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20 août 2007 1 20 /08 /août /2007 19:47


Hier also die versprochene Fortsetzung meiner Begegnungen mit Weinen auf der Rückreise von Deutschland nach Südfrankreich.

Die Reise begann vielversprechend auf der Fahrt mit dem Intercity von Düsseldorf nach Köln. Da das ganze noch vor 7 Uhr morgens stattfand, genoss ich  meinen ersten Café im DB Speisewagen (eine angenehme Einrichtung, die es in französischen Hochgeschwindigkeitszügen wie den TGVs leider schon lange nicht mehr gibt).

Sonnenaufgang-im-IC.jpg
Ich teilte meine Aufmerksamkeit zwischen dem romantischen Sonnenaufgang hinterm Fenster und der vielversprechenden Weinkarte, deren Inhalt ich leider wegen der Kürze der Fahrt nicht mehr auf die Probe stellen konnte, deren Stil und Gehalt mich als Winzerin aber durchaus erfreuten.  Auf Nachfrage bei der freundlichen Kellnerin durfte ich sogar ein Exemplar einstecken.


DB-Weinkarte.jpg

Namen wie Künstler, Heger, Bassermann-Jordan und Jakob Kühn, angeboten in 0,25l Flaschen zu angenehmen Preisen lassen in weiß und rot schon Lust zum Probieren aufkommen und das Zitat von Hugh Johnson auf der letzten Seite:

„Wine drinkers are attractive and smart, sexy and healthy.“  schmeichelt dem Weinliebhaber.

vue-du-train-Cologne.jpg

Die Rheinsilhouette von Köln erfreut immer wieder das Auge und ein kurzer Aufenthalt im Kölner Hauptbahnhof, bei dem man noch den letzten Weinkrimi von Sebastian Henn für die Reise erwerben kann, versüßt den Übergang in den Thalys – diesmal zweiter Klasse, also ohne einen neuen Blick auf die Weine des Monsieur Sapin, die ich Ihnen ja bei einer früheren Reise schon ausführlich vorgestellt habe.



Auch diesmal blieb genug Zeit für einen erholsamen Zwischenhalt in der Big Ben Bar des Train Bleu im Gare de Lyon in Paris. Das gleichnamige Sandwich aus dem unerreichten Brot von Poilâne,  schon too big für den kleinen Appetit,  konnte ich mit einem Glas Gaillac "Château Adélaïde" blanc begleiten aufmerksam beobachtet vom Kater des Hauses.

chat-train-bleu-2007.jpgein alter Bekannter im Train Bleu

 

Dann ging es weiter mit der Reise drittem Teil: Paris Béziers im TGV. Hier gibt es keinen Platzservice in der ersten Klasse, alle Passagiere teilen sich den eher abtörnenden Barwagen mit wenigen Hockern und vielen Stehplätzen.

Aber selbst hier konnte ich noch eine interessante Entdeckung machen. Seit einiger Zeit wird dort nämlich neben den klassischen kleinen Flaschen Beaujolais von Duboeuf und dem üblichen Bordeaux auch Wein im Glas angeboten.  Das „verre prêt à boire“  hebt sich angenehm von der sonst hier herrschenden Plastikkultur ab. Nach einem besonderen Verfahren wird Wein in kleine Gläser abgefüllt und mit einer Abdeckung versehen, die ihn einige Monate vor Verfall schützt.

 

In drei Farben dekliniert findet man so einen  AOC Bergerac rouge, einen Vin de Pays du Comte Toulosan Gamay rosé und einen VdP Côtes de Gascogne Colombard Chardonnay blanc , die das (möglichst selbst mitgebrachte – hier gibt’s kein Poilâne) Sandwich auch am Platz vorteilhaft begleiten.

Marketingstudien haben ergeben, dass diese Form der Präsentation den Weinabsatz erhöht hat, ohne auf Kosten des  Verkaufs der klassischen kleinen Fläschchen zu gehen.  Offensichtlich spricht sie Kunden an, denen auch 0,25l auf der Reise schon zu viel sind, die so, mit 10cl aber nicht auf ihr gewohntes Glas  zum Essen verzichten müssen.

 

Ich finde, dass sich diese Art der Verpackung wohltuend von den auch schon angebotenen Weinen in Dosen abhebt und bei weitem vorzuziehen ist. Und bei der nächsten Reise mache ich auch den geschmacklichen Selbsttest, versprochen!

 

 

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19 août 2007 7 19 /08 /août /2007 12:31
Wie in jedem August kurz vor der Weinernte stand auch dieses Jahr wieder eine Kurzreise nach Deutschland, genauer nach Düsseldorf an. Auch wenn der Zeitpunkt  für den Winzer nicht der beste ist (die diesmal sehr schnell fortschreitende Reife regt eher dazu an, den Weinberg besonders aufmerksam zu überwachen, um den bestmöglichen Erntezeitpunkt sofort zu erkennen und eventuelle Schäden in letzter Minute so gut wie möglich abzuhalten) - ein 80. Geburtstag ist aber Anlaß genug, wieder eine Ausnahme zu machen.

Gratulation-zum-80.-Geburtstag.jpg
Gratulation zum 80. Geburtstag !

weinrallye-200.jpg
Die bevorstehende 2. Ausgabe der Weinralley im Hinterkopf, zu der mir noch ein weißer "must-taste Wein" unter 10€ fehlte, freute ich mich schon auf neue Entdeckungen in Düsseldorf - denn mein Keller ist in dieser Kategorie leider nur mit hochpreisigeren Elsaß, Loire- und Jura-Weinen bestückt.


Gleich am ersten Abend , bei einem guten, fast mediteranen Essen glaubte ich fündig geworden zu sein:

repas.jpg

Ein frischer, fruchtiger, feinnerviger Weißer, der hervorragend zum Loup de mer  mit Anchovis-Knoblauchsauce, herzhaftem Salat und den mit Pilzen gefüllten Crêpes paßte, half, die Strapazen der Reise und den Klimaschock (aus dem Hochsommer rein in den nassen Herbst) zu überwinden.

