Pages

Kalender

Mai 2008
L M M J V S D
      1 2 3 4
5 6 7 8 9 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 29 30 31  
<< < > >>

Kommentare

Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

Begleiten Sie mich also auf dem Weg durchs Winzerjahr. Hinterlassen Sie Ihre Kommentare oder stellen Ihre Fragen, damit aus diesem Blog ein lebendiges Kommunikationsmittel wird.

Ihre Iris Rutz-Rudel



Jeudi 10 avril 2008
Die heutige zweistellige Weinrallye startete unter der richtungsweisenden Leitung von Christoph Raffelt von originalverkorkt und hatte Chenin Blanc – als unbekannte Vielfalt zwischen Kult- und Massenwein zum Thema.

 Meine eigenen Erfahrungen mit der Rebsorte habe ich schon
hier als kleine Einstimmung vorgestellt.

Ihr Ursprungsgebiet liegt in Frankreich im Loiretal – man nimmt an, dass der Name ursprünglich von einem Berg gleichen Namens stammt, dem Mont Chenin, eine andere Erklärung liefert der Larousse Universel, der als Etymologie aus dem Altfranzösischen raisin des chiens anführt, also Hundetrauben..

In der Touraine und im Anjou werden daraus die Weißweine gemacht. Diese können trocken sein (Jasnières, Savennières, Vouvray, Montlouis, Anjou, Saumur,...) moelleux (halbsüß) oder auch liquoreux, also edelsüß, je nach Jahrgang oder Auslese durch den Winzer (Bonnezeaux, Coteaux du Layon, Coteaux de l'Aubance, Jasnières, Quarts de Chaume, Savennières, Vouvray, Montlouis...). Zusätzlich werden sie auch für Schaumweine verwand (Crémant de Loire, Montlouis-sur-Loire, Saumur, Vouvray).

Andere weiße Traubensorten laufen ihm weltweit an Bekanntheit den Rang ab. Bei Kennern gilt Chenin aber als ein Kandidat für große Weine. Vielleicht wird er auch unterschätzt, weil lange Zeit viele Winzer die Trauben lieber vor der Reife ernteten, grün und sauer und das Alkohol- und Süßdefizit dann mit Zucker (früher aus der Tüte, heute eher aus konzentriertem Most), der in Frankreich im Gegensatz zu Deutschland nicht verboten ist, ausglichen, durch die allbekannte Chaptalisation. Natürlich musste dann besonders kräftig geschwefelt werden, um eine zweite Gärung auf der Flasche zu verhindern. Und fertig waren unausgewogene, pappig süße, aber billige Apéritifweine, bei denen der dicke Kopf schon vorprogrammiert war.

Wenn man heute noch bei Wikipedia über die Süßweine der Coteaux du Layon lesen kann:

Der Wein wird zu 100% aus der Rebsorte Chenin Blanc gekeltert. Am Layon bildet sich im Herbst Nebel, der einen Befall der Beeren mit Botrytis cinerea begünstigt und zu Edelfäule führt. Die Beeren müssen manuell in mehreren Erntegängen eingeholt werden. Dieser Aufwand hat natürlich seinen Preis. Eine Flasche kostet im Normalfall zwischen 9 - 12 € / Flasche


- dann weiß man, dass das nicht mit rechten (wenn auch leider legalen) Dingen zugehen kann.

Dass sich mit der Zeit eine Front von Winzern zusammengefunden hat, die versucht, der Rebsorte und damit den Appellationen mit neuen alten Methoden wieder zu ihrem verdienten Platz zu verhelfen, kann man auch in einem schönen
Reisebericht von Stephan Reinhardt über die Querköpfe an der Loire aus dem Spiegelarchiv nachlesen.

Zu den engagiertesten Kämpfern an dieser Front gehört Patrick Baudoin aus dem Layon, Mitbegründer des
Vereins Sapros, dem Club der Verfechter der Botrytisweine, die sich engagieren, ihre edelsüßen Weine nur aus natürlich konzentrierten Trauben zu keltern.

