750 grammes
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4 novembre 2007 7 04 /11 /novembre /2007 17:02
Der Herbst erfreut uns immer noch mit einem echten Altweibersommer und so konnte auch in diesem Jahr wieder das nun schon traditionelle Olarguer "Fest der Maronen und des neuen Weins" unter idealen Bedingungen stattfinden.

Affiche-Marron-2007.jpg
Für die zahlreichen Besucher aus dem Umland und auch von weit bis zur Küste  hinunter, war schon die Anfahrt durch das Orbtal ein reiner Augenschmaus. Herbstliche Weinfelder in leuchtenden Farben, wie hier bei Roquebrun strahlten mit dem blauen Himmel und der großzügigen Sonne um die Wette.

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Angekommen in Olargues konnte man den Hauptort des Geschehens leicht  finden, indem man seiner Nase folgte: auf dem Platz vor der Mairie (dem Bürgermeisteramt) hatten die fleißigen Mitglieder des Festkommitees schon Tage vorher große Reisighaufen aufgestapelt, die dann das Feuer, über dem eine in Eigenkonstruktion gebastelte große Trommel gedreht wird, mit kräftigen Flammen und der nötigen Glut nährten.
 
griller-les-marrons.jpg
Die so frisch gerösteten Maronen konnten zwei Tage lang in den klassischen Tüten aus Zeitungspapier gekostet werden, die vom Altenclub L'Oulo in den letzten Tagen gefaltet worden waren. Eine der bekanntesten Sorten der Edelkastanie trägt übrigens  den Namen unseres Dorfes: marron d'Olargues.


Für den Ohrenschmaus sorgte dieses Jahr eine Dudelsackband - was zeigt, dass die Integration der Zuwanderer aus anderen Ländern Europas schon voll bis in die Folklore der Dorffeste durchgeschlagen ist. Ganz so ungewöhnlich waren die Klänge sowieso nicht, denn bis auf die Schottenröcke sind die Einwohner unserer Haut Cantons an den Klang des Dudelsacks gewöhnt, gehören solche Instrumente aus Zigenhäuten doch zum klassischen Repertoire der traditionellen okzitanischen Musikgruppen.



fete-du-marron-Olargues-2007.jpg
Der Vin Nouveau war auch reichlich vertreten. Vor allem die Winzergenossenschaften (Roquebrun und Berlou) haben dieses, lange Jahre dem Beaujolais vorbehaltene Getränk  vor einigen Jahren als gute Marketingidee entdeckt, um einen Teil des Weinüberflusses zügig in den ersten Monaten nach der Ernte in den Umlauf zu bringen. Dabei sind die hiesigen neuen Weine meist von kräftigerer Farbe und intensiverem Geschmack, als ihr Vorbild aus dem Beaujolais - und kommen auch schon einen ganzen Monat vorher auf den Markt.

Aber auch andere Saisonprodukte aus dem Umland finden hier ihre Liebhaber. So gehört der Ail rose de Lautrec, ein Produkt mit einer eigenen AOC = Appellation d'Origin Contrôllée,  die leicht rosa Knoblauchknolle aus dem Nachbardépartement Tarn zur unverzichtbaren Vorratshaltung der hiesigen Küche. Trocken aufbewahrt hält er sich bis lange ins Frühjahr und parfümiert die mediterane Küche der Gegend.

Auch die schwarze Rübe, Navet noir de Pardailhan, so unverzichtbar in einem zünftigen Winterragout, ist ein ganz besonderes Gemüse. Sie wurde von Slow Food ins das Programm der zu schützenden Sentinelle-Produkte aufgenommen. Diese besondere Sorte wächst nur rund um das Dörfchen Pardailhan auf besonderen Böden, die beweisen, dass auch für Gemüse der Begriff des Terroir durchaus an seine Berechtigung hat.


l-ail-rose-de-Lautrec.jpg
Neben den Maronen siind auch die Walnüsse aus neuer Ernte jetzt überall zu finden. Ein Jungbauer aus Olargues, Olivier Lefebvre, von  Les Jardins des 4 Saisons,  hat sie in sein Sortiment der Saisonprodukte aufgenommen und bietet sie nicht nur als ganze Nüsse, sondern auch transformiert zu Walnussöln, Walnusslikör und Nusskernen in Sirup an.

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Unter den zahlreichen Imkern der Gegend gehören Denis Cournol und Evi Montauban vom Rucher de Fiers-Loups zu unseren bevorzugten Produzenten. Ihr Kastanien- und Heidehonig ist ein Gedicht. Erarbeitet nach biodynamischen Methoden, kalt geschleudert, verströmt dieser cremige Honig die Aromen, die ich auch zur Blütezeit der Frühjahrs- , Sommer- und Winterheide, die auf unseren Schieferböden so gut wachsen, bei einem Spaziergang durch die Hügel so schätze. Die Sorte Miel du Maquis vereint in sich die Düfte aller aromatischen Pflanzen und Blüten der Strauchlandschaft an einem Sommertag.


Die beiden geben aber auch gerne Auskunft über die gesundheitsfördernde Verwendung von Pollen und Propolis aus der Produktion ihrer Bienvölker.

Neben diesen konsumierbaren Schätzen habe ich auf der begleitenden Ausstellung auch diemal wieder eine neue Künstlerin entdecken können, die in Saint Vincent d'Olargues ihre Zelte aufgeschlagen hat. Ihr Name ist Sophie Rèche, von Haus aus auch Restauratorin für Kirchenkunst und Vergoldungen. Der Name ihrer Werkstatt ist entsprechend "Les Atéliers des Mains d'Or" der goldenen Hände.  Neben der Mappe mit Restaurierungsarbeiten in Kirchen und Schlössern haben mich vor allem ihre Zeichnungen und Objekte, wie diese Kombination aus Stofmalerei und alten Holzstücken, beeindruckt.




les-mains-d-or.jpg

Es gibt viele Künstler, die sich hier im Laufe der Jahre angesiedelt haben, zwei von ihnen habe ich schon in der französischen Ausgabe meines Blogs vorgestellt: Els Knockaert, die Malerin aus Belgien und ihre farbenfrohen Bilder von Ernteszenen und Patricia Nénaire, die Fleurographin, deren Bilder aus Blumen und Pflanzenmaterial wohl einmalige kleine Kunstwerke darstellen. Ein Besuch in ihrem Atelier in Olargues ist schon durch den Anblick der "Zutaten"  ein Augenschmaus!


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20 août 2007 1 20 /08 /août /2007 19:47


Hier also die versprochene Fortsetzung meiner Begegnungen mit Weinen auf der Rückreise von Deutschland nach Südfrankreich.

Die Reise begann vielversprechend auf der Fahrt mit dem Intercity von Düsseldorf nach Köln. Da das ganze noch vor 7 Uhr morgens stattfand, genoss ich  meinen ersten Café im DB Speisewagen (eine angenehme Einrichtung, die es in französischen Hochgeschwindigkeitszügen wie den TGVs leider schon lange nicht mehr gibt).