Preislich hätte der Wein sicher in die Ralley gepaßt, als ich dann aber erfuhr, dass dieser absolut trinkbare Tropfen direkt vom in Deutschland so beliebten Discounter Aldi stammt, kamen mir doch Bedenken, ihn für die Teilnahme an der Ralley auszuwählen. Gerade als Winzer steht man diesen Preisdrückerstrukturen ja nicht gerade voller Begeisterung gegenüber. Um der Wahrheit willen muß ich aber zugeben, dass der Wein, ein grüner Veltliner aus Österreich, dazu offensichtlich noch aus kontrolliertem Anbaugebiet, durchaus seinen Platz bei Tisch verdient hatte und sich auch als besser verträglich erwies, als der offene Veltliner, den ich ein paar Tage später in einem Altstadtbistro für 3,40€ das Glas serviert bekam und mit einem dicken Kopf am nächsten Morgen teuer bezahlte.

gruener-Veltliner.jpg

Rheinhessen-Portugieser-Weissherbst.jpg





Obwohl auch im Café des Altenheims Haus Bavier in Erkrath,  Wein durchaus zum Angebot gehört, habe ich es vorgezogen, mich an Kaffee und Kuchen und die beliebten belegten Brötchen zu halten. Immerhin kam hier der Wein aus deutschen Landen: ein Portugieser Weissherbst aus Rheinhessen.







Ein Blick im Vorbeischlendern auf die Rotweinkarte einer gut eingeführten Bierkneipe mit Restaurant bewies einmal mehr, dass die Einbußen der französischen Exporte nicht von ungefähr kommen: auch hier scheint weiter besser - aber auf jeden Fall billiger zu sein.

Weinkarte-Postwirtschaft-Erkrath.jpgWeinkarte Postwirtschaft Erkrath, Frankenheim, Sommer 2007

Mein Aufenthalt in Düsseldorf, der Stadt mit der längsten Theke der Welt, ging schnell wieder seinem Ende entgegen. Die Zeit war zu kurz, um noch weiter auf die Suche nach dem "must-taste Wein" zu gehen. Um dem Touristenblick, mit dem ich meine  Heimatstadt inzwischen betrachte, genüge zu tun, noch ein paar Schnappschüsse.

Was ich von weitem für die Ansammlung eines Volksfestes hielt, erwies sich als ganz normaler Feierabendandrang vor dem Uerigen, einem der noch verbliebenen Brauereihäuser mit Ausschank in der Altstadt.

Uerige-in-Duesseldorf.jpg

Neben den traditionellen Holztischen, die von Zeit zu Zeit  abgeschmirgelt werden können, entdeckte ich hier auch diese praktischen Konstruktionen für den Non-Stop-Straßenausschank:

Altbier-vor-dem-Uerigen.jpg

Ein Spaziergang nur wenig abseits von diesem Getümmel zeigte eine andere Seite der Altstadt - und selbst ich hätte nicht gedacht, hier mitten in der Großstadt am Schwanenspiegel dieses idyllische Camp der beiden Karpfenangler zu entdecken (natürlich mit Anglerkarte und Sondergenehmigung!):

Angler-am-Schwanenspiegel.jpg
Der zweite Teil meines Reiseberichts rund um die Weine, denen man dabei en passant begegnet, folgt - versprochen Und dann geht es wieder hinauf in den Weinberg, wo die Trauben während meiner Abwesenheit weiter sichtbar an Reife zugelegt haben.


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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Essen und Trinken
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18 juillet 2007 3 18 /07 /juillet /2007 17:57

letourdefrance.jpg  Nach dem fulminanten Start der Weinrallye in Deutschland, war ich so richtig in Schwung, um mich jetzt endlich doch noch für die Durchfahrt der Tour de France zu interessieren, die am Freitag den 20. Juli auf ihrer 12. Etappe auch einige Minuten durch Olargues kommen wird.


Die Vorzeichen sind nicht zu übersehen: seit einigen Tagen tauchen in den Schaufenstern der einheimischen Bäcker, Metzger und Lebensmittelhändler diverse Dekorationen auf, die mit Radfahrern oder ihren Accessoires zu tun haben. Da werden Luftballons aufgeblasen, alte Stahlrosse aus dem Keller geholt und wie in einem Freilichtmuseum am Balkongitter festgezurrt ausgestellt. Es werden Broschüren verteilt,  die man nicht auf die öffentlichen Straßen werfen soll, aus denen man entnehmen kann, dass die Fahrer am Freitag Nachmittag von 15 Uhr 13 bis 15 Uhr 14 im Sprint um Olargues herumfahren werden und dass ein umfangreicher Entsorgungsdienst für den an der Strecke zu erwartenden Müll organisiert wurde.

Der örtliche Sportplatz ist frisch getrimmt für den Start der Übertragungshubschrauber des französischen Fernsehens reserviert, die einzige Straße durch das Tal, auf der der Tross (hier Caravane genannt) schon 2 Stunden vor dem Feld erwartet wird,  wird den ganzen Nachmittag für den Durchgangsverkehr gesperrt sein.

Zu ihrer Sicherheit wird den Zuschauern empfohlen, sich mit Mützen oder Hüten vor der Sonne zu schützen, Sonnenschutz zu verwenden, viel Wasser zu trinken und nur leicht zu speisen – und sich bitte nur am Rand der Straße aufzuhalten.  Es ist für alles gesorgt, jetzt müssen sie nur noch kommen, die bunten Blitze.

Meine frisch erwachte Neugier lässt mich die Webseite der ARD entdecken, in der zu meiner Freude und Überraschung nicht nur harte Sportfans bedient werden, sondern auch eher kulinarisch-kulturell angehauchten, unsportlichen  Menschen  wie mir zu interessanten Informationen um die Strecke herum verholfen wird.

Fernrohr.jpg

Gerade war ich so weit, schon mal in unseren Schränken nachzusehen, mit welchen Hilfsmitteln  sich das Ereignis auch aus der luftigen Höhe des Weinbergs von Lisson verfolgen ließe.

Sehhilfen.jpg

Kenner unserer Weinbergsgeographie, die sich die anschließende Verkostung schon einmal mit einem Aufstieg bis auf die obersten Terrassen des Clos du Curé verdient haben, erinnern sich an  den großen Steinhaufen, den höchsten Punkt unseres Berges, von dem aus man einen atemberaubenden Blick über das Tal des Jaur und die parallel dazu verlaufende Landstraße zwischen Mons la Trivalle und Olargues hat – das Ganze gegenüber überragt von der beeindruckenden Silhouette der „Femme Couchée“. 

