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20 avril 2008 7 20 /04 /avril /2008 19:45

Der Hefetrub, diese Ansammlung von Hefen, Bakterien und ausgeflockten organischen Elementen, die aus dem neuen Wein ausfallen und sich unter Einwirkung der natürlichen Kälte im Keller während des  Winters als Bodensatz in den Barriques absetzen, wird bei dem ersten Abzug im Frühjahr vom Wein getrennt. Das war das Ziel unseres ersten Abzugs des Jahrgangs 2007 am letzten Samstag.  



Mit Hilfe der Abzugsstange (liebe deutschsprachige Winzerkollegen: Hilfe: wie heißt das Ding, das man auf dem Foto sieht in meiner Muttersprache, ich habe nirgendwo im Internet etwas Vergleichbares finden können...) also mit diesem "Dingsbums" für Barriques (la canne de soutirage in Französisch), die durch eine Schraube am unteren Ende so geregelt werden kann, dass der Bodensatz bei vorsichtigem Abpumpen nicht mitkommt, verlagern wir den Wein aus einem Barrique in ein anderes. Bei Bernhard Fiedler kann man hier nachlesen, wie das in großem Stil gemacht wird. Am Ende der Operation wird das fast geleerte Barrique mit dem Spundloch nach unten gedreht und ich fange die ca. 5 L Trub (und leider immer auch etwas Wein) auf, die noch drin sind.

Rouge violacé, légèrement fade: violettes Rot, leicht fade, heißt es zum Farbton, der auf französischen Farbkarten als lie de vin definiert wird. 

Urteilen Sie selbst, wie wenig das mit der abwechslungsreichen Realität übereinstimmt:




Ich liebe diese reiche, nuanzierte Farbpalette, immer unterschiedlich, je nachdem ob es sich um Mourvèdre, Cabernet oder Pinot  handelt- und auch von Jahr zu Jahr verschieden, abhängig von der Konzentration der Trauben an roten Farbstoffen, also Anthozyanen. Die Konsistenz ist cremig, dicht und ich fülle jedes Jahr ein paar kleine Flaschen mit diesem gut riechenden Satz (garantiert ohne Pestizidrückstände) ab, die ich für einen kochenden Freund verwahre, der damit seine Saucen anreichert.

Da wir beschlossen hatten, dem schönen Jahrgang 2007 einmal wieder einen Ausbau in
neuen Barriques zu spendieren, wurde jedes Barrique sorgfältig mit unserem Quellwasser gespült, bis nur noch klares Wasser aus dem Spundloch fließt. ..



Anschließend wird der Wein wieder in sein Originalbarrique zurückgepumpt, weitgehend unter Luftabschluss - für mich an der kleinen Handpumpe ein zweiter workout, den meine Bauchmuskeln mir dann am nächsten Tag auch signalisierten:-). 



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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Kellerarbeit
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17 avril 2008 4 17 /04 /avril /2008 19:21
Nach dem Pumpen im Keller tut der Gang in den Weinberg bei strahlendem Sonnenschein wieder besonders gut. Während ich auf dem Weg nach oben schon viele Pausen mache, um die ersten überzähligen Knospen von den Stöcken zu streifen, die trotz eines rigorösen Winterschnitts sonst die Zahl der Triebe im Sommer durch unerwünschte Seitensprosse an den Stämmen und vor allem im Fußbereich der Reben zu stark erhöhen würden, ist Klaus schon wieder in voller Rüstung bereit, den von nun an andauerndern Kampf um die Eindämmung der Wuchskraft unserer natürlichen Dauerbegrünung aufzunehmen.

Eine Tätigkeit, bei der man sich gut gegen den Flug von kleinen Steinen und Holzstückchen schützen muss, bei der er also nicht gerade einem entspannten Spaziergänger ähnelt.


Polster an den Schienbeinen, feste Hosen und dicke Handschuhe, der Helm mit Visier über der Schutzbrille und die Ohrenschützer sind da Pflicht und machen deutlich, warum die Arbeit bei steigenden Temperaturen immer beschwerlicher werden wird...

Es ist auch nicht angeraten, in der Nähe zu arbeiten, denn die Geschosse, die die Motorsense aufwirbeln kann, fliegen leicht schon einmal 10 bis 15 Meter und können auch aus dieser Entfernung noch erheblich weh tun.

So legte ich schnell eine sichere Distanz zwischen uns und stieg in die auch vom Geräuschpegel her ruhigeren Höhen des Pinot auf.

Unterwegs blühen jetzt auch an den Wegen und in den Mauern die roten Spornblumen (Centhrantus ruber), die hierzulande poetisch Lila d'Espagne (spanischer Flieder) heißt. Sie werden uns bis in den Herbst begleiten und sind gern gesehene Gäste für Insekten und Schmetterlinge.



In den Terrassen der Echelles de Lisson schmücken noch vereinzelt alte Ranken die Drähte der Verspannung, les vrilles auf Französisch und bilden kleine Skulpturen, die an die Kraft erinnern, mit der sich die Triebe der Reben im Sommer hier festkrallen werden.




Eine alte Sichel, die irgendwann im Gelände vergessen wurde, erinnert an die Zeit vor der Erfindung der Motorsense:



Nach ein paar Stunden treiben mich Hunger und einsetzende Müdigkeit  hinunter zum Haus - die Motorsense ist nicht mehr zu hören - aber Klaus hat ganze Arbeit geleistet: die Weinstöcke hinterm Haus recken ihre Arme freudig dem Himmel entgegen.



Diese Methode ist zwar etwas mühsamer, als ein Durchgang mit der Giftspritze und in feuchten Jahren auch öfter zu wiederholen, aber zumindest findet man so keine Unkrautvernichtungsmittel als Rückstände in Boden, Pflanzen und Wein!

Sollten wir nach dem eher trockenen Winter einen feuchten Sommer bekommen, muss das Ganze natürlich noch ein- bis zweimal wiederholt werden .... das Jahr wird's zeigen.




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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Arbeit im Weinberg
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15 avril 2008 2 15 /04 /avril /2008 19:20
Auch wenn die Arbeit im Weinberg uns weiter in Atem hält und jede Minute schönen Wetters jetzt dort genutzt wird, so gab es am Wochenende doch noch einmal einen Szenenwechsel. Hochdruck, Sonne und Nordwind - ideale Konditionen, um den Wein im Keller zu bewegen.



