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24 mars 2009 2 24 /03 /mars /2009 12:33
Hierzulande - und vor allem im bergigen, bewaldeten Hinterland des Languedoc, in dem immer mehr Parzellen, diie ursprünglich kultiviert wurden, der seit Jahrzehneen andauernden Krise der Landwirtschaft zum Opfer fallen und neben den aufgelsassenen riesigen Esskastanienwäldern, deren Früchte kaum noch jemand sammelt, den hier heimischen Grüneichenwäldern, auch ehemalige Rebflächen ( dank der mehrfachen Wellen europäischer Rodungsprämien) wieder überwuchrt werden und so der Wildtierbevölkerung reichlich Nahrung und Deckung bieten, hierzulande leben also die schwarzberockten Wildschweine schon lange "wie Gott in Frankreich".

Das dies auch im wesentlich zivilisierteren Deutschland der Fall ist, entnehme ich dem in der letzten Zeit - Schweine im Schlaraffenland heißt der Artikel hier, der die zugrunde liegenden, mal wieder auch vom Menschen initierten, ökologischen Probleme der Ausbreitung und die Schwierigkeiten bei der Bekämpfung dieses eben gar nicht so alten Phänomens sehr gut schildert.

Kratzbaum einer Rotte Sommer 2008

Die eingestreuten Bilder hier illustrieren die Spuren, die wir überall im Gelände finden, vom noch eher folkloristischen Kratzbaum einer lehmverschmierten Rotte 50 m neben dem Hof über die niedergerissenen Mauernumgepflügten Terrassen, den diesen Winter durchwühlten Garten, die Trauben, von denen uns, wie nach einem Vollernter, nur noch die Strünke bleiben, bis hin zum Dessert, dass sich die Tiere im Kastanienenwald holen....

Obstbaumterrasseim Weinberg Sommer/Winter 2008
 
Schweinelosung im Pinot - Sommer 2008
  

Die Ursachen sind in Frankreich ähnlich, die Eingrenzung der Schäden ist, trotz allgemeinen Jagdtechts und mindestens einer Treibjagdgruppe für Schwarzwild pro Dorf, die von Mitte August bis Mitte Januar an drei Tagen in der Woche ihrem Hobby nachgeht,  und immensen Abschusszahlen,  ein enormes Problem.
Trauben Herbst 2008

Entschädigungszahlungen, die hier alleine von den Jagdverbänden geleistet werden müssen, sind weiss Gott kein Anreiz für Landwirte.

Garten, März 2009

Ich könnte zum Beispiel in den Jahren, in denen oft über 60% der Trauben kurz vor der Ernte von einfallenden Horden vernichtet werden, diese Schäden vom örtlichen Jagdverband konstatieren lassen und dann ca. ein Jahr später, nach endlosem Papierkrieg eine Entschädigung auf der Basis der Traubenpreise bei der örtlichen Kooperative (ca. 0,30 € pro kg Trauben) erhalten. Als selbständiger Winzerbetrieb und bei meiner auf ca. 20 Hl/Ha kalkulierten Traubenproduktion wären das insgesamt 360 € für Traubenverluste, die mir nach erfolgter Ernte und Valorisierung durch den Ausbau im Keller 18 000 € hätten einbringen können...

Esskastanien gegenüber vom Haus Herbst 2008

Es ist vielleicht dumm, aber ich leiste mir den seelischen Luxus, diesen Papierkrieg gar nicht mehr zu führen, da mich der Ärger und  die Wut über diese Unverhältnismäßigkeit in der Vergangenheit  schon zu viel Nervenkraft gekostet haben.

Lehmspuren an Kratzbaum rechts neben dem Haus Sommer 2008

Würde ich eine der hier jahrelang üblichen Wildschweinzuchten betreiben, aus denen bis vor 15 Jahren noch ein großer Teil der zum Vergnügen der Freizeitjäger ausgewilderten Kreuzungen zwischen Wild- und Hausschwein (Cochongliers - cochon x sanglier in Fachkreisen) stammten, die das Problem der Überbevölkerung noch erhöht haben, so stünden mir vom Landwirtschaftsministerium Beihilfen für die fachgerechte Einzäunung zur Verfügung, um die umliegenden Kulturen zu schützen - die imensen Kosten für die Einzäunung unserer Parzellen mit Elektrozäunen, und von Solarzellen gespeisten Batterien, die die Zaungeräte mit Strom versorgen, müssen wir als von den "wilden" Schweinen bedrohte Winzer selber übernehmen. Auch da kocht nur noch Unverständnis und Zorn in mir hoch.

eins weniger - Herbst 2006

Ich gebe es ehrlich zu: der Gedanke an eine Verbreitung der Schweinepest unter den Säuen hat schon was Verführerisches für mich - auch wenn ich mich als Ökowinzerin natürlich zutiefst dafür schämen sollte...

siehe auch schon meinen Artikel hier und hier.

