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Essen und Trinken


Jeudi 25 décembre 2008

Heiligabend, 17 Uhr: Ankunft in Dausse und Blick über das Jaur-Tal und die Hügel Richtung Lisson im letztenAbendlicht:

Fritz und Almuth begrüßen uns nach ihrer Tagesarbeit (die stacheligen Kastanienhüllen in ihrer Maronenplantagemüssen zusammengeharkt und verbrannt werden) mit einem rustikalen Aperitiv. Hier sind wir bei Biertrinkern zu Besuch, also kein bling-bling oder chi-chi auf der langen Tafel.


Die Hauskatze beäugt die fremden Besucher, die ihr die Bank streitig machen wollen - solange im Haus die gerösteten Kastanien von ihren letzten feinen Hüllen getrennt werden, nimmt sie ihre Arbeit als effiziente Jägerin von interessierten Nagern sehr ernst.


Im großen Kamin am Ende des Raums lodert ein kräftiges Feuer - natürlich auch aus Kastanienstämmen - die vonZeit zu Zeit ihre knackenden Funken versprühen.. bei gefühlten Minusgraden nach Sonnenuntergang einewillkommene Wärmequelle, nicht nur für's Auge.


Kein Weihnachtsschmuck hier, kein glitzernder Baum, aber die frisch geschnittene letzte Rose aus dem Garten... es ist ein Ros entsprungen...


Es gibt Entenbraten - à la bonne franquette bedient sich jeder selbst - zumal die Meinungen über das fachgerechte Zerlegen unter den Anwesenden auseinander gehen...


Und da die Gastgeberin aus dem Schwäbischen kommt, dürfen dazu natürlich die hausgemachten Semmelnknödel nicht fehlen.

Und um das Trio komplett zu machen, gesellt sich der Apfelrotkohl dazu - man ahnt, dass hier heute keine Franzosen bei Tisch sitzen werden - kein foie gras, keine Jakobsmuscheln, kein Lachs, keine Champagnerkelche für das 5 gängige Menue einer echten Réveillon de Noel, die erst nach der Christmette beginnen könnte und mit der obligatorischen  Buttercrême schweren Bûche spät in der Nacht enden würde...



Als Nicht-Bier-Trinker habe ich eine Flasche Riesling vom Weingut Kaul eingeschmuggelt, die mit ihrer fruchtigen , klaren Säure den Kampf mit dem Rotkohl erfolgreich besteht.


Gegen 20 Uhr ist das Essen beendet, noch ein mitgebrachter Schokoladenkuchen - die vielen Flaschen täuschen, es sind meine Weihnachtspräsente für die anwesenden Freunde, die ungeöffnet mitgenommen werden - das Bierfässchen auf der Terrasse ist leer - wie hier üblich wird es von den Anwesenden signiert und wird dann seinen Platz in der Kellersammlung finden.


Aufbruch unterm bestirnten Himmel, der hier oben von keiner  Beleuchtung gestört wird. Über die 6 km kurvenreiche Piste hinunter zum nächsten Dorf fährt der  Konvoie, die einen zum traditionellen Dorflotto (eine Art Bingo, das den ländlichen Franzosen die Zeit bis zur Christmette verkürzt) - wir wieder heim nach Lisson, wo wir den Abend bei einem Clos des Cèdres ausklingen lassen - zurück in unserer stillen Nacht....



Frohe Festtage für alle - ob in Glanz oder Einfachheit - und mögen alle Ihre Wünsche für ein gutes neues Jahr in Erfüllung gehen!


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en Francais ici.
Par Iris Rutz-Rudel - Voir les 1 commentaires
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Mercredi 17 septembre 2008
Werbung für Alkohol oder deren Einschränkung oder gar Verbot sind in den letzten Wochen erst in Frankreich und nun auch in Deutschland beliebte Blogthemen.

Dahinter stehen sicher nicht nur die Interessen der Internet-Weinjournalisten, die bei einem Werbeverbot ihre Felle durch entsprechende Werbeeinnahmen ihrer Seiten davonschwimmen sehen, sondern - zumindest in Frankreich, wo entsprechende Verbote die Kommunikation über Wein ja schon seit gut 17 Jahren stark einschränken, auch die Bemühungen einer wachsenden Zahl von Winzerbloggern, die im Internet eine kostengünstige und der Größe ihrer Struktur angepasste Möglichkeit entdeckt haben, in direkten Kontakt mit ihren Kunden und anderen Weininteressierten zu treten, die ja nicht alle im näheren Umkreis der Güter wohnen.

