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9 mars 2008 7 09 /03 /mars /2008 17:37

Nach der schönen und vor allem prompten Zusammenfassung der Alltagsweinrallye (Nr. 9) durch den Themengeber Harald Steffens vom Weingut Steffens-Kess folgt auch schon die Ankündigung der nächsten Herausforderung für die immer zahlreicheren Rallyeteilnehmer: Christoph Raffelt von originalverkorkt wünscht uns etwas Leichtes und Spritziges im Glas und fordert uns auf, die Rebsorte Chenin Blanc als unbekannte Vielfalt zwischen Kult- und Massenwein zu entdecken.

Für ihn
fristet Chenin Blanc, im Gegensatz zu anderen klangvollen französischen Rebsorten,  eher ein Schattendasein. Um dies ein klein wenig zu ändern und die Traube neu zu entdecken, wählt er sie als Thema der 10. Weinrallye.  

Nun, in Lisson ist der Chenin keine ganz unbekannte Größe. Um ein wenig ins Thema einzuführen und einen kleinen Vorgeschmack auf die Weine meiner Lieblingswinzer aus dem Loiretal zu geben, habe ich  aus den Archiven der französischen Ausgabe des Lisson-Blogs zwei Artikel über unseren Chenin herausgesucht. 

Vor etlichen Jahren hatten Claude und ich ein paar im Mourvèdre hinterm Haus verstreute Pfropfunterlagen dazu genutzt, um sie mit Chenin zu veredeln.  Wir wollten so im eigenen Experiment herauszufinden, ob die Rebsorte z.B. unseren Gobeletschnitt verträgt, wie die Trauben in unserem Klima reifen und ob sie, im Gegensatz zum Mourvèdre, während des Wachstums ein Stützsystem in Form von Drahterziehung oder individuellen Pflählen (wie beim Pinot)  benötigen oder nicht.

Langfristiges Ziel war die Pflanzung einer kleinen Parzelle ganz oben auf unserem Hügel (in 300 m Höhe), da, wo der Nordwind weht und vielleicht eine langsamere Reife ermöglicht, damit wir in gesundem Klima Trauben als raisins passerillés (Trockenbeeren) für einen Weißwein mit natürlichem Restzucker, wie an der Loire, ernten können. Chenin bietet dabei mit seinem hohen natürlichen Säuregehalt eine bessere Chance als z.B. Chardonnay oder die klassischen Weißweinsorten des Südens, trotz unseres heißen Klimas noch genügend Rückrat zu behalten. 

Außerdem kann man solche Weine auch in einem Betrieb wie Lisson Weißwein erarbeiten, wo bei der Weinbereitung auf externe Energie für Kühlen oder Aufheizen der Maische komplett verzichtet wird. Getreu unserer Devise: lieber slow mit no Watt - also garantiert ohne die technischen Hilfsmittel der Temperaturkontrolle, bei der oft nur Weine mit uniformen Primäraromen herauskommen. 

Hier also eine schöne Chenintraube aus der Ernte vom 30. September 2005. Diese Trauben muss ich jedes Jahr im letzten Moment vor den Erntehelfern schützen, die im Eifer des Gefechts gerne Alles abschneiden, was noch an den Stöcken hängt und so die kostbaren Trauben in den Kisten mit dem Mourvèdre verschwinden lassen könnten. Auch Klaus gehört nicht zu den Fans meiner Experimente,  er ist kein Freund der bauchigen Glasflaschen mit meinem "Weißwein", die oft genug im Ausguss enden, weil ich doch den Zeitpunkt verpasst habe, an dem ich sie hätte abziehen müssen, um sie vor der Gefahr einer  drohenden Oxydation zu bewahren, die umso größer ist, je kleiner die verarbeiteten Mengen in zu großen Gefäßen sind. Ich weiß heute, dass ich auch mir bei Mikrovinifizierungen Grenzen gesetzt sind. 

 
Wenn ein oder zwei Kisten mit den kostbaren Trauben gerettet werden konnten, folgt die zweite Hürde. Da es ja hier um eine Weißweinbereitung geht, muss sofort gekeltert werden. Unsere Presse wäre zwar für die meisten Winzerkollegen schon eine antiquarische Winzigkeit, aber hier erweist sie sich noch als viel zu groß. Vor allem für Trauben, die fast mehr Zucker als Wasser enthalten

Zum Glück können wir auf das Miniaturmodell einer vertikalen Korbpresse eines guten Freundes zurückgreifen. 
 