Die Liste der Mitglieder hat inzwischen einen guten Klang und umfasst auch andere Weinbaugebiete und Rebsorten in Frankreich: von André Ostertag und Jean-Michel Deiss aus dem Elsass über Pierre Gaillard aus Condrieu, Menard, Delesvaux und Jo Pithon im Layon, Issaly und Lescarret in Gaillac, Eric Nicolas in Jasnière und Jean Thevenet in Macon, Francois Chidaine in Montlouis bis zu Bernadette Lacoste, Mireille Daret und Xavier Plantier von Château Guiraud in Sauternes. Alle sind sich einig, dass die große Plage der edelsüßen Weine in Frankreich in der Chaptalisation liegt.

Auf seiner
Webseite führt Patrick Baudoin  ausführlich in das Thema ein – ich fand seine Darstellung sehr überzeugend und habe mich deshalb entschlossen, hier eine kleine Zusammenfassung zu liefern:

Er beruft sich dabei auch auf Alexandre de Lur Saluces, der schon in seinem Buch über die Moral von Yquem ausführt, dass man die Hälfte des Erntevolumens verliert, wenn man die angestrebten 18 bis 20 ° Alkohol ohne Chaptalisation anstrebt und leitet aus den daraus folgenden Zahlen und Erfahrungen ab, dass praktisch 95% der edelsüßen Weine in Frankreich chaptalisiert sind, davon gut 50% im Überfluss.

Das hat erhebliche Auswirkungen : Für die Qualität : Die Weine halten kenen Vergleich aus. Die natürliche Konzentration kann nicht durch zugefügten Zucker ersetzt werden, der lediglich zu einer Erhöhung des Alkoholgehalts führt. Was man aber eigentlich sucht, ist mehr Materie, Aromen, wie von kandierten Früchten, die sich dann im Laufe der Zeit entwickeln können, wie auch die Aromen des Botrytis. Diese verhelfen den Weinen auch zu mehr Stabilität, was wieder heißt, man braucht im Endeffekt weniger Schwefel.

Das große Gegenargument ist quantitativ : eben der Satz : man verliert die Hälfte an Volumen, wenn man nicht (wie ja erlaubt) chaptalisiert. Um auf natürliche Weise einen edelsüßen Wein zu erarbeiten, müsste man sich mit 10 bis 15 Hl/Ha begnügen. Die gleichen Trauben, die mit 20% potentiellem Alkohol in natürlicher Konzentration geerntet werden und dann 100L Maische ergeben, haben 200L Ausbeute, wenn man sie mit 17,5% erntet, fügt man denen dann die erlaubten 8,5 kg Zucker hinzu, kann man anschließend 205L mit 20% verkaufen. ... Konsequenz: ein halb- oder edelsüßer Wein, der normalerweise ein seltener Wein wäre, dessen Menge stark vom Jahrgang abhängt, wird durch die Chaptalisation ein Wein, der seinen Jahrgang kaum noch widerspiegelt und beim Verbraucher als banaler Süßwein haften bleibt, den er, s.o., für ein paar Euro in jedem Supermarkt bekommt.

Dabei ist er natürlich auf dem ganzen Produktionsweg, auch schon im Weinberg, viel rentabler, denn abgesehen von der zusätzlichen Arbeit, die man einsetzen muss, um qualitative überreife Trauben zu ermöglichen (Auslese der Knospen, Grünschnitt, Ausdünnen des Weinlaubs...), zeigt allein das Beispiel der Ernte, den enormen Unterschied im Aufwand und damit in den Produktionskosten: Bei 20% natürlichem Gehalt, und erwachsenen Reben, schafft eine Erntemannschaft von 10 Personen höchstens eine Ausbeute von 2 Barriques pro Tag, bei Trockenbeerenauslese 440L = 44l/pro Person bei mindestens 4 Durchgängen. Schon wenn man bei 18% erntet, reichen 2 bis 3 Durchgänge, man erntet nicht mehr alle Beeren einzeln und alles geht viel schneller. Den Unterschied allein in den Lohnkosten kann man sich vorstellen. Zahlt man dann für die nötigen 8,5kg Zucker 13 € und setzt als Beispiel einen einheitlichen Verkaufspreis von 30 € an, beträgt der zusätzliche Umsatz schon 3 200 €, was auch erklärt, warum es sich hier um ein Tabuthema handelt..

