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9 mars 2009 1 09 /03 /mars /2009 12:52
Die Zeit, sie rast im Sauseschritt - und schon wieder ist es Zeit für einen Beitrag zur deutschen Weinrallye. Diesmal hat Lars von Schreiberswein das Thema ausgerufen: Die Königin der Reben: Riesling aus deutschen Spitzenlagen.

Zur Auswahl stand alles: "Berühmte Lagen, erste Lagen, große Lagen oder besondere Lagen, aus denen Weine erzeugt werden, die weltweit Botschafter der deutschen Weinkultur sind. Von Baden bis Sachsen. Von Kabinett bis Eiswein. Von trocken bis edelsüß. Pflicht ist dabei die Angabe einer Einzellage auf dem Etikett."

Nun bin ich nur in Frankreich, das ist ja noch nicht weltweit und von deutscher Weinkultur verstehe ich dank meiner Bloggerkollegen zwar nach und nach ein wenig mehr, würde mich aber noch lange nicht zum Spezialisten oder gar Juroren aufspielen.  Wie mit vielen ausländischen Weinen geht es auch mit denen aus Deutschland (und da sowieso nur Riesling, andere Sorten sind hier so gut wie unbekannt) so, dass nur ein paar Winzernamen (Dönnhoff, Prüm, Loosen, Egon Müller, Thanisch und Löwenstein) bekannt und überhaupt erhältlich sind.

In den Weinforen drehen sich die Diskussionen hauptsächlich um Weine dieser Güter und um die vollkommene Undurchdringlickeit der deutschen Prädikatsbezeichnungen, die merkwürdigen Definitionen von "trocken" und "halbtrocken", die Unmöglichkeit, vom Alkoholgrad auf das ursprüngliche Mostgewicht zu schließen und die Verwirrung durch die unaussprechlichen Lagennamen und deren Vielfalt.


Dafür habe ich volles Verständnis - auch wenn so mancher Ausländer wohl inzwischen das französische AOC und Vin de Pays Wirrwarr und die tausende Lagen aus Burgund auch nicht viel transparenter finden wird:-).

Aber kehren wir zurück zur Weinrallye und zum Riesling, der in Frankreich ja bisher durch protektionistische Verbote in den anderen Regionen ausschließlich dem Elsass als zugelassene Rebsorte vorbehalten war. Das hat sich übrigens erst vor ein paar Tagen geändert!

Ich habe also keine Ahnung, ob die Rieslinge in meinem Keller, die nicht als Grand Cru Lage des Elsass ausgezeichnet sind, wie meine geliebten Schueller Rieslinge vom Bildstöckle oder Pfersigberg, nun zu den berühmten, esrten, großen oder besonderen gehören. Alles, was ich weiß, ist dass sie mir hervorragend schmecken!

Ich liebe ihr Mundgefühl, dieses unnachahmliche Gleichgewicht von Fülle und Säure, dass einen klaren, frischen und mineralischen Eindruck im Mund hinterlässt, ohne die je nach Jahrgang und Herkunft eher fruchtigen oder blumigen Noten zu vernachlässigen. Ihre unnachahmliche Leichtigkeit des Seins...

Das ist meine  Madeleine de Proust, die Erinnerung an den deutschen Riesling, wie ich ihn in Erinnerung behalten hatte, seit ich Deutschland vor fast dreißig Jahren verlassen habe... eine Qualität, die ich in den meisten französischen Weißweinen und auch den Rieslingen aus dem Elsass meist vergeblich gesucht habel.

Groß war also meine Freude, als ich dank der Blogsphäre die Möglichkeit gefunden habe, solche Weine wieder zu finden - und dann auch noch von einem Bio-Winzer.

Jetzt ist es nicht mehr schwer zu erraten, dass ich heute von Harald Steffens vom Weingut  Steffens-Kess aus Reil an der Mosel spreche, der 10 ha Riesling in echten Steilhanglagen kultiviert - allein schon ein Blick auf seine   Videos , die er regelmäßig in seinen  Blog Bildergeschichten einstellt und auf denen wir sehen, in welcher halsbrecherischen Lage er pflügt oder vorschneidet oder Kompost ausbringt, sprechen Bände und machen selbst mich schwindeln!


