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29 avril 2009 3 29 /04 /avril /2009 12:19


Rosé - was mische ich mich da eigentlich ein? Schon seit Jahren wurde in Lisson kein Rosé mehr abgefüllt  (ja, es hat mal einen im Jahr 2000 gegeben - einen Rosé nach der Abstichmethode  (saigné) auf der Basis von Oeillade-Trauben, in der immer noch von vielen Kunden vermissten Serie der  Moulenty Weine,  der Wein ging weg wie warme Semmeln:-) - und natürlich der Rosé de Merlot der gleichen Jahrgangs, der sich nach 4 Jahren Ausbau im Barrique unter dem "voile" genannten Hefeschleier in unseren  Bel Hazard  verwandelt hat - einen sherry-artigen, trockenen Aperitifwein, den gibt's noch in einigen wenigen Exemplaren ...).

Und wir haben nicht genügend weiße Reben verteilt im Weinberg, als dass die gelegentliche Mischung der Trauben (Viognier, Roussanne, Chardonnay, Chenin und zwei Rebstöcke  petite Arvine) mit unseren Rotweincuvées sich auf die Farbe des Endprodukts auswirken könnte...

Bei uns in Lisson kommt eher selten Rosé auf den Tisch,  das hängt mit meinen Vorlieben für gehaltvollere Weine zusammen - und auch ganz praktisch mit der Tatsache, dass wir keinen Kühlschrank besitzen und so selten den Rosé auf eine Temperatur herunterkühlen können, bei der man seine doch häufig auftfallende Mittelmäßigkeit vergisst. .

Das hat mich aber nicht daran gehindert, die  sehr polemisch geführte Debatte über die anstehende Reform der europäischen Regelung für den Verschnitt von Rot und Weiß zu Rosé bei rosé Tafelweinen zu verfolgen, die hier die Presse in den letzten Wochen erhitzte und die inzwischen auch auf die deutsche Weinbloggerwelt übergeschwappt ist

Wieder einmal habe ich auf einer meiner Lieblingswebseiten einen interessanten Artikel zu der Rosé-Diskussion gefunden, der Nummer 16 von  Fureurs des Vivres - ein ganzer Monat ist dem Lamm gewidmet - dass ich auch eher rot als rosé bevorzuge...


geschrieben von  Mike Tommasi - den aufmerksame Leser dieses Blogs schon von seinem Gastbeitrag zur 17. Weinrallye über die neuen EU-Beitrittsländer kennen - Wahl-Provençale und engagiertes Sloow-Food-Mitglied,  hat er einen Beitrag unter dem schönen Titel  Agneau rosé ou vin de coupage - les moutons protestent, (rosa Lamm und Verschnittwein - die Schafe protestieren) geschrieben, den ich für nicht so frankphone Leser in meiner Übersetzung hier abdrucke.


Rosé als Verschnitt von weiß und rot

 

 Seit einigen Wochen gibt es große Aufregung, wegen des Vorschlags einer europäischen Regelung, die in einer völlig entstellten Weise in der traditionellen Presse verbreitet wurde, um danach von Bloggern aufgenommen zu werden, die wie die Schafe den Leithammeln gefolgt sind.

 

Alles ging von einer Pressemitteilung aus communiqué de presse , die inzwischen auf den neuesten Stand gebracht wurde, nachdem das Original zum Aufstand geführt hatte. Alle Welt protestierte gegen eine Reform, die noch gar nicht spruchreif ist und die nur Tafelweine betrifft  (ohne geografische oder Herkunftsbezeichnung), die es ermöglichen sollte, in Europa Rosé-Tafelweine durch Verschnitt von weißen und roten Tafelweinen herzustellen. Diese Praxis ist gegenwärtig durch die Regelung  1493-1999 Artikel 42 Paragraf 6, dessen typische Brüsseler Sprache ich wiedergebe : « Der Verschnitt eines Weins, der als weißer Tafelwein zugelassen wäre oder weißen Tafelweins mit einem Wein, der als roter Tafelwein zugelassenwerden könnte oder mit einen roten Tafelwein kann keinen Tafelwein produzieren. » Aber das OIV (Organisation Internationale de la Vigne et du Vin) erlaubt den Verschnitt, die Winzer außerhalb Europas unterliegen also nicht dieser Beschränkung und produzieren Rosé, indem sie weiß und rot mischen. Ziel der Reform war es also, die europäischen Produzenten in eine gleiche Wettbewerbsposition wie ihre Kollegen von außerhalb der Gemeinschaft zu bringen., was durchaus vernünftig erscheint.

 

Und wie steht es für die Appellationsweine, für unsere AOCs ? Die europäische Regelung hat nie den Verschnitt von Appellationsweinen untersagt, für die AOC Weine ändert sich also nichts! Es sind die Appellationen selbst, die auf ihrer Ebene das Verbot ausgesprochen haben, außer natürlich in der Champagne, wo große Roséweine erarbeitet werden, indem man Chardonnay und Pinot Noir verschneidet ; Champagne Tarlant Rosé Prestige Millésime 1998, « Rosé d'assemblage de vin blanc et vin rouge », oder auch Rosé Zéro,.

