Es ist wieder einmal geschafft: wie haben die letzten Trauben dieses Jahrgangs, vor 4 Tagen geerntet
die in den letzten Wochen endlich von einem traumhaften Herbstwetter mit zwar kühlen Nächsten, aber sonnigen, trockenen Tagen profitierten.
Wie üblich handelte es sich um unsere Rebsorte Mourvèdre, eine spätreife Sorte, die eine lange, trockene Nachsaison mit viel Sonnenschein benötigt, um ihre volle Reife zu erlangen.
Und nach drei Nächten, in denen wir nun wieder ruhiger schlafen konnten als in den Wochen davor, finde ich
auch wieder die Ruhe und Muße, über die Ernte 2008 zu berichten.
Selbst wenn sich im Weinberg wie in der Natur kein Jahrgang gleicht, so war 2008 doch ein merkwürdiges Jahr. Man konnte das ganze Jahr über die Klagen der französischen Winzer lesen
(mit Ausnahme derjenigen des Roussillon - das diesmal durch sein extrem trockenes Klima eine Sondrstellung hatte) die Wechselhaftigkeit und die Kapriolen des Wetters stellten alle auf
eine harte Probe.
Und selbst wenn bei uns im Hinterland des Hérault der Beginn der Saison weniger nass und durchtränkt war, als in Bordeaux oder der Champagne, auch wenn wir nicht unter Frost zu
leiden hatten, wie im Westen Frankreichs, so war das Klima im Frühling doch feuchter und kühler als normal, was die Blüte teilweise behinderte und bei vielen Rebsorten zu starkem
Verrieseln führte. Daraus resultierten weniger kompakte Trauben, da sich nicht alle Beeren ausbilden konnten - Nachteil: eine geringere Erntemenge - Vorteil:
eine bessere Durchlüftung der Trauben, also bei scglechten Witterungsbedingungen geringeres Fäulnisrisiko.
In allen Weinbauregionen Frankreichs war allerdings in diesem Jahr der falsche Mehltau (Perenospona) allgegenwärtig, der durch Regen und
anschließend andauernde Durchfeuchtung der Blattzonen gefördert wird. Wir konnten auch bei uns auftretende Herde durch eine Kupferkalkspritzung im Juli stoppen. Die Pilzkrankheit vernichtete allerding doch einige Traubengescheine,
die im unteren Bereich der Hanglagen nicht vom sonst in unserem Weinberg üblichen Mikroklima profitierten, also weniger schnell abtrocknen konnten. Die gute Exponierung in
Bezug auf Wind und Sonne am Hang erlaubt es uns normalerweise, das Risiko einzugehen, nur sehr selten zu Kontaktspritzmitteln zu greifen (die immer nur aus Kupferkalk und
Schwefel bestehen - da aber auch Kupfer im Boden nur schlecht abgebaut werden kann, versuchen wir, jährlich nicht mehr als maximal 2 kg Kupfer pro Hektar zum Einsatz zu
bringen). Resultat dieses Problems: da unsere Reben durch den rigorös kurzen Rebschnitt eh nur wenige Trauben tragen, sorgte der zusätzliche Ausfall dazu, dass ein Ausdünnen
der Trauben durch die sogenannte "Grünernte", die wir manchmal im Sommer durchführen, nicht notwendig war.
Im Endeffekt erholte sich aber das Weinlaub sehr gut von dem ersten Befall und die Reben entwickelten weiter ein gesundes Wachstum mit viel Grün bis zur Ernte, das wieder eine gute Reife
ermöglichte. Regen, der auf unseren kargen Hängen im Sommer sonst eigentlich von Zeit zu Zeit sehr willkommen ist, wenn er nicht zu heftig und weiträumig verteilt fällt, gab es auch weiter
im Sommer, zum Glück aber immer gefolgt von kräftigem Nord-Westwind. Da unsere Böden durch ihre natürliche Dauerbegrünung gut vor Erosion geschützt sind, hatten wir keine Schäden -
nur etwas mehr Arbeit als sonst, um die Weinstöcke mehrmals durch sorgfältigen Einsatz der Motorsense vor einer zu starken
Konkurrenz unserer zahlreichen Kräutern zu schützen, die zwar auch den Reichtum der Lagen ausmachen, bei Gängen durch die Rebzeilen ihren würzigen Duft verbreiten, aber eben auch nicht überhand
nehmen sollten.
