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14 mai 2012 1 14 /05 /mai /2012 12:02

Dieses Wochenende war voller schöner Überraschungen. Nicht nur schien die Sonne endlich wieder ungetrübt vom blauen Himmel und nahm so die Sorge um ein zu feuchtes oder zu kaltes Klima für unsere eifrig wachsenden Reben von uns, die bisher noch ungespritzt gen Himmel streben, wie ein Kontrollgang durch die Rebterrassen am Berg zeigte

es-wachst.jpg

Mourvèdre Mai 2012

 

Aus dem Internet kam dann auch die Neuigkeit, dass mein bescheidener Artikel, den ich vor ein paar Monaten zu den Born Digital Wine Awards eingereicht hatte, in der Kategorie

Bester von einem Weingutes selbst erstellter Beitrag

 Für außerordentliche Arbeiten (Texte und Videos), die von Weingütern geschaffen wurden, um für ihre Marke zu werben und das wichtigste Publikum zu erreichen.

 

von einer internationalen Jury in die Endausscheidung der letzten 5 Bewerber gewählt wurde. Für einen Beitrag, der nicht in englischer Sprache geschrieben wurde, schon ein kleiner Erfolg - sind doch nur 2 Beiträge in Französisch aus 300  so weit vorgedrungen:-).

Hier also die Liste der 5 Beiträge von Weingütern aus aller Welt, die für die Endausscheiung in die "Shortlist" der Jury, angeführt von Michel Bettane, kamen.

Best Winery Self Produced Content

 

Aufmerksame Weinblogleser werden übrigens die Besucher, die mir als Aufhänger für diesen Juni-Spaziergang durch unseren Weinberg dienten, wiedererkennen:-).

Esther-Schwytz.jpg

Esther und Stefan Schwytz zu Besuch in Lisson

 

Und die zweite schöne Überraschung war ein kleines Video,Geschenk eines Freundes, Bernard Vieillescaze, dank dessen Schnitt-und Montagekunst man die Winzerin beim Winterschnitt im Frühjahr begeleiten kann...und dessen selbst komponierte und interpretierte musikalische Untermalung mich fast durch den Weinberg tanzen läßt...


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2 mai 2012 3 02 /05 /mai /2012 17:40

 

 

wr 50

 

Naturwein und Konsorten...so hieß etwas salop und dadurch auch offen das Thema dieser 50. Weinrallye, das ich für den Monat April betreuen durfte.

zugelassen war also alles, was ausgehend von chemiefreien Trauben aus ökologisch bearbeiteten Weinbergen dann auch im Keller möglichst ohne die möglichen (und üblichen ...) hunderte von zugelassenen Zusatzstoffe auskommt .

 

Und entsprechend weiträumig waren auch die Beiträge, die am Rallyetag auf den deutschsprachigen Blogs und auf den Facebookseiten der Weinrallyegruppe veröffentlicht und unter #Weinrallye in Twitter verlinkt wurden.

 

Danke also erst einmal an alle Weinblogger, die mitgemacht und in den sozialen Netzwerken auch darüber berichtet haben!

 

Voll mit dabei war Winzerblogger und Weinrallyevater Thomas Lippert - und das gleich auf seinen beiden Blogs und mit insgesamt drei Beiträgen:

Auf dem Winzerblog, in bekannter Manier der 10 Gründe... mit seinen Überlegungen zu

10 Gründe, Naturwein zu machen


Naturwein

und auf seinem Blog 25cl mit weiteren Gedanken zum Thema Naturwein .

„Mich persönlich interessiert natürlich der kellertechnische Ansatz am Naturwein ganz besonders. Es stellt sich mir die Frage, kann man durch den richtigen Einsatz von Hirn und Technik komplett auf Behandlungsmittel verzichten? Es ist ja nichts neues das wir z.B. durch den Faktor Zeit auf Stabilsierungsmassnahmen für Eiweiß und Weinstein verzichten können. Also wäre doch der Aufbau einer Produktionskette die vorsieht ohne alles auszukommen einmal spannend.“

….“In so fern sollte man sich darauf besinnen und viel mehr die geschmacklichen Stärken eines Naturweines auszuspielen als auf den alleinigen  Begriff Natur zu bauen der zunächst nichts aussagt.“

und dann noch einmal ganz praktisch zu Naturwein aus der Region Rhône und Loire. 

 

Winzer und Blogger Bernhard Fiedler aus Österreich teilte uns knapp mit, dass er bei der 30. Weimnrallye, die vor zwei jahren schon einmal das Thema angesrochen hatte, schon alles gesagt hat:

    "In meinem damaligen Beitrag kann man nachlesen, warum ich von dem Begriff und den allermeisten dahinterstehenen Weinen nicht all zu viel halte. Und weil sich daran seit Februar 2010 nichts wesentliches geändert hat, gibt es diesmal auch keinen Rallyebeitrag von mir" .

 

 

Christoph Raffelt vom Blog Originalverkorkt lieferte uns zu seinem Artikel über die Weine von Angelino Maule und Patrick Lescaret auch noch gleich gleich einen langen Podcast, in dem er gemeinsam mit zwei Bloggerkollegen unter dem schönen Titel: Vinologisches Völlegefühl die Weine besprach. Er diskutiert dort u.a. mit Torsten Goffin, der auf seinem Blog AllerAnfang sowie auf seinem Blog Glasklare Gefühle noch weitere Informationen über die Weine und die Aktion gibt.
 

Zu dem, was Joachim Kaiser vom Blog Vinositas in seinem Artikel "alles bio" schreibt, könnte ich aufgrund meiner Erfahrung und auch meiner Fachlektüre einiges sagen, was seinem Thesen ("Neuere Wirkstoffe weren ganz hervorragend abgebaut", etc...) widerspricht, aber das ist ja nicht der Zweck einer Zusammenfassung. Also soll sich jeder selber eine Meinung bilden.


Auf dem Blog Winelog von Hawsko, der soweit ich das verstanden habe, von Dimitri Taits geschrieben wird, finden wir eine Selbstarstellung von Château Fontroque von Alain Moueix...leider wird dort auf die Weinbereitung, die ja meist den Unterschied von biologisch oder biodynamisch angebauten Trauben und ihrer oft noch recht konventionellen  Weinbereitung und der Weinbereitung von Naturwein ausmacht,  kaum eingegangen, dafür gibt es aber schöne Bilder.


Julia Richter, Mitarbeiterin bei T-Vino, stellt sich auf ihrem Blog Germanabendbrot die Frage:

"Wer aber dem Boden ohne Zuhilfenahme von Pestiziden oder sonstigen Keulen Trauben abtrotzt, dabei immer von der Willkür des Wetters abhängt und dann vielleicht auch noch bei der Ernte den unbequemen Weg der Handlese geht, kann sich doch vielleicht gar nicht mehr erlauben, auch noch beim Ausbau des Weines alleine auf Handwerk, Erfahrung und gute Geister zu vertrauen."

und verkostet zwei Weine, bei denen es auch nicht leicht war, auch auf Nachfrage genauere Auskünfte über ihre Machart im Keller zu bekommen.

weinrallye-50-0928.jpg

 

Stefan Schwytz vom Blog Baccantus, der auch schon bei der ersten Naturweinrallye dabei war, geht trotzdem das Thema noch einmal detailliert an: unter dem Titel: Naturwein, was ist das jetzt schon wieder?

Jugend.JPG

 

Susanne Werth-Rosarius, als die Susa die Weinfachfrau vom Gemeinschaftsblog "Hundertachtzig°" und auch im Weinforum sehr aktiv, fühlt sich gleich in ihre wilde öko-Jugend zurückversetzt und erzählt uns in ihrer bewährten Art eine entsprechend lange und oft lustige Geschichte, bevor sie einen deutschen Winzerwein aus dem Rheingau aus naturnahem Anbau mit vermutlich auch entsprechender Kellerarbeit verkostet und vorstellt.

 

  collage bio

 

  

Michaela Loidl  -  von Bio-Wein-Online begeistert sich für den Wein von Franz Strohmeier, seinen Weißburgunder aus der Linie “Trauben, Liebe und Zeit”, der sagt: “Es geht nicht um das Hinzufügen, sondern um das Weglassen.” Diesen Winzer und seine Mitstreiter aus Österreich hatte ich auch schon in einem meiner einführenden Artikel zur Weinrallye vorgestellt. 

 

Peer F. Holm verkostet gleich doppelt in zwei artikeln auf Wein-Wissen.de: einen 2010 Fontanasanta Nosiola, Foradori – im Verlauf einer Woche verkostet 

Und einen Wein aus Österreich, von Gottfried Lamprecht

"Zeit. Ruhe. Seele … Was für ein Wein. Auf der einen Seite könnte man ihn einfach nur so wegsüppeln, aber andererseits kann man auch mit dem Wein anfangen ins Gespräch zu kommen. Der hat was zu erzählen."

teuffen

Weiter geht's in die Schweiz, aus der sich Robert Sprenger, vom Kochblog Lamiacuchina wieder der Weinrallye anschließt, natürlich mit einem schweizer Wein.

 Zwei Höger wiis Teufen, 2010 Peter & Karin Stucki

„Aber lassen wir das. Leben und Leben lassen. Wer sich an die Regeln der Biologisch-dynamischen Landwirtschaft hält, der macht in meinen Augen zwar Umwege. Wer seinen Boden und die Natur als Arbeitgeber, Kapital und Lebensgrundlage betrachtet, macht aber auch nichts Falsches.  Halten wir uns an den Wein. »

 

Und bleiben wir in der Schweiz, mit Peter Züllig, der auf seiner Facebookseite: Wein im Gepäck seine Rallyebeiträge veröffentlicht...wie immer sehr lesenswert lernen wir hier gleich mehrere schweizer Naturweine kennen. 

 

zero bulles

Katia Bollwerk vom deutsch-französischen Kochblog Bollis Kitchen beteiligt sich mit einem Beitrag über Ze Bulle Zéro Pointé von Château Tour Grise, Françoise et Philippe Gourdon

 

 

Niko Medenbach auf dem Blog Drunken Monday  stellt  den 2007er Dr. Bürklin-Wolf Ruppertsberger Hoheburg P.C. Riesling  - Fass 23 vor

« Weinbereitung wie “früher” . Doch wie schmeckt “früher”?