Eine besondere Freude war dabei die Abfüllung des Jahrgangs 2006. Nach fast drei Jahren Hege und Pflege, vom Rebschnitt über die Weinbergarbeit zur Ernte, von der Gärung über den Abstich, das Keltern zum Ausbau in die Barriques, nach Kontrolle, Abziehen, leichtem Schwefeln und wieder Kontrolle und Verkostung war es nun so weit, Flaschen und Korken lagen bereit, das Wetter ideal, also konnte diese liebste Arbeit des Winzers, die einen Zyklus zum Abschluss bringt, zügig durchgeführt werden.



Einen ausführlichen Bericht über die dabei eingesetzte Technik gab es ja schon im vergangenen Jahre. Auch die Bilder gleichen sich dabei immer wieder. 



Nur der Wein ist jedes Jahr neu und wird natürlich auch an diesem Tag noch einmal besonders kritisch beäugt und zwischen Zunge und Gaumen geprüft.

Tief dunkelrot, fast schwarz im Glas verströmt er seine Aromen, neben den reifen Fruchtnoten ist eine verhaltene Blumennote erkennbar, die Tannine werden noch einige Zeit brauchen, um sich abzurunden - die für Lissonweine typische Frische läßt wieder den Alkohol in den Hintergrund treten - Mourvèdre, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot, Cor und Petit Verdot sind diesmal gemeinsam in der Flasche vertreten und versprechen einen Wein, der die Jahre überdauern wird.

Nach der üblichen Ruhepause - erst aufrecht, um den Wein vollständig zu entgasen, dann horizontal, um eventuelle undichte Korken zu entlarven, werden die Kinder eingekleidet und in die Welt entlassen werden.




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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Kellerarbeit
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10 avril 2008 4 10 /04 /avril /2008 20:34
Die heutige zweistellige Weinrallye startete unter der richtungsweisenden Leitung von Christoph Raffelt von originalverkorkt und hatte Chenin Blanc – als unbekannte Vielfalt zwischen Kult- und Massenwein zum Thema.

 Meine eigenen Erfahrungen mit der Rebsorte habe ich schon
hier als kleine Einstimmung vorgestellt.

Ihr Ursprungsgebiet liegt in Frankreich im Loiretal – man nimmt an, dass der Name ursprünglich von einem Berg gleichen Namens stammt, dem Mont Chenin, eine andere Erklärung liefert der Larousse Universel, der als Etymologie aus dem Altfranzösischen raisin des chiens anführt, also Hundetrauben..

In der Touraine und im Anjou werden daraus die Weißweine gemacht. Diese können trocken sein (Jasnières, Savennières, Vouvray, Montlouis, Anjou, Saumur,...) moelleux (halbsüß) oder auch liquoreux, also edelsüß, je nach Jahrgang oder Auslese durch den Winzer (Bonnezeaux, Coteaux du Layon, Coteaux de l'Aubance, Jasnières, Quarts de Chaume, Savennières, Vouvray, Montlouis...). Zusätzlich werden sie auch für Schaumweine verwand (Crémant de Loire, Montlouis-sur-Loire, Saumur, Vouvray).

Andere weiße Traubensorten laufen ihm weltweit an Bekanntheit den Rang ab. Bei Kennern gilt Chenin aber als ein Kandidat für große Weine. Vielleicht wird er auch unterschätzt, weil lange Zeit viele Winzer die Trauben lieber vor der Reife ernteten, grün und sauer und das Alkohol- und Süßdefizit dann mit Zucker (früher aus der Tüte, heute eher aus konzentriertem Most), der in Frankreich im Gegensatz zu Deutschland nicht verboten ist, ausglichen, durch die allbekannte Chaptalisation. Natürlich musste dann besonders kräftig geschwefelt werden, um eine zweite Gärung auf der Flasche zu verhindern. Und fertig waren unausgewogene, pappig süße, aber billige Apéritifweine, bei denen der dicke Kopf schon vorprogrammiert war.

Wenn man heute noch bei Wikipedia über die Süßweine der Coteaux du Layon lesen kann:

Der Wein wird zu 100% aus der Rebsorte Chenin Blanc gekeltert. Am Layon bildet sich im Herbst Nebel, der einen Befall der Beeren mit Botrytis cinerea begünstigt und zu Edelfäule führt. Die Beeren müssen manuell in mehreren Erntegängen eingeholt werden. Dieser Aufwand hat natürlich seinen Preis. Eine Flasche kostet im Normalfall zwischen 9 - 12 € / Flasche


- dann weiß man, dass das nicht mit rechten (wenn auch leider legalen) Dingen zugehen kann.

Dass sich mit der Zeit eine Front von Winzern zusammengefunden hat, die versucht, der Rebsorte und damit den Appellationen mit neuen alten Methoden wieder zu ihrem verdienten Platz zu verhelfen, kann man auch in einem schönen
Reisebericht von Stephan Reinhardt über die Querköpfe an der Loire aus dem Spiegelarchiv nachlesen.

Zu den engagiertesten Kämpfern an dieser Front gehört Patrick Baudoin aus dem Layon, Mitbegründer des
Vereins Sapros, dem Club der Verfechter der Botrytisweine, die sich engagieren, ihre edelsüßen Weine nur aus natürlich konzentrierten Trauben zu keltern.

Die Liste der Mitglieder hat inzwischen einen guten Klang und umfasst auch andere Weinbaugebiete und Rebsorten in Frankreich: von André Ostertag und Jean-Michel Deiss aus dem Elsass über Pierre Gaillard aus Condrieu, Menard, Delesvaux und Jo Pithon im Layon, Issaly und Lescarret in Gaillac, Eric Nicolas in Jasnière und Jean Thevenet in Macon, Francois Chidaine in Montlouis bis zu Bernadette Lacoste, Mireille Daret und Xavier Plantier von Château Guiraud in Sauternes. Alle sind sich einig, dass die große Plage der edelsüßen Weine in Frankreich in der Chaptalisation liegt.

Auf seiner
Webseite führt Patrick Baudoin  ausführlich in das Thema ein – ich fand seine Darstellung sehr überzeugend und habe mich deshalb entschlossen, hier eine kleine Zusammenfassung zu liefern:

Er beruft sich dabei auch auf Alexandre de Lur Saluces, der schon in seinem Buch über die Moral von Yquem ausführt, dass man die Hälfte des Erntevolumens verliert, wenn man die angestrebten 18 bis 20 ° Alkohol ohne Chaptalisation anstrebt und leitet aus den daraus folgenden Zahlen und Erfahrungen ab, dass praktisch 95% der edelsüßen Weine in Frankreich chaptalisiert sind, davon gut 50% im Überfluss.