Ich hatte also im vorigen Jahr zum ersten Mal ein dutzend Flaschen in seiner online-boutique bestellt, dazu noch mit der angenehmen Überraschung, dass das Porto selbst zu mir nach Südfrankreich nur 11 € kostete und die Weine 2 oder 3 Tage später bei mir eintrafen. Für den selben Preis hätte ich übrigens auch 21 Flaschen ordern können:-).

Aber das ist ja nicht das Wichtigste: wichtig ist das enorme Vergnügen, das mir seitdem jede geöffnete Flasche bereitet hat: angefangen mit dem Winzersekt, schon zur 18.Weinrallye hier vorgestellt,  vom einfachen Kabinett über die Spätlese bis hin zur Auslese, wie die, die ich heute hier vorstellen möchte: 



Die Reiler Goldlay Auslese 2007 - Goldlay, wie von Lars gefordert, eine Einzellage, vom Schieferboden.  Goldlay, eine Bezeichnung, die es auch an anderen Stellen an der Mosel gibt, heißt im örtlichen Dialekt Goldfelsen. "Den moselromanischen Ausdruck für Fels, - ley, lay oder auch lei geschrieben -, tragen viele Reiler Weinlagen, wie zum Beispiel Goldlay, Mullay und Falklay." Schieferhänge, die über Jahrhunderte von Generationen von Winzern mit der Hacke und der Kiepe bearbeitet wurden, die keine Probleme mit Nässestau haben und die Wärme des Sonnenlichts eben in ihren steinigen Komponenten speichern und an die Reben wieder abgeben können. Da liegt im übrigen meiner Meinung nach die wahre Noblesse eines Weins, nicht im Titel (sei's nun der in Deutschland so beliebte Dr., ein Reichsgraf oder ähnlich alter Zopf).

Golden ist auch der Schimmer des Weins im Glas. Die Sonne, die von den Reben am Hang gespeichert wurde, umgewandelt in vollreife Trauben, findet sich wieder transformiert in einen Wein mit klaren Aromen, fruchtig und blumig zugleich. Nein, kein Petrol in der Nase... aber im Geschmack genau dieser Eindruck eines gradlienigen Weins, mit einer schlanken Eleganz, weder zu üppig, noch zu leicht, ein perfektes Gleichgewicht zwischen Säure und Frucht, umspielt von Noten von Äpfeln und Pfirsischen, leicht salin mit Zitrusnoten. 



Für mich ist es das, was ich suche, dieses Gleichgewicht im Mund, das Lust macht, den Wein zu trinken und das Glas neu zu füllen. Die Weine der Steffens sind alle trocken ausgebaut, selbst die Auslese, auf den natürlichen Hefen. Sie passen hervorragend zu vielen Gerichten und Gelegenheiten, von der Vorspeise zum gut gereiften Hartkäse,  ihr Reichtum an Glyzerin vereint mit der salinen Note macht sie zu wahren Partnern der Speisen, gemeinsam bilden sie im Mund ein Ganzes, keiner erdrückt den anderen. i



Man ahnt es, es blieb nicht bei einer Kiste:-) - Hahnenschrittchen und Wendelstück gesellen sich zur Goldlay - garantiert ohne Cola... mein königlicher Tropfen für alle Tage, an denen ich Wein trinke und eine Abwechslung zu den vielen Roten in meinem Keller suche!




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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Weinrallye
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7 mars 2009 6 07 /03 /mars /2009 10:43
ja, auch sowas findet der neugierige (Winzer)blogger, wenn er mal von Zeit zu Zeit in seinen Statistiken nachschaut, was die Leser eigentlich auf seinen Blog bringt.

Mir war nicht bewußt, jemals diese Wortkombination verwandt zu haben, aber dank Google hat auch dieser Sucher gleich auf der ersten Seite der Suchmaschine diesen Link gefunden.

Vermutlich war er von Inhalt und Illustration eher enttäuscht, denn der Artikel handelt von neuen Barriques für den neuen (2007ner) Wein und vor dem neuen Barrique posiert der damalige Kellerhund....