   Alexander Zülch, Caviste bei Vins Vivants  spannt den Bogen vom Roussillon, 2007er Tam Tam von Edouard Laffitte über einen 2010er Little Creek Pinot Noir Australien und einen 2002er Weißwein aus Burgunderrebsorten:

„Viele können gar nicht glauben, dass es in Deutschland diese Art Wein nicht gibt. „Ihr seid doch Vorreiter, bei allem was ökologisch und nachhaltig ist“ wird er oft gefragt. Zum Definitionsstreit hat er seine, sehr französische Philosophie: 

Ich finde es etwas müßig, sich darüber zu streiten, denn mir kommt es auf den Geschmack an. Ich tendiere dazu Wein als Kulturprodukt zu sehen! Denn ohne Mensch kein Wein, aber was ist der Mensch??? Naturprodukt?, Kulturprodukt? Letztendlich vielleicht beides! Ich benutze lieber den Begriff „lebendiger Wein“, auf französisch Vins Vivants!“


und Küchenjunge Christian Lersch vom Blog Wein-Reich erfreut den Gaumen nicht nur mit einem Spätburgunder trocken 2010 Mayschoßer Mönchberg vom ökologischen Weingut Bäcker von der Ahr, sondern auch mit kulinarischen Genüssen, schön ins Bild gesetzt. 


essen

  

Der Blogger vom Marien-Eck Köln und dem Blog Kochkurs-Köln erzählt von seiner Entdeckung eines Beaujolais Cru Morgon 2008 von G. Descombes

« Nach diesem Erlebnis musste ich noch weitere Weine probieren. Mir schienen sie alle etwas mehr Tiefe zu haben, oder anders ausgedrückt, etwas komplexere Aromen hervorzubringen. Manchmal nicht so ausgewogen und ausbalanciert wie die konventionellen Pendants aber immer mit interessanten Noten zum nachschmecken.“


 

Fritz Zickuhr, vom Blog Edekaner findet seinen Wein, der schon im Namen passt Sacra Natura  2006 D.O Terra Alta Tarragona

 

und Torsten Hammer vom Priorat Hammer-Blog hat auch eine steigende Tendenz zu natürlichen Weinen entdeckt

« Viele, mehr und mehr Erzeuger gehen auch hier inzwischen den Weg einer Zertifizierung, nur die Querköpfe unter den Winzern verzichten auf die damit verbundene Bürokratie – was aber alle eint, das ist die Philosophie. Das Tun und nicht nur das Darüberreden. »

 

Bernd Eck, von Fabio-Wein.de verkostet eine Scheurebe 2009 vom Weingut Wittmann.

 

Mathias Metze auf seinem Blog Socialwine s teigt in der Schweiz fast wörtlich "in den Himmel", um die Domaine de Beudon im Wallis zu besuchen.


vigne paradis

  

Bei J. Potthast vom Blog 13grad  weckt das Thema  den Weinfreund und Antifaschisten in in ihm, was uns zu interessanter historischer Lektüre verhilft:

„Der Naturwein hingegen bleibt für mich ein problematischer Begriff, zu sehr ist Wein ein kulturelles Produkt. Da schlage ich mich lieber mit den diversen Bio-Etiketten herum, das ist parlamentarische Demokratie: Konkurrierende Meinungen und produktive Verwirrung über das, was richtig ist.“

 

Thomas Günther - verliebt sich in die Venus de Pinchinat auf dem Etikett von  Allain de Welle - deren römische Freikörperkultur aber dann den Blogger von Weinbverkostungen.de im Glas aber  doch nicht so richtig überzeugt...

 

naturwein-venus


« Der Fachhandel in meiner Stadt hatte nichts wirklich Reizvolles zu bieten. Und so ging ich in einen Bioladen. Beratung gibt es dort nicht. Folglich verkaufen die auch eher die preisgünstigen Weine bis 6 Euro. Bei den hochwertigeren Weinen waren die Jahrgänge häufig nicht mehr aktuell. Und wenn Flaschen zwei Jahre oder mehr im Neonlicht stehen, dann lasse ich die auch dort. Bei aller Liebe zum Naturwein. Sollte man den Begriff Naturwein auch auf die Lagerung ausdehnen?“


Bäume vigne

Sebastian Holey  vom Blog Weinbau und Önologie wählt das  burgenländische Weingut “Meinklang”, der Familie Michlits.

„Meiner Meinung nach sollte Naturwein nicht nur irgendein biologisches Getränk sein, vielmehr die Kooperation zwischen Mensch und Pflanze, wodurch ein kompletter Kreislauf entsteht und der Wein als eines der Ergebnisse – wie am Beispiel Meinklang.“

 

cremerie

  

Und Christian G.E. Schiller vom Blog Schiller-Wine vervollständigt die polyglotte Weinreise mit einem langen Beitrag in englischer Sprache über  3 wine bars, die auf natural wines spezialisiert sind,  mit vielen interessanten Links: Terroir in San Francisco, Terroirs in London and La Cremerie in Paris.

 

willy-und-elli-wein

 

und last but not least gibt's die schöne Geschichte von Willi und Elli und auch überzeugendere Beispiele von Naturwein bei Mathias  vom Blog ChezMatze und er zitiert auch einen Cavisten " Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass zéro-zéro-Weine auch total sauber nach konventionellem Verständnis schmecken können. Die Essig-vins naturels sind zwar genauso gut für die Umwelt. Aber die kann ich als Sommelier keinem Kunden vorsetzen.”

 

Ach so, ja, ich habe natürlich auch noch einen eigenen Rallyebeitrag geschrieben, etwas außer Atem, von all der aktuell begleitenden Berichterstattung am Rallyetag auf Facebook und in scoop.it: Weinrallye, wo man jeden Monat alle von mir zum jeweiligen Thema gefundenen Beiträge finden kann.

Natürlich gibt es alle Basisinformationen wie immer bei Thomas Lippert auf dem Winzerblog.

 

Thomas hat die Organisation der Weinrallye inzwischen auf eine eigene Mixxt-Seite ausgeladen, dort kann man Themenvorschläge machen und sich für zukünftige Rallyes eintragen.

 

Die nächsten Weinrallyes stehen auch schon fest: Im Monat Mai, für die Weinrallye #51,  möchte Siegfried Perini von uns etwas zur Rebsorte Domina hören. Im Juni geht es bei Torsten Goffin in der Ausgabe #52 um den Klimawandel und für Juli hat Peter Züllig  als Thema  Weinrallye # 53: Schweizerwein vorgeschlagen.  

 

Ich hoffe, ich habe niemanden vergessen, aber Ihr wart so zahlreich, ausführlich  und interessant zu lesen, dass ich mitten in meinen Reisevorbereitung für einen längeren Deutschlandaufenthalt kaum nachgekommen bin:-)!

 


 

 

  

    

 

 

  

 

 

  

 

    

 

 

 

 

 

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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Weinrallye
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28 avril 2012 6 28 /04 /avril /2012 16:35
 wr-50.jpg  Die Rallyebetreuerin kommt als letzte durchs Ziel... es waren so viele tolle Beiträge zu entdecken, zu lesen und zu verlinken, dass ich auch jetzt noch ganz außer Atem bin und alle um Entschuldigung bitte, wenn ich nicht mehr die Kraft und Ruhe habe, die ich persönlich brauche, um mich auf einen neu zu entdecken Wein angemessen einzulassen . Und so bleiben die vielen Flaschen Vin Naturel, die mir in den letzten Jahren meine Kunden zum Geschenk machten (nach dem Motto: kennst Du den schon, den musst Du unbedingt entdecken...) oder die ich auf Messen mit Kollegen getauscht habe, noch einmal ungeöffnet in meinem Weinkeller - sicher werde ich sie bei anderer Gelegenheit hier einmal vorstellen.


Und auch das, was hier heute folgt, hat schon etwas "bouteille" - es ist eine nur  leicht überarbeitete und aktualisierte Fassung  meines Beitrags Weinrallye #30: Naturwein - ein Nachtrag aus französischer Sicht

Die Teilnehmer dieser Weinrallye # 50: Naturwein und Konsorten, die ich gestern betreuen durfte, haben es im Vorfeld und beim Stöbern in meinem Blog sicher schon gemerkt, dass ich mich schon  etwas länger mit dem Thema beschäftige, schließlich ist vin naturel, den wir lieber "wilden Wein" nennen,  nicht nur unsere tägliche Praxis seit 20 Jahren in Lisson, sondern in Fankreich eine ganze Bewegung, die inzwischen zahlreiche Winzer, aber auch Weinhändler (auch und gerade online) und Weinbars umfasst und entsprechend in den Medien, auf Blogs und Foren heftig diskutiert wird.

carte-postale--Lisson.jpg
Wir gehören übrigens, aus ähnlichen Gründen, die uns auch vom subventionierten Beantragen eines Bio-Labels abgehalten haben, auch diesem Verein nicht an....wer's genau wissen will, dem erkläre ich das gerne mal ausführlicher, aber heute aus Zeitmangel nur die - einigen vielleicht zu lässige  - Kurzversion: ich bin halt von Natur aus kein Vereinsmeier, kontrolliere mich am strengsten selber und setzte gegenüber meinen Kunden dabei auf volle Transparenz vor Ort....im Zweifel noch auf die Überzeugungskraft von Händlern, die sich erst mal bei einem Besuch auf Lisson ein Bild gemacht haben, ehe sie den Kunden irgendwelche blumigen, von mir selbst verfassten Werbetexte hinhalten oder nur, ohne selber näher nachzuforschen, auf ein grünes oder sonst wie geartetes Logo verweisen...

Bei nur wenigen hundert Flaschen pro Jahr (die Natur ist nicht immer freundlich: bei uns schlägt sie regelmäßig in Form von Wildschweinen und Dachsen zu - die lieben auch unsere naturbelassene Landschaft und gehören leider zur Biodiversität der Fauna), also bei dieser geringen enge, riskiert kein Weinliebhaber, den Weinen anonym in einem Supermartregal ohne Beratung zu begegnen, wo natürlich staatliche Kontrollstempel durchaus ihre Berechtigung haben.

Aber zurück zum allgemeinen Thema:


Interessant fand ich immer schon, dass auch in Frankreich der Begriff "Vin Naturel" zunächst vor 100 Jahren beim Kampf der Weinbauern gegen die Verfälschung von Wein (Fraude) durch Aufzuckerung ein Thema war:

1wn17 vin naturel1907


Die Zahl der Veranstaltungen, auf denen Winzer der Naturweinbewegung ihre Weine vorstellen, nimmt von Jahr zu Jahr zu: hier nur ein paar Beispiele

  
  Affiche-VLnur ein Beispiel aus dem Elsass

Manche vereinen Winzer aus ganz Frankreich, andere haben regionale Schwerpunkte - Loirewinzer, Winzer aus dem Languedoc-Roussillon, dem Elsass oder dem Beaujolais.

Viele sind inzwischen Mitglied in der Association des Vins Naturels (AVN), deren Manifest ich für die erste Naturweinrallye übersetzt habe. Zahlreich sind darunter natürlich auch Winzer, die schon einem der zertifizierten Bio- oder Biodynamik-Labels angehören (ECOCERT, DEMETER), aber der Verein nimmt eben durch sein System der Paten auch Winzer auf, die bewußt auf ein solches Label verzichten, oft, weil ihnen die bisher fehlende Kontrolle der Kellerarbeit und inzwischen die relativ kompromissbehafteten Entwürfe für ein Bio-Label im Keller zu lasch sind. Daran hat übrigens auch die jetzt endliche verabschiedete Fassung der Richtlinien für die Bio-Weinbereitung auf europäischer Ebene, wie man ja aus der Diskussion der vergangenen Wochen wiss, nichts geändert.

logo-bio


So schlägt die AVN ihren Mitgliedern eine Begrenzung des Schwefelzusatzes bei der Weinbereitung von maximal 30 mg/l für Rot- und Schaumweine vor, maxi 40 mg/l für Weißweine und 80 mg/l für halbtrockene und Süßweine. Es bleibt den Mitgliedern natürlich unbenommen, geringere Dosen zu verwenden oder ganz oder für Teile ihrer Weine auf zusätzliche Schwefelung zu verzichten, wie es einige ja bereits praktizieren.

Unsere Einstellung und Praxis zu diesem Thema Schwefelzusatz habe ich ja auch bereits ausführlich in einem früheren Artikel dargestellt.

Natürlich umfassen die Empfehlungen auch Handlese und den Verzicht auf künstliche Hefen, Umkehrosmose, Zuckerzusatz, Thermo-Vinifikation, Flash-Pasteurisierung und die anderen Techniken, die in den Entwürfen der europäischen Bioverbände wohl als Kompromis auch in die Statuten des Biolabels aufgenommen wurden.