Das hat erhebliche Auswirkungen : Für die Qualität : Die Weine halten kenen Vergleich aus. Die natürliche Konzentration kann nicht durch zugefügten Zucker ersetzt werden, der lediglich zu einer Erhöhung des Alkoholgehalts führt. Was man aber eigentlich sucht, ist mehr Materie, Aromen, wie von kandierten Früchten, die sich dann im Laufe der Zeit entwickeln können, wie auch die Aromen des Botrytis. Diese verhelfen den Weinen auch zu mehr Stabilität, was wieder heißt, man braucht im Endeffekt weniger Schwefel.

Das große Gegenargument ist quantitativ : eben der Satz : man verliert die Hälfte an Volumen, wenn man nicht (wie ja erlaubt) chaptalisiert. Um auf natürliche Weise einen edelsüßen Wein zu erarbeiten, müsste man sich mit 10 bis 15 Hl/Ha begnügen. Die gleichen Trauben, die mit 20% potentiellem Alkohol in natürlicher Konzentration geerntet werden und dann 100L Maische ergeben, haben 200L Ausbeute, wenn man sie mit 17,5% erntet, fügt man denen dann die erlaubten 8,5 kg Zucker hinzu, kann man anschließend 205L mit 20% verkaufen. ... Konsequenz: ein halb- oder edelsüßer Wein, der normalerweise ein seltener Wein wäre, dessen Menge stark vom Jahrgang abhängt, wird durch die Chaptalisation ein Wein, der seinen Jahrgang kaum noch widerspiegelt und beim Verbraucher als banaler Süßwein haften bleibt, den er, s.o., für ein paar Euro in jedem Supermarkt bekommt.

Dabei ist er natürlich auf dem ganzen Produktionsweg, auch schon im Weinberg, viel rentabler, denn abgesehen von der zusätzlichen Arbeit, die man einsetzen muss, um qualitative überreife Trauben zu ermöglichen (Auslese der Knospen, Grünschnitt, Ausdünnen des Weinlaubs...), zeigt allein das Beispiel der Ernte, den enormen Unterschied im Aufwand und damit in den Produktionskosten: Bei 20% natürlichem Gehalt, und erwachsenen Reben, schafft eine Erntemannschaft von 10 Personen höchstens eine Ausbeute von 2 Barriques pro Tag, bei Trockenbeerenauslese 440L = 44l/pro Person bei mindestens 4 Durchgängen. Schon wenn man bei 18% erntet, reichen 2 bis 3 Durchgänge, man erntet nicht mehr alle Beeren einzeln und alles geht viel schneller. Den Unterschied allein in den Lohnkosten kann man sich vorstellen. Zahlt man dann für die nötigen 8,5kg Zucker 13 € und setzt als Beispiel einen einheitlichen Verkaufspreis von 30 € an, beträgt der zusätzliche Umsatz schon 3 200 €, was auch erklärt, warum es sich hier um ein Tabuthema handelt..

Chenin mit Botrytis (Bild aus der Webseite von Jo Pithon

Auch die offiziellen gesetzlichen Regeln sind in Frankreich das Gegenteil der deutschen und österreichischen, sie basieren eben auf der Chaptalisation und nicht auf der Botrytisation. Während in den Mutterländern der größten edelsüßen Weine, Deutschland, Österreich und Ungarn, anerkannt wurde, dass je stärker ein Wein botrytisiert ist, desto geringer seine Alkoholgrade sein können, man also eine Trockenbeerenauslese schon ab 5,5% zulassen würde, weil das Gleichgewicht eines Weins von Materie, Aromen und Säure bestimmt wird, weiht man in Frankreich alles dem Kult des Alkohols. Lange Zeit musste im Layon ein Basiswein 11% haben, ein qualitatif hochwertigerer Wein, wie der Quart de Chaume 12%. Erst langsam setzt sich die Absurdität dieser Regelung in den Köpfen durch und man hat den Mindestgehalt inzwischen für alle edelsüßen Weine auf 11% „heruntergestuft“.

Dazu muss man wissen, dass bei der Gärung sehr reicher Maischen nicht aller Zucker in Alkohol verwandelt wird, da die Hefen in einem zu alkoholgesättigten Milieu nicht überleben; dazu wird ihre Aktivität auch von Molekülen gestört, die durch den Botrytis produziert werden.
Wenn eine Maische von 361g Zucker pro Liter potentiell 21% Alkohol erzeugen kann, so wird der Wein, der aus der Gärung hervorgeht, wenn die Hefen nur 170g Zucker in Alkohol verwandeln können, am Ende nur 10% Alkohol aufweisen, während noch 191 g Restzucker enthalten sind (also ein Menge von 11% potentiellen Alkohols, die nicht realisiert wurden).

Man kann davon ausgehen, das von den 1%, die die edelsüßen Weine unter den AOC Weinen ausmachen, nur ein ganz geringer Teil auf natürliche Weise erlangt wird – vielleicht 5% von diesem 1%. .. Während vor Einführung der Chaptalisation die edelsüßen Weine als seltene Perlen wahrgenommen wurden, die nur durch eisernen Willen und Passion eines Winzers und sehr abhängig vom Jahrgang der Natur abgetrotzt werden konnten, gelten heute die Liquoreux in Frankreich in der öffentlichen Wahrnehmung einfach als „zuckrig-süße Weine“.
Dabei ist das Wesentliche eines edelsüßen Weins eben nicht der Zucker sondern die Magie der totalen Transformation durch natürliche Konzentration mit Hilfe von Botrytis  der Materie der Trauben. Hier liegt ihr Geheimnis, ihre Faszination, die keine künstliche Anreicherung ersetzen kann – auch wenn dabei die Hälfte der Ernte verschwindet!
Solange man noch edelsüße Weine für 8 € im Supermarkt findet, solange die angereicherten Weine noch den Markt beherrschen, wird das Image dieser Weine besudelt, banalisiert und der Mehrheit der Weintrinker wird sich die wahre Natur der natürlichen edelsüßen Weine nie erschließen können.

Bilanz: Es ist einfacher, diese Weine im Export zu verkaufen, wo sie auf Liebhaber treffen, die andere Referenzen haben. Leider fehlt im Layon auch eine Größe wie Yquem, die den Ruf der Appellation begründet hätte.

Und aus den oben angeführten Gründen haben es die drei dutzend Winzer, die für eine Erneuerung kämpfen, schwer, das Bild der Liquoreux weitreichend zu verändern. Es sind immer noch kaum mehr als 2% der als edelsüß geernteten Trauben, die die Mindestanforderung von 17,5% kontrolliertem natürlichem Alkohol aufweisen.

Natürlich sollte auch die Weinbereitung für diese Weine langsam und ohne große Interventionen erfolgen.