Sonnenaufgang-im-IC.jpg
Ich teilte meine Aufmerksamkeit zwischen dem romantischen Sonnenaufgang hinterm Fenster und der vielversprechenden Weinkarte, deren Inhalt ich leider wegen der Kürze der Fahrt nicht mehr auf die Probe stellen konnte, deren Stil und Gehalt mich als Winzerin aber durchaus erfreuten.  Auf Nachfrage bei der freundlichen Kellnerin durfte ich sogar ein Exemplar einstecken.


DB-Weinkarte.jpg

Namen wie Künstler, Heger, Bassermann-Jordan und Jakob Kühn, angeboten in 0,25l Flaschen zu angenehmen Preisen lassen in weiß und rot schon Lust zum Probieren aufkommen und das Zitat von Hugh Johnson auf der letzten Seite:

„Wine drinkers are attractive and smart, sexy and healthy.“  schmeichelt dem Weinliebhaber.

vue-du-train-Cologne.jpg

Die Rheinsilhouette von Köln erfreut immer wieder das Auge und ein kurzer Aufenthalt im Kölner Hauptbahnhof, bei dem man noch den letzten Weinkrimi von Sebastian Henn für die Reise erwerben kann, versüßt den Übergang in den Thalys – diesmal zweiter Klasse, also ohne einen neuen Blick auf die Weine des Monsieur Sapin, die ich Ihnen ja bei einer früheren Reise schon ausführlich vorgestellt habe.



Auch diesmal blieb genug Zeit für einen erholsamen Zwischenhalt in der Big Ben Bar des Train Bleu im Gare de Lyon in Paris. Das gleichnamige Sandwich aus dem unerreichten Brot von Poilâne,  schon too big für den kleinen Appetit,  konnte ich mit einem Glas Gaillac "Château Adélaïde" blanc begleiten aufmerksam beobachtet vom Kater des Hauses.

chat-train-bleu-2007.jpgein alter Bekannter im Train Bleu

 

Dann ging es weiter mit der Reise drittem Teil: Paris Béziers im TGV. Hier gibt es keinen Platzservice in der ersten Klasse, alle Passagiere teilen sich den eher abtörnenden Barwagen mit wenigen Hockern und vielen Stehplätzen.

Aber selbst hier konnte ich noch eine interessante Entdeckung machen. Seit einiger Zeit wird dort nämlich neben den klassischen kleinen Flaschen Beaujolais von Duboeuf und dem üblichen Bordeaux auch Wein im Glas angeboten.  Das „verre prêt à boire“  hebt sich angenehm von der sonst hier herrschenden Plastikkultur ab. Nach einem besonderen Verfahren wird Wein in kleine Gläser abgefüllt und mit einer Abdeckung versehen, die ihn einige Monate vor Verfall schützt.

 

In drei Farben dekliniert findet man so einen  AOC Bergerac rouge, einen Vin de Pays du Comte Toulosan Gamay rosé und einen VdP Côtes de Gascogne Colombard Chardonnay blanc , die das (möglichst selbst mitgebrachte – hier gibt’s kein Poilâne) Sandwich auch am Platz vorteilhaft begleiten.

Marketingstudien haben ergeben, dass diese Form der Präsentation den Weinabsatz erhöht hat, ohne auf Kosten des  Verkaufs der klassischen kleinen Fläschchen zu gehen.  Offensichtlich spricht sie Kunden an, denen auch 0,25l auf der Reise schon zu viel sind, die so, mit 10cl aber nicht auf ihr gewohntes Glas  zum Essen verzichten müssen.

 

Ich finde, dass sich diese Art der Verpackung wohltuend von den auch schon angebotenen Weinen in Dosen abhebt und bei weitem vorzuziehen ist. Und bei der nächsten Reise mache ich auch den geschmacklichen Selbsttest, versprochen!

 

 

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19 août 2007 7 19 /08 /août /2007 12:31
Wie in jedem August kurz vor der Weinernte stand auch dieses Jahr wieder eine Kurzreise nach Deutschland, genauer nach Düsseldorf an. Auch wenn der Zeitpunkt  für den Winzer nicht der beste ist (die diesmal sehr schnell fortschreitende Reife regt eher dazu an, den Weinberg besonders aufmerksam zu überwachen, um den bestmöglichen Erntezeitpunkt sofort zu erkennen und eventuelle Schäden in letzter Minute so gut wie möglich abzuhalten) - ein 80. Geburtstag ist aber Anlaß genug, wieder eine Ausnahme zu machen.

Gratulation-zum-80.-Geburtstag.jpg
Gratulation zum 80. Geburtstag !

weinrallye-200.jpg
Die bevorstehende 2. Ausgabe der Weinralley im Hinterkopf, zu der mir noch ein weißer "must-taste Wein" unter 10€ fehlte, freute ich mich schon auf neue Entdeckungen in Düsseldorf - denn mein Keller ist in dieser Kategorie leider nur mit hochpreisigeren Elsaß, Loire- und Jura-Weinen bestückt.


Gleich am ersten Abend , bei einem guten, fast mediteranen Essen glaubte ich fündig geworden zu sein:

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Ein frischer, fruchtiger, feinnerviger Weißer, der hervorragend zum Loup de mer  mit Anchovis-Knoblauchsauce, herzhaftem Salat und den mit Pilzen gefüllten Crêpes paßte, half, die Strapazen der Reise und den Klimaschock (aus dem Hochsommer rein in den nassen Herbst) zu überwinden.

Preislich hätte der Wein sicher in die Ralley gepaßt, als ich dann aber erfuhr, dass dieser absolut trinkbare Tropfen direkt vom in Deutschland so beliebten Discounter Aldi stammt, kamen mir doch Bedenken, ihn für die Teilnahme an der Ralley auszuwählen. Gerade als Winzer steht man diesen Preisdrückerstrukturen ja nicht gerade voller Begeisterung gegenüber. Um der Wahrheit willen muß ich aber zugeben, dass der Wein, ein grüner Veltliner aus Österreich, dazu offensichtlich noch aus kontrolliertem Anbaugebiet, durchaus seinen Platz bei Tisch verdient hatte und sich auch als besser verträglich erwies, als der offene Veltliner, den ich ein paar Tage später in einem Altstadtbistro für 3,40€ das Glas serviert bekam und mit einem dicken Kopf am nächsten Morgen teuer bezahlte.

gruener-Veltliner.jpg

Rheinhessen-Portugieser-Weissherbst.jpg





Obwohl auch im Café des Altenheims Haus Bavier in Erkrath,  Wein durchaus zum Angebot gehört, habe ich es vorgezogen, mich an Kaffee und Kuchen und die beliebten belegten Brötchen zu halten. Immerhin kam hier der Wein aus deutschen Landen: ein Portugieser Weissherbst aus Rheinhessen.







