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15 juillet 2008 2 15 /07 /juillet /2008 23:30
Bordeaux Blends outside Bordeaux hieß die Aufgabe, die Mario Scheuermann auf seinem Bordeaux-Blog für diese 13. Weinrallye ausgesucht hat.

Es geht darum Rotweine im Bordelaiser-Stil zu finden egal woher nur nicht aus einer der Bordelaiser Appellationen.

Wobei dann als erschwerende Aufgabe hinzukam, dass der Mischsatz mindestens aus 3 der 5 heute noch üblichen Rebsorten bestehen sollte.

Soweit, so gut, wenn man in Lisson winzert, auch nicht zu schwierig, dennn all diese Rebsorten wachsen in unserem Weinberg und werden auch jedes Jahr, soweit bei der Ernte noch vorhanden (siehe Wildschweine) in der Cuvée Les Échelles de Lisson, assembliert.

Kaum war der Aufruf erschienen, ging schon Bewegung durch den Weinblogwald und da fielen dann merkwürdige Begriffe: Nachahmer war noch der harmloseste, Imitate folgten, selbst von Plagiaten war die Rede.

Imitation gilt in der Wirtschaft als Fälschung und Produktpiraterie und Plagiatoren, also Diebe geistigen Eigentums, können sich sogar strafbar machen. Auch Nachahmer, also Produzenten von me-too-Produkten, haben ja eher ein anrüchiges Image (und sind auch unter Bloggern leider keine Seltenheit).

Aber da der Urheber des Themas es eigentlich wertfreier und eher als sportliche Aufgabe gestellt hat, werden wir uns jetzt als Winzer im Languedoc, der in seinen steinigen schieferdominierten Steilhanglagen Lust hatte, zu sehen, was aus diesen, alle als qualitativ hochwertig bekannten Rebsorten in einem Klima werden kann, das zusätzlich noch optimale Reife auch für die Späten dieser Palette garantiert, nicht formalisieren und uns beleidigt in unseren Keller zurückziehen.

Dass es sich bei allen Genannten (Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot, Côt/Malbec und petit Verdot) um traditionsreiche Rebsorten handelt, kann man schon daraus entnehmen, dass ihre Portraits auch in der bekannten Ampelographie von Viala-Vermorel an prominenter Stelle auftauchen.

   


  

Im Weinberg könnte ich sie momentan nur in grünem Zustand portraitieren - dabei dürfte vor allem dieses Foto, das ich zum Größenvergleich zwischen Mourvèdre und Petit Verdot kurz vor der Blüte aufgenommen hatte, sehr gut illustrieren, warum der Verdot mit dem Adjektiv "petit" klein bedacht wurde.

oben: petit Verdot darunter Mourvèdre

Wenn man weiß, dass er ebenso wie der in Bordeaux heute nur noch selten vorkommende Côt oder Malbec, sehr kapriziöse ist, zur Verrieselung neigt und lange Reifezeit braucht - während der Côt zu den frühreiferen Sorten gehört, wegen seiner saftigen, dünnhäutigen Beeren aber sehr empfindlich auf zu wuchskräftige Pfropfunterlagen und damit zu hohe Ertragsmengen mit Fäulnisbildung reagiert, versteht man, warum sie aus dem Rebsortenspiegel der reichen und tiefgründigen Böden Bordeaux nach der Reblausattacke verschwunden sind.

Auf den kargeren Böden rund um Cahor gehört Malbec noch zu den Standartsorten, hier hat er zusammen mit seinen Verwandten Tannat und Negrette zur Renaissance des Vin Noir, des schwarzen Weins vons Cahor geführt. Eine Appellation, die die aus Südamerika, vor allem Argentinien, wohin der Malbec 1868 von einem französischen Agronomen eingeführt wurde, nach Europa zurückschwappende Malbec-Welle geschickt ausnutzt und auf seinen Blackisphère-Blogs ein reges Internetmarketing auch in englischer Sprache betreibt.

Aber zurück nach Lisson. Diesmal fand die Verkostung einmal nicht in letzter Minute am Computer statt, sondern gestern am hellen Nachmittag in Gesellschaft von zwei zufällig gleichzeitig eingetroffenen Besuchergruppen, die mich aus dem Weinberg holten.

Nach Rundgang durch Barrique und Flaschenkeller, wo Rebsorten, Gärung, Ausbau und unsere Art der behutsamen, energieschonenden (außer unserer eigenen:-) und zusatzstoffreien Weinbereitung zweisprachig erläutert wurden  (die Gäste waren ein älteres, sehr ökologisch orientiertes französisches Paar aus einem Nahbardorf, ein seltenes Ereignis - und ein deutsches Touristenpaar mit Kindern und entsprechender Eile...), wurden natürlich ein paar Flaschen geöffnet, um Clos du Curé, Clos des Cèdres und die Échelles de Lisson nicht nur theoretisch kennen zu lernen.



