Samedi 28 avril 6 28 /04 /Avr 16:35
  wr-50.jpg  Die Rallyebetreuerin kommt als letzte durchs Ziel... es waren so viele tolle Beiträge zu entdecken, zu lesen und zu verlinken, dass ich auch jetzt noch ganz außer Atem bin und alle um Entschuldigung bitte, wenn ich nicht mehr die Kraft und Ruhe habe, die ich persönlich brauche, um mich auf einen neu zu entdecken Wein angemessen einzulassen . Und so bleiben die vielen Flaschen Vin Naturel, die mir in den letzten Jahren meine Kunden zum Geschenk machten (nach dem Motto: kennst Du den schon, den musst Du unbedingt entdecken...) oder die ich auf Messen mit Kollegen getauscht habe, noch einmal ungeöffnet in meinem Weinkeller - sicher werde ich sie bei anderer Gelegenheit hier einmal vorstellen.


Und auch das, was hier heute folgt, hat schon etwas "bouteille" - es ist eine nur  leicht überarbeitete und aktualisierte Fassung  meines Beitrags Weinrallye #30: Naturwein - ein Nachtrag aus französischer Sicht

Die Teilnehmer dieser Weinrallye # 50: Naturwein und Konsorten, die ich gestern betreuen durfte, haben es im Vorfeld und beim Stöbern in meinem Blog sicher schon gemerkt, dass ich mich schon  etwas länger mit dem Thema beschäftige, schließlich ist vin naturel, den wir lieber "wilden Wein" nennen,  nicht nur unsere tägliche Praxis seit 20 Jahren in Lisson, sondern in Fankreich eine ganze Bewegung, die inzwischen zahlreiche Winzer, aber auch Weinhändler (auch und gerade online) und Weinbars umfasst und entsprechend in den Medien, auf Blogs und Foren heftig diskutiert wird.

carte-postale--Lisson.jpg
Wir gehören übrigens, aus ähnlichen Gründen, die uns auch vom subventionierten Beantragen eines Bio-Labels abgehalten haben, auch diesem Verein nicht an....wer's genau wissen will, dem erkläre ich das gerne mal ausführlicher, aber heute aus Zeitmangel nur die - einigen vielleicht zu lässige  - Kurzversion: ich bin halt von Natur aus kein Vereinsmeier, kontrolliere mich am strengsten selber und setzte gegenüber meinen Kunden dabei auf volle Transparenz vor Ort....im Zweifel noch auf die Überzeugungskraft von Händlern, die sich erst mal bei einem Besuch auf Lisson ein Bild gemacht haben, ehe sie den Kunden irgendwelche blumigen, von mir selbst verfassten Werbetexte hinhalten oder nur, ohne selber näher nachzuforschen, auf ein grünes oder sonst wie geartetes Logo verweisen...

Bei nur wenigen hundert Flaschen pro Jahr (die Natur ist nicht immer freundlich: bei uns schlägt sie regelmäßig in Form von Wildschweinen und Dachsen zu - die lieben auch unsere naturbelassene Landschaft und gehören leider zur Biodiversität der Fauna), also bei dieser geringen enge, riskiert kein Weinliebhaber, den Weinen anonym in einem Supermartregal ohne Beratung zu begegnen, wo natürlich staatliche Kontrollstempel durchaus ihre Berechtigung haben.

Aber zurück zum allgemeinen Thema:


Interessant fand ich immer schon, dass auch in Frankreich der Begriff "Vin Naturel" zunächst vor 100 Jahren beim Kampf der Weinbauern gegen die Verfälschung von Wein (Fraude) durch Aufzuckerung ein Thema war:

1wn17 vin naturel1907


Die Zahl der Veranstaltungen, auf denen Winzer der Naturweinbewegung ihre Weine vorstellen, nimmt von Jahr zu Jahr zu: hier nur ein paar Beispiele

  
  Affiche-VL nur ein Beispiel aus dem Elsass

Manche vereinen Winzer aus ganz Frankreich, andere haben regionale Schwerpunkte - Loirewinzer, Winzer aus dem Languedoc-Roussillon, dem Elsass oder dem Beaujolais.