Ihre komplexe Struktur macht diese Weine, die oft nur als Aperitif oder zu fois gras eingesetzt werden, aber auch zu idealen Begleitern einer ganzen Mahlzeit, und ihr ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Süße und Säure macht sie zu idealen Begleitern exotischer Küche.

Man kann aber auch einen solch edlen Tropfen als Meditationswein genießen....

So wie den Sens du Chenin, ein für mich unvergesslicher Tropfen, den uns Patrick Baudoin vor 4 Jahren zum Abschluss eines Winzeressen am Rande des Salone del Gusto von Slow Food in Turin kredenzte – ein unvergessliches Erlebnis!

Leider war mein Gang in den Keller nicht von Erfolg gekrönt – die letzte Flasche wurde wohl schon im letzten Jahr getrunken und in der Kiste ruhten nur noch zwei Flaschen der Lebensgefährtin von Patrick Baudoin, Mireille Daret. Ihr Cru Baréjat 1996 hat uns vor wenigen Tagen wieder begeistert – stammt aber leider aus Sauvignontrauben, denn es ist einer der besten Sauternes...

Die Coteau du Layon von Baudoin kann man kann man in Deutschland laut Internet
hier finden.

Der Preis (41 bis 48 € 0,5L) sollte nicht abschrecken.
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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Weinrallye
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7 avril 2008 1 07 /04 /avril /2008 15:59



Die kleine Knospe aus dem letzten Artikel hat sich in 4 Tagen weiterentwickelt


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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Arbeit im Weinberg
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2 avril 2008 3 02 /04 /avril /2008 21:04
Nach der stürmischen Tagen Ende März  kündet sich der April nun wieder saisongerechter an und es macht wieder mehr Spaß, im Weinberg zu arbeiten. Nach der Mandelblüte Ende Februar, den Pfirsischen im März, sind es nun Quitten und Reineclauden, die ihre Blütenpracht entfalten.


Alles sprießt mit Macht, der Weinberg wird zum Gemüsegarten, denn neben dem wilden Lauch, der schon lange dort wächst, den vielen Salatrosetten, zeigen sich auch seit einiger Zeit die zarten Köpfe des wilden Spargels auf den Oliventerrassen.

 


Auch die Reben erwachen aus ihrer Winterruhe, immer noch fließen die Tränen, aber da die Sonne lacht, entfalten die ersten, frühen Rebsorten nach und nach ihre Knospen, wie der Cot (auch Malbec genannt) auf dem Bild von heute Nachmittag.


Die Bienen und Hummeln freuen sich über die ersten Blüten, der Winzer freut sich ebenfalls, auch wenn er sieht, dass auch in diesem Jahr wieder der Wettlauf mit den Jahreszeiten ihm eine gute Kondition abverlangen wird.

Nach dem Ende des Winterschnitts muss die Drahverspannung für die im Cordon de Royat geführten Rebsorten kontrolliert und zum Teil wieder nachgespannt werden, neben den wilden Salaten, die seinen Speiseplan bereichern, wachsen auch alle anderen Gräser und Kräuter mit Macht, bald wird es also Zeit, wieder mit dem Mähen zu beginnen, damit die ersten Triebe nicht im Gras ersticken.... die Elektrozäune müssen freigemäht werden, damit die Wildschweine gar nicht erst auf die Idee kommen, in die Parzellen einzudringen, bei Windstille müssen noch an gut gesicherten Stellen die alten Rebreiser vom Winterschnitt verbrannt werden, Holzpflöcke sind zu ersetzen - und die Liste läßt sich beliebig verlängern.

Gleichzeitig reift ja die Ernte des vorigen Jahres im Keller, wenn die Temperatur auch dort ein wenig ansteigt, kann die malolaktische Gärung in den Barriques ihre Arbeit wieder aufnehmen, regelmäßige Chromatographien für jedes Fass erlauben es, der Entwicklung zu folgen. (Artikel über die Kellerarbeit kann man in der entsprechenden Rubrik links unter diesem Stichwort nachlesen. Die Analysemethoden  werde ich gerne in einem der folgenden Artikel näher erklären.)

Auch die Entwicklung der flüchtigen Säure in den Weinen wird regelmäßig überwacht, die kalten Tage in der vorigen Woche gaben uns Gelegenheit, einen Labortag einzulegen und kleine Proben aller Weine nach der Destilliermethode
daraufhin zu überprüfen.


Die Ergebnisse waren sehr zufriedenstellend, auch die bisher noch nicht mit den bei uns üblichen minimalen Schwefeldosen geschützten Weine weisen sehr beruhigend niedrige Werte auf.

Und dann wartet ja noch der Wein aus dem Jahrgang 2006 auf die Abfüllung. Überprüfung und Verkostung ergaben, dass er jetzt reif für den Umzug in die Flaschen ist.

Zum Glück lagern die benötigten leeren Flaschen schon im Keller, denn auch in Frankreich gibt es jetzt ein Problem mit dem Nachschub, von dem deutsche Winzerkollegen ja bereits im Herbst berichtet haben.

Die neuen Korken mit unserem Logo und dem Jahrgangsstempel 2006 müssen noch rechtzeitig bestellt werden, dann kann auch diese, immer sehr befriedigende Arbeit in Angriff genommen werden.

Vielleicht sollten wir in diesem Jahr, das uns ja noch das Layout für den neuen Warnhinweis beschehrt hat, auch über einen Hinweis auf all das, was nicht in unserem Wein ist nachdenken. Da die Liste, folgten wir den Analyseergebnissen der Inhaltsstoffe der üblichen Weine


Zum Vergrößern in das Bild klicken


Vergleichende Liste der PAN Ergebnisse, die ja ausgiebig auch in der deutschen Presse und in der Blogwelt
diskutiert wurden, in der zweiten und dritten Spalte Ergebnisse älterer Studien aus Frankreich, die zwischen 2000 und 2003 durchgeführt wurden und 2298 Weine betrafen. IFV ist das Institut Francais de la Vigne et du Vin die Tabelle wurde zusammengestellt, um zu argumentieren, das Problem der Pestizidrückstände sei ja schon lange bekannt, und im übrigen seien die in der PAN Studie gemessenen Werte ja auch schon viel niedriger, als die "alten"....

Jeden Franzosen erinnert das natürlich an die sehr späte Reaktion der Französischen Behörden zur Gefahr der radioaktiven Cesiumwolken nach dem Reaktorunfall in Tschernobil, wo der Kommentar der Wissenschaftler, die als offizielle Sprecher auftraten, auch ungefähr so klang: "Eine Gefahr besteht nicht, es gibt bei uns keine Radioaktivität  und im übrigen ist sie schon dabei zu sinken..."

