten Chanson von Charles Trenet zu illustrieren, das sicher bei diesem Namen Pate gestanden hat.

 

Und besonders tief hat mich natürlich die nicht vorher mit mir abgesprochene Wahl der Hintergrundmusik für den kleinen Film über Lisson bewegt, den man sich in seiner schwarz-weiß Kurzfassung auf unserer Webseite herunterladen kann: was da beim Gang durch den Clos des Cèdres und beim Eintritt in den Keller erklingt ist eine meine Liebliengsmusiken - Alfred Deller interpretiert Music for a While - so möchte ich meinen Wein im Keller begleitet wissen und zu hören, dass der Regisseur nach einem Drehnachmittag in Lisson und der Bekanntschaft mit mir und meinem Wein diese Musik aus allen möglichen zur Illustration wählte, grenzte für mich schon an ein kleines Wunder und eine Musikbegleitung, die ich zu einem Glas Wein aus Lisson in stillem Genuss nur empfehlen kann:-)!

 

 

 

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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Weinrallye
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7 août 2010 6 07 /08 /août /2010 11:37

 

Seit gestern sind wir in Lisson darauf vorbereitet:

 

 

changementclimatique - Klimawandel

 

 

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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Strandgut
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6 août 2010 5 06 /08 /août /2010 17:13

nein, keine neue Cuvée de Lisson, wir bleiben bei unserer bevorzugten Farbe für unsere Weine tiefrot und dicht, manchmal fast schwarz - aber im Weinberg beginnt langsam die sehnlichst erwartete Transformation.

 

In unseren Rebfeldern, die weder geköpft noch ringsum beschnitten oder ausgedünnt wurden, denn wir gehen davon aus, dass die Reben durch die Tatsache, dass wir keine künstlichen Dünger eintragen und einen recht strengen Winterschnitt durchführen, schon genug in ihrer natürlichen Wuchs- und Wucherkraft eingeschränkt wurden, grünt es prächtig. Nach einem schwierigen Start in nasskalten Frühjahr und einer langen Hitzeperiode im Juli waren die Pflanzen allerdings auch froh, vom ausgiebigen Regen vor ein paar Tagen profitieren zu können. 

 

pas étêté

 

Die Farbe ist also noch sehr schön, es ist eine Freude, das satte Grün zu sehen, das Blattwerk, das in diesem Jahr noch keine Spritzung gegen Mildiou erhalten hat. Etwas weniger stolz bin ich auf die Tatsache, dass mich das naßkalte-unbeständige Wetter in Mai und Anfang Juni daran gehindert hat, wie sonst eine Bestäubung mit Schwefelpuder zum Zeitpunkt der Blüte vorzunehmen, kurz bevor ich nach Deutschland reisen mußte. Das hätte verhindert, bei meiner Rückkehr  Spuren von Oidium auf den jungen Trauben einiger Cabernetreben auf den schmalen Terrasses der Échelles zu finden, die wegen des morgendlichen Schattens der hohen  Mauern schlechter abtrocknen....  

 

vierge de traitement pour l'instantschöne Traube 2010 ohne Spuren von Spritzmittel

 

um aber nun den Titel des heutigen Artikels zu rechtfertigen, und das haben Kenner sicher schon erraten, hier die Bilder der ersten Trauben, bei denen die Veraison eingesetzt hat: die ersten Beeren, die ihre Farbe von weiß (das ja in Wirklichkeit immer grün ist) zu rot vollzogen haben: 

 

véraison Pinot 2010

 

hier eine Pinot Traube im Clos du Curé, ganz oben auf dem Berg

 

véraison Mourvèdre 2010

 

aber auch einige Beeren der Mourvèdretraube, einer normalerweise eher sehr spät reifenden Traubensorte, die unseren Clos des Cèdres ausmacht, zeigen sich bereits. 