Informationen rund um ein Gut, seine Philosophie, seine Kultur- und Kellerpraktiken und die Menschen, die dahinter stehen, können so kontinuierlicher, weitreichender und direkter vermittelt werden, als auf anonymen Weinmessen mit normierten Ministänden. Die Aussagen sind umfassender und persönlicher als in einer oft zu teuren Anzeigenkampagne und man ist nicht auf die immer seltener werdenden, da nach Aussagen von Branchenvertretern (editorial Geiz ist Dumm) immer schlechter bezahlten Fachjournalisten der wenigen, verbleibenden Weinzeitschriften angewiesen, die oft doch nur den Mainstream der bekannten Namen und Appellationen bedienen.

Und für die Kontakte, die man sich als Winzer wünscht, mit Weinliebhabern, die selbst vorbeikommen und Fachhändlern, die auch mal einen unbekannten Winzer in ihr Sortiment aufnehmen, selbst wenn er sich nicht über die Niedrigpreisschiene in ihr Herz geschlichen hat, ersetzt ein gepflegter Blog alle Newsletter per Post und erlaubt es, ganzjährig "seinen" Wein vom Weinberg über den Keller bis in die Flasche zu verfolgen.

Wenn beim Bloggen noch ein reger Austausch mit Berufskollegen, wie hier in Frankreich, entsteht und auch private Weinund Winzerblogger aus der so viel verschrieenen Anonymität des Webs heraustreten und es zu "echten" Begegnungen kommt - und der Winzer Spass am Schreiben hat - sind alle Parameter vertreten, um trotz der scheinbar immer gleichen Ingredenzien auch nach nunmehr 3 Jahren einen jeweils individuellen Blogjahrgang zusammen zu stellen.

Das alles bewegt sich in Frankreich dank des inzwischen auch in Deutschland bekannten Loi Evin in einer legislativen Grauzone. Der französische Senat konnte sich angesichts der Proteste der Anti-Alkohol-Lobby  nicht dazu durchringen, Kommunikation über Wein im Internet wenigstens für Winzer freizugeben - selbst im Rahmen der stark einschränkenden Bedingungen der für Presse und TV geltenden Regelungen. Das Medium ist zu populär bei der Jugend ist eins der Hauptargumente - ob das auch für Wein- und Winzerblogs gilt, ließe ein Blick in das, was wir im allgemeinen schreiben, mich eingentlich stark bezweifeln - das Thema wurde aber wohl in dieser Hinsicht auch noch nicht untersucht...

Und so stecken viele von uns den Kopf in den Sand, hoffen, dass man sie da nicht sieht und sie so lange weiter machen können, wie es eben geht. Vielleicht wird auch die schleichende Selbstzensur um sich greifen



 - und so wurde ich Ihnen zum Beispiel besser nicht erzählen, wie sehr es mich gefreut hat, vor ein paar Tagen einen  (französischen) Vater mit zwei halbwüchsigen Kindern in Lisson zu Gast zu haben, der nach dem  obliganten Rundgang über den Weinberg (gesunde andertalb Stunden bergauf zu Fuss - viel frische Luft, ungespritzte Brombeeren und Feigen unterwegs - Blick auf eine atemberaubende Landschaft und eine kleine Ahnung davon, wieviel Knochenarbeit in so einem Gelände steckt und nötig ist, um die jetzt noch an den Stöcken hängenden, gesunden Trauben am Ende eines Jahres zu ernten) - einem Blick in Gärkeller und Barriquekeller (was darüber aufklärt, wie gering die Ausbeute einer qualitätsorientierten Produktion im Vergleich zu den Weinfabriken der Küstenebene sein kann), ausdrücklich um eine Verkostung auch für die Teenis bat, die er ihnen als Premiere versprochen hatte. Das erste Mal - ganz schön viel Verantwortung!


