Mardi 28 décembre 2010
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Das Thema der heutigen 40. Weinrallye wurde von
Wolf Hosbach, dem Blogger von Hausmannskost ausgerufen:
Autochthone Rebsorten.
Und da uns Thomas, vom Winzerblog schon einmal im April 2009 eine ähnliche Aufgabe gestellt hatte, ist es mir ein leichtes, zu
diesem etwa schwierigen Zeitpunkt des Jahres, da schon etwas ausgefüllt von all den Feiertagen und zusätzlich noch erschwerten Lebensbedingungen durch selbst hier spürbare starke Kälte und Frost,
ein besonderes lokales Produkt, das genau zu Wolfs Aufgabenstellung paßt, hervorzuholen: nämlich den Wein - und da auch nur auf einen ganz speziellen, der aber voll den von Thomas geforderten Kriterien
entspricht.
Und dafür muss ich noch nicht einmal sehr weit gehen, gerade ein paar Kilometer
östlich, bis zur Brücke von Tarrassac, von da dem Orb folgend nach Süden, bis zum schönen Dorf Roquebrun zu einem Freund und
Winzerkollegen.


Roquebrun ist einer der Hauptorte der Appellation Saint Chinian
und kann sich sogar seit 2004 rühmen, im Rahmen dieser AOC das Recht auf eine Appellation Roquebrun village zu führen. Und hier war das erste Weingut, das lange vor der
Einführung des Appellationssystems seinen Wein auf Flaschen abfüllte und nicht einfach lose als Großgebinde an einen regionalen Händler oder als Traubenlieferant an die Winzergenossenschaft
ablieferte, die Domaine Navarre, deren Tradition heute mit viel Engagemant und Kenntnis des so besonderen Terroirs aus braunem Schiefer,
dem das Dorf seinen Namen verdankt, von Thierry Navarre weitergeführt
wird.

Und es ist er, der auf der
Suche nach alten, an Klimat und Boden angepasten Rebsorten, sich an diese letzte Reihe fast vergessener Rebstöcke erinnerte, die noch seit der Zeit seiner Vorväter ihr Leben fristeten:
Der Ribeyrenc, den man auch Aspiran nennt, oder
auch Spiran, Espiran (schon 1686 von Magnol) erwähnt, Espirant noir, Epiran, Piran. Im Aude heißt er : Riveyrenc, Riveyrène, Riverain (ein
Name, den man auch für den Rosé im Var findet), Verdaï, Verdal noir, Peyral, Peyrar. Ferrandel (in einer alten Rebsammlung in Saumur). Rutherglen (in
Australien).
all das lernen wir auf der Seite der ehrwürdigen ENSAM

Wenn Sie alles über die
abenteuerliche Geschichte der Rettung und Wiedereinführung dieser fast vergessenen Rebsorte erfahren wollen, die natürlich aufgrund der sehr strengen französischen Pflanzbestimmungen (was nicht
aus der Liste der "erlaubten" Rebsorten für eine Anbaugegend steht, ist automatisch "verboten"), und des Französischen ein wenig mächtig sind, können sie
die Geschichte direkt aus dem Mund des Retters, Thierry Navarre - und mit dem so schönen lokalen Akzent des Midi, hier sehen und hören.
Die Beschreibung auf der Seite der ENSAM erklärt auch, warum die Rebsorte nach der großen Reblausattacke zwischen 1880 und 1890 nicht mehr
angepflanzt wurde: es ist immer die gleiche Geschichte, wie die z.B. der Carmenère in Bordeaux oder anderer aufgegebener alter Sorten: nun mittlere Fruchtbarkeit und durchschnittlich geringe
Ertragsmengen, anfällig für Krankheiten, wie Grauschimmel, echter und falscher Mehltau und zu harten Winterfrost (wie ihn die Gegend z.B. 1956 noch einmal kannte). Also alles Eigenschaften, die
mit den auf Massenproduktion getrimmten Anbaumethoden des 20. Jahrhunderts nur schlecht in Einklang zu bringen waren. Da brauchte es schon einen, der gegen den Strom schwimmt und einen
entsprechenden Dickkopf hat, wie Thierry, um die letzten erhaltenen Rebhölzer zu retten, sie auch ohne offizielle Genehmigung schon mal zum Pfropfen in eine Rebschule zu
bringen und dann in passender Lage zu pflanzen, ohne vorher genau zu wissen, welches Resultat das wohl geben würde.
Das Ergebnis ist noch etwas,
was eher Liebhaber und Kenner, die danach suchen, erfreut. Die ersten Ernten tragen langsam ihre Frucht - einige wenige Flaschen, die man noch nicht einmal auf der Webseite und in der Preisliste
der Weine des Gutes findet. Immerhin gibt es hier und da im Internet die ersten Degustationsnotizen. Und sogar
einen Beitrag in englische Sprache eines holländischen Blogs, der an der "go native" Ausgabe des
37. Wine Blogging Wednesday "go native - indigenous vareties" teilgenommen hat.
Aber jetzt zum Wein:
"Leicht, von wenig
intensiver Farbedichte, zarte Aromen im Duft, sehr helles Rubinrot, Johannisbeernoten, angenehme Frucht, sehr fein im Geschmack." chrakteristische Beschreibungen, die immer wieder kehren
und bei denen es nicht wundert, dass die Verkoster finden, dass der Wein das macht, was man, in Anlehnung an Frankreichs berühmte Rebsorte "pinoter"
nennt.
Ein Wein, den man also in den
kommenden Jahren im Auge behalten sollte, um zu sehen, welches Potential die älter und kräftiger werdenden Rebstöcke entwickeln werden. Auch für den Winzer eine neue Herausforderung, denn dieser
Ribeyrenc unterscheidet sich doch erheblich von all den eher durch ihre prononzierten Tannine oder ihren überschäumenden Fruchtcharakter bekannten Klassiker der
Appellation, wie Carignan, Syrah, Grenache und seit einigen Jahren auch Mourvèdre.
Die Zusammenfassung der schon
oben erwähnten amerikanischen Ausgabe der Weinrallye mit vielen lesenswerten Links zu originellen und/oder originalen Rebsorten findet man übrigens hier:
wine blogging
wednesday # 37: go native - indigenous varieties bei Dr.Vino September
2007.
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