Nun kann man ja auch mit Barriques etwas anderes machen, als nur Wein einfüllen, dazu gab es hier ja auch schon früher schöne Beispiele. Für die Verwendung dessen, was nach Klaus macht ein Fass auf übrig blieb, habe ich vor ein paar Tagen noch eine schöne Anregung gefunden. Meine norwegische Freundin und Bloggerin Ragnhild  hat mir als Gastgeschenk diese Karrikatur eines norwegischen Illustrators mitgebracht, die wohl zum Glück  etwas weniger Skandal gemacht hat, als die Mohamed-Karrikaturen, obwohl der Inhalt wohl auch mit der Vorstellug der französischen Gesundheitsbehörden für eine politically korrekte Weinwerbung nicht in Einklang zu bringen ist.



Auch eine Art von Recycling - und hier für den einsamen Sucher noch mal im Ausschnitt:


Da wissen wir jetzt doch gleich, was uns mit dem "Rest" vom Tischbau zu tun bleibt:


Aber das wird wohl erst bei steigenden Temperaturen aktuell werden...

Bis dahin werden hier wohl weiter eher nackte Reben und (halb)volle Gläser zu sehen sein, Winterschnitt und Weinkontrollen obligent...

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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Strandgut
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5 mars 2009 4 05 /03 /mars /2009 16:54

Nachdem uns vor 14 Tagen die französische Presse erstmal ungeprüft und völlig unkritisch eine Studie über den angeblichen Zusammenhang von moderatem Weinkonsum (das schien den Journalisten wohl populistischer, als von Alkohol zu sprechen) und Krebssterblichkeit servierte (allen voran Le Monde, eigentlich nicht gerade als französische Bildzeitung bekannt), holt heute die deutsche Journalistik nach, und zitiert eine ebenfalls aus dem Jahr 2007 stammende Studie aus Holland, nach der Alkoholwerbung im  Fernsehen den Alkoholkonsum erhöht. Siehe Focus-Artikel.

Abgesehen von der Frage, wofür denn wohl sonst Werbung geschaltet würde, wenn dieser Effekt nicht eine Binsenweisheit wäre - fällt auch hier wieder auf, wie unkritisch diese Art von populärwissenschaftlichem Journalismus betrieben wird. Da stehen sich die Nachbarn zu beiden Seiten des Rheins offensichtlich in Nichts nach.

Oder sollte es eine gut organisierte europäische Lobby geben, die ihre Zeit damit verbringt, plakative Ergebnisse aus wenig tragfähigen Gelegenheitsstudien (80 Teilnehmer unterteilt in 4 Gruppen à 20 Probanden, keine blind-Gegenprobe), die mich eher an Seminararbeiten aus Proseminaren erinnern, auszugraben und zum opportunen Zeitpunkt anstehender Gesetzesdebatten über Kostensenkung im Gesundheitswesen unter dem Deckmäntelchen der Drogenbekämpfung und des Jugendschutzes an die opportunistische Presse zu lancieren?

Einziger Trost für den Winzer: In der deutschen Presse wird ein Artikel mit dem reisserischen Titel: Psyche - Akoholwerbung verführt zum Trinken mit einem Glas Bier illustriert - in Frankreich muss dafür meist das Glas Rotwein herhalten.

Interessantes Detail das im Fokus Artikel nicht erwähnt wird: Die Probanden, die zunächst den Film American Pie sahen und danach Alkoholwerbung, ließen sich zu 0,6l (!) Alkoholkonsum hienreißen, während die Kontrollgruppe, der die offensichtlich trockene Komödie 40 Tage 40 Nächte über einen abstinent sex-fastenden Helden gefolgt von "neutraler" Werbung sich nach dem Test abstinent verhielt.

Kleiner Vorschlag für's anstehende Wahljahr: Vielleicht sollten sich die mit den anstehenden Gesetzesvorlagen befassten  Politiker überlegen, ob es nicht einfacher wäre, gleich das ganze Kino und Fernsehprogramm nach süchtig machenden und zum Exzess animierenden Inhalten zu durchforsten und entsprechende Verbote, vor allem fürs Fernsehen,  auszusprechen.

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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Strandgut
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28 février 2009 6 28 /02 /février /2009 13:29




Winter ade!

