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4 octobre 2008 6 04 /10 /octobre /2008 18:06
Es ist wieder einmal geschafft: wie haben die letzten Trauben dieses Jahrgangs, vor 4 Tagen geerntet die in den letzten Wochen endlich von einem traumhaften Herbstwetter mit zwar kühlen Nächsten, aber sonnigen, trockenen Tagen profitierten.

Wie üblich handelte es sich um unsere Rebsorte  Mourvèdre, eine spätreife Sorte, die eine lange, trockene Nachsaison mit viel Sonnenschein benötigt, um ihre volle Reife zu erlangen.

Und nach drei Nächten, in denen wir nun wieder ruhiger schlafen konnten als in den Wochen davor, finde ich auch wieder die Ruhe und Muße, über die Ernte 2008 zu berichten.

Selbst wenn sich im Weinberg wie in der Natur kein Jahrgang gleicht, so war 2008 doch ein merkwürdiges Jahr.  Man konnte das ganze Jahr über die Klagen der französischen Winzer lesen (mit Ausnahme derjenigen des Roussillon - das diesmal durch sein extrem trockenes Klima eine Sondrstellung hatte)   die Wechselhaftigkeit und die Kapriolen des Wetters stellten alle auf eine harte Probe.

Und selbst wenn bei uns im Hinterland des Hérault der Beginn der Saison weniger nass und durchtränkt war, als in Bordeaux oder der Champagne, auch wenn wir nicht unter Frost zu leiden hatten, wie im Westen Frankreichs, so war das Klima im Frühling doch feuchter und kühler als normal, was die Blüte teilweise behinderte und bei vielen Rebsorten zu starkem Verrieseln führte.  Daraus resultierten weniger kompakte Trauben, da sich nicht alle Beeren ausbilden konnten - Nachteil: eine geringere Erntemenge - Vorteil: eine bessere Durchlüftung der Trauben, also bei scglechten Witterungsbedingungen geringeres Fäulnisrisiko.

In allen Weinbauregionen Frankreichs war allerdings in diesem Jahr der falsche Mehltau (Perenospona) allgegenwärtig, der durch Regen und anschließend andauernde Durchfeuchtung der Blattzonen gefördert wird. Wir konnten auch bei uns auftretende Herde durch eine Kupferkalkspritzung   im Juli stoppen. Die Pilzkrankheit vernichtete allerding doch   einige Traubengescheine, die im unteren Bereich der Hanglagen  nicht vom sonst in unserem Weinberg üblichen Mikroklima profitierten,  also weniger schnell abtrocknen konnten. Die gute Exponierung in Bezug auf Wind und Sonne am Hang erlaubt es uns normalerweise, das Risiko einzugehen, nur sehr selten zu Kontaktspritzmitteln zu greifen (die immer nur aus Kupferkalk und Schwefel bestehen - da aber auch Kupfer im Boden nur schlecht abgebaut werden kann, versuchen wir, jährlich nicht mehr als maximal 2 kg Kupfer pro Hektar zum Einsatz zu  bringen).  Resultat dieses Problems: da unsere Reben durch den rigorös kurzen Rebschnitt eh nur wenige Trauben tragen, sorgte der zusätzliche Ausfall dazu, dass ein Ausdünnen der Trauben durch die sogenannte "Grünernte", die wir manchmal im Sommer durchführen, nicht notwendig war.

Im Endeffekt erholte sich aber das Weinlaub sehr gut von dem ersten Befall und die Reben entwickelten weiter ein gesundes Wachstum mit viel Grün bis zur Ernte, das wieder eine gute Reife ermöglichte. Regen, der auf unseren kargen Hängen im Sommer sonst eigentlich von Zeit zu Zeit sehr willkommen ist, wenn er nicht zu heftig und weiträumig verteilt fällt, gab es auch weiter im Sommer, zum Glück aber immer gefolgt von kräftigem Nord-Westwind. Da unsere Böden durch ihre natürliche Dauerbegrünung gut vor Erosion geschützt sind, hatten wir keine Schäden - nur etwas mehr Arbeit als sonst, um die Weinstöcke mehrmals durch sorgfältigen Einsatz der Motorsense vor einer zu starken Konkurrenz unserer zahlreichen Kräutern zu schützen, die zwar auch den Reichtum der Lagen ausmachen, bei Gängen durch die Rebzeilen ihren würzigen Duft verbreiten, aber eben auch nicht überhand nehmen sollten.

Wir hatten Glück mit dem Hagel, der im Gebiet von Faugères (30 km Luftlinie) 300 ha kurz vor der Ernte vernichtete. Die Pinottrauben, die wie alle anderen Sorten zunächst einen Entwicklungsrückstand von 10 bis 14 Tagen im Vergleich zum Vorjahr aufwiesen, holten diesen im Laufe des Sommers auf und waren fast zur gleichen Zeit wie sonst erntebereit (Anfang September).

