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13 février 2012 1 13 /02 /février /2012 14:30

In Deutschland noch kein Thema: Naturwein

Teil 1 - Interview mit Alice Feiring, dem internationalen Sprachrohr der "natural wines"

 

Während in Europa gerade die Meldung, dass es jetzt endlich ein Bio-Siegel für Wein und  nicht nur für "Trauben aus biologischem Anbau"gibt,  durch die Presse geht und in Frankreich für heftige Diskussionen, gerade auch bei Liebhabern von eben solchen Bioweinen führt, wird in Deutschland kaum davon gesprochen.

Hier sind viele Winzer und Konsumenten sich in ihrer Ablehnunbg der  als zu lasch kritisierten Regelungen für erlaubte Zusatzstoffe in der Weinbereitung einig - und das nicht nur bei den Anhängern von "Vins Naturel", den seit einigen Jahren immer beliebteren Naturweinen

Da wir in Lisson auch seit Beginn unserer Arbeit im Weinberg und im Keller auf Chemie und Zusatzstoffe verzichten (ein Blick in die entsprechenden Rubriken dieses Blogs, sei es die Arbeit im Weinberg oder die Kellerarbeit zeigt das seit Jahren) , möchte ich in lockerer Reihenfolge meine deutschen Leser und Kunden über diese Diskussion informieren.

 

Neben dem schon erwähnten Artikel hier also heute zu Beginn meine Übersetzung eines Interviews, das zwei meiner Lieblingsblogger und Weinkritiker vereinte - mit freundlicher Genehmigung von Antonin und Alice.

 

naked-wine-arrival.jpgNakes Wine - letting grapes do what  comes naturally

 

Alice Feiring nackt – Naked Alice Feiring

''Naked Wine'', nackter Wein, das ist der ursprüngliche Titel des Buchs von Alive Feiring, das kürzlich in Französisch übersetzt wurde. Alice Feiring war gerade in Paris und Antonin Iommi-Amunategui hat sie einige Stunden in ein Café entführt . Eine  Unterhaltung mit der Frau, die zweifelsfrei das internationale Sprachrohr des Naturweins ist.

 

alice feiring kidnapped naked wine natural wine vin naturelFoto d'Alice Feiring par Antonin Immo-Amunategui

 

 

Sind Sie auf Ihrer Suche nach dem natürlichen Wein weiter gekommen, seit Sie das Buch beendet haben?  

Alice Feiring: Aber immer. Ich bin zum Beispiel gant fasziniert von Georgien. Wie sich herausstellt, gibt es dort 21 Produzenten, die Naturwein machen, so wie sie es auch schon seit  8 000 Jahren machten. Traditionell wurden die Traubenbehälter eingegraben, 8 Monate später geöffnet, und voilà.  “Naked Wine” wird jetzt auch auf Georgisch übersetzt, die Männer hinter dem Projekt möchten den Winzern zeigen,  dass sie zu einem größeren Bild gehören. Ich bin immer auf der Suche nach Naturweinen. Frankreich braucht da meine Hilfe nicht, aber Orte wie die Kanarischen Inseln und Georgien könnten meine Stimme gebrauchen. Ich sage ihnen, dass, wenn sie Weine mit dem Herzen machen, das guter Wein ist, sie ein Publikum haben und davon leben können. Ichmuss Verantwirtung übernehmen. Ich fühle mich wie Super-Girl, ich schlage meinen Umhang um mich und los geht’s! (lacht)

  

Haben Sie Unterstützer?

Alice Feiring: Es gibt einige Unterstützer, aber es gibt nur wenige unabhängige Journalisten die machen, was ich tue. In Amerika, würde ich sagen, bin ich die Einzige. Aber Freunde und Sympathisanten, jede Menge! Ich beschäftige mich mit Naturweinen so ungefähr seit 1999-2000, das war gut vor allen anderen in den Staaten oder in Großbritannien…. Ich bin 2- 3 mal im Jahr in den Weinbergen; man kann die Arbeit nicht wirklich verstehen, wenn man nicht in die Weinberge geht. Wie kann man darüber reden, wenn man niemals dort war? Es ist schwierig, den Wein zu verstehen, die Philosophie, das Fehlen von Marketing, von Zynismus, die Begeisterung.  

  

Wie würden Sie die weltweite Naturweinbewegung definieren?  