Aber auch damit war es noch ein schwieriges Unterfangen. Schließlich habe ich in zwei Durchgängen gepresst. Zunächst, wie für meine anderen Rebsorten mit den Rappen (Stiehlen), anschließend, angesicht der geringen Saftausbeute ein zweites Mal, nachdem ich zuvor jede einzelne Traube von Hand entbeert habe. 

Und 2005 folgte darauf sogar noch ein dritter Durchgang mit meiner kleinen Zitronenpresse - um noch ein paar Gläser mehr zu erhalten!

Der zweite Pressvorgang ohne Rappen ergab natürlich mehr Trübstoffe im Saft - das ist einer der Gründe, warum wir bei Rotweinen auf das Entrappen verzichten, da sie im Tank und vor allem auf der Presse einen natürlichen Filter bilden und so ein von Anfang an klarerer Saft in die Fässer fließt. Allerdings sind auch bei der Rotweinbereitung eventuelle Tannine aus den Rappen nicht so tragisch - vorausgesetzt, diese waren bei der Ernte ebenfalls gut gereift

 

2005 ergab diese Mühe dann die freudige Überraschung : Saft mit 17° potentiellem Alkohol.

Da kann ich nur doppelt bedauern, dass die Alea des Lebens mich bisher daran gehindert haben, die geplante, gerodete und für eine Pflanzung Anfang 2001 schon vorbereitete Parzelle wirklich zu bepflanzen...

 
2006 hatten wir übrigens das hier seltene Vergnügen die Chenintrauben komplett mit Edelfäule (botrytis cinera), wie im Sauterne, zu ernten - leider war die Menge noch kleiner als 2005. Und 2007 war die Fäule dann leider nicht mehr edel, als ich die letzten Stöcke ernten wollte:-(.

Inzwischen habe ich auch die Erkenntnis, dass die Sorte unbedingt eine gestützte Erziegung benötigt, wenn man sie in unserem dauerbegrünten Weinbergbei feuchter Witterung nicht der Gefahr durch Staunässe am Boden aussetzen will.  Ein kurzer Rebschnitt ist allerdings durchaus möglich.

Conclusion: Aus der Traube des Chenin kann durchaus auch etwas anderes als leichte, spritzige Weine machen - so das Klima mitspielt. Und für Restsüße muss man nicht in den Zuckertopf greifen. Kollegen, wie die Winzer, die in der Association Sapros zusammengeschlossen sind, haben das mit ihren natürlich konzentrierten Weinen überzeugend bewiesen. 
 
Meine eigenen Versuche sind allerdings bisher nur von partiellem Erfolg gekrönt worden (siehe oben). Deshalb werde ich für die 10. Weinrallye am 10. April mit Vergnügen eine Fremdflasche aus den Vorräten meines Keller holen und hier vorstellen - auf die Fundstücke der anderen Blogger - auch aus dem internationalen Raum -  freue ich mich jetzt schon:-) - an Christoph geht der Dank für das anregende Thema!


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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Weinrallye
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8 mars 2008 6 08 /03 /mars /2008 10:00

undefined11 % Alkohol - als Rebsorte 100% Oeillade (eine, auch als Tafeltraube geschätzte Spielart des Cinsault), der leicht durch die Kehle rinnt, das ist der Inhalt dieser Flasche Ubac du Domaine Beau Thorey  , der von Christophe Beau, einem erfindungsreichen und engagierten Winzer im biodynamischen Anbau, 2005 in Corconne, Pic Saint Loup, im Gard erzeugt wurde.

 


 Auch mit seinem Preis von 5 € ab Gut dürfte er sich durchaus als "Alltagswein" qualifizieren.

 

Ein wirklich süffiger Wein, den ich serviere, wenn ich weiß, dass mein Gast tanninreichere Weine nur mit einer Grimasse herunterschlucken würde. Ein Wein voller frischer Frucht, weich und geschmeidig, der keinen Widerstand im Mund bietet und sehr gut die Spaghetti am Mittag, eine Wurstplatte, ein Hühnchen, ein Kottelet oder ein Steak begleiten kann, eben die schnelle Alltagsküche

 

von eher heller Farbe

Dazu hat man noch die Garantie, dass dieser Wein nach byodynamischen Methoden angebaut und ohne Zusatz von Fremdstoffen zubereitet wurde, also rundherum eine bekömmliche Angelegenheit.

