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1 septembre 2008 1 01 /09 /septembre /2008 17:27
Nicht nur im Weinberg naht die Erntezeit. Pinot bei 100 Oechsle in der reifsten Parzelle, die höchste n Terrassen bei über 90 - da wird es Zeit, die Ernte einzuläuten. Morgen werden wir also beginnen.

Aber nicht nur die Trauben zeigen sich in reifen Farben, sondern auch jeder Gang ums Haus endet jetzt mit einer Hand voll Beeren, einem nach Sterntalerart gefüllt T-Shirt mit Äpfeln, einem Korb Pflaumen - oder wenigstens einem vom Naschen verschmierten Mund...

Es gibt selbstgemachten Pflaumenkuchen mit Früchten frisch von eigenen Baum, jeden Tag Tomatensalat mit einer bunten Mischung alter Sorten aus dem Garten - natürlich reich bestreut mit frischem Basilikum aus dem Kräuterbeet.

Der Sommer zeigt sich noch einmal von seiner Besten Seite - die Weinbergpfirsische leuchten schon am Baum - bald kommt der Herbst - eine goldene Zeit.


  

 

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27 août 2008 3 27 /08 /août /2008 11:54
Es ist bekannt, dass unsere Freunde von der anderen Seite des Kanals in immer größerer Zahl ihre splendid isolation aufgeben, um sich nach der Dordogne und der Provence nun auch im Languedoc anzusiedeln.

Peter Mayles Mein Jahr in der Provence hat da vor gut 10 Jahren eine Lawine losgetreten - inzwischen hat auch die Gegend zwischen Rhônetal und Pyreneen - nicht zuletzt dank RyanAir die Aufmerksamkeit der neuen Invasoren erweckt - und da die Briten ihren Sinn fürs Kolonialisieren noch nicht so ganz abgelegt haben, zieht einer den anderen nach.

Im Gegensatz zu meinen deutschen Landsleuten, die außerhalb von Mallorca eher individualistisch auftreten, haben Engländer und Schotten keine Hemmungen, sich in Clubs und lockeren Vereinen zusammen zu schließen und so gibt es inzwischen neben englischen Bookshops, Lebensmittelläden mit typisch britischen Spezialitäten, Dudelsackbands und Cricket-Clubs, anglikanischen Gottesdiensten und diversen lokalen Social-Clubs auch Webseiten und Printmedien, in denen man sich in der Sprache Shakespeares über all dies informieren kann.

Da bieten  hier niedergelassene britische Handwerker ihre Dienste an und Experten verraten ihre Steuertips und wie man sich in der auch hier wuchernden Bürokratie zurecht findet.

Ein seit zwei Jahren  zweimonatlich erscheinendes  Printmedium ist z.B. Languedoc-Sun


kostenlos in über 10 000 Exemplaren verteilt, vermittelt es der britischen Expat-Bevölkerung all die oben erwähnten Details, liefert aber auch Informationen über Geschichte und Kultur der Gastregion, lokale Rezepte und die Eigenheiten und Fallen der französischen Sprache.

Natürlich gibt es das Ganze auch auf einer Webseite, auf der man auch die schon erschienenen 16 Ausgaben als Pdf herunterladen kann:



Und da die Briten denn doch keine Sektierer sind, durfte auch Lisson sich in der neuen September/Oktober-Ausgabe mit einem Saisonthema, das meine Blogleser schon kennen: Boar Wars - der Krieg gegen die Schweine... vorstellen -


Eine besondere Herausforderung war es für mich natürlich, hier einmal einen Text in englischer Sprache zu schreiben. 28 Jahre in Frankreich haben natürlich Spuren in meinem Sprachzentrum hinterlassen und vieles verschüttet, was nach 10 Jahren anglo-linguistischer Studien mal im Zentralkomputer vorhanden war...

Immerhin wurde mein kleiner Text über unseren Kampf gegen die Invasion der Wildschweine im natürlichen Weinbau akzeptiert - nur die Überschrift wurde geändert: das Original hieß Boars Head Carol, in Anspielung auf ein traditionelles Weihnachtslied, zu dessen Geschichte Wikipädia eine amüsante Anekdote erzählt, bei der sich ein gelehrter Student erfolgreich mit griechischen Versen gegen den Angreifer verteidigt:

"Where an amusing tradition formerly current in Oxford concerning the boar's head custom, which represented that usage as a commemoration of an act of valour performed by a student of the college, who, while walking in the neighbouring forest of Shotover and reading Aristotle, was suddenly attacked by a wild boar. The furious beast came open-mouthed upon the youth, who, however, very courageously, and with a happy presence of mind, thrust the volume he was reading down the boar's throat, crying, "Græcum est,"[4] and fairly choked the savage with the sage" (1)

Eine Variante, die ich bisher noch nicht probiert habe!