Die Wahl fiel auf einen Jahrgang, der nicht zu taninbetont und damit leichter zugänglich ist. Gelernt haben sie, zunächst die Farbe zu erkunden, dann die gekonnte Drehung des Inhalts im Glas - wobei mir zum ersten Mal bewußt wurde, dass man das sowohl rechts- wie linksrum betreiben kann:-) - dann die Erkenntnis, welche Veränderung das bei der Wahrnehmung der Aromen in der Nase  bringt - für die beiden eine neue Entdeckung, die sie erst mal eine ganze Zeit beschäftigte. Danach ein kleiner Mund voll - auf der Zunge halten, mit den charakteristischen Geräuschen belüften, nach hinten schnuppern - auch beim Geschmack spielt der Geruchssinn ja eine sehr große Rolle - ja und dann riet ich schlicht zum Ausspucken, um sich den Spaß an der Entdeckung nicht durch den ja auch enthaltenen Alkohol zu verderben.

 Die Anregung wurde dankbar aufgenommen - handelt es sich im Mund von Ungeübten ja doch noch um gewöhnungsbedürftige Geschmackseindrücke. Länge kann man auch so noch nachprüfen und der Duft am Boden eines geleerten Glases sagt oft sehr viel über die Qualität eines Weins. Die Zeit reichte nicht mehr für einen zweiten oder dritten Wein, der andere Aromen betont hätte, Fachsprache blieb außen vor. Was sie wohl mitgenommen haben, ist die Erkenntnis, dass Genuss Zeit braucht, alle Sinne beteiligt und guter Wein wohl nicht die passende Droge für's binge-drinking ist.

Käme ich für diesen nicht geschriebenen Bericht jetzt bei der Jugendschutz- und Anti-Alkohol-Lobby auf den Index?  Kann sein - persönlich war ich nach dieser kleinen Episode eher stolz und glücklich - und mitgenommen haben sie für das abendliche Rockkonzert eine Tüte mit Feigen, Tafeltrauben und Weinbergpfirsischen
aus unserem Garten - damit die Vitamine stimmen und die Geschmacksnerven nicht verlernen, was Fruchtcharakter in seinem reinen Ausdruck bedeutet.




Par Iris Rutz-Rudel - Voir les 1 commentaires
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Dimanche 13 juillet 2008
Sonntag Morgen, nach einem noch einmal aufregenden Samstag mit Gewitter, Donner und Bllitz, 4 Stunden Regen, aber kein Hagel...während draußen das Rauschen eines frischen Nord-Westwinds das Windspiel zum Klingen bringt und so das Blattwerk trocknet, trinke ich meinen ersten Café gemütlich vor dem Bildschirm und lese mich durch die diversen News.

Das Telefon reißt mich aus meiner genüsslichen Ruhe - am anderen Ende eine angenehme Stimme mit starkem kanadischen Akzent: ein junger Sommelier aus Montréal in Quebec mit dem schönen Namen Steve Beauséjour  möchte uns zu unseren Weinen beglückwünschen, die seit einigen Wochen in der Weinbar, in der er angestellt ist, ausgschenkt werden.

Comptoir à Vin Bouchonné heißt dieses Lokal, das erst im letztem Jahr eröffnet wurde. Ein Ableger des für die phantastische Auswahl seiner internationalen Weinkarte bekannten Restaurants
La Montée du Lait - mit Tapas, Fingerfood und kleineren Gerichten können hier Weinliebhaber vom halben Glas zum "Schnuppern" bis zur ganzen Flasche alle Weine des Angebots probieren und werden für die Kombination der Aromen von Essen und Trinken fachmännisch beraten.



www.bouchonne.com

Unser Gespräch läßt mich gerne glauben, was ein englischsprachiger Kritiker nach seinm Besuch der Bar geschrieben hat:  "Incidentally, this was some of the friendliest most genuine service in the city and made a big difference in my appreciation of the evening."

  Die Lisson Weine Les Échelles und Clos du Curé 2005 auf der Weinkarte waren zusammen mit einigen Flaschen des  Clos des Cèdres unsere ersten Weine, die die lange Reise über den Ozean und durch das komplizierte kanadische Einfuhrsystem für die Privatimportation durch die SAQ (Société des Alcools du Québec) genommen haben.

