Heiligabend, 17 Uhr: Ankunft in Dausse und Blick über das Jaur-Tal und die Hügel Richtung Lisson im letztenAbendlicht:
Fritz und Almuth begrüßen uns nach ihrer Tagesarbeit (die stacheligen Kastanienhüllen in ihrer Maronenplantagemüssen zusammengeharkt und verbrannt werden) mit einem rustikalen Aperitiv. Hier sind wir bei Biertrinkern zu Besuch, also kein bling-bling oder chi-chi auf der langen Tafel.
Die Hauskatze beäugt die fremden Besucher, die ihr die Bank streitig machen wollen - solange im Haus die gerösteten Kastanien von ihren letzten feinen Hüllen getrennt werden, nimmt sie ihre Arbeit als effiziente Jägerin von interessierten Nagern sehr ernst.

Im großen Kamin am Ende des Raums lodert ein kräftiges Feuer - natürlich auch aus Kastanienstämmen - die vonZeit zu Zeit ihre knackenden Funken versprühen.. bei gefühlten Minusgraden nach Sonnenuntergang einewillkommene Wärmequelle, nicht nur für's Auge.

Kein Weihnachtsschmuck hier, kein glitzernder Baum, aber die frisch geschnittene letzte Rose aus dem Garten... es ist ein Ros entsprungen...

Es gibt Entenbraten - à la bonne franquette bedient sich jeder selbst - zumal die Meinungen über das fachgerechte Zerlegen unter den Anwesenden auseinander gehen...

Und da die Gastgeberin aus dem Schwäbischen kommt, dürfen dazu natürlich die hausgemachten Semmelnknödel nicht fehlen.

Und um das Trio komplett zu machen, gesellt sich der Apfelrotkohl dazu - man ahnt, dass hier heute keine Franzosen bei Tisch sitzen werden - kein foie gras, keine Jakobsmuscheln, kein Lachs, keine Champagnerkelche für das 5 gängige Menue einer echten Réveillon de Noel, die erst nach der Christmette beginnen könnte und mit der obligatorischen Buttercrême schweren Bûche spät in der Nacht enden würde...

Als Nicht-Bier-Trinker habe ich eine Flasche Riesling vom Weingut Kaul eingeschmuggelt, die mit ihrer fruchtigen , klaren Säure den Kampf mit dem Rotkohl erfolgreich besteht.

Gegen 20 Uhr ist das Essen beendet, noch ein mitgebrachter Schokoladenkuchen - die vielen Flaschen täuschen, es sind meine Weihnachtspräsente für die anwesenden Freunde, die ungeöffnet mitgenommen werden - das Bierfässchen auf der Terrasse ist leer - wie hier üblich wird es von den Anwesenden signiert und wird dann seinen Platz in der Kellersammlung finden.

Aufbruch unterm bestirnten Himmel, der hier oben von keiner Beleuchtung gestört wird. Über die 6 km kurvenreiche Piste hinunter zum nächsten Dorf fährt der Konvoie, die einen zum traditionellen Dorflotto (eine Art Bingo, das den ländlichen Franzosen die Zeit bis zur Christmette verkürzt) - wir wieder heim nach Lisson, wo wir den Abend bei einem Clos des Cèdres ausklingen lassen - zurück in unserer stillen Nacht.... Frohe Festtage für alle - ob in Glanz oder Einfachheit - und mögen alle Ihre Wünsche für ein gutes neues Jahr in Erfüllung gehen!
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