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23 août 2008 6 23 /08 /août /2008 16:36
Auch wenn ich immer schon das berühmte Blau von 'Yves Klein bewundert habe

© Yves Klein, ADAGP, Paris

das nach ihren eigenen Aussagen auch die Drei inspiriert hat, die seit einigen Jahren als  Blue Men Group auf Tournée gehen und das Publikum mit verrückten Instrumenten in ihren Bann ziehen, die mich stark an unsere Rückenmaschine für die Weinbergsprizungen erinnern:


so muss ich doch sagen, dass ich nie wirklich glücklich bin, wenn es sich nicht mehr vermeiden lässt, diese Farbe auch in unserem Weinberg auszubringen. Das heisst dann nämlich, dass die Pilzkrankheiten wie Mildiou (falscher Mehltau) und Oidium (Mehltau) die Pflanzen zu stark gefährden, um weiter unserem Prinzip des Nicht-Spritzens zu folgen, mit dem wir schon weit über die Praxis offiziell kontrollierter Bio-Betriebe hinausgehen - von anderen Schulen den klassischeren Weinbaus, wie integrierter oder naturnaher, oder der noch am weitesten verbreiteten konventionellen Chemiemethode gar nicht erst zu reden.



Und so musste dann am 16 Juli mein blue man  Klaus doch noch einmal ausrücken, um die blaue Mischung aus  Kupferkalk und Schwefel auszubringen. Obwohl diese Mittel weniger agressiv sind, als die systemischen Spritzmittel, die seit Beginn der Wachstumssaison hier alle 11 bis 15 Tage von den anderen Weinbauern ausgebracht werden, schütz er sich dabei auch lieber mit einem Helm Marke Eigenbau mit Filter, eingebauter Lüftung (und MPs-Player) gegen den Sprühnebel.


Eigenbauschutzhelm

Aufbruch mit Spritzmaterial

Die blaue Farbe färbt dabei auch nach und nach Hemdrücken und Hose - Schuld daran bin ich, da ich mit meinen 1 Meter 60 leider zu klein bin, um alle paar Minuten den Tank der Rückenmaschine im fliegenden Wechsel mit einem Eimer neu zu füllen, ohne ausgiebig zu kleckern.

Auch die Tonne auf dem Rampi-Car, in der wir das Wasser für die jedesmal frisch angerührte Mischung ins Gelände transportieren, ist blau... Da aber auch mit diesem wendigen Gerät längst nicht alle Terrassen zugänglich sind, steht am Ende immer der Transport zu Fuss mit dem 10 L Eimer, um den Tank nachzufüllen, ohne dass der Sprayer noch zusätzlich laufen oder die Maschine jedesmal absetzen, ausschalten, anwerfen und mit Füllgewicht wieder auf den Rücken wuchten muss.


blaue Hose

Die Kupfermenge, die wir in diesem Jahr insgesamt in unserem Weinberg ausgebracht haben, beträgt ungefähr 2 kg/ha - damit bleiben wir schon weit unter den im 3 jährigen Mittel erlaubten 6 kg/ha, die inzwischen europaweit in den meisten Pflichtenheften des Bioanbaus angestrebt werden. Da Kupfer ein Element ist, dass sich im Boden anreichert und schwer abbaubar ist, ziehen wir es vor, dieses Risiko einzugehen - und bezahlen diese Risikobereitschaft natürlich auch in manchen Jahren durch Mengenverlust bei den Trauben, wenn der falsche Mehltau, der Blätter und Trauben  angreift, besonders stark präsent ist.

Zum Glück helfen uns andere Massnahmen, wie der strenge Schnitt unserer Reben, der zu dichter Vegetation vorbeugt, die gute Durchlüftung durch die Hanglage, Laubarbeiten, wenn nötig und ein Verzicht auf künstliche Düngung und kontrollierte Dauerbegrünung, das Risiko einzudämmen
.