Auch die anderen Rebsorten (die zwei Cabernetsorten, Côt, Merlot und petit Verdot) lagen nach dem schönen Wetter ab 5. September mit ihren Erntedaten in der dritten und der vierten Septemberwoche durchaus im Durchschnitt vergangener Jahre.  Leider hatten hier einige traubenhungrige Dachse den Weg unter dem Elekrozaun hindurch gefunden und richteten doch erheblichen Schaden an. Zum Glück erwiesen sich die Zäune aber als wildschweinfest, so dass diese großen Schädlinge diesmal ihren Frust nur auf den Wegen und in den umliegenden Terrassen austoben konnten - was sie auch ausgiebig taten...

Die einzige Rebsorte, auf die wir in diesem Jahr länger warteten (und aufgrund des guten Wetters auch ruhig warten konnten, siehe oben), war der Mourvèdre. Und so war er es, der am meisten von Sonnnenschein und angenehm kühleren Nächten der letzten drei Wochen profitierte. Die Trauben, die nun im Tank eingemaischt sind, waren von exemplarischer Gesundheit und der Saft, der nach unserer Mostwaage potentielle 15° Alkohol aufwies, wird bald von seinen natürlichen Hefen gesteuert in Gärung treten....

Insgesamt war es ruhig im Weinberg während dieser großräumig verteilten Erntetage 2008. Wir hatten uns dafür entschieden, in ganz kleiner Besetzung zu ernten - zu zweit - da in diesem Jahr zu keinem Zeitpunkt eine besondere Eile aufgrund von Schlechtwetterprognosen geboten war, die sonst oft der Grund sind, die "Hilfstruppen" zu rufen.

Das hat den Vorteil, dass ich die Arbeit der Traubenauslese, die sonst oft erst vor dem Einmaischen im Keller abläuft, diesmal direkt im Weinberg vornehmen konnte, ohne ernst neuen oder unerfahreneren Erntehelfern erklären zu müssen, woran man eine "gute" von einer "schlechten" Traube unterscheidet.  (Normalerweise gebe ich die Devise aus: was man nicht ins "Kröpfchen" tun wollte, sollte man auch nicht ins "Töpfchen" werfen).  Oft haben unsere Helfer angesichts der sowieso meist schon so geringen Erntemengen Skrupel, nicht ganz einwandfreie Trauben einfach zu Boden zu werfen und lange Reihen für einen Eimer oder eine Kiste abzulaufen.

Also diesmal keine zusätzliche Auslese " sur table" wie ich ihn im letzten Jahr beim Pinot durchführen musste.

Beim  Ablauf unserer Handlese in den kleinen 12 kg fassenden Kisten ist der Transport hinunter zum Haus mit dem Rampi-Car (unserer kleinen, handgesteuerten Kettenraupe) immer eine kleine Reise. Der Blick auf die Landschaft und über die Täler ist eine willkommene Erholung, wenn man beim Traubenschneiden mal den Rücken dehnen muss und entschädigt für einige Schmerzen (die Erde  liegt tief  - la terre est basse - wie die Bauern hier sagen - und unsere in ca 35 cm vom Boden geformten Rebstöcke liegen scheinbar noch tiefer...). Für die entsprechenden Bilder kann ich jetzt schon auf die Archive aus drei Jahren Blog von Lisson verweisen. In über 180 Artikeln erzählen sie von unserer Arbeit, unseren Problemen und Freuden und erlauben es, auch die Ernten seit 2005 zurück zu verfolgen.

Die Artikel über die Weinernten der Jahrgänge   2005 und 2007 findet man in der Kategorie : im Weinberg in der linken Spalte dieses Blogs. 

Eine kleine Diaschau mit Bildern der Weinernte 2008 finden sie   hier.


sie können auf das Bild klicken, um es größer zu sehen

Aber doch noch ein Bild zum Abschluss - ich habe es an dem Nachmittag aufgenommen, an dem ich alleine den petit Verdot im Clos des Cèdres geerntet hatte - und versprochen, ich werde auch die Geschichte von dem ganz speziellen Erholungsspaziergang, der mich auf diesen fantastischen Aussichtspunt führte, nachliefern!




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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Arbeit im Weinberg
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commentaires

Wolf 07/10/2008 14:20

Schöner Bericht, finde ich auch.

Peter 06/10/2008 20:41

Danke Iris für den sehr anschaulichen Bericht. Als wären wir dabei gewesen....

Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

Begleiten Sie mich also auf dem Weg durchs Winzerjahr. Hinterlassen Sie Ihre Kommentare oder stellen Ihre Fragen, damit aus diesem Blog ein lebendiges Kommunikationsmittel wird.

Ihre Iris Rutz-Rudel


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