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Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

Begleiten Sie mich also auf dem Weg durchs Winzerjahr. Hinterlassen Sie Ihre Kommentare oder stellen Ihre Fragen, damit aus diesem Blog ein lebendiges Kommunikationsmittel wird.

Ihre Iris Rutz-Rudel



Mercredi 2 avril 2008
Nach der stürmischen Tagen Ende März  kündet sich der April nun wieder saisongerechter an und es macht wieder mehr Spaß, im Weinberg zu arbeiten. Nach der Mandelblüte Ende Februar, den Pfirsischen im März, sind es nun Quitten und Reineclauden, die ihre Blütenpracht entfalten.


Alles sprießt mit Macht, der Weinberg wird zum Gemüsegarten, denn neben dem wilden Lauch, der schon lange dort wächst, den vielen Salatrosetten, zeigen sich auch seit einiger Zeit die zarten Köpfe des wilden Spargels auf den Oliventerrassen.

 


Auch die Reben erwachen aus ihrer Winterruhe, immer noch fließen die Tränen, aber da die Sonne lacht, entfalten die ersten, frühen Rebsorten nach und nach ihre Knospen, wie der Cot (auch Malbec genannt) auf dem Bild von heute Nachmittag.


Die Bienen und Hummeln freuen sich über die ersten Blüten, der Winzer freut sich ebenfalls, auch wenn er sieht, dass auch in diesem Jahr wieder der Wettlauf mit den Jahreszeiten ihm eine gute Kondition abverlangen wird.

Nach dem Ende des Winterschnitts muss die Drahverspannung für die im Cordon de Royat geführten Rebsorten kontrolliert und zum Teil wieder nachgespannt werden, neben den wilden Salaten, die seinen Speiseplan bereichern, wachsen auch alle anderen Gräser und Kräuter mit Macht, bald wird es also Zeit, wieder mit dem Mähen zu beginnen, damit die ersten Triebe nicht im Gras ersticken.... die Elektrozäune müssen freigemäht werden, damit die Wildschweine gar nicht erst auf die Idee kommen, in die Parzellen einzudringen, bei Windstille müssen noch an gut gesicherten Stellen die alten Rebreiser vom Winterschnitt verbrannt werden, Holzpflöcke sind zu ersetzen - und die Liste läßt sich beliebig verlängern.

Gleichzeitig reift ja die Ernte des vorigen Jahres im Keller, wenn die Temperatur auch dort ein wenig ansteigt, kann die malolaktische Gärung in den Barriques ihre Arbeit wieder aufnehmen, regelmäßige Chromatographien für jedes Fass erlauben es, der Entwicklung zu folgen. (Artikel über die Kellerarbeit kann man in der entsprechenden Rubrik links unter diesem Stichwort nachlesen. Die Analysemethoden  werde ich gerne in einem der folgenden Artikel näher erklären.)

Auch die Entwicklung der flüchtigen Säure in den Weinen wird regelmäßig überwacht, die kalten Tage in der vorigen Woche gaben uns Gelegenheit, einen Labortag einzulegen und kleine Proben aller Weine nach der Destilliermethode
daraufhin zu überprüfen.


Die Ergebnisse waren sehr zufriedenstellend, auch die bisher noch nicht mit den bei uns üblichen minimalen Schwefeldosen geschützten Weine weisen sehr beruhigend niedrige Werte auf.

Und dann wartet ja noch der Wein aus dem Jahrgang 2006 auf die Abfüllung. Überprüfung und Verkostung ergaben, dass er jetzt reif für den Umzug in die Flaschen ist.

Zum Glück lagern die benötigten leeren Flaschen schon im Keller, denn auch in Frankreich gibt es jetzt ein Problem mit dem Nachschub, von dem deutsche Winzerkollegen ja bereits im Herbst berichtet haben.

Die neuen Korken mit unserem Logo und dem Jahrgangsstempel 2006 müssen noch rechtzeitig bestellt werden, dann kann auch diese, immer sehr befriedigende Arbeit in Angriff genommen werden.