Herbst-Blick-auf-Olargues.jpg

Welch einmaliger Standort, um aus luftiger Höhe den wackeren Tretern zuzuwinken, ehe sie in der Ferne in der Kurve der „Tour des Ponts“ (so heißt die Umgehungsstraße von Olargues) hinter dem Hügel mit dem berühmten Turm, dem „Tour d’Olargues“,  verschwinden.  Ob man von dort die einzelnen Kämpfer erkennen kann, ist nicht so sicher. Immerhin habe ich in der letzten Woche gelernt, dass offensichtlich die Eltern eines der jungen deutschen Talente in ihrer Jugend auch Peanuts-Fans waren, so wie ich.... das verbindet!

Und dann heute Mittag: patatrass – wie man hier sagt: die neue Dopingenthüllung und der Übertragungsstopp von ARD und ZDFkeine Bilder aus Olargues für Deutschland – wie schade!

Wenn man wie wir seit vielen Jahren in südlichen Gefilden einer körperlich oft sehr anstrengen Arbeit nachgeht (unser Sport findet ja bekanntlich im Weinberg statt, ob mit Rückenspritze, Motorsense oder Hacke, Rebschere  oder  Traubenkisten), ja, der weiß, was es heißt, Höchstleistung bei  sommerlichsten Temperaturen erbringen zu sollen. Hier lernt man, wie in allen südlichen Ländern, das dann möglichst in den frühen Morgenstunden zu erledigen – wer dabei in den heißesten Mittagsstunden gesehen wird, gilt automatisch als verrückt – oder gedopt.

Und da wir, dank der einen Stunde Zeitverschiebung zum Sonnenstand, den wir auf diesem Längengrad immer haben und der zusätzlich verordneten Sommerzeit wissen, dass die Sonne ihren Höchststand, ihr High-Noon, Midi, erst um 14 Uhr erreicht hat, käme wohl niemand auf die Idee, sich in dieser und den folgenden Stunden auf die Piste zu begeben.

Aber vielleicht müssen die armen Kerle gerade deshalb um diese Zeit in der Sonne schwitzen: weil da in südlich-ländlichen Gefilden die anderen ihre Siesta halten, also Zeit haben, den Fernseher anzuschalten und mit kühlem Kopf dem heißen Rennen zuzusehen! Sollte man mal untersuchen.

Jetzt bleibt mir noch eine Frage zu stellen, die ich – da wie schon gesagt, absolut unsportlich – nicht selber zu beantworten weiß: gilt Rotwein, der doch sonst so gesundheitsfördernd und, das wusste schon meine Großmutter, vor allem  blutbildend ist, inzwischen auch als Dopingmittel? – oder ist dieses Symbol des French Paradox beim abendlichen Boxenstopp ein erlaubtes „remontant“, ein Mittel, das einem, (natürlich mit modération also mit Maßen) wieder auf den Sattel hilft? Vielleicht kann das nach der Tour mal jemand untersuchen.

Dann ist in Olargues auch wieder Ruhe eingekehrt  und die Landstraßen sind wieder das Paradies für ältere Radfahrer  in hautengen Trikots und mit futuristischen Kopfbedeckungen, die in den kühlen Morgenstunden den Col (Pass) hinter Roquebrun erklimmen, um sich auf der langen Abfahrt ins Orbtal wie Eddy Merckx oder Jacques Anquetil zu fühlen (das waren doch hoffentlich Radfahrer?....)

Eine Diskussion über Parallelen zwischen Sport/Doping und Wein verschieben wir auf kühlere Jahreszeiten!




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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Weinrallye
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10 juillet 2007 2 10 /07 /juillet /2007 18:19
weinrallye-200.jpg

Ich starte mit leichter Verspätung, denn wie der Winzerblogger und Initiator dieser ersten Weinrallye schon mitteilte, waren die ersten Beiträge zur soeben aus der Taufe gehobenen Weinrallye, der deutschen Version des Wine blogging Wednesday oder der französischen Vendredis du Vin, schon kurz nach Mitternacht auf der Piste.

Nun, für mich wäre es beinahe ein Fehlstart geworden. Inselweine sind in Frankreich eher selten. ( Inzwischen weiß ich dank Mario Scheuermann, dass es mehrere Inselweine in der Girondemündung gibt - die Weinrallye bildet). Die Weine der Domaine Courtade von der Insel Porquerolle findet man leichter auf der Prowein in Düsseldorf als bei einem hiesigen Cavistes (französische Weinhändler). Weine von Inseln in Binnenseen sind mir nicht geläufig und dann bleibt eigentlich nur noch Korsika, la Corse, l’Ile de la Beauté, die Insel der Schönheit, mit ihrem recht gespaltenen Verhältnis zum französischen Festland.
Von genau dieser Insel glaubte ich noch eine Flasche köstlichen Muskatweins im Keller zu haben, den ich heute pünktlich zur Weinralley und für die zum Essen eingeladenen Besucher öffnen wollte. Das wären zwei Fliegen mit einer Klappe gewesen, ein frischer Beitrag und ein geteiltes Trinkvergnügen.

Leider gab es die erhoffte Flasche nicht mehr – sie muss einem früheren Anlass zu geteilter Freude zum Opfer gefallen sein – und so wollte ich schon fast enttäuscht aufgeben, wäre mir nicht im letzten Moment und ganz hinten unten im Kellerregal eine etwas verdächtige, staubbedeckte Flasche in die Hände gefallen.

Von der Form her fast etwas zu dekorativ, um bei mir gleich Vertrauen zu erwecken, muss es sich um ein Geschenk handeln. Eher die Sorte, die man zwar noch lange gerne als Wasserkaraffe verwendet, über deren Inhalt man aber meist schnell hinweggeht. Aber keine Vorurteile, vielleicht ist dieser Rosé „Viva Corsica“ Mis en bouteille à la propriété, Vin de Corse, Appellation de Corse contrôlée /AOC) von 1999 ja doch etwas mehr Aufmerksamkeit wert.

Immerhin verrät mir das Rückenetikett, dass es sich um einen Wein der Cave Saint Antoine, also einer Winzergenossenschaft, handelt, die sich bei Ghisonaccia befindet. Und diese Kellerei, die 400 ha Weinberge umfasst, hat immerhin auch eine Internetseite, die es sogar in deutscher Fassung gibt, was bei französischen Winzern nicht unbedingt gang und gäbe ist, da sie meist davon überzeugt sind, „die Deutschen“ verstünden eh alle genug Englisch, um auf diese Marketinganstrengung verzichten zu können.

