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gelesen oder gehört


Vendredi 15 mai 2009 5 15 05 2009 08:56
Nein, kein Hagelsturm über dem Weinberg, aber eine Meldung aus der deutschsprachigen Weinbloggerwelt, die mir den Kaffee vergällt:

Thomas vom Winzerblogg, das Urgestein der deutschen Weinblogszene, will seinen Blog schließen! Wenn es jemanden gibt, der überhaupt erst dafür gesorgt hat, dass so etwas wie eine Weinbloggergemeinschaft entstehen konnte, dann ist es doch wohl er.

Bernhard Fiedler, selber einer der besten Winzerblogger, hat als Reaktion schon gestern Abend sehr gut ausgeführt, was wir Thomas alles an verbindenden Initiativen und Anregungen verdanken.

Weinblogosphäre ohne den Winzerblog? kaum vorstellbar!

Auch wenn viele von uns ihm sicher gerne auch auf Englisch folgen werden, würde ich doch gerne hier die Initiative starten:


 rettet der deutschsprachigen Weinbloggergemeinschaft den Winzerblogger!

Wer bastelt uns eine Petition?

Par Iris Rutz-Rudel - Publié dans : gelesen oder gehört - Voir les commentaires
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Jeudi 14 mai 2009 4 14 05 2009 18:07
dann würde ich mich vermutlich umgehend auf diese Stellenanzeige aus England bewerben, dort ist in West Cheltenham die Stelle eines assistant sommelier ausgeschrieben.

Neugierig gemacht durch den Hinweis auf die Stelle, habe ich mir auch die dazugehörige Webseite angesehen:



Luxury Boutique Hotels throughout the United Kingdom - rund um das Thema Essen und Wein, das macht eine alte Englandliebhaberin wie mich natürlich neugierig (ja, ja, auch deutsche Winzerinnen in Frankreich haben eine unbekannte Vergangenheit:-)!)

Brighton, Bristol, Edinbourg, Cambridge, Harrowgate, Glasgow und selbst Tunbridge Wells - um nur ein paar der 14 Städte zu nenen, in denen es Niederlassungen dieser Kette gibt - da könnte man schon nostalgisch Reisepläne machen.

Neben der Information, dass es in allen Hotels auch ein Bistro gibt, das wohl eher einer Winebar ähnelt, den überall angekündigten Veranstaltungen rund um den Wein, ob es nun um biodynamische Weine, Barossa Weine oder ein Cognac Champagner dinner geht, hat es mir besonders die Weinkarte der Hotels angetan, die man als PdF herunterladen kann.

Quer durch Europas große Lagen, mit einem beeindruckenden Schwerpunkt aus Frankreich, der über die üblichen Bordeaux/Burgund Namen (die aber auch sehr interessant vertreten sind) hinausgeht - mit Ausblicken auf alle weinproduzierenden Kontinente - warum ist eigentlich in Frankreich oder Deutschland noch niemand auf die Idee gekommen, sich besonders Weinliebhabern als Kunden zu widmen?

Besonders interessant finde ich das Angebot, Sonntags abends im Bistro Restaurant zu essen und ab einer Rechnung ab 75 Pfund für zwei Personen inkl Wein (und jeder Weinliebhaber weiss, dass es keine Kunst ist, auf diese Summe zu kommen), anschließend für 10 Pfund die Nacht im Hotel zu verbrigen. Garantiert preiswerter als jedes Taxi nach Hause...

Also wäre ich ein junger Sommelier oder eine junge Sommelière mit guten Englischkenntnissen - ich würde hier klicken und den Sprung über den Kanal wagen, um mir das einmal anzusehen!

Da ich eine etwas ältere Winzerin bin, bleibt mir nur, den Link zur Hotelseite irgendwo abzuspeichern und mir zu wünschen, dass ich irgendwann mal wieder die Zeit finde, ins perfide Albion zu reisen und mich durch diese schöne Weinkarte zu kosten:-)... on peut toujours rêver - träumen kostet ja nichts!

Hinweis: eine Gratissuite für diesen Artikel hat mir leider bisher noch niemand angeboten - schade eigentlich:-).






Par Iris Rutz-Rudel - Publié dans : gelesen oder gehört - Voir les commentaires
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Mardi 24 mars 2009 2 24 03 2009 12:33
Hierzulande - und vor allem im bergigen, bewaldeten Hinterland des Languedoc, in dem immer mehr Parzellen, diie ursprünglich kultiviert wurden, der seit Jahrzehneen andauernden Krise der Landwirtschaft zum Opfer fallen und neben den aufgelsassenen riesigen Esskastanienwäldern, deren Früchte kaum noch jemand sammelt, den hier heimischen Grüneichenwäldern, auch ehemalige Rebflächen ( dank der mehrfachen Wellen europäischer Rodungsprämien) wieder überwuchrt werden und so der Wildtierbevölkerung reichlich Nahrung und Deckung bieten, hierzulande leben also die schwarzberockten Wildschweine schon lange "wie Gott in Frankreich".

