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14 avril 2009 2 14 /04 /avril /2009 00:21

Das Thema der heutigen 22. Weinrallye wurde von Thomas, dem Winzerblogger ausgerufen:

Regionale Spezialitäten.


Er hat den Begriff extra weit gefasst:   


* Es ist alles erlaubt, Bier, Wasser, Schnaps, Tee, Kaffee oder Limo, völlig egal was, Hauptsache es ist flüssig, trinkbar und wurde in eurer Region produziert. Selbst Milch ist dieses Mal erlaubt, wenn ihr sie denn als eine Regionale Spezialität bezeichnen würdet.

    * Ich bitte euch tatsächlich so weit als möglich dem Produkt den Vorzug zu geben, welches seine Urproduktion in der jeweiligen Region hat. Ein regionales Destillat aus regionalen Früchten ist einem Produkt welches in der Region “nur” zusammengesetzt wurde vorzuziehen, aber auch das wollen wir nicht zu eng sehen.
    * Sollten sich die Teilnehmer aus Weinregionen für Wein entscheiden wollen, bitte ich bei der Auswahl zusätzlich auf regionale Typizität zu achten, d.h. aus dem Markgräflerland z.B. erwarte ich einen Gutedel und nicht Cabernet Sauvignon!
    * Selbstgemachtes möchte ich auschliessen, als Zugabe ist es aber gerne willkommen.

 

Nun würde ich ja gerne einmal Alles aufzählen, was es hier in und um Olargues herum so an regionalen Spezialitäten gibt, einiges findet man ja auch schon auf meinen Blogseiten, wenn ich von den jährlich stattfindenden Märkten und Festen berichte: Kirschen, Oliven, Maronen, von Slow Food geadelte Rübchen, Schaafs- und Ziegenkäse, Schweinskram und alle aus diesen traditionellen Grundpfleilern der örtlichen Ökonomie gefertigten Produkte, aber dazu brauchte ich vermutlich mehrere Tage - und so viel Zeit habe ich im  mit Macht austreibenden Frühjahr leider nicht... also beschränke ich mich auf ein anderes regionales Produkt, nämlich den Wein - und da auch nur auf einen ganz speziellen, der aber voll den von Thomas geforderten Kriterien entspricht.


Und dafür muss ich noch nicht einmal sehr weit gehen, gerade ein paar Kilometer östlich, bis zur Brücke von Tarrassac, von da dem Orb folgend nach Süden, bis zum schönen Dorf Roquebrun zu einem  Freund und Winzerkollegen.

pont_de_tarrassac.jpg

           val_e-du-jaur.jpg  roquebrun.jpg

Roquebrun ist einer der Hauptorte der Appellation Saint Chinian und kann sich sogar seit 2004 rühmen, im Rahmen dieser AOC das Recht auf eine Appellation Roquebrun village zu führen. Und hier war das erste Weingut, das lange vor der Einführung des Appellationssystems seinen Wein auf Flaschen abfüllte und nicht einfach lose als Großgebinde an einen regionalen Händler oder als Traubenlieferant an die Winzergenossenschaft ablieferte, die  Domaine Navarre, deren Tradition  heute mit viel Engagemant und Kenntnis des so besonderen Terroirs aus braunem Schiefer, dem das Dorf seinen Namen verdankt, von Thierry Navarre weitergeführt wird.

Roquebrun.jpg


Und es ist er, der auf der Suche nach alten, an Klimat und Boden angepasten Rebsorten, sich an diese letzte Reihe fast vergessener Rebstöcke erinnerte, die noch seit der Zeit seiner Vorväter ihr Leben fristeten:

Der Ribeyrenc, den man auch Aspiran nennt, oder auch Spiran, Espiran (schon  1686 von Magnol) erwähnt, Espirant noir, Epiran, Piran. Im Aude heißt er : Riveyrenc, Riveyrène, Riverain (ein Name, den man auch für den Rosé im Var findet), Verdaï, Verdal noir, Peyral, Peyrar. Ferrandel (in einer alten Rebsammlung in Saumur). Rutherglen (in Australien).

all das lernen wir auf der Seite der ehrwürdigen ENSAM

Thierry-2.jpg

Wenn Sie alles über die abenteuerliche Geschichte der Rettung und Wiedereinführung dieser fast vergessenen Rebsorte erfahren wollen, die natürlich aufgrund der sehr strengen französischen Pflanzbestimmungen (was nicht aus der Liste der "erlaubten" Rebsorten für eine  Anbaugegend steht, ist automatisch "verboten"), und des Französischen ein wenig mächtig sind, können sie die Geschichte direkt aus dem Mund des Retters, Thierry Navarre - und mit dem so schönen lokalen Akzent des Midi, hier sehen und hören. 




