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24 août 2009 1 24 /08 /août /2009 19:15
Tipps vom Weinhändler ist das Thema der heutigen Weinrallye, gestellt von GoToRio. Die genaue Aufgabenstellung war: "Bitte gehen Sie zum Weinhändler Ihres Vertrauens, legen ihm einen 10-Euro-Schein auf den Tisch und bitten um das nach seiner Meinung Beste, was er zu bieten hat, egal ob rot, weiß, rosé, prickelnd oder still."

Weine für unter 10 € kaufe ich eher selten und wenn, dann eher beim Winzer, aber ich hoffe, das ich deshalb nicht von der Rallyestrecke fliege:-).

Natürlich sehe ich die meisten Weinhändler in meiner Rolle als Winzerin – da geht’s dann oft leider eher um die Händlerpreise (die um 40 – 50% unter den ab Gut üblichen Endverbraucherpreisen zu liegen haben) – die habe ich nicht, was die Zahl der Händler, die meine Weine ins Sortiment nehmen, natürlich  auf ein paar Verrückte einschränkt, die dann ihre Kunden davon überzeugen müssen, meine unbekannten Weine ohne Parkerpunkte oder Erwähnung in den meisten angesagten Weinführern  auch bei niedrig kalkulierter Handelsspanne für deutlich über 30 € die Flasche zu erwerben.  Das verlangt Kenntnis (des Winzers und seiner Weine und des Geschmacks des Kunden) und Überzeugungskraft. Und das Vertrauen, dass der dann beim Trinken zu Hause glückliche Kunde nicht einfach bei Folgekäufen direkt beim Winzer vorstellig wird, der ja in meinem Fall über's Internet sehr leicht zu finden ist. So habe ich natürlich viel Verständnis für die Händler, die nicht zu meinen Kunden werden (vor allem, wenn sie das nach einer der auch üblichen Emailanfragen entscheiden, in denen sowieso nur nach dem Tarif gefragt wird).  Und viele haben auch Verständnis für meine Lage, wenn ich erkläre, dass ich bei meiner geringen Produktionsmenge von einigen Hundert Flaschen bei einem deutlich reduzierten Händlertarif meine Produktionskosten nicht mehr decken könnte und inzwischen auch meine Endverbraucherpreise nicht einfach drastisch erhöhen kann, da ich über einen klinen, aber treuen Stamm von Direktkunden verfüge...   Immerhin nimmt der eine oder andere dann ein paar Kisten für seinen eigenen Konsum mit – das freut mich dann wieder:-).

Wenn ich als Kundin zum Weinhändler komme, habe ich meist das Problem, dass ich auf Reisen mit beschränkten Gepäckkapazitäten bin, dann wird’s echt spannend, wenn ich frage: welche Flasche (oder welche 3 Flaschen maxi) würden Sie mir aus ihrem Sortiment empfehlen – Wenn der Mann (manchmal ja auch die Frau, aber das findet man seltener, warum eigentlich?) dann gut ist, versucht er erst mal, meine Vorlieben heraus zu finden.

Tut er das nicht und will mir gleich den leichten Sommerwein für weibliche Kunden andrehen, möglichst noch, indem er den günstigen Preis in den Vordergrund rückt, weiss ich schon, dass ich hier nicht fündig werde. Aber zum Glück ist mir das bisher nur sehr selten passiert - vermutlich meide ich instinktiv die Läden, in denen die Schnäppchen schon nahe am Eingang angehäuft sind - meist zeigt ein Blick in die Auslage ja auch schon ein wenig, worauf sich der Laden konzentriert.

Hervorragende Erfahrungen habe ich auf diese Art z.B. bei Marion Oberbossel in der Enotheka in Düsseldorf-Zoo gemacht (muss aber zugeben, dass die mich auch gut kannte, da sie auch schon Lisson Wein im Sortiment hatte).

Sie hatte mir damals unter anderem den Rosso N°13 vom Weingut Vignano in der Toscana empfohlen - einen Pinot, der noch aus den Tagen des Pioniers auf diesem Weingut, Fritz Croissant, stammte (der inzwischen vom Biowinzer zum Weinhändler an der Weinstraße umgesattelt hat).

Dieser biologisch an- und lange im Barrique ausgebaute Pinot Noir aus dem Jahrgang 1996



der mich bei der Verkostung 12 Jahre später in Lisson  sofort an Seelenverwandtschaft mit dem Winzer denken ließ, ist vermutlich im Handel nicht mehr erhältlich, ob die neuen Besitzer ähnliche Weine produzieren weiß ich leider nicht. Frankophile können meine Verkostungsnotizen auf dem Beitrag zur französischen Ausgabe der Weinrallye nachlesen.