Ein Blick im Vorbeischlendern auf die Rotweinkarte einer gut eingeführten Bierkneipe mit Restaurant bewies einmal mehr, dass die Einbußen der französischen Exporte nicht von ungefähr kommen: auch hier scheint weiter besser - aber auf jeden Fall billiger zu sein.

Weinkarte-Postwirtschaft-Erkrath.jpgWeinkarte Postwirtschaft Erkrath, Frankenheim, Sommer 2007

Mein Aufenthalt in Düsseldorf, der Stadt mit der längsten Theke der Welt, ging schnell wieder seinem Ende entgegen. Die Zeit war zu kurz, um noch weiter auf die Suche nach dem "must-taste Wein" zu gehen. Um dem Touristenblick, mit dem ich meine  Heimatstadt inzwischen betrachte, genüge zu tun, noch ein paar Schnappschüsse.

Was ich von weitem für die Ansammlung eines Volksfestes hielt, erwies sich als ganz normaler Feierabendandrang vor dem Uerigen, einem der noch verbliebenen Brauereihäuser mit Ausschank in der Altstadt.

Uerige-in-Duesseldorf.jpg

Neben den traditionellen Holztischen, die von Zeit zu Zeit  abgeschmirgelt werden können, entdeckte ich hier auch diese praktischen Konstruktionen für den Non-Stop-Straßenausschank:

Altbier-vor-dem-Uerigen.jpg

Ein Spaziergang nur wenig abseits von diesem Getümmel zeigte eine andere Seite der Altstadt - und selbst ich hätte nicht gedacht, hier mitten in der Großstadt am Schwanenspiegel dieses idyllische Camp der beiden Karpfenangler zu entdecken (natürlich mit Anglerkarte und Sondergenehmigung!):

Angler-am-Schwanenspiegel.jpg
Der zweite Teil meines Reiseberichts rund um die Weine, denen man dabei en passant begegnet, folgt - versprochen Und dann geht es wieder hinauf in den Weinberg, wo die Trauben während meiner Abwesenheit weiter sichtbar an Reife zugelegt haben.


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4 mai 2007 5 04 /05 /mai /2007 16:58
Ich hätte meine Eindrücke auch für die dritte Ausgabe der vendredis du vin (die französische Ausgabe des "wine bloging wednesday") Ende Mai, zurückhalten können, die der neue „Präsident für einen Monat“ Emmanuel Delmas von blog Sommelier-Vins.com den „Vins de Femmes“ = Weine von Frauen, gewidmet hat.

Denn an der Spitze von Château Coujan, wo ich einen sehr angenehmen Abend mit Verkostung sowohl im Keller als auch während des anschließenden ausgezeichneten Essens verbracht habe, befindet sich seit 1990 eine Frau: Florence Guy, fünftes Glied der Winzerfamilie Guy auf Coujan und Tochter von François Guy, einer der bedeutendsten Persönlichkeiten in der Geschichte des Weinbaus im Languedocfür die letzten 50 Jahre. (Für die, die auch meinen französischen Blog lesen, Sie erinnern sich vielleicht? „François Guy de Château Coujan, grand homme du vin et précurseur des cépages nobles dans la région avec ses Vins de Pays Cabernet-Merlot, ses Mourvèdres de sa propre sélection massale était notre premier idole...“)

So kam ich also Montag am späten Nachmittag über die kleine Straße von Murviel, die durch die sanften Hügel auf die Ländereien des Château führt (100 ha, davon 65 mit Weinreben bepflanzt). Kurz davor überraschten mich wunderschön blühende Felder - diese wogenden lila Blumen, die ich erst für Disteln hielt, stellten sich später als Phacelia heraus, eine schöne Illustration dessen, was man hier Bienenbrachen nennt.

phacelie.jpg

Unter den beeindruckenden Platanen auf dem Vorplatz des Herrenhauses von Coujan wartet schon eine Gruppe von deutschen Weinliebhabern aus Hamburg, die hier auf ihrer 5. und letzten Etappe einer Winzerrundreise im Languedoc angekommen sind. Sie sind in Begleitung von Torsten Tesch, dem rührigen Weinhändler und Traiteur, durch den sie schon viele Weine der Gegend in seiner Weinbar « Guter Wein » in Eppendorf, einem guten Wohnviertel der Hansestadt, kennengelernt haben.

Florence Guy, die ich seit unserer gemeinsamen Zeit auf der Weinbauschule in Béziers in den 80ziger Jahren kenne, hat mich zur Hilfe gerufen, um während der Kellerbesichtigung und Verkostung als Übersetzerin zu fungieren.

Wir folgen François Guy, immer noch so faszinierend und schelmig, trotz seiner fast 90 Jahre, zunächst in die romanische Kapelle des Gutes, wo ein Teil des römischen Mosaiks untergebracht ist, das hier vor Jahren beim Arbeiten auf dem Vorplatz ausgegraben wurde. Dieses Mosaik ist, auch wenn es mit seinen schwarz-grau-weißen geometrischen Formen nicht an Abbilder von Trinkgelagen aus Herkulaneum heranreicht, doch der Beweis, dass hier eine römische Villa, gestanden hat. Man kann sich den römischen Würdenträger vorstellen, der hier, wie im Prospekt von Coujan angedeutet, "verführt von der Landschaft, in der Weinberge, Olivenhaine und Zypreen eine Mittelmeerlandschaft von florentinischem Charme bilden" seinen Wohnsitz wählte..
Ein Teil der Kapelle stammt aus dem 11. Jahrhundert - da sie nicht als Baudenkmal klassifiziert wurde, obliegt die Renovierung den Besitzern.


chapelle-coujan.jpg

Wieder im Freien, empfängt uns der Chor der Pfauen,

paon.jpg

die hier zahlreich frei in Park und Weinberg leben und jeden Gast mit ihren, leider im Vergleich zu ihrer äußeren Schönheit eher abschreckenden Schreien empfangen und begleiten. François Guy erklärt uns vor dem Keller das besondere Terroir des Gutes: eine Insel versteinerter Korallen, ein ehemaliges Atoll des Helvetischen Meeres aus dem Jura, dessen röhrenförmige Struktur dem Boden sein fantastisches Drainagepotential gibt und gleichzeitig hilft, bei großer Hitze genügend Frische aus dem Untergrund wieder hervorzubringen.

corail.jpg

Anschließend treten wir ein in die Kühle des Kellers, der mit seinen zu beiden Seiten aufgereihten Fassreihen schon fast einer Kathedrale ähnelt: Eichenfuder von 210 hl Inhalt, das sieht man selbst im Languedoc nicht mehr oft. Am Eingang steht beiläufig eine alte Kutsche und erinnert an die Zeit der Marquis, der Herzöge. Im Hintergrund eine Ansammlung von merkwürdigen "Öfen", die sich als Geräte für die Fabrikation von heißem Dampf herausstellen, mit dem die Fässer desinfiziert und das Holz feucht gehalten wurde. Alle Fuder werden nicht mehr gefüllt, da für ihre Reperatur inzwischen das notwendige Fachpersonal in der Gegend fehlt (auch Küfer ist ein Beruf, der nicht mehr so vertreten ist, wie noch vor 100 Jahren).

