Vendredi 14 octobre 5 14 /10 /Oct 10:59

Ich habe schon häufiger von Auswüchsen der französischen Gesetzgebung, wenn es um Wein und die Kommunikation darüber geht, berichtet. Ob es das Loi Evin von 1991 ist, dass die Berichterstattung über Wein fast schwieriger macht, als die über Pornographie, die Auswüchse, die damit zusammen hängen und jede genussbetonte Werbung oder Schreibe darüber jederzeit per Justiz abstrafen lassen können. Dass in Frankreich die Verkostung von Wein im Fernsehen vor laufender Kamera verboten ist und geahndet werden kann, Fernsehsender, die sich dem Wein (immerhin entscheidender Bestandteil der als Weltkulturerbe anerkannten französischen Gastronomie) widmen wollen, müssen versuchen, aus dem Ausland zu senden... die Berichterstattung im Internet wurde erst vor wenigen Jahren wenigstens halbwegs legalisiert. findet aber immer noch in einer noch geduldeten Grauzone statt...

 

All das hilft den Winzern zwar nicht, ihre Kommunikation und damit ihren Vertrieb im eigenen Land sinnvoll auszuweiten, ist aber irgendwann eine Frage der Gewohnheit, ...on se débrouille.., wie man hier sagt - man passt sich an und spielt auch gerne in Grenznähe...oft mit viel Humor, der zum Glück noch nicht allen vergangen ist. Die Weine aus Lisson tragen nicht umsonst seit Beginn ein augenzwinkerndes "Vin de (très bonne) Table" auf dem Etikett.

 

Aber wehe, wenn da jemand zu viel davon zeigt, von diesem Humor, der die strengen gesetzlichen Regelungen der alles kontrollierenden Administration auf die Schüppe nimmt....

 

Dann schlägt der Amtsschimmel mit Unterstützung der Justiz zurück - und trifft da, wo es am wehesten tut: auf dem Bankkonto.

 

cul-Joker.jpg

 

So geschehen für Olivier Cousin, einen Biowinzer aus dem Anjou, Demeter zertifiziert und seit vielen Jahren bekannt für sein Engagement für lokale Rebsorten, den Einsatz von Pferden für die Arbeit im Weinberg, den Verzicht auf Zusatzstoffe bei der Weinbereitung und eben seine trinkbaren Weine, die nicht nur in Frankreich, sondern auch in den USA und Japan eine große Fangemeinde gefunden haben.


Ich selber habe sie vor ein paar Jahren auf einer Slow-Food Veranstaltung in Gap entdeckt und war von seinem Gamay 2005 so angetan, dass ich seit dem mit besonderem Interesse die  Berichterstattung über ihn und seine Weine auf französischen Blogs verfolgt habe.

 

So hörte ich auch von seinem über 15 Jahre laufenden Prozess, den er führen musste, nachdem er den "Freiwilligen Pflichtbeitrag" die "Contribution Obligatoire Volontaire" (das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen) zum offiziellen Interloire-Vertretung verweigerte, weil er die kleinen, dem nicht standardisierten und industrialisierten Wein verpflichteten Winzer dort nicht adäquat vertreten sah.  Nach langem, jetzt verlorenem  Prozess wurden nun seine Konten durch einen Gerichtsvollzieher  gesperrt....

 

Aber die Geschichte geht weiter und ist noch viel länger... Sylvie Augerau, eine engagierte Weinjournalistin, die vielen Besuchern der Messen, wie der Dive Bouteille wohl auch über die Grenzen hinaus bekannt ist, hat mir erlaubt, ihren Artikel "Tous Cousin" zu übersetzen, der auch den Aufruf zur Solidarität enthält, den inzwischen über 500 Kollegen aus dem In- und Ausland (bis auf Deutschland;-), unterschrieben haben.

 

Hier ihr Text in meiner bescheidenen Übersetzung:

 

Tous Cousin!

