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Mardi 10 juin 2008
 Die 12. Weinrallye kehrt zu ihrem Urvater zurück und Thomas hat uns gleich ein sehr originelles Thema gestellt: ein Wein, der den Einfluss von Kirche und Religion wiederspiegelt, in seiner Geschichte, seiner Verwendung und natürlich auch in seinem Namen.

Da er deutlich darauf hingewiesen hat, dass nur der Name nicht ausreicht, musste dieser Wein dann heute doch wieder den Weg zurück in meinen Keller antreten, trotz seines frommen Namens konnte ich über diesen 1998er Spätburgunder von der Winzergenossenschaft in Britzingen im Markgräflerland nichts weiter herausfinden, als dass er zu einer Reihe mit Heiligennamen und Künstleretiketten ausgestatteter Weine gehört - das würde wohl nicht reichen, um vor den Augen des gestrengen Rallyevaters Gnade zu finden.

Also zurück in den Keller, der weniger geistliche Etiketten aufweist, als ich ursprünglich vermutet hatte.

Jetzt bedauere ich, dass ich Thomas schon zugesichert habe, dass ich meinen Heimvorteil, mit 10 Jahrgängen des Clos du Curé im Keller, unserem Pinotwein aus Lisson, nicht ausnutzen werde. Dessen Geschichte, die durchaus beweist, dass er hier voll sein Teilnahmerecht hätte reklamieren können, kann man in meinem Beitrag vom letzten September "Clos du Curé - woher der Name stammt" aber schon ausführlich
hier nachlesen.

Auch die Kiste mit den Flaschen des 1987ger "après le déluge" (nach der Sinflut) wird noch etwas auf erneute Verkostung und die Veröffentlichung der dazu gehörigen Geschichte unserer Anfänge warten müssen - suspense...

Meine Suche nach französischen Messweinen habe ich etwas zu spät begonnen - und meine Beziehungen zur heutigen Curé sind nicht eng genug, um ihn um eine Kostprobe zu bitten. Immerhin fand ich dabei heraus, dass man einen solchen offenbar auch ohne besondere Berechtigung einfach per Internet bestellen kann - dazu noch biologisch angebaut - was der kirchlichen Bestimmung, dass es sich um einen unverfälschten Wein möglichst ohne Zusatzstoffe handeln soll, ja entgegen kommt.

Einen Überblick über historische und internationale Tendenzen bei Messweinen bietet übrigens die Etikettensammlung zu diesem Thema, die man hier besichtigen kann - bei den älteren Modellen findet man erstaunlich viele Süßweine mit recht hohen Alkoholgehalten - was sich aber wohl im Zuge der anti-Alkohol-Kampagnen sehr verändert hat. Das links abgebildete Etikett der katholischen Kirchengemeinde Zinzwil aus der Schweiz stammt auch aus dieser Sammlung und hätte mich sicher auch als "Etikettentrinker" durchaus zum Kauf anregen können.

Auch den ersten Salon der französischen Zisterzienserweine im letzten April in
Paris habe ich leider verpasst, an dem alleine 5 Güter aus dem Languedoc, die in ehemaligen Abteien untergebracht sind, teilnahmen. Zwei davon habe ich vor Jahren schon einmal besucht, die Abtei von Fonfroide bei Narbonne, in der auch wunderschöne Konzerte stattfinden, und die Abtei von Vallemagne, Richtung Pezenas, deren Kirche nach der französischen Revolution mit großen Fudern ausgestattet und in einen Weinkeller verwandelt wurde. Ein Anblick, der bei meinem Besuch noch durch das gleichzeitig stattfindenden Konzert indischer Musik, das bis in die frühen Morgenstunden dauerte, eine irgendwie unwirkliche Atmosphäre schuf...

Nun, all das war heute nicht verfügbar und so blieb als letzter Ausweg der Gang zu unserem kleinen Lebensmittelhändler im Dorf, um zu sehen, ob ich dort in extremis nicht doch noch fündig werden sollte.

Offensichtlich wird dort kein Messwein verkauft, auch Abteien und Klöster sind nicht vertreten, aber immerhin konnte ich doch noch einen Kandidaten finden, von dem ich hoffe, dass er die Kriterien gerade so eben erfüllt:


Immerhin handelt es sich bei dem Weingut Saint Martin des Champs, das circa 30 km südlich von Lisson Richtung Béziers, nicht weit von Château Coujan liegt, um eine ehemalige
Hermitage aus dem 7. Jahrhundert, die früher als Einkehrort für Pilger auf dem Weg nach Saint Jacques de Compostella diente (das gab's auch schon, bevor ein deutscher Komiker einen Dauerseller darüber geschrieben hat).

Dazu handelt es sich auch noch um die Cuvée de l'Hermitage, Jahrgang 2004, die ich da für 6,50 € erwerben konnte, also preislich kein großes Risiko. Die Weintanks aus Quadersteinen sollen von 1752 stammen und auch heute noch benutzt werden. Allerdings ist die Cuvée de l'Hermitage als Barriqueausbau gekennzeichnet - eine Assemblage aus Cabernet und Merlot, die 12 Monate getrennt ausgebaut wurden - deshalb firmiert dieser Wein auch "nur" als Vin de Pays d'Oc auf dem Etikett (diese beiden Rebsorten sind für die lokalen AOC Weine - hier wäre es Saint Chinian oder Coteaux du Languedoc) nicht zugelassen.



Im Glas erweist sich der Wein als dunkelrot, fast schwarz. In der Nase ein voller Duft von Brombeeren, Mokka und Lakritz - im Geschmack sehr harmonisch ausgewogen zwischen Fruchtnoten, die sich um schwarze Johannisbeeren bereichern und einer angenehme Tanninstruktur, ohne jede störende Säure - durchaus lecker ohne Begleitung, aber sicher noch besser zu einem guten Essen.

Leider kann man nicht gleichzeitig am Komputer und am Herd sein (ich zumindest nicht - und nebenbei war ich heute tagsüber auch im Weinberg), also testete ich die Kombination: rechts das Glas mit dem Wein, links ein Nem frisch aus der Pfanne - na ja, nicht ganz überzeugend. Also wurde das Nem gegen ein Stück guten reifen Schweizer Käse ausgetauscht - und siehe da, das passte perfekt zusammen ( für perfekte kulinarische Beschreibungen in Weinrallyebeiträgen sollte man sich an die unübertroffene
Svetlana halten).

Alles in Allem also eine erfreuliche Entdeckung mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis und für mich so die Möglichkeit, einen kleinen Beitrag zu diesem göttlichen Thema zu leisten, bevor die
Komplet eingeläutet wird.

Die Zusammenfassung mit den Links zu allen Beiträgen dieser Weinrallye findet sich inzwischen
hier, bei dem, der das Alles ins Leben gerufen hat, unserem unverzichtbaren Thomas Winzerblogger Lippert.

Amen


Par Iris Rutz-Rudel - Publié dans : Weinrallye - Voir les 2 commentaires
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