cave-coujan-copie-1.jpg

Auf dem Gut wird eine breite Palette von Rebsorten angebaut : Die der : AOC Saint Chinian - Mourvèdre 17 ha, Grenache 9 ha, Syrah 7 ha, Cinsault 7 ha, aber auch Merlot, Cabernet Sauvignon, Rolle und Sauvignon Blanc für die vins de pays - die Landweine.

gamme des vins Château Coujan

Die Cabernet- und Merlottrauben stammen von echten vieilles vignes - alten Reben, weil François Guy schon vor über 40 Jahren ein Vorreiter des Qualitätsanbaus war, der auf den Böden von Château Coujan, lange bevor die Gurus des örtlichen Weinbaus über qualitätsverbessernde Rebsorten nachdachten und bevor der warme Regen der europäischen Subventionen auch die anderen Bauern ermutigte, das "Risiko" auf sich zu nehmen, etwas anderes als den Massenweinbau zu betreiben, bei dem lange Quantität mehr Ertrag brachte als Qualität.

Dégustation Château Coujan 2007



Wir verkosten also zunächst die Palette der AOC Saint Chinian, aus Syrah, Grenache und Mourvèdre mit der Cuvée Bois Jolie und der Cuvée Gabrielle de Spinola (welch ein Genuß, François Guy aus dem offiziellen notariellen Vertrag rezitieren zu hören, der vor Jahrhunderten zwischen der edlen Marquise de Spinola und ihrem Pächter auf Coujan abgeschlossen wurde und diesen verpflichtete, jedes Jahr ein Fass vom feinsten Rotwein des Gutes nach Murviel zu bringen, wo dieser besondere Wein auch dem König von Frankreich ausgeschenkt wurde, wenn er auf seinen (seltenen) Besuchen beim Landadel, hier Station machte!) Wir kosten Weine voller Frucht, aber auch mit ausgewogenen Tanninen, die uns jetzt schon gut schmecken, obwohl sie auch noch einige Jahre lagern können



Le Divin d'Achille 2006

Anschließend folgen dieVins de Pays, cuvée Kenza-Marie 2003, ein Mischsatz aus Merlot, Cabernet und Mourvèdre, noch etwas eckig und vom Holz des Ausbaus in 600 l Eichenfässern beeinflußt – sein Vorgänger, der Vins de Pays de Coteaux de Murviel 1998, zeigt sich da schon zahmer und macht Platz für den Ahnherrn dieser Cuvée, von dem es tatsächlich noch einige seltene Flaschen zu kaufen gibt, den Jahrgang 1977, ein Wein, der sich hervorragend gehalten hat, wie es sich für einen Wein, der die Zusammensetzung eines Saint Emilion (70% Merlot, 30% Cabernet) hat, gehört, ein Genuß durch seine verschmolzenen Tannine und seine delikaten Frucht- und Tertiäraromen.

Und jetzt hätte ich beinahe vergessen, auch von den Weissweinen zu sprechen, Weiße von lebhafter Frische und voller Bouquet, als AOC die cuvée Bois Jolie aus den Rebsorten Rolle (Vermentino), Grenache blanc und Roussanne und die neue Cuvée Le DiVin d'Achille, die dieses Jahr aus Trauben von Sauvignon und Muscat geboren wurde. Der AOC Saint Chinian rosé mit seinen originellen Noten roter Beerenfrüchte und dem Duft der Garrigue (Strauchheide) erfrischt uns. Schließlich folgt noch ein Süßwein aus edelfaulen Beeren, wie in Sauternes, (Ertragsmenge 5hl/ha), der nicht jedes Jahr eingebracht werden kann und Aromentiefe, Süße und Lebhaftigkeit verbindet, die Dernière Cueillette, letzte Ernte, die im November erfolgte - und die hierzulande nicht als "Spätlese" bezeichnet werden darf, da diese Name nach dem Gesetzt nur den Weinen aus dem Elsass vorbehalten ist - auch eine Form von innerfranzösischem Protektionismus.

derniere-cuillette.jpg


Eine Verkostung eines Löffels mit Olivenöl des Gutes schließt den Aufenthalt im Keller ab und hilft so, die Kehle wieder geschmeidig für das Mahl zu machen, das uns noch bevorsteht. Francois Guy erklärt noch den Unterschied zwischen "jungfräulichem" und "un-jungfräulichem" Öl, bevor wir zurück zum Haupthaus schlendern, um das herum die Pfauen inzwischen ihre Plätze in den Bäumen und auf den Dächern eingenommen haben, wo sie sicher die Nacht verbringen werden.

Wir treten in den von Gewölben überdachten nach innen offenen Hof des Herrenhauses, wo uns weiß gedeckte Tische erwarten, um hier noch einmal während der folgenden Winzermahlzeit mit regionalen Spezialitäten die ganze Palette der Weine des Hauses "in situ" zu testen und zu genießen.

coujan-la-voute-a-table.jpg

Hier wird nicht mehr heldenhaft gespuckt, wie zuvor im Keller, sondern voll genossen produits fermiers de la région regionale Produkte aus dem Umland werden uns mit Charme von Florence Guy und ihrem jungen Sohn Achille serviert.

Florence-et-Achille.jpg

Die Austern kommen aus dem Binnensee von Thau, an der Mittelmeerküste bei Sète und werden vom Rolle begrüßt. Die großzüg servierten Wurstwaren, Bergschinken, Pâté, Boudin( Blutwurst) und Hartwürste, stammen aus Lacaune, einer kleinen Stadt auf der Hochebene der ersten Cevennenausläufer im Hinterland und passen hervorragend zum Rosé, der grüne Spargel und das Mesclun von jungem Salat brauchen nur ein paar Tropfen hauseigenes Olivenöl und ein paar Spritzer Hausessig, um zusammen mit den anderen Weisweinen des Hauses unseren Gaumen zu erfreuen.


feu de grillade

Im Innenhof, vor der rustikalen Sommerküche verglühen langsam ein paar mächtige alte Rebstöcke, um die Glut zu erbringen, auf der dann dicke Scheiben der Lammkeule "à point" gerillt werden, ein "agneau fermier", so zart, so saftig und so geschmackvoll, wie ich es lange nicht mehr auf dem Teller hatte (das letzte Mal vielleicht bei meinem Kollegen Thierry Navarre in Roquebrun bei einem Abschlußessen unter Winzern zum Ende der Weinernte).Ratatouille und in kleine Würfel geschnittene hausgemachte Bratkartoffeln mit würzigen Kräutern runden das Vergnügen ab – und hier sind die Rotweine an ihrem Platz.


plâteau de fromage repas Château Coujan 2007

Die Käseplatten versammeln eine schöne Auswahl von lokalen Ziegenkäsen unterschiedlicher Reife rund um einen "Bauernroquefort", der schön fett und mit dem so köstlichen Pilz durchzogen noch einmal begeistert. – hier ist L’Ile de Corail an ihrem Platz, diese Cuvée, die nur in den besten Jahrgängen erarbeitet wird, und dann ausschließlich aus Mourvèdretrauben, die sich als empfindliche Traubensorte nur unter idealen Bedingungen voll entfalten.