Persönlich ziehe ich eine andere Cuvée von Beau Thorey vor, die  bella para 2004, 8 € , die durch mehr Materie überzeugt und so auch einen längeren Abgang hat, aber ich freue mich, dass ich mit dem Ubac doch noch einen Wein in meinem Fundus hatte, der wohl der Vorstellung von einem Alltagswein entsprechen könnte, so man denn alltäglich Wein trinkt, über den man nicht weiter nachdenkt (und der gerade deshalb manchmal so gefährlich ist, denn da trinkt man gerne im Eifer einer Diskussion ein oder zwei Glas mehr)!

Übrigens eher eine deutsche Eigenart. Während es zum french paradox wohl auch viel beiträgt, dass nach meiner Erfahrung bei Tisch nach Abschluss des Menus mit Käse und Nachtisch meist noch ein Café serviert wird (allenfalls ein pousse café bei besonders konsistenten Mahlzeiten, also ein kleines Glas Alkohol, das die Verdauung anregen soll) und dann auch noch stundenlang bei Wasser weiterdiskutiert wird (bzw. aufgebrochen, da häufig ja auch das Essen schon Stunden vom ersten bis zum letzten Gang gedauert hat), war und bin ich immer  noch erstaunt, bei deutschen Gästen zu sehen, dass munter weiter Wein getrunken wird, solange noch irgendwo etwas in einer Flasche ist....

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Aber zurück zu meinem Winzer: schauen Sie sich auf der Webseite von Christophe Beau um - es gibt da auch eine Erläuterung seines Projekts eines etruskischen Weinbergs und sogar die Möglichkeit, Mitbesitzer einiger Rebstöcke zu werden.


 

 

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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Weinrallye
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8 mars 2008 6 08 /03 /mars /2008 00:00

undefinedDie Franzosen verzichten zum Essen immer häufiger auf ihr Glas Wein und trinken statt dessen Wasser oder andere alkoholfreie Getränke.

So ist der Konsum von 135 L/pro Kopf im Jahr 1960 kontinuierlich auf 75,6 L im Jahr 1994/95 und auf 66,6 L pro Kopf der Bevölkerung  im Jahr 2005/2006 (in der Altersgruppe über 14 Jahre) gesunken (siehe auch hier).

Während noch 1980 Wein und Wasser bei der Hälfte aller Malzeiten getrunken wurden, ist das heute nach einer aktuellen Studie der Universität von Montpellier nur noch bei einem Viertel der Fall.

Selbst im Restaurant hat Wasser in Flaschen (früher bestellte man eigentlich immer das kostenlose Pichet, den Krug mit dem Leitungswasser)  schon weitestgehend den Platz des Weins eingenommen, Wein gilt als teuer und als ein Risikofaktor bei Alkoholkontrollen. Und selbst zu Hause ersetzt die Wasserflasche heute den Wein auf vielen Tischen.

Während 1980 noch 47% Leitungswasser und nur 24% Mineralwasser (oft ohne Kohlensäure) zum Essen getrunken wurde und der Wein auf 50% kam,  war dieser Prozentsatz in der letzten Viniflhor Studie von 2005 schon auf 27% gesunken. Gleichzeitig mit dem Wasser ist auch der Anteil der Erfrischungsgetränke ohne Alkohol  (Limonaden, Fruchtsäfte, Cola und Sirup-Getränke) von 5 auf 14% gestiegen. Wenn man dazu noch weiß, dass Wein vor allem in der Gruppe der über 35 Jährigen als regelmäßiges Getränk geschätzt wird, kann man sich auch vorstellen, welche Geschmacksrichtung in den jüngeren nachwachsenden Generationen durch diesen Trend gestärkt wird. Selbst die Zahl der Konsumenten, die angeben, regelmäßig alkoholhaltige Getränke zu trinken, ist zwischen 1990 und 2005 von 28% auf 19% gesunken.

Der Anteil der regelmäßigen Weinkonsumenten nimmt von Generation zu Generation ab, schon heute gehören die 30 bis 40 Jährigen nur noch zu den gelegentlichen Weintrinkern, die 50 bis 60 Jährigen sind die Hauptkonsumenten und die über 70 Jährigen die einzige Gruppe, die noch regelmäßig Wein zum Essen trinkt.

Studien gehen davon aus, dass sich der Geschmack zwar im Laufe des Lebens wandelt, so dass aus bis 25 Jährigen, die überhaupt nicht zu den regelmäßigen Weinkonsumenten zählen, durchaus noch gelegentliche Konsumenten werden können, zu regelmäßigem Weinkonsum wurde aber der Grundstein nicht mehr gelegt. 

Immerhin kann man daraus ableiten, dass der Weg in den Alkoholismus nicht durch Weinkonsum bestimmt wird
.