Der Korken war wohl nicht für eine so lange Verschlusszeit gedacht – eher kurz und klein und aus einer Art Pressspänen zusammengeklebt, verschließt er zwar noch dicht, fühlt sich dann aber doch verdächtig krümelig an.


Glas-ros---Corse.jpg

Immerhin ist die Farbe für einen Rosé sogar recht kräftig, der optische Aspekt noch klar. Leichte Fruchtaromen steigen noch aus dem Glas in die Nase und im Geschmack verteidigt sich dieser Wein mit seinen 12,5° noch recht gut. Natürlich fehlt es ihm nach so langer Lagerung (immerhin fast 8 Jahre) an fruchtiger Frische, aber zu einem Barbecue kann man ihn durchaus noch trinken.

Die Rebsorte heißt übrigens  Sciaccarellu und ist eine korsische Spezialität, die aufgrund ihrer geringen Farbintensität gerne für Roséweine verwendet wird.

Vin-Corse-Flasche-Glas.jpg

Und die Flasche mit dem korsischen Kopf im Relief, die laut Webseite tatsächlich als Karaffe vorgesehen ist, wird sicher bei den Gästen heute Abend einen Liebhaber finden, bei dem sie noch lange für Wasser oder losen Wein ihren Dienst tun wird.


125px-Flag-of-Corsica.svg.png



Im Verlauf des weiteren Abends wird es übrigens noch ein  paar andere „Inselweine“ geben, die aber vielleicht keine Gnade vor dem Herrn des Reglements gefunden hätten. Ich habe einen Rolle und eine Cuvée Terrasses von Château Coujan vorgesehen, die ja bekanntlich aus den Überresten einer alten Koralleninsel (Ile de Corail)  aus dem Helvetischen Meer des Jura  wachsen...


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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Weinrallye
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14 juin 2007 4 14 /06 /juin /2007 17:33


Überall in Frankreichs Weinbergen, sind die Winzer emsig zugange, um mit dem diesjährigen atemberaubenden Forschritt der Vegetation Schritt zu halten und um mit all den Problemen fertig zu werden, die das kapriziöse Wetter dieses Jahr mit sich bringt.

Die einen litten schon unter Hagel, die anderen unter dem Wind, wieder andere müssen schon mit dem le falschen Mehltau, kämpfen, die glücklicheren noch nur auf den , Blättern, andere leider schon auf den winzigen Beeren.
Von der Champagne, über die Mitte Frankreichs (mit einem Abstecher in die Schweiz), über Bordeaux und bis hinunter in den Süden, können Sie diese Aktivitäten.verfolgen

Und in Lisson sind wir ebenfalls emsig auf dem Hügel zugange, wenn das Wetter es zuläßt. Wir hatten bisher Glück, keinen Hagel zu erleben . Die Schäden durch Sturm von vor 2 bis drei Wochen, die Rebreiser abbrachen, waren ärgerlich. Wenn man gerade nur 6 Triebe pro Stock übrig gelassen hat und der Wind davon zwei abknickt ... ; Die Triebspitzen, die vom Wind gegen die Drahtspannung in den kleinen Terrassen gerieben wurden, haben sich schon wieder erholt. Alles wächst bisher gesund und die kleinen Regengüsse, die seit Mai einmal die Woche fallen, haben alles ergrünen lassen. Dabei wächst aber auch das Unkraut auf den Flächen, die wir als erste mit der Motorsense getrimmt haben

Klaus-debroussaille.jpg
Klaus ist fast mit dem Sensen der Terrassen fertig, aber er wird wohl noch vor der Weinernte noch einmal in die Arena des Clos des Cèdres hinauf müssen... Ich bin weiter mit dem Ausdünnen und dem Entfernen der Geiztriebe beschäftigt, die Rebsorten sind unterschiedlich: bestimmte Klone des Pinot und der Merlot haben am meisten Seitentriebe.

Gestern habe ich meinen Fotoaparat mitgenommen, um Ihnen die unterschiedlichen Stadien bei der Bildung der kleinen Trauben der verschiedenen Rebsorten, die wir kultivieren, zu zeigen.

pinot-juin07.jpg                 pinot2-juin07.jpg
           












                                                                      Pinot Noir

Für den Pinot (Spätburgunger) haben wir bei der Pflanzung unterschiedliche Klone gewählt, die nach ihrer Fähigkeit, Qualitative Eigenschaften der Rebsorte zum Ausdruck zu bringen, ausgewählt worden waren. Sie sind in Bezug auf Frühreife und Wuchskraft und damit auch Ertragsmenge durchaus noch unterschiedlich.

Mourvedre-juin07.jpg   merlot-juin07.jpg
Mourvèdre                                                                                 Merlot

Ich zeige Ihnen die Rebsorten in der Reihenfolge meines Rundgangs.

Clos-des-C--dres-juin-07.jpg

Clos des Cèdres: im Vordergrund: Merlot, weiter unten: Mourvèdre


Abstieg durch den Clos du Curé der Pinots

Terrasse-Pinot-juin07.jpg

Clos du Curé: Pinot Noir

souche-pinot-juin07.jpg

Rebstock Pinot Noir


und die Cabernets der Échelles - Leitern anschließend, wo ich Klaus und seine Höllenmaschine getroffen habe.



Les Echelles de Lisson

Klaus-a-chaud.jpg

heiß unterm Helm!

Cabernets-Sauvignon-juin07.jpg        cabernet-Franc-juin07.jpg
Cabernet Sauvignon                                


















Cabernet Franc





Chenin-juin07.jpg


Chenin

Selbst Lola, schon größer als auf den Weinbergfotos des letzten Jahres, brauchte eine Pause im Schatten

la-pause.jpg

Lola-a-chaud.jpg    


   Iris-a-chaud.jpg

wir ließen unsere Zungen um die Wette heraushängen ...  





(Sie dürfen raten, wer Sieger wurde!)


