Overblog Suivre ce blog
Editer l'article Administration Créer mon blog
15 juin 2008 7 15 /06 /juin /2008 16:01

Der Text des in Frankreich so berühmten und populären Chansons hat in diesem Jahr wieder neben der Süße der Früchte einen etwas bitteren Beigeschmack für die Bauern in unserem Tal angenommen. Vielleicht hatten Liebende Ende Mai/Anfang Juni Sonne im Herzen, am Himmel war sie dagegen seltener zu sehen und das jährliche Kirschenfest in Mons la Trivalle soff regelrecht ab, so, wie schon  eine Woche vorher das Rosenfest in Vieussan. Und die Kirschen, die in vielen Jahren den Bauern mehr Einnahmen brachten, als die PfennigCentbeträge, die man ihnen für ihre Trauben in der Winzergenossenschaft zahlt - haben soviel Wasser oft nicht standhalten können - wieder einmal eine arg dezimierte Ernte und ein harter Schlag für die heimische Ökonomie. 




Die  Burlat eine saftvolle und tiefschwarze Kirsche köstlich frisch vom Baum aber auch ideal für Clafoutis und Konfitüre, wurde Mitte Mai gerade erst an den kleinen improvisierten Verkaufsständen entlang der Straße zwischen Saint Pons und Bédarieux angeboten, als das Regenwetter begann. Auch wenn die Reben in Lisson diese feuchte Periode gut überstanden haben, so waren doch die schwarzen Kirschen zu empfindlich, auch wiederholte Gewitterregen zu überstehen und verfaulten, noch ehe sie geerntet werden konnten, auf den Bäumen.

Blieb noch die Hoffnung, eine gute Ernte der später reifen Weißkirschen einzubringen, die man in den 80ger Jahren zahlreich gepflanzt hatte, weil damals große Mengen im Export verlangt wurden. Sie waren es vor allem, die den Einsatz von bunten Banden von Saisonkräften benötigten, die ab Anfang Juni für einige Wochen die Dörfer aus ihrem Winterschlaf weckten.




Die vollen Kirschkisten (die gleichen, die wir für unsere Traubenernte benutzen) wurden abends von den kleinen Produzenten zu Sammelstellen gebracht, wo sie von Transportern der Sica du Caroux, einer Kooperative für die Vermarktung von Früchten und Gemüse aus der Gegend, eingesammelt wurden, um noch in der Nacht nach Deutschland transportiert zu werden, wo sie von enem Großabnehmer in Säurebädern entfärbt und anschließend wieder künstlich rot eingefärbt wurden, um als cerises confites, kandierte Kirschen, wie man sie als Backzutat verwendet, vielleicht sogar wieder zurücktransportiert zu werden...


Hauptfeind zu dieser Zeit war die Kirschfliege, die ihre Larven  in die Kirschen legt und so für den Wurm in den spätreifen Weißkirschen verantwortlich ist, den wir alle nicht so sehr schätzen, so wir ihn denn sehen, bevor wir eine Frucht verspeisen.  Jahrelang wurde so vor allem bis zu 14 Tage vor der Ernte (in der Schweiz mußte man 3 Wochen Abstand halten) mit recht virulenten Insektenvernichtungsmitteln gespritzt. Warnungen vor der Schädlichkeit der Produkte wurden dann gerne mit dem Hinweis auf die spätere rabiate Verarbeitung der Früchte in Deutschland abgetan - allenfalls versicherte man, dass man den Baum für die Familie eben nicht spritze... und lange Zeit wurden wir als verrückt ausgelacht, wenn wir unsere damals mühsam aus der Schweiz importieren gelben Plastikfliegenfallen in die Bäume hingen, die heute überall zu haben sind. Was zählte, war das  sichere Einkommen, das half, den Niedergang der Esskastanien und des Weinbaus auszugleichen, die schon lange in der Krise waren. 

 

Es folgten leider zu Beginn der 90ger Jahre einige Jahre mit Spätfrösten zur Blütezeit, die dieser Euphorie ein Ende setzten. Die Erntemengen reichten in solchen Jahren für den Export nicht mehr aus und der Großkunde deckte sich anderweitig und dann auch noch preiswerter ein - der sicher geglaubte Markt ging verloren. Wenn schon am Baum aussortiert werden musste, um das richtige Kaliber zusammenzupflücken, wurde auch der Arbeitslohn immer wichtiger - vom Stundenlohn (in Frankreich gilt auch in der Landwirtschaft für Saisonarbeiter schon lange der Mindestlohn, der von 4,82 € brutto im Jahr 1988 inzwischen auf 8,63 € gestiegen ist), stieg man um auf eine Bezahlung pro geerntees Kilo, bei schlechten Bäumen und immer weniger gepflegten Obstgärten keine große Verdienstmöglichkeit mehr für die Pflücker, die dann lieber in Plantagen mit Niedrigstammerziehung abwanderten, statt sich auf Leitern bei alten hohen Bäumen abzuquälen.  ... Nach und nach also immer weniger Animation zur Kirschenzeit in den Bistros am Abend - die Ernte findet jetzt unter Einsatz der Familienmitglieder und Nachbarn statt - wobei die Jugend nicht mehr zahlreich vertreten ist.