Alice Feiring: Nun, zunächst muss ich sagen, dass ich es nicht mochte, als Eric Asimov sagte, dies sei eine “sogenannte” Bewegung. Ich glaube, dass es der Anti-Vietnamkriegs- Bewegung sehr ähnlich ist: sie ging vom Volk aus, sie ist unorganisiert, aber in Bewegung, Sturm zieht auf…egal. Es hat sich zu einem  Mainstream entwickelt und darin liegt vermutlich das Problem.  Solange die Weine nur in den Bars à vin naturel existierten, kümmerte sich niemand darum. Nun, als ich zu meiner ersten   Dive  ging, 2001, 2002, 2003, waren viele der Weine noch sehr instabil. Jetzt sind die Weine, sogar die neuen Weine, fast alle schön; das Weinmachen ist erwachsen geworden. Nun heißt natürlich zu sein ja nicht unbedingt schon großartig zu sein, es muss eben auch ein guter Wein sein und das haben wir inzwischen erreicht. Dass ist natürich sehr bedrohlich für große Firmen wie Chapoutier (der Französische Weinmacher Michel Chapoutier kritisierte vor kurzem Naturwein in einem Interview mit   Decanter ]. Er, der zunächst „Monsieur“ Biodynamie, aber ohne Zertifikat, war mit hohem Schwefeldosen. Wenn die Leute sich erst mal wegen der Zusatzstoffe Fragen stellen werden, wird ein heftigerer Krieg ausbrechen. Chapoutier ist ein Weinmacher, er hat was zu verlieren, das macht schon Sinn. Aber Weinschreiber wie Mike Steinberger  oder andere, was verlieren die denn? Das ist merkwürdig. Im übrigen, große Produzenten, wie Chapoutier, die tonnenweise Wein herstellen. Werden wohl bald ein oder zwei Cuvées als „Naturwein“ heraubringen, das müssen sie einfach*… Und ich glaube nicht, dass das eine schlechte Sache ist. Leute, die bei Nicolas (sowas wie Jacques, Ndr) oder in Supermärkten einkaufen, werden dann mehr Naturweine finden. Wenn sie mehr natürliche Produkte verlangen, dann sollten sie sie bekommen können.

Kann etwas gleichzeitig natürlich und industriel sein ?  

Alice Feiring: Diesen Leuten ist das egal, sie wollen einfach einen guten Weinbau, ohne zu viel Chemie, zu viel Schwefel, und vielleicht werden sie auch nach Spontanvergärungen verlangen… selbst wenn die Weine keine „Seele“ haben, ist das für die Leute, denen es ziemlich egal ist, was sie trinken, schon ok. Und diese Weine werden billig sein, so um die 4 €. Ja, so billig, das ist meine Voraussage.

 

 

Kommen wieder neue Bücher?

Alice Feiring:

Es gibt mehrere Bücher, die ich gerne schreiben würde. Aber ich bin nicht so sicher, ob es da draußen noch jemanden gibt, er über Wein lesen möchte, selbst wenn e skein anderes Thema gibt, das Geschichte, Kultur, Wissenschaft, Kunst und den Menschen zusammen in eine Flasche bringt. Der Symbolismus und die Metapher für das Leben sind so zwingend. Meine Bücher sind nicht kommerziell, aber sie sollten es sein, ich schreibe sie, damit sie gelesen werden!  Ich versuche sie so zu schreiben, als seien es Romane. Ich glaube, meine Bücher werden in Europa mehr gelesen, als in den Staaten und das finde ich sehr erklärlich; Ideen sind in Frankreich wichtiger … Es gibt eine Menge guter Sachen in Amerika, wie in Frankreich, und negative Dinge in beiden Ländern, aber Ideen und Diskussion leben eher in Frankreich… Jedenfalls denke ich, dass ich gerne ein Buch schreiben würde über Terroir und über Lagen, die nicht genug Beachtung finden, wie Basalt. Ich habe auch gerade einen Roman beendet. ''The case for my father''. Esist eine Geschichte, in der ein Vater auf dem Totenbett seine Tochter in sein Haus rufen läßt. Zum allerersten Mal will er oihr etwas geben. Sie geht hin, mit der Idee, dass er vielleicht einsam ist. Überraschung: er hat mit 80 eine neue Freundin. Er zeigt in eine Ecke mit einem kleinen StapelPapier, es ist die Niederschrift seines Lebens: Aus irgend einem mysteriösen  Grund brauch et dringend Geld und hat die verrückte Idee, dass sie daraus ein Drehbuch machen könnte, das es bis nach Hollywood schafft! Es ist Fiktion, aber der Vater ähnelt meinem ziemlich… Der hat mir in der Tat ein Manuskript gegeben.

 

 

Hat Naturwein etwas mit Politik zu tun ??