Ich wette, jeder kennt Olivier Cousin, Winzer aus dem Anjou in Martigné-Briand in der Region Maine-et-Loire ! Tut mir leid, aber die geographischen Angaben mussten zensiert werden, weil Olivier freiwillig seine Weine zu Tafelweinen herabgestuft hat, bei denen man nicht angeben darf, woher der Wein stammt Sagen wir also nur, dass sie großzügig auf den GPS Koordinaten   länge -0,42834000 – breite 47,23584000 reifen und dass sie nie mit Pestiziden in Berührung kamen und von seinen Pferden gerne verspeist werden.

 

 

Die Geschichte des Gutes hat schon einige Generationen auf dem Puckel. Die von Olivier beginnt mit seinem Großvater, der bei Kriegsende nicht bereit war, die chemischen Restbestände der Armee über den neuen Feind « Unkraut » auszugießen. „Die Unkrautvertilgungsmittel haben aus dem Layon den am meisten vergifteten Fluss von Maine-et-Loire gemacht. Vorher konnte man sich im Fluss waschen, heute muss man sich waschen, wenn man hinein gefallen ist.“ Der Apfel, wie der Chenin, fällt nicht weit vom Baum und so folgte Olivier langsam diesem Weg, ohne je denen die Tür zu schließen, die auf dem richtigen Weg in der Landwirtschaft waren.

 

.....

OlivierJo +

 

Aber nach und nach kippt das ländliche Idyll : unser Charles Ingles   (er trägt oft die gleichen karierten Hemden und schlägt ständig Holz, um seine hübschen Kinder zu wärmen) wird zum Objekt zahlreicher behördlicher Verfolgungen und sonstiger Zollfahnder. Der Stänkerer gerät in die Mühlen… Vor nunmehr 20 Jahren beschließen Olivier und einige Unbeugsame, den Beitrag für die Interessenvertretung , die eigentlich den Weinbau der Loireregion (dem seinen diametral entgegengesetzt) verteidigen und fördern sollte, nicht mehr zu leisten. Allein steht er 15 Jahre Prozesse durch. « Es war meine Aufgabe, das aufzumischen. Gestern habe ich verloren: mein Konto wurde vom Gerichtsvollzieher blockiert. „ In Bordeaux strengt gerade ein besser zusammengeschlossener und mit Verteidigern ausgestatteter Zusammenschluss von Winzern die gleiche Prozedur gegen diese “Freiwilligen obligatorischen Beiträge“ (ja, Sie haben richtig gelesen so heißt das) an. Aber unser Pferdchen ist in schlechten Zeiten ein beliebtes leichtes Ziel geblieben…

2003, während die Reben vor lauter Sonne schon nicht mehr konnten, erlaubt man die Aufzuckerung und Nachsäuerung in der AOC Anjou. Olivier bäumt sich auf. 2005, in einem ebenfalls sonnenbeglückten Jahr, beschließt er, auf die AOC zu verzichten und seine Weine zu Tafelweinen zu erklären, « den einzigen, die  kein Recht auf Aufzuckerung haben ! » Aber auch die einzigen, bei denen keine Angabe über die geographische Herkunft auf den Etiketten erlaubt ist…Viele bekannte Winzer aus dem Anjou haben sich auch dazu entschlossen (Mark Angeli, Richard Leroy…), die meisten stammen nicht von hier. Olivier wurde hier geboren. Seine Trauben wachsen hier auf und das Bedürfnis, das auch zu sagen, wächst ebenfalls. Also fügt er ein diskretes „Vigneron angevin - Winzer aus dem Anjou“ auf einige Etiketten, stempelt einige mit « Anjou » und markiert seine Weinkartons mit « Anjou Olivier Cousin » in roten Initialen (AOC). Weil er stolz ist, von hier zu stammen. Und was kommen musste, kommt…Die Zollinspektion klingelt, stellt fest, fotografiert, befürwortet eine Strafe von 30 000 Euro und stellt fest, dass „er seiner Appellation Schaden zugefügt hat“.   