Hier liegt wohl auch die Verbindung der "Terroiristen" zu den "Naturalisten" - denn gerade in der Diskussion um den Begriff des Terroirweines spielen diese Techniken eine große Rolle. Sie sind für AOC-Weine durchaus erlaubt, ob sie aber wirklich geeignet sind, den Einfluss des "Terroirs", das ja die Typizität einer Lage mit all ihren Einflussfaktoren (die auch vom Winzer im Weinberg mit bestimmt werden), im Keller dann zum Ausdruck kommen zu lassen, wird doch stark angezweifelt.

Und so gehören für mich Winzer wie Pierre Frick aus dem Elsass, der den Begriff "authentisch" für seine Arbeit in Weinberg und Keller und die daraus resultierenden Weine (einige ganz ohne Schwefelzusatz abgefüllt)  bevorzugt,  Christophe Beau von der Domaine Beauthorey, Didier Barral aus Faugères oder Isabelle und Bruno Perraud aus dem Beaujolais zu meinen bevorzugten Winzern - aber auch viele andere, die man auf den Veranstaltungen der Winzer der Vins Naturels findet, wie Bernard Bellahsen von der Domaine Fontedico oder Pierre Overnoy aus dem Jura, Bruno Schueller aus dem Elsass, bei dessen Weinen entweder kaum oder gar kein Schwefel zum Einsatz kommt - was manchmal dazu führt, dass er sie, wie viele Kollegen, nur als "Tafelwein" etikettieren kann...die Liste ist sehr lang...

Und auch wenn ich den Einwurf von Berhard Fiedler :

"Wie in der Musik ist nämlich auch beim Wein manch eine Interpretation von klassischen Werken mit Originalinstrumenten schlicht und einfach miserabel. Und manche gefühlvolle Darbietung mit modernster Technik grandios und authentisch."

durchaus für ein gutes Bonmot halte, für das sich sicher auch Beispiele in der Praxis finden lassen, so schließe ich mich doch eher dieser Auffassung vom Mythopia Blog an:

"Welch ein Genuss, wenn ein Wein eine Geschichte erzählt, die sich nur durch den Wein und nicht durch Worte wiedergeben lässt. Wenn ein Wein endlich eine derart undurchdringliche Komplexität erreicht, dass selbst Experten nicht mehr das öde Klassifizieren von Himbeernoten, Reglise, Vanille, Honig über die Lippen bekommen. Wenn ein Wein wie ein Adagio cantabile sich in der Zeit entfaltet und erst im Nachklang ganz zu sich selbst gelangt."

"Wein aus Trauben und frischer Luft" - das erinnert mich an einen ersten Agronomen Frankreichs, Olivier des Serres : l'air, le soleil et le plant , das hatte er irgendwo in seinem berühmten Werk
Le theatre d'agriculture et mesnage des champs geschrieben. Die Idee ist also wirklich nicht so neu. Leider gibt es nur eine französische Version auf Wikipedia über diesen frühen agronom Frankreichs, die dort aufgeführten Praktiken sind geschichtlich sehr interessant und zeigen, dass auch damals schon nicht alles dem Zufall überlassen wurde...

Und so reicht für mich also ein Bio-Label für meine Definition von Naturwein wirklich nicht aus - da muss ich schon mehr über die Kellerpraxis des Winzers wissen - und würde auch vor der Lektüre eines Rückenetiketts nicht zurückschrecken, das mir darüber Auskunft gibt.


Vielleicht ist es auch kein Zufall, wenn bei den Verkostungen für die 30. Weinrallye zum gleichen Thema aus dem Jahr 2010 die Beschreibungen der Weine, die "nur" aufgrund eines solchen Labels gekauft wurden, oft doch ein wenig enttäuschend ausfielen - kein schlechter Wein, aber auch kein besonderer bleibender Eindruck
- während für mich die Beschreibung seiner Erfahrungen mit dem Clos des Martyrs aus dem Wallis bei Mathias Metze all das wiederspiegelt, was ich von der Begegnung mit einem Naturwein erwarte und von dem ich hoffe, dass es möglichst viele Weinliebhaber beim langsamen, genüsslichen Trinken eines Lissons-Weins erleben.

Und natürlich heißt das nicht, wie so oft polemisch bemerkt wird, dass der Winzer in diesem Prozess keine Rolle spielt - im Gegenteil, so wie man den Begriff Terroir nicht auf eine geologische Bodenstruktur begrenzen kann, so ist auch Arbeit mit den Trauben und dem Wein im Keller durchaus ein vom Menschen gesteuerter Prozess, hinter dem auch immer ein Konzept steht - aber wer kann denn behaupten, dass der Mensch nicht zur Natur gehört?

en-musique

Vielleicht ist es aber auch deshalb so interessant, die Begegnung mit diesem Menschen zu suchen, um seine "Natur" zu verstehen und vielleicht ein wenig auch davon im Glas zu Hause wieder zu finden...

PS: und in den nächsten Tagen freue ich mich schon auf die große Arbeit der Zusammenfassung dieser Weinrallye, die Bandbreite der Ansatzpunkte, Blickwinkel und auch der vorgestellten Weine hat mich erfreut, weil da doch mehr kam, als die scheinbare Abwesenheit des Themas in der deutschsprachigen Weinblogwelt vermuten ließ und weil auch in Zahl und Inhalt der Beiträge so viel zu lesen und lernen ist, dass ich mich hinterher klüger als vorher fühlen werde ...  Dafür schon mal meinen Dank an alle Teilnehmer:-)!!!




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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Weinrallye
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24 mars 2012 6 24 /03 /mars /2012 11:30

Ein kurzer Beitrag zur Einstimmung auf den kommenden Freitag, an dem ich die Freude habe, die 50. Weinrallye zum Thema : Naturwein und Konsorten zu betreuen.

 

Nachdem ich ja schon auf die Organisation und Verbreitung von Winzern, die sich in Frankreich den Vins Naturels verschrieben haben, schon bei der 30. Weinrallye vor gut zwei Jahren hingewiesen habe und auch das Interview eines französischen Weinbloggers mit Alice Feiring, der "Naturweinpäbstin" aus New York in einer deutschen Übersetzung zugänglich gemacht habe, möchte ich von meiner Begegnung/Entdeckung österreicher Winzerkollegen berichten, die ich während der letzten Messe für Biowein, Millésime Bio, in Montpellier im Januar 2012 auf Hinweis von Axel Biesler machen konnte, ihm noch herzlichen Dank für den Hinweis sagen...

 

hier also in deutscher Sprache der Auszug aus meinem Bericht über meine Reise zur  diesjährigen Millésime Bio:

 

 

"Los geht's in Richtung einer Reihe von Tischen der Österreich-Winzer, die als Gruppe aus der Steiermark hierher gekommen sind - einer Region, die zum Teil schon an Slowenien grenzt und wo Weinberge zwischen 300 und 600 Metern Höhenlage schon zu den "cold-climat" Anbauflächen gehören. 

 

5 von ihnen sind unter dem Slogan Schmecke das Leben - zusammen geschlossen, alle für ihren biologischen oder gar biodynamischen nbau im Weinberg zertifiziert, alle mit dem erklärten Ziel, lebendige Weine zu machen, die ihre Herkunft (ihr Terroir) nicht verleugnen.

Bei den Naturweinliebhabern aus dem Norden Europas und in den Vereinigten Staaten, wie eben auch bei  Alice Feiring, die dort im vergangenen Jahr vor Ort zu Besuch war, sind sie gut bekannt, Alice hat davon auf ihrem Blog berichtet. Für uns war es, wie schon gesagt, eine Diskussion mit Axel Biesler, darüber, dass viele Bioweine auf der Messe mich und meine Winzerkollegin  ein wenig "kalt" gelassen hatten, da der Respekt der Umwelt im Weinberg zwar für uns zu den Selbstverstämlichkeiten für guten, seiner Herkunft verpflichteten Wein zählt...wir waren auch am 2. Tag der Messe noch auf der Suche nach dem Unterschied im Glas zu vielen konventionellen, ebenfalls fehlerfreien Weinen...

 

Seine Bemerkung: "wenn Ihr echte Freaks bei der Kellerarbeit sucht" hatte mich eher auf eine Begegnung im Stil der Neo-Winzer aus der hypen Naturweinbewegung vorbereitet, von denen wir etliche auf der Off-Veranstaltung La Remise der Millésime Bio 2011 getroffen hatten - aber bei den Winzern aus Österrich war der Unterschied nicht im Haartracht und Kleidung zu erkennen;-): 

 

Franz Strohmeier Andreas Tscheppe

Franz Strohmeier und Andreas Tscheppe

 

Trauben, Liebe und Zeit - so steht es auf den Etiketten von  Franz Strohmeiner, (dessen Internetauftritt leider Anfang des Jahres einem Crash zum Opfer gefallen ist und sich  noch im Neuaufbau befindet) aber der Name rückt geich die Prinzipien auch bei der Weinbereitung ins rechte Licht: ein Prozess ohne Zusatzstoffe und künstliche Hilfsmittel. Weine, die mindestens 18 Monate im Barrique ausgebaut werden, um dann ungeschönt und ungefiltert auf die Flasche zu kommen.

Liebe wird auch schon den Pflanzen im Weinberg zuteil, deren Vitalität im Mittelpunkt steht, und Zeit lässt man auch dem Wein im Keller, damit er seine Lebenskraft frei ausdrücken kann, kein Zusatz bremst ihn hier aus, mit Geduld und Sorgfalt entstehen hier wirklich lebendige Weine....

TLZ gelb

 

Wie dieser fast gelbe Weißwein, aus Chardonnaytrauben, der  Trauben-Liebe-Zeit gelb - oder sein Bruder, der Orange aus  Sauvignon blanc (85%), Muscateller und Chardonnay - alle beide 36 Monate im Barrique ausgebaut, der Orange dabei 6 Monate auf den Traubenhäuten - ungefiltert eentfalten sie im Geschmack eine Tiefe und einen Reichtum an sich folgenden und ergänzenden Aromen, die mir signalisieren, dass ich hier bei den Weinen angekommen bin, für die ich mich auf die Reise gemacht hatte - auch bei der verkostung eine Reise im Mund und damit im Kopf, die nicht immer zum gleichen Ort führt. So wie ja auch unser Geist nicht immer gleich gestimmt ist, wenn wir einem Wein begegnen, ist ja auch ein lebender Wein, den man nicht schon im Keller kastriert hat, nicht immer geich "gestimmt". Ich finde hier den Wein für die Geduld, wie ich ihn auch in meinem Keller zu kraieren versuche und ich hätte gerne ein paar Flaschen davon in meinem Keller liegen, um ihren Weg von Zeit zu Zeit zu kreuzen und zu sehen, wo wir stehen, der Wein und ich, wenn wir uns erneut begegnen...und ich bin sicher, dass das nie langweilig sein wird...

 

Am nächtsen Tag durfte ich auch noch den  TLZ  schwarz 2007 probieren, wie alle Rotweine des Hauses aus der landestypischen Rebsorte  Blauer Wildbacher vergoren - 48 Monate Barriqueausbau, natürlich ebenfalls ungefiltert - im Geschmack wie ein Madeira, bei dem man, wie wir in Frankreich so schön sagen" à boire et à manger" im Mund hat, er versetzt mich sofort in einen gemütlichen Sessel am Kaminfeuer, eine Decke auf den Knien und ein gutes Buch im rm...am Gaumen noch von nicht enden wollendem Nachhall, lange nachdem ich ihn geschluckt statt wie sonst auf Messen ausgespuckt hatte... Ich würde mich freuen, wie versprochen demnächst art einen Tausch mit einem unserer Lissonweine von ähnlicher Machart zu verwirklichen...ein Merlot von 2000 oder einen Clos du Curé, wie den 2009, der demnächst in den Handel kommt.... 