Vielleicht sollten wir in diesem Jahr, das uns ja noch das Layout für den neuen Warnhinweis beschehrt hat, auch über einen Hinweis auf all das, was nicht in unserem Wein ist nachdenken. Da die Liste, folgten wir den Analyseergebnissen der Inhaltsstoffe der üblichen Weine


Zum Vergrößern in das Bild klicken


Vergleichende Liste der PAN Ergebnisse, die ja ausgiebig auch in der deutschen Presse und in der Blogwelt
diskutiert wurden, in der zweiten und dritten Spalte Ergebnisse älterer Studien aus Frankreich, die zwischen 2000 und 2003 durchgeführt wurden und 2298 Weine betrafen. IFV ist das Institut Francais de la Vigne et du Vin die Tabelle wurde zusammengestellt, um zu argumentieren, das Problem der Pestizidrückstände sei ja schon lange bekannt, und im übrigen seien die in der PAN Studie gemessenen Werte ja auch schon viel niedriger, als die "alten"....

Jeden Franzosen erinnert das natürlich an die sehr späte Reaktion der Französischen Behörden zur Gefahr der radioaktiven Cesiumwolken nach dem Reaktorunfall in Tschernobil, wo der Kommentar der Wissenschaftler, die als offizielle Sprecher auftraten, auch ungefähr so klang: "Eine Gefahr besteht nicht, es gibt bei uns keine Radioaktivität  und im übrigen ist sie schon dabei zu sinken..."

Die letzten beiden Spalten enthalten die dem OIV (Office Internatinal du Vin) vorgeschlagenen Grenzwerte für Rückstände im Wein, die es ja offiziell noch nicht gibt. Und die in Frankreich gültigen Grenzwerte für Trauben für die Weinbereitung.

Da unser Weinberg all das noch nie gesehen hat, wäre es wohl einfacher, sich ein Beispiel an Randall Graham von 
Bonny Doon zu nehmen, der als Transparenzbeitra nun alles aufs Rückenetikett schreiben will, was in seiner cleanen Weinbereitung an Zusatzstoffen in den Wein hineinkommt., während amerikanische Behörden noch eher darüber nachdenken, Angaben über den Nährwert, also Zucker und Kalorien, verpflichtend zu machen.

Unsere Message on the bottle ist mit der Angabe des enthaltenen totalen Schwefels (zwischen 12 und 23 mg/L im letzten Jahr) eigentlich schon komplett. Mehr wird außer rei fen, gesundenTrauben nicht zugesetzt - und wie schon gesagt, im Weinberg kommen nur minimale Kupferkalksprühungen (einmal im letzten Jahr)  und ebenfalls Schwefel zum Einsatz - vielleicht noch eine Kräuterspritzung. Den Rest besorgen Nützlinge, eine beschützte Umwelt, ausgeglichenes Rebklima, nicht überdüngte Böden und eine gute Pflege - und natürlich das Wetter:-)








par Iris Rutz-Rudel publié dans : weingut-lisson
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Mercredi 28 novembre 2007


Während draußen die letzten Blätter im Weinberg vom kühlen Nordwind, der Tramontane davongeweht werden, wird es Zeit, die Olivenernte zu beginnen. Ein Teil wird auf Netzen eingesammelt, die wir unter den Bäumen ausbreiten, aber die meisten pflücke ich direkt vom Baum, indem ich sie von Hand von den Zweigen abstreife. Das nennt man die Olivenbäume "melken". Wenn wir genügend Oliven zusammenbekommen, können wir sie wieder in die kleine Olivenmühle nach Saint André de Sangonis bringen und von dort mit unserer kleinen Reserve Olivenöl zurückkommen. 


Lisson---oliviers-soleil-matin.jpg

Olivenbäume und damit die Produktion von Olivenöl lgehörten in unserer Gegend lange Zeit zur lokalen Ökonomie. Uns wurde erzählt, dass in Lisson früher bis zu 300l Olivenöl produziert wurden. Wenn man weiss, dass es ungefähr 6kg Oliven braucht, um 1l Olivenöl zu erhalten, dann kann man ausrechnen, dass hier ungefähr 2 Tonnen Oliven geerntet wurden. Damit kam sicher mehr Geld in die Kasse als mit dem Verkauf des losen Weins und die Oliven bildeten zusammen mit Maronen und Trauben  das dritte Standbein der früher üblichen Polykultur.