Chenin mit Botrytis (Bild aus der Webseite von Jo Pithon

Auch die offiziellen gesetzlichen Regeln sind in Frankreich das Gegenteil der deutschen und österreichischen, sie basieren eben auf der Chaptalisation und nicht auf der Botrytisation. Während in den Mutterländern der größten edelsüßen Weine, Deutschland, Österreich und Ungarn, anerkannt wurde, dass je stärker ein Wein botrytisiert ist, desto geringer seine Alkoholgrade sein können, man also eine Trockenbeerenauslese schon ab 5,5% zulassen würde, weil das Gleichgewicht eines Weins von Materie, Aromen und Säure bestimmt wird, weiht man in Frankreich alles dem Kult des Alkohols. Lange Zeit musste im Layon ein Basiswein 11% haben, ein qualitatif hochwertigerer Wein, wie der Quart de Chaume 12%. Erst langsam setzt sich die Absurdität dieser Regelung in den Köpfen durch und man hat den Mindestgehalt inzwischen für alle edelsüßen Weine auf 11% „heruntergestuft“.

Dazu muss man wissen, dass bei der Gärung sehr reicher Maischen nicht aller Zucker in Alkohol verwandelt wird, da die Hefen in einem zu alkoholgesättigten Milieu nicht überleben; dazu wird ihre Aktivität auch von Molekülen gestört, die durch den Botrytis produziert werden.
Wenn eine Maische von 361g Zucker pro Liter potentiell 21% Alkohol erzeugen kann, so wird der Wein, der aus der Gärung hervorgeht, wenn die Hefen nur 170g Zucker in Alkohol verwandeln können, am Ende nur 10% Alkohol aufweisen, während noch 191 g Restzucker enthalten sind (also ein Menge von 11% potentiellen Alkohols, die nicht realisiert wurden).

Man kann davon ausgehen, das von den 1%, die die edelsüßen Weine unter den AOC Weinen ausmachen, nur ein ganz geringer Teil auf natürliche Weise erlangt wird – vielleicht 5% von diesem 1%. .. Während vor Einführung der Chaptalisation die edelsüßen Weine als seltene Perlen wahrgenommen wurden, die nur durch eisernen Willen und Passion eines Winzers und sehr abhängig vom Jahrgang der Natur abgetrotzt werden konnten, gelten heute die Liquoreux in Frankreich in der öffentlichen Wahrnehmung einfach als „zuckrig-süße Weine“.
Dabei ist das Wesentliche eines edelsüßen Weins eben nicht der Zucker sondern die Magie der totalen Transformation durch natürliche Konzentration mit Hilfe von Botrytis  der Materie der Trauben. Hier liegt ihr Geheimnis, ihre Faszination, die keine künstliche Anreicherung ersetzen kann – auch wenn dabei die Hälfte der Ernte verschwindet!
Solange man noch edelsüße Weine für 8 € im Supermarkt findet, solange die angereicherten Weine noch den Markt beherrschen, wird das Image dieser Weine besudelt, banalisiert und der Mehrheit der Weintrinker wird sich die wahre Natur der natürlichen edelsüßen Weine nie erschließen können.

Bilanz: Es ist einfacher, diese Weine im Export zu verkaufen, wo sie auf Liebhaber treffen, die andere Referenzen haben. Leider fehlt im Layon auch eine Größe wie Yquem, die den Ruf der Appellation begründet hätte.

Und aus den oben angeführten Gründen haben es die drei dutzend Winzer, die für eine Erneuerung kämpfen, schwer, das Bild der Liquoreux weitreichend zu verändern. Es sind immer noch kaum mehr als 2% der als edelsüß geernteten Trauben, die die Mindestanforderung von 17,5% kontrolliertem natürlichem Alkohol aufweisen.

Natürlich sollte auch die Weinbereitung für diese Weine langsam und ohne große Interventionen erfolgen.

Ihre komplexe Struktur macht diese Weine, die oft nur als Aperitif oder zu fois gras eingesetzt werden, aber auch zu idealen Begleitern einer ganzen Mahlzeit, und ihr ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Süße und Säure macht sie zu idealen Begleitern exotischer Küche.

