Die 12.
Weinrallye kehrt zu ihrem Urvater zurück und Thomas hat uns gleich ein sehr originelles Thema gestellt: ein
Wein, der den Einfluss von Kirche und Religion wiederspiegelt, in seiner Geschichte, seiner Verwendung und natürlich auch in seinem Namen.
Da er deutlich darauf hingewiesen hat, dass nur der Name nicht ausreicht, musste dieser Wein dann heute doch
wieder den Weg zurück in meinen Keller antreten, trotz seines frommen Namens
konnte ich über diesen 1998er Spätburgunder von der Winzergenossenschaft in Britzingen im Markgräflerland nichts weiter herausfinden, als dass er zu einer Reihe mit Heiligennamen
und Künstleretiketten ausgestatteter Weine gehört - das würde wohl nicht reichen, um vor den Augen des gestrengen Rallyevaters Gnade zu finden.
Also zurück in den Keller, der weniger geistliche Etiketten aufweist, als ich ursprünglich vermutet hatte.
Jetzt bedauere ich, dass ich Thomas schon zugesichert habe, dass ich meinen Heimvorteil, mit 10 Jahrgängen des Clos du Curé im Keller, unserem Pinotwein aus Lisson, nicht ausnutzen
werde. Dessen Geschichte, die durchaus beweist, dass er hier voll sein Teilnahmerecht hätte reklamieren können, kann man in meinem Beitrag vom letzten September "Clos du Curé - woher der Name
stammt" aber schon ausführlichhiernachlesen.
Auch die Kiste mit den Flaschen des 1987ger "après le déluge" (nach der Sinflut) wird noch etwas auf erneute Verkostung und die
Veröffentlichung der dazu gehörigen Geschichte unserer Anfänge warten müssen - suspense...
Meine Suche nach französischen Messweinen habe ich etwas zu spät begonnen - und meine Beziehungen zur heutigen Curé sind nicht eng
genug, um ihn um eine Kostprobe zu bitten. Immerhin fand ich dabei heraus, dass man einen solchen offenbar auch ohne besondere Berechtigung einfach perInternetbestellen kann - dazu noch biologisch angebaut - was der
kirchlichen Bestimmung, dass es sich um einen unverfälschten Wein möglichst ohne Zusatzstoffe handeln soll, ja entgegen kommt.
Einen Überblick über
historische und internationale Tendenzen bei Messweinen bietet übrigens die Etikettensammlung zu diesem Thema, die manhierbesichtigen kann - bei den älteren Modellen findet man erstaunlich viele Süßweine mit
recht hohen Alkoholgehalten - was sich aber wohl im Zuge der anti-Alkohol-Kampagnen sehr verändert hat. Das links abgebildete Etikett der katholischen Kirchengemeinde Zinzwil aus der
Schweiz stammt auch aus dieser Sammlung und hätte mich sicher auch als "Etikettentrinker" durchaus zum Kauf anregen können.
Auch den ersten Salon der französischen Zisterzienserweine im letzten April inParishabe ich leider verpasst, an dem alleine 5 Güter aus dem Languedoc, die in ehemaligen Abteien untergebracht sind, teilnahmen. Zwei davon habe ich vor
Jahren schon einmal besucht, die Abtei vonFonfroidebei Narbonne, in der auch
wunderschöne Konzerte stattfinden, unddieAbtei vonVallemagne,
Richtung Pezenas, deren Kirche nach der französischen Revolution mit großen Fudern ausgestattet und in einen Weinkeller verwandelt wurde. Ein Anblick, der bei meinem Besuch noch durch das
gleichzeitig stattfindenden Konzert indischer Musik, das bis in die frühen Morgenstunden dauerte, eine irgendwie unwirkliche Atmosphäre schuf...
Nun, all das war heute nicht verfügbar und so blieb als letzter Ausweg der Gang zu unserem kleinen Lebensmittelhändler im Dorf, um zu sehen, ob ich dort in extremis nicht doch noch fündig
werden sollte.
Offensichtlich wird dort kein Messwein verkauft, auch Abteien und Klöster sind nicht vertreten, aber immerhin konnte ich doch noch einen Kandidaten finden, von dem ich hoffe, dass er die
Kriterien gerade so eben erfüllt:
Immerhin handelt es sich bei dem Weingut Saint Martin des Champs, das circa 30 km südlich von Lisson Richtung Béziers, nicht weit von Château Coujan liegt, um eine ehemaligeHermitageaus dem 7. Jahrhundert, die früher als Einkehrort für Pilger auf dem Weg nach
Saint Jacques de Compostella diente (das gab's auch schon, bevor ein deutscher Komiker einen Dauerseller darüber geschrieben hat).
Dazu handelt es sich auch noch um die Cuvée de l'Hermitage, Jahrgang 2004, die ich da für 6,50 € erwerben konnte, also preislich kein großes Risiko. Die Weintanks aus Quadersteinen
sollen von 1752 stammen und auch heute noch benutzt werden. Allerdings ist die Cuvée de l'Hermitage als Barriqueausbau gekennzeichnet - eine Assemblage aus Cabernet und Merlot, die 12
Monate getrennt ausgebaut wurden - deshalb firmiert dieser Wein auch "nur" als Vin de Pays d'Oc auf dem Etikett (diese beiden Rebsorten sind für die lokalen AOC Weine - hier wäre es
Saint Chinian oder Coteaux du Languedoc) nicht zugelassen.
Im Glas erweist sich der Wein als dunkelrot, fast schwarz. In der Nase ein voller Duft von Brombeeren, Mokka und Lakritz - im Geschmack sehr harmonisch ausgewogen zwischen Fruchtnoten, die sich
um schwarze Johannisbeeren bereichern und einer angenehme Tanninstruktur