Olivier-Cot.JPG

Auch heute gibt es in Lisson noch zahlreiche Olivenbäume in unseren Terasse hinter dem Haus. Die Bäume sind zum Teil beim großen Frost von 1956, der in allen Kulturpflanzungen der Region enorme Schäden anrichtete, erfroren. Und da das Gut damals schon verwaist war, wurden die toten Büme auch nicht durch einen entsprechenden Rückschnitt sofort wieder aufgefrischt und neu geformt. Wir finden also noch zahlreiche bizarre tote Baumstämme inmitten von neuen Trieben, die vom Wurzelstock ausgingen und sich in ungezügeltem Wildwuchs zu  einer Hecke entwickelt haben. Jedes Jahr nehmen wir uns einige davon vor, schneiden das alte Holz heraus und wählen drei oder vier der neuen Bäume aus, um dem Ganzen Luft zu geben und die Kronen zu öffnen, damit das Licht wieder überall hin vordringen kann, diese "Bäume" sich entwickeln können und wieder mehr Frucht tragen.

Ich muß zugeben, dass es mir manchmal schwer fällt, mich von einem der toten Veteranen zu trennen, die für mich Zeugen der jahrhundertelangen Geschichte dieser Bäume sind, historische Monumente und einmalige Skulpturen auf ihre Art. Aber ich sehe auch, dass die so befreiten, verjüngten Bäume in kurzer Zeit wieder prächtig wachsen und gedeihen, wenn man sie von der Konkurrenz des Wildwuchses befreit hat.

Olives.jpg

Der Vorteil unserer alten Sorten liegt auch darin, dass sie keine Spritzungen benötigen, die die Bauern sonst heute zahlreich aufbringen, um die produktiveren und empfindlicheren Sorten vor Krankheiten und Schädlingen zu schützen. Die meisten, subventionierten Plantagen der letzten 20 Jahre wurden mit sogenannten Speiseoliven, also solchen, die schon vor der Reife für die Konfiserie geerntet werden, bepflanzt, wie der hier sehr beliebten Luque, die mir viel anfälliger erscheinen.


pub-blog-expression-alencon.jpgLeser meines französischen Blogs haben sicher schon bemerkt, dass mir diese Periode zwischen Ernte, Kellerarbeit und Beginn des Rebschnitts mehr Zeit läßt, aus dem Tal herauszukommen und meine Streifzüge vom Weinberg bis in die Dörfer und auf Märkte und auch in die weitere Umgebung auszuweiten.

Die Artikel, die sich dabei ergaben, haben mich ansprechbar gemacht für eine Anfrage von Guillaume Lapaque vor einigen Wochen, der mich aufforderte, an den rencontres des blogs d’expression locale dem Treffen lokaler Blogs im Internet teilzunehmen. Da es bei diesem Treffen auch einen Wettbewerb in der Rubrik  économie locale,  lokale Ökonomie auch für Winzer, gab, habe ich meinen französischen Blog dort eingeschrieben. Wir sind in dieser Kategorie noch nicht sehr zahlreich, aber es ist ja auch erst das 2. Treffen dieser Art. Die meisten anderen teilnehmenden Blogs kommen aus nördlichen Regionen, wie der Bretagne, so dass ich mich als einziges Südlicht etwas einsam fühle....

Falls sie die Französische Sprache beherrschen, schauen Sie doch einmal auf die entsprechenden Seiten. Ich werde hier nicht dazu aufrufen, für meinen Block abzustimmen, sondern möchte Sie wirklich anregen, einmal in dieser Zusammenstellung lokaler Blogs zu blättern und ihre Entdeckungen zu machen - auch über den Teller- bzw. Glasrand hinaus.


par Iris Rutz-Rudel publié dans : weingut-lisson
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Jeudi 27 septembre 2007
Vielleicht ist es eine gute Idee, nach und nach die Entstehung der Namen der verschiedenen Lagen, die das Mosaik unseres Weinbergs bilden, zu erzählen. Die Parzellen des Clos du Curé, ganz oben auf unserem Weinberg, gehörten zu Beginn des vorigen Jahrhunderts tatsächlich einem Curé, also einem Pfarrer, dem von Saint Etienne d'Albagnan, einem kleinen Dorf hinter Olargues im Tal des Jaur.