In diesem Jahr waren die klimatischen Verhältnisse allerdings mit feucht-kühlem Frühjahr, spätem und instabilem Sommerwetter und häufigen Gewittern nicht sehr vorteilhaft und so kam es leider bei einigen Rebsorten zu starker Verrieselung bei der Blüte und wir verloren auch Traubenansätze durch eine frühe Mildiou-Attacke - es wird also 2008 nicht nötig sein, die Ertragsmenge durch eine Grünernte vorzeitig noch zu verringern!

Und jetzt noch eine echte Blue-Man Groupe Musik:


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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Arbeit im Weinberg
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20 août 2008 3 20 /08 /août /2008 17:42
oder: wie zuverlässig sind die "wine-restaurant-awards"



selber nachzulesen hier bei einem Walraff à l'americaine....

...
dem im
Forum des Wine Spectators inzwischen ordentlich die Leviten gelesen werden: 9 Seiten, auf denen nun auch in umgekehrter Richtung einige Male das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird - diese unprofessionellen Blogger, die nicht ausreichend recherchieren und sich nur auf Kosten anderer profilieren wollen (natürlich schlimmer als Restaurantkritiker, die ihre Leser glauben machen, sie hätten das entsprechende Etablissement wenigstens einmal besucht, bevor sie ihm Excellence bestätigen...)

Danke an Wolf Hosbach von 
Hausmannskost hier mehr Zeit als ich investiert zu haben.

In meinem Beruf hat man allerdings häufiger den Eindruck, dass in der Fachpresse über Weingüter geschrieben wird, die nicht unbedingt besucht wurden, da reicht dann auch eine gute Brochure, die abgeschrieben wird und der Zusammenhang zwischen redaktionellem Beitrag und im Heft platzierter bezahlter Werbung für einen Hersteller lässt mich  manchmal nachdenklich zurück... Leider keine Zeit heute, um nach konkreten Beispielen zu suchen, aber ich werde das gerne mal sammeln und bin überzeugt, dass viele Weinfreunde auch schon ähnliche Beobachtungen gemacht haben - Winzer bestimmt!


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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Strandgut
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19 août 2008 2 19 /08 /août /2008 10:18
Für die meisten meiner deutschsprachigen Leser bin ich eine Winzerin aus dem Süden. Mit Weinbergen 60 km nördlich vom Mittelmeer ist das in Europa auch logisch.

Aus der Weltperspektive betrachtet, relativiert sich diese Sicht.  Australien liegt da im Süden - und Lisson, Languedoc, Südfrankreich ist dann die Heimat einer Winzerin von der Nordhalbkugel.



Und so kann man ab der neuen, dritten Ausgabe des Online-Magazins vinifera - weinsinnig weibliche Seiten, das von einer engagierten Truppe weiblicher Weinjournalisten nicht nur für Frauen gemacht wird, jetzt regelmäßig die Arbeit auf unserem Weingut - und - wie schon in diesem Blog - auch die kleinen erfreulichen anderen Dinge unseres Lebens hier in Lisson - verfolgen.



Die Südhalbkugel wird von Fanchon Ferrandi aus Australien vertreten - die übrigens aus Frankreich stammt. Das erste Bild (Iris in Gelb), mit dem ich vorgestellt werde, wurde von Sandrine Kaul, der französischen Frau von Winzer Peter Kaul, vom Kaulwein Blog während ihres Besuchs in Lisson in diesem Sommer in meinem Keller aufgenommen - Frankreich steht also immer irgendwie im Mittelpunkt, wenn es um weinseelige Themen geht:-)

Und wie schon gesagt: ein Blick in die Seiten von Vinifera lohnt sich, nicht nur für Frauen. Blättern empfohlen! Und wie die Redaktion schon empfielt (in Deutschland bekommt man dafür ja zum Glück noch keinen anti-Alkohol-Prozess an den Hals):

Längere Ladezeiten überbrücken Sie am besten mit einem Schlückchen Wein!


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27 juillet 2008 7 27 /07 /juillet /2008 11:20
Seit sich die Sommerhitze jetzt durchgängig im Midi Frankreichs installiert hat, ist die Tonspur von Lisson



 wieder erfüllt von den schrillen Gesängen der Grillen,

Grashüpfer


Heuschrecken


Laubschrecke
n

und natürlich, typisch für den Süden, der Zikaden.


Zikade


Die Letzteren symbolisieren den Sommer, sind an warmen, sonnigen Tagen von morgens bis abends zu hören, aber nur sehr selten vor die Kamera zu bekommen, da sie sich gut getarnt meist auf Bäumen aufhalten. So bekommt man höchstens mal ihre leeren Larven zu sehen, die noch an einem Ast kleben, aber selten das Imago selbst.