Man kann aber auch einen solch edlen Tropfen als Meditationswein genießen....

So wie den Sens du Chenin, ein für mich unvergesslicher Tropfen, den uns Patrick Baudoin vor 4 Jahren zum Abschluss eines Winzeressen am Rande des Salone del Gusto von Slow Food in Turin kredenzte – ein unvergessliches Erlebnis!

Leider war mein Gang in den Keller nicht von Erfolg gekrönt – die letzte Flasche wurde wohl schon im letzten Jahr getrunken und in der Kiste ruhten nur noch zwei Flaschen der Lebensgefährtin von Patrick Baudoin, Mireille Daret. Ihr Cru Baréjat 1996 hat uns vor wenigen Tagen wieder begeistert – stammt aber leider aus Sauvignontrauben, denn es ist einer der besten Sauternes...

Die Coteau du Layon von Baudoin kann man kann man in Deutschland laut Internet
hier finden.

Der Preis (41 bis 48 € 0,5L) sollte nicht abschrecken.
par Iris Rutz-Rudel publié dans : Weinrallye
ajouter un commentaire créer un trackback

Dimanche 9 mars 2008

Nach der schönen und vor allem prompten Zusammenfassung der Alltagsweinrallye (Nr. 9) durch den Themengeber Harald Steffens vom Weingut Steffens-Kess folgt auch schon die Ankündigung der nächsten Herausforderung für die immer zahlreicheren Rallyeteilnehmer: Christoph Raffelt von originalverkorkt wünscht uns etwas Leichtes und Spritziges im Glas und fordert uns auf, die Rebsorte Chenin Blanc als unbekannte Vielfalt zwischen Kult- und Massenwein zu entdecken.

Für ihn
fristet Chenin Blanc, im Gegensatz zu anderen klangvollen französischen Rebsorten,  eher ein Schattendasein. Um dies ein klein wenig zu ändern und die Traube neu zu entdecken, wählt er sie als Thema der 10. Weinrallye.  

Nun, in Lisson ist der Chenin keine ganz unbekannte Größe. Um ein wenig ins Thema einzuführen und einen kleinen Vorgeschmack auf die Weine meiner Lieblingswinzer aus dem Loiretal zu geben, habe ich  aus den Archiven der französischen Ausgabe des Lisson-Blogs zwei Artikel über unseren Chenin herausgesucht. 

Vor etlichen Jahren hatten Claude und ich ein paar im Mourvèdre hinterm Haus verstreute Pfropfunterlagen dazu genutzt, um sie mit Chenin zu veredeln.  Wir wollten so im eigenen Experiment herauszufinden, ob die Rebsorte z.B. unseren Gobeletschnitt verträgt, wie die Trauben in unserem Klima reifen und ob sie, im Gegensatz zum Mourvèdre, während des Wachstums ein Stützsystem in Form von Drahterziehung oder individuellen Pflählen (wie beim Pinot)  benötigen oder nicht.

Langfristiges Ziel war die Pflanzung einer kleinen Parzelle ganz oben auf unserem Hügel (in 300 m Höhe), da, wo der Nordwind weht und vielleicht eine langsamere Reife ermöglicht, damit wir in gesundem Klima Trauben als raisins passerillés (Trockenbeeren) für einen Weißwein mit natürlichem Restzucker, wie an der Loire, ernten können. Chenin bietet dabei mit seinem hohen natürlichen Säuregehalt eine bessere Chance als z.B. Chardonnay oder die klassischen Weißweinsorten des Südens, trotz unseres heißen Klimas noch genügend Rückrat zu behalten. 

Außerdem kann man solche Weine auch in einem Betrieb wie Lisson Weißwein erarbeiten, wo bei der Weinbereitung auf externe Energie für Kühlen oder Aufheizen der Maische komplett verzichtet wird. Getreu unserer Devise: lieber slow mit no Watt - also garantiert ohne die technischen Hilfsmittel der Temperaturkontrolle, bei der oft nur Weine mit uniformen Primäraromen herauskommen. 