Er baute dort seinen Messwein an, oder genauer gesagt: er lies ihn anbauen, von Joséphine, seiner Haushälterin. Sie war ein Mädchen aus den Bergen, die sich um den Haushalt der Pfarrei kümmerte, einige Ziegen hütete, um Milch und Käse zu haben und zusätzlich noch den beschwerlichen Weg auf den Hügel von Lisson nahm, um dort die Rebstöcke zu bearbeiten.


War das vielleicht Joséphine mit ihren Ziegen?

Sie schlug den kleinen Pfad ein, der hinter dem Mazet (kleine Steinhütte) abbiegt und von Kalksteinterrasse zu Kalksteinterrasse ansteigt, wo es so gut nach Thymian und wildem Lavendel riecht. Sie überquerte den Wall aus Trockensteinen, der von den Anstrengungen beim Roden zeugt und von Buchsbaum gesäumt ist und kam schließlich ganz oben an. Von dort schweift der Blick über Olargues mit seinem mittelalterlichen Turm und auf der anderen Seite des Tales das Felsrelief der Femme Couchée, an dessen Flanke die romanische Kirche der Prieuré de Saint Julien d’Olargues liegt. Dort oben hört man beide Kirchtürme läuten - immer mit etwas Abstand, zuerst die Glocken von Olargues und 5 Minuten später die von Saint Julien.

Bewohnerin von Olargues auf einem Foto von 1890, die ihren Wasserkrug auf einer cabillade - einer gepolsterten Kopfbedeckung - trägt - mit der " Haltung einer Königin"

Nach dem Tod des Curés erbt zunächst sein Bruder Marius seinen Besitz, der anschließend auf dessen Sohn Antoine Tarbouriech übergeht, der nicht nur die Weinberge, sondern auch das Haus und die Haushälterin erbt. Die Parzellen oben auf dem Berg werden aufgegeben, als Joséphine nach einem Beinbruch den Pfand nicht mehr erklimmen kann. Das Land verwildert und nach und nach wird alles wieder von Grüneichen zurückerobert. Vor 20 Jahren waren wir sehr erfreut, als Antoine sich einverstanden erklärte, uns diese Terrassen zu verkaufen. "Da, wo ich hingehe, kann ich sie nicht in den Taschen mitnehmen" sagte er uns.

Im Dorf galt er als Original. Unauffällig und schüchtern bewegte er sich durch das Dorf, wenn er mit seinem Krug zur öffentlichen Quelle der Trois Fontaines ging, um sein tägliches Wasser zu holen - er fand es dort so viel besser und natürlicher als das aus der Wasserleitung im Haus. « Ras Muraille » - der die Mauern entlangschleicht - nannten sie ihn im Dorf - immer mit einem alten Strohhut auf dem Kopf, sah man ihn manchmal auch in seiner alten, graublauen Wellblechkastenente.
Er bearbeite bis zu seinem Tod noch die kleine Parzelle Wein am Ufer des Jaur, hackte jedes Jahr rund um seine alten Rebstöcke die Erde auf, um ein paar Schaufeln Mist einzuarbeiten, bedeckte die Ringe im Frühjahr wieder mit Erde, arbeitete alleine bei der Weinernte. Und jedes Jahr fanden wir einen handgeschriebenen Zettel in unserem Briefkasten im Dorf, wenn er Hilfe für die letzte Anstrengung an der Hebelstange der alten Korbpresse brauchte, um den Pressvorgang zuende zu führen. Um uns zu danken brachte er mir im Frühling ein Bund duftender Hyazynthen aus seinem Garten, mit Bast umwickelt, oder eine ganze Wagenladung Blumenkohl, von dem ich einmal gesagt hatte, dass ich ihn besonders liebe.

Dann erzählte er manchmal aus seiner Zeit als Zwangsarbeiter in Deutschland, wo er aufgrund seiner Herkunft aus einer Weingegend als Arbeiter für eine große Weinhandelsgesellschaft in Bremen in deren Lagerkellern eingesetzt worden war. Ein paar Worte Deutsch waren ihm geblieben, wie vielen alten Männern aus der Gegend hier, von denen einige es schlechter getroffen hatten als Antoine....

