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17 novembre 2008 1 17 /11 /novembre /2008 00:09
Weine der letzten EU-Beitrittsländer,  das ist das Thema, das uns Svetlana Kittke aus Berlin für diese 17. Weinrallye am 17. November gestellt hat. für mich hier im Süden Frankreichs, eine harte Nuss, denn ich kann mir kaum vorstellen, dass ich da bei örtlichen Weinhändlern fündig werden könnte - und auf billige Discounterware habe ich keine Lust.

Da ich aber als überzeugte Europäerin ein so schön internationales Thema nicht an mir vorbeigehen lassen konnte, habe ich mal scharf nachgedacht, den Ausweg verworfen, einfach die Tokaj-Verkostung aus der Vendée aufzuwärmen (obwohl die auch sehr interessant war, aber über diesen wohl seit langem bekanntesten Wein Ungarns berichten sicher noch andere Rallyeteilnehmer) und mich auf eine andere internationale Verbindung besonnen, die ich zur Hilfe rufen könnte.

Also habe ich Mike Tommasi um einen Gastbeitrag gebeten. Er ist bei französischen Weinbloggern nicht nur wegen seiner Webseite thewineblog.net  bekannt, einer internationalen Community Seite für Weinblogger, sondern vielen auch als unermüdlicher ehrenamtlicher Mitarbeiter und Mitbegründer von Slow Food France, dessen Convivium in der Provence Côte d'Azur er seit vielen Jahren leitet und zu einem der aktivsten gemacht hat.

Leicht hat er es mir nicht gemacht, denn als anglo-Italiener, der vor 18 Jahren mit seiner Familie aus Kanada nach Franrkeich kam, hat er mir den Text mal eben auf Englisch geschickt, den ich dann übersetzen und mit ein paar Illustrationen und  zusätzlichen Links versehen durfte.

Man findet ihn natürlich auch auf Facebook, wo ich mir sein Bild ausgeliehen habe, damit man weiß, wer mein heutiger Ghost(Gast)writer ist:-):



Wein aus Slowenien - von Mike Tommasi

.

Ich wüsste wenig über slowenische Weine, wenn es da nicht meinen Freund Tomaž Sršen gäbe, ehemaliger Bassist bei Martin Krpan, der slowenischen Top-Rockgruppe und heute der bekannteste Wein und Gastronomiekritiker des Landes, der auch den Führer durch die 100 besten slowenischen Restaurants geschrieben hat. Von ihm stammen auch einige der Kommentare weiter unten von Weinen, die wir zusammen verkostet haben.

Dank ihm habe ich so gute Top-Restaurants wie das der Familie Carman  Gostilna pri Danilu in Škofja Loka, ganz nah bei  Ljubljana, und Pri Lojzetu im Schloß von  Zemono im Vipava Tal kennengelernt. Er hat mir auch die Webseite über slowenische Weine empfohlen. Sloweinen


das einzige Land der Welt, dessen Nationalhymne ein Trinklied  (Zdravljica) ist.

Aufgrund meiner Tätigkeit bin ich ein häufiger Gast in Slowenien, aber vor allem Neulinge können kaum glauben, das dies einmal Jugoslawien war: der Lebensstandart ähnelt dem von Westeuropa, man ist Lichtjahre von den ehemaligen Sowjet-Satteliten entfernt, es ist das einzige Land des alten Ostblocks, das so schnell in die Euro-Zone aufgenommen wurde. Slowenien ist ein sehenswertes Land, wie die Schweiz mit Alpenpanorama aber dazu noch einem Teil der Adria-Küste mit ihrer tiefblauen See. Und, was noch besser ist: man kann hier wirklich gut essen, mit jungen Küchenchefs, die sehr kreativ sind und in der Lage, intelligent und mit viel Geschmack lokale Tradition und Innovationen in Einklang zu bringen.



Was den Wein betrifft und mit Frankreich verglichen, kann man in ein paar Stunden Fahrt von heißen Küstenzonen, die an Bandol erinnern über Burgund ähnliche Klimazonen im Vipava Tal schließlich in den östlichen Regionen sich schon in das Elsass versetzt fühlen.