Florence-Guy-Corail.jpg

Die bauchige Flasche mit dem Siegellack statt einer Kapsel und dem schmalen, eleganten Etikett um den großzügigen Bauch wird von Florence präsentiert, die stolz ist, dass ihr Baby alle Tischgenossen noch einmal begeistert. Es folgt noch eine Auswahl von Tartes, diesen typischen französischen Obstböden, hausgemacht auch sie und begleitet von einem letzten Glas Dernière Cueillette, das die Gesellschaft inspiriert, zu Ehren ihrer Gastgeber und zum Dank ein sanftes deutsches Wiegenlied anzustimmen, bevor ein letzter Café allen wieder genug Schwung gibt, um von diesem gemütlichen Innenhof Abschied zu nehmen, in dem jetzt der betörende Duft der Blüten schwebt, den sie nur nachts verströmen...


Fleur

Der Mond steht schon hoch am Himmel, als drei Großraumtaxis unsere Hamburger zurück nach Beziers zur letzten Nacht in einem Landstrich bringen, wo sie 4 Tage gesehen haben, dass "Leben wie Gott in Frankreich" kein leeres Wort ist!


Ich schlage das freundliche Angebot, auf dem Gut zu übermnachten aus (obwohl ich dabei vielleicht die schöne Ferienwohnung , den gîte rural von Coujan hätte ausprobieren können) und mache mich auf den Rückweg nach Hause, 45 km entlang des Orbtals über Roquebrun nach Tarrassac und nach Olargues, und wieder zurück in unserem verwunschenen Tal von Lisson. Es war schön, einen Abend in angenehmer Gesellschaft an diesem magischen Ort verbracht zu haben, an dem immer noch drei Generationen der Familie Guy vereint zusammenleben und uns die Früchte ihrers Engagements, ihre Weine mit so viel Liebe und Begeisterung nahebringen.

Francois-et-Florence-Guy.jpg




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24 avril 2007 2 24 /04 /avril /2007 16:31
Raten Sie, welche alten Jahrgänge von Lisson da gestern abend mit so viel Engagement verkostet (und natürlich auch zum Essen getrunken) wurden.

Verkostung.jpg

cliquez ici

Leider fehlt die Tonspur, aber vielleicht könnte man das Ganze mit ein paar Sprechblasen ergänzen...
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31 décembre 2005 6 31 /12 /décembre /2005 20:53
Hinter der leicht staubigen Vitrine des kleinen Ladens Nr. 5, rue Laplace, ist es schwierig, sich zwischen Regalen, Kartons und Kisten mit Flaschen und dem kleinen Tresen durchzuschlängeln, ohne etwas um zu stoßen.


Claire, die nette junge Dame, die den Empfang betreut, nimmt meine Personalien auf, kontrolliert, dass ich auch wirklich angemeldet bin und weist mir dann den Weg hinab in die Unterwelt der Grains Nobles, der „edlen Beeren“, in die man über eine Wendeltreppe gelangt. In einem alten Gewölbekeller, dessen Steine von allen Handystrahlen wohltuend abschirmen, wird gleich die Verkostung beginnen.


Ich wähle einen Platz nahe dem Podium, am anderen Ende des Saales, so, wie man es mir geraten hatte und nehme mir die Zeit, die übrigen Weinliebhaber zu beobachten, die an dieser Ausnahmeverkostung zum Jahresende teilnehmen werden.

Der Herr am Platz mir gegenüber gibt seiner Freude Ausdruck, dass mit mir ein weibliches Element an der Verkostung teilnehmen wird, das ist wohl nicht immer der Fall. Nun, der Abend wird ihn noch weiter überraschen: je mehr sich der Saal füllt, umso höher wird der Anteil des weiblichen Geschlechts, und bald gehe ich in dem Drittel der Teilnehmer, das wir am Ende bilden, fast unter. Was mich aber noch mehr überrascht und erfreut, ist der Hohe Anteil von Weinliebhabern unter – na sagen wir mal – 35. Ich gehöre ja schon lange nicht mehr zu dieser Gruppe, aber das gibt Hoffnung für die Zukunft des Weins – und verweist mein Vorurteil, dass so Prestige beladene Weine, wie die des heutigen Abends, in erster Linie von älteren Liebhabern umschwärmt werden.

Die Atmosphäre ist freundlich, sogar herzlich, zufällige Tischnachbarn stellen sich einander vor und so erfahre ich, dass der Herr zu meiner Linken extra aus den USA angereist ist, einer von schräg gegenüber aus Bordeaux – ich habe also nicht einmal das Privileg der weitesten Anreise. Ich würde am liebsten meine kleine informelle Umfrage weitertreiben, um auch über die 20 anderen Gäste mehr zu erfahren, ich bin halt von Natur aus neugierig, aber dann halte ich mich doch zurück.

Auf den Tischen vor uns ein weißes Platzdeckchen aus Papier mit Kreisen, für die 6 Gläser, ein Spucknapf und die Liste der Weine des heutigen Abends:

Domaine de la Romanée-Conti, Bourgogne, Jahrgang 2002

Echezeaux – Grand Echezeaux - Romanée Saint Vivant – Richebourg – La Tâche – Romanée-Conti


Drei Herren nehmen schon auf dem Podium Platz, der in der Mitte meint scherzend, er sei heute Abend aber besonders gut eingerahmt und ich profitiere von dieser entspannten Stimmung, um – ganz vom Blogger-Virus gefangen – die Erlaubnis für ein Gruppenbild einzuholen.



Der Charme des Herrn in der Mitte überzeugt mich sofort und ich bin sehr zufrieden, als ich erfahre, dass es sich um Aubert de Villaine, einen der Mitbesitzer des Gutes handelt. Ich lasse mir erklären, dass zu seiner Rechten Bernard Burtschy gerade sein Laptop aufgeklappt hat, auf dem er seine Notizen nehmen wird und zu seiner Linken Michel Bettane, dessen Anblick mich immer noch leicht erröten lässt, wenn ich an die Anekdote aus den Anfangszeiten unseres Weinguts denke, die ich verspreche, meinem Tischnachbarn nach der Verkostung zu erzählen...

Das Publikum ist inzwischen vollständig versammelt (23 Personen) und Aubert de Villaine eröffnet den Abend mit dem „Film“ des Jahrgangs 2002 in Burgund:

Wie so oft typisch für Burgund, folgte auch in diesem Jahr nach einer Periode, in der sich die Natur eher von ihrer feindlicheren Seite gezeigt hatte eine Wendung zum Guten und das Zusammenspiel beider führte dann doch noch zu einem guten Jahrgang.