Er wird in unserer Erinnerung weiterleben, er und seine Geschichten von Mademoiselle Clavel, der « armen Joséphine », die das kommende Wetter aus den Wolken vorhersagen konnte.

Der Clos du Curé, von uns gerodet und mit Pinot Noir bepflanzt, trägt wieder Wein und der erste Jahrgang 1996 trug den Namen Antoine Tarbouriech, der vor einigen Jahren verstorben ist und natürlich wurde der Jahrgang 1998 Joséphine Clavel gewidmet.




Die Fotos stammen aus dem Buch: Vivre en Pays d'Olargues de 1870 à 1940, herausgegeben von Robert Guiraud und veröffentlicht von der Société Archéologique et Historique des Hauts Cantons de l'Hérault, 1986.


par Iris Rutz-Rudel publié dans : weingut-lisson
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Mercredi 21 mars 2007
Wochenlang konnten wir uns über den "Jackpot" auf der Meteo-Seite freuen: die vielen großen Sommen und die daraus folgenden strahlenden Tage waren ideale Arbeitsbedingungen für den Weinberg.


Der Frühling kündete sich mit Macht an, die Bäume schlugen aus, die ersten Blüten verströmten ihren betörenden Duft, die Igel verbrachten animierte Nächte rund ums Haus, die ersten Eidechsen sonnten sich auf den Mauern und beom Schneiden mußte ich von Zeit zu Zeit einen Marienkäfer verscheuchen, der der Klinge meiner Rebschere zu nahe kam.

Die Kollegen Winzerblogger veröffentlichten die ersten Fotos von sich öffnenden Rebknospen und saftstriefenden Schnittwunden (der Wein "weint" - la vigne pleure).

Und dann, pünktlich zum offiziellen Frühlingsanfang: patatrass!!! Temperatursturz, eisige Winde wehn von Norden, fallen in stürmischen Böen über uns her und bringen von der weiß bedeckten Hochebene gegenüber weiße Flocken und Schneegriesel mit.

Nun, uns kann's recht sein. Wir nutzen die letzten zwei Tage, um schön im Warmen die nächste Flaschenabfüllung vorzubereiten.

Nachdem der Jahrgang 2004 aufgrund der schlechten Witterung im Monat August unseren Qualitätsansprüchen für einen LISSON nicht entsprach, ist es besonders schön, jetzt die Abfüllung des Jahrgangs 2005 ankündigen zu können.


Da müssen die Flaschen bestellt werden, die Korken mit dem Lisson-Logo und dem Jahrgangsstempel, die Kartons. Demnächst werden wir die neuen Etiketten vorbereiten, die dann später aus den Farbfotokopien von Hand ausgeschnitten werden, für's Krönchen am Ende mit der Nagelschere. Und da wir keine Großkunden mit breiten Zufahrten und Verladerampe sind, ist es immer ein rechtes Vabanquespiel, zu wissen, ob die einzelnen "Zutaten" auch alle zusammen pünktlich in Lisson versammelt werden können. Unsere Erfahrungen mit Transporteuren sind lang und kompliziert - 14 Tage bis zur Auslieferung aus der nächsten Großstadt sind keine Seltenheit. Die DHL-Reklame ist für mich nur Spott und Hohn...

Wichtig war es auch, jetzt schnell unsere neue Broschüre mit dem



zusammenzustellen.  Wir bieten sie unseren Kunden nach Wahl entweder als PDF Dokument per Email oder ganz klassisch auf Papier per Post an. Wer vor dem 15. April bestellt und schon zahlt, kann von einem kleinen Rabatt pro Flasche profitieren.
 


Jedenfalls ist es bald vorbei mit dem beschaulichen Leben, dass die Weine während der letzten 18 Monate in den Tiefen unseres Kellergewölbes geführt haben. Ein wenig ähnelt es auch immer einer Geburt.




 


par Iris Rutz-Rudel publié dans : weingut-lisson
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Samedi 26 novembre 2005
Wir steigen und steigen – nun, dieser Teil des Weinbergs und seine Terrassen heißen nicht umsonst: „Echelles de Lisson“, die Leitern von Lisson. Sieben kleine Terrassen sind zu erklimmen, um oben beim Cabernet Sauvignon anzukommen. Bevor man mit der Arbeit beginnen kann, muss man erst einmal verschnaufen.




