Bordeaux Blends
outside Bordeaux hieß die Aufgabe, die Mario Scheuermann auf seinem Bordeaux-Blog für diese 13. Weinrallye ausgesucht
hat.
Es geht darum Rotweine im Bordelaiser-Stil zu finden egal woher nur nicht aus einer der Bordelaiser Appellationen.
Wobei dann als erschwerende Aufgabe hinzukam, dass der Mischsatz mindestens aus 3 der 5 heute noch üblichen Rebsorten bestehen
sollte.
Soweit, so gut, wenn man in Lisson winzert, auch nicht zu schwierig, dennn all diese Rebsorten wachsen in unserem Weinberg und werden auch jedes
Jahr, soweit bei der Ernte noch vorhanden (siehe Wildschweine) in der Cuvée Les Échelles de Lisson, assembliert.
Kaum war der Aufruf erschienen, ging schon Bewegung durch den Weinblogwald und da fielen dann merkwürdige Begriffe: Nachahmer war noch der harmloseste, Imitate folgten, selbst von
Plagiaten war die Rede.
Imitation gilt in der Wirtschaft als Fälschung und Produktpiraterie und Plagiatoren, also Diebe geistigen
Eigentums, können sich sogar strafbar machen. Auch Nachahmer, also Produzenten von me-too-Produkten, haben ja eher ein anrüchiges Image (und sind auch unter Bloggern leider
keine Seltenheit).
Aber da der Urheber des Themas es eigentlich wertfreier und eher als sportliche Aufgabe gestellt hat, werden wir uns jetzt als Winzer im
Languedoc, der in seinen steinigen schieferdominierten Steilhanglagen Lust hatte, zu sehen, was aus diesen, alle als qualitativ hochwertig bekannten Rebsorten in einem Klima werden kann, das
zusätzlich noch optimale Reife auch für die Späten dieser Palette garantiert, nicht formalisieren und uns beleidigt in unseren Keller zurückziehen.
Dass es sich bei allen Genannten (Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot, Côt/Malbec und petit Verdot) um traditionsreiche Rebsorten
handelt, kann man schon daraus entnehmen, dass ihre Portraits auch in der bekannten Ampelographie von Viala-Vermorel an prominenter Stelle auftauchen.
Im Weinberg könnte ich sie momentan nur in grünem Zustand portraitieren - dabei dürfte vor allem dieses Foto, das ich zum
Größenvergleich zwischen Mourvèdre und Petit Verdot kurz vor der Blüte aufgenommen hatte, sehr gut illustrieren, warum der Verdot mit dem Adjektiv "petit" klein bedacht
wurde.
oben: petit Verdot darunter Mourvèdre
Wenn man weiß, dass er ebenso wie der in Bordeaux heute nur noch selten vorkommende Côt oder Malbec, sehr kapriziöse ist, zur Verrieselung neigt und lange
Reifezeit braucht - während der Côt zu den frühreiferen Sorten gehört, wegen seiner saftigen, dünnhäutigen Beeren aber sehr empfindlich auf zu wuchskräftige Pfropfunterlagen und damit zu
hohe Ertragsmengen mit Fäulnisbildung reagiert, versteht man, warum sie aus dem Rebsortenspiegel der reichen und tiefgründigen Böden Bordeaux nach der Reblausattacke verschwunden
sind.
Auf den kargeren Böden rund um Cahor gehört Malbec noch zu den Standartsorten, hier hat er zusammen mit seinen Verwandten
Tannat und Negrette zur Renaissance des Vin Noir, des schwarzen Weins vons Cahor geführt. Eine Appellation, die die aus Südamerika, vor allem Argentinien, wohin der Malbec
1868 von einem französischen Agronomen eingeführt wurde, nach Europa zurückschwappende Malbec-Welle geschickt ausnutzt und auf seinen Blackisphère-Blogs ein reges Internetmarketing auch in englischer Sprache betreibt.
Aber zurück nach Lisson. Diesmal fand die Verkostung einmal nicht in letzter Minute am Computer statt, sondern gestern am hellen
Nachmittag in Gesellschaft von zwei zufällig gleichzeitig eingetroffenen Besuchergruppen, die mich aus dem Weinberg holten.
Nach Rundgang durch Barrique und Flaschenkeller, wo Rebsorten, Gärung, Ausbau und unsere Art der behutsamen, energieschonenden (außer unserer
eigenen:-) und zusatzstoffreien Weinbereitung zweisprachig erläutert wurden (die Gäste waren ein älteres, sehr ökologisch orientiertes französisches Paar aus einem Nahbardorf, ein
seltenes Ereignis - und ein deutsches Touristenpaar mit Kindern und entsprechender Eile...), wurden natürlich ein paar Flaschen geöffnet, um Clos du Curé, Clos des Cèdres und die
Échelles de Lisson nicht nur theoretisch kennen zu lernen.
Während der Pinot des Clos du Curé diesmal auch schon in seiner
recht jungen Ausgabe von 2005 überraschte, zeigten sich der sonst in seiner Jugend viel verschlossenere Mourvèdre des Clos des Cèdres 2002 und sein noch tiefschwarzere,
tanninreicherer Jahrgangsbruder von den "Leitern", den schmalen Terrassen hinterm Haus, auf denen man den Berg
erklimmt und auf denen sich, oft nur mit 2 oder 3 Reihen dicht bepflanzt Côt, Cabernet FrancCabernet Sauvignon folgen, von einer erstaunlich freundlichen Seite.
aufsteigend in den Oliventerrassen: Les Echelles de
Lisson
Aber wir wollen ja heute nur vom zweiten sprechen: Les Échelles 2002 - eine Assemblage aus einer Dominante von Cabernet
Sauvignon und Cabernet Franc, gefolgt von Merlot und Côt/Malbec. Aufgrund der Schweine leider
in diesem Jahrgang nicht abgerundet durch den kleinen Beitrag von Petit Verdot, der hoch oben in der Arena des Clos des Cèdres wächst.
Wie schon gesagt: von fast tiefschwarzer Farbe, in der Nase dominiert von Brombeeraromen und würzigen Noten, im Mund dann überraschend weich,
samtig, mit guter Säurestruktur, aber schon voll mit der Frucht verschmolzenen Röstnoten, die den 18 monatigen Ausbau in Barriques nur noch ahnen lassen. Im Finale Wildkräuter und schwarze
Kirsche - und das Versprechen, dass dieser Wein auch noch in einigen Jahren ein interessanter Partner im Glas sein wird.
Ein weiterer Besucher gesellte sich überraschend zu uns, landete im Gleitflug auf der Flasche, umrundete sie, inspizierte sie von allen
Seiten und konnte nur im letzten Moment dran gehindert werden, sich zielstrebig in ihrem Inhalt zu ersäufen. Auf welches der aus der Flasche aufsteigenden Aromen, dieser Gast besonders reagierte,
hätte ich gerne gewußt, aber nachdem wir ihn auch ein zweites Mal am Eindringen gehindert hatten, flog er beleidigt davon, ohne uns darüber aufzuklären.
Les Échelles de Lisson: kein Bordeaux-Imitat, sondern eher ein von seinem
Terroir und unserer Idee eines natürlichen wilden Weins geprägter Tropfen, der hoffentlich in diesem Jahr dank der neuen Elektrozäune einmal wieder alle 5 Rebsorten vereinen wird.
Daumen drücken!
Wer Lust auf die Zusammenfassung der anderen Rallyebeiträge hat, kann sich auf Planet Bordeaux beim Ausrichter
informieren.
Par Iris Rutz-Rudel
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Publié dans : Weinrallye
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