Die letzten beiden Spalten enthalten die dem OIV (Office Internatinal du Vin) vorgeschlagenen Grenzwerte für Rückstände im Wein, die es ja offiziell noch nicht gibt. Und die in Frankreich gültigen Grenzwerte für Trauben für die Weinbereitung.

Da unser Weinberg all das noch nie gesehen hat, wäre es wohl einfacher, sich ein Beispiel an Randall Graham von 
Bonny Doon zu nehmen, der als Transparenzbeitra nun alles aufs Rückenetikett schreiben will, was in seiner cleanen Weinbereitung an Zusatzstoffen in den Wein hineinkommt., während amerikanische Behörden noch eher darüber nachdenken, Angaben über den Nährwert, also Zucker und Kalorien, verpflichtend zu machen.

Unsere Message on the bottle ist mit der Angabe des enthaltenen totalen Schwefels (zwischen 12 und 23 mg/L im letzten Jahr) eigentlich schon komplett. Mehr wird außer rei fen, gesundenTrauben nicht zugesetzt - und wie schon gesagt, im Weinberg kommen nur minimale Kupferkalksprühungen (einmal im letzten Jahr)  und ebenfalls Schwefel zum Einsatz - vielleicht noch eine Kräuterspritzung. Den Rest besorgen Nützlinge, eine beschützte Umwelt, ausgeglichenes Rebklima, nicht überdüngte Böden und eine gute Pflege - und natürlich das Wetter:-)








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Published by Iris Rutz-Rudel - dans weingut-lisson
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30 mars 2008 7 30 /03 /mars /2008 16:47

Eine Hommage auf Alexander Grothendieck, der in diesem Jahr irgendwo in Südfrankreich seinen 80. Geburtstag vielleicht nicht einmal feiert, findet sich in der letzten Ausgabe der Zeit - online auch hier.


Bild: © Erika Ifang aus Die Zeit

Winfried Scharlau, emeritierter Professor für Mathematik an der Universität Münster und Biograph von Alexander Grothendieck widmet ihm unter der Überschrift "In höheren Dimensionen" einen Artikel, der den Lebenslauf dieses 1928 in Berlin geborenen Mannes, der als einer der bedeutendsten Mathematiker des 20. Jahrhunderts gilt, nachvollzieht, bis zum Jahre 1991, in dem er sich vollkommen aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat.

Auch die Zeitreisen des Deutschlandfunks Kultur widmen ihm einen ausführlichen
Artikel Geometrie und Revolte von Agnes Handwerk und bei  Heise erinnert man ebenfalls an das Phantom der Mathematik.

In den Jahren vor seinem vollständigen Rückzug aus der Öffentlichkeit, vor allem  nach 1968, war Grothendieck auch eine führende Figur der Bewegung "Vivre et Survivre", in der sich viele Gründer der internationalen Umweltschutzbewegung,  die  damals erst in den Kinderschuhen steckte, zusammenfanden.

Er lebte in dieser Zeit im Hinterland von Montpellier, am Rande des Larzac, führte ein offenes Haus, engagierte sich für u.a. als Illegale in Frankreich unerwünschte budhistische Mönche, schahrte aufgrund seiner wohl sehr charismatischen Persönlichkeit junge Menschen um sich, zu denen zeitweise auch Claude Rudel gehört. Lisson, heute als Weingut bekannt, ist indirekt auch ein wenig das Ergebnis seines Wirkens in jener Zeit.

Ein "verlorenes" Darlehen von 10.000 FF - eine enorme Summe zu jener Zeit, wenn man nicht zu den Menschen mit einem klassischen Bonitätsprofil bei den Banken gehörte, half den Brüdern Rudel, Weinbauernsöhnen aus einem kleinen Dorf bei Lodève, sich gemeinsam ihr erstes Stück Land zu kaufen.


die Brüder Rudel Ende der 60ger Jahre - Claude ganz rechts neben seinem Vater


Die Lektüre dessen, was Winfried Scharlau über den Artikel in der Zeit hinaus auf seiner Webseite zusammengetragen hat, macht mir diese Anfangszeit wieder lebendig. Die Liste der Mutants, der Menschen, die in Grothendiecks gleichnamiger Meditation ein neues Zeitalter vorwegnehmen, von Hahnemann über Darwin, Râmakrishna, Kropotkine, Steiner, Ghandi, Neill, Tailhard de Chardin, Krishnamurti, klingt vertraut für mich - eine ganze Generation von "Hippies", wie man sie damals hier in der Gegend nannte, wurden von ihren Schriften oder dem, was sie über sie hörten, beeinflußt. Andere kamen hinzu - aber vor allem galt es, seinen eigenen Weg  zu finden.

Lisson hieß dann der Besitz, den Claude Rudel 1976 alleine erwarb - immer noch mit dem Ziel, ein Stück Land wieder urbar zu machen und im Respekt der Umwelt einen Ort zu schaffen, an dem Leben und Arbeit im Einklang stehen können - und so hörte ich Anfang der 80ger Jahre zum ersten Mal den Namen Grothendieck, ohne die Person jemals persönlich kennen zu lernen.
Lisson 1975 - 15 Jahre vor der Kreation des Weinbergs hinterm Haus

Ich wünsche Alexander Grothendieck, dass er einen solchen Ort gefunden hat und danke Winfried Scharlau, dass er an ihn erinnert.

Auch wenn uns die Welt der
Mathematik, für die er so bedeutend ist, eher fern erscheint, der Respekt von Natur und Umwelt gehört zu unserem Leben und unserer täglichen Arbeit...

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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Strandgut
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16 mars 2008 7 16 /03 /mars /2008 17:50
Während  auf der diesjährigen Prowein in Düsseldorf jetzt gerade das Treffen der Weinblogger um  12:00 Uhr im Meininger Weinsalon in der Halle 6, Stand G 70  stattfindet, um das ich alle Teilnehmer beneide, kann ich nur weiter meinen Erinnerungen an vergangene Besuche  nachhängen.

Dazu gehören die interessanten Gespräche mit interessierten Fachbesuchern, denen man die Besonderheiten einer Appellation oder eines Weins erklärt genauso, wie die  Dreiecksübersetzungen bei den Verhandlungen mit Interessenten aus Russland, vor einigen Jahren, die ihre eigenen Dolmetscher dabei hatten, denen man dann aus dem Französischen ins Englische oder Deutsche die erwünschten Auskünfte übersetzte, die dann ins Russische übertragen werden mussten und wieder zurück. Dabei kam man sich manchmal vor, wie bei einem Tennismatch in slow motion, wenn alle Köpfe während des komplizierten Hin- und Hers geduldig von rechts nach links und von links nach rechts folgten....  Aber ein guter Abschluss ist die Mühe ja allemal wert.

