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9 mars 2009 1 09 /03 /mars /2009 12:52
Die Zeit, sie rast im Sauseschritt - und schon wieder ist es Zeit für einen Beitrag zur deutschen Weinrallye. Diesmal hat Lars von Schreiberswein das Thema ausgerufen: Die Königin der Reben: Riesling aus deutschen Spitzenlagen.

Zur Auswahl stand alles: "Berühmte Lagen, erste Lagen, große Lagen oder besondere Lagen, aus denen Weine erzeugt werden, die weltweit Botschafter der deutschen Weinkultur sind. Von Baden bis Sachsen. Von Kabinett bis Eiswein. Von trocken bis edelsüß. Pflicht ist dabei die Angabe einer Einzellage auf dem Etikett."

Nun bin ich nur in Frankreich, das ist ja noch nicht weltweit und von deutscher Weinkultur verstehe ich dank meiner Bloggerkollegen zwar nach und nach ein wenig mehr, würde mich aber noch lange nicht zum Spezialisten oder gar Juroren aufspielen.  Wie mit vielen ausländischen Weinen geht es auch mit denen aus Deutschland (und da sowieso nur Riesling, andere Sorten sind hier so gut wie unbekannt) so, dass nur ein paar Winzernamen (Dönnhoff, Prüm, Loosen, Egon Müller, Thanisch und Löwenstein) bekannt und überhaupt erhältlich sind.

In den Weinforen drehen sich die Diskussionen hauptsächlich um Weine dieser Güter und um die vollkommene Undurchdringlickeit der deutschen Prädikatsbezeichnungen, die merkwürdigen Definitionen von "trocken" und "halbtrocken", die Unmöglichkeit, vom Alkoholgrad auf das ursprüngliche Mostgewicht zu schließen und die Verwirrung durch die unaussprechlichen Lagennamen und deren Vielfalt.


Dafür habe ich volles Verständnis - auch wenn so mancher Ausländer wohl inzwischen das französische AOC und Vin de Pays Wirrwarr und die tausende Lagen aus Burgund auch nicht viel transparenter finden wird:-).

Aber kehren wir zurück zur Weinrallye und zum Riesling, der in Frankreich ja bisher durch protektionistische Verbote in den anderen Regionen ausschließlich dem Elsass als zugelassene Rebsorte vorbehalten war. Das hat sich übrigens erst vor ein paar Tagen geändert!

Ich habe also keine Ahnung, ob die Rieslinge in meinem Keller, die nicht als Grand Cru Lage des Elsass ausgezeichnet sind, wie meine geliebten Schueller Rieslinge vom Bildstöckle oder Pfersigberg, nun zu den berühmten, esrten, großen oder besonderen gehören. Alles, was ich weiß, ist dass sie mir hervorragend schmecken!

Ich liebe ihr Mundgefühl, dieses unnachahmliche Gleichgewicht von Fülle und Säure, dass einen klaren, frischen und mineralischen Eindruck im Mund hinterlässt, ohne die je nach Jahrgang und Herkunft eher fruchtigen oder blumigen Noten zu vernachlässigen. Ihre unnachahmliche Leichtigkeit des Seins...

Das ist meine  Madeleine de Proust, die Erinnerung an den deutschen Riesling, wie ich ihn in Erinnerung behalten hatte, seit ich Deutschland vor fast dreißig Jahren verlassen habe... eine Qualität, die ich in den meisten französischen Weißweinen und auch den Rieslingen aus dem Elsass meist vergeblich gesucht habel.

Groß war also meine Freude, als ich dank der Blogsphäre die Möglichkeit gefunden habe, solche Weine wieder zu finden - und dann auch noch von einem Bio-Winzer.

Jetzt ist es nicht mehr schwer zu erraten, dass ich heute von Harald Steffens vom Weingut  Steffens-Kess aus Reil an der Mosel spreche, der 10 ha Riesling in echten Steilhanglagen kultiviert - allein schon ein Blick auf seine   Videos , die er regelmäßig in seinen  Blog Bildergeschichten einstellt und auf denen wir sehen, in welcher halsbrecherischen Lage er pflügt oder vorschneidet oder Kompost ausbringt, sprechen Bände und machen selbst mich schwindeln!