Die westliche Region Primorje umschließt das küstennahe Koper und, meine Lieblingsgegenden, die kühleren Bereiche von  Brda und Vipava. Zu den  Koper Küstenweinen passt die Analogie zu Bandol und der Provence perfekt, bis hin zur  Burja (die in Triest Bora genannt wird) einem kalten trockenen und heftigen Wind, der meteorologisch dem Mistral sehr ähnlich ist.  Hier ist Rotwein-Land, dominiert von der Sorte Refosk. Ich kenne mich noch wenig im östlichen Bereich aus, in Podravje und Posavje, Rieslingland, wo es sogar Botrytis gibt, da habe ich für meine nächsten Besuche noch viel zu entdecken...

Goriska Brda ist die Fortsetzung der italienischen Collio Gegend, mit ähnlichen Rebsorten – Rebula ( Ribolla auf der anderen Seite der Grenze), Pinot Blanc und Gris, und das, was ich TGFKA nenne, die Rebsorte, die früher als Tocai bekannt war und nun gezwungen wurde, sich Furlanski oder so ähnlich zu nennen, um die ungarische Appellationen gleichen Namens zu schützen.



Im nahegelegenen Vipava Tal findet man die gleichen Reben, dazu Malvazija und die interessante Pinela. Es gibt natürlich auch den üblichen Chardonnay und den unvermeidlichen Cabernet Sauvignon, aber Slowenien entwickelt seine besten Terroirs mit lokalen Sorten weiter. Auf diesen frischen Lagen an den Ausläufern der Alpen findet man tief komplexe, frische, natürliche Weine, die von empfindsamen Winzern mit leichter Hand gemacht werden. Die weißen sind bemerkenswerter. Es ist klar, dass slowenische Winzer in engem Kontakt mit den revolutionäreren Winzern aus dem Friuli stehen, wie mit Radikon und Gravner, mit all denen, die mit leichterer Hand vinifizierte, frischere Weine mit wenig Schwefel und ohne andere Zusatzstoffe bevorzugen.
 
Einige Weine, die ich kennenlernen durfte:

Ein Schaumwein von Bjana, soweit ich weiß eine klassische Methode aus Pinot Noir. Aus einem Gut mit 3ha und geringen Ertragsmengen aus dem kühlen Klima Brda, mit hervorragender Säurestruktur und diskreten, feinen Perlen mit viel Eleganz.
 

Rebula 2003 von  Valter Sirk, auch aus der Goriška Brda Appellation. Rebula Trauben ergeben Weine mit Frucht- und Zitrusnoten.



Tokaj 2002 vom exzellenten  Edi Simčič ist einer meiner Lieblingsweine. Ich traf Alex Simčič in London, er stellte sich an diesem Abend vor, in dem er sagte, dass er glaubt, dass sich ein Winzer darauf beschränken sollte, die Natur zu begleiten, darauf zu achten, dass im Weinberg und im Keller alles gut verläuft, weil es eine Schande wäre, das Produkt einer guten Lage durch zu drastische Eingriffe zu verfälschen. Sein Wein ist der Beweis dieser Philosophie, der Tokaj ist intensiv, mit deutlichen Noten von Rosen und Lychies, tadellos ausgewogen und sehr fein.
 
Ein Duett aus Cabernet Sauvignon und Merlot von Edi Simčič, sehr feine und sparsame Holznote, komplex und sehr elegant, mit seinen 18€ besser als manche Super-Toskaner, die 10mal mehr kosten, luftig, ohne ekzessive Eiche, einfach köstlich.
 
Kras 1998 von Renčel, ein Süßwein aus luftgetrockneten Malvazija Trauben.

Valter Mlečnik - Rebula 2001, ebenfalls sehr von mir geschätzt, ein würziger, fruchtiger Tokaj.

Pinela 2006 vom Vipava Winzer Stekar. Pinela ist eine autochthone Rebsorte, die man nur hier im Vipava-Tal findet. Ein frischer, klarer, mineralischer Wein von elegantem Körper.

Miha Batič - copyright Tom Cannavan

Ich habe noch einige Flaschen Pinela 2004 von Batič in meinem Keller; auch diese sind ein gefälliges Beispiel für Weine aus dieser nur in Slowenien vertretenen Rebsorte.
 


Burja (nach dem Bora-Wind benannt). Im Winter ist die Burja eine Plage im Vipara Tal. Sie kann mit bis zu 200 km/h wehen! Deshalb sind die Dächer mit dicken Ziegeln gedeckt, die zusätzlich noch mit Steinen befestigt werden. Primož Lavrenčič vom Gut  Sutor hat eine hervorragende Cuvée geschaffen, die nach diesem Wind benannt wurde. Der Mischsatz aus Malvasia, Rebula (lokale Spielarten) und (Welsch-) Riesling Italico ist kraftvoll im Duft (exotische Früchte, Birnen und Limone), frisch und von schönem Körper. Im Abgang cremig und lang.


Pinot Noir von Marjan Simčič 2005, reiche Duftnoten: Waldfrüchte, intensives Aroma von schwarzen Johannisbeeren und Noten von schwarzem Pfeffer.

Aleš Kristančič, copyright Tom Cannavan

Der charismatische  Aleš Kristančič ist der “Star” unter den slowenischen Winzern. Sein Gut Movia wird allgemein hoch gelobt. Wir probierten den  Veliko Belo (Great white), ein Mischsatz aus  Rebula, Sauvignon und Pinot Gris, der vier Jahre (!) in neuen Eichenfässern gereift wurde. Der komplexe Duft (Melone, Pfeffer, tropische Früchte, Gras und Vanille) leitet über zu einer ausgewogenen Harmonie im Geschmack, voller Eleganz und mineralischer Frische.
 
 
Puro (pure…) ist eines von  Movia's Meisterstücken, ein traditioneller Schaumwein (ausschließlich Pinot Noir), der niemals degorgiert wurde. Das bedeutet, dass alle Rückstände noch unter dem Korken sitzen.

Movia erfand ein spezielles System, um die Flaschen zu öffnen und den Wein von den Hefen zu befreien... Die Flasche muss immer auf dem Kopf stehend aufbewahrt werden, selbst beim Transport, sodass die Hefen sich im Hals, nah am Korken absetzen. Dann steckt man die Flasche mit dem Hals nach unten in einen Eimer voll Wasser, öffnet den Korken unter Wasser, zieht die Flasche blitzschnell heraus und dreht sie um. Das ganze Sediment und ein wenig Wein bleiben im Eimer, während der klare Wein eingeschenkt werden kann. So hat man den reinen Weingeschmack im Glas, ohne Zusatzstoffe oder Versand-Likör. Kraftvoll und erfrischend.


die Weinberge von Movia copyright: Tom Cannavan



Das Gut von  Stojan Ščurek ist für seine natürlichen Chardonnays bekannt, leicht oxydatif aber sehr angenehm im Geschmack.                                           

Mike Tommasi



Ps von mir:
Ein besonderer Wein aus der Produktion von Ščurek heißt UP, was auf Slowenisch Hoffnung heißt, aber auch U.P. gleich "langsam genießen" bedeuten kann - womit der Kreis zu Slow Food wieder geschlossen wäre.

Das und viele weitere interessante Informationen über die hier genannten Winzer und einige andere findet man auch auf der sehr gut gemachten Seite des britischen Wein-Online-Journalisten Tom Cannavan, der mir die freundliche Erlaubnis gab, einige seiner Fotos aus einer zweiteiligen Serie (Teil 1), (Teil 2) mit dem Titel Slovenian eXtremes zu verwenden. Dort kann man auch zahlreiche Verkostungsnotizen zu weiteren slowenischen Weinen lesen.


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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Weinrallye
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commentaires

lamiacucina 17/11/2008 10:14

um die Nationalhymne beneide ich dieses Land, schade, dass hier die Weine kaum erhältlich sind. Danke für die Vermittlung dieses Beitrags, der eine Lücke auf der Weinlandkarte schliesst.

Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

Begleiten Sie mich also auf dem Weg durchs Winzerjahr. Hinterlassen Sie Ihre Kommentare oder stellen Ihre Fragen, damit aus diesem Blog ein lebendiges Kommunikationsmittel wird.

Ihre Iris Rutz-Rudel


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