Und um Kontakte, die lohnende Abschlüsse versprechen, geht es ja auf einer Fachmesse, für die die meisten Aussteller weite Wege auf sich genommen haben, einige Tausend Euro und viel Mühe bei der Vorbereitung durch Mailings an alte und potentielle Neukunden investiert haben, Broschüren und Tarife aufsetzten, die übersetzt und gedruckt wurden, Hostessen, Dolmetscher und sonstige Helfer eingestellt haben. 

Zweieihalb Tage Messe müssen diesen Aufwand in ihrem Ergebnis rechtfertigen. Der  dritte Tag  ist wegen der am Nachmittag schon wieder beginnenden Abbauarbeiten und der immer wieder auf geheimnisvollen Wegen einfallenden Horden von plündernden Schnäppchenjägern, die, bewaffnet mit riesigen Taschen und selbst Einkaufswägen,  in der Lage sind, den Flascheninhalt eines Standes auszuräumen, wenn man ihnen nur eine Minute den Rücken kehrt, meist kein vollwertiger Messetag mehr.

Aber auch an den übrigen Tagen kommt es zu delikaten Situationen, wenn, vor allem am Sonntag,  sich zahllose  Nicht-Fachbesucher durch die Alleen drängen, die eine der gegehrten Einladungen von ihrem Weinhändler oder einem befreundeten Restaurantbesitzer ergattert haben und nun alleine oder in Zweier- und Dreiergruppen von Stand zu Stand ziehen und sich die größte kostenlose Weinprobe des Jahres von Herzen schmecken lassen  und auch den zahlreich angebotenen Häppchen munter zusprechen. Oft erkennt man sie an den mit Einzelflaschen gefüllten Taschen, die sie eingesammelt haben - ein Facheinkäufer weiß, dass er jederzeit Proben nachgeliefert bekommen kann und wird sich damit an einem anstrengenden Messetag nicht belasten.

Im Laufe des Nachmittags macht sich bei diesen Weinliebhabern auch der steigende Alkoholpegel bemerkbar, da sie oft zu den vehementen Spuckgegner gehören.... Für neuere Aussteller von kleinen Betrieben, die zudem nicht deutsch sprechen, sind sie oft nicht sofort zu erkennen, selbst die obligatorische Frage nach der Visitenkarte ist im Zeitalter der heimischen Drucker ja kein Ausschlusskriterium mehr. An fachmännischen Gesten bei der Verkostung mangelt es nicht, auch Kommentare fließen reichlich und der Neuling fühlt sich ob des gezeigten Interesses geschmeichelt. Leider kommt dabei am Ende aber höchstens die Frage nach der Lieferung eines Sechserkartons zum Händlerpreis an die heimische Adresse in Neukirchen-Fluyn oder das Versprechen heraus, beim nächsten Frankreichurlaub mal auf dem Gut zu einer weiteren kostenlosen Verkostung vorbeizukommen.... Die Auftragsbücher füllt eine so verbrachte 1/4 oder gar 1/2 Stunde leider nicht.

Die Balance zwischen immer gebotener Höflichkeit und pragmatischem Geschäftsinterese zu finden, ist nicht immer einfach - da sind professionnele Vertreter größerer Hersteller und Verbände meist besser aufs Abwimmeln trainiert, als ein Winzer, der spontan jeden Weinliebhaber, der sich für seine Produkte interessiert, als potentiellen Freund zu empfangen gewohnt ist.

Nach einigen Jahren Messeerfahrung erkennt man seine Pappenheimer schnell, hat auch gelernt, die Reaktionen der Kollegen in ihren Nuancen zu deuten - und dadurch immer größere Schwierigkeiten, selber in einer der wenigen Pausen den Weg durch die Hallen anzutreten und sich in die Reihe der Verkoster ohne Bestellformular im Hintergrund einzureihen und den Kollegen ihre kostbare Zeit zu stehlen.

Dabei gehören die Begegnungen mit den Kollegen, der Winzergruppe von der Mosel, die mal sehen kommt, was die Franzosen so machen, sich auch als solche vorstellt und mit der man natürlich sofort in ein Fachgespräch über die Auswirkung der Klimaerwärmung oder die Vor- und Nachteile der Dauerbegrünung einsteigen kann, oft zu den emotionalen Highlights eines Messetages, oft enden solche Gespräche mit dem spontanen Austausch von Flaschen, die dann als Einzelstücke im Keller noch nach Jahren an diese spezielle Messe erinnern. Schließlich ist der Winzer einen großen Teil des Jahres über ein Einzelarbeiter in Weinberg und Keller und genießt den Austausch mit Gleichgesinnten.

In den letzten Jahren wurde mein Schnellrundgang durch die Messehallen in einer gepferten Mittagspause aber auch zu einer Entdeckungsreise in die kulturellen "Seitenprodukte" einer solchen Messe. Dazu gehörte dann z.B. dieses Triptichon von Nina Stölting, die zu ihrer Serie von Weinbildern sagte:

"Ich gebe zu, ich mag Wein. Sehr. Seine Facetten berühren mich, die geschmacklichen wie die übertragenden. Seine Vielfalt. Seine Fähigkeit, Zeit festzuhalten.
Faszinierend ist jeder Versuch, das Wesen eines Weines einzufangen, die Ebene der Sinne zu wechseln. Der geschmackliche oder olfaktorische Reiz wird zum optischen, könnte man sagen, aber das ist viel zu theoretisch. Im Grunde ist es pure Lust der Sinne, reine Sinnlichkeit. Konzentration auf die eigene Empfindung, ein sublimiertes Spiel mit Farben, Material und Oberflächen. Authentische Erfahrung, Besinnung. Das ist die Welt, in der ich lebe."



undefinedNina Stölting - Pinot Noir - aufgenommen auf der Prowein 2006


Auch die Serie der Gemälde, die einen essentiellen Bestandteil des Terroirs, nämlich den jeweils individuellen steinigen Untergrund zum Ausgangspunkt und Material einer ganzen Serie von großformatigen Bildern machte, fand so Eingang in meine Sammlung.
 


undefinedCoteaux Charitois


undefinedSteine Charitois


Wer von den  Messebesuchern unter den Weinbloggern entdeckt wohl das diejährige künstlerische Überraschungsei zwischen Bloggertreffen und großer Bordeauxverkostung in der Rheinterrasse?

Ich freue mich schon auf Eure Fundstücke!