 

Andreas

 

Kompletter Wechsel nur einen Meter weiter bei Tischnachbar Andreas Tscheppe, dessen Weinberge 40 km von denen Strohmeiers entfernt liegen, auch hier Chardonnay, Sauvignon Blanc und Gelbmuskateller in wunderschönen Flaschen:

 

etiketten Tcheppe

wie bei Franz auch hier nur Weine am Stand, die noch nicht auf Flaschen gefüllt sind, also "brut de cuve" als Fassproben mitgebracht...

nach den wilden Weinen des Nachbarn verkostet, scheinen sie hier zunächst weniger beeindruckend, "flüssiger", diskreter, voller Frische... aber auch hier muss man sich auf die Weine erst richtig einlassen, sich Zeit nehmen, dem Nachklang am Gaumen nachpüren - und dann ist man plötzlich mitten drin in einer Blumenwiese, mit all dem Genuss eines Sommertags, der schmeichelnden kleinen Brise...zurück in der Jugend...für mich schon ziemlich weit...;-)...


blanc Tscheppe

 

Vulkangestein in  400 und 460 m Höhe, Trauben von  Tuff und Basalt und Gneiss und ebenfalls ein Ausbau ohne Zusatzstoffe...in einigen Weinbergen Hanglagen mit bis zu 70% Steigung...mit vom Winzer selbst angelegten terrassen... auch hier Weine aus Sauvignon (die mit der Libelle) von seltener Reinheit - und der Wein mit dem  Hirschkäfer, dessen Barrique 3 Jahre im Boden eingegraben verbrachte, hat keinesfalls einen erdigen Geschmack:-).

Alle beide arbeiten wenn eben möglich ganz ohne Schwefelzusatz, alle beide machen Versuche mit Wein in Amphoren , es gibt also noch vieles zu entdecken...und die Fotos, die ich aus dem Pressbokk von Andreas abfotografiert habe, machen Lust auf eine reale Reise vor Ort!

weingarten Tscheppe

 

 

weingarten winter

 

Leider blieb uns keine Zeit mehr, um auch die weiteren Stadnachbarn - alle gut belagert - zu besuchen - noch drei weitere Güter, darunter eine Schwester und ein Bruder von Andreas Tscheppe... aber die Weine der beiden ersten haben uns schon auf eine so schöne Reise geschickt, dass wir beide Lust hätten, eines Tages wirklich loszufahren, um alle in ihrem Element und auf ihren Böden zu besuchen...


Véro und Franznicht wahr, Vero?!

 


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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Weinrallye
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11 mars 2012 7 11 /03 /mars /2012 09:18

Nach der Weinrallye ist vor der Weinrallye - und da ich keine gegenteiligen Vorschläge auf unserer neuen Mixxt Organisationsseite

 http://weinrallye.mixxt.de/

in den Forumsdiskussion gelesen habe,  bleib ich  jetzt erst mal beim letzten Freitag im Monat. Die nächste Weinrallye startet also am Freitag, den 27. April 2012 auf den deutschsprachigen Weinblogs, verlinkt hier auf Facebook und in allen sozialen Netzen, die Euch einfallen. Der Twitter hashtag ist übrigens einfach: #Weinrallye :-)

Ich hab mich als Gastgeberin zur Verfügung gestellt (das trägt man auf der Mixxt Community Seite unter Veranstaltungen ein - von Juni bis Weihnachten sind noch Plätze frei, wer Gastgeber sein darf, erklärt Thomas Lippert, der Weinrallyegründer und Chef im Wiki.

und das Aprilthema für die 50.Weinrallye  wird sein:

 

wr-50.jpg

Naturwein und Konsorten



also alles, was ausgehend von chemiefreien Trauben aus ökologisch bearbeiteten Weinbergen dann auch im Keller möglichst ohne die möglichen (und üblichen ...) hunderte von zugelassenen Zusatzstoffe auskommt .

  Wer will, kann auch schon mal in der Kategorie "Kellerarbeit" nachlesen, da steht, wie wir unseren möglichst natur-nahen Wein machen:-).

Anregungen zum Thema findet ihr sicher auch auf dem Vinocamp nächste Woche, sei's bei den Verkostungen über orange-wines, Exoten (in Georgien gibt's z.B. ne Naturweinbewegung:-), bei den Bio-dy Weinen oder - wer weiß - auch in den Fehlerweinproben....

International wird das Thema ja in den zwei Jahren seit der 30. Weinrallye mit Gastgeber Matthias Metze  ersten Naturweinrallye schon heiß diskutiert...

ständig ergänzte Links dazu findet ihr hier

 

Ich freu mich auf eine lebhafte Diskussion mit pro und contra - und hoffentlich vielen Beispielen, die ihr bis dahin zusammengetragen habt:-)!

 

Schöne Beispiele aus dem Nachbarland Österreich habe ich übrigens auch im Januar auf der Millésime Bio in Montpellier gefunden, hier schon in Französisch vorgestellt - aber gerne auch im Laufe des nächsten Monats noch mal in einer deutschen Version, wenn's Euch interessiert.

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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Weinrallye
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13 février 2012 1 13 /02 /février /2012 14:30

In Deutschland noch kein Thema: Naturwein

Teil 1 - Interview mit Alice Feiring, dem internationalen Sprachrohr der "natural wines"

 

Während in Europa gerade die Meldung, dass es jetzt endlich ein Bio-Siegel für Wein und  nicht nur für "Trauben aus biologischem Anbau"gibt,  durch die Presse geht und in Frankreich für heftige Diskussionen, gerade auch bei Liebhabern von eben solchen Bioweinen führt, wird in Deutschland kaum davon gesprochen.

Hier sind viele Winzer und Konsumenten sich in ihrer Ablehnunbg der  als zu lasch kritisierten Regelungen für erlaubte Zusatzstoffe in der Weinbereitung einig - und das nicht nur bei den Anhängern von "Vins Naturel", den seit einigen Jahren immer beliebteren Naturweinen

Da wir in Lisson auch seit Beginn unserer Arbeit im Weinberg und im Keller auf Chemie und Zusatzstoffe verzichten (ein Blick in die entsprechenden Rubriken dieses Blogs, sei es die Arbeit im Weinberg oder die Kellerarbeit zeigt das seit Jahren) , möchte ich in lockerer Reihenfolge meine deutschen Leser und Kunden über diese Diskussion informieren.

 

Neben dem schon erwähnten Artikel hier also heute zu Beginn meine Übersetzung eines Interviews, das zwei meiner Lieblingsblogger und Weinkritiker vereinte - mit freundlicher Genehmigung von Antonin und Alice.

 

naked-wine-arrival.jpgNakes Wine - letting grapes do what  comes naturally

 

Alice Feiring nackt – Naked Alice Feiring

''Naked Wine'', nackter Wein, das ist der ursprüngliche Titel des Buchs von Alive Feiring, das kürzlich in Französisch übersetzt wurde. Alice Feiring war gerade in Paris und Antonin Iommi-Amunategui hat sie einige Stunden in ein Café entführt . Eine  Unterhaltung mit der Frau, die zweifelsfrei das internationale Sprachrohr des Naturweins ist.

 

alice feiring kidnapped naked wine natural wine vin naturelFoto d'Alice Feiring par Antonin Immo-Amunategui

 

 

Sind Sie auf Ihrer Suche nach dem natürlichen Wein weiter gekommen, seit Sie das Buch beendet haben?  

Alice Feiring: Aber immer. Ich bin zum Beispiel gant fasziniert von Georgien. Wie sich herausstellt, gibt es dort 21 Produzenten, die Naturwein machen, so wie sie es auch schon seit  8 000 Jahren machten. Traditionell wurden die Traubenbehälter eingegraben, 8 Monate später geöffnet, und voilà.  “Naked Wine” wird jetzt auch auf Georgisch übersetzt, die Männer hinter dem Projekt möchten den Winzern zeigen,  dass sie zu einem größeren Bild gehören. Ich bin immer auf der Suche nach Naturweinen. Frankreich braucht da meine Hilfe nicht, aber Orte wie die Kanarischen Inseln und Georgien könnten meine Stimme gebrauchen. Ich sage ihnen, dass, wenn sie Weine mit dem Herzen machen, das guter Wein ist, sie ein Publikum haben und davon leben können. Ichmuss Verantwirtung übernehmen. Ich fühle mich wie Super-Girl, ich schlage meinen Umhang um mich und los geht’s! (lacht)

  

Haben Sie Unterstützer?

Alice Feiring: Es gibt einige Unterstützer, aber es gibt nur wenige unabhängige Journalisten die machen, was ich tue. In Amerika, würde ich sagen, bin ich die Einzige. Aber Freunde und Sympathisanten, jede Menge! Ich beschäftige mich mit Naturweinen so ungefähr seit 1999-2000, das war gut vor allen anderen in den Staaten oder in Großbritannien…. Ich bin 2- 3 mal im Jahr in den Weinbergen; man kann die Arbeit nicht wirklich verstehen, wenn man nicht in die Weinberge geht. Wie kann man darüber reden, wenn man niemals dort war? Es ist schwierig, den Wein zu verstehen, die Philosophie, das Fehlen von Marketing, von Zynismus, die Begeisterung.  

  

Wie würden Sie die weltweite Naturweinbewegung definieren?  

Alice Feiring: Nun, zunächst muss ich sagen, dass ich es nicht mochte, als Eric Asimov sagte, dies sei eine “sogenannte” Bewegung. Ich glaube, dass es der Anti-Vietnamkriegs- Bewegung sehr ähnlich ist: sie ging vom Volk aus, sie ist unorganisiert, aber in Bewegung, Sturm zieht auf…egal. Es hat sich zu einem  Mainstream entwickelt und darin liegt vermutlich das Problem.  Solange die Weine nur in den Bars à vin naturel existierten, kümmerte sich niemand darum. Nun, als ich zu meiner ersten   Dive  ging, 2001, 2002, 2003, waren viele der Weine noch sehr instabil. Jetzt sind die Weine, sogar die neuen Weine, fast alle schön; das Weinmachen ist erwachsen geworden. Nun heißt natürlich zu sein ja nicht unbedingt schon großartig zu sein, es muss eben auch ein guter Wein sein und das haben wir inzwischen erreicht. Dass ist natürich sehr bedrohlich für große Firmen wie Chapoutier (der Französische Weinmacher Michel Chapoutier kritisierte vor kurzem Naturwein in einem Interview mit   Decanter ]. Er, der zunächst „Monsieur“ Biodynamie, aber ohne Zertifikat, war mit hohem Schwefeldosen. Wenn die Leute sich erst mal wegen der Zusatzstoffe Fragen stellen werden, wird ein heftigerer Krieg ausbrechen. Chapoutier ist ein Weinmacher, er hat was zu verlieren, das macht schon Sinn. Aber Weinschreiber wie Mike Steinberger  oder andere, was verlieren die denn? Das ist merkwürdig. Im übrigen, große Produzenten, wie Chapoutier, die tonnenweise Wein herstellen. Werden wohl bald ein oder zwei Cuvées als „Naturwein“ heraubringen, das müssen sie einfach*… Und ich glaube nicht, dass das eine schlechte Sache ist. Leute, die bei Nicolas (sowas wie Jacques, Ndr) oder in Supermärkten einkaufen, werden dann mehr Naturweine finden. Wenn sie mehr natürliche Produkte verlangen, dann sollten sie sie bekommen können.