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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Arbeit im Weinberg
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11 mai 2007 5 11 /05 /mai /2007 16:11

Korken-2005-bouchons.jpg

Lange angekündigt,  durch den Schlechtwettereinbruch Ende April verhindert, war es jetzt am letzten Wochenende endlich so weit: Meteo France kündigte uns die Rückkehr des lange erwarteten Nordwindes an: La Tramontane, unsere lokale Ausgabe des Mistral und wie immer Garant für ein Hochdruckgebiet mit klarer Luft dank frischem Wind, wie ich es für die Arbeit mit dem Wein und vor allem für die delikate Periode des Abfüllens bevorzuge.

tramontane-Nordwind.jpg


Am Himmel nur ein paar weiße Wolken, die schnell über uns hinweg ziehen, keine einzige Fruchtfliege weit und breit und ein frischer Hauch für den Keller, der es sogar erlaubt, mit offener Tür  und Tageslicht zu arbeiten, ohne ein Ansteigen der Innentemperatur befürchten zu müssen.

embouteilleuse-Abfuellmaschine.jpg


Nah am Eingang steht unsere kleine italienische Abfüllanlage aus Edelstahl, mit ihren 4 Abfüllstutzen. Links davon stehen die Kisten mit den neuen leeren Flaschen, rechts die Handkorkmaschine aus der Schweiz, alles in Allem wider ein internationales Unternehmen, bei dem jetzt der Saft aus den französischen Trauben von deutscher Hand auf Flaschen gezogen wird.

 

KLaus-pompe-pumt.jpg

Von Zeit zu Zeit pumpt Klaus mit der Luftpumpe wieder etwas Druck ins Barrique, der dann den Wein durch die „canne de soutirage“, den „Abzugsstab“  in das Reservoir der kleinen Abfüllanlage laufen lässt. 

canne-de-soutirage-Abfuellstab.jpg

Wir haben uns im Laufe der Jahre gut aufeinander und aus den Rhythmus, den die vier Stutzen erlauben, eingestellt und so ist ein Barrique in einer dreiviertel  Stunde in der Flasche (knapp 300 Flaschen, je nachdem ob es sich um ein Bordeaux- oder ein Burgunderfass handelt).

 

bouchonneuse-Korkmaschine.jpg



Klaus füllt und pumpt, ich setzte die Korken ein und räume wieder in Kisten, die ich dann so stapele, dass die Flaschen erst noch aufrecht stehen, um ein Entweichen eventuellen Überdrucks zu erlauben.

degazage-Luft-ablassen.jpg

Nach 2 Tagen werden die Flaschen dann im Flaschenkeller liegend in die Regale eingeräumt. Da unsere Flaschen leicht konisch sind, werden die Reihen immer abwechselnd geschichtet, das ist etwas mühsam, sorgt aber für die richtige Stabilität.

 

 

repos-Ruheposition-copie-1.jpg

Die liegende Lagerung vor dem Aufsetzen der Steuerkapsel ermöglicht es, eventuelle undichte Korken sofort zu identifizieren, bevor die Kapsel alles verdeckt und die Flaschen in den Karton für die Auslieferung kommen. Und wie schon oft erzählt, erfordert erst der Einsatz der Kapselmaschine den Gebrauch von Strom, also den Einsatz unseres Elektroagregats, um die 220 Volt für die kleine Maschine zur Verfügung zu stellen.

Bei den meisten Kollegen sieht das natürlich anders aus. Viele kleine bis mittlere Betriebe greifen auf den ambulanten Dienst von voll ausgerüsteten Abfülllastwagen zurück, in die der Wein auf der einen Seite hineingepumpt wird, und die am Fließband drinnen vom Filtern über das Abfüllen, Korken, Kapseln und wieder Einpacken alles halb- bis vollautomatisch erledigen, bis hinten die Kartons  versandfertig auf die Paletten gestapelt werden.
Ich habe noch auf der Weinbauschule gelernt, dass sich die Anschaffung einer  eigenen Abfüllanlage erst ab 100.000 Flaschen jährlicher Produktion rentiert, eine Produktion, die ein Weingut in einer französischen Appellation, dass sich an die vorgeschriebenen Höchstmengen für eine Qualitätsproduktion hält, wohl so ab 15 bis 20 ha Anbaufläche erreichen wird.  Ich werde wohl in meinem ganzen Winzerleben bei weitem nicht an diese Zahl heranreichen....

Jetzt müssen nur noch die Etiketten auf den neuesten Stand gebracht werden: Jahrgang und Alkoholgehalt der einzelnen Weine werden ja jedes Jahr geändert,  dazu kommt in diesem Jahr zum ersten Mal der Hinweis, dass die Weine Schwefel enthalten, oder auf gut international: „contains sulphites“, um Allergiker zu warnen. Seit Ende 2005 ist dieser Hinweis in Europa Pflicht für alle Weine, die mehr als 10mg/l totalen Schwefel enthalten

Da unsere Weine des Jahrgangs 2005 diesmal mit einem Gehalt von 12 bis 23 mg/l über diesem Wert liegen, werden wir den Satz aufs Etikett nehmen. Schade, dass man nicht vorschreibt, dass dann auch die tatsächlichen Analysewerte aufgeführt werden, denn da gibt es himmelweite Unterschiede. Erlaubt sind für Bio-Rotweine  - auch solche mit Demeterzertifikat - 70mg/l, für Likörweine sogar bis zu 200mg/l – für alle übrigen schreibt Europa 160mg/l bzw. 400mg/l  als Höchstmengen vor. 


Schade, dass die Regelung wieder nicht im Sinne einer besseren Transparenz gefasst wurde.

rincage-spuelen.jpg

Unsere Kellerarbeit endet, wie so oft, mit dem großen Spülen, ehe die Fässer für die nächste Ernte eingelagert werden.


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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Kellerarbeit
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4 mai 2007 5 04 /05 /mai /2007 16:58
Ich hätte meine Eindrücke auch für die dritte Ausgabe der vendredis du vin (die französische Ausgabe des "wine bloging wednesday") Ende Mai, zurückhalten können, die der neue „Präsident für einen Monat“ Emmanuel Delmas von blog Sommelier-Vins.com den „Vins de Femmes“ = Weine von Frauen, gewidmet hat.