Der Austrieb der Trauben war früh und sehr großzügig, aber eine regnerische Periode Anfang Juni hatte eine starke Verrieselung zur Folge. Eine neue Schönwetterperiode um den 10. Juni herum ließ andere Weinstöcke noch später austreiben und führte zur Entwicklung sehr großer Trauben.

So wurde schon relativ früh klar, dass alles auf zwei verschiedene Erntetypen hinauslaufen würde:

a)    einen mit den edleren Gewächsen der alten Rebflächen mit kleinen Trauben, geringer Ertragsmenge und einem schönen Gleichgewicht
b)    einen von den größeren Stöcken, an denen fettere Trauben eine reichere Ertragsmenge ankündigten.

An den Stöcken des Typus a schien das Klima im Juli und August, mit den abwechselnden Perioden von Regen und Sonnenschein im richtigen Augenblick, die Häute der Beeren abzuhärten, so dass sie den Herbst bei perfekter Gesundheit erreichten. Trauben des Typus b zeigten schon Ende August Spuren von Fäulnissporen, die bei anhaltendem Regen zur Katastrophe geführt hätten – aber das dann einsetzende sonnige Wetter, das bis zum 15. Oktober anhielt, rettete den Einsatz.

Ab dem 3. September schritt die Reifung schnell voran und man konnte eine Steigerung um 1 bis 2° pro Woche messen. Es wurde also beschlossen, am 20. September mit der Ernte zu beginnen und in den folgenden 10 Tagen Trauben mit einem potentiellen Alkoholgehalt von 12,8 bis 13° Volumen einzubringen.

Die Ernte ging in zwei Schritten vonstatten: zunächst die alten Rebstöcke des Typus a mit ihren feinen, perfekt gesunden Trauben, und 3 Tage später die Trauben des b-Typus, nicht ganz so gesund, also mit viel mehr Sorgfalt auszulesen. Sie wurden letztendlich hauptsächlich für die Erarbeitung des Vosne Romanée 1er Cru  verwendet.

Neben den Jahrgangseinflüssen, gibt es noch einige generelle Regeln, die vor allem die Qualität der Trauben beeinflussen.

Die Domaine wird seit 1985 nach den Prinzipien des biologischen Anbaus bewirtschaftet, unter anderen beraten von Claude Bourgignon, der uns im übrigen davon erzählt hatte, als er 1990 nach Lisson kam, um unsere Bodenanalysen durchzuführen.

Diese biologischen Methoden führen zu einem Reifevorsprung der Trauben, der bis zu einer Woche betragen kann, Grund dafür ist vermutlich auch das Fehlen von zu dicken Ablagerungen von Spritzmitteln auf den Blättern, die die Fotosynthese zur Zuckerentwicklung behindern.

Die Weinberge sind sehr dicht bepflanzt, im Mittel 10 000 Stöcke pro Hektar und werden so geführt, dass die durchschnittliche Ertragsmenge zwischen 27 und 30 hl/ha liegt (Davon kann ich in Lisson nur träumen – ein Dreifaches meiner Erträge beim Pinot). Die Weinpflanzen stammen aus einer internen Selektion des Gutes, von heute 60 verschiedenen Klonen, die aus dieser Selektion hervorgegangen sind, hofft man, für die Zukunft auf 100 bis 120 verschiedene Klone aufstocken zu können, um so die Diversität der Biomasse zu erhalten. „Inzwischen kennen wir uns da aus, heute haben wir alle Elemente unter Kontrolle, um Fortschritte zu machen. Selbst ein Gut wie das unsrige hat noch Spielraum, um besser zu werden.“ (dixit AdV)

Natürlich hängt die Arbeit auf dem Gut auch von der Qualität der Mitarbeiter ab. 30 Personen sind ganzjährig beschäftigt, die Qualität der Erzeugnisse aufrecht zu halten. Für den Rebschnitt kann aber selbst hier nicht das Prinzip des spätmöglichsten Schnitts (nichts ist so gut, wie der Schnitt im März) voll beachtet werden, da das noch mehr Personal und Koordination erfordern würde.

Die Böden, die in den 50ger Jahre ziemlich heruntergewirtschaftet worden waren, haben sich inzwischen dank der Verwendung von Kompost aus geschreddertem Rebholz, Trester und 25% Mist, der alle 3 bis 4 Jahre in moderaten Mengen von 2 bis 3 Tonnen pro Hektar ausgebracht wird, wieder erholt.

6 bis 7 Hektar der Domaine werden sogar nach biodynamischen Prinzipien bearbeitet, aber die Erfahrungswerte zeigen bisher noch keine Überlegenheit der so erarbeiteten Produkte im Vergleich zu den „nur“ biologisch angebauten.

Es ist ein Grundprinzip, so wenig wie möglich auf die Trauben einzuwirken, denn „sobald man bei dieser Qualität von Traubengut zu viel tut, senkt man die Qualität“ (AdV)

Die Weinbereitung, die nach einer vom Jahrgang bestimmten Auslese erfolgt, findet in einfachen Behältern statt und ist auch so wenig eingreifend wie möglich. Auch die Entscheidung darüber, wie weit die Ernte entrappt wird, hängt ganz vom einzelnen Jahrgang ab. Es ist erstrebenswert, dass der Beginn der Gärung in den ganzen Beeren stattfindet „die Gärung sollte nicht erst ‚im Wein’ stattfinden“.

Jede Lage erzeugt ihre spezifischen Hefen, aber die Gärungen liegen meist sehr dicht beieinander.

Der Ausbau erfolgt in neuen Barriques mit mittlerer Tastung. Das Holz für die Fässer wurde lange Zeit vor seiner Verarbeitung sorgfältig ausgewählt, wie für die Korken und den Flaschentyp später ist auch hier schon alles „maßgeschneidert“.

Die Flaschenabfüllung erfolgt auf sanfte Art.  Für die Weine aus 2002 erfolgte sie im Februar und März 2004, während des Ausbaus erfolgte nur ein einziger Abzug. Je nach Lage und Zahl der Fässer erfolgt die Abfüllung entweder pro Fass (was manchmal zu einem leichten Unterschied zwischen den Fassabfüllungen innerhalb eines Weines, ja, nach Michel Bettane, sogar zu Unterschieden zwischen dem Beginn und den Ende einer einzelnen Fassabfüllung führen kann) oder in Gebinden von 5 Fässern in einem Tank, hier kann die Abfüllung dann homogener und nur mit Schwerkraft erfolgen.

Zu den aktuell in Angriff genommenen Arbeiten gehört die Etablierung der „Zurückverfolgbarkeit“ des Weins, vom Fass über die Flasche bis hin zum Verbraucher – eine Maßnahme, die ebenso dem Schutz des Gutes vor unerwünschten Wiederverkäufern  dient, wie der Information des Endkunden.