Besonders schön war dann aber auch meine Erfahrung mit einem Cavistenb (dem französischen Pendant des deutschen Weinfachhändlers) in Paris. Hier handelt es sich um die "Cave du Panthéon", rue Saint Jacques im 5. Pariser Bezirk.

Hier kannte man mich nicht, ich konnte also wirklich unbefangen meine "Question test pour un caviste" - meine Testfrage an einen Weinhändler - nach der einen Flasche, die er mir empfehlen könne, stellen.

Als guter Profi versucht er also zunächst, meinen Geschmack zu sondieren. Auf die Frage nach dem Preisniveau kann ich nur antworten: unwichtig - für eine einzelne Flasche werde ich daraus kein Problem machen (gut, ich gebe zu, über 100 € hätte ich vielleicht gebremst, aber eine einzelne gute Flasche als Reisemitbringsel sollte mir doch so viel Wert sein, wie der Preis einer einzigen Nacht in einem Pariser Hotel.).

Ich versuche also, meine Erwartungen an den Wein zu definieren - was mir in der negativen Version immer leichter fällt:

Also nicht unbedingt ein sogenannter leicht trinkbarer Wein, kein Wein, der einfach nur Primärfrucht verströmt, auch nicht vom Holz erschlagen, kein technologischer stromlinienförmiger Wein, nicht "süffig" und eben kein sogenannter "weiblicher" Wein.

Ich bevorzuge Weine, die eine deutliche Struktur aufweisen, Weine, die man nicht einfach schluckt, sondern die man kauen kann, sie können ruhig ein wenig wild und ungezähmt sein - sollten die Tannine noch etwas kantig sein (ich trinke solche Weine aus Neugier leider oft zu jung), so stört mich das nicht zu sehr. Dabei habe ich keine spezielle Vorliebe für eine Rebsorte oder ein Herkunftsgebiet. Ach so, ja, es sollte diesmal ein Rotwein sein.

Der Cavist hört mir aufmerksam zu - und kommt wieder mit einer Flasche der Domaine Barral aus der Appellation Faugères.

Wer weiss, dass dieses in Frankreich sehr bekannte Bio-Weingut nur ca. 20 km südlich von Lisson liegt, ich den Winzer kenne und schätze und wir natürlich auch schon Wein getauscht haben, kann sich vorstellen, dass ich keinen Barral aus Paris mitgebracht habe - das hätte ja bedeutet,  Eulen nach Athen zu tragen. Aber als Beratung und mit den wenigen Auskünften, die ich ihm gegeben hatte, war das geschmacklich ein Volltreffer. 


Für die Flasche, die er mir anschließend als Ersatz empfahl (ein schöner, kräftiger Wein eines kleinen Winzers Côte Rôtie "Cordeloux" 2003 von  Marie und Pierre Benetière, habe ich ihm dann blind vertraut und es auch später beim Öffnen der Flasche zu Hause nicht bereut.




Auch hier handelt es sich um ein sehr kleines Weingut, 3 ha bei Condrieu - die ohne Chimie bearbeitet werden, die Weine mit den Rappen vergoren, Schwefel nur in kleinen Dosen zugesetzt - also auch hier spiegelt sich eine ähnliche Philisophie wie unsere in den Weinen wieder. Bezahlt habe ich vor 4 Jahren irgendetwas um die 35 € - da Côte Rotie Weine auch in Frankreich nicht zu den Billigweinen gehören, schien mir das Preis/Leistungsverhältnis mehr als angemessen.


Für mich zwei Beispiele von positiven Erfahrungen mit Weinhändlern, wie ich sie mir wünsche, als Winzer und als Kunde!

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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Weinrallye
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commentaires

lamiacucina 25/08/2009 20:20

das habe ich noch nie erlebt: einen Weinhändler der sich nach den Vorlieben erkundigt und seinen Keller so genau kennt, dass er die richtige Flasche empfiehlt. Chapeau !

Iris Rutz-Rudel 29/08/2009 10:24


Doch doch, das gibt's - ich kenne sogar mehrere, die ihren Beruf und ihre Kunden so lieben, dass sie sich die Mühe machen - zum Glück, denn sonst gäbe es ja für kleine, nicht in den gängigen
Weinführern vertretene Winzer wie mich kaum eine Chance, ihre Weine über den Diraktverkauf hinaus bekannt zu machen...


Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

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