Bei den über 25 Jährigen wird Wein eher zu gehobeneren, geselligen Malzeiten im Freundeskreis gewählt (27%), der meiste Wein wird aber immer noch als Begleiter für die tägliche Mahlzeit erstanden.  Dabei ist allerdings zu bedenken, dass auch diese tägliche Mahlzeit im Familienkreis immer seltener wird – auch in Frankreich sind Fastfood und Fertigprodukte, die sich jeder individuell aus der Tiefkühltruhe in die Mikrowelle schaufelt und dann vor dem Fernseher (oder Computer)  wegschlingt, im Vormarsch.

Der zunehmende Einfluss der Anti-Alkohol-Lobby (ANPAA) , die schon seit Beginn der 90ger Jahre an Boden und staatlicher Unterstützung gewinnt, wird diese Situation nicht verbessern. Schon Anfang 1991 wurde das nach seinem Verfasser, Claude Evin, benannte Gesetzt (Loi Evin) zum Kampf gegen Tabak- und Alkoholsucht  verabschiedet, das genau bestimmt, innerhalb welchen Rahmens eine Werbung für Getränke, die Alkohol enthalten, erlaubt ist und alle anderen, nicht ausdrücklich genannten Werbeträger ausschließt. Internet war 1991 noch nicht populär genug, um in die Reihe der genannten Werbeträger aufgenommen zu werden, was in den letzten Wochen zu einiger Unsicherheit auch unter Weinbloggern in Frankreich geführt hat, ebenso wie die Verurteilung einer großen Zeitung, die eine Artikelserie über den „Triumpf des Champagners“ veröffentlicht hatte, die als verbotene Werbung durch Glorifizierung eingestuft worden war, zu Protesten in der nationalen und internationalen Presse führte.

Schaut man zusätzlich auf die Ausgaben der französischen Haushalte (hier eine Aufstellung von 2004), so sieht man, dass preislich die Durchschnittsausgaben pro Liter mit 2,69 € auch nicht wesentlich über denen deutscher Konsumenten liegen.  Es wird angenommen, dass  dabei  Importweine im Preissegment unter 1 € mit 30% zu Buche schlagen, vermutlich handelt es sich um spanische und italienische Importe (was dann auch wieder erklärt, dass der Zorn der militanten Winzerkommitees aus dem Languedoc sich gerne in Sète (dem Einfuhrhafen für solche Importe in Containern) entlädt...

Soweit zum Thema Alltagsweine in Frankreich. Das sie, wie in Deutschland, hauptsächlich in Supermarkt- und Diskounterketten gekauft werden, wo auch die praktischen BIBs einen immer größeren Marktanteil erreichen, kam ja schon bei der vorletzten Weinrallye - alles außer Glas - zur Sprache.

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Ich gehöre, obwohl nicht mehr unter 25, nicht zu den täglichen Weintrinkern. Mein Geschmack hat sich im Laufe der Jahre immer mehr weg vom leichten, süffigen Wein hin zu körperreicheren Kredenzen hinbewegt . Ich trete gerne in einen Dialog mit dem Wein ein, der sich in meinem Glas befindet, möchte, dass er mir etwas erzählt, von seiner Herkunft und seinem Erzeuger, das mich berührt und beschäftigt, zum Nachdenken und Träumen bewegt. Deshalb ist mein Wein immer ein besonderes Ritual, ein Zusammentreffen mit einem neuen (oder alten) Freund, für das ich mir Zeit nehme, also kein alltägliches Ereignis...

Dass ich damit den Absatz meiner Kollegen nicht unbedingt erhöhe, ist mir klar...

Jetzt bin ich gespannt auf die Ausbeute der Alltagsweinrallye im deutschsprachigen Raum, zu der
Harald Steffens vom Weingut Steffens-Kess uns für heute aufgerufen hat.
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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Weinrallye
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2 mars 2008 7 02 /03 /mars /2008 17:39

frage ich mich, wenn ich, mal so spaßeshalber die ersten 20  dieser offensichtlich auch bei deutschen Weinbloggern sehr beliebten Seite anklicke:

shameless self-promotion



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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Strandgut
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1 mars 2008 6 01 /03 /mars /2008 11:34


Traenen der Reben - pleurs de vigne

Zum ersten Mal in diesem Jahr flossen sie gestern  reichlich, die Tränen  der Reben,  der aufsteigende Saft, der ab einer  Durchschnittstemperatur von 8°C im Frühjahr aufsteigt und so beim Winterschnitt aus den Schnittstellen austritt.