Hier also eine schöne Chenintraube aus der Ernte vom 30. September 2005. Diese Trauben muss ich jedes Jahr im letzten Moment vor den Erntehelfern schützen, die im Eifer des Gefechts gerne Alles abschneiden, was noch an den Stöcken hängt und so die kostbaren Trauben in den Kisten mit dem Mourvèdre verschwinden lassen könnten. Auch Klaus gehört nicht zu den Fans meiner Experimente,  er ist kein Freund der bauchigen Glasflaschen mit meinem "Weißwein", die oft genug im Ausguss enden, weil ich doch den Zeitpunkt verpasst habe, an dem ich sie hätte abziehen müssen, um sie vor der Gefahr einer  drohenden Oxydation zu bewahren, die umso größer ist, je kleiner die verarbeiteten Mengen in zu großen Gefäßen sind. Ich weiß heute, dass ich auch mir bei Mikrovinifizierungen Grenzen gesetzt sind. 

 
Wenn ein oder zwei Kisten mit den kostbaren Trauben gerettet werden konnten, folgt die zweite Hürde. Da es ja hier um eine Weißweinbereitung geht, muss sofort gekeltert werden. Unsere Presse wäre zwar für die meisten Winzerkollegen schon eine antiquarische Winzigkeit, aber hier erweist sie sich noch als viel zu groß. Vor allem für Trauben, die fast mehr Zucker als Wasser enthalten

Zum Glück können wir auf das Miniaturmodell einer vertikalen Korbpresse eines guten Freundes zurückgreifen. 
 

Aber auch damit war es noch ein schwieriges Unterfangen. Schließlich habe ich in zwei Durchgängen gepresst. Zunächst, wie für meine anderen Rebsorten mit den Rappen (Stiehlen), anschließend, angesicht der geringen Saftausbeute ein zweites Mal, nachdem ich zuvor jede einzelne Traube von Hand entbeert habe. 

Und 2005 folgte darauf sogar noch ein dritter Durchgang mit meiner kleinen Zitronenpresse - um noch ein paar Gläser mehr zu erhalten!

Der zweite Pressvorgang ohne Rappen ergab natürlich mehr Trübstoffe im Saft - das ist einer der Gründe, warum wir bei Rotweinen auf das Entrappen verzichten, da sie im Tank und vor allem auf der Presse einen natürlichen Filter bilden und so ein von Anfang an klarerer Saft in die Fässer fließt. Allerdings sind auch bei der Rotweinbereitung eventuelle Tannine aus den Rappen nicht so tragisch - vorausgesetzt, diese waren bei der Ernte ebenfalls gut gereift

 

2005 ergab diese Mühe dann die freudige Überraschung : Saft mit 17° potentiellem Alkohol.

Da kann ich nur doppelt bedauern, dass die Alea des Lebens mich bisher daran gehindert haben, die geplante, gerodete und für eine Pflanzung Anfang 2001 schon vorbereitete Parzelle wirklich zu bepflanzen...

 
2006 hatten wir übrigens das hier seltene Vergnügen die Chenintrauben komplett mit Edelfäule (botrytis cinera), wie im Sauterne, zu ernten - leider war die Menge noch kleiner als 2005. Und 2007 war die Fäule dann leider nicht mehr edel, als ich die letzten Stöcke ernten wollte:-(.

Inzwischen habe ich auch die Erkenntnis, dass die Sorte unbedingt eine gestützte Erziegung benötigt, wenn man sie in unserem dauerbegrünten Weinbergbei feuchter Witterung nicht der Gefahr durch Staunässe am Boden aussetzen will.  Ein kurzer Rebschnitt ist allerdings durchaus möglich.

Conclusion: Aus der Traube des Chenin kann durchaus auch etwas anderes als leichte, spritzige Weine machen - so das Klima mitspielt. Und für Restsüße muss man nicht in den Zuckertopf greifen. Kollegen, wie die Winzer, die in der Association Sapros zusammengeschlossen sind, haben das mit ihren natürlich konzentrierten Weinen überzeugend bewiesen. 
 