Das dies auch im wesentlich zivilisierteren Deutschland der Fall ist, entnehme ich dem in der letzten Zeit - Schweine im Schlaraffenland heißt der Artikel hier, der die zugrunde liegenden, mal wieder auch vom Menschen initierten, ökologischen Probleme der Ausbreitung und die Schwierigkeiten bei der Bekämpfung dieses eben gar nicht so alten Phänomens sehr gut schildert.

Kratzbaum einer Rotte Sommer 2008

Die eingestreuten Bilder hier illustrieren die Spuren, die wir überall im Gelände finden, vom noch eher folkloristischen Kratzbaum einer lehmverschmierten Rotte 50 m neben dem Hof über die niedergerissenen Mauernumgepflügten Terrassen, den diesen Winter durchwühlten Garten, die Trauben, von denen uns, wie nach einem Vollernter, nur noch die Strünke bleiben, bis hin zum Dessert, dass sich die Tiere im Kastanienenwald holen....

Obstbaumterrasseim Weinberg Sommer/Winter 2008
 
Schweinelosung im Pinot - Sommer 2008
  

Die Ursachen sind in Frankreich ähnlich, die Eingrenzung der Schäden ist, trotz allgemeinen Jagdtechts und mindestens einer Treibjagdgruppe für Schwarzwild pro Dorf, die von Mitte August bis Mitte Januar an drei Tagen in der Woche ihrem Hobby nachgeht,  und immensen Abschusszahlen,  ein enormes Problem.
Trauben Herbst 2008

Entschädigungszahlungen, die hier alleine von den Jagdverbänden geleistet werden müssen, sind weiss Gott kein Anreiz für Landwirte.

Garten, März 2009

Ich könnte zum Beispiel in den Jahren, in denen oft über 60% der Trauben kurz vor der Ernte von einfallenden Horden vernichtet werden, diese Schäden vom örtlichen Jagdverband konstatieren lassen und dann ca. ein Jahr später, nach endlosem Papierkrieg eine Entschädigung auf der Basis der Traubenpreise bei der örtlichen Kooperative (ca. 0,30 € pro kg Trauben) erhalten. Als selbständiger Winzerbetrieb und bei meiner auf ca. 20 Hl/Ha kalkulierten Traubenproduktion wären das insgesamt 360 € für Traubenverluste, die mir nach erfolgter Ernte und Valorisierung durch den Ausbau im Keller 18 000 € hätten einbringen können...

Esskastanien gegenüber vom Haus Herbst 2008

Es ist vielleicht dumm, aber ich leiste mir den seelischen Luxus, diesen Papierkrieg gar nicht mehr zu führen, da mich der Ärger und  die Wut über diese Unverhältnismäßigkeit in der Vergangenheit  schon zu viel Nervenkraft gekostet haben.

Lehmspuren an Kratzbaum rechts neben dem Haus Sommer 2008

Würde ich eine der hier jahrelang üblichen Wildschweinzuchten betreiben, aus denen bis vor 15 Jahren noch ein großer Teil der zum Vergnügen der Freizeitjäger ausgewilderten Kreuzungen zwischen Wild- und Hausschwein (Cochongliers - cochon x sanglier in Fachkreisen) stammten, die das Problem der Überbevölkerung noch erhöht haben, so stünden mir vom Landwirtschaftsministerium Beihilfen für die fachgerechte Einzäunung zur Verfügung, um die umliegenden Kulturen zu schützen - die imensen Kosten für die Einzäunung unserer Parzellen mit Elektrozäunen, und von Solarzellen gespeisten Batterien, die die Zaungeräte mit Strom versorgen, müssen wir als von den "wilden" Schweinen bedrohte Winzer selber übernehmen. Auch da kocht nur noch Unverständnis und Zorn in mir hoch.

eins weniger - Herbst 2006

Ich gebe es ehrlich zu: der Gedanke an eine Verbreitung der Schweinepest unter den Säuen hat schon was Verführerisches für mich - auch wenn ich mich als Ökowinzerin natürlich zutiefst dafür schämen sollte...

siehe auch schon meinen Artikel hier und hier.

Par Iris Rutz-Rudel - Publié dans : gelesen oder gehört - Voir les 4 commentaires
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Vendredi 20 février 2009 5 20 02 2009 19:07
Nicht frankophone Leser, können es jetzt auch beim Decanter nachlesen:

French Governement new advice: don't drink wine.

In der französischen Presse wird seit ein paar Tagen schon ernsthaft darüber berichtet - ohne auch nur im geringsten inhaltlich darüber zu diskutieren. Bei Le Monde hieß das : bannir l'alcool, pour prevenir le risque du cancer - den Alkohol verbannen (verbieten), um Krebsrisiko vorzubeugen - und andere bliesen munter in das gleiche Horn: auch schon nur ein Glas täglich kann fatale Folgen haben.

Jetzt geht es also nicht mehr um den Jugendschutz oder die Suchtprevention, sondern um Leben oder Tod.