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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Strandgut
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25 février 2009 3 25 /02 /février /2009 17:57
Seit ein paar Tagen macht uns das Wetter endlich wieder richtig Freude, kaum Wind, strahlend blauer Himmel, wärmende Sonne und schon wird der Rebschnitt zum wahren Vergnügen!

Bei meinem französischen Winzerkollegen  Marc Dalbavie habe ich eine schöne Beschreibung dieser Stimmung gefunden, die ich meinen Lesern nicht vorenthalten möchte:

"C'est un travail non pas stimulant... mais communiant...! On ne participe à aucune excitation... mais, chaque geste et sa répétition nous plonge dans une méditation où l'air frais qui nous caresse, nous place dans un bien-être indescriptible. L'idéal serait d'emprisonner ces sensations dans les fruits que l'on vendange. Comment faire?"

"Diese Arbeit ist nicht so sehr stimulierend als vielmehr ... eine Kommunion...! Es ist nichts Aufregendes daran... aber jede Gheste  und ihre Wiederholung läßt uns in eine Meditation eintauchen, bei der die frische Luft uns streichelt, uns ins einen Zustand unbeschreiblichen Wohlbefindens versetzt. Es wäre ideal, wenn man dies Gefühl in die Frucht einschließen könnte, die man ernten wird. Aber wie?"

Am ersten schönen Tag nach den doch sehr langen und stürmisch verregneten Wintertagen, hatte mich diese Atmosphäre so erfrischt und beglückt, dass noch genug Energie übrig war, um mir den Rücken auf einem Spaziergang rund um den gesamten Weinberg zu entspannen. Das späte Nachmittagslicht ließ den Schiefer auf meinen Weg leuchten, jeder Stein ein kleines Universum. Ich habe daraus eine kleine Diashow zusammengestellt, die man sieht, wenn man auf das Bild unten klickt.



Bei dieser Gelegenheit konnte ich auch noch einmal die Schäden begutachten, die die Windböen von über 130 kmh beim letzten Sturm verursacht haben. Auch wenn die Weinstöcke selber um diese Jahreszeit auch Strumböen gut abkönnen, weil die nackten Triebe dem Wind keine Angriffsfläche  bieten. Das ist im Frühjahr und Sommer, wenn die jungen Triebe belaubt und noch recht zerbrechlich sind, wesentlich gefährlicher.

Gelitten haben allerdings unsere individuellen Stützpfähle aus Kastanienholz, die wir vor fast 20 Jahren für die Rebsorten gesetzt haben, die einen Ankerpunkt für ihre biegsamen Triebe benötigen.  Also vor allem Pinot, Merlot und petit Verdot. Über den Mourvèdre habe ich ja schon berichtet, dass er die glückliche Eigenschaft von "selbsttragenden" Trieben hat, die es erlauben, nach einiger Zeit ganz auf Stützpfähle zu verzichten.  Diese  ehemals 2,5m langen Stützpfähle, die nach der langen Zeit im Boden auch teilweise in der Erde verrottet sind,  da wir sie nur leicht im Feuer geschwärzt und nicht mit irgendwelchen chemischen Substanzen impregniert haben, haben dem Sturm nicht stand gehalten und an einigen Stellen sieht es nun so aus,  als hätte ein Riese im Weinberg Mikado gespielt...




Also noch ein wenig mehr Arbeit auf dem Programm...




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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Arbeit im Weinberg
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20 février 2009 5 20 /02 /février /2009 19:07
Nicht frankophone Leser, können es jetzt auch beim Decanter nachlesen:

French Governement new advice: don't drink wine.

In der französischen Presse wird seit ein paar Tagen schon ernsthaft darüber berichtet - ohne auch nur im geringsten inhaltlich darüber zu diskutieren. Bei Le Monde hieß das : bannir l'alcool, pour prevenir le risque du cancer - den Alkohol verbannen (verbieten), um Krebsrisiko vorzubeugen - und andere bliesen munter in das gleiche Horn: auch schon nur ein Glas täglich kann fatale Folgen haben.

Jetzt geht es also nicht mehr um den Jugendschutz oder die Suchtprevention, sondern um Leben oder Tod.