 

368988907.JPG crédit foto: Olivier Grosjean

Tusch!!!!- Olivier Cousin hat seiner Appellation etwas Gutes getan. Er braucht sie nicht, um seine Weine bis hin nach Japan zu verkaufen. Und es dient dem Ruhm dieser Region, die leidet (der Preis für Rosé im Handel ist der Gleiche, wie vor 30 Jahren geblieben), dass er ihren Namen verbreitet. Besser noch: das Gute, dass er nach außen bewirkt, ist auch in der Region sichtbar: hier ist Olivier inzwischen der Vater vieler junger Winzer. Sie kommen zu ihm, wenn sie Sorgen haben. Er versorgt sie mit gutem Rat, füttert sie und teilt sogar seine Weinberge mit ihnen, damit sie sich installieren können. Und er ist es auch, der sie lehrt, wieder mit dem Pferd zu arbeiten und dafür sogar ins Fernsehen kommt. Ein gutes Bild für seine Region….

Und deshalb schlagen wir auch vor, diesen Brief an die Staatsanwaltschaft zu unterzeichnen (mit Name, Funktion und Adresse)...

 

 

Brief an die Staatsanwaltschaft 

Wir, Winzer, Journalisten, Weinhändler, Importeure, machen unsere Unterstützung für Olivier Cousin deutlich.  

Wir lehnen uns dagegen auf, dass man ihn anklagt, dem Ruf seiner Appellation Schaden zuzufügen.  

Olivier Cousin verkörpert eines der schönsten Bilder des Anjou. Seine Mediatisierung zeugt davon. Seine Kulturpraktiken im Weinberg respektieren seine Lagen. Der Wein, der daraus entsteht, bringt sie ohne jede Verfälschung zum Ausdruck und verbreitet die Identität des Anjou in der ganzen Welt.   

Besser noch, Olivier Cousin ist einer der Hauptakteure der Erneuerung der Weingegend : er unterstützt aktiv und physisch die Installation junger Winzer.  

Schließlich ist er auch der Ausgangspunkt der Revolution des Zugpferdes im ganzen Loiregebiet.  

Wir, Winzer,Journlisten, Weinhändler, Importeure, bringen Olivier Cousin unsere solidarische Unterstützung und prangern die Verfolgungen an, deren Objekt er ist."

 

Zum Unterzeichnen bitte auf den Link zum Original dieses Artikels gehen und Name, Funktion und Adresse als Kommentar hinzufügen.

 


 ********

 

 

 

Auch wenn Olivier Cousin die Buchstaben des Gesetzes, das bis vor kurzem für Tafelweine die Angabe von Rebsorten, Jahrgang und eine Adresse, die auf die Herkunft schließen lassen könnte, untersagte (das ändert sich gerade erst bei der Umstellung von "Vin de Table" zu "Vin de France",) wohl als bewußte Provokation verletzt hat - würde mich sehr freuen, wenn ein paar deutsche Winzer, Journalisten, Blogger und Weinliebhaber die Lister der Unterzeichner verlängern könnten, um zu zeigen, dass die Solidarität an der Magino-Linie nicht halt macht, denn die Höhe der angedrohten Strafe (30 000€) scheint mir sehr disproportioniert und ist für einen kleinen Winzer wohl bewußt existenzbedrohend gewählt - das wäre - zusammen mit der Sperrung der Konten - ein sehr teuer bezahlter Scherz.

 

Hier noch eine Liste von Links zu internationalen/nicht französischen Beiträgen zum Thema:

wineterroirs.com

decanter

Alice Feiring

Importeure Jenny & Francois

DrVino

Jim Budd

Jamie Good

Fiona Beckett

Jancis Robinson


 


Par Iris Rutz-Rudel - Publié dans : gelesen oder gehört - Voir les 1 commentaires
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