Wir hatten Glück mit dem Hagel, der im Gebiet von Faugères (30 km Luftlinie) 300 ha kurz vor der Ernte vernichtete. Die
Pinottrauben, die wie alle anderen Sorten zunächst einen Entwicklungsrückstand von 10 bis 14 Tagen im Vergleich zum Vorjahr aufwiesen, holten diesen im Laufe des Sommers auf und waren fast
zur gleichen Zeit wie sonst erntebereit (Anfang September).
Auch die anderen Rebsorten (die zwei Cabernetsorten, Côt, Merlot und petit Verdot) lagen nach dem schönen Wetter ab 5. September mit ihren Erntedaten in der dritten und der vierten
Septemberwoche durchaus im Durchschnitt vergangener Jahre. Leider hatten hier einige traubenhungrige Dachse den Weg unter dem Elekrozaun hindurch gefunden und richteten doch
erheblichen Schaden an. Zum Glück erwiesen sich die Zäune aber als wildschweinfest, so dass diese großen Schädlinge diesmal ihren Frust nur auf den Wegen und in den umliegenden Terrassen
austoben konnten - was sie auch ausgiebig taten...
Die einzige Rebsorte, auf die wir in diesem Jahr länger warteten (und aufgrund des guten Wetters auch ruhig warten konnten, siehe oben), war der Mourvèdre. Und so war er es, der am meisten von
Sonnnenschein und angenehm kühleren Nächten der letzten drei Wochen profitierte. Die Trauben, die nun im Tank eingemaischt sind, waren von exemplarischer Gesundheit und der Saft, der nach unserer
Mostwaage potentielle 15° Alkohol aufwies, wird bald von seinen natürlichen Hefen gesteuert in Gärung treten....
Insgesamt war es ruhig im Weinberg während dieser großräumig verteilten Erntetage 2008. Wir hatten uns dafür entschieden, in ganz kleiner Besetzung zu ernten - zu zweit - da
in diesem Jahr zu keinem Zeitpunkt eine besondere Eile aufgrund von Schlechtwetterprognosen geboten war, die sonst oft der Grund sind, die "Hilfstruppen" zu rufen.
Das hat den Vorteil, dass ich die Arbeit der Traubenauslese, die sonst oft erst vor dem Einmaischen im Keller abläuft, diesmal direkt im Weinberg vornehmen konnte, ohne ernst neuen
oder unerfahreneren Erntehelfern erklären zu müssen, woran man eine "gute" von einer "schlechten" Traube unterscheidet. (Normalerweise gebe ich die Devise aus: was man nicht
ins "Kröpfchen" tun wollte, sollte man auch nicht ins "Töpfchen" werfen). Oft haben unsere Helfer angesichts der sowieso meist schon so geringen Erntemengen Skrupel, nicht
ganz einwandfreie Trauben einfach zu Boden zu werfen und lange Reihen für einen Eimer oder eine Kiste abzulaufen.
Also diesmal keine zusätzliche Auslese " sur table" wie ich
ihn im letzten Jahr beim Pinot durchführen musste.
Beim Ablauf unserer Handlese in den kleinen 12 kg fassenden Kisten ist der
Transport hinunter zum Haus mit dem Rampi-Car (unserer kleinen, handgesteuerten Kettenraupe) immer eine kleine Reise. Der Blick auf die Landschaft und über die Täler ist eine
willkommene Erholung, wenn man beim Traubenschneiden mal den Rücken dehnen muss und entschädigt für einige Schmerzen (die Erde liegt tief - la terre est basse - wie die Bauern
hier sagen - und unsere in ca 35 cm vom Boden geformten Rebstöcke liegen scheinbar noch tiefer...). Für die entsprechenden Bilder kann ich jetzt schon auf die Archive aus drei
Jahren Blog von Lisson verweisen. In über 180 Artikeln erzählen sie von unserer Arbeit, unseren Problemen und Freuden und erlauben es, auch die Ernten seit 2005 zurück zu
verfolgen.
Die Artikel über die Weinernten der Jahrgänge 2005 und 2007 findet man in der Kategorie : im Weinberg in der linken Spalte dieses Blogs.
Eine kleine Diaschau mit Bildern der Weinernte 2008 finden sie hier.
sie können auf das Bild klicken, um es größer zu sehen
Aber doch noch ein Bild zum Abschluss - ich habe es an dem Nachmittag aufgenommen, an dem ich alleine den petit Verdot im Clos des Cèdres geerntet
hatte - und versprochen, ich werde auch die Geschichte von dem ganz speziellen Erholungsspaziergang, der mich auf diesen fantastischen Aussichtspunt führte,
nachliefern!
Par Iris Rutz-Rudel
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Publié dans : Arbeit im Weinberg
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