Kann etwas gleichzeitig natürlich und industriel sein ?  

Alice Feiring: Diesen Leuten ist das egal, sie wollen einfach einen guten Weinbau, ohne zu viel Chemie, zu viel Schwefel, und vielleicht werden sie auch nach Spontanvergärungen verlangen… selbst wenn die Weine keine „Seele“ haben, ist das für die Leute, denen es ziemlich egal ist, was sie trinken, schon ok. Und diese Weine werden billig sein, so um die 4 €. Ja, so billig, das ist meine Voraussage.

 

 

Kommen wieder neue Bücher?

Alice Feiring:

Es gibt mehrere Bücher, die ich gerne schreiben würde. Aber ich bin nicht so sicher, ob es da draußen noch jemanden gibt, er über Wein lesen möchte, selbst wenn e skein anderes Thema gibt, das Geschichte, Kultur, Wissenschaft, Kunst und den Menschen zusammen in eine Flasche bringt. Der Symbolismus und die Metapher für das Leben sind so zwingend. Meine Bücher sind nicht kommerziell, aber sie sollten es sein, ich schreibe sie, damit sie gelesen werden!  Ich versuche sie so zu schreiben, als seien es Romane. Ich glaube, meine Bücher werden in Europa mehr gelesen, als in den Staaten und das finde ich sehr erklärlich; Ideen sind in Frankreich wichtiger … Es gibt eine Menge guter Sachen in Amerika, wie in Frankreich, und negative Dinge in beiden Ländern, aber Ideen und Diskussion leben eher in Frankreich… Jedenfalls denke ich, dass ich gerne ein Buch schreiben würde über Terroir und über Lagen, die nicht genug Beachtung finden, wie Basalt. Ich habe auch gerade einen Roman beendet. ''The case for my father''. Esist eine Geschichte, in der ein Vater auf dem Totenbett seine Tochter in sein Haus rufen läßt. Zum allerersten Mal will er oihr etwas geben. Sie geht hin, mit der Idee, dass er vielleicht einsam ist. Überraschung: er hat mit 80 eine neue Freundin. Er zeigt in eine Ecke mit einem kleinen StapelPapier, es ist die Niederschrift seines Lebens: Aus irgend einem mysteriösen  Grund brauch et dringend Geld und hat die verrückte Idee, dass sie daraus ein Drehbuch machen könnte, das es bis nach Hollywood schafft! Es ist Fiktion, aber der Vater ähnelt meinem ziemlich… Der hat mir in der Tat ein Manuskript gegeben.

 

 

Hat Naturwein etwas mit Politik zu tun ??

Alice Feiring: Wissen Sie, ich war 1968 und während der Vietnamzeit noch zu jung. Ich war zu jung, um tatsächlich zu dieser Generation zu gehören, aber ich hätte gerne dazu gehört,so wie mein Bruder. Wir lebten in einem politisierten Haushalt; mein Vater war der Bürgerrechtsbewegung sehr verbunden, nahm an Kämpfen teil. Was das betrifft habe ich sicher etwas von meinem Vater in mir. Aber die späten 60ger Jahre waen eine unglaubliche Zeit für Aktivismus. „Occupy Wall Street“? Nicht ganz, nah dran aber nicht ganz so…Die Naturweinbewegung ist das, was im Geist an dieser Ära noch am nächsten kommt. Sie ist idealistisch und leidenschaftlich. Da sind Leute, die den Mut haben, ihren Herzen zu folgen, nicht dem Markt. Ok, jetzt will der Markt diese Weine. Aber vor 30Jahren? Eswar alles sehr isoliert. Und, ja, meist mit Leuten mit linker Tendenzm obwohl auch nicht zu 100%. Weine ist politisiert, warum sollte es sonst so viel Streit über etwas geben, was so wunderbar ist, wie Wein? Dahinter steckt etwas tieferes, Da gibt es etwas anderes… Noch ein Punkt, ich unterstütze gerne Leute, deren Weine ich mir leisten kann und ich bin nicht  reich. Ja, ich identifiziere mich damit 

Welche Winzer haben Sie in letzter Zeit in Frankreich gemocht?

Alice Feiring: Gestern habe ich  Reynald Héaulé besucht (gleich außerhalb von Orléans). Ich hatte einen Wein probiert, dann musste ich ihn aufsuchen…Er hat nur 2 ha und ist ein Schüler von Claude Courtois, dessen Weine ich liebe (wie auch die von Julien). Er arbeitet übrigens einige Tage in der Woche für ihn, neben seinem eigenen Gut. Reynald ist fanatisch, seine Weine sind von schöner Klarheit und voll Leben. Pinot Meunier, Pinot Noir, Côt…Halten Sie nach ihm Ausschau, wenn Sie können, er ist schwer zu kriegen. Aber es gibt natürlich auch viele andere. Andere als diese, einige neu für mich, Sextant und Claire Naudin. Eine Menge Leute im Jura. Einige Weine von den Kanarischen Inseln, meine alten Freunde von der Loire und aus dem Beaujolais. Die Liste ist zu lang, um wirklich alle zu nennen.  

 

Kennen Sie einige französische Weinblogs ?

Alice Feiring: Ich kenne  Le blog de Olif. Ich lese auch Bertrand Celce, Wine Terroirs, schon seit Jahren. Und einen (amerikanischen) Blog, Paris by Mouth… Aber ich lese nicht viele Blogs. In Amerika reden so viele Blogs nur über andere Blogs! Das ist Kanibalismus. 

 

Träumen Sie davon, Ihren eigenen Wein zu machen?

Alice Feiring: Nein, aber ich würde gerne richtig Wein schneiden können und ich würde gerne mal wieder für jemanden den Tresterhut eintreten. Da ist so was Wunderbares dabei, wenn man die Veränderung spurt… Aber abgesehen davon, ich denke, wenn man kein Winzer ist, ist Weinmachen extremlangweilig. Es ist so, wie darauf warten, dass das Wasser kocht…Also kein Wunder, dass die Industrie dem Wein so viel antut. Einige sagen, Wein macht man wie ein Küchenchef… Nein!  Weinmachen ist Teil eines Zyklus, der das Leben ist. Wein ist Kunst für mich. Der Wein, den ich trinke, ist immer der Ausdruck einer Persönlichkeit.

 

Was würden Sie den Winzern raten?

Alice Feiring: Oh, es ist immer gefährlich, Ratschläge zu geben…Wenn Sie Ihrem Herzen folgen, werden Sie Menschen finden, die Ihren Wein schätzen. Das ist alles, was ich sagen kann..

 

* :Nicht einmal eine Woche nach diesem Treffen hörte man, dass Gérard Bertrand (bekannter Großindustrieller der Weinindustrie, ndr)sich anschickt, eine Palette von Weinen ohne Schwefelzusatz  für Supermärkte herauszubringen, Naturae.

 

(Hervorhebungen im Text wurden von mir vorgenommen)

 

Link zum Original des Interviews in Englisch und Französisch

 

 

 

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Published by Iris Rutz-Rudel - dans gelesen oder gehört
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3 février 2012 5 03 /02 /février /2012 19:58

 

wieder abseits der ausgetretenen Pfade:

Les Gaillardises font du Hors Piste 

2. Ausgabe

 

banniere picasa


 

Quand/When/Wann:

Dienstag 21 Februar 2012 von 11 bis 20 Uhr


Où/Where/Wo:
Aéroport Hôtel, 34130 Maugio, Montpellier

Tel. 33(0)4 67 20 07 08
(gratis Shuttle von Vinisud bis zum Hotel)


Infos: http://horspiste.over-blog.fr  

oder http://gaillardises.over-blog.com


25 VIGNERONS / WINEMAKERS / WINZER:


 

DOMAINES PIERRE GAILLARD

(AOC Cotes Rotie, Condrieu, Faugères, Colliuore)

www.domainespierregaillard.com

 

DOMAINE DU CLOS DE LA PROCURE

(Provence)

www.blogduperebarrera.com

 

DOMAINE OUSTAL BLANC

(AOC Minervois-La Livinière)

www.oustal-blanc.com 

 

DOMAINE LISSON

(Vin de France, Midi-Languedoc)

www.lisson.over-blog.com

 

DOMAINE LE GRAND VALLAT

(AOC Ventoux)

www.legrandvallat.fr

 

DOMAINE JEAN ROYER

(AOC Chateauneuf-du-Pape)

www.domainejeanroyer.fr

 

DOMAINE O'VINEYARDS

(AOC Cabardès)

www.ovineyards.com

 

DOMAINE SALEL & RENAUD

( Coteaux d'Ardèche)

www.domainesalelrenaud.com

 

DOMAINE LUCAS DE BAR

( Vins de Pays d’Oc )

www. lucasdebar.blogspot.com

 

DOMAINE DES COTES DE LA MOLIÈRE

(AOC Beaujolais)

www.cotes-de-la-moliere.com

 

DOMAINE DES BROSSES

(AOP Sancerre et Menetou-Salon)

domainedesbrosses@yahoo.fr

 

DOMAINE CALENDAL Les Halos de Jupiter

(AOC Côtes du Rhône)

www.philippecambie.com

 

DOMAINE LA COLLIERE

(AOC Rasteau)

domainelacolliere@rasteau.fr

 

PITHON-PAILLE

(AOC Val de Loire)

www.pithon-paille.com

 

DOMAINE DE LA GRAMIÈRE

(AOC Cotes du Rhone)

www.lagramiere.com

 

DOMAINE DE LA CROIX-ROUSSE

(AOC Cotes de Provence)

www.domainecroixrousse.com

 

CHÂTEAU L'INSOUMISE

(AOC Bordeaux)

www.chateaulinsoumise.com

 

DOMAINE ERIC TEXIER

(AOC Rhone et Macon)

www.eric-texier.com

 

CHÂTEAU ST MARTIN LA GARRIGUE

(AOC Coteaux du Languedoc)

www.stmartingarrigue.com

 

DOMAINE PECH DE LUNE

(AOC St-Chinian)

pech-de-lune@neuf.fr

 

CHATEAU MAZERIS

(AOC Canon Fronsac)

www.chateau-mazeris.com

 

DOMAINE BOYER-MARTENOT

(AOC Meursault, Puligny-Montrachet, Pommard)

www.boyer-martenot.com

 

CHÂTEAU BACHELARDS

(AOC Beaujolais)

www.bachelards.blogspot.com

 

DOMAINE LA CASENOVE

(AOC Muscat de Rivesaltes, VDP des Côtes catalanes)

www.7devigne.com

 

DOMAINE ROCHE

(AOC Cairanne)

www.domaineroche.fr

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Published by Iris Rutz-Rudel - dans weingut-lisson
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2 décembre 2011 5 02 /12 /décembre /2011 06:21

180°+Adventskalenderlogo+2011 1

 

Da hab ich mich ja auf was Schönes eingelassen - den Inhalt für das zweite AdtzVentzTürchen des großen Überraschungskalenders von HundertachtzigGrad zu liefern - und das als seit über 30 Jahren im Wald im Languedoc lebende Exil-Düsseldorferin.

 

Susa hat mir sogar das passende Logo - mit Weinblatt - für den heutigen Tag geschickt:

 

Logo Iris

 

Meine zaghaften Versuche, deutsche Weihnachtsbräuche in diese, bis vor wenigen Jahren vom ganzen Adventsrummel noch unberührte Gegend einzuführen, waren doch eigentlich schon vor langer Zeit klaghaft gescheitert...

