so muss ich doch sagen, dass ich nie wirklich glücklich bin, wenn es sich nicht mehr vermeiden lässt, diese Farbe auch in unserem
Weinberg auszubringen. Das heisst dann nämlich, dass die Pilzkrankheiten wie Mildiou (falscher Mehltau) und Oidium (Mehltau) die Pflanzen zu stark gefährden, um weiter unserem Prinzip des Nicht-Spritzens zu folgen,
mit dem wir schon weit über die Praxis offiziell kontrollierter Bio-Betriebe hinausgehen - von anderen Schulen den klassischeren Weinbaus, wie integrierter oder
naturnaher, oder der noch am weitesten verbreiteten konventionellen Chemiemethode gar nicht erst zu reden.
Und so musste dann am 16 Juli mein blue man Klaus doch noch einmal ausrücken, um die blaue Mischung aus Kupferkalk und
Schwefel auszubringen. Obwohl diese Mittel weniger agressiv sind, als die systemischen Spritzmittel, die seit Beginn der Wachstumssaison hier alle 11 bis 15 Tage von den anderen Weinbauern
ausgebracht werden, schütz er sich dabei auch lieber mit einem Helm Marke Eigenbau mit Filter, eingebauter Lüftung (und MPs-Player) gegen den Sprühnebel.
Eigenbauschutzhelm
Aufbruch mit Spritzmaterial
Die blaue Farbe färbt dabei auch nach und nach Hemdrücken und Hose - Schuld daran bin ich, da ich mit meinen 1 Meter 60
leider zu klein bin, um alle paar Minuten den Tank der Rückenmaschine im fliegenden Wechsel mit einem Eimer neu zu füllen, ohne ausgiebig zu kleckern.
Auch die Tonne auf dem Rampi-Car, in der wir das Wasser für die jedesmal frisch angerührte Mischung ins Gelände transportieren, ist blau... Da aber auch mit diesem wendigen Gerät
längst nicht alle Terrassen zugänglich sind, steht am Ende immer der Transport zu Fuss mit dem 10 L Eimer, um den Tank nachzufüllen, ohne dass der Sprayer noch zusätzlich laufen oder die
Maschine jedesmal absetzen, ausschalten, anwerfen und mit Füllgewicht wieder auf den Rücken wuchten muss.
blaue Hose
Die Kupfermenge, die wir in diesem Jahr
insgesamt in unserem Weinberg ausgebracht haben, beträgt ungefähr 2 kg/ha - damit bleiben wir schon weit unter den im 3 jährigen Mittel erlaubten 6 kg/ha, die inzwischen
europaweit in den meisten Pflichtenheften des Bioanbaus angestrebt werden. Da Kupfer ein Element ist, dass sich im Boden anreichert und schwer abbaubar ist, ziehen wir es vor,
dieses Risiko einzugehen - und bezahlen diese Risikobereitschaft natürlich auch in manchen Jahren durch Mengenverlust bei den Trauben, wenn der falsche Mehltau, der Blätter und
Trauben angreift, besonders stark präsent ist.
Zum Glück helfen uns andere Massnahmen, wie der strenge Schnitt unserer Reben, der zu dichter Vegetation vorbeugt, die gute Durchlüftung durch die Hanglage, Laubarbeiten, wenn nötig und ein Verzicht auf künstliche Düngung und kontrollierte Dauerbegrünung, das Risiko
einzudämmen.
In diesem Jahr waren die klimatischen Verhältnisse allerdings mit feucht-kühlem Frühjahr, spätem und
instabilem Sommerwetter und häufigen Gewittern nicht sehr vorteilhaft und so kam es leider bei einigen
Rebsorten zu starker Verrieselung bei der Blüte und wir verloren auch Traubenansätze durch eine frühe Mildiou-Attacke - es wird also 2008 nicht nötig sein, die Ertragsmenge
durch eine Grünernte vorzeitig noch zu verringern!
Und jetzt noch eine echte Blue-Man Groupe Musik:
Kommentare