Wenn es nicht so ernst wäre, zu sehen, wie hier ein angeblicher Medienscoop (die zitierte Untersuchung wurde schon 2007 zum ersten Mal veröffentlicht) hervorgezerrt wird, genau in dem Moment, in dem auf Regierungsebene wieder über eine Ergänzung des hier schon erläuterten Loi Evin, das die Werbung für Alkohol und dabei auch Wein schon seit 18 Jahren erheblich einschränkt und eine totale Rechtsunsicherheit vor allem für die Kommunikation über Wein im Internet beinhaltet.

Die Zeiten, in denen eine Jeanne Calment, seinerzeit noch die älteste Bürgerin Frankreichs mit 122 Jahren, überall damit zitiert wurde, dass sie bis an ihr Lebensende auf ihr tägliches Glas Wein nicht verzichtet hat, sind jetzt wohl endgültig vorbei!

Eine vollkommen  neue Form des French Paradox!


Par Iris Rutz-Rudel - Publié dans : gelesen oder gehört - Voir les commentaires
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Lundi 26 janvier 2009 1 26 01 2009 11:25
So steht es als Winzerweisheit bei Wikipädia. In Frankreich ist der 22. Januar der Tag des heiligen Vinzenz, le Jour de Saint Vincent, des Schutzpatrons der Winzer, der in zahlreichen Regionen, vor allem in Burgund und der Champagne, auch mit entsprechenden Umzügen und Feiern begangen wird.

Heute habe ich einen Artikel bei einem französischen Bloggerkollegen gefunden, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Claude Desneux, hier bekannt als Ulysse, ein unermüdlicher Wanderer in den schönsten Landschaften unseres Languedoc hat an diesem Tag eine wunderschöne Fotoserie in den Weinfeldern von Pomérols geschossen und liefert uns dazu die  passende Legende


 

Tanz der Reben

copyright Fotos et Legende: Claude Desneux


« Im Jahr 1565, mitten in den Religionskriegen, hatten sich die Winzer der Region dem protestantischen Glauben angeschlossen. Da sie die Verfolgung fürchteten, versammelten sie sich heimlich an diesem Ort, um zu beten. Eines Nachts, am Vorabend des Saint Vincent Tages,  wurden sie von einem Landstreicher, der zufällig vorbeikam, ausgespäht, der sie, da er auf eine Belohnung hoffte, beim Bischof von Pézenas verriet. Der informierte sofort der Chef der Dragoner der königlichen Armee, die in der Gegend stationiert waren.

In der folgenden Nacht wurde so die kleine protestantische Versammlung von den Dragonern eingekesselt und sollte gerade massakriert werden, als plötzlich Merlin, der Zauberer, der gerade in der nahe gelegenen Thermalstation von Balaruc sein Rheuma behandeln ließ und hier bei Vollmond Kräuter in der Garrigue sammelte, auftauchte!

Er trat zwischen Protestanten und Dragoner, schwang seinen Zauberstab und verdammte sie mit dem folgenden Bannspruch: " Unseelige Dragoner, ihr sollt in Rebstöcke verwandelt werden, die Eure Seelen von jetzt an 500 Jahre gefangen halten werden, während derer  ihr Regen und Frost im Winter und die glühende Hitze des Sommers erleiden sollt."

Aber da trat die Fee Viviane, in die er unsterblich verliebt war und die ihn auf allen seinen Reisen begleitete , hervor und bat ihn, seinen Bann zu mildern, da die Dragoner ja nur dem Befehl ihres Herrschers folgten und nicht aus eigenem Antrieb handelten.

Merlin gab der Bitte seiner Geliebten nach und wandelte seinen Bannspruch dahingehend ab, dass die Rebstöcke am Tag des Saint Vincent kurz vor Sonnenuntergang eine halbe Stunde von der Erde befreit würden, um bis zum Verschwinden der Sonne tanzen zu können."

Meinen Dank an Claude Desneux, dass er die Tänzer in diesem Jahr für uns belauscht hat und uns diese schöne Legende erzählt. Seine märchenhaften Bilder verewigen diesen Moment, den es nach der Legende ja nur noch 46 Jahre geben wird...

Ob die untergehende Sonne der Saint Vincent uns Winzern im Languedoc in diesem Jahr guten Wein bringen wird? Es ist wohl noch zu früh, um das zu beurteilen. Zunächst haben uns ja zwei Tage später die Ausläufer von Orkan Klaus erreicht, die mit Spitzengeschwindigkeiten von 180 kmh über das Land hinwegfegten - aber die alten Rebstöcke sind zu tief verwurzelt in unseren Böden, um sich davon erschüttern zu lassen und werden wohl noch in so manche Sonnenuntergang tanzen, wenn sie nicht vom modernen Bannfluch der Rodungsprämien getroffen werden...








Par Iris Rutz-Rudel - Publié dans : gelesen oder gehört - Voir les 2 commentaires
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