Denn an der Spitze von Château Coujan, wo ich einen sehr angenehmen Abend mit Verkostung sowohl im Keller als auch während des anschließenden ausgezeichneten Essens verbracht habe, befindet sich seit 1990 eine Frau: Florence Guy, fünftes Glied der Winzerfamilie Guy auf Coujan und Tochter von François Guy, einer der bedeutendsten Persönlichkeiten in der Geschichte des Weinbaus im Languedocfür die letzten 50 Jahre. (Für die, die auch meinen französischen Blog lesen, Sie erinnern sich vielleicht? „François Guy de Château Coujan, grand homme du vin et précurseur des cépages nobles dans la région avec ses Vins de Pays Cabernet-Merlot, ses Mourvèdres de sa propre sélection massale était notre premier idole...“)

So kam ich also Montag am späten Nachmittag über die kleine Straße von Murviel, die durch die sanften Hügel auf die Ländereien des Château führt (100 ha, davon 65 mit Weinreben bepflanzt). Kurz davor überraschten mich wunderschön blühende Felder - diese wogenden lila Blumen, die ich erst für Disteln hielt, stellten sich später als Phacelia heraus, eine schöne Illustration dessen, was man hier Bienenbrachen nennt.

phacelie.jpg

Unter den beeindruckenden Platanen auf dem Vorplatz des Herrenhauses von Coujan wartet schon eine Gruppe von deutschen Weinliebhabern aus Hamburg, die hier auf ihrer 5. und letzten Etappe einer Winzerrundreise im Languedoc angekommen sind. Sie sind in Begleitung von Torsten Tesch, dem rührigen Weinhändler und Traiteur, durch den sie schon viele Weine der Gegend in seiner Weinbar « Guter Wein » in Eppendorf, einem guten Wohnviertel der Hansestadt, kennengelernt haben.

Florence Guy, die ich seit unserer gemeinsamen Zeit auf der Weinbauschule in Béziers in den 80ziger Jahren kenne, hat mich zur Hilfe gerufen, um während der Kellerbesichtigung und Verkostung als Übersetzerin zu fungieren.

Wir folgen François Guy, immer noch so faszinierend und schelmig, trotz seiner fast 90 Jahre, zunächst in die romanische Kapelle des Gutes, wo ein Teil des römischen Mosaiks untergebracht ist, das hier vor Jahren beim Arbeiten auf dem Vorplatz ausgegraben wurde. Dieses Mosaik ist, auch wenn es mit seinen schwarz-grau-weißen geometrischen Formen nicht an Abbilder von Trinkgelagen aus Herkulaneum heranreicht, doch der Beweis, dass hier eine römische Villa, gestanden hat. Man kann sich den römischen Würdenträger vorstellen, der hier, wie im Prospekt von Coujan angedeutet, "verführt von der Landschaft, in der Weinberge, Olivenhaine und Zypreen eine Mittelmeerlandschaft von florentinischem Charme bilden" seinen Wohnsitz wählte..
Ein Teil der Kapelle stammt aus dem 11. Jahrhundert - da sie nicht als Baudenkmal klassifiziert wurde, obliegt die Renovierung den Besitzern.


chapelle-coujan.jpg

Wieder im Freien, empfängt uns der Chor der Pfauen,

paon.jpg

die hier zahlreich frei in Park und Weinberg leben und jeden Gast mit ihren, leider im Vergleich zu ihrer äußeren Schönheit eher abschreckenden Schreien empfangen und begleiten. François Guy erklärt uns vor dem Keller das besondere Terroir des Gutes: eine Insel versteinerter Korallen, ein ehemaliges Atoll des Helvetischen Meeres aus dem Jura, dessen röhrenförmige Struktur dem Boden sein fantastisches Drainagepotential gibt und gleichzeitig hilft, bei großer Hitze genügend Frische aus dem Untergrund wieder hervorzubringen.

corail.jpg

Anschließend treten wir ein in die Kühle des Kellers, der mit seinen zu beiden Seiten aufgereihten Fassreihen schon fast einer Kathedrale ähnelt: Eichenfuder von 210 hl Inhalt, das sieht man selbst im Languedoc nicht mehr oft. Am Eingang steht beiläufig eine alte Kutsche und erinnert an die Zeit der Marquis, der Herzöge. Im Hintergrund eine Ansammlung von merkwürdigen "Öfen", die sich als Geräte für die Fabrikation von heißem Dampf herausstellen, mit dem die Fässer desinfiziert und das Holz feucht gehalten wurde. Alle Fuder werden nicht mehr gefüllt, da für ihre Reperatur inzwischen das notwendige Fachpersonal in der Gegend fehlt (auch Küfer ist ein Beruf, der nicht mehr so vertreten ist, wie noch vor 100 Jahren).

cave-coujan-copie-1.jpg

Auf dem Gut wird eine breite Palette von Rebsorten angebaut : Die der : AOC Saint Chinian - Mourvèdre 17 ha, Grenache 9 ha, Syrah 7 ha, Cinsault 7 ha, aber auch Merlot, Cabernet Sauvignon, Rolle und Sauvignon Blanc für die vins de pays - die Landweine.

gamme des vins Château Coujan

Die Cabernet- und Merlottrauben stammen von echten vieilles vignes - alten Reben, weil François Guy schon vor über 40 Jahren ein Vorreiter des Qualitätsanbaus war, der auf den Böden von Château Coujan, lange bevor die Gurus des örtlichen Weinbaus über qualitätsverbessernde Rebsorten nachdachten und bevor der warme Regen der europäischen Subventionen auch die anderen Bauern ermutigte, das "Risiko" auf sich zu nehmen, etwas anderes als den Massenweinbau zu betreiben, bei dem lange Quantität mehr Ertrag brachte als Qualität.

Dégustation Château Coujan 2007



Wir verkosten also zunächst die Palette der AOC Saint Chinian, aus Syrah, Grenache und Mourvèdre mit der Cuvée Bois Jolie und der Cuvée Gabrielle de Spinola (welch ein Genuß, François Guy aus dem offiziellen notariellen Vertrag rezitieren zu hören, der vor Jahrhunderten zwischen der edlen Marquise de Spinola und ihrem Pächter auf Coujan abgeschlossen wurde und diesen verpflichtete, jedes Jahr ein Fass vom feinsten Rotwein des Gutes nach Murviel zu bringen, wo dieser besondere Wein auch dem König von Frankreich ausgeschenkt wurde, wenn er auf seinen (seltenen) Besuchen beim Landadel, hier Station machte!) Wir kosten Weine voller Frucht, aber auch mit ausgewogenen Tanninen, die uns jetzt schon gut schmecken, obwohl sie auch noch einige Jahre lagern können



Le Divin d'Achille 2006

Anschließend folgen dieVins de Pays, cuvée Kenza-Marie 2003, ein Mischsatz aus Merlot, Cabernet und Mourvèdre, noch etwas eckig und vom Holz des Ausbaus in 600 l Eichenfässern beeinflußt – sein Vorgänger, der Vins de Pays de Coteaux de Murviel 1998, zeigt sich da schon zahmer und macht Platz für den Ahnherrn dieser Cuvée, von dem es tatsächlich noch einige seltene Flaschen zu kaufen gibt, den Jahrgang 1977, ein Wein, der sich hervorragend gehalten hat, wie es sich für einen Wein, der die Zusammensetzung eines Saint Emilion (70% Merlot, 30% Cabernet) hat, gehört, ein Genuß durch seine verschmolzenen Tannine und seine delikaten Frucht- und Tertiäraromen.