Die majestätischen großen Bäume, die zur Blütezeit die Chaussee mit ihren weißen Schmuck in einer durchgehenden Allee schmückten, wurden nach und nach immer seltener, - mangelnde Pflege, Schädlingsbefall und schließlich die anhaltende große Trockenheit mit ihrem Höhepunkt im Sommer 2003 ließen sie absterben - sie wurden abgeholzt, bevor noch die neue, prämierte Rodungswelle für Weinflächen seit zwei Jahren einen weiteren Teil der Kulturlandschaft ergriffen hat.

In diesem Jahr vom Frost verschont, wurden die Kirschen doch noch Opfer der Gewitterregen, die sie erst anschwellen und dann platzen ließen.

Ein trauriger Anblick, all diese nicht abgeernteten Bäume mit den Früchten, die verrotten, die sterbenden Riesen und die ausgerissenen Weinfelder häufen sich - die letzte Strophe des alten Liedes nimmt noch eine neue Bedeutung an. 

J’aimerai toujours le temps des cerises
C’est de ce temps-là que je garde au cœur
Une plaie ouverte …
Et Dame Fortune, en m’étant offerte
Ne pourra jamais fermer ma douleur
J’aimerai toujours le temps des cerises
Et le souvenir que je garde au cœur.



Epilogue:



Aber zum Abschluss und Trost noch ein Bild vom letzten Clafoutis dieser Saison, dem traditionellen Nachtisch in der Kirschenzeit.


Das Rezept ähnelt dem eines dickflüssigen Pfannkuchenteigs - Eier, Zucker, eine Prise Salz, Mehl und Milch nacheinander vermengen, eine Zeit ruhen lassen, während der man eine Form ausbuttert und die Kirschen einfüllt (es gibt die Schule: immer mit Stein - und die: lieber ohne - ich gehöre inzwischen zur Letzteren - wobei ich allen praktischen Küchenhelfern die alte Methode mit meinen kräftigen Daumennägeln zum Entsteinen vorziehe - auch wenn bei den vollreifen schwarzen Kirschen die Finger sehr gut die Farbe annehmen - das bin ich als Winzerin ja von der Maische gewohnt...)

 

Beim obigen Modell kam als kleiner Trick zuletzt noch ein Schuss Champagner, der noch in der Flasche war, in den Teig - das läßt ihn höher aufgehen - geht natürlich auch mit einem Schuß Sprudel - aber jeder hat so seine Ressourcen...

 



PS:
Beim Verkosten all dieser unterschiedlichen Kirschsorten, die ich in den letzten Wochen von aufgegebenen Kirschbäumen in verwilderten Wiesen zusammengeklaubt habe, musste ich übrigens darüber nachdenken, wie wenig aussagekräftig die Bezeichnung "Aroma von Kirschen" in Weinbeschreibungen ist.

Jeder hat da sicher seine eigene Referenz, wenn er noch das Glück hat, vollreife Kirschen direkt vom Baum vor dem Haus oder in der Nachbarschaft pflücken zu können. Wer nur noch mit den künstlichen Aromastoffen der Milchprodukte aus dem Supermarkt aufgewachsen ist, muss da eine ganz andere Vorstellung haben und wird sich so wohl auch leicht von mit Aromahefen vinifizierten Massenweinen einfangen lassen... aber das ist noch eine andere Diskussion.


Partager cet article

Repost 0
Published by Iris Rutz-Rudel - dans Essen und Trinken
commenter cet article

commentaires

maximilian 16/04/2010 08:40



Den Nachtisch finde ich bestimmt sehr originell. vielen Dank für den link



Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

Begleiten Sie mich also auf dem Weg durchs Winzerjahr. Hinterlassen Sie Ihre Kommentare oder stellen Ihre Fragen, damit aus diesem Blog ein lebendiges Kommunikationsmittel wird.

Ihre Iris Rutz-Rudel


Im Blog Suchen

Schiefer Clos des Cédres

 

 
Diashow

 

lissondiary - in English

 

weinforum

 

Verkostung Vinisud Off:

Hors Piste

  banniere picasa


Die WinzerBlogger

 

  les vignerons blogueurs


Ältere Artikel

Blogfamilien

 
Locations of visitors to this page




Rauchen frei in meinem Blog

PageRank Actuel

expatriate 

Genussblogs.net - Alle Genussblogs auf einen Blick

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de

Add to Technorati Favorites

Site Meter

Rate this Blog at Blogged

Neuere Artikel

Texte Libre

google-site-verification: google81639dde71d33424.html