So war meine Freude groß, als Klaus mir im Weinberg eine zeigte, die sich an der windgeschützten Seite eines Stützpfahls im Clos du Curé niedergelassen hatte, sich dort ausruhte und mir so Zeit gab, sie zu porträtieren.



Mit ihrer Vorliebe für Weinlandschaften und Waldränder finden sie hier ein ideales Biotop.


Um ihrem Gesang und dem der anderen zu lauschen, können Sie auf diesen Link klicken - 24 Sekunden  Lifeaufnahme eines Sommerspaziergangs auf dem Hügel von Lisson. Auf dieser Seite finden sie dazu noch Aufnahmen einer Vielzahl von Artgenossen überall auf der Welt - jede singt ihr eigenes, typisches Lied.

Natürlich kann man diesen unermüdlichen Sängern nicht lauschen, ohne an Aesop und die Fabeln von La Fontaine zu denken - zumal auch die fleißigen Ameisen rings ums Haus ja immer gegenwärtig sind, ob sie nun bei der Vorratssammlung sind, die diese:


oder gleich in Kriegshandlungen verstrickt:


die Kämpfer waren unermütlich



ein wilder Tanz, den die Zikaden und Grillen in den umliegenden Bäumen und Büschen im Chor  begleiteten.


Que faisiez-vous au temps chaud ?
Dit-elle à cette emprunteuse.
- Nuit et jour à tout venant
Je chantais, ne vous déplaise.
- Vous chantiez ? j'en suis fort aise.
Eh bien! dansez maintenant.


„Schimpf nicht!" - sprach die Borgerin -
„hab mit Singen mich ergötzt." -
„So, du sangst? Dann tanze jetzt!"


Bleibt nur zu hoffen, dass wir seit Beginn des Jahres fleißig genug waren, um im Herbst trotz zeitweise schwieriger Witterungsbedingungen und bewußter Zurückhaltung bei den Spritzungen eine ausreichende Ernte einfahren zu können. Auch wenn wir zwischendurch gerne mal singen und tanzen - noch sieht's gut aus...

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19 juillet 2008 6 19 /07 /juillet /2008 18:42
Wie bei den Winzer-Kollegen überall in Europa ist die jetzt angebrochene Ferienzeit auch in Lisson keine Erholungspause.

Auch wenn wir inzwischen schon seit einigen Wochen unter der durchgängigen Hitze zu leiden haben, während in nördlicheren Gefilden Frankreichs große Gewitterfronten die Bauern und Winzer noch in Angst und Schrecken versetzten, hat uns der feuchte Monate Mai neben den willkommenen Wasserreserven in den Böden und für unsere Quelle auch ein gerüttelt Maß an zusätzlicher Arbeit gebracht.

Da, wo in anderen Jahren mit ein wenig Glück ein Durchgang mit der Motorsense im richtigen Augenblick ausreichte, um unseren Reben die notwendige Luft inmitten ihrer Dauerbegrünung zu verschaffen, ist Klaus mit dem am Halfter getragenen Gerät mittlerweile schon beim zweiten Durchgang.   Parzellen, die Ende April pünktlich vor der Blüte  schon gesäubert waren, mussten im Juni/Juli noch einmal geschnitten werden, da sie aussahen, als habe man vorher nichts gemacht... Und während die Vegetation sich in der Sonne entfaltete und die Wärme mithalf, die ersten kleinen Mildiou-Spuren hier und da zu stoppen, schmolzen die Winzer bei jedem Arbeitsgang an den Hängen ein bischen mehr zusammen, mit Flüssigkeitsverlusten von 2 bis 3 Litern/Kilos, wie die Personenwage bei der abendlichen Kontrolle bewies.




Aber jetzt ist das Wichtigste erledigt


vorher et nachher



  Auch der Clos des Cèdres liegt wieder sauber unter der Sonne


im Vordergrund der Merlot, voll im Saft:


Natürlich gibt es noch einiges an Feinarbeit an den Stöcken sowie das Aufbinden an den Stützpfählen zu beenden, wie hier auf unserer höchsten Terrasse des Clos du Curé mit dem Pinot:


Der Senser wird zufrieden sein, bald auf seine Schutzkleidung, die ihn in eine Art Michelinmännchen verwandelt, verzichten zu können. Sie ist aber unbedingt notwendig, um Verletzungen durch Steinchen und Holzstücke zu vermeiden, die von der Motorsense regelmäßig mit hoher Durchschlagskraft aufgewirbelt werden:



und die Winzerin kann sich dann vielleicht irgendwann auch mal wieder ihrer dringend notwendigen Maniküre widmen:




Noch sind aber nicht alle Reben mit der vorbeugenden Mischung aus Kupferkalk und Schwefel gespritzt, eine weiterer mühsamer Arbeitsvorgang, von dem ich demnächst berichten werde.