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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Allgemeines
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16 mars 2008 7 16 /03 /mars /2008 16:14

Die Prowein 2008 in Düsseldorf, eine der größten internationalen Fachmessen für Wein- und Spirituosen, hat gerade erst ihre Tore für das Publikum geöffnet und schon ein Rückblick? Nein, so schnell geht das nicht, selbst bei den Weinbloggern im Internet gab es bisher nur Vorausschauendes und geplante Treffen, an denen ich zu meinem großen Bedauern nicht teilnehmen kann, weil es terminlich dieses Jahr nicht zu einer Reise nach Düsseldorf gelangt hat.

Unser Weingut ist zwar viel zu klein, um je den Aufwand und die Kosten für eine Teilnahme als Aussteller auf einer Messe dieser Größe rechtfertigen zu können, aber in meiner Eigenschaft als dreisprachige Fachfrau hatte ich viele Jahre hindurch Gelegenheit für französische Austeller unterschiedlichster Herkunft und Größe an dieser Messe in meiner Heimatstadt teilzunehmen.

So verstehe ich die nostalgischen Erzählungen französischer Winzer, die sich am Zentralstand A 140 in Halle 5 der Sopexa treffen und in einer ihrer wenigen Pausen von der Zeit sprechen, als sie mit zwei Dutzend Austellern in den Räumen einer Hotels auf der anderen Rheinseite den Grundstein zur heutigen Großveranstaltung gelegt haben. Nach dem Umzug auf das Messegelände kam dann der rasante Aufstieg - und aus einer Messehalle zu Beginn sind inzwischen 6 geworden, in denen dieses Jahr 3.058 Aussteller aus 43 Ländern um die Gunst des internationalen Fachpublikums bulen.

Auch in diesem Jahr wieder präsentiert sich allein Frankreich mit rund 400 Austellern, von den "big playern", wie sie in den Pressemeldungen genannt werden, bis bin zu kleineren Betrieben, die hier ihre Kunden suchen. Das sind übrigens nicht mehr als 2006, wo von 419 französischen Austellern die Rede war.


Ich liebe die Atmosphäre des letzten Aufbautags, an dem man sich kaum vorstellen kann, dassaus diesem Chaos aus Kartons, Kisten, Holt, Plastik und Kabeln aller Länge und Dicke über Nacht doch noch die wohlgeordneten Alleen mit den sauberen Teppichen und all die blinkenden, chromstrahlenden Stände mit ihrer individuellen Dekoration werden können, die die ersten Besucher dann am Eröffnungsmorgen empfangen.


Hut ab vor den Monteuren, die hier den Überblick behalten und unterstützt von zahlreichen Thermosflaschen mit Kaffee und sonstigen aufputschenden Getränken und beschallt von individuell mitgebrachter Musik aus diversen Kofferradios immer wieder dieses logistische Wunder vollbringen

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South of France, Sud de France - Frankreichs Süden, der als neue Marketingstrategie unter dem neuen benannten Verbandsdach zum ersten Mal AOC und Landweinerzeuger gemeinsam vorstellt, wird sicher wieder viele Besucher anziehen. Hoffentlich als Logo erfolgreicher, als die zwischendurch lokal in Montpellier ausgerufene und inzwischen wohl schon wieder begrabene "Septimani", der sowohl bei den Fachvertretern als auch international trotz anfangs hoher Subventionen lokaler Politmatadoren wie George Frèche keine große Unterstützung und somit auch kein langes Leben vergönnt war.

Nachdem Biowein und alkoholreduzierte Weine zu den Trends der diesjährigen Weinmesse ausgerufen wurden, wird wohl auch der Stand der Winzerfamilie Pugibet, Domaine de la Colombette, aus der Gegend von Béziers, in Halle 5, Stand E 106, großen Zulauf erwarten können.

undefined  Francois Pugibet undefined
                                    Francois Pugibet

Ich hatte Gelegenheit, ihre alkoholreduzierten Weine der Gamme Plume vor zwei Jahren zu probieren, die ich für die Weißweine durchaus gelungen fand. Das Konzept, voll ausgereifte Trauben zu ernten, die in den letzten Jahren  im Languedoc oft eher 14° potentiellen Alkohol aufweisen, als weniger und diesen dann mit Hilfe der berühmt-berüchtigten spinning cone column einen Teil des Alkohols zu entziehen, um die Weine auf durchschnittlich 9° Alkohol zu reduzieren, wird angesichts der aktuellen Diskussionen um Gesundheit, anti-Alkohollobby und Rückgang des Weinkonsums in Restaurants wohl doch immer weiter ins Bewußtsein der Konsumenten eindringen. Auf jeden Fall gehört Francois Pugibet zu den markanten Winzerpersönlichkeiten des Languedoc. Sein Sohn und Partner  Vincent, der in Bordeaux Weinbau studiert hat und sich in Australien den Wind um die Nase wehen ließ, erklärt übrigens auch in einem Video bei youtube ausführlich und mit dem für meine Ohren so vertrauten Akzent des Midi, wie er und sein Vater auf diese zunächst nicht nur offiziell verbotene, sondern auch von Kollegen und Weintrinkern verteufelte Idee kam.

Auf der Prowein bietet sich eine ideale Möglichkeit, sich selbst ein Urteil zu bilden. Die Idee zu diesem Hinweis kam mir übrigens, nachdem fast durchgängig in allen Beiträgen zur Weinrallye mit dem Thema "Alltagswein" niedrigere Alkoholwerte bei erhaltenem Fruchtcharakter zu den entscheidenden Auswahlkriterien gehörten. Sollte also jemand die Gelegenheit zur Verkostung wahrnehmen, würde ich mich über einen Kommentar mit seinen Eindrücken sehr freuen.





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11 mars 2008 2 11 /03 /mars /2008 19:24
Vor zwei Jahren fand ich auf der Jagd nach altren Weingläsern (neben ausgefallenen Kochbüchern und Büchern über Wein meine dritte Sammelleidenschaft) dieses schöne alte Fleißkärtchen bei Monique Ferrat, der freundlichen Dame, die den Laden mit den regionalen Spezialitäten und die Brocante in Olargues betreut.


bon point (Fleißkärtchen) Pasteur - Vorderseite

Ich weiß nicht, aus welcher Zeit des vorigen Jahrhunderts es genau stammt - ich würde auf die dreißiger Jahre tippen. Die Rückseite zeigt Louis Pasteur, wie Wikipädia richtig sagt, einer der bekanntesten Wissenschaftler Frankreichs, dem nicht nur das berühmten Institut Pasteur in Paris seinen Namen verdankt, sondern der auch wirklich in Frankreich wie ein Nationalheld verehrt wird.