Wenn es nicht so ernst wäre, zu sehen, wie hier ein angeblicher Medienscoop (die zitierte Untersuchung wurde schon 2007 zum ersten Mal veröffentlicht) hervorgezerrt wird, genau in dem Moment, in dem auf Regierungsebene wieder über eine Ergänzung des hier schon erläuterten Loi Evin, das die Werbung für Alkohol und dabei auch Wein schon seit 18 Jahren erheblich einschränkt und eine totale Rechtsunsicherheit vor allem für die Kommunikation über Wein im Internet beinhaltet.

Die Zeiten, in denen eine Jeanne Calment, seinerzeit noch die älteste Bürgerin Frankreichs mit 122 Jahren, überall damit zitiert wurde, dass sie bis an ihr Lebensende auf ihr tägliches Glas Wein nicht verzichtet hat, sind jetzt wohl endgültig vorbei!

Eine vollkommen  neue Form des French Paradox!


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Published by Iris Rutz-Rudel - dans gelesen oder gehört
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5 février 2009 4 05 /02 /février /2009 15:55
nachdem die grüne Frau schon zu einigen interessanten Interpretationsversuchen in den Kommentaren geführt hat, hier noch ein weiteres Detail des Rätselbildes:



Wer dazu seine generellen Kenntnisse etwas aufpolieren will, findet hier, bei Bernhard Fiedler auf dem informativsten Winzerblog in deutscher Sprache, was Transparenz und technische Details der Weinbereitung angeht, jede Menge Lesefutter.

Diskutiert wird das Thema immer mal wieder heiß, manchmal auch kontrovers. Ich hatte unsere Einstellung und Praxis dazu schon einmal hier beschrieben (da kam auch die durchgestrichene Dame zum ersten Mal vor).

Auch mich hatte einer dieser Artikel bei Viva-Vino zu einem meiner  (manchmal wohl auch etwas zu) ausführlichen Kommentare veranlasst, der so aussah:

"In Frankreich muss der Warnhinweis ab 10mg/l Sulfit aufs Ettikett. Die entstehen normalerweise nicht "natürlich" (da sind die Anteile wesentlich niedriger), sondern durch Zugabe im Laufe von Gärung (eigentlich nicht notwendig für gesunde Trauben, deren natürliche Hefen nicht durch Spritzmittel oder Fäulnis behindert wurden), während des Ausbaus (nach der malolaktischen Gärung ist der Wein bei längerem Ausbau, vor allem im Barrique, eher für Bakterienkulturen anfällig, die ihn in Essig verwandeln könnten), und bei besonders vorsichtigen Winzern (also der Mehrheit) noch einmal bei der Flaschenabfüllung.

Bei Biowinzern (für die es ja noch kein einheitliches Pflichtenheft für die Weinbereitung gibt, daher ja auch nur die Bezeichnung "Wein aus Trauben aus biologischem Anbau" und nicht "biologischer Wein"), sind
in Frankreich  für bio- und biodynamische Weine 70 mg/l als obere Grenze empfohlen und erlaubt (200 mg/l für die Edelsüßen).

Normale, also durchgegorene und dadurch nicht unbedingt "einfachere" Rotweine aus konventioneller Weinbereitung dürfen bis zu 160mg/l enthalten, Edelsüße bis zu 400mg/l.

Da keine exakten Analysewerte beim Warnhinweis angegeben werden müssen, kann man Allergikern nur empfehlen, selber zu testen, wo ihre Wahrnehmungsschwelle liegt,(die könnte ja auch bei 9mg/l liegen, die eben nicht zum Warnhinweis verpflichten), eine Garantie gibt es auch da nicht.

Pierre Frick aus dem Elsass ist  z.B. ein Verfechter von geringen Schwefelmengen, seine wenigen Weine ohne zugesetzten Schwefel stellt er nur in geringen Mengen von wenigen Cuvées her und bietet sie ausdrücklich im Vergleich zu den gleichen Weinen mit geringer Schwefelung an.

In Frankreich (vor allem in bestimmten Pariser Weinbars) sind Weine ganz ohne Schwefelzusatz die ganz große Mode und spalten die Gemüter der Weinliebhaber in Pro und Contra - in Weinforen toben darüber zum Teil recht polemische Diskussionen zu diesem Thema..."
.