Meine eigenen Versuche sind allerdings bisher nur von partiellem Erfolg gekrönt worden (siehe oben). Deshalb werde ich für die 10. Weinrallye am 10. April mit Vergnügen eine Fremdflasche aus den Vorräten meines Keller holen und hier vorstellen - auf die Fundstücke der anderen Blogger - auch aus dem internationalen Raum -  freue ich mich jetzt schon:-) - an Christoph geht der Dank für das anregende Thema!


par Iris Rutz-Rudel publié dans : Weinrallye
ajouter un commentaire créer un trackback

Samedi 8 mars 2008

undefined11 % Alkohol - als Rebsorte 100% Oeillade (eine, auch als Tafeltraube geschätzte Spielart des Cinsault), der leicht durch die Kehle rinnt, das ist der Inhalt dieser Flasche Ubac du Domaine Beau Thorey  , der von Christophe Beau, einem erfindungsreichen und engagierten Winzer im biodynamischen Anbau, 2005 in Corconne, Pic Saint Loup, im Gard erzeugt wurde.

 


 Auch mit seinem Preis von 5 € ab Gut dürfte er sich durchaus als "Alltagswein" qualifizieren.

 

Ein wirklich süffiger Wein, den ich serviere, wenn ich weiß, dass mein Gast tanninreichere Weine nur mit einer Grimasse herunterschlucken würde. Ein Wein voller frischer Frucht, weich und geschmeidig, der keinen Widerstand im Mund bietet und sehr gut die Spaghetti am Mittag, eine Wurstplatte, ein Hühnchen, ein Kottelet oder ein Steak begleiten kann, eben die schnelle Alltagsküche

 

von eher heller Farbe

Dazu hat man noch die Garantie, dass dieser Wein nach byodynamischen Methoden angebaut und ohne Zusatz von Fremdstoffen zubereitet wurde, also rundherum eine bekömmliche Angelegenheit.

Persönlich ziehe ich eine andere Cuvée von Beau Thorey vor, die  bella para 2004, 8 € , die durch mehr Materie überzeugt und so auch einen längeren Abgang hat, aber ich freue mich, dass ich mit dem Ubac doch noch einen Wein in meinem Fundus hatte, der wohl der Vorstellung von einem Alltagswein entsprechen könnte, so man denn alltäglich Wein trinkt, über den man nicht weiter nachdenkt (und der gerade deshalb manchmal so gefährlich ist, denn da trinkt man gerne im Eifer einer Diskussion ein oder zwei Glas mehr)!

Übrigens eher eine deutsche Eigenart. Während es zum french paradox wohl auch viel beiträgt, dass nach meiner Erfahrung bei Tisch nach Abschluss des Menus mit Käse und Nachtisch meist noch ein Café serviert wird (allenfalls ein pousse café bei besonders konsistenten Mahlzeiten, also ein kleines Glas Alkohol, das die Verdauung anregen soll) und dann auch noch stundenlang bei Wasser weiterdiskutiert wird (bzw. aufgebrochen, da häufig ja auch das Essen schon Stunden vom ersten bis zum letzten Gang gedauert hat), war und bin ich immer  noch erstaunt, bei deutschen Gästen zu sehen, dass munter weiter Wein getrunken wird, solange noch irgendwo etwas in einer Flasche ist....

undefined

Aber zurück zu meinem Winzer: schauen Sie sich auf der Webseite von Christophe Beau um - es gibt da auch eine Erläuterung seines Projekts eines etruskischen Weinbergs und sogar die Möglichkeit, Mitbesitzer einiger Rebstöcke zu werden.


 

 

par Iris Rutz-Rudel publié dans : Weinrallye
ajouter un commentaire créer un trackback

Samedi 8 mars 2008

undefinedDie Franzosen verzichten zum Essen immer häufiger auf ihr Glas Wein und trinken statt dessen Wasser oder andere alkoholfreie Getränke.

So ist der Konsum von 135 L/pro Kopf im Jahr 1960 kontinuierlich auf 75,6 L im Jahr 1994/95 und auf 66,6 L pro Kopf der Bevölkerung  im Jahr 2005/2006 (in der Altersgruppe über 14 Jahre) gesunken (siehe auch hier).