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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Arbeit im Weinberg
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15 juillet 2008 2 15 /07 /juillet /2008 23:30
Bordeaux Blends outside Bordeaux hieß die Aufgabe, die Mario Scheuermann auf seinem Bordeaux-Blog für diese 13. Weinrallye ausgesucht hat.

Es geht darum Rotweine im Bordelaiser-Stil zu finden egal woher nur nicht aus einer der Bordelaiser Appellationen.

Wobei dann als erschwerende Aufgabe hinzukam, dass der Mischsatz mindestens aus 3 der 5 heute noch üblichen Rebsorten bestehen sollte.

Soweit, so gut, wenn man in Lisson winzert, auch nicht zu schwierig, dennn all diese Rebsorten wachsen in unserem Weinberg und werden auch jedes Jahr, soweit bei der Ernte noch vorhanden (siehe Wildschweine) in der Cuvée Les Échelles de Lisson, assembliert.

Kaum war der Aufruf erschienen, ging schon Bewegung durch den Weinblogwald und da fielen dann merkwürdige Begriffe: Nachahmer war noch der harmloseste, Imitate folgten, selbst von Plagiaten war die Rede.

Imitation gilt in der Wirtschaft als Fälschung und Produktpiraterie und Plagiatoren, also Diebe geistigen Eigentums, können sich sogar strafbar machen. Auch Nachahmer, also Produzenten von me-too-Produkten, haben ja eher ein anrüchiges Image (und sind auch unter Bloggern leider keine Seltenheit).

Aber da der Urheber des Themas es eigentlich wertfreier und eher als sportliche Aufgabe gestellt hat, werden wir uns jetzt als Winzer im Languedoc, der in seinen steinigen schieferdominierten Steilhanglagen Lust hatte, zu sehen, was aus diesen, alle als qualitativ hochwertig bekannten Rebsorten in einem Klima werden kann, das zusätzlich noch optimale Reife auch für die Späten dieser Palette garantiert, nicht formalisieren und uns beleidigt in unseren Keller zurückziehen.

Dass es sich bei allen Genannten (Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot, Côt/Malbec und petit Verdot) um traditionsreiche Rebsorten handelt, kann man schon daraus entnehmen, dass ihre Portraits auch in der bekannten Ampelographie von Viala-Vermorel an prominenter Stelle auftauchen.

   


  

Im Weinberg könnte ich sie momentan nur in grünem Zustand portraitieren - dabei dürfte vor allem dieses Foto, das ich zum Größenvergleich zwischen Mourvèdre und Petit Verdot kurz vor der Blüte aufgenommen hatte, sehr gut illustrieren, warum der Verdot mit dem Adjektiv "petit" klein bedacht wurde.

oben: petit Verdot darunter Mourvèdre

Wenn man weiß, dass er ebenso wie der in Bordeaux heute nur noch selten vorkommende Côt oder Malbec, sehr kapriziöse ist, zur Verrieselung neigt und lange Reifezeit braucht - während der Côt zu den frühreiferen Sorten gehört, wegen seiner saftigen, dünnhäutigen Beeren aber sehr empfindlich auf zu wuchskräftige Pfropfunterlagen und damit zu hohe Ertragsmengen mit Fäulnisbildung reagiert, versteht man, warum sie aus dem Rebsortenspiegel der reichen und tiefgründigen Böden Bordeaux nach der Reblausattacke verschwunden sind.

Auf den kargeren Böden rund um Cahor gehört Malbec noch zu den Standartsorten, hier hat er zusammen mit seinen Verwandten Tannat und Negrette zur Renaissance des Vin Noir, des schwarzen Weins vons Cahor geführt. Eine Appellation, die die aus Südamerika, vor allem Argentinien, wohin der Malbec 1868 von einem französischen Agronomen eingeführt wurde, nach Europa zurückschwappende Malbec-Welle geschickt ausnutzt und auf seinen Blackisphère-Blogs ein reges Internetmarketing auch in englischer Sprache betreibt.