Und während uns all diese Informationen gegeben wurden, der „Film“ ablief, wurden uns nach und nach die Gläser, die wir vorher mit einem „kleinen“ Burgunder ausgespült hatten, gefüllt.

Für mich war es ein besonderes Vergnügen, Aubert de Villaine zuzuhören, zumal er auch bereitwillig und ausführlich auf alle gestellten Fragen antwortete. Ich hatte nicht erwartet, an der Spitze eines so berühmten und fast mythischen Gutes eine so geradlinige, einfache und zugängliche Persönlichkeit zu finden, stolz nur auf sein Produkt – und auch das in einer Form von Understatement, die aber die Liebe zum Wein und die aufmerksame Fürsorge in allen Details für die Gewächse nicht übertünchte – eben  ein echter, großer Winzer.

Nun aber zu meinen Verkostungsnotizen. Sie sind recht knapp, echte Bewunderung und Geschmacksvergnügen führen bei mir eher zu großer innerer Zufriedenheit als zu aufgeregtem Wortschwall. Das werden vermutlich andere Teilnehmer, wie Bernard Burtschy oder Michel Bettane an anderer Stelle ausführlicher veröffentlichen. Aber ich werde Ihnen doch meine Notizen in Kurzform wiedergeben:

Echezeaux 2002 : 4,5 ha, Lagenname La Poullaière.

Farbe : helles Rubinrot, Duft : wie eine sehr schöne Blumenseife, Geschmack : erneut Frucht und Blumen, gute Säure, sehr fein.
Kommentar vom Podium:  « wäre gerne eine Konkurrenz für die anderen, schafft es aber nie – das nennt man eben Terroir. »

Grands Echezeaux 2002: von den beiden Flaschen, die für die Verkostung geöffnet worden waren, hatte leider die, die auf unserer Seite des Saales serviert wurde, ein Korkproblem (keinen Korkschmecker!). Daraus ließen sich die eher animalischen Noten, die in dieser Entwicklungsphase noch nicht typisch für den Wein sein sollten, erklären.
« Sehr diskret, fein, hält sich noch zurück.»

Romanée Saint Vivant 2002: dieser Wein kommt von einem Hügel mit tiefgründigerem Boden, bis auf eine kleine Felsbank im Untergrund. Der Wein ist ziemlich blass in der Farbe, etwas pfefferiger im Geschmack als die vorhergehenden – eine gute Dichte bei aller Transparenz.



Richebourg 2002 : 3,5 ha der 8 ha die diese Appellation umfasst. In der Farbe mit etwas mehr orangenen Tönen, im Duft kräftiger, im Geschmack dichter mit mehr Säure
« sehr aristokratisch im Abgang» - « jedes Jahr findet man die gleiche Persönlichkeit bei jedem der Weine, aber immer mit einem anderen Gesicht».

La Tâche 2002 : 6 ha. Pfefferiger noch als seine Vorgänger, Kraft und Dichte. « Noch in sich selbst verschlossen». Für mich in sehr « grüner » Eindruck, wie das Parfum frischen Heus. Altert noch langsamer.

Romanée-Conti 2002: 5 548 Flaschen, (unsere Flasche trägt die Nummer 4 827) 1,8 ha (= 23 hl/ha). Im Duft ein sehr reines Fruchtaroma, im Geschmack anhaltend komplex, pfefferig, leicht grün, sehr lang im Abgang.



Nachdem ich die letzten drei Weine der Reihe verkostet habe, fällt es mir schwer, die ersten der Serie unbeeinflusst neu zu kosten. Sie fallen für mich zu sehr ab – normal, schließlich ist das Bessere der Feind des Guten, wie man hier so schön sagt...  Aber für mich ist an diesem Abend im Vergleich der Unterschied in der Intensität so groß, dass sie mir platt, ohne genügend Biss erscheinen.



Wenn ich nachträglich meine Notizen lese, bedauere ich, dass ich nicht mehr Fragen zur Weinbereitung gestellt habe, den Unterschieden zwischen der Behandlung der Crus, dem Ort der Weinbereitung, denn die wenigen Elemente, die ich habe, erklären meiner Meinung nach nicht die so deutlichen Unterschiede – es ei denn, man erklärt alles mit dem Terroir-Effekt.

Auch ein Blick auf die geologischen Karten, wie sie z.B. James E. Wilson in seinem Buch « Terroir – Schlüssel zum Wein » liefert, kann mich nicht voll überzeugen. 

Jedenfalls verlasse ich diese Veranstaltung mit einem glücklichen Lächeln im Gesicht, zufrieden, dabei gewesen zu sein, mit dem Eindruck, Mitmenschen getroffen zu haben, die begeisterungsfähig und sympathisch sind, so wie eine große Persönlichkeit der Weinwelt und sehr interessante Weine, die Lust machen, mich wieder etwas näher mit den roten Burgundern  zu beschäftigen, um irgendwann besser zu verstehen, welchen Anteil Winzer und Terroir beim Entstehen großer Burgunder nun haben.

Mein großzügiger Gastgeber und ich beenden den Abend in einem sympathischen kleinen Restaurant ganz in der Nähe: Le Petit Prince de Paris, 12 rue Lanneau. Das Menü ist gut, die Atmosphäre angenehm – aber es fällt uns schwer nach dem, was wir gerade verkostet haben, einen Wein aus der Karte auszuwählen...  Schließlich entscheide ich mich für einen Chinon von Charles Jouguet, dessen Taninstruktur und Geschmacksfülle ich normalerweise sehr liebe – aber auch ihm fiel es an diesem Abend schwer, unsere verwöhnten Geschmacksknospen zu überzeugen.

Danke, Eric, für dieses mehr als nur schöne « Weihnachtsgeschenk »!












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30 décembre 2005 5 30 /12 /décembre /2005 19:33
24 Stunden in Paris – mein diesjähriges „Weihnachtsgeschenk“ – schon vor dem Fest genossen, aber die Freude hält noch an – und da geteilte Freude bekanntlich doppelte Freude ist, werde ich etwas ausführlicher darüber berichten – zumal es in erster Linie natürlich um Wein ging.

Obwohl mich Paris an diesem 16. Dezember genauso grau, windig und feucht empfing, wie mich Düsseldorf verabschiedet hatte, war schon die Fahrt im Taxi vom Gard du Nord zu meinem Hôtel am Panthéon ein großes Vergnügen. Nach vorweihnachtlich belebten Straßen und Gassen in den großbürgerlichen Häuserschluchten, die Fahrt über den Place du Louvre mit seiner Glaspyramide und die Seinebrücke – die engen Gassen des Rive Gauche, Erinnerungen an lange Fußmärsche an milderen Tagen durch dieses Viertel und schließlich Ankunft Place du Panthéon im 5. Arrondissement – das Gebäude verschwindet aus meiner Perspektive fasst hinter einer Hecke aus Weihnachtsbäumen, die mich irgendwie an Macbeth erinnern – das kommt wohl vom Wetter.