 

Natürlich hatte ich im ersten Jahr, in der ersten Wohngemeinschaft meines auch damals schon nicht mehr so jungen Lebens in mühevoller Kleinarbeit einen Adventskalender bestickt - wie im lang zurückliegenden Handarbeitsunterricht: auf Stramin,mit klaren Farben und den üblichen Motiven - und vor allem einem roten Kalenderrahmen im Plattstich und allen 24 Zahlen, unter denen dann die handgenähten Säckchen mit den mühsam zusammengesuchten Überraschungen für meine beiden französischen Alt-Achtundsechziger Mitbewohner aufgehängt wurden - die geraden Tage für Pierre, die ungeraden für Philippe - aber irgendwie sind beide über die ersten Tage nicht hinweggekommen mit dem Öffnen - und so ab dem 7. habe ich dann das morgendliche Drängeln aufgegeben und in aller Stille die restlichen Säckchen selber aufgeschnürt und ausgeräumt - nur mit den "Überraschungen" war es so natürlich nicht mehr so weit her....

 

In den folgenden 20 Jahren, schon in Lisson, mitten im Wald am Fuß unseres wilden Hügels, der in den nächsten Jahren langsam zum Weinberg werden sollte, ließ ich es dann bleiben und versuchte erst gar nicht, meinen französischen Ehemann und Bauernsohn mit solchem Schnickschnack zu betören. Immerhin gab es da ein paar Jahre lang einen Weihnachtsbaum vor der Tür  - unser Versuch, die von Nachbarn in ausgerissenen Weinfeldern an unserem Wegrand aufgrund obskurer Subventionprogramme gepflanzten Fichten subversiv zu dezimieren, die wir in unserem trockenen Klima fürebenso nutzlos, da viel zu langsam wachsend, als auch unangebracht (Bodenversauerung) und sogar gefährlich  -  da leicht brennbar - hielten... 

 

Kerzen gabs in diesem nicht an das Netz des französischen Atomstroms angeschlossenen Ort das ganze Jahr über, um unsere Abende und Nächte etwas zu erhellen, also hatte auch das keinen besonderen, auf eine bestimmte Jahreszeit beschränkten Reiz, Weihnachtsgeschenke waren in meiner katholischen Schwiegerfamilie nicht üblich - wichtiger war der Besuch zu Neujahr, wo dann diskrete Umschläge mit den "Etrennes" für nützliche Anschaffungen an die 5 erwachsenen Kinder verteilt wurden (natürlich erst nach einem üppigen 3 stündigen Neujahrsmahl - traditionell mit oeufs mimosa als entré und der der knoblauchgespickten Hammelkeule in der Mitte...

Immerhin ersparte das mir,nach ersten Versuchen mit kleinen, sorgfältig eingepackten Geschenken, die eher leichte Peinlichkeit auslösten, da es eben keine vorgesehenen "Gegengaben" in gleichen Stil gab,  in den  folgenden Jahren den den Stress der vorweihnachtlichen Geschenkejagd.

 

Deutsche und englische Freunde und Verwandte sorgten in der Vor-Internetzeit immerhin noch für die bunte Weihnachtskartenguirlande an den alten Eichenbalken unserer Zimmerdecke, die ab Beginn Dezember etwas Weihnachtsstimmung in den sonst undekorierten Raum brachte. Franzosen verschicken ihre guten Wünsche erst nach Weihnachten fürs Neue Jahr, sozusagen zu einem Zeitpunkt, wo man eher an den bald wieder anstehenden Frühjahrsputz mit guten Vorsätzen fürs Aufräumen denkt und deshalb den Krimskrams eher diskret in einer Pappschachtel verschwinden lässt.

 

Wären da nicht unsere Freunde im Nachbardorf gewesen, die immerhin ab Anfang Dezember die alte Familienkrippe mit den provenzalischen Santons aus dem Keller holten und mit viel Moos und Schiefersteinen die entsprechende Landschaft auf der Fensterbank aufbauten, um diese bunte Schar gekonnt in Szene zu setzen - bis hin zum wichtigen Detail, die schwangere Maria auf ihrem Esel zu Weihnachten gegen die schlankere auszutauschen - mit dem zuletzt ausgepackten Jesuskind, das endlich in der Krippe liegen durfte, ich hätte mich weiter darauf beschränken müssen, in melancholischen Momenten heimlich meine alte Schulblockflöte aus dem abgegriffenen Etui zu holen, und leise vor mich hin mein Flötenbüchlein aus ebenso vergangenen Zeit rauf und runter zu spielen...mit kommet ihr Hirten, es ist ein Ros' entsprungen und Stille Nacht, heilige Nacht....wobei der deutlichste Kommentar zu diesen musikalischen Darbietungen viele Jahre von Philibär, unserem sonst so treuen Hund kamen, der sich dann leise winselnd auf die Kellertreppe flüchtete.

 

Dank der schon oben eingeführten Freunde bekam ich aber doch noch einen tieferen Einblick in das traditionelle ländlich katholische Weihnachtsprogramm - nix mit Weihnachtsspaziergang am Heilig-Abend-Spätnachmittag mit Papa, während Mutter den Baum schmückt und Beschehrung beim Nach-Hause kommen nach Ansingen der (echten!) Kerzen, Aufsagen vom "draus vom Walde" und vor dem Kartoffelsalat mit Würstchen (für mich Cocktailwürstchen auf besonderen Wunsch des sonst als strikt vegetarisch bekannten Kindes und ein Stück geräucherten Aal für Vater - jedem seine Extrawurst!) Ach ja, es gibt da ja auch noch das alte Schwarz-Weiß-Photo (das muss ich jetzt einfach noch mit PH schreiben!) im Familienalbum mit der Unterschrift "Muschi auf dem Puff mit Flöte", aber das war hinterher, denn da liegen noch jede Menge sorgfältig fürs nächste Jahr zusammengefaltete Geschenkpapiere neben dem goldbedruckten Skai Sitzkissen...

 

Ein klassischer französischer heiliger Abend ist da eine ganz andere Sache. Man trifft sich am späten Abend, neben der Krippe (siehe oben, Maria noch auf dem Esel), früher wurden dann sicher Geschichten erzählt, wie an jeder "Veillé", dem nach Anbruch der Dunkelheit stattfindenden geselligen Zusammensitzen - heut darfs auch schon mal das weihnachtliche Fernsehprogramm sein, das im Hintergrund läuft und für die einstimmende Geräuschkulisse sorgt. Dann scheiden sich die Weicheier von den Hartgesottenen - die ersteren fahren im Auto in die Kirche, in der der reisende Landpastor die erste Christmette abhält - je mehr Paroissen er abhaken muss, desto eher hat man die Chance, einen Termin zu finden, der es erlaubt, um 8 oder 9 wieder zum Essen zu Hause zu sein. Die Traditionalisten warten stoisch bis zur letzten Messe, der einzig echten - eben die um Mitternacht - und natürlich geht man so weit wie möglich zu Fuß, jedenfalls solange es nicht in Strömen regnet. In den glücklichen klaren kalten Nächten, wenn die Sterne am noch nicht lichtverschmutzten Himmel blinken, hat das durchaus was, fast ist man dann versucht, den berühmten Kometen zu suchen, während man durch die Weinberge zur kleinen romanischen Abteikirche auf ihrem Hügel wandert... und dort, in der klirrenden Kälte auf den harten Bänken ist man als ungeübtes Protestantenkind dann dankbar für die wärmende Gymnastik des vielen Aufstehens und Hinsetzens, immer sorgfältig darauf achten, was die Banknachbaren machen ...und wenn dann zum Schluss gesungen wird - les anges de nos campagnes - il est né le divin enfant und natürlich Minuit Chrétien, bei dem sich die Tenöre unter den Anwesenden so richtig ins Zeug legen können:

"Peuple debout! Chante ta délivrance,
Noël, Noël, chantons le Rédempteur!

 

Und dann ab nach Hause, denn jetzt kommt das, worauf alle schon den ganzen Abend gewartet haben und was die leise knurrenden Mägen in den Gesangspausen schon andeuteten: Das Weihnachtsessen!

Zu Hause wartet die vorbereitete lange Tafel: la grande bouffe kann beginnen.

Entrée: wahlweise Lachs, Jakobsmuscheln und Austern, Riesencrevetten oder gar Languste, natürlich begleitet von der selbstgemachten Aioli.....gerne begleitet von einem Picpoul de Pinet oder einfach einem Glas Champagner (oder einer Blanquette de Limoux für die Regionalisten).

 

Danach mit Vorliebe Fois Gras - und traditionell vom Hausherrn selbst zubereitet und serviert: Ragout Fin - (Rezept kann bei Matthias vom ersten Türchen nachgelesen werden;-) - in anderen Haushalten kommt auch mal die nur zu Feiertagen servierte Boudin Blanc zum Einsatz, die ich (irrtümlicherweise?) lange Zeit für die französische Variante von Weißwurst gehalten habe...


Natürlich verschiedene Salate (grüner mit Olivenöl, Feldsalat mit frischen Wallnüssen natürlich mit dem entsprechen Nussöl)) - große Wurstplatten mit Bergschinken, Saucisse sèche und diverse hausgemachte Terrinen - und die ersten Rotweine - meist regional, also aus dem Languedoc, also Grenache, Syrah, Mourvèdre und Carignan in diversen Assemblages, meist relativ jung serviert.

Alles natürlich mit reichlich frischem (oder angesichts der späten Nachtstunde nochmal kurz aufgebackenem) Baguette begleitet.

 

dann ist eigentlich der erste Trou Normand angesagt - das kann auch statt Alkohol ein einfaches, erfrischendes Sorbet sein, schließlich ist das Mahl noch lange nicht zu Ende...

 

Und dann kommt langsam das Hauptgericht - plat de résistance genannt - also tief durchatment und den Gürtel aufschnallen...

Da gibt es entweder die gefüllte Ente oder Gans (natürlich mit Marons d'Olargues) - oder eben die sanft gegarte Hammelkeule - natürlich auch hier wieder mit viel Knoblauch - dazu - je nach Herbstwetter - die selbst gesammelten Steinpilze oder Pfifferlinge - seltener um diese Jahreszeit noch frisch zu finden, aber auch gerne gesehen getrocknet in den diversen Saucen oder süß-sauer eingemacht als Konserve..

Natürlich gibt es auch diverse Gemüse - aber irgendwie kann ich mich, trotz meiner persönlichen Vorliebe für diesen Teil der Ernährung nicht mehr richtig daran erinnern... es ist inzwischen so irgendwas zwischen 2 und 3 Uhr Morgens, da nimmt mit zunehmender Nahrungsaufnahme (und diversen Toasts) auch das Fassungsvermögen meines Hirns und meiner Geschmacksknospen langsam nach. Das ist natürlich besonders schade,weil hier jetzt meistens die älteren Weine, sorgfältig am Nachmittag entkorkt und zum Atmen  in ihre Karaffen umgefüllt, auf den Tisch kommen. Entweder ein besonders alter Jahrgang vom kleinen Winzer des Vertrauens, oder auch mal ein älterer Bordeaux oder Burgunder, der von einem früheren Besucher mitgebracht und der hiesigen Sitte folgend, nicht sofort geöffnet, sondern erst mal im Keller eingelagert wurde.

 

So, jetzt ist Zeit für den nächsten Trou Normand - diesmal darf er ruhig aus einem kleinen Glas Alkohol bestehen, zum Beispiel einer Poire Williams oder einem anderen geistigen Getränk...