Aber zurück nach Lisson. Diesmal fand die Verkostung einmal nicht in letzter Minute am Computer statt, sondern gestern am hellen Nachmittag in Gesellschaft von zwei zufällig gleichzeitig eingetroffenen Besuchergruppen, die mich aus dem Weinberg holten.

Nach Rundgang durch Barrique und Flaschenkeller, wo Rebsorten, Gärung, Ausbau und unsere Art der behutsamen, energieschonenden (außer unserer eigenen:-) und zusatzstoffreien Weinbereitung zweisprachig erläutert wurden  (die Gäste waren ein älteres, sehr ökologisch orientiertes französisches Paar aus einem Nahbardorf, ein seltenes Ereignis - und ein deutsches Touristenpaar mit Kindern und entsprechender Eile...), wurden natürlich ein paar Flaschen geöffnet, um Clos du Curé, Clos des Cèdres und die Échelles de Lisson nicht nur theoretisch kennen zu lernen.



Während der Pinot des Clos du Curé diesmal auch schon in seiner recht jungen Ausgabe von 2005 überraschte, zeigten sich der sonst in seiner Jugend viel verschlossenere Mourvèdre des Clos des Cèdres 2002 und sein noch tiefschwarzere, tanninreicherer Jahrgangsbruder von den "Leitern", den schmalen Terrassen hinterm Haus, auf denen man den Berg erklimmt und auf denen sich, oft nur mit 2 oder 3 Reihen  dicht bepflanzt Côt, Cabernet FrancCabernet Sauvignon folgen, von einer erstaunlich freundlichen Seite.

aufsteigend in den Oliventerrassen: Les Echelles de Lisson

Aber wir wollen ja heute nur vom zweiten sprechen:  Les Échelles 2002 - eine Assemblage aus einer Dominante von Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc, gefolgt von Merlot und Côt/Malbec. Aufgrund der Schweine leider in diesem Jahrgang nicht abgerundet durch den kleinen Beitrag von Petit Verdot, der hoch oben in der Arena des Clos des Cèdres wächst.



Wie schon gesagt: von fast tiefschwarzer Farbe, in der Nase dominiert von Brombeeraromen und würzigen Noten, im Mund dann überraschend weich, samtig, mit guter Säurestruktur, aber schon voll mit der Frucht verschmolzenen Röstnoten, die den 18 monatigen Ausbau in Barriques nur noch ahnen lassen. Im Finale Wildkräuter und schwarze Kirsche - und das Versprechen, dass dieser Wein auch noch in einigen Jahren ein interessanter Partner im Glas sein wird.

Ein weiterer Besucher gesellte sich überraschend zu uns, landete im Gleitflug auf der Flasche, umrundete sie, inspizierte sie von allen Seiten und konnte nur im letzten Moment dran gehindert werden, sich zielstrebig in ihrem Inhalt zu ersäufen. Auf welches der aus der Flasche aufsteigenden Aromen, dieser Gast besonders reagierte, hätte ich gerne gewußt, aber nachdem wir ihn auch ein zweites Mal am Eindringen gehindert hatten, flog er beleidigt davon, ohne uns darüber aufzuklären.

    

Les Échelles de Lisson: kein Bordeaux-Imitat, sondern eher ein von seinem Terroir und unserer Idee eines natürlichen wilden Weins geprägter Tropfen, der hoffentlich in diesem Jahr dank der neuen Elektrozäune einmal wieder alle 5 Rebsorten vereinen wird. Daumen drücken!

Wer Lust auf die Zusammenfassung der anderen Rallyebeiträge hat, kann sich auf Planet Bordeaux beim
Ausrichter informieren.



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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Weinrallye
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13 juillet 2008 7 13 /07 /juillet /2008 15:50
Sonntag Morgen, nach einem noch einmal aufregenden Samstag mit Gewitter, Donner und Bllitz, 4 Stunden Regen, aber kein Hagel...während draußen das Rauschen eines frischen Nord-Westwinds das Windspiel zum Klingen bringt und so das Blattwerk trocknet, trinke ich meinen ersten Café gemütlich vor dem Bildschirm und lese mich durch die diversen News.

Das Telefon reißt mich aus meiner genüsslichen Ruhe - am anderen Ende eine angenehme Stimme mit starkem kanadischen Akzent: ein junger Sommelier aus Montréal in Quebec mit dem schönen Namen Steve Beauséjour  möchte uns zu unseren Weinen beglückwünschen, die seit einigen Wochen in der Weinbar, in der er angestellt ist, ausgschenkt werden.