Für mich ein Zeichen, mich mit dem Rebschnitt jetzt zu sputen, denn auch wenn es sich um einen normalen Vorgang handelt, bei dem die Rebe die Schnittstellen mit den im Saft zahlreich enthaltenen Inhaltsstoffen  schützt und schließlich mit einem Harzpfropfen verschließt, ist es doch ein Zeichen des Aufbruchs. Bald werden die Knospen der  frühreifen Sorten  schwellen und dann ist es bis zum neuen Ausbruch nicht mehr weit.

Die ersten Bilder junger Triebe habe ich heute morgen bei einem Kollegen aus dem Roussillon gesehen, der sie - sehr frühzeitig in diesem Jahr, für den Muscat à petit grain, also die kleine Muskattraube,   festgehalten hat. Natürlich nicht ohne auf die Gefahr von Spätfrösten hinzuweisen, die in diesem Stadium großen Schaden anrichten und nicht nur die Ernte dieses Jahres in Gefahr bringen können, sondern auch Auswirkungen auf das folgende Jahr haben könnten, da  nach einem extremen Frostbefall manchmal noch einmal neu geschnitten werden muss.

Die Sorge ist ernst zu nehmen, auch wenn sie sich in die lange Jereminade der Winzer einreiht, die, abhängig von der Natur, wohl erst beruhigt schlafen, wenn die Ernte im Fass vergoren ist.

Elegie der Wengerter

Jammernd dappet’se durch d’Wengert,
heulend, ('s schmerzt scho in de Ohre)
von morgends früh bis Obends dämmert
„de ganze Bettl isch verfrore".

Zeigt sich dann doch en Hoffnungsschimmer
kommt die Kalte Sophie, Mitte Mai
hört m'r wieder e Gewimmer
„jetzt isch’s ganz bestimmt vorbei".

Sieht m’r trotzdem Rebeblüte
so isch’s zu spät, wie könnt’s aus sei
blühn sie zeitig, s’isch zum Wüte
regert’s ganz gewiss druff nei.

Wenn d’Rebe doch noch Traube trage
hen’s d’Wengerter no lang net leicht
m’r hört se jetzt scho wieder klage
mol isch’s zu trocke, mol zu feicht.

Oktober, Lese, volle Kübel
bald gibt’s wieder neie Wie.
D’Qualität isch gar net übel
bloß: mehner könnt’s jo scho no sei.

Die Wengerter sen voller Klage
un des fascht über’s ganze Johr.
Sie hen e schwere Bürd‘ zu trage
un kriege früh scho graue Hoor.

gefunden hier  auf der Infoseite der  schönen Weinlyrikseite des Staatsweingutes Weinsbergs.


Natürlich  haben diese Tränen auch schon  immer die Neugier, nicht nur der Winzer, erregt.  Elmar M. Lorey hat in seiner Weinapotheke  und auf seiner Webseite  die lange Geschichte  dieser Beschäftigungen aufgeführt.  Von Plinius  über Hildegard von Bingen bis ins 19. Jahrhundert wurden so Rebtränen als Heilmittel gegen ungefähr alles,  von Augen- und Ohrbeschwerden über Brechreiz,  Sommersprossen, Warzen und selbst Vielsauferei  empfohlen.  Seit Kurzem ist sogar der Begriff  Rebtränen von einem  geschäftstüchtigen  Winzer als Markenname  für  kosmetische Produkte geschütz worden.

All das, und auch die  Dosierung der bisher gefundenen 32 Inhaltsstoffe des Saftes findet man ausführlich dargestellt hier



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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Arbeit im Weinberg
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24 février 2008 7 24 /02 /février /2008 16:02

Normalerweise steht sowas ja zuerst im Winzerblog, aber da ich es gerade gelesen habe, hier die neueste  PR-Masche, um  als CO2  sparendes, grünes Unternehmen zu gelten:

250 Winzer aus dem Languedoc haben sich angeblich schon eingeschrieben, um demnächst ihre  möglichst grünen Weine (wie grün, wurde nicht näher ausgeführt)  per  Canal de Midi  und Canal de Garonne nach Bordeaux und von da aus per  altem Dreimaster nach Dublin zu verschiffen.  60.000 Flaschen sollen so auf die einwöchige Reise gehen. Die CO2 Ersparnis pro Flasche soll  (wohl verglichen mit dem Verbrauch bei  Flugtransport) 138,92 g/Flasche betragen.

Nach dem Artikel im Guardian wirbt Tesco, eine große englische Handelskette, in der viel Wein umgesetzt wird, ebenfalls mit dem Transport ihrer Weincontainer per Schiff auf einem Kanal von Liverpool nach Manchester (40 km) als besonders umweltfreundlich.