 

Jetzt folgt narürlich noch die Käseplatte, der Weihnachtsroquefort - entweder der aus der flachen silbernen Dose, die Société zum Fest herausgibt, oder, noch besser, der nachgereifte aus dem Deputat eines Milchlieferanten für die Großmolkerei, von denen jeder einen auf dem Larzac kennt, der ihm diese Köstlichkeit von Zeit zu Zeit überlässt - und natürlich auch ein alter Lagiole, nur echt mit dem wenig dezenten Stallgeruch auf der dicken Kruste und wer das voher nicht schon beim Braten getan hat, kramt spätestens jetzt sein gleichnamiges Lieblingsmesser aus der Hosen- oder Handtasche...(das, das mir immer im letzten Moment siedend heiß einfällt, wenn ich mit dem Koffer am Flughafengepäckschalter  stehe...). Die kleinen regionalen Ziegenkäse aus der Gegend, die sonst in allen Reifegraden in der Ronde des Fromages nicht fehlen dürfen sind nur noch als besonders reife und kräftige Exemplare vertreten, da hier ja jeder weiß, das ein anständiger Chevrier die Produktion im Herbst einstellt, um sie erst im Frühjahr, nach dem Lämmern wieder aufzunehmen. Aber natürlich hat man sich eine große Tome de Chèvre in Reserve gelegt die jetzt zu Ehren kommt...so denn noch jemand Platz hat. Obwohl, wenn man einmal gelernt hat, dass nichts so verführerisch ist, wie noch ein Stückchen Käse zum letzten Schluck Rotwein (ja, richtig gelesen, Rot, nicht unbedingt nur Weiß, denn  da verteitigen sich bei der hier geschilderten Auswahl eben auch unsere Lisson-Weine sehr gut:-) - und dann natürlich noch ein Schluck Rotwein zum letzten Stück Käse und.....

Ja, und dann, nein, immer noch nicht die Bescherung (für die, die bemerkt haben, dass davon noch nicht die Rede war), nein, jetzt erst das Dessert - und das ist natürlich die Buche de Noel - diese baumstammförmige Variation unserer Buttercrèmetorte...oufff....

danach braucht man absolument einen kleinen Café - und den Pousse Café - den alten Cognac oder, sozusagen medizinisch gerechtfertigt, die alte Chartreuse...und während jetzt endlich die Geschenke ausgepackt werden können (die Uhr zeigt langsam 4 Uhr morgens an...)...gibt es für die weniger reichlich bedachte ältere Generation noch die traditionellen 13 Desserts de Noel - ein bunter Teller von gefüllten Feigen und Datteln, Callissons d'Aix und den restlichen 10 anderen Süßigkeiten, die zum Fest nicht fehlen dürfen.

Ja, und dann ist es Zeit, sich durch die verknüllten Papierberge zum Mantel zu kämpfen, im Gepäck die neuen Geschenke und noch ein paar eingepackte Reste vom langen Mahl und möglichst heil nach Hause zu kommen (auf Taxen darf man hier auf dem Land nicht rechnen - mit Gendarmen aber meist zu dieser spät/frühen Stunde   auch nicht...). Und wenn man Glück hat, wird man von den Schwiegereltern eben erst am Neujahrstag um punkt 12 bei Tisch erwartet und nicht am 1. (und hier einzigen) Weihnachtstag...

 

So, das war das, was mir jetzt beim Schreiben im Morgengrauen, während draußen der hier so lang ersehnte Regen gegen das Balkonfenster meiner Oberkasseler Gastherberge pladdert, zu diesem zweiten Türchen eingefallen ist.

 

Nicht lesen werden die Anhänger von 180° also meine ursrünglich geplante Abhandlung über die Entwicklung des In-Tieres für die Advents und Weihnachtszeit in Düsseldorfer Schaufensterdekorationen,  (letztes Jahr wars der Hirsch - um wenigstens etwas zu verraten, was den geneigten deutschen Lesern wohl auch kaum entgangen sein dürfte), den Glühwein im Allgemeinen und seine Vertreter in Supermarktregalen im besonderen (nachdem mein Coputer letzte Woche schon einen Totalcrash nach Virus hatte, habe ich von Selbstversuchen am eigenen Körper Abstand genommen - eine "Vergiftung" à la fois genügt. 

 

Nicht sehen kann man leider auch die Bilder, die natürlich eine solche Aufzählung von Gaumenfreuden bei einem guten Blogger ergänzen sollte - aber es handelt sich hauptsächlich aus Erinnerungen aus vordigitalen Zeiten - als noch gegessen werden konnte, ohne erst langwierig das richtige Licht für's Foto der dekorieten Teller und Platten zu suchen...

Und jetzt muss der Inhalt dringend online gehen, so denn mein Blog-Provider wieder mitspielt - was zu Beginn meiner frühmorgendlichen Sitzung  gerade mal wieder nicht der Fall war (um 3 Uhr 15 aus einem Alptraum erwachtund aufgesprungen : ich hab meinen Türchenartikel noch nicht fertig....Susa kriegt nen Fön...). Also dann, ich freu mich schon auf die nächsten Türchen, die ich dann ganz in Ruhe ausgeschlafen lesen werde:-)! Bis dahin, frohe AtzVentz-Zeit!

 

(übrigens: korrigiert wird erst später, vielleicht streue ich dann auch noch ein paar Links über den Text - für heute morgen muss es so gehen, sonst werde ich nie fertig - gearbeitet soll ja heute auch noch werden..)





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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Strandgut
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7 novembre 2011 1 07 /11 /novembre /2011 17:16

Ein Löffel geht auf die Reise. Verrückt. Weltbekannt. Prominent.

 

 "Arthurs Tochter gibt den Löffel ab!"

 

so hieß die Botschaft vor einigen Wochen bei Astrid, die seit unserer sehr flüchtigen Bekanntschaft beim Vinocamp in Geisenheim in meinen Focus geraten ist und sich schnell mit ihrem Blog zum Kreis meiner Lieblingslektüren gehört. Dafür muss man nicht unbedingt selber kochen, denn es gibt auch jede Menge Geschichten ohne Rezept  und meist noch mit richtig viel Text, womit sich der Besuch für eine Leseratte wie mich erst recht lohnt. Nebenbei verrät sie auch gerne, was sie zum Essen so trinkt und das ist oft Wein und macht den Eindruck, dass se davon auch was versteht:-).

 

Also mehrere Gründe, warum ich mich spontan als möglicher Gastgeber gemeldet habe, als sie von ihren reiselustigen Löffeln erzählte.

 

Ich konnte dem ins Haus stehenden Gast zwar nicht unbedingt versprechen, dass er prominente Personen an weltbekannten Orten treffen würde - da sind schon unsere GPS-Koordinaten vor - aber eine für ihn untypische, verrückte Situation, losgelöst von seiner gewohnten Küchenumgebung und der täglichen Essenszubereitung würde sich in Lisson wohl finden lassen. 

 

Ankunft in Lisson

Und so lag er wenige Tage später wohl frankiert in meinem Briefkasten:-)

 

Der Anblick von Esskastanien, Eichen und Olivenbäumen hat ihn wohl etwas gewundert, die strahlend heiße Sonne am Himmel erst geblendet, aber dann liess er sich doch neugierig vom Briefkasten den Weg hinunter zum Haus tragen, wo ihm erst mal ein Platz im Schatten der Pergola zugewiesen wurde. Ein paar Tage diente er während der Überlegungen, wo er seinen besten Einsatz finden könnte, als Rückenkratzer - aber dann wurden ihm doch ernsthaftere Aufgaben als Winzerlehrling zugewiesen - immerhin war er ja in einem Weingut gelandet.

 

Es war die Zeit der Erwartung: wann sind die Trauben endlich so reif, dass wir sie ernten können, ehe der größte Teil der Ernte wieder in den Mägen von Wildschweinen, Dachsen und anderen Liebhabern von vollsüßen, saftigen naturbelassenen Früchten landet...die Kunde von dieser ständigen Gefahr war ja auch schon bis nach Deutschland gelangt....

Also heißt es regelmäßg kontrollieren und Proben nehmen, die dann auf ihren Zuckergehalt überprüft werden. Und da konnte der hölzerne Helfer seine erste Bewährungsprobe erleben - und da ja auch rote oder blaue Trauben vor dem Einsatz der Gärung erst mal nur weißen Saft haben, wurde so  seine zarte helle Haut, die ihn so jungfräulich erscheinen ließ, nicht gleich mit unseren tiefdunklen tanninreichen Säften verschreckt...

 

Erste Aufgabe als Winzerlöffel

der erste Einsatz des Löffels als Winzerlehrling: Saftpressen für die Oechsleprobe

 

 

Nachdem er sich hier gut bewährt hatte (kein Wunder - welcher Löffel hat nicht schon mal in seinem Küchenleben irgend was durch ein Sieb gestrichen...) - sollte sein nächster Einsatz  einpaar Wochen später ihn aber auf eine harte Probe stellen:

 

Gesellenprüfung

 der Löffel als Maischestampfer - hier gerät er deutlich an seine Grenzen

 

Die Trauben waren inzwischen geerntet - eingemaischt und in die Tanks eingefüllt -die spontane Gärung hatte auch pünktlich begonnen und jetzt galt es täglich, den Tresterhut einzudrücken, damit das "Dicke" - also Strünke, Kerne, Traubenhäute, die oben auf dem Saft, der aus den Trauben austritt, schwoimmen und dort einen dicken Pfropfen bilden, der von den aufsteigenden Gärgasen über Nacht immer wieder in die Höhe gedrückt wird, dieses Dicke also, das so schön bldlich "chapeau de marc" - eben Tresterhut genanntwird, wieder nach unten in den gärenden Saft zu stampfen, damit alle Bestandteile gut durchfeuchtet bleiben und von den fleißigen Hefebakterien auch der letzte Zucker aus den Trauben noch in Alkohol verwandelt werden kann, der dem zukünftigen Wein sein Rückrat und Schutz für seine Lagerfähigkeit gibt.

Nach kurzer Zeit gab unser Löffel durch leichtes knacken und stöhnen zu verstehen, dass diese Arbeit nun wohl doch zu schwer für so einzartes Geschöpf aus Weichholz sein.. und überließ seinen Platz aufatmend und schon mit hochrotem Kopf dem altgedienten Stampfer aus hartem Eichenholz, das schon seit Generationen in der Familie Rudel diese Aufgabe wahrnimmt und auch die entsprechende braunrot gegerbte Haut aufweisen kann.

Leicht frustriert war er aber schon und wäre sicher in eine Depression verfallen,hätten wir ihm im letzten Moment nicht doch noch etwas gefunden, für das er wie geschaffen ist und das sein Selbstwertgefühl gehörig aufwerten konnte:

 

der Löffel als Lebensretter

Der Löffel als Lebensretter !

 

So konnte er schießlich doch mit hoch erhobenem Kopf seine Ruheposition im Löffelglas bei den älteren Hausbewohnern wieder einnehmen...und wird später seinen Kindern und Enkeln noch die Geschichte seines entscheidenden Einsatzes bei der Schneckenrettung aus der Maische erzählen ...und wer weiß, vielleicht schmückt er die Geschichte dann noch etwas aus...in seinen Löffelträumen sieht es wohl jetzt schon so aus:

 

Löffel Liifass

....Löffels Traum von einem einem berühmten Ort....