Um es also noch einmal klarzustellen: In Lisson verwenden wir durchaus Schwefel als Zusatz während der Weinbereitung. Allerdings versuchen wir, die zugeführten Mengen so weit wie eben möglich zu beschränken. Die erste Zugabe erfolgt nach Abschluss der malolaktischen Gärung, die im Allgemeinen während des ersten Winters im Barrique in unserem Gewölbekeller abläuft. Das ist sehr temperaturabhängig, manchmal ist die Umwandlung von Äpfelsäure in Milchsäure im jungen Wein schon vor Absinken der Kellertemperaturen abgeschlossen, manchmal muss man darauf auch bis zur Wiedererwärmung im nächsten Frühjahr warten.

Eine weitere Zugabe erfolgt nur, wenn die Analysen des Weins während des Ausbaus  dies sinnvoll erscheinen lassen . Auf eine erneute Schwefelung bei der Flaschenabfüllung verzichten wir ganz.

Je nach Jahrgang und Wein weisen unsere Weine so unterschiedliche Mengen an Gesamtschwefel und freiem Schwefel nach der Abfüllung auf.

Waren es für den Jahrgang 2005 zwischen 12 und 23 mg/l Gesamtschwefel, die uns also gesetztlich zu dem Warnhinweis "containts sulphites" - enthält Schwefel - verpflichteten, da die Grenzmenge für diesen Hinweis bei 10 mg/l angesetzt wurde, so hätten wir uns für die jetzt abgefüllten Jahrgänge 2006 und 2007
diesen Hinweis sparen können, da alle analysierten Weine weniger als 10 mg/l Gesamtschwefel aufwiesen.

Ich finde es aber ehrlicher und transparenter, dem Verbraucher und vor allem dem allergiegeplagten Weinliebhaber
keine Schwefelfreiheit vorzugaukeln.

Deshalb also der
oben abgebildete Hinweis auf den neuen Ettiketten!
 



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Published by Iris Rutz-Rudel - dans weingut-lisson
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4 février 2009 3 04 /02 /février /2009 18:35
Frage an meine Leser: was ist das?


Antwort bald auf diesem Blog:-)!
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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Strandgut
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30 janvier 2009 5 30 /01 /janvier /2009 17:05
von Maurice Sendak war eins meiner Lieblingskinderbücher - obwohl ich nie hungrig ins Bett geschickt wurde.

Let the wild rumpus start - nur eine der vielen wundervollen Illustrationen aus seinem berühmten Buch aus den 60ger Jahren.




Und irgendwie wurde ich an ihn erinnert, als ich heute bei Alexander Ultes das Video über Weinzuchthefen versus wilde Hefen sah.



Bravo für die jungen Leute aus Geisenheim , die diesen Vergleich so originell umgesetzt haben - und für den Winzerblogger, dem wir die ursprüngliche Wieder-Entdeckung verdanken!

Bei mir tummeln sich nur die wilden Gesellen - und enden zum Dank auch nicht im Hefefilter, wie im Video, sondern dürfen den Wein noch ins bequeme Barrique begleiten, wo sie im nächsten Jahr nur von Zeit zu Zeit aufgerührt werden. Wenn der Winter richtig kalt wird, kuscheln sie sich dann am Boden zusammen und werden beim nächsten Abzug in die Freiheit entlassen - oder treten auch schon mal in Flaschen die weite Reise zu unseren Hobby-Kochfreunden an, die sie gerne in ihren leckeren Saucen verwenden...

Das sieht dann so oder ähnlich aus:




Vermutlich fühlen sie sich bei uns wohler, als bei den Kollegen, die sie erst mit Killerhefen bekämpfen, um dann die effizient genormte schnelle Brigade einzusetzen, deren passende Vertreter man sich aus einer sehr detaillierten Liste der Geisenheimer Forschungsanstalt auswählen kann.

Unsere kleinen wilden Helfer haben vermutlich viel Spaß mit unseren Weinen, lassen sich manchmal deshalb auch ganz schön Zeit,  danken es uns aber jedes Jahr mit schönen, individuellen Weinen.