Comptoir à Vin Bouchonné heißt dieses Lokal, das erst im letztem Jahr eröffnet wurde. Ein Ableger des für die phantastische Auswahl seiner internationalen Weinkarte bekannten Restaurants
La Montée du Lait - mit Tapas, Fingerfood und kleineren Gerichten können hier Weinliebhaber vom halben Glas zum "Schnuppern" bis zur ganzen Flasche alle Weine des Angebots probieren und werden für die Kombination der Aromen von Essen und Trinken fachmännisch beraten.



www.bouchonne.com

Unser Gespräch läßt mich gerne glauben, was ein englischsprachiger Kritiker nach seinm Besuch der Bar geschrieben hat:  "Incidentally, this was some of the friendliest most genuine service in the city and made a big difference in my appreciation of the evening."

  Die Lisson Weine Les Échelles und Clos du Curé 2005 auf der Weinkarte waren zusammen mit einigen Flaschen des  Clos des Cèdres unsere ersten Weine, die die lange Reise über den Ozean und durch das komplizierte kanadische Einfuhrsystem für die Privatimportation durch die SAQ (Société des Alcools du Québec) genommen haben.

  Diane Turcotte von Vini-Vin, die ich vor zwei Jahren auf der Vinisud in Montpellier kennengelernt habe  hatte, obwohl ich bei unserem Treffen keine Proben dabei hatte, genügend Vertrauen in die ihr zu Ohren gekommene Mundpropaganda, um unsere Weine zu bestellen - und ich erinnere mich noch gut an das Gefühl, das mich überkam, als ich die Flaschen auf den weiten Weg schickte - auf einer kleinen Palette im großen Stauraum eines Lastwagens auf dem Dorfplatz in Olargues (die Transporteure kommen nie ans Haus - der Weg ist zu schmal...).

Es ist so, als ließe man seine Kinder zum ersten Mal in die Fremde ziehen - selbst wenn unsere Weine in der Vergangenheit schon bis Japan unterwegs waren - jedes neue, unbekannte Ziel ist ein Abenteuer - jedesmal möchte ich am liebsten Mäuschen spielen und dabei sein, um zu wissen, ob sie am Zielort auch gut empfangen werden, meine Schätze.


nicht im Restaurant, sondern auf unserem Tisch in Lisson: der Clos du Curé 2005

So war es also noch schöner für mich, heute diesen Anruf zu bekommen, der mir bestätigte, dass sie umsorgt werden, unsere Weine, dass man sie so behandelt, wie sie es verdienen, sie auch schon mal auf eine Karaffe füllt, wenn sie nicht genug Zeit hatten, sich vorher zu öffnen, um ihnen Gelegenheit zu geben, sich von ihrer besten Seite zu zeigen. Dass der marinierte Rindfleischsalat sie so hervorragend begleitet und dass sie die Weinliebhaber überzeugen, die dazu einen Pinot oder eine Assemblage beider Cabernetsorten entdecken, die sie überrraschen und begeistern.

Danke an die Mannschaft des Bouchonné (kein Korkschmecker in diesem Fall), danke an Steve, der nach Feierabend (es war 4 Uhr 30 morgens in Montréal, als er nach getaner Arbeit zum Telefon griff , um mir diese Neuigkeiten unserer Kinder mitzuteilen): ich habe den Tag mit viel Stolz und Sonne im Herzen begonnen!

Sollten Sie also einmal nach Montréal kommen, man weiß ja nie, können Sie die Weine von Lisson unter dieser Adresse finden - einfacher, als in Paris:-):

Comptoir À Vins Bouchonné
9 Fairmount E.
514.273.8846



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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Essen und Trinken
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10 juillet 2008 4 10 /07 /juillet /2008 13:47
Das Damosklesschwert eines generellen Verbots von Werbung für Wein schwebt schon lange über der Weinblogwelt in Frankreich. Das seit 1991 geltende Loi Evin, gegen den Missbrauch von Tabac und Alkohol, das die Werbung für und Kommunikation über Wein (als alkololisches Getränk) nur unter sehr einschränkenden Bedingungen erlaubt, hatte damals vergessen (wir schrieben eben noch das Jahr 1991, also lange vor Web 2.0 und tutti quanti), neben der schriftlichen Presse und den Rundfunkanstalten, auch das Internet in den wenigen erlaubten Ausnahmen aufzuführen.