Die Beschreibung auf der Seite der ENSAM erklärt auch, warum die Rebsorte nach der großen Reblausattacke zwischen 1880 und 1890 nicht mehr angepflanzt wurde: es ist immer die gleiche Geschichte, wie die z.B. der Carmenère in Bordeaux oder anderer aufgegebener alter Sorten: nun mittlere Fruchtbarkeit und durchschnittlich geringe Ertragsmengen, anfällig für Krankheiten, wie Grauschimmel, echter und falscher Mehltau und zu harten Winterfrost (wie ihn die Gegend z.B. 1956 noch einmal kannte). Also alles Eigenschaften, die mit den auf Massenproduktion getrimmten Anbaumethoden des 20. Jahrhunderts nur schlecht in Einklang zu bringen waren. Da brauchte es schon einen, der gegen den Strom schwimmt und einen entsprechenden Dickkopf hat, wie Thierry, um die letzten erhaltenen Rebhölzer zu retten, sie auch ohne offizielle Genehmigung schon mal zum Pfropfen in eine Rebschule zu bringen und dann in passender Lage zu pflanzen, ohne vorher genau zu wissen, welches Resultat das wohl geben würde.



Das Ergebnis ist noch etwas, was eher Liebhaber und Kenner, die danach suchen, erfreut. Die ersten Ernten tragen langsam ihre Frucht - einige wenige Flaschen, die man noch nicht einmal auf der Webseite und in der Preisliste der Weine des Gutes findet. Immerhin gibt es hier und da im Internet die ersten Degustationsnotizen. Und sogar einen Beitrag in englische Sprache eines holländischen Blogs, der an der "go native" Ausgabe des 37. Wine Blogging Wednesday "go native - indigenous vareties" teilgenommen hat.

Aber jetzt zum Wein:



"Leicht, von wenig intensiver Farbedichte, zarte Aromen im Duft, sehr helles Rubinrot, Johannisbeernoten, angenehme Frucht, sehr fein im Geschmack." chrakteristische Beschreibungen, die immer wieder kehren und bei denen es nicht wundert, dass die Verkoster finden, dass der Wein das macht, was man, in Anlehnung an Frankreichs berühmte Rebsorte "pinoter" nennt.

Ein Wein, den man also in den kommenden Jahren im Auge behalten sollte, um zu sehen, welches Potential die älter und kräftiger werdenden Rebstöcke entwickeln werden. Auch für den Winzer eine neue Herausforderung, denn dieser Ribeyrenc unterscheidet sich doch erheblich von all den eher durch ihre prononzierten Tannine oder ihren überschäumenden Fruchtcharakter bekannten Klassiker der Appellation, wie Carignan,  Syrah,  Grenache und seit einigen Jahren auch Mourvèdre.

Die Zusammenfassung der schon oben erwähnten amerikanischen Ausgabe der Weinrallye mit vielen lesenswerten Links zu originellen und/oder originalen Rebsorten findet man übrigens hier:

wine blogging wednesday # 37: go native - indigenous varieties bei  Dr.Vino September 2007.





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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Weinrallye
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commentaires

Nick 15/04/2009 11:57

Ein sehr interessanter Beitrag zur Weinrallye und in meinen Augen einer der besten Beiträge dieser Rallye. Kompliment und weiter so mit deinem Blog!!!

Iris Rutz-Rudel 16/04/2009 12:06



Danke für die Blumen, aber ich finde, jeder Beitrag zu dieser Rallye ist lesenswert, alle fügen sich zu einem hoch interessante Mosaik - da gibt es keine "Rangordnung":-)!



Wolf 14/04/2009 22:26

An die Brücke erinnere ich mich noch sehr gut. Wir haben auf der anderen Seite Brotzeit am Fluss gemacht, wenn ich gewusst hätte, dass wir in der berühmten AC Saint Chinian gelandet sind :-)

Iris Rutz-Rudel 16/04/2009 12:04



Ja, die Appellation beginnt auf der anderen Seite der Brücke - in unserem Tal wurde die Frage, ob jemand daran interessiert sei, bei ihrer Gründung mitzumachen, vor fast 30 Jahren gestellt -
damals interessierte das keinen der aktiven Weinbauern, die lieber ihre Trauben im Herbst an die Genossenschaft in Mons-la-Trivalle ablieferten, um dann in Ruhe wieder den Winter durch jagen zu
können, ohne mit Kellerarbeit und Kommerzialisierung belästigt zu werden - so ist das mit den verpassten Chancen...



mikel 14/04/2009 12:28

Jetzt versuche ich doch einmal all die Französischen Rebarten da korrekt auszusprechen.Das ist auch ein toller Beirag. Das Europa der Regionen war doch eine gute Idee von Charles...

Iris Rutz-Rudel 16/04/2009 12:08


Korrekt aussprechen kann die wohl auch nicht jeder Franzose:-)!


Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

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