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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Kellerarbeit
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26 janvier 2009 1 26 /01 /janvier /2009 11:25
So steht es als Winzerweisheit bei Wikipädia. In Frankreich ist der 22. Januar der Tag des heiligen Vinzenz, le Jour de Saint Vincent, des Schutzpatrons der Winzer, der in zahlreichen Regionen, vor allem in Burgund und der Champagne, auch mit entsprechenden Umzügen und Feiern begangen wird.

Heute habe ich einen Artikel bei einem französischen Bloggerkollegen gefunden, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Claude Desneux, hier bekannt als Ulysse, ein unermüdlicher Wanderer in den schönsten Landschaften unseres Languedoc hat an diesem Tag eine wunderschöne Fotoserie in den Weinfeldern von Pomérols geschossen und liefert uns dazu die  passende Legende


 

Tanz der Reben

copyright Fotos et Legende: Claude Desneux


« Im Jahr 1565, mitten in den Religionskriegen, hatten sich die Winzer der Region dem protestantischen Glauben angeschlossen. Da sie die Verfolgung fürchteten, versammelten sie sich heimlich an diesem Ort, um zu beten. Eines Nachts, am Vorabend des Saint Vincent Tages,  wurden sie von einem Landstreicher, der zufällig vorbeikam, ausgespäht, der sie, da er auf eine Belohnung hoffte, beim Bischof von Pézenas verriet. Der informierte sofort der Chef der Dragoner der königlichen Armee, die in der Gegend stationiert waren.

In der folgenden Nacht wurde so die kleine protestantische Versammlung von den Dragonern eingekesselt und sollte gerade massakriert werden, als plötzlich Merlin, der Zauberer, der gerade in der nahe gelegenen Thermalstation von Balaruc sein Rheuma behandeln ließ und hier bei Vollmond Kräuter in der Garrigue sammelte, auftauchte!

Er trat zwischen Protestanten und Dragoner, schwang seinen Zauberstab und verdammte sie mit dem folgenden Bannspruch: " Unseelige Dragoner, ihr sollt in Rebstöcke verwandelt werden, die Eure Seelen von jetzt an 500 Jahre gefangen halten werden, während derer  ihr Regen und Frost im Winter und die glühende Hitze des Sommers erleiden sollt."

Aber da trat die Fee Viviane, in die er unsterblich verliebt war und die ihn auf allen seinen Reisen begleitete , hervor und bat ihn, seinen Bann zu mildern, da die Dragoner ja nur dem Befehl ihres Herrschers folgten und nicht aus eigenem Antrieb handelten.

Merlin gab der Bitte seiner Geliebten nach und wandelte seinen Bannspruch dahingehend ab, dass die Rebstöcke am Tag des Saint Vincent kurz vor Sonnenuntergang eine halbe Stunde von der Erde befreit würden, um bis zum Verschwinden der Sonne tanzen zu können."

Meinen Dank an Claude Desneux, dass er die Tänzer in diesem Jahr für uns belauscht hat und uns diese schöne Legende erzählt. Seine märchenhaften Bilder verewigen diesen Moment, den es nach der Legende ja nur noch 46 Jahre geben wird...

Ob die untergehende Sonne der Saint Vincent uns Winzern im Languedoc in diesem Jahr guten Wein bringen wird? Es ist wohl noch zu früh, um das zu beurteilen. Zunächst haben uns ja zwei Tage später die Ausläufer von Orkan Klaus erreicht, die mit Spitzengeschwindigkeiten von 180 kmh über das Land hinwegfegten - aber die alten Rebstöcke sind zu tief verwurzelt in unseren Böden, um sich davon erschüttern zu lassen und werden wohl noch in so manche Sonnenuntergang tanzen, wenn sie nicht vom modernen Bannfluch der Rodungsprämien getroffen werden...








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Published by Iris Rutz-Rudel - dans gelesen oder gehört
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Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

Begleiten Sie mich also auf dem Weg durchs Winzerjahr. Hinterlassen Sie Ihre Kommentare oder stellen Ihre Fragen, damit aus diesem Blog ein lebendiges Kommunikationsmittel wird.

Ihre Iris Rutz-Rudel


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