Ich hatte also im vorigen Jahr zum ersten Mal ein dutzend Flaschen in seiner online-boutique bestellt, dazu noch mit der angenehmen Überraschung, dass das Porto selbst zu mir nach Südfrankreich nur 11 € kostete und die Weine 2 oder 3 Tage später bei mir eintrafen. Für den selben Preis hätte ich übrigens auch 21 Flaschen ordern können:-).

Aber das ist ja nicht das Wichtigste: wichtig ist das enorme Vergnügen, das mir seitdem jede geöffnete Flasche bereitet hat: angefangen mit dem Winzersekt, schon zur 18.Weinrallye hier vorgestellt,  vom einfachen Kabinett über die Spätlese bis hin zur Auslese, wie die, die ich heute hier vorstellen möchte: 



Die Reiler Goldlay Auslese 2007 - Goldlay, wie von Lars gefordert, eine Einzellage, vom Schieferboden.  Goldlay, eine Bezeichnung, die es auch an anderen Stellen an der Mosel gibt, heißt im örtlichen Dialekt Goldfelsen. "Den moselromanischen Ausdruck für Fels, - ley, lay oder auch lei geschrieben -, tragen viele Reiler Weinlagen, wie zum Beispiel Goldlay, Mullay und Falklay." Schieferhänge, die über Jahrhunderte von Generationen von Winzern mit der Hacke und der Kiepe bearbeitet wurden, die keine Probleme mit Nässestau haben und die Wärme des Sonnenlichts eben in ihren steinigen Komponenten speichern und an die Reben wieder abgeben können. Da liegt im übrigen meiner Meinung nach die wahre Noblesse eines Weins, nicht im Titel (sei's nun der in Deutschland so beliebte Dr., ein Reichsgraf oder ähnlich alter Zopf).

Golden ist auch der Schimmer des Weins im Glas. Die Sonne, die von den Reben am Hang gespeichert wurde, umgewandelt in vollreife Trauben, findet sich wieder transformiert in einen Wein mit klaren Aromen, fruchtig und blumig zugleich. Nein, kein Petrol in der Nase... aber im Geschmack genau dieser Eindruck eines gradlienigen Weins, mit einer schlanken Eleganz, weder zu üppig, noch zu leicht, ein perfektes Gleichgewicht zwischen Säure und Frucht, umspielt von Noten von Äpfeln und Pfirsischen, leicht salin mit Zitrusnoten. 



Für mich ist es das, was ich suche, dieses Gleichgewicht im Mund, das Lust macht, den Wein zu trinken und das Glas neu zu füllen. Die Weine der Steffens sind alle trocken ausgebaut, selbst die Auslese, auf den natürlichen Hefen. Sie passen hervorragend zu vielen Gerichten und Gelegenheiten, von der Vorspeise zum gut gereiften Hartkäse,  ihr Reichtum an Glyzerin vereint mit der salinen Note macht sie zu wahren Partnern der Speisen, gemeinsam bilden sie im Mund ein Ganzes, keiner erdrückt den anderen. i



Man ahnt es, es blieb nicht bei einer Kiste:-) - Hahnenschrittchen und Wendelstück gesellen sich zur Goldlay - garantiert ohne Cola... mein königlicher Tropfen für alle Tage, an denen ich Wein trinke und eine Abwechslung zu den vielen Roten in meinem Keller suche!




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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Weinrallye
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commentaires

Ben 11/03/2009 21:32

Schöner Beitrag zur Rallye! Und die Bilder, da leuchtet die Sonne im Weinglas, wunderbar!

Harald 09/03/2009 16:54

Danke für das Lob!Lieben Gruß

Iris Rutz-Rudel 10/03/2009 10:11



Der Dank gilt ja eher Dir, denn ohne Deine gute Arbeit in Weinberg und Keller, hätte ich ja nichts zum loben im Glas gehabt!



Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

Begleiten Sie mich also auf dem Weg durchs Winzerjahr. Hinterlassen Sie Ihre Kommentare oder stellen Ihre Fragen, damit aus diesem Blog ein lebendiges Kommunikationsmittel wird.

Ihre Iris Rutz-Rudel


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