 

Da diese Reform also auf der Ebene der Appelationsweine gar nichts ändert, ist also in der Tat dieser ganze Lärm völlig überflüssig. Die Vertreter der Produzenten der Provence behaupten lautstark, dass der Verschnitt nur schlechte Weine ergeben könne, warum also ein solcher Aufstand wegen einiger Tafelweine, die nicht in der gleichen Kategorie  antreten, der der AOCs, wie es  Jacques Berthomeau so richtig in seinem blog sagt? Ist es die Furcht, das diese Produzenten von Tafelweinen « es genauso gut aber billiger machen» ? Das wäre auch nicht schwierig! Denn all das soll ja nur den Konsumenten von der Realität ablenken: bis auf einige Ausnahmen haben die Weine der Provence nie das Image des Qualitätsniveaus der Rhôneweine erreicht oder selbst das der Weine des Languedoc. Die Produktion ist weitestgehend (75%) auf Rosé von mittelmäßiger Qualität konzentriert, oft mit  Weinsäure angereichert, um einem Ausgangsmaterial ohne Rückgrat, den Kola-Weinen, die unter der Sommerhitze und mit den Zikaden drum herum angenehm sein können, die aber aus ihrem Strand-Kontext gelöst meist enttäuschen. Der Markt wird überschwemmt mit AOC gestempelten Gesöffen, wie zum Beispiel  L’Esquinade AOC Côtes de Provence für weniger als  3€ die Flasche im Supermarkt oder ein Coteaux d’Aix für 2,15€ bei Ooshop.com. Es dürfte nicht schwierig sein, einen besseren Tafelwein durch Verschnitt herzustellen!

 

Die Enttäuschung kann auch durch bekanntere Provence Weine erweckt werden, vor allem durch solche, die den skandalösen und offiziell zugelassenen, wirklich täuschenden  Label Classé verwenden, eine Angabe, die in keiner Beziehung zur Qualität des Weines steht und für die keine Kontrolle vorgesehen ist, die  ad vitam aeternam einem geschlossenen Kreis von Gütern vorbehalten ist. Also noch eine andere exemplarische Barriere für einen Verbesserung des Images der Provence Weine.

 

Also warum haben die Produzenten der vins de Provence so viel Lärm gemacht, bis hin zur Veröffentlichung auf ihrer Webseite, dieser täuschenden pétition anti-coupage ? Diese Petition beginnt in ihrem Vorwort mit einer Wiederholung der verfälschten Version der Reform: « La commission Européenne est en passe de lever l’interdiction de coupage des vins rouge et blanc pour faire un vin de couleur rose”, (Die europäische Kommission ist dabei, das Verbot für den Verschnitt von roten und weißen Weinen für die Produktion von rosé Weinen aufzuheben), ohne zu erwähnen, dass die Reform die  Appellationen der Provence überhaupt nicht betrifft, und sie schlagen dem unterzeichnenden Konsumenten vor « Ich engagiere mich, den Rosé zu verteidigen, dessen Qualität das Resultat bei der Weinbereitung ist und wehre mich dagegen, dass Rosé ein Verschnitt von Weinen sein kann. ». Es wird also der Eindruck erweckt, dass ein Verschnitt  kein Qualitätswein sein kann und dass der Provence-Wein in Gefahr ist. Aber wie viele Verbraucher wussten vor dieser Farce, dass Rosé nicht aus der Vermischung von zwei Weinfarben entsteht und wie viele wissen jetzt, dass der Rosé Champagner mehrheitlich durch Verschnitt hergestellt wird 

Schlimmer noch, die Organisation, die die drei provenzalischen Appelationen verteidigen will, will in die Regelung eine Anerkennung der Aufschriften auf den Etiketten  « rosé traditionnel » und « rosé par coupage » aufnehmen lassen, auf EU-Ebene eine fakultative Bezeichnung, die aber auf nationaler Ebene obligatorisch werden kann, wenn das entsprechende Land es wünscht (aber eben nicht in allen Ländern!). Wenn man weiß, dass die Konkurrenz aus anderen Ländern  (inklusiver der EU) dem nicht unterläge, könnte sich diese Waffe sehr gut gegen die Weine der Provence kehren, wie es Jacques Berthomeau zu bedenken gibt.

 

Der Wein der Provence ist wirklich bedroht, aber nicht durch die europäische Regelung ! Es genügt, dazu die empfindlichen Reaktionen der Verantwortlichen der lokalen Rosés om Artikel des Var Matin zu lesen. Es ist kaum zu glauben, aber niemand hat sich die Zeit genommen, den Inhalt der Reform zu lesen, obwohl der im Internet verfügbar ist, alle haben ganz impulsiv auf die von der Presse verbreitete Polemik reagiert. Fügen wir noch die Haltung des Landwirtschaftsministers hinzu, der, nachdem er positiv reagiert hatte, indem er den Reformvorschlag am 27. Januar unterzeichnet hatte ( ja, es sind unsere Minister, die die Regelungen des Rates unterzeichnen, nicht diese anonymen « Kommissare », von denen in der Presse immer die Rede ist...), schnell seine Meinung änderte und « Brüssel » einer großer Ungerechtigkeit anklagte!

 

Abschließend möchte ich betonen, dass ich die Rosés von Bandol (Domaine de Terrebrune, Domaine de la Tour du Bon, Domaine Tempier, La Suffrène, Pibarnon), den Tavel der Domaine de la Mordorée, den perlenden Rosé  der  Dupéré-Barrera, und einige andere Rosés der Provence liebe, die nicht als Verschnitt hergestellt werden, aber auch  den Champagne Rosé de saignée von Boulard, oder den hervorragenden Champagne Aubry Premier Cru à Jouy-lès-Reims Brut Rosé, ein Verschnitt, den ich bei einem Weinhändler der Gegend entdeckt habe, Impression de Vin in Sanary, oder noch den  Champagne Brut Rosé von Franck Pascal (saignée ? coupage ? auf jeden Fall gut !). Und es gibt sicher noch andere, die mir noch nicht begegnet sind …

 

Mike

 

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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Strandgut
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