  Diane Turcotte von Vini-Vin, die ich vor zwei Jahren auf der Vinisud in Montpellier kennengelernt habe  hatte, obwohl ich bei unserem Treffen keine Proben dabei hatte, genügend Vertrauen in die ihr zu Ohren gekommene Mundpropaganda, um unsere Weine zu bestellen - und ich erinnere mich noch gut an das Gefühl, das mich überkam, als ich die Flaschen auf den weiten Weg schickte - auf einer kleinen Palette im großen Stauraum eines Lastwagens auf dem Dorfplatz in Olargues (die Transporteure kommen nie ans Haus - der Weg ist zu schmal...).

Es ist so, als ließe man seine Kinder zum ersten Mal in die Fremde ziehen - selbst wenn unsere Weine in der Vergangenheit schon bis Japan unterwegs waren - jedes neue, unbekannte Ziel ist ein Abenteuer - jedesmal möchte ich am liebsten Mäuschen spielen und dabei sein, um zu wissen, ob sie am Zielort auch gut empfangen werden, meine Schätze.


nicht im Restaurant, sondern auf unserem Tisch in Lisson: der Clos du Curé 2005

So war es also noch schöner für mich, heute diesen Anruf zu bekommen, der mir bestätigte, dass sie umsorgt werden, unsere Weine, dass man sie so behandelt, wie sie es verdienen, sie auch schon mal auf eine Karaffe füllt, wenn sie nicht genug Zeit hatten, sich vorher zu öffnen, um ihnen Gelegenheit zu geben, sich von ihrer besten Seite zu zeigen. Dass der marinierte Rindfleischsalat sie so hervorragend begleitet und dass sie die Weinliebhaber überzeugen, die dazu einen Pinot oder eine Assemblage beider Cabernetsorten entdecken, die sie überrraschen und begeistern.

Danke an die Mannschaft des Bouchonné (kein Korkschmecker in diesem Fall), danke an Steve, der nach Feierabend (es war 4 Uhr 30 morgens in Montréal, als er nach getaner Arbeit zum Telefon griff , um mir diese Neuigkeiten unserer Kinder mitzuteilen): ich habe den Tag mit viel Stolz und Sonne im Herzen begonnen!

Sollten Sie also einmal nach Montréal kommen, man weiß ja nie, können Sie die Weine von Lisson unter dieser Adresse finden - einfacher, als in Paris:-):

Comptoir À Vins Bouchonné
9 Fairmount E.
514.273.8846



Par Iris Rutz-Rudel - Voir les 1 commentaires
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Dimanche 15 juin 2008

Der Text des in Frankreich so berühmten und populären Chansons hat in diesem Jahr wieder neben der Süße der Früchte einen etwas bitteren Beigeschmack für die Bauern in unserem Tal angenommen. Vielleicht hatten Liebende Ende Mai/Anfang Juni Sonne im Herzen, am Himmel war sie dagegen seltener zu sehen und das jährliche Kirschenfest in Mons la Trivalle soff regelrecht ab, so, wie schon  eine Woche vorher das Rosenfest in Vieussan. Und die Kirschen, die in vielen Jahren den Bauern mehr Einnahmen brachten, als die PfennigCentbeträge, die man ihnen für ihre Trauben in der Winzergenossenschaft zahlt - haben soviel Wasser oft nicht standhalten können - wieder einmal eine arg dezimierte Ernte und ein harter Schlag für die heimische Ökonomie. 




Die  Burlat eine saftvolle und tiefschwarze Kirsche köstlich frisch vom Baum aber auch ideal für Clafoutis und Konfitüre, wurde Mitte Mai gerade erst an den kleinen improvisierten Verkaufsständen entlang der Straße zwischen Saint Pons und Bédarieux angeboten, als das Regenwetter begann. Auch wenn die Reben in Lisson diese feuchte Periode gut überstanden haben, so waren doch die schwarzen Kirschen zu empfindlich, auch wiederholte Gewitterregen zu überstehen und verfaulten, noch ehe sie geerntet werden konnten, auf den Bäumen.

Blieb noch die Hoffnung, eine gute Ernte der später reifen Weißkirschen einzubringen, die man in den 80ger Jahren zahlreich gepflanzt hatte, weil damals große Mengen im Export verlangt wurden. Sie waren es vor allem, die den Einsatz von bunten Banden von Saisonkräften benötigten, die ab Anfang Juni für einige Wochen die Dörfer aus ihrem Winterschlaf weckten.