Ob die Weincontainer aus Australien, Californien, Chile und Argentinien, deren Inhalt in Manchester für Tesco abgefüllt wird, vorher die Ozeane auch in Segelschiffen überquert haben, steht nicht in dem Artikel.

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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Strandgut
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24 février 2008 7 24 /02 /février /2008 12:09

oder: how to become a flying-winemaker...



Ein Buch, das hilft, die Sprachbarrieren zu überwinden, die uns viel zu oft noch daran hindern, unsere Leidenschaft für den Wein und seine Entstehung über die Grenzen und Ozeane hinaus nicht nur  zu teilen, sondern uns auch darüber auszutauschen. 




Winemakers’ Essential Phrasebook, 344 pages
Mitchell Beazley, Octopus Publishing Group Ltd 2004.

Ein Buch in 6 Sprachen: Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch und Portugisisch   – ein Leifaden durch Weinberg, Weinbereitung und sensorische Analyse von Wein in ganzen Sätzen, nicht nur in Wortgleichungen, wie in klassischen Wörterbüchern, das es dem Benutzer ermöglicht, im größten Teil der Weinwelt zu kommunizieren.

Der erste Teil enthält nützliche Sätze für ein allgemeines Gespräch über önologische Theman. Der Weinbau wird in Themenblöcken wie Wetter, Pflanzung, Erziehungssysteme im Weinberg, Rebschnitt, Schädlinge, Bodenarten und vieles mehr gegliedert, bis hin zur Beurteilung der Traubenreife und zur Ernte.

Der umfangreichste Teil ist der Weinbereitung gewidmet, die in allen Spielarten,  vom Einbringen der Trauben über Auslese, Kelterarten, Malen und Entrappen, Maischestandzeiten, Zusatzstoffe, Behandlungen und Korrekturen des Weins über Ausbau, Holz bis hin zu Fragen der Abfüllung behandelt wird. Der Winzer findet hier fast alles, was ihm je im Keller begegnen kann - ich finde Dinge, die mir nie begegnet sind - der Laie bekommt einen Eindruck von der Komplexität und den Wahlmöglichkeiten während dieser Vorgänge.

Die Rotweinbereitung wird ebenso behandelt, wie die der Weiß- und Roséweine oder der Schaumweine, Porto und Xeres ebenso wie Süßweine, edelfaule oder andere, Barriqueausbau, Klärung, Laboranalysen und vieles mehr... bis hin zur Flaschenabfüllung findet sich immer der passende Satz, um die richtige Frage in jeder der Sprachen zu stellen oder das, was man macht, zu erklären.


26 Seiten mit Wortschatz und Sätzen zur sensorischen Beschreibung werden den Leser von Degustationsnotizen in anderen Sprachen glücklich machen und so manchen vielleicht ermutigen, sich selbst einmal dazu aufzuschwingen und auch an internationalen Diskussionen teilzunehmen. 

Für den  Übersetzer stellt dieses Buch die Worte in ihren fachlichen Zusammenhang. Man findet auch amüsante Unterschiede. im Teil über die Kellerarbeit (ich habe während unserer Arbeit mit der Presse einmal das entsprechende Kapitel geöffnet) bemerkt man, dass im Französischen hier zwischen Chef und Hilfskraft geduzt wird, während die Deutschen Beispiele brav in Siezform daherkommen. Der Autor des französischen Textes, Bruno Prats, ehemals Château Cos d'Estournel,  scheint mir da realitätsnaher zu sein, wenn ich an die Atmosphäre denke, die in dieser betriebsamen Zeit in den Kellern herrscht.

Die deutsche Bearbeitung stammt von Ernst Loosen, vom Weingut Dr. Loosen an der Mosel, der viel Erfahrungen mit Praktikanten aus aller Welt hat und hofft, dass das Buch "jedem Benutzer einen tieferen Einblick in die internationale Weinwelt erlaubt" und auch die Bedeutung des Weins in den verschiedenen Kulturen der Welt besser zu erfassen hilft.


Das Buch ist so natürlich vor allem eine ideale Vorbereitung und Begleitung für jeden angehenden Winzer, der als Praktikant in anderen europäischen Ländern oder auch in Übersee einmal über den Glasrand hinaussehen will.

Vielleicht könnte auch der eine oder andere Journalist hier lernen, welche Fragen er beim eigenen Besuch und der Recherche in den Weingütern der Welt stellen könnte, wenn nicht mehr ausschließlich nach dem copie/paste Verfahren aus schon bekannten Sammlungen und Presseverlautbarungen abschreiben möchte.