Und jetzt hätte ich beinahe vergessen, auch von den Weissweinen zu sprechen, Weiße von lebhafter Frische und voller Bouquet, als AOC die cuvée Bois Jolie aus den Rebsorten Rolle (Vermentino), Grenache blanc und Roussanne und die neue Cuvée Le DiVin d'Achille, die dieses Jahr aus Trauben von Sauvignon und Muscat geboren wurde. Der AOC Saint Chinian rosé mit seinen originellen Noten roter Beerenfrüchte und dem Duft der Garrigue (Strauchheide) erfrischt uns. Schließlich folgt noch ein Süßwein aus edelfaulen Beeren, wie in Sauternes, (Ertragsmenge 5hl/ha), der nicht jedes Jahr eingebracht werden kann und Aromentiefe, Süße und Lebhaftigkeit verbindet, die Dernière Cueillette, letzte Ernte, die im November erfolgte - und die hierzulande nicht als "Spätlese" bezeichnet werden darf, da diese Name nach dem Gesetzt nur den Weinen aus dem Elsass vorbehalten ist - auch eine Form von innerfranzösischem Protektionismus.

derniere-cuillette.jpg


Eine Verkostung eines Löffels mit Olivenöl des Gutes schließt den Aufenthalt im Keller ab und hilft so, die Kehle wieder geschmeidig für das Mahl zu machen, das uns noch bevorsteht. Francois Guy erklärt noch den Unterschied zwischen "jungfräulichem" und "un-jungfräulichem" Öl, bevor wir zurück zum Haupthaus schlendern, um das herum die Pfauen inzwischen ihre Plätze in den Bäumen und auf den Dächern eingenommen haben, wo sie sicher die Nacht verbringen werden.

Wir treten in den von Gewölben überdachten nach innen offenen Hof des Herrenhauses, wo uns weiß gedeckte Tische erwarten, um hier noch einmal während der folgenden Winzermahlzeit mit regionalen Spezialitäten die ganze Palette der Weine des Hauses "in situ" zu testen und zu genießen.

coujan-la-voute-a-table.jpg

Hier wird nicht mehr heldenhaft gespuckt, wie zuvor im Keller, sondern voll genossen produits fermiers de la région regionale Produkte aus dem Umland werden uns mit Charme von Florence Guy und ihrem jungen Sohn Achille serviert.

Florence-et-Achille.jpg

Die Austern kommen aus dem Binnensee von Thau, an der Mittelmeerküste bei Sète und werden vom Rolle begrüßt. Die großzüg servierten Wurstwaren, Bergschinken, Pâté, Boudin( Blutwurst) und Hartwürste, stammen aus Lacaune, einer kleinen Stadt auf der Hochebene der ersten Cevennenausläufer im Hinterland und passen hervorragend zum Rosé, der grüne Spargel und das Mesclun von jungem Salat brauchen nur ein paar Tropfen hauseigenes Olivenöl und ein paar Spritzer Hausessig, um zusammen mit den anderen Weisweinen des Hauses unseren Gaumen zu erfreuen.


feu de grillade

Im Innenhof, vor der rustikalen Sommerküche verglühen langsam ein paar mächtige alte Rebstöcke, um die Glut zu erbringen, auf der dann dicke Scheiben der Lammkeule "à point" gerillt werden, ein "agneau fermier", so zart, so saftig und so geschmackvoll, wie ich es lange nicht mehr auf dem Teller hatte (das letzte Mal vielleicht bei meinem Kollegen Thierry Navarre in Roquebrun bei einem Abschlußessen unter Winzern zum Ende der Weinernte).Ratatouille und in kleine Würfel geschnittene hausgemachte Bratkartoffeln mit würzigen Kräutern runden das Vergnügen ab – und hier sind die Rotweine an ihrem Platz.


plâteau de fromage repas Château Coujan 2007

Die Käseplatten versammeln eine schöne Auswahl von lokalen Ziegenkäsen unterschiedlicher Reife rund um einen "Bauernroquefort", der schön fett und mit dem so köstlichen Pilz durchzogen noch einmal begeistert. – hier ist L’Ile de Corail an ihrem Platz, diese Cuvée, die nur in den besten Jahrgängen erarbeitet wird, und dann ausschließlich aus Mourvèdretrauben, die sich als empfindliche Traubensorte nur unter idealen Bedingungen voll entfalten.

Florence-Guy-Corail.jpg

Die bauchige Flasche mit dem Siegellack statt einer Kapsel und dem schmalen, eleganten Etikett um den großzügigen Bauch wird von Florence präsentiert, die stolz ist, dass ihr Baby alle Tischgenossen noch einmal begeistert. Es folgt noch eine Auswahl von Tartes, diesen typischen französischen Obstböden, hausgemacht auch sie und begleitet von einem letzten Glas Dernière Cueillette, das die Gesellschaft inspiriert, zu Ehren ihrer Gastgeber und zum Dank ein sanftes deutsches Wiegenlied anzustimmen, bevor ein letzter Café allen wieder genug Schwung gibt, um von diesem gemütlichen Innenhof Abschied zu nehmen, in dem jetzt der betörende Duft der Blüten schwebt, den sie nur nachts verströmen...


Fleur

Der Mond steht schon hoch am Himmel, als drei Großraumtaxis unsere Hamburger zurück nach Beziers zur letzten Nacht in einem Landstrich bringen, wo sie 4 Tage gesehen haben, dass "Leben wie Gott in Frankreich" kein leeres Wort ist!


Ich schlage das freundliche Angebot, auf dem Gut zu übermnachten aus (obwohl ich dabei vielleicht die schöne Ferienwohnung , den gîte rural von Coujan hätte ausprobieren können) und mache mich auf den Rückweg nach Hause, 45 km entlang des Orbtals über Roquebrun nach Tarrassac und nach Olargues, und wieder zurück in unserem verwunschenen Tal von Lisson. Es war schön, einen Abend in angenehmer Gesellschaft an diesem magischen Ort verbracht zu haben, an dem immer noch drei Generationen der Familie Guy vereint zusammenleben und uns die Früchte ihrers Engagements, ihre Weine mit so viel Liebe und Begeisterung nahebringen.