Viele sind inzwischen Mitglied in der Association des Vins Naturels (AVN), deren Manifest ich für die erste Naturweinrallye übersetzt habe. Zahlreich sind darunter natürlich auch Winzer, die schon einem der zertifizierten Bio- oder Biodynamik-Labels angehören (ECOCERT, DEMETER), aber der Verein nimmt eben durch sein System der Paten auch Winzer auf, die bewußt auf ein solches Label verzichten, oft, weil ihnen die bisher fehlende Kontrolle der Kellerarbeit und inzwischen die relativ kompromissbehafteten Entwürfe für ein Bio-Label im Keller zu lasch sind. Daran hat übrigens auch die jetzt endliche verabschiedete Fassung der Richtlinien für die Bio-Weinbereitung auf europäischer Ebene, wie man ja aus der Diskussion der vergangenen Wochen wiss, nichts geändert.

logo-bio


So schlägt die AVN ihren Mitgliedern eine Begrenzung des Schwefelzusatzes bei der Weinbereitung von maximal 30 mg/l für Rot- und Schaumweine vor, maxi 40 mg/l für Weißweine und 80 mg/l für halbtrockene und Süßweine. Es bleibt den Mitgliedern natürlich unbenommen, geringere Dosen zu verwenden oder ganz oder für Teile ihrer Weine auf zusätzliche Schwefelung zu verzichten, wie es einige ja bereits praktizieren.

Unsere Einstellung und Praxis zu diesem Thema Schwefelzusatz habe ich ja auch bereits ausführlich in einem früheren Artikel dargestellt.

Natürlich umfassen die Empfehlungen auch Handlese und den Verzicht auf künstliche Hefen, Umkehrosmose, Zuckerzusatz, Thermo-Vinifikation, Flash-Pasteurisierung und die anderen Techniken, die in den Entwürfen der europäischen Bioverbände wohl als Kompromis auch in die Statuten des Biolabels aufgenommen wurden.

Hier liegt wohl auch die Verbindung der "Terroiristen" zu den "Naturalisten" - denn gerade in der Diskussion um den Begriff des Terroirweines spielen diese Techniken eine große Rolle. Sie sind für AOC-Weine durchaus erlaubt, ob sie aber wirklich geeignet sind, den Einfluss des "Terroirs", das ja die Typizität einer Lage mit all ihren Einflussfaktoren (die auch vom Winzer im Weinberg mit bestimmt werden), im Keller dann zum Ausdruck kommen zu lassen, wird doch stark angezweifelt.

Und so gehören für mich Winzer wie Pierre Frick aus dem Elsass, der den Begriff "authentisch" für seine Arbeit in Weinberg und Keller und die daraus resultierenden Weine (einige ganz ohne Schwefelzusatz abgefüllt)  bevorzugt,  Christophe Beau von der Domaine Beauthorey, Didier Barral aus Faugères oder Isabelle und Bruno Perraud aus dem Beaujolais zu meinen bevorzugten Winzern - aber auch viele andere, die man auf den Veranstaltungen der Winzer der Vins Naturels findet, wie Bernard Bellahsen von der Domaine Fontedico oder Pierre Overnoy aus dem Jura, Bruno Schueller aus dem Elsass, bei dessen Weinen entweder kaum oder gar kein Schwefel zum Einsatz kommt - was manchmal dazu führt, dass er sie, wie viele Kollegen, nur als "Tafelwein" etikettieren kann...die Liste ist sehr lang...

Und auch wenn ich den Einwurf von Berhard Fiedler :

"Wie in der Musik ist nämlich auch beim Wein manch eine Interpretation von klassischen Werken mit Originalinstrumenten schlicht und einfach miserabel. Und manche gefühlvolle Darbietung mit modernster Technik grandios und authentisch."

durchaus für ein gutes Bonmot halte, für das sich sicher auch Beispiele in der Praxis finden lassen, so schließe ich mich doch eher dieser Auffassung vom Mythopia Blog an:

"Welch ein Genuss, wenn ein Wein eine Geschichte erzählt, die sich nur durch den Wein und nicht durch Worte wiedergeben lässt. Wenn ein Wein endlich eine derart undurchdringliche Komplexität erreicht, dass selbst Experten nicht mehr das öde Klassifizieren von Himbeernoten, Reglise, Vanille, Honig über die Lippen bekommen. Wenn ein Wein wie ein Adagio cantabile sich in der Zeit entfaltet und erst im Nachklang ganz zu sich selbst gelangt."

