Unsere tapferen Rebstöcke sind fleißig gewachsen in den letzten Wochen - vor allem der Mourvèdre hat schon
Triebe, die mir weit über den Kopf wachsen - was allerdings bei meine 160 cm Körpergröße auch nicht schwer fällt. Der Regen, der Ende Mai /Anfang Juni ausgiebig fiel, hat ihnen sehr gut
getan, außer in den kurzen Schrecksekunden an einem Gewitterabend, als man das charakteristische Trommeln einiger Hagelkörner draußen hörte und alle den Atem anhielten, konnte ich sie
dieses Jahr geradezu vor Vergnügen jubeln hören.
Insgesamt ist sind die Reben in ihrer Entwicklungen nicht besonders frühreif, bei dem eher kühlen Frühling dieses
Jahres auch kein Wunder - im Vergleich zum letzten Jahr kann ich eher eine Verspätung von 8 bis 10 Tagen konstatieren. Die Blüte ist in Gang, bei einigen Sorten beginnt sie auch
gerade erst. Aber allen geht es gut, sie stehen aufrecht, alleine oder in der Drahterziehung, ohne jedes Krankheitszeichen und mit einem schönen Fruchtaustrieb.
Heute, nach einem letzten Gewitter am gestrigen Abend, das aber eher im Kreis um uns herumwanderte und nur wenig Regen auf
uns fallen ließ, freuen sich die Reben über die wieder einsetzende Tramontane, unsere Variante des Mistral, die ihnen ein gesundes Klima, ohne Feuchtigkeit und schwühle
Hitze, die Pilzkrankheiten Vorschub leisten könnten, beschert. Davon können meine Winzerkollegen in anderen Klimazonen Frankreichs und weniger gesegneten ventilierten Hanglagen, wie in
Bordeaux oder in der Champagne, leider wieder nur träumen.
Ich wünsche Ihnen allen endlich ein Wetter, das der Saison entspricht und stabil bleibt, das es ihnen erlaubt, die
Schäden zu begrenzen, die durch das katastrophale Wetter schon entstanden sind: in Form von Hagel und Dauerregen auf durchtränkten, schweren Böden mit den daraus folgenden Gefahren
von echtem und falschem Mehltau und kaum Möglichkeit, entsprechend rechtzeitig dagegen anzukämpfen. Ob sie nun klassisch, integriert-umweltschonend, bio oder dynamisch arbeiten, jeder ist doch
mit Herzblut bei der Arbeit und verdient langsam etwas mehr himmlichen Beistand.
Solidarität besonderer Art kann ich momentan täglich im Weinberg beobachten:

ob das nun die Triebe sind, die sich zusammenschließen, um mehr Unterstützung zu finden

manchmal in engen, fast intimen Umarmungen

um sich gegen die Kraft des Windes zu verteidigen

oder ob es die blühenden Büsche zwischen den Terrassen sind, die nicht nur mich mit Anblick und Duft erfreuen, wenn
ich im Gelände arbeite, sondern die auch als Unterschlupf und Nahrungsquelle für so viele nützliche Insekten dienen, die sich hier bedienen.

ob das nun die wilden Rosen an den Wegrändern sind

die duftenden Ginstersträucher an den Mauerrändern

oder meine Lieblinge, die betörend duftenden Blüten des Geissblatts, von denen ich sicher schon einmal erzählt habe, wie
sehr es mich überrascht und berührt hat, ihr Aroma in den jungen Mourvèdreweinen wieder zu finden, während des erstens Ausbaujahrs im Barrique....
Zwischen den Rebreihen wächst eine wahre Blumenwiese, unsere natürliche Dauerbegrünung, die wir nach und nach
absensen.

Es tut fast in der Seele weh, so viel Schönheit zu zerstören - ich rette bei jedem
Rundgang kleine Wildblumensträuße, als Erinnerung.
Aber ich weiß ja, dass die Reben es uns danken werden, wenn sie rechtzeitig von diesem Teppich befreit
werden, der immer das Risiko birgt, bei feuchter Wärme ein pilzförderndes Mikroklima zu erzeugen - also dürfen sie hier nicht überhand nehmen. Wir werden sie auf jeden Fall im nächsten Jahr alle
wieder sehen, es überleben immer noch genug Samen, dazu gibt es ja auch noch die Mehrjährigen und Pflanzen, die von den Wurzeln aus wieder wachsen werden, die sie manchmal bis in 2 m 50
Tiefe aussenden, wie die echium vulgare, die man ganz links im Strauß erkennt.
Und mit etwas Glück entdecken wir auch manchmal andere Nützlinge, die in diesm Biotope
zusammenleben.
kleine, die man auch in jedem blühenden Garten beobachten kann, die tagsüber ausschwärmen, um Nektar und Pollen zu sammeln und dabei die Blüten zu bestäuben.

und andere, die ein geheimeres
nächtliches Leben führen, wie diese Kröte, bufo bufo, die als Vertilger von Insekten und kleinen Nacktschnecken besonders wertvoll ist.
oder ihr natürlicher
Feind, die Natter (Zornnatter?), die sich um kleine Nager, Eidechsen und Käfer,
Weinbergsschnecken und manchmal auch kleine Vögel kümmert -
und manchmal auch für Herrn Bufo
interessiert, der sein Bestes gibt, um den Angreifer mutig in die Flucht zu schlagen.
Aber diesmal haben wir sie getrennt getroffen und die Natter erlaubte mir sogar, ein Portraitfoto von ihr zu schießen,
ohne jedes Problem, bevor sie sich in eleganten Windungen wieder in gedeckteres Gebiet davonschlängelte.
Wie sie sehen, bin ich niemals alleine im Weinberg - und all diese pflanzlichen und tierischen Mitbewohner tragen auf
ihre Weise dazu bei, das ökologische Gleichgewicht unserer Umwelt zu erhalten und so die besten Voraussetzungen für ein gesundes Wachstum und Leben unserer Reben und damit einen
ausgewogenen Wein zu schaffen.
Auch wenn mir klar ist, dass wir für die anderen eher zu den Eindringlingen zählen, glaube ich doch, sie hätten schlimmere Invasoren ihres Territoriums bekommen können...
Kommentare