Alice Feiring: Wissen Sie, ich war 1968 und während der Vietnamzeit noch zu jung. Ich war zu jung, um tatsächlich zu dieser Generation zu gehören, aber ich hätte gerne dazu gehört,so wie mein Bruder. Wir lebten in einem politisierten Haushalt; mein Vater war der Bürgerrechtsbewegung sehr verbunden, nahm an Kämpfen teil. Was das betrifft habe ich sicher etwas von meinem Vater in mir. Aber die späten 60ger Jahre waen eine unglaubliche Zeit für Aktivismus. „Occupy Wall Street“? Nicht ganz, nah dran aber nicht ganz so…Die Naturweinbewegung ist das, was im Geist an dieser Ära noch am nächsten kommt. Sie ist idealistisch und leidenschaftlich. Da sind Leute, die den Mut haben, ihren Herzen zu folgen, nicht dem Markt. Ok, jetzt will der Markt diese Weine. Aber vor 30Jahren? Eswar alles sehr isoliert. Und, ja, meist mit Leuten mit linker Tendenzm obwohl auch nicht zu 100%. Weine ist politisiert, warum sollte es sonst so viel Streit über etwas geben, was so wunderbar ist, wie Wein? Dahinter steckt etwas tieferes, Da gibt es etwas anderes… Noch ein Punkt, ich unterstütze gerne Leute, deren Weine ich mir leisten kann und ich bin nicht  reich. Ja, ich identifiziere mich damit 

Welche Winzer haben Sie in letzter Zeit in Frankreich gemocht?

Alice Feiring: Gestern habe ich  Reynald Héaulé besucht (gleich außerhalb von Orléans). Ich hatte einen Wein probiert, dann musste ich ihn aufsuchen…Er hat nur 2 ha und ist ein Schüler von Claude Courtois, dessen Weine ich liebe (wie auch die von Julien). Er arbeitet übrigens einige Tage in der Woche für ihn, neben seinem eigenen Gut. Reynald ist fanatisch, seine Weine sind von schöner Klarheit und voll Leben. Pinot Meunier, Pinot Noir, Côt…Halten Sie nach ihm Ausschau, wenn Sie können, er ist schwer zu kriegen. Aber es gibt natürlich auch viele andere. Andere als diese, einige neu für mich, Sextant und Claire Naudin. Eine Menge Leute im Jura. Einige Weine von den Kanarischen Inseln, meine alten Freunde von der Loire und aus dem Beaujolais. Die Liste ist zu lang, um wirklich alle zu nennen.  

 

Kennen Sie einige französische Weinblogs ?

Alice Feiring: Ich kenne  Le blog de Olif. Ich lese auch Bertrand Celce, Wine Terroirs, schon seit Jahren. Und einen (amerikanischen) Blog, Paris by Mouth… Aber ich lese nicht viele Blogs. In Amerika reden so viele Blogs nur über andere Blogs! Das ist Kanibalismus. 

 

Träumen Sie davon, Ihren eigenen Wein zu machen?

Alice Feiring: Nein, aber ich würde gerne richtig Wein schneiden können und ich würde gerne mal wieder für jemanden den Tresterhut eintreten. Da ist so was Wunderbares dabei, wenn man die Veränderung spurt… Aber abgesehen davon, ich denke, wenn man kein Winzer ist, ist Weinmachen extremlangweilig. Es ist so, wie darauf warten, dass das Wasser kocht…Also kein Wunder, dass die Industrie dem Wein so viel antut. Einige sagen, Wein macht man wie ein Küchenchef… Nein!  Weinmachen ist Teil eines Zyklus, der das Leben ist. Wein ist Kunst für mich. Der Wein, den ich trinke, ist immer der Ausdruck einer Persönlichkeit.

 

Was würden Sie den Winzern raten?

Alice Feiring: Oh, es ist immer gefährlich, Ratschläge zu geben…Wenn Sie Ihrem Herzen folgen, werden Sie Menschen finden, die Ihren Wein schätzen. Das ist alles, was ich sagen kann..

 

* :Nicht einmal eine Woche nach diesem Treffen hörte man, dass Gérard Bertrand (bekannter Großindustrieller der Weinindustrie, ndr)sich anschickt, eine Palette von Weinen ohne Schwefelzusatz  für Supermärkte herauszubringen, Naturae.

 

(Hervorhebungen im Text wurden von mir vorgenommen)

 

Link zum Original des Interviews in Englisch und Französisch

 

 

 

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Published by Iris Rutz-Rudel - dans gelesen oder gehört
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commentaires

Sebastian Holey 23/02/2012 00:12


Naturweine sind schon eine tolle Sache. Naturweinproduzenten habe ich auch in Kroatien auf der Halbinsel Istrien kennen gelernt. Dies waren allerdings keine "richtigen" Winzer sondern eher die
ortsansässigen Bauern. Von Touristen sind diese eher nicht auffindbar. Ich bin durch unseren Vermieter an die Bauern gekommen. Dort wird neben natürlichen, unfiltrierten Weinen hauptsächlich
Olivenöl produziert. Das Olivenöl aus Istrien ist Weltklasse und der Wein hat Potential nach oben. Istriens "Naturweine" werden hauptsächlich von Einheimischen Leuten getrunken und sind uns
eigendlich völlig unbekannt. Die Weissweine von den Bauern waren sehr gewöhnungsbedürftig aber die roten hätten mit ein paar Verbesserungen gute internationale Chancen für den Naturweinmarkt.


Gruß Sebastian Holey

Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

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Ihre Iris Rutz-Rudel


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