Eine gute Gelegenheit,  die immer wieder schöne Aussicht auf die Berge gegenüber, die Silouette der „Femme Couche“, der liegenden Frau und in der Ferne auf das mittelalterliche Stadtbild von Olargues mit seinem prominenten Turm zu genießen. Aus der Erntfernung kann man gnädig über die eher hässlichen Neubauten von Mehrzweckhalle und neuer Mittelpunktschule hinwegsehen.

Heute ist schon ein Besucher vor uns auf der Terrasse, ein Perlhuhn macht sich scheu von dannen,

 
noch ein Liebhaber unserer reifen Trauben.


Der Cabernet Sauvignon ist vollreif – bei der letzten Reifemessung waren es schon 13,5° potenzieller Alkohol – das sind 103 Oechsle – mehr muss nicht sein, denn der Geschmackstest zeigt reife Frucht und knackige braune Kerne.



Die Ertragsmenge ist wieder mal winzig – während ich die Trauben schneide, rechne ich im Kopf aus:

zwei Kisten Cabernet Sauvignon

 zwei Kisten mit jeweils ungefähr 12 kg Trauben von 200 Stöcken, das sind 24 kg – also so über den Daumen gepeilt 24 Flaschen mit 0,75l Inhalt – also ein kleines Glas pro Stock.  Bei dieser Ausbeute wäre es schwierig, dem Beispiel einiger Weingüter zu folgen, die ihre Reben stockweise an Liebhaber vermieten und eine Flasche pro Stock versprechen...  man hat Zeit beim Schneiden, solche Gedankenexperimente im Kopf durchzuspielen – ai – aber man darf sich nicht zu sehr davon ablenken lassen, sonst fließt Blut, denn ein Schnitt in den Daumen ist schnell passiert.

Jetzt aber erst mal eine kleine Pause – Gelegenheit nachzuforschen, woher dieser angenehme Blumenduft kommt, dessen Honigaroma der Nase schmeichelt: aha – es ist diese kleine stachelige Liane mit den glänzenden Blättern und den hübschen weißen Blüten -




eine  Pest, wenn sie sich bis in die Rebstöcke und die Spanndrähte vorarbeitet, aber so betörend  mit ihrem Duft, dass ich ihr gerne einen Platz an den Mauern und Abhängen zwischen den Terrassen reserviere.


Zwischen den Rebstöcken, die hier wegen der Enge der Terrassen nur in zwei oder drei Reihen stehen, hat der letzte Regen Majoran und Origano wachsen lassen, die den steinigen Boden bedecken – wir treten auf einen Teppich von wilder Minze – Vergnügen für alle Sinne.





Wir arbeiten uns langsam nach unten: nach dem Cabernet Sauvignon, der ganz oben wächst, folgt Cabernet Franc und ganz unten einige Reihen Malbec (Cot), an denen sich die Tiere bereits gütlich getan haben – die Beerenhäute sind weicher als die der Cabernets.

Langsam scheint die Sonne schon niedriger und der Rücken sendet Signale aus, dass es langsam genug ist, mit der Gymnastik. Die Weinstöcke sind hier im Cordon de Royat Stil geformt und geschnitten und auf Drahtverspannung gezogen, die beiden Arme des Cordon trennen sich in etwa 30 cm Höhe wagerecht vom Stamm – das ist ganz schön niedrig und man muss sich außerdem durch die Drähte schlängeln und gut unter den Blättern nachschauen, um keine Trauben auf der Rückseite der Reihe zu vergessen. Bei den letzten Stöcken geht’s nur noch auf Knien.



Klaus holt die letzten Kisten mit dem Rampi-Car, dem knallroten kleinen Kettenfahrzeug ab, dem einzigen Gefährt, das in diesem Gelände manövrieren kann. Ursprünglich sind diese Terrassen eben für die Bearbeitung mit Maultieren angelegt worden...


Unten hinterm Haus angekommen, muss noch eingemaischt werden, aber das wird ein neues Kapitel.






par Iris Rutz-Rudel publié dans : weingut-lisson
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