"Wein aus Trauben und frischer Luft" - das erinnert mich an einen ersten Agronomen Frankreichs, Olivier des Serres : l'air, le soleil et le plant , das hatte er irgendwo in seinem berühmten Werk
Le theatre d'agriculture et mesnage des champs geschrieben. Die Idee ist also wirklich nicht so neu. Leider gibt es nur eine französische Version auf Wikipedia über diesen frühen agronom Frankreichs, die dort aufgeführten Praktiken sind geschichtlich sehr interessant und zeigen, dass auch damals schon nicht alles dem Zufall überlassen wurde...

Und so reicht für mich also ein Bio-Label für meine Definition von Naturwein wirklich nicht aus - da muss ich schon mehr über die Kellerpraxis des Winzers wissen - und würde auch vor der Lektüre eines Rückenetiketts nicht zurückschrecken, das mir darüber Auskunft gibt.


Vielleicht ist es auch kein Zufall, wenn bei den Verkostungen für die 30. Weinrallye zum gleichen Thema aus dem Jahr 2010 die Beschreibungen der Weine, die "nur" aufgrund eines solchen Labels gekauft wurden, oft doch ein wenig enttäuschend ausfielen - kein schlechter Wein, aber auch kein besonderer bleibender Eindruck
- während für mich die Beschreibung seiner Erfahrungen mit dem Clos des Martyrs aus dem Wallis bei Mathias Metze all das wiederspiegelt, was ich von der Begegnung mit einem Naturwein erwarte und von dem ich hoffe, dass es möglichst viele Weinliebhaber beim langsamen, genüsslichen Trinken eines Lissons-Weins erleben.

Und natürlich heißt das nicht, wie so oft polemisch bemerkt wird, dass der Winzer in diesem Prozess keine Rolle spielt - im Gegenteil, so wie man den Begriff Terroir nicht auf eine geologische Bodenstruktur begrenzen kann, so ist auch Arbeit mit den Trauben und dem Wein im Keller durchaus ein vom Menschen gesteuerter Prozess, hinter dem auch immer ein Konzept steht - aber wer kann denn behaupten, dass der Mensch nicht zur Natur gehört?

en-musique

Vielleicht ist es aber auch deshalb so interessant, die Begegnung mit diesem Menschen zu suchen, um seine "Natur" zu verstehen und vielleicht ein wenig auch davon im Glas zu Hause wieder zu finden...

PS: und in den nächsten Tagen freue ich mich schon auf die große Arbeit der Zusammenfassung dieser Weinrallye, die Bandbreite der Ansatzpunkte, Blickwinkel und auch der vorgestellten Weine hat mich erfreut, weil da doch mehr kam, als die scheinbare Abwesenheit des Themas in der deutschsprachigen Weinblogwelt vermuten ließ und weil auch in Zahl und Inhalt der Beiträge so viel zu lesen und lernen ist, dass ich mich hinterher klüger als vorher fühlen werde ...  Dafür schon mal meinen Dank an alle Teilnehmer:-)!!!




Par Iris Rutz-Rudel - Publié dans : Weinrallye - Voir les 0 commentaires
Ecrire un commentaire
Retour à l'accueil

Kalender

Juillet 2014
L M M J V S D
  1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31      
<< < > >>

Schiefer Clos des Cédres

 

 
Diashow

 

lissondiary - in English

 

weinforum

 

Verkostung Vinisud Off:

Hors Piste

  banniere picasa


Die WinzerBlogger

 

  les vignerons blogueurs


Pages

im Blog suchen

Zufallsbilder

  • DSCF5251

weiter empfehlen

Blogfamilien

 
Locations of visitors to this page




Rauchen frei in meinem Blog

PageRank Actuel

expatriate 

Genussblogs.net - Alle Genussblogs auf einen Blick

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de

Add to Technorati Favorites

Site Meter

Rate this Blog at Blogged

W3C

  • Flux RSS des articles

Texte Libre

google-site-verification: google81639dde71d33424.html

Créer un blog gratuit sur over-blog.com - Contact - C.G.U. - Rémunération en droits d'auteur - Signaler un abus - Articles les plus commentés