Für den Weinliebhaber, der sich auch dafür interessiert, wie sein Lieblingsgetränkt gemacht wird, bietet das Buch auch die Möglichkeit, beim Blättern und Schmökern durch die verschiedenen Stadien der Entstehung zu reisen, einmal auf andere Art, als in den üblichen Weinführern. Bei der nächsten Kellerbesichtigung im Urlaub kann er dann vielleicht auch einmal das fragen, wie denn eigentlich über den Verschnitt der Sorten entschieden wird oder nach welcher Methode der Süßwein gemacht wurde. 

Und an dem Tag, an dem Sie den schönen Satz "Haben sie ein Gerät für die Mikro-Oxidation? Wir sollten es benutzen." oder "Holzschips sollen in ein Musselintuch gegeben und in den Tank gehängt werden" in einer der 6 Sprachen erkennen, wissen Sie, dass die Globalisierung auch hier angekommen ist.

Nehmen Sie also in Ihrem Lieblingssssel Platz, mit einem Glas Ihres Lieblingsweins und wenn er Aromen von feuchtem Pelz oder Heu, Quitte, Lakritze oder zerriebenen Blättern hat, können Sie das im Handumdrehen in die anderen Sprachen übertragen und ihre Mitmenschen damit verblüffen, dass Sie jetzt auch die Notizen ihres liebsten Weingurus im Original verstehen. Und auf dem Rückenetikett ihres Mitbringsels von der letzten großen Reise entziffern Sie ohne Wimpernzucken, dass Sie nach baunilha, manzana, lampone, quince oder chamuscado riechen wird.  



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Published by Iris Rutz-Rudel - dans gelesen oder gehört
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21 février 2008 4 21 /02 /février /2008 15:52
Heute Nacht sollte man sie wieder sehen, die Mondfinsternis mit ihrem geheimnisvollen roten Mond.

Leider war die Vorhersage der Wolkenbilder nicht vielversprechend, nach 3 Tagen mildem Dauerregen, war zwar Besserung angesagt, der Himmel aber für heute Nacht noch nicht klar...


Und doch weckte mich meine innere Uhr kurz nach 4 Uhr morgens und ließ mich, noch im Halbschlaf, vor die Tür treten. Und da war er,  am Himmel genau gegenüber, klein, aber deutlich, die Mondfinsterniss hatte begonnen, der Schatten war schon deutlich am Rand zu sehen und auch die rötliche Farbe  stimmte!


Schnell zurück, um meine kleine Kamera zu holen - das Licht des Bildschirms blendet mich - wie war das noch mal, mit den nächtlichen Himmelsaufnahmen - der Mond ist weit weg, also auf die Einstellung mit dem kleinen Berg? - ich brauche sicher eine längere Verschlusszeit - wo war das denn wieder - im Menu rauf und runter, rechts und links tasten, zu dumm, geblendet seh ich das Rädchen ja gar nicht - aha, 3 Sekunden - nein, das ist nur die Verzögerung - also zurück, manuel, das könnte es sein - und jetzt noch eine stabile Auflage suchen, sonst ist wieder alles verwackelt. Da geht's nicht, denn dann hab ich bestimmt den Balken der Pergola im Blickfeld - da auch nicht, da steht der alte Kirschbaum - bleibt nur noch das Dach des Autos weiter links - verflixt, langsam wirds mir auch kalt - so ein dünnes T-shirt ist vielleicht doch nicht die richtige Bekleidung, die Katzen sind auch ganz aufgeregt, ob sie noch etwas Hühnerhaut erwarten, oder spüren sie die Veränderung im Licht - apropo Licht, jetzt bin ich in Position, aber wo ist jetzt der Mond???

Zu lange  herumgestellt - jetzt ist er weg - hinter einer soliden Wolkenbank - auch kein Stern mehr zu sehen und genug Wind, um das schnell zu ändern, gibt's auch nicht  - na, ja, aber er war da der rote Mond - für ein paar Sekunden habe ich ihn gesehen, so wie im vorigen März durch das Teleskop (aber da  war meine Kamera in Reparatur...).


Das Bild im Kopf steige ich wieder ins Bett und schlafe bald ein und träume weiter....


sieh ma, der Mondsieh mal, der Mond!

-  zum Trost  ein Bild von Klaus - schön wie ein Gedicht ....
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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Strandgut
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18 février 2008 1 18 /02 /février /2008 20:07
Auch wenn der Frühling uns schon  mit den ersten Blüten erfreut, ist der Winter noch nicht zu Ende und Winterzeit ist die Zeit des Schweineschlachtens.