Die vollen Kirschkisten (die gleichen, die wir für unsere Traubenernte benutzen) wurden abends von den kleinen Produzenten zu Sammelstellen gebracht, wo sie von Transportern der Sica du Caroux, einer Kooperative für die Vermarktung von Früchten und Gemüse aus der Gegend, eingesammelt wurden, um noch in der Nacht nach Deutschland transportiert zu werden, wo sie von enem Großabnehmer in Säurebädern entfärbt und anschließend wieder künstlich rot eingefärbt wurden, um als cerises confites, kandierte Kirschen, wie man sie als Backzutat verwendet, vielleicht sogar wieder zurücktransportiert zu werden...


Hauptfeind zu dieser Zeit war die Kirschfliege, die ihre Larven  in die Kirschen legt und so für den Wurm in den spätreifen Weißkirschen verantwortlich ist, den wir alle nicht so sehr schätzen, so wir ihn denn sehen, bevor wir eine Frucht verspeisen.  Jahrelang wurde so vor allem bis zu 14 Tage vor der Ernte (in der Schweiz mußte man 3 Wochen Abstand halten) mit recht virulenten Insektenvernichtungsmitteln gespritzt. Warnungen vor der Schädlichkeit der Produkte wurden dann gerne mit dem Hinweis auf die spätere rabiate Verarbeitung der Früchte in Deutschland abgetan - allenfalls versicherte man, dass man den Baum für die Familie eben nicht spritze... und lange Zeit wurden wir als verrückt ausgelacht, wenn wir unsere damals mühsam aus der Schweiz importieren gelben Plastikfliegenfallen in die Bäume hingen, die heute überall zu haben sind. Was zählte, war das  sichere Einkommen, das half, den Niedergang der Esskastanien und des Weinbaus auszugleichen, die schon lange in der Krise waren. 

 

Es folgten leider zu Beginn der 90ger Jahre einige Jahre mit Spätfrösten zur Blütezeit, die dieser Euphorie ein Ende setzten. Die Erntemengen reichten in solchen Jahren für den Export nicht mehr aus und der Großkunde deckte sich anderweitig und dann auch noch preiswerter ein - der sicher geglaubte Markt ging verloren. Wenn schon am Baum aussortiert werden musste, um das richtige Kaliber zusammenzupflücken, wurde auch der Arbeitslohn immer wichtiger - vom Stundenlohn (in Frankreich gilt auch in der Landwirtschaft für Saisonarbeiter schon lange der Mindestlohn, der von 4,82 € brutto im Jahr 1988 inzwischen auf 8,63 € gestiegen ist), stieg man um auf eine Bezahlung pro geerntees Kilo, bei schlechten Bäumen und immer weniger gepflegten Obstgärten keine große Verdienstmöglichkeit mehr für die Pflücker, die dann lieber in Plantagen mit Niedrigstammerziehung abwanderten, statt sich auf Leitern bei alten hohen Bäumen abzuquälen.  ... Nach und nach also immer weniger Animation zur Kirschenzeit in den Bistros am Abend - die Ernte findet jetzt unter Einsatz der Familienmitglieder und Nachbarn statt - wobei die Jugend nicht mehr zahlreich vertreten ist.

Die majestätischen großen Bäume, die zur Blütezeit die Chaussee mit ihren weißen Schmuck in einer durchgehenden Allee schmückten, wurden nach und nach immer seltener, - mangelnde Pflege, Schädlingsbefall und schließlich die anhaltende große Trockenheit mit ihrem Höhepunkt im Sommer 2003 ließen sie absterben - sie wurden abgeholzt, bevor noch die neue, prämierte Rodungswelle für Weinflächen seit zwei Jahren einen weiteren Teil der Kulturlandschaft ergriffen hat.

In diesem Jahr vom Frost verschont, wurden die Kirschen doch noch Opfer der Gewitterregen, die sie erst anschwellen und dann platzen ließen.

Ein trauriger Anblick, all diese nicht abgeernteten Bäume mit den Früchten, die verrotten, die sterbenden Riesen und die ausgerissenen Weinfelder häufen sich - die letzte Strophe des alten Liedes nimmt noch eine neue Bedeutung an. 

