Weine der letzten EU-Beitrittsländer, das ist das Thema, das uns
Svetlana Kittke aus Berlin für diese 17. Weinrallye am 17. November gestellt hat. für
mich hier im Süden Frankreichs, eine harte Nuss, denn ich kann mir kaum vorstellen, dass ich da bei örtlichen Weinhändlern fündig werden könnte - und auf billige Discounterware habe ich keine
Lust.
Da ich aber als überzeugte Europäerin ein so schön internationales Thema nicht an mir vorbeigehen
lassen konnte, habe ich mal scharf nachgedacht, den Ausweg verworfen, einfach die Tokaj-Verkostung aus der Vendée aufzuwärmen (obwohl die auch sehr interessant war, aber über diesen wohl seit
langem bekanntesten Wein Ungarns berichten sicher noch andere Rallyeteilnehmer) und mich auf eine andere internationale Verbindung besonnen, die ich zur Hilfe rufen
könnte.
Also habe ich Mike Tommasi um einen Gastbeitrag gebeten. Er ist bei französischen
Weinbloggern nicht nur wegen seiner Webseite thewineblog.net bekannt, einer internationalen Community Seite für Weinblogger,
sondern vielen auch als unermüdlicher ehrenamtlicher Mitarbeiter und Mitbegründer von Slow Food France, dessen Convivium in der
Provence Côte d'Azur er seit vielen Jahren
leitet und zu einem der aktivsten gemacht hat.
Leicht hat er es mir nicht gemacht, denn als anglo-Italiener, der vor 18 Jahren mit seiner Familie aus Kanada nach Franrkeich kam, hat er mir den Text
mal eben auf Englisch geschickt, den ich dann übersetzen und mit ein paar Illustrationen und zusätzlichen Links versehen durfte.
Man findet ihn natürlich auch auf Facebook, wo ich mir sein Bild ausgeliehen habe, damit man weiß,
wer mein heutiger Ghost(Gast)writer ist:-):
Wein aus Slowenien - von
Mike Tommasi
.
Ich wüsste wenig über slowenische Weine, wenn es da nicht meinen Freund Tomaž Sršen gäbe, ehemaliger
Bassist bei Martin Krpan, der slowenischen Top-Rockgruppe und heute der bekannteste Wein und Gastronomiekritiker des Landes, der auch den Führer durch die 100 besten
slowenischen Restaurants geschrieben hat. Von ihm stammen auch einige der Kommentare weiter unten von Weinen, die wir zusammen verkostet haben.
Dank ihm habe ich so gute Top-Restaurants wie das der Familie Carman Gostilna pri Danilu in Škofja Loka, ganz nah bei Ljubljana, und Pri Lojzetu im Schloß von
Zemono im Vipava Tal kennengelernt. Er hat mir auch die Webseite über slowenische Weine empfohlen. Sloweinen…
das einzige Land der Welt, dessen Nationalhymne
ein Trinklied (Zdravljica) ist.
Aufgrund meiner Tätigkeit bin ich ein häufiger Gast in Slowenien, aber vor allem Neulinge können
kaum glauben, das dies einmal Jugoslawien war: der Lebensstandart ähnelt dem von Westeuropa, man ist Lichtjahre von den ehemaligen Sowjet-Satteliten entfernt, es ist das einzige Land des alten
Ostblocks, das so schnell in die Euro-Zone aufgenommen wurde. Slowenien ist ein sehenswertes Land, wie die Schweiz
mit Alpenpanorama aber dazu noch einem Teil der Adria-Küste mit ihrer tiefblauen See. Und, was noch besser ist: man kann hier wirklich gut essen, mit jungen Küchenchefs,
die sehr kreativ sind und in der Lage, intelligent und mit viel Geschmack lokale Tradition und Innovationen in Einklang zu bringen.