Und so findet traditionell am letzten Wochenende im Februar in Saint Pons de Thomière  die Fête du Cochon statt.

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Denn bekanntlich: dans le cochon, tout est bon  -  am Schwein ist alles gut !

Zwei Tage lang lebt Saint Pons, eine kleine Kreisstadt im Herzen des Parc Régional du Haut Languedoc im Zeichen der Säue, mit allem, was an regionalen Produkten rund ums Schwein dazu gehört.
Die Schweine werden oberhalb von Saint Pons in der Gegend um Lacaune auf einer bukolischen Hochebene in ca 800 m Höhe aufgezogen und dort auch in kleinen Unternehmen verarbeitet. Und so findet man überall die Spezialitäten der Gegend: Luftgetrockneten Schinken, Saucisses und Rosettes (Hartwürste), Boudin (Blutwurst) und Bougnettes (ein überdimensionaler Fleischklops mit Brot und Ei)...

Auf dem Markt während des Schweinefests wird auch gezeigt, wie das alles nach traditionellen Methoden gemacht wird. Natürlich gibt's dazu auch große Gemeinschaftsessen und auch die traditionelle Musik auf Flöten und Dudelsack darf nicht fehlen.

Die ganze Stadt macht mit und stellt Szenen der fatigue du cochon (des Schlachtens und Verarbeitens) in traditionellen Kostümen nach.

undefinedMotiv eines T-Shirts, das man bei den Verteidigern der Bougnette erwerben kann.

Sehr aktiv ist dabei die ein Verein, der sich "Bonhetaires dal Soumal" nennt, eine Bruderschaft, die sich den Erhalt der kulinarischen Tradition unter besonderer Hervorhebung der Bougnette zum Ziel gesetzt hat.

Aber es gibt ja nicht nur die Schweinezucht nördlich von Saint Pons, sondern auch den Wein südlich davon, im Minervois. Und auch hier wird die Tradition gepflegt, indem eine Gruppe von traditionsverbundenen Bonhetaires jedes Jahr in den Weinberg "Lou Camp del Cers" zieht und dort die Trauben für ca. 3000 Flaschen Wein erntet, die zu Gunsten des Vereins verkauft werden.

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Das gibt dann den seltenen Tropfen namens Le Groin de Folie - ein Wortspiel mit grain de folie (grain = Beere - folie = Verrücktheit - französischer Ausdruck für leicht verrückt). Ein groin ist die Schweineschnauze (die, mit der sie so gut Trüffel aufspüren und vollreife Trauben erkennen können:-)).

Ich konnte den Wein noch nicht probieren - ob er, mir seinen Grenachetrauben edler ist, als ich das vom Metzgersekt vermutete, wird also erst irgendwann  in der Zukunft hier mitgeteilt werden können.





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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Essen und Trinken
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10 février 2008 7 10 /02 /février /2008 17:27
 
Gibt es einen Unterschied zwischen typisch französischen und typisch deutschem Geschmack ?  Für den Wein, wage ich es nicht, da eine Aussage zu machen, mir fehlt eine Untersuchungsgrundlage und ich habe mir diese Frage auch schlicht noch nicht gestellt.

Als kleine Nachlese zur Weinrallye # 8, wo es ja ausdrücklich um die Lieblingsetiketten von Wein- und Foodbloggern ging, möchte ich aber doch die Ergebnisse der französischen und deutschen Teilnehmer zum Vergleich nebeneinander stellen. Und da sich über Geschmack ja nicht streiten läßt, werde ich mich diesbezüglich auch jedes Kommentars enthalten.

Hier also die Ausbeute beider Gruppen als kleine Diashow und als Fotoblock:

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undefinedals Diashow auch hier zu sehen

Und noch einmal herzlichen Dank teilnehmenden allen Bloggern, die mir in Kommentaren, privaten Emails oder sogar eigenen Beiträgen so viele Blumen geschickt haben. Das geht runter wie Butter!

Ich bin jetzt schon gespannt auf die Alltagsweine, die am nächsten Start sein werden und dann von Harald Steffens vom Weingut Steffens Kess am 8. März fachgerecht gelagert werden.


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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Weinrallye
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Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

Begleiten Sie mich also auf dem Weg durchs Winzerjahr. Hinterlassen Sie Ihre Kommentare oder stellen Ihre Fragen, damit aus diesem Blog ein lebendiges Kommunikationsmittel wird.

Ihre Iris Rutz-Rudel


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