J’aimerai toujours le temps des cerises
C’est de ce temps-là que je garde au cœur
Une plaie ouverte …
Et Dame Fortune, en m’étant offerte
Ne pourra jamais fermer ma douleur
J’aimerai toujours le temps des cerises
Et le souvenir que je garde au cœur.



Epilogue:



Aber zum Abschluss und Trost noch ein Bild vom letzten Clafoutis dieser Saison, dem traditionellen Nachtisch in der Kirschenzeit.


Das Rezept ähnelt dem eines dickflüssigen Pfannkuchenteigs - Eier, Zucker, eine Prise Salz, Mehl und Milch nacheinander vermengen, eine Zeit ruhen lassen, während der man eine Form ausbuttert und die Kirschen einfüllt (es gibt die Schule: immer mit Stein - und die: lieber ohne - ich gehöre inzwischen zur Letzteren - wobei ich allen praktischen Küchenhelfern die alte Methode mit meinen kräftigen Daumennägeln zum Entsteinen vorziehe - auch wenn bei den vollreifen schwarzen Kirschen die Finger sehr gut die Farbe annehmen - das bin ich als Winzerin ja von der Maische gewohnt...)

 

Beim obigen Modell kam als kleiner Trick zuletzt noch ein Schuss Champagner, der noch in der Flasche war, in den Teig - das läßt ihn höher aufgehen - geht natürlich auch mit einem Schuß Sprudel - aber jeder hat so seine Ressourcen...

 



PS:
Beim Verkosten all dieser unterschiedlichen Kirschsorten, die ich in den letzten Wochen von aufgegebenen Kirschbäumen in verwilderten Wiesen zusammengeklaubt habe, musste ich übrigens darüber nachdenken, wie wenig aussagekräftig die Bezeichnung "Aroma von Kirschen" in Weinbeschreibungen ist.

Jeder hat da sicher seine eigene Referenz, wenn er noch das Glück hat, vollreife Kirschen direkt vom Baum vor dem Haus oder in der Nachbarschaft pflücken zu können. Wer nur noch mit den künstlichen Aromastoffen der Milchprodukte aus dem Supermarkt aufgewachsen ist, muss da eine ganz andere Vorstellung haben und wird sich so wohl auch leicht von mit Aromahefen vinifizierten Massenweinen einfangen lassen... aber das ist noch eine andere Diskussion.


Par Iris Rutz-Rudel - Voir les 0 commentaires
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Vendredi 6 juin 2008
     Nach recht langer Pause, haben die Knödel beschlossen, sich einmal wieder mit einem gemeinsamen Thema links und rechts des Rheins zu Wort zu melden. An einem 11. November aus der Taufe gehoben, hat dieser lose Verbund von Französinnen, die in Deutschland leben und (bis auf eine) auf Französisch bloggen und von 3 versprengten Deutschen Bloggerinnen, die in Frankreich lebend, zweisprachig oder gleich auf Englisch antreten. Immerhin hatte ich pflichtschuldigst schon einen XXL-Knoedel beigetragen, mit passendem Wein natürlich.

Nachdem weder Weihnachten noch der deutsche Karneval einen freien Platz in den vollen Kalendern der Damen boten, haben wir uns für den 6. Juni entschieden, außerhalb Deutschlands sicher bekannter als der D-Day, 1944 Tag des Beginns der Invasion in der Normandie. Welche Verbindung mit einer Bande von Food (und Drink) bloggenden Expats? Nun, in den Sendungen von Radio BBC London wurden persönliche Nachrichten wie: Les carottes sont cuites (die Möhren sind gar), Il faut cueillir les tomates (die Tomaten müssen gepflückt werden), les fraises sont dans leur jus (die Erdbeeren sind in ihrem Saft) als kodierte Botschaften verwendet.

Der Gedanke, Karotten/Möhrenrezepte zu veröffentlichen, wurde fast einhellig verworfen (dabei hätte ich Klaus Rezept für Möhrengemüse durcheinander wie bei Muttern beisteuern können...).

So sollten dann also heute Anekdoten rund um unsere bi-nationalen Esserfahrungen zum Besten gegeben werden.