Francois-et-Florence-Guy.jpg




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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Essen und Trinken
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24 avril 2007 2 24 /04 /avril /2007 16:31
Raten Sie, welche alten Jahrgänge von Lisson da gestern abend mit so viel Engagement verkostet (und natürlich auch zum Essen getrunken) wurden.

Verkostung.jpg

cliquez ici

Leider fehlt die Tonspur, aber vielleicht könnte man das Ganze mit ein paar Sprechblasen ergänzen...
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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Essen und Trinken
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25 mars 2007 7 25 /03 /mars /2007 18:04

Gestern Abend, zwischen den Wolkenfetzen, die der langsam nachlassende Sturmwind der letzten Tage noch über den Himmel trieb, konnte man dieses schöne « Croissant de  Lune »  (Mondhörnchen) wie der Franzose dazu sagt, am Himmel sehen. Klaus hat es für Sie aufgenommen.

 

"Croissant de Lune" Ende März

Welche Überraschung dann heute Morgen – nicht nur hatte die Uhr auf Sommerzeit gewechselt (und diesmal hatte ich gestern nichts davon gehört, obwohl sonst doch immer auch für den letzten „Dummen“ erklärt wird, ob man die Uhr nun eine Stunde vor oder eine Stunde nachstellen soll). Nein, zu allem Überfluss stand da auch keine strahlende Sonne am Himmel, um die Sommerzeit namensgerecht einzuläuten, sondern draußen erwartete mich ein grauer Tag und die Gipfel des Berges gegenüber waren noch einmal schneebedeckt.

 

„La Femme Couchée – Die liegende Frau“


Ich nenne diesen Berg „La Femme Couchée – Die liegende Frau“ – auch wenn andere diesen Namen eher dem Caroux zuordnen, bestehe ich doch auf meiner Interpretation der großzügigen Rundungen, die ich täglich beim Aufstehen schon an unserem nördlichen Horizont sehe. Nach der Legende handelt es sich um Cebenna, eine Tochter der Titanen, die sich dort aus Liebeskummer niederlegte und zu Fels erstarrte. Und dort, wo sich ihre Haarpracht erstreckt, kann man noch ihren goldenen Kamm finden, den Schatz, der dem bestimmt ist, der am richtigen Tag dem Strahl des Regenbogens folgt. Dort, wo er die Erde berührt, liegt der Schatz.

 

Hoffen wir also, dass der Frühling bald wieder zurückkommt, mit seiner Sonne und den leichten Schauern, die die Regenbögen an den Himmel zaubern. Und wenn ich beim Abschluss des Winterschnitts oben auf meinem Hügel den Ort sehe, wo einer den Boden berührt, werde ich ein Bild für Sie machen. Beim nächsten Besuch in Olargues nehmen Sie ihr tragbares GPS auf die Wanderung mit, mal sehen, ob Sie nicht mit einem Schatz zurückkommen!

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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Strandgut
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21 mars 2007 3 21 /03 /mars /2007 18:02
Wochenlang konnten wir uns über den "Jackpot" auf der Meteo-Seite freuen: die vielen großen Sommen und die daraus folgenden strahlenden Tage waren ideale Arbeitsbedingungen für den Weinberg.


Der Frühling kündete sich mit Macht an, die Bäume schlugen aus, die ersten Blüten verströmten ihren betörenden Duft, die Igel verbrachten animierte Nächte rund ums Haus, die ersten Eidechsen sonnten sich auf den Mauern und beom Schneiden mußte ich von Zeit zu Zeit einen Marienkäfer verscheuchen, der der Klinge meiner Rebschere zu nahe kam.

Die Kollegen Winzerblogger veröffentlichten die ersten Fotos von sich öffnenden Rebknospen und saftstriefenden Schnittwunden (der Wein "weint" - la vigne pleure).

Und dann, pünktlich zum offiziellen Frühlingsanfang: patatrass!!! Temperatursturz, eisige Winde wehn von Norden, fallen in stürmischen Böen über uns her und bringen von der weiß bedeckten Hochebene gegenüber weiße Flocken und Schneegriesel mit.

Nun, uns kann's recht sein. Wir nutzen die letzten zwei Tage, um schön im Warmen die nächste Flaschenabfüllung vorzubereiten.

Nachdem der Jahrgang 2004 aufgrund der schlechten Witterung im Monat August unseren Qualitätsansprüchen für einen LISSON nicht entsprach, ist es besonders schön, jetzt die Abfüllung des Jahrgangs 2005 ankündigen zu können.


Da müssen die Flaschen bestellt werden, die Korken mit dem Lisson-Logo und dem Jahrgangsstempel, die Kartons. Demnächst werden wir die neuen Etiketten vorbereiten, die dann später aus den Farbfotokopien von Hand ausgeschnitten werden, für's Krönchen am Ende mit der Nagelschere. Und da wir keine Großkunden mit breiten Zufahrten und Verladerampe sind, ist es immer ein rechtes Vabanquespiel, zu wissen, ob die einzelnen "Zutaten" auch alle zusammen pünktlich in Lisson versammelt werden können. Unsere Erfahrungen mit Transporteuren sind lang und kompliziert - 14 Tage bis zur Auslieferung aus der nächsten Großstadt sind keine Seltenheit. Die DHL-Reklame ist für mich nur Spott und Hohn...

Wichtig war es auch, jetzt schnell unsere neue Broschüre mit dem



zusammenzustellen.  Wir bieten sie unseren Kunden nach Wahl entweder als PDF Dokument per Email oder ganz klassisch auf Papier per Post an. Wer vor dem 15. April bestellt und schon zahlt, kann von einem kleinen Rabatt pro Flasche profitieren.
 


Jedenfalls ist es bald vorbei mit dem beschaulichen Leben, dass die Weine während der letzten 18 Monate in den Tiefen unseres Kellergewölbes geführt haben. Ein wenig ähnelt es auch immer einer Geburt.




 


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Published by Iris Rutz-Rudel - dans weingut-lisson
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Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

Begleiten Sie mich also auf dem Weg durchs Winzerjahr. Hinterlassen Sie Ihre Kommentare oder stellen Ihre Fragen, damit aus diesem Blog ein lebendiges Kommunikationsmittel wird.

Ihre Iris Rutz-Rudel


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