Besonders geschätzt wird er natürlich auch in Winzerkreisen, schließlich entdeckte er als erster die Geheimnisse der Milchsäuregärung und damit der Fermentation, sondern er gewann auch neue Erkenntnisse über die Weinsäure. Der ihm zugesprochene Satz: Der Wein ist das gesundeste und sauberste aller Getränke (der auf dem Bild oben zitiert wird), zierte jahrelang Schilder am Straßenrand von Béziers ob das heute noch so ist, möchte ich angesichts des zweiten Teils dieses Artikels fast bezweifeln...


bon point Pasteur - Rückseite

Die Rückseite enthält unter der Überschrift: Nährwert des Wein  eine vergleichende Auflistung: 1 Liter Wein mit 10° Alkohol entspricht dem Nährwert von 900 gr Milch, 370 gr Brot, 585 gr Fleisch oder 5 Eiern.

Daraus schloß das unterzeichnende Nationale Propagandakommité, also so eine Art Marketingsgesellschaft des Weinbauverbandes aus Paris folgerichtig:

Der Wein ist gesund, trinken Sie Wein.

Nun, wie schon hier ausgeführt, war in noch nicht so lange vergangenen Zeiten in Frankreich der Liter Wein vom Familientisch nicht wegzudenken, was eben auch den relativ hohen Prokopfverbrauch jener Zeiten erklärt - ein alltägliches Produkt.

Wenn ich mir die heutigen Preise für die angegebenen Mengen ansehe: zwischen 0,80 und 1,60 € für die Milch  (je nach Qualität), zischen 1 und 3 € für die Eier, zwischen 5 et 15 € für Fleisch (nach oben hier allerdings offen...) und - wie bei meinem Dorfbäcker, um 2,50 € für die gleiche Menge Brot - stelle ich fest, dass all das inzwischen wesentlich teurer ist, als ein Liter Tafel- oder Landwein mit 10° Alc., sei er aus dem Midi oder aus  Bordeaux (wobei ich natürlich nicht von den Primeurweinen spreche:-)).

Aber ich vermute, dass diese Art von Fleißkärtchen in der Pädagogik heutzutage genau so politisch unkorrekt wären, wie eine mit zu positiven Bildern arbeitende Weinwerbung in Frankreich. Gott in Frankreich dürfte vielleicht noch ein Gläschen trinken (wenn er sich dabei nicht werbewirksam fotografieren läßt), Wasser in Wein zu verwandeln würde nicht nur von konkurrenzneidischen Winzern, sondern vor allem von der sehr aktiven Anti-Alkohol-Lobby angeprangert - und für Maria und ihre Schwestern sähe die Sache ganz böse aus.  
Gemäß eines ministeriellen Erlasses vom 2. Oktober 2006, müssen ab dem 3. Oktober 2007 alle Flaschen, die alkoholische Getränke enthalten, mit diesem Logo geschmückt werden:

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oder den folgenden Aufdruck zeigen:
"la consommation de boissons alcoolisées pendant la grossesse, même en faible quantité, peut avoir des conséquences graves sur la santé de l'enfant" - Der Konsum von alkoholhaltigen Getränken während der Schwangewrschaft, selbst in geringen Mengen, kann schwere Konsequenzen für die Gesundheit des Kindes nach sich ziehen -.

Das möchte ich zwar als Aussage gar nicht bestreiten, da es sich aber um einen sehr langen Satz handelt, wäre es nicht einfach, ihn elegant auch noch auf's Etikett zu zwängen, das ja seit dem vergangenen Jahr auch schon den obligatorischen Warnhinweis "enthält Schwefel" aufnehmen musste. 

Also experimentiere ich jetzt auf der Suche nach dem geeignetsten Ort für das neue Logo  auf unseren Etiketten. Manchmal frage ich mich dabei, ob es in Ländern, die nicht der gleichzeitigen Anti-Alkohol-Kampagne wie Frankreich ausgesetzt sind, nicht irrtümlich als Verbot des Getränks für adipöse Personen, deren Body Mass Index  (BMI = Gewicht geteilt durch die Körpergröße zum Quadrat) höher als 30 ist und die zusätzlich noch Pferdeschwanzträger sind, mißinterpretiert werden könnte. .. an Ihre Taschenrechner  - oder dem Link folgen, da wird das für Sie online berechnet!


Hier also als Scoop die ersten Entwürfe für unseren Jahrgang 2006:

nouvelles étiquettes
Wie Sie feststellen, haben wir uns noch nicht entschlossen, ob die abgebildete Person nun links- oder rechtsdrehend repräsentiert werden sollte. Dabei weiss man inzwischen, dass solche Entscheidungen nicht nur für den gesundheitlichen Wert von Joghurt, sondern auch für das Einkaufsverhalten von Kunden in Supermärkten von hoher Bedeutung sind - von den politischen Konsequenzen der Orientierung will ich hier gar nicht erst sprechen...

Da Umfragen aber allgemein sehr beliebt sind, möchte ich meinen Lesern und /oder Freunden unserer Weine aber auch eine Wahlmöglichkeit einräumen:


nach links (...)  oder nach rechts (...)


- kreuzen Sie Ihre Wahl an
- oder hinterlassen Sie einen Kommentar

Natürlich sollten schwangere Frauen über die Auswirkungen ihrer Ernährungsgewohnheiten auf das werdende Kind informiert werden. Das
fetale Alkoholsyndrom (FASD) kann bei starkem Missbrauch  laut Untersuchungen zu Wachstumsstörungen, körperliche Deformierungen sowie geistige und seelische Behinderungen führen. Der Intelligenzquotient der betroffenen Kinder liegt im Schnitt bei 75 (Normwert: 100). Noch gravierender sind jedoch die emotionalen Auffälligkeiten und Verhaltensstörungen, wie z. B. Hyperaktivität, Ablenkbarkeit und Auffälligkeit in der Schule

Je nach Ernährungsgewohnheiten unserer lieben Mütter (oder - für Männer, ihrer Ehefrauen), die während ihrer Schangerschaft noch nicht von einem solchen wirkungsvollen Logo geschützt und gewarnt wurden, sollten wir  ab sofort einmal in uns gehen und evaluieren, welche Schäden dieses ungeschütze Leben uns und unseren Sprößlingen zugefügt hat....

Vielleicht waren Struwelpeter, Zappelphillip und Konsorten immer schon nur die unschuldigen Opfer ihrer Eierlikör oder Pikkolöchen trinkenden Rabenmütter!


 


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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Strandgut
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Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

Begleiten Sie mich also auf dem Weg durchs Winzerjahr. Hinterlassen Sie Ihre Kommentare oder stellen Ihre Fragen, damit aus diesem Blog ein lebendiges Kommunikationsmittel wird.

Ihre Iris Rutz-Rudel


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