Unser Weingut im Jahreslauf: Winzers Freud und Leid, vom Krieg mit Papieren und Wildschweinen, guten Tropfen, guten Freunden, guten Büchern, guten Ideen und allem, was unser Herz erfreut.
Wird hier eine neue Rubrik heißen, nach den Dingen, die man bei einem Spaziergang am Meeresufer findet und auf morgendlichen Spaziergängen gerne einsammelt. Fundstücke könnten sie auch heißen, all diese Dinge, die man mit nach Hause nimmt, ohne noch recht zu wissen, was man damit eigentlich machen will. Manchmal ist noch etwas Nützliches dabei, manchmal wird man zum Basteln angeregt, kreiert sogar ein neues Dekorationsstück, manchmal ist der Fund aber von Nahem betrachtet gerade noch gut fürs Feuer. Und wer hat noch nicht davon geträumt, eines Tages die Flaschenpost vom anderen Ufer des Ozeans zu finden....
Und selbst wenn man, wie ich, weit vom Meeresstrand entfernt lebt, kann man auf den Wellen des Web surfen, durch die Seiten eines Buches, einer Zeitschrift spazieren, ein Stück einer angeregten Unterhaltung vom Vorabend mit nach Hause bringen. All das breitet man tagsüber in seinem Kopf aus- und abends, bei einem Glas Wein neben der Tastatur, kann man sein Strandgut, sein Fundstück, verarbeiten.
Einige dieser in unserem Kopf gestrandeten Gedanken können uns einen ganzen Tag lang bei der Arbeit begleiten. Über einen Weinstock gebeugt während der Ernte oder während des Vorschnitts im Winter, nur unterbrochen vom Refrain „Achtung, nicht in die Finger schneiden“. Wie bei anderen Berufen gibt es auch für Weinbauern recht eintönige Tätigkeiten, bei denen man ein Thema braucht, das man im Kopf drehen und wenden kann, um seine Gedanken zu beschäftigen und aufkommende Langeweile und die allgegenwärtigen Rückenschmerzen zu übertönen. Mitgesenktem Kopf erfindet man also die Welt neu, findet Antworten auf nie gestellte Fragen, entwirft den Vortrag, den man gerne den Weinliebhabern halten würde, die passende Antwort für das nächste Mal, wenn jemand fragt: „Was ist das eigentlich, dieses berühmte „Terroir“?... und so gelangt man schneller zum Ende der Rebzeile, ans Ende der Terrasse, zum Feierabend, wenn die Sonne versinkt.
Ich wünsche mir also noch viel Strandgut, viele Fundstücke am frühen Morgen, die mich über Tag begleiten können. Dinge, die ich abends am Laptop dann gerne mit Ihnen teilen möchte – und keine Sorge, ich werde versuchen, den Rest rechtzeitig ins Feuer zu werfen.