Während noch 1980 Wein und Wasser bei der Hälfte aller Malzeiten getrunken wurden, ist das heute nach einer aktuellen Studie der Universität von Montpellier nur noch bei einem Viertel der Fall.

Selbst im Restaurant hat Wasser in Flaschen (früher bestellte man eigentlich immer das kostenlose Pichet, den Krug mit dem Leitungswasser)  schon weitestgehend den Platz des Weins eingenommen, Wein gilt als teuer und als ein Risikofaktor bei Alkoholkontrollen. Und selbst zu Hause ersetzt die Wasserflasche heute den Wein auf vielen Tischen.

Während 1980 noch 47% Leitungswasser und nur 24% Mineralwasser (oft ohne Kohlensäure) zum Essen getrunken wurde und der Wein auf 50% kam,  war dieser Prozentsatz in der letzten Viniflhor Studie von 2005 schon auf 27% gesunken. Gleichzeitig mit dem Wasser ist auch der Anteil der Erfrischungsgetränke ohne Alkohol  (Limonaden, Fruchtsäfte, Cola und Sirup-Getränke) von 5 auf 14% gestiegen. Wenn man dazu noch weiß, dass Wein vor allem in der Gruppe der über 35 Jährigen als regelmäßiges Getränk geschätzt wird, kann man sich auch vorstellen, welche Geschmacksrichtung in den jüngeren nachwachsenden Generationen durch diesen Trend gestärkt wird. Selbst die Zahl der Konsumenten, die angeben, regelmäßig alkoholhaltige Getränke zu trinken, ist zwischen 1990 und 2005 von 28% auf 19% gesunken.

Der Anteil der regelmäßigen Weinkonsumenten nimmt von Generation zu Generation ab, schon heute gehören die 30 bis 40 Jährigen nur noch zu den gelegentlichen Weintrinkern, die 50 bis 60 Jährigen sind die Hauptkonsumenten und die über 70 Jährigen die einzige Gruppe, die noch regelmäßig Wein zum Essen trinkt.

Studien gehen davon aus, dass sich der Geschmack zwar im Laufe des Lebens wandelt, so dass aus bis 25 Jährigen, die überhaupt nicht zu den regelmäßigen Weinkonsumenten zählen, durchaus noch gelegentliche Konsumenten werden können, zu regelmäßigem Weinkonsum wurde aber der Grundstein nicht mehr gelegt. 

Immerhin kann man daraus ableiten, dass der Weg in den Alkoholismus nicht durch Weinkonsum bestimmt wird
.


Bei den über 25 Jährigen wird Wein eher zu gehobeneren, geselligen Malzeiten im Freundeskreis gewählt (27%), der meiste Wein wird aber immer noch als Begleiter für die tägliche Mahlzeit erstanden.  Dabei ist allerdings zu bedenken, dass auch diese tägliche Mahlzeit im Familienkreis immer seltener wird – auch in Frankreich sind Fastfood und Fertigprodukte, die sich jeder individuell aus der Tiefkühltruhe in die Mikrowelle schaufelt und dann vor dem Fernseher (oder Computer)  wegschlingt, im Vormarsch.

Der zunehmende Einfluss der Anti-Alkohol-Lobby (ANPAA) , die schon seit Beginn der 90ger Jahre an Boden und staatlicher Unterstützung gewinnt, wird diese Situation nicht verbessern. Schon Anfang 1991 wurde das nach seinem Verfasser, Claude Evin, benannte Gesetzt (Loi Evin) zum Kampf gegen Tabak- und Alkoholsucht  verabschiedet, das genau bestimmt, innerhalb welchen Rahmens eine Werbung für Getränke, die Alkohol enthalten, erlaubt ist und alle anderen, nicht ausdrücklich genannten Werbeträger ausschließt. Internet war 1991 noch nicht populär genug, um in die Reihe der genannten Werbeträger aufgenommen zu werden, was in den letzten Wochen zu einiger Unsicherheit auch unter Weinbloggern in Frankreich geführt hat, ebenso wie die Verurteilung einer großen Zeitung, die eine Artikelserie über den „Triumpf des Champagners“ veröffentlicht hatte, die als verbotene Werbung durch Glorifizierung eingestuft worden war, zu Protesten in der nationalen und internationalen Presse führte.