Und da in Frankreich als Rechtsgrundsatz gilt: Was nicht ausdrücklich erlaubt ist, ist verboten, wurde heute Nacht im dafür zuständigen Senat in Paris über eine Ausweitung der autorisierten Medien auf das Internet abgestimmt und mit dem Hinweis, dass die Anti-Alkohol-Kampagnen vor allem dem Jugendschutz dienen, die Jugendlichen aber zu den emsigsten Nutzern des Internet gehören, eine solche Ausweitung
abgelehnt.

"L'amendement présenté par un sénateur de la Gironde, l'UMP Gérard César, qui voulait autoriser la publicité de l'alcool (en particulier le vin) sur internet, “à l'exclusion des sites destinés à la jeunesse“, a été repoussé dans la nuit du mercredi 9 juillet au jeudi 10 juillet, non sans débat. Plusieurs sénateurs ont en effet estimé qu'“internet ne peut être tenu à l'écart de la lutte contre l'alcoolisme“ et se sont émus des effets néfastes de cette disposition sur les jeunes, grands utilisateurs de la toile."

"Die Abänderung, die ein Senator aus der Gironde, das UMP Mitglied Gérard César, präsentierte, die Werbung für Alkohol (und insbesondere für Wein) im Internet zu erlauben, "mit Ausnahme der Seiten, die sich an die Jugend wenden",  wurde in der Nacht von Mittwoch, dem 9. auf Donnerstag, den 10. Juli, nicht ohne Debatte, abgelehnt. Mehrere Senatoren gehen in der Tat davon aus, dass "das Internet nicht beim Kampf gegen den Alkoholismus" außen vor gehalten werden kann und erregten sich über die schädlichen Effekte einer solchen Änderung vor allem bei Jugendlichen, die das Web sehr stark nutzen."

Die sehr starke französische Anti-Alkohol-Lobby A.N.P.A.A.  - l'Association Nationale de Prévention en Alcoologie et Addictologie -  hat sich also durchgesetzt.

Das Gesetz definiert die Informationen, die in der Werbung verwendet werden dürfen im Paragraph 18:

..."Die Werbung für alkoholische Getränke ist beschränkt auf die Angabe des Alkoholgehalts (Vol), der Herkunft, der Bezeichnung, der Komposition des Produkts und der Adresse des Fabrikanten, des Agenten oder Händlers sowie auf die Art der Herstellung, die Verkaufsbestimmungen und die Konsumhinweise des Produkts.
Diese Werbung kann auch Hinweise auf ddie Anbaugebiete (hier fällt das schwammige Wort Terroir) und die erhaltenen Auszeichnungen enthalten.

Die Verpackung darf nur abgebildet werden, wenn sie diesen Bestimmungen entspricht.

Jede Werbung für alkoholische Getränke, mit Ausnahme von geschäftlichen Rundschreiben, die sich an Personen richten, die gewerblich handeln, müssen einen gesundheitlichen Warnhinweis enthalten, der präzisiert, l'abus d'alcool est dangereux pour la santé - dass der Missbrauch von Alkohol gesundheitsschädlich ist."...


In den letzten Monaten wurden wieder vermehrt Zeitschriften, die z.B. Sonderartikel über Champagner veröffentlicht hatten, mit Strafen belegt, weil der Warnhinweis fehlte  und Werbeplakate von Weinverbänden verboten, weil sie als jugendgefährdent eingestuft wurden.

So hatte eine Appellation aus dem Loiretal mit diesem Plakat werben wollen:


Der beanstandete Slogan lautete:  “Qui ose dire que jeunesse ne rime pas avec délicatesse" - "wer sagt da noch, dass Jugend nicht auch köstlich sein kann"...

Welche Konsequenzen jetzt aus der Abstimmung im Senat für unsere Internetseiten inklusive Blogs folgen wird, bleibt abzuwarten. Im Zweifel werden die militanten Fanatiker der A.N.P.A.A. schon Mittel und Wege finden, unserem unkeuschen Treiben mit Abmahnungen und Prozessen ein Ende zu setzten...

L'abus de règlementation est dangereux pour la liberté wäre auch ein guter Warnhinweis!




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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Strandgut
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Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

Begleiten Sie mich also auf dem Weg durchs Winzerjahr. Hinterlassen Sie Ihre Kommentare oder stellen Ihre Fragen, damit aus diesem Blog ein lebendiges Kommunikationsmittel wird.

Ihre Iris Rutz-Rudel


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