Mir fallen da spontan zwei Situationen ein, die wohl als typisch für den culture-clash bei ersten Begegnungen sein könnten.

Die erste Situation spielt in Deutschland: zu Besuch mit einem französischen Begleiter werden wir spontan von deutschen Freunden eingeladen, doch noch zum Abendessen zu bleiben.

Gesagt, getan - der Tisch wird mit Tellern und Besteck gedeckt, in die Mitte kommt eine Platte mit Aufschnitt und ein Korb mit Brot. Ein typisches deutsches Abendessen. Jeder bedient sich, belegt sein Brot, ißt es, mit oder ohne Messer und Gabel, greift noch einmal zu - bis auf den Franzosen. Er wird zu einer zweiten Schnitte ermuntert, nach der er wieder das Messer und die Gabel ordentlich neben dem Teller platziert.

Die erneute freundliche Aufforderung, sich wie zu Hause zu fühlen und doch gerne nochmals zuzugreifen, bekomme ich einen leicht verzweifelten Blick zugeworfen und er flüstert: "mais j'attends la suite..." (ich warte auf das, was danach kommt...), Tja, mon pauvre, mein Lieber, Pech gehabt: das hier ist ein typisch deutsches Abendbrot - wie der Name schon sagt: am Abend gibt es oft eben nur Brot und was drauf, hat nichts mit assiette de charcuterie als kleiner, appetitöffnender Vorspeise vor dem Hauptgang, gefolgt vom Käse und Dessert zu tun. Und der Wein dabei: nun, Fehlanzeige, zur Wahl gab's dazu Kaffee oder Tee, da Bier abgelehnt wurde...

Zweite Situation
, liegt noch weiter zurück: ein deutsches Pärchen auf seiner ersten Frankreichreise (ja, ja, ich gebe zu, ich war der weibliche Teil). Abends geht's in ein kleines Restaurant (in Südfrankreich, irgendwo zwischen Olargues und Bédarieux). Auf der Karte steht ein einfaches Menue - wir verstehen nicht alles, aber nichts klingt wirklich gefährlich, also bestellen wir mutig.

Schon nach kurzer Zeit kommen zwei Salatteller, aha, die Beilage. Jetzt warten wir nur noch auf den Teller mit dem Fleisch und den Kartoffeln, den Salatteller haben wir schon sorgfältig nach rechts gerückt. Trockenes Brot steht auch auf dem Tisch. Wir wagen es nicht, den Roséwein auf nüchternen Magen zu trinken, aber der Krug mit dem Kranenwasser ist uns auch nicht ganz geheuer - normalerweise waschen wir uns mit sowas nur die Hände.

Also warten wir, erst geduldig, dann langsam etwas unruhig - gab's einen Zwischenfall in der Küche, dass das Hauptgericht nicht kommt, zu dem wir wie gewohnt den Salat gerne essen würden? Scheinbar nicht, am Nebentisch wird es gerade serviert... aber halt, da war doch was: die haben alle zuerst ihren Salat gegessen, vielleicht sollten wir das auch so machen, vorher gibt's hier offensichtlich nichts anderes - tja, und siehe da, so geht's, sobald die letzte Tomate verschwunden ist, stellt man uns den Rest hin - jetzt haben wir verstanden, wie es die Franzosen schaffen "mehrgängige" Menues zu produzieren, die servieren einfach alles in Einzelschritten, statt auf einmal. Wir fühlen uns ein wenig gegängelt, aber mit der Zeit gewöhnt man sich auch daran - und die Restaurantbesitzer haben Glück, dass wir nicht zu den deutschen Gästen gehören, die ganz in Gedanken und alter Gewohnheit zu Beginn der Mahlzeit erst mal die für das halbe Lokal gedachte Wurstplatte abräumen...(soll auch schon mit Käseplatten passiert sein:-). Immerhin haben uns ein paar Stücke trockenes Brot zum Salat geholfen, uns an den Wein zu wagen - und nach dem zweiten Glas sprachen wir schon fast perfekt Französisch: "terminé?" " - "oui, merci"!

Moral: Andere Länder andere Sitten - und beides ist auch schon sehr lange her...




Par Iris Rutz-Rudel - Voir les 3 commentaires
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