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Published by Iris Rutz-Rudel - dans gelesen oder gehört
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commentaires

Emmi 07/01/2010 07:41


Leider passieren solche Dinge. Die Verluste sind immer groß und man kann die Lage beherrschen!


Silke 07/04/2009 14:17

Ekelhafte Tiere! Vielleicht die einzige, die ich hasse...

Iris Rutz-Rudel 07/04/2009 15:29


Ekelhaft finde ich sie gar nicht, Silke, halt nur aufgrund fehlender Hege aus dem Gleichgewicht geratenen Mitbewohner, die mit meiner Landwirtschaft oft nicht mehr zu vereinbaren sind... Wenn es
effiziente Schutzmethoden gäbe und die Jäger endlich nach ökologischen Gesichtspunkten vorgingen, statt nur ihrem Wintersport zu frönen, würde ich ihnen gerne die restlichen 22 ha meiner Ländereien
zur freien Verfügung überlassen.


Wolf 07/04/2009 12:40

Ein wahres Saubloggen! Hast Du Dir schon mal überlegt, Dir einen Tiger als Haustier zu halten. Der würde sich vermutlich selbst versorgen und mag auch bestimmt keine Trauben :-) Frohe Ostern wünsche ich schon mal vorsorglich!

Iris Rutz-Rudel 07/04/2009 15:26


Du kannst Dir vorstellen, dass auch das schon in der endlosen Serie der "guten Ratschläge", die uns Freunde und Bekannte geben, enthalten war... Leider wäre ich nicht sicher, ob sich der Tiger mit
den Schweinen begnügen würde, oder nicht doch eher verstreut noch existierende Ziegen und Hausschafe oder Hunde von Spaziergängern, Pilzesammler oder gar die Winzerin mit auf seinen Speiseplan
setzen würde... abgesehen von der allgemeinen Panik, sh. Bruno!

Auch Euch fröhliche Ostern und weiterhin mal wieder gutes Saubloggen!


Harald 24/03/2009 17:15

Ich könnte Dir noch weitere Bilder liefern. Es müssen auch bei uns Riesenrotten sein, die teilweise die Weinberge umpflügen. Wenn man Glück hat ist alles gleichmäßig zerwühlt, wenn nicht gibt es Schaukelfahrten mit dem Schlepper bis man Seekrank wird. Dein Artikel erinnert mich daran, das ich beim Jäger noch so ein Tier für die Bratröhre bestellt habe...Danke für den Link zur Zeit. Ein sehr guter Artikel.Viele Grüße

Iris Rutz-Rudel 07/04/2009 15:33


Bei uns ist auch mehr die Chaosfraktion, die ein Minenfeld hinterläßt, vertreten...


Rainer Adam 24/03/2009 16:25

Iris, ich kenne das Problem von der Saar. Nur ein totes Schwein ist ein gutes Schwein. Die Wildschaeden sind enorm und im Weinberg werden sie in Deutschland nicht erstattet. Ein Gutes hat: Wildweinfleisch ist sehr schmackhaft, besonders wenn runtergewaschen mit Riesling, moeglichst von der Saar. Liebe Gruesse aus Bangkok, Rainer

Iris Rutz-Rudel 07/04/2009 15:33


Da es sich inzwischen um Kreuzungen mit Hausschweinen handelt, ist auch das Geschmackserlebnis nicht mehr so toll:-( - dazu werden im Fleisch von getöteten Wildschweinen wieder vermehrt Trichinen
gefunden, worauf Erkrankungen vor allem in Jägerfamilien mit regelmäßigem Konsum hinwiesen - mir ist danach der Appetit eigentlich vergangen...ansonsten kann man einen guten Braten natürlich auch
mit einem kräftigen Schluck gereiften,  hausgemachten Rotweins (z.B. Mourvèdre vom Clos des Cèdres) herunterspülen:-).


Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

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