Mein Zimmer ist noch nicht bereit, aber jetzt gewinnt die Neugier Oberhand über die Reisemüdigkeit und ich stelle nur schnell mein Gepäck in die Lobby und wage mich dann raus in Wind und Regen.

Zwei Ecken weiter und schon stehe ich auf einer belebten Straße voller kleiner Läden, die, wie in vielen Vierteln von Paris abseits der Grand Boulevards, eher an eine rührige Kleinstadtstraße als an die Kapitale mit dem großen K erinnert. Es ist die rue Saint Jacques, die dieses den Universitätsinstituten gewidmete Viertel durchquert. Ich beschließe, nicht in einem Restaurant zu essen, sondern lieber ein paar Kleinigkeiten für einen improvisierten Imbiss im Hotelzimmer zu kaufen, der Magen und Gaumen vor der großen Verkostung am Abend bei Grains Nobles nicht zu sehr belastet. In einer Fromagerie – einer kleinen Käsehandlung, wie man sie so wohl nur in Frankreich findet – gibt es sogar das berühmte Pain Poilâne, echtes Brot – wie mich hier mein deutscher Chauvinismus sagen lässt – und dazu eine so große Auswahl an Rohmilchkäsen, dass die Qual der Wahl die Entscheidung wieder schwer macht. Schließlich lasse ich mir eine Ecke Brie de Meaux, bien fait, abschneiden, damit ist mein leibliches Wohl bis heute Abend schon garantiert.

Und einige Schritte weiter, wo ich vor dem Nass unter der Markise eines islamischen Buchladens Schutz suche, fällt mein Blick sofort auch auf das ideale Geschenk für meinen Gastgeber des heutigen Abends, der mich mit seiner Einladung zur Verkostung hierher gelockt hat. Für einen solchen Weinliebhaber, was könnte man besseres finden, als diese große, mit poetischen Fotos und unzähligen Kalligraphien versehene Ausgabe der 40 besten 4zeiler des persischen Poeten Omar Khayyâm über Sein und Nichtsein, die Liebe und den Wein. (Leider finde ich hierzu keinen Link, der auf eine gute Übersetzung ins deutsche verweist, die Beispiele, die es gibt, scheinen mir nicht angemessen – schade).



Immer noch rue Saint Jacques, auf dem Rückweg zum Hotel, entdecke ich einen Weinhändler, „Les Caves du Panthéon“ wie auch anders in dieser Nachbarschaft und eine Tafel, auf der mit Kreide eine Verkostung für später am Nachmittag angekündigt wird: Weine aus Bandol an der Côte d’Azur, also ist das Programm für die paar Stunden, die mir bis zum Abend bleiben, schon gemacht.

Endlich im Hotelzimmer gibt es aber erst mal ein heißes Bad (wir haben kein Bad und kein fließend heißes Wasser in Lisson, es handelt sich also um ein seltenes Vergnügen!)

Dann kommt mein gutes Lagiol zur Geltung, um Brot und Käse genüsslich zu verspeisen – ein bisschen Lektüre – die neue französische Übersetzung von Khayyâm ist wirklich fantastisch – und schon geht’s gestärkt wieder hinunter zum Weinhändler um die Ecke.

Der Winzer des Tages ist Raynald Dellile von der Domaine de Terrebrune in Bandol.  Er hat drei Jahrgänge zur Verkostung mitgebracht: 2001, 1998 und 1995.



Alle drei sind, wie typisch für die Appellation Bandol, hauptsächlich mit der roten Sorte Mourvèdre erarbeitet. Hier bildet sie 80% der Cuvées, ergänzt durch Grenache und Cinsault.
Die Trauben werden entrappt, was es dem 2001 erlaubt, schon relativ weicher einher zu kommen, als unsere Lisson Weine des Clos des Cèdres. Der Ausbau erfolgt in Fudern, für mich gibt das immer eine typische Geschmacksnote, die nichts mit den Taninen von Barriques zu tun hat und die man noch häufig auch in Weinen aus dem Languedoc findet. 2001 muss auch an der Côte d’Azur ein Jahrgang mit guter Reife gewesen sein,  der Fruchtcharakter der Trauben ist sehr präsent und es bleibt sogar noch ein leicht süßer Nachgeschmack in der Kehle.  Der 1995ger zeigt sich gut ausbalanciert, ein Wein, der schon reif in der Flasche ist, komplex im Geschmack und erstaunlich fein, für einen Mourvèdre. Ich kann ihn mir gut als Begleiter bei Tisch vorstellen. Aber meine persönliche Vorliebe trifft der 1998ger, ein Wein noch voller Kraft, weniger ausgeglichen als der 1995, aber schon mit weiter entwickelten Aromen und mehr Pfeffer als der 2001.



Der Winzer wundert sich über meine detaillierten Fragen über Weinbereitung und Arbeit im Weinberg – und ich muss zugeben, dass ich nicht nur beruflich damit zu tun habe, sondern eben auch gerade die Mourvèdretraube in unserem Weinberg in Lisson kultiviere. Ich weiß nicht, ob seine Ungläubigkeit, dass es noch anderswo als in Bandol und Spanien Weine aus dieser Traube geben kann, nur Koketterie ist oder wirklich Wissenslücke.

Am nächsten Tag kommt ein weiterer Winzer aus Bandol hierher, Château Pibarnon würde mich natürlich auch sehr interessieren, die letzten Weine dieses berühmten Guts, die ich getrunken habe, stammten aus dem Jahrgang 1989 und waren 10 Jahre später hervorragend.  Ein anderer Stil als mein Lieblingsbandol von Chateau Pradeaux, aber eben auch ausgezeichnet.

Jetzt habe ich noch eine Stunde Zeit, um meine Geschmacksnerven von den Gerbstoffen des Mourvèdre zu erholen – ich hätte vorher daran denken sollen, schließlich kenne ich das Problem von zu Hause, vor allem nach einer Fassverkostung der Clos des Cèdres...

Ich suche mir ein Bistro und finde schnell das Café de la Nouvelle Mairie, rue Fossés Saint Jacques, dass durch die Scheiben einfach und gemütlich erscheint. Welche Überraschung, beim Eintritt zu entdecken, dass es hier eine schöne Auswahl an Weinen gibt, die auch glasweise angeboten werden. Auch hier eine Tafel, auf der mit weißer Kreide die aktuellen Angebote aufgeführt sind. An den Wänden humoristische Plakate und Bilder rund um den Wein. Wenn es nicht darum ginge, jetzt den Mund frei zu spülen, würde ich gerne das eine oder andere Glas verkosten.



Aber langsam wird es nun Zeit, mich dem Ziel meiner Reise zu nähern. Auf der anderen Seite der Place du Panthéon, in einer kleinen Gasse, finde ich schnell den Weinhandel von Grains Nobles, 5 rue Laplace, wo mich die einmalige Verkostung der Weine des Jahrgangs 2002 der Domaine de la Romanée Conti erwartet.





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Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

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