Während der Pinot des Clos du Curé diesmal auch schon in seiner recht jungen Ausgabe von 2005 überraschte, zeigten sich der sonst in seiner Jugend viel verschlossenere Mourvèdre des Clos des Cèdres 2002 und sein noch tiefschwarzere, tanninreicherer Jahrgangsbruder von den "Leitern", den schmalen Terrassen hinterm Haus, auf denen man den Berg erklimmt und auf denen sich, oft nur mit 2 oder 3 Reihen  dicht bepflanzt Côt, Cabernet FrancCabernet Sauvignon folgen, von einer erstaunlich freundlichen Seite.

aufsteigend in den Oliventerrassen: Les Echelles de Lisson

Aber wir wollen ja heute nur vom zweiten sprechen:  Les Échelles 2002 - eine Assemblage aus einer Dominante von Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc, gefolgt von Merlot und Côt/Malbec. Aufgrund der Schweine leider in diesem Jahrgang nicht abgerundet durch den kleinen Beitrag von Petit Verdot, der hoch oben in der Arena des Clos des Cèdres wächst.



Wie schon gesagt: von fast tiefschwarzer Farbe, in der Nase dominiert von Brombeeraromen und würzigen Noten, im Mund dann überraschend weich, samtig, mit guter Säurestruktur, aber schon voll mit der Frucht verschmolzenen Röstnoten, die den 18 monatigen Ausbau in Barriques nur noch ahnen lassen. Im Finale Wildkräuter und schwarze Kirsche - und das Versprechen, dass dieser Wein auch noch in einigen Jahren ein interessanter Partner im Glas sein wird.

Ein weiterer Besucher gesellte sich überraschend zu uns, landete im Gleitflug auf der Flasche, umrundete sie, inspizierte sie von allen Seiten und konnte nur im letzten Moment dran gehindert werden, sich zielstrebig in ihrem Inhalt zu ersäufen. Auf welches der aus der Flasche aufsteigenden Aromen, dieser Gast besonders reagierte, hätte ich gerne gewußt, aber nachdem wir ihn auch ein zweites Mal am Eindringen gehindert hatten, flog er beleidigt davon, ohne uns darüber aufzuklären.

    

Les Échelles de Lisson: kein Bordeaux-Imitat, sondern eher ein von seinem Terroir und unserer Idee eines natürlichen wilden Weins geprägter Tropfen, der hoffentlich in diesem Jahr dank der neuen Elektrozäune einmal wieder alle 5 Rebsorten vereinen wird. Daumen drücken!

Wer Lust auf die Zusammenfassung der anderen Rallyebeiträge hat, kann sich auf Planet Bordeaux beim
Ausrichter informieren.



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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Weinrallye
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commentaires

Swetlana 17/07/2008 13:37

Der unerwartete Besucher sieht mehr als ursteinzeitlich aus. Aber Geschmack muss er/sie/es wohl allemal haben! ;-)  Denn spätestens nach diesem wunderbaren Artikel müssen auch von menschlichen Wesen die Lissonweine geordert und getrunken werden! ;-) Ob nun mit Petit Verdot oder ohne! ;-)

Wolf 16/07/2008 21:23

Liebe Iris, Du und Deine Viecher. Ich werd meinen Kindern erzählen, dass wir in den Zoo gehen :-) Wenn Du uns nach dem "Nachmacher" überhaupt noch haben willst. Hätte ich besser schreiben sollen: Die Inspirierten? LG Wolf

Iris Rutz-Rudel 19/07/2008 10:36


Vielleicht: die "Neugierigen" ?  Besucher auf der Arche Lisson sind auf jeden Fall immer herzlich willkommen - auch wenn sich die Mitreisenden nicht immer so freigiebig zeigen:-)


vinissimus 16/07/2008 12:21

Liebe Iris,recht so mit deiner Feststellung! Welch harte Arbeit zur Erlangung eines guten Weines notwendig ist, haben leider viele Personen noch immer nicht verstanden, wenn sie zum Korkenzieher greifen. Und sich dann noch als "Imitator" udgl. bezeichnen zu lassen, das geht dann doch zu weit.Wie immer ein wundervoll geschriebener Artikel mit Humor!

Iris Rutz-Rudel 19/07/2008 10:42


Nun, ich stelle rufe mir dann ins Gedächtnis, dass die mit dem Korkenzieher ja auch erst irgendwo ihre Brötchen verdienen mussten, ehe sie sich eine Mußestunde mit meinem Wein gönnen können. Wenn
meine Erzählungenaus meinem täglichen Leben dann noch dazu beitragen, ihre Fantasie zu beflügeln, ist ja allen gedient:-)


Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

Begleiten Sie mich also auf dem Weg durchs Winzerjahr. Hinterlassen Sie Ihre Kommentare oder stellen Ihre Fragen, damit aus diesem Blog ein lebendiges Kommunikationsmittel wird.

Ihre Iris Rutz-Rudel


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