 

 


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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Strandgut
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14 octobre 2011 5 14 /10 /octobre /2011 10:59

Ich habe schon häufiger von Auswüchsen der französischen Gesetzgebung, wenn es um Wein und die Kommunikation darüber geht, berichtet. Ob es das Loi Evin von 1991 ist, dass die Berichterstattung über Wein fast schwieriger macht, als die über Pornographie, die Auswüchse, die damit zusammen hängen und jede genussbetonte Werbung oder Schreibe darüber jederzeit per Justiz abstrafen lassen können. Dass in Frankreich die Verkostung von Wein im Fernsehen vor laufender Kamera verboten ist und geahndet werden kann, Fernsehsender, die sich dem Wein (immerhin entscheidender Bestandteil der als Weltkulturerbe anerkannten französischen Gastronomie) widmen wollen, müssen versuchen, aus dem Ausland zu senden... die Berichterstattung im Internet wurde erst vor wenigen Jahren wenigstens halbwegs legalisiert. findet aber immer noch in einer noch geduldeten Grauzone statt...

 

All das hilft den Winzern zwar nicht, ihre Kommunikation und damit ihren Vertrieb im eigenen Land sinnvoll auszuweiten, ist aber irgendwann eine Frage der Gewohnheit, ...on se débrouille.., wie man hier sagt - man passt sich an und spielt auch gerne in Grenznähe...oft mit viel Humor, der zum Glück noch nicht allen vergangen ist. Die Weine aus Lisson tragen nicht umsonst seit Beginn ein augenzwinkerndes "Vin de (très bonne) Table" auf dem Etikett.

 

Aber wehe, wenn da jemand zu viel davon zeigt, von diesem Humor, der die strengen gesetzlichen Regelungen der alles kontrollierenden Administration auf die Schüppe nimmt....

 

Dann schlägt der Amtsschimmel mit Unterstützung der Justiz zurück - und trifft da, wo es am wehesten tut: auf dem Bankkonto.

 

cul-Joker.jpg

 

So geschehen für Olivier Cousin, einen Biowinzer aus dem Anjou, Demeter zertifiziert und seit vielen Jahren bekannt für sein Engagement für lokale Rebsorten, den Einsatz von Pferden für die Arbeit im Weinberg, den Verzicht auf Zusatzstoffe bei der Weinbereitung und eben seine trinkbaren Weine, die nicht nur in Frankreich, sondern auch in den USA und Japan eine große Fangemeinde gefunden haben.


Ich selber habe sie vor ein paar Jahren auf einer Slow-Food Veranstaltung in Gap entdeckt und war von seinem Gamay 2005 so angetan, dass ich seit dem mit besonderem Interesse die  Berichterstattung über ihn und seine Weine auf französischen Blogs verfolgt habe.

 

So hörte ich auch von seinem über 15 Jahre laufenden Prozess, den er führen musste, nachdem er den "Freiwilligen Pflichtbeitrag" die "Contribution Obligatoire Volontaire" (das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen) zum offiziellen Interloire-Vertretung verweigerte, weil er die kleinen, dem nicht standardisierten und industrialisierten Wein verpflichteten Winzer dort nicht adäquat vertreten sah.  Nach langem, jetzt verlorenem  Prozess wurden nun seine Konten durch einen Gerichtsvollzieher  gesperrt....

 

Aber die Geschichte geht weiter und ist noch viel länger... Sylvie Augerau, eine engagierte Weinjournalistin, die vielen Besuchern der Messen, wie der Dive Bouteille wohl auch über die Grenzen hinaus bekannt ist, hat mir erlaubt, ihren Artikel "Tous Cousin" zu übersetzen, der auch den Aufruf zur Solidarität enthält, den inzwischen über 500 Kollegen aus dem In- und Ausland (bis auf Deutschland;-), unterschrieben haben.

 

Hier ihr Text in meiner bescheidenen Übersetzung:

 

Tous Cousin!

Ich wette, jeder kennt Olivier Cousin, Winzer aus dem Anjou in Martigné-Briand in der Region Maine-et-Loire ! Tut mir leid, aber die geographischen Angaben mussten zensiert werden, weil Olivier freiwillig seine Weine zu Tafelweinen herabgestuft hat, bei denen man nicht angeben darf, woher der Wein stammt Sagen wir also nur, dass sie großzügig auf den GPS Koordinaten   länge -0,42834000 – breite 47,23584000 reifen und dass sie nie mit Pestiziden in Berührung kamen und von seinen Pferden gerne verspeist werden.

 

 

Die Geschichte des Gutes hat schon einige Generationen auf dem Puckel. Die von Olivier beginnt mit seinem Großvater, der bei Kriegsende nicht bereit war, die chemischen Restbestände der Armee über den neuen Feind « Unkraut » auszugießen. „Die Unkrautvertilgungsmittel haben aus dem Layon den am meisten vergifteten Fluss von Maine-et-Loire gemacht. Vorher konnte man sich im Fluss waschen, heute muss man sich waschen, wenn man hinein gefallen ist.“ Der Apfel, wie der Chenin, fällt nicht weit vom Baum und so folgte Olivier langsam diesem Weg, ohne je denen die Tür zu schließen, die auf dem richtigen Weg in der Landwirtschaft waren.

 

.....

OlivierJo +

 

Aber nach und nach kippt das ländliche Idyll : unser Charles Ingles   (er trägt oft die gleichen karierten Hemden und schlägt ständig Holz, um seine hübschen Kinder zu wärmen) wird zum Objekt zahlreicher behördlicher Verfolgungen und sonstiger Zollfahnder. Der Stänkerer gerät in die Mühlen… Vor nunmehr 20 Jahren beschließen Olivier und einige Unbeugsame, den Beitrag für die Interessenvertretung , die eigentlich den Weinbau der Loireregion (dem seinen diametral entgegengesetzt) verteidigen und fördern sollte, nicht mehr zu leisten. Allein steht er 15 Jahre Prozesse durch. « Es war meine Aufgabe, das aufzumischen. Gestern habe ich verloren: mein Konto wurde vom Gerichtsvollzieher blockiert. „ In Bordeaux strengt gerade ein besser zusammengeschlossener und mit Verteidigern ausgestatteter Zusammenschluss von Winzern die gleiche Prozedur gegen diese “Freiwilligen obligatorischen Beiträge“ (ja, Sie haben richtig gelesen so heißt das) an. Aber unser Pferdchen ist in schlechten Zeiten ein beliebtes leichtes Ziel geblieben…

2003, während die Reben vor lauter Sonne schon nicht mehr konnten, erlaubt man die Aufzuckerung und Nachsäuerung in der AOC Anjou. Olivier bäumt sich auf. 2005, in einem ebenfalls sonnenbeglückten Jahr, beschließt er, auf die AOC zu verzichten und seine Weine zu Tafelweinen zu erklären, « den einzigen, die  kein Recht auf Aufzuckerung haben ! » Aber auch die einzigen, bei denen keine Angabe über die geographische Herkunft auf den Etiketten erlaubt ist…Viele bekannte Winzer aus dem Anjou haben sich auch dazu entschlossen (Mark Angeli, Richard Leroy…), die meisten stammen nicht von hier. Olivier wurde hier geboren. Seine Trauben wachsen hier auf und das Bedürfnis, das auch zu sagen, wächst ebenfalls. Also fügt er ein diskretes „Vigneron angevin - Winzer aus dem Anjou“ auf einige Etiketten, stempelt einige mit « Anjou » und markiert seine Weinkartons mit « Anjou Olivier Cousin » in roten Initialen (AOC). Weil er stolz ist, von hier zu stammen. Und was kommen musste, kommt…Die Zollinspektion klingelt, stellt fest, fotografiert, befürwortet eine Strafe von 30 000 Euro und stellt fest, dass „er seiner Appellation Schaden zugefügt hat“.   

 

368988907.JPGcrédit foto: Olivier Grosjean

Tusch!!!!- Olivier Cousin hat seiner Appellation etwas Gutes getan. Er braucht sie nicht, um seine Weine bis hin nach Japan zu verkaufen. Und es dient dem Ruhm dieser Region, die leidet (der Preis für Rosé im Handel ist der Gleiche, wie vor 30 Jahren geblieben), dass er ihren Namen verbreitet. Besser noch: das Gute, dass er nach außen bewirkt, ist auch in der Region sichtbar: hier ist Olivier inzwischen der Vater vieler junger Winzer. Sie kommen zu ihm, wenn sie Sorgen haben. Er versorgt sie mit gutem Rat, füttert sie und teilt sogar seine Weinberge mit ihnen, damit sie sich installieren können. Und er ist es auch, der sie lehrt, wieder mit dem Pferd zu arbeiten und dafür sogar ins Fernsehen kommt. Ein gutes Bild für seine Region….

Und deshalb schlagen wir auch vor, diesen Brief an die Staatsanwaltschaft zu unterzeichnen (mit Name, Funktion und Adresse)...

 

 

Brief an die Staatsanwaltschaft 

Wir, Winzer, Journalisten, Weinhändler, Importeure, machen unsere Unterstützung für Olivier Cousin deutlich.  

Wir lehnen uns dagegen auf, dass man ihn anklagt, dem Ruf seiner Appellation Schaden zuzufügen.  

Olivier Cousin verkörpert eines der schönsten Bilder des Anjou. Seine Mediatisierung zeugt davon. Seine Kulturpraktiken im Weinberg respektieren seine Lagen. Der Wein, der daraus entsteht, bringt sie ohne jede Verfälschung zum Ausdruck und verbreitet die Identität des Anjou in der ganzen Welt.   

Besser noch, Olivier Cousin ist einer der Hauptakteure der Erneuerung der Weingegend : er unterstützt aktiv und physisch die Installation junger Winzer.  

Schließlich ist er auch der Ausgangspunkt der Revolution des Zugpferdes im ganzen Loiregebiet.  

Wir, Winzer,Journlisten, Weinhändler, Importeure, bringen Olivier Cousin unsere solidarische Unterstützung und prangern die Verfolgungen an, deren Objekt er ist."

 

Zum Unterzeichnen bitte auf den Link zum Original dieses Artikels gehen und Name, Funktion und Adresse als Kommentar hinzufügen.

 


 ********

 

 

 

Auch wenn Olivier Cousin die Buchstaben des Gesetzes, das bis vor kurzem für Tafelweine die Angabe von Rebsorten, Jahrgang und eine Adresse, die auf die Herkunft schließen lassen könnte, untersagte (das ändert sich gerade erst bei der Umstellung von "Vin de Table" zu "Vin de France",) wohl als bewußte Provokation verletzt hat - würde mich sehr freuen, wenn ein paar deutsche Winzer, Journalisten, Blogger und Weinliebhaber die Lister der Unterzeichner verlängern könnten, um zu zeigen, dass die Solidarität an der Magino-Linie nicht halt macht, denn die Höhe der angedrohten Strafe (30 000€) scheint mir sehr disproportioniert und ist für einen kleinen Winzer wohl bewußt existenzbedrohend gewählt - das wäre - zusammen mit der Sperrung der Konten - ein sehr teuer bezahlter Scherz.

 

Hier noch eine Liste von Links zu internationalen/nicht französischen Beiträgen zum Thema:

wineterroirs.com

decanter

Alice Feiring

Importeure Jenny & Francois

DrVino

Jim Budd

Jamie Good

Fiona Beckett

Jancis Robinson


 


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Published by Iris Rutz-Rudel - dans gelesen oder gehört
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Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

Begleiten Sie mich also auf dem Weg durchs Winzerjahr. Hinterlassen Sie Ihre Kommentare oder stellen Ihre Fragen, damit aus diesem Blog ein lebendiges Kommunikationsmittel wird.

Ihre Iris Rutz-Rudel


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