Schaut man zusätzlich auf die Ausgaben der französischen Haushalte (hier eine Aufstellung von 2004), so sieht man, dass preislich die Durchschnittsausgaben pro Liter mit 2,69 € auch nicht wesentlich über denen deutscher Konsumenten liegen.  Es wird angenommen, dass  dabei  Importweine im Preissegment unter 1 € mit 30% zu Buche schlagen, vermutlich handelt es sich um spanische und italienische Importe (was dann auch wieder erklärt, dass der Zorn der militanten Winzerkommitees aus dem Languedoc sich gerne in Sète (dem Einfuhrhafen für solche Importe in Containern) entlädt...

Soweit zum Thema Alltagsweine in Frankreich. Das sie, wie in Deutschland, hauptsächlich in Supermarkt- und Diskounterketten gekauft werden, wo auch die praktischen BIBs einen immer größeren Marktanteil erreichen, kam ja schon bei der vorletzten Weinrallye - alles außer Glas - zur Sprache.

undefined

Ich gehöre, obwohl nicht mehr unter 25, nicht zu den täglichen Weintrinkern. Mein Geschmack hat sich im Laufe der Jahre immer mehr weg vom leichten, süffigen Wein hin zu körperreicheren Kredenzen hinbewegt . Ich trete gerne in einen Dialog mit dem Wein ein, der sich in meinem Glas befindet, möchte, dass er mir etwas erzählt, von seiner Herkunft und seinem Erzeuger, das mich berührt und beschäftigt, zum Nachdenken und Träumen bewegt. Deshalb ist mein Wein immer ein besonderes Ritual, ein Zusammentreffen mit einem neuen (oder alten) Freund, für das ich mir Zeit nehme, also kein alltägliches Ereignis...

Dass ich damit den Absatz meiner Kollegen nicht unbedingt erhöhe, ist mir klar...

Jetzt bin ich gespannt auf die Ausbeute der Alltagsweinrallye im deutschsprachigen Raum, zu der
Harald Steffens vom Weingut Steffens-Kess uns für heute aufgerufen hat.
par Iris Rutz-Rudel publié dans : Weinrallye
ajouter un commentaire créer un trackback

Dimanche 10 février 2008
 
Gibt es einen Unterschied zwischen typisch französischen und typisch deutschem Geschmack ?  Für den Wein, wage ich es nicht, da eine Aussage zu machen, mir fehlt eine Untersuchungsgrundlage und ich habe mir diese Frage auch schlicht noch nicht gestellt.

Als kleine Nachlese zur Weinrallye # 8, wo es ja ausdrücklich um die Lieblingsetiketten von Wein- und Foodbloggern ging, möchte ich aber doch die Ergebnisse der französischen und deutschen Teilnehmer zum Vergleich nebeneinander stellen. Und da sich über Geschmack ja nicht streiten läßt, werde ich mich diesbezüglich auch jedes Kommentars enthalten.

Hier also die Ausbeute beider Gruppen als kleine Diashow und als Fotoblock:

undefined




undefined

undefinedals Diashow auch hier zu sehen

Und noch einmal herzlichen Dank teilnehmenden allen Bloggern, die mir in Kommentaren, privaten Emails oder sogar eigenen Beiträgen so viele Blumen geschickt haben. Das geht runter wie Butter!

Ich bin jetzt schon gespannt auf die Alltagsweine, die am nächsten Start sein werden und dann von Harald Steffens vom Weingut Steffens Kess am 8. März fachgerecht gelagert werden.


par Iris Rutz-Rudel publié dans : Weinrallye
ajouter un commentaire créer un trackback

Kaleidoskop

im Blog suchen

Zufallsbilder

weiter empfehlen

Cliquez ici pour recommander ce blog

Blogfamilien


 

 

W3C

  • Feed RSS 2.0
  • Feed ATOM 1.0
  • Feed RSS 2.0
 
créer un blog sur over-blog.com - Contact - C.G.U. - Rémunération en droits d'auteur avec TF1 Network - Signaler un abus