 

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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Arbeit im Weinberg
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1 août 2010 7 01 /08 /août /2010 08:47

Ich kam erst heute dazu, das  Interview, das Stefan Schwytz auf seinem Blog Baccantus mit dem jungen Österreicher Winzer Gottfried Lamprecht vom Gut Herrenhof Lamprecht geführt hat, zu lesen - aber es ist ja auch kein Trendsauartikel, der nach 3 Tagen out ist:-) - genau wie der gemischte Satz, der wohl viel zu sehr gegen den Trend zu Rebsortenweinen wäre, um allgemein wieder eingeführt zu werden.

Traditionell gehörte er zu den südlichen Regionen Frankreichs - die Rhône-Weine werben ja heute noch teilweise mit ihren treize cépages (13 Rebsorten), die eben früher auch gemischt im Weinberg angebaut wurden. Auch bei uns im Hinterland des Languedoc habe ich vor 30 Jahren noch viele solche Rebberge kennengelernt: Carignan, Grenache, beide in den drei Farben,  Cinsault, Aramon, Alicante Bouchet, Morastel, Clairette und hier und da ein Muscat oder eine der inzwiscchen ausgestorbenen autochtonen Rebsorten, wie der Ribeyrenc  standen munter durcheinander und wurden gemeinsam geerntet und vergoren.

Das gab nicht nur interessante Mischsätze, bei denen, da stimme ich  Gottfried voll und ganz zu, die Klein-Lage den Unterschied machte, die schließlich die Reife bestimmt, sondern es machte auch Spaß, darin zu arbeiten, konnte man doch bei der Arbeit im Spätsommer sich gleich im Weinberg mit der einen oder anderen reifen Traubensorte erfrischen. Natürlich war durch den Mischsatz und die unterschiedliche Empfindlichkeit für Wetterbedingungen und Rebkrankheiten das Ernterisiko geringer - und die Sorten ergänzten sich oft auch bewußt: die einen für die Tannine, die anderen für ihr Fruchtaroma, die nächsten als "Saftlieferanten" und die letzten als Lieferanten von Anthocyanen, die sogenannten Teinturiers für die Farbe, wie der Alicante Bouchet mit seinem tiefroten Saft schon in den Trauben.

Und noch ein Effekt, der mir inzwischen fehlt: der wunderschöne Anblick des ebenfalls farblich gemischten Herbstlaubs nach der Ernte mit seinem impressionistiscchen Charme:-).

 

http://a33.idata.over-blog.com/0/18/12/83/fete-du-marron-2007/vignes-automne-1.jpg

 

Natürlich war auch die traditionelle Pflanzung und  Führung im Gobeletschnitt, also als Einzelstock in der klassischen Dichte der 4444 Stöcke pro Hektar, also gepflanzt auf 1,5m x 1,5m dem Mischsatz förderlich - da musste nicht auf Draht gezogen und auf Traktoren und Erntemaschinen eingestellt werden.

Solche Pflanzungen konnte man dann wieder längs, quer und diagonal pflügen, was meist mit Maultieren oder Pferden gemacht wurde, für die der Abstand auch ausreichend war. Und um potente Hefen für die Spontangärung musste man sich bei diesen natürlichen Mischsätzen auch keine Sorge machen...

All das ist inzwischen bis auf wenige Hanglagen aus der Vorkriegszeit und den 50zigern, also zu Recht heute als "vieille vignes" vermarktet, verschwunden, nebst der Ackergäule und deshalb leider auch eher mit Unkrautvertilgungsmitteln gespritzt, da, wo es noch existiert.

Wie beim Terroir, greift eben auch in diesen Dingen alles ineinander - Veränderungen auf einem Gebiet ziehen andere nach - es ist nicht zuletzt auch die Kontrolle der Faktoren, die ja im C der Appellation d'Origine Contrôllée (AOC) enthalten ist, Kontrolle, die der Mensch über alles ausüben will, die zum Verschwinden dieser traditionellen Biodiversität geführt hat - schade eigentlich, wenn es keine Trendsau würde, Mensch, Landschaft und auch Weinliebhaber verlieren so wieder ein Stück Vielfalt.

 


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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Strandgut
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Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

Begleiten Sie mich also auf dem Weg durchs Winzerjahr. Hinterlassen Sie Ihre Kommentare oder stellen Ihre Fragen, damit aus diesem Blog ein lebendiges Kommunikationsmittel wird.

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