Was den Wein betrifft und mit Frankreich verglichen, kann man in ein paar Stunden Fahrt von
heißen Küstenzonen, die an Bandol erinnern über Burgund ähnliche Klimazonen im Vipava Tal schließlich in den östlichen Regionen sich schon in das Elsass versetzt
fühlen.
Die westliche Region Primorje umschließt das küstennahe Koper und, meine Lieblingsgegenden, die kühleren Bereiche von
Brda und Vipava. Zu den Koper Küstenweinen passt die Analogie zu Bandol und der Provence perfekt, bis hin zur Burja (die in Triest Bora genannt wird)
einem kalten trockenen und heftigen Wind, der meteorologisch dem Mistral sehr ähnlich ist. Hier ist Rotwein-Land, dominiert von der Sorte Refosk. Ich kenne mich noch wenig
im östlichen Bereich aus, in Podravje und Posavje, Rieslingland, wo es sogar Botrytis gibt, da habe ich für meine nächsten Besuche noch viel zu entdecken...
Goriska Brda ist die Fortsetzung der italienischen Collio Gegend, mit ähnlichen Rebsorten –
Rebula ( Ribolla auf der anderen Seite der Grenze), Pinot Blanc und Gris, und das, was ich TGFKA nenne, die Rebsorte, die früher als Tocai bekannt war und nun gezwungen wurde, sich Furlanski oder so ähnlich zu nennen, um die ungarische Appellationen gleichen Namens zu schützen.
Im nahegelegenen Vipava Tal findet man die
gleichen Reben, dazu Malvazija und die interessante Pinela. Es gibt natürlich auch den üblichen Chardonnay und den unvermeidlichen Cabernet Sauvignon, aber Slowenien
entwickelt seine besten Terroirs mit lokalen Sorten weiter. Auf diesen frischen Lagen an den Ausläufern der Alpen findet man tief komplexe, frische, natürliche Weine, die von
empfindsamen Winzern mit leichter Hand gemacht werden. Die weißen sind bemerkenswerter. Es ist klar, dass slowenische Winzer in engem Kontakt mit den revolutionäreren Winzern aus dem Friuli
stehen, wie mit Radikon und Gravner, mit all denen, die mit leichterer Hand vinifizierte, frischere Weine mit wenig Schwefel und ohne andere Zusatzstoffe
bevorzugen.
Einige Weine, die ich kennenlernen durfte:
Ein Schaumwein von Bjana, soweit ich weiß eine klassische Methode aus Pinot Noir. Aus einem
Gut mit 3ha und geringen Ertragsmengen aus dem kühlen Klima Brda, mit hervorragender Säurestruktur und diskreten, feinen Perlen mit viel Eleganz.
Rebula 2003 von Valter Sirk, auch aus der
Goriška Brda Appellation. Rebula Trauben ergeben Weine mit Frucht- und Zitrusnoten.
Tokaj 2002 vom exzellenten Edi Simčič ist einer meiner Lieblingsweine. Ich traf Alex
Simčič in London, er stellte sich an diesem Abend vor, in dem er sagte, dass er glaubt, dass sich ein Winzer darauf beschränken sollte, die Natur zu begleiten, darauf zu achten, dass im
Weinberg und im Keller alles gut verläuft, weil es eine Schande wäre, das Produkt einer guten Lage durch zu drastische Eingriffe zu verfälschen. Sein Wein ist der Beweis dieser Philosophie, der
Tokaj ist intensiv, mit deutlichen Noten von Rosen und Lychies, tadellos ausgewogen und sehr fein.
Ein Duett aus Cabernet Sauvignon und Merlot von Edi Simčič, sehr feine und sparsame Holznote,
komplex und sehr elegant, mit seinen 18€ besser als manche Super-Toskaner, die 10mal mehr kosten, luftig, ohne ekzessive Eiche, einfach köstlich.
Kras 1998 von Renčel, ein Süßwein aus luftgetrockneten Malvazija
Trauben.
Valter Mlečnik - Rebula 2001, ebenfalls sehr von mir geschätzt, ein würziger, fruchtiger
Tokaj.
Pinela 2006 vom Vipava Winzer Stekar.
Pinela ist eine autochthone Rebsorte, die man nur hier im Vipava-Tal findet. Ein frischer, klarer, mineralischer Wein von elegantem Körper.
Ich habe noch einige Flaschen Pinela 2004 von Batič in meinem Keller; auch diese sind ein gefälliges
Beispiel für Weine aus dieser nur in Slowenien vertretenen Rebsorte.
Burja (nach dem Bora-Wind benannt). Im Winter
ist die Burja eine Plage im Vipara Tal. Sie kann mit bis zu 200 km/h wehen! Deshalb sind die Dächer mit dicken Ziegeln gedeckt, die zusätzlich noch mit Steinen befestigt werden.
Primož Lavrenčič vom Gut Sutor hat eine hervorragende Cuvée geschaffen, die nach diesem Wind benannt wurde. Der Mischsatz aus
Malvasia, Rebula (lokale Spielarten) und (Welsch-) Riesling Italico ist kraftvoll im Duft (exotische Früchte, Birnen und Limone), frisch und von schönem Körper. Im Abgang cremig
und lang.
Pinot Noir von Marjan Simčič 2005,
reiche Duftnoten: Waldfrüchte, intensives Aroma von schwarzen Johannisbeeren und Noten von schwarzem Pfeffer.
Der charismatische Aleš Kristančič ist der “Star” unter den slowenischen Winzern. Sein Gut
Movia wird allgemein hoch gelobt. Wir probierten den Veliko Belo (Great white), ein Mischsatz aus Rebula, Sauvignon und Pinot Gris,
der vier Jahre (!) in neuen Eichenfässern gereift wurde. Der komplexe Duft (Melone, Pfeffer, tropische Früchte, Gras und Vanille) leitet über zu einer ausgewogenen Harmonie im Geschmack, voller
Eleganz und mineralischer Frische.
Puro (pure…) ist eines von Movia's Meisterstücken, ein traditioneller Schaumwein
(ausschließlich Pinot Noir), der niemals degorgiert wurde. Das bedeutet, dass alle Rückstände noch unter dem Korken sitzen.
Movia erfand ein spezielles System, um die Flaschen zu öffnen und den Wein von den Hefen zu
befreien... Die Flasche muss immer auf dem Kopf stehend aufbewahrt werden, selbst beim Transport, sodass die Hefen sich im Hals, nah am Korken absetzen. Dann steckt man die Flasche mit dem Hals
nach unten in einen Eimer voll Wasser, öffnet den Korken unter Wasser, zieht die Flasche blitzschnell heraus und dreht sie um. Das ganze Sediment und ein wenig Wein bleiben im Eimer, während
der klare Wein eingeschenkt werden kann. So hat man den reinen Weingeschmack im Glas, ohne Zusatzstoffe oder Versand-Likör. Kraftvoll und erfrischend.
Das Gut von Stojan Ščurek ist für seine natürlichen
Chardonnays bekannt, leicht oxydatif aber sehr angenehm im
Geschmack.
Mike Tommasi
Ps von mir:
Ein besonderer Wein aus der Produktion von Ščurek heißt UP, was auf Slowenisch
Hoffnung heißt, aber auch U.P. gleich "langsam genießen" bedeuten kann - womit der Kreis zu Slow Food wieder geschlossen wäre.
Das und viele weitere interessante Informationen über die hier genannten Winzer und einige andere
findet man auch auf der sehr gut gemachten Seite des britischen Wein-Online-Journalisten Tom Cannavan, der mir die freundliche Erlaubnis gab, einige seiner Fotos aus einer zweiteiligen
Serie (Teil 1), (Teil 2) mit dem Titel Slovenian
eXtremes zu verwenden. Dort kann man auch zahlreiche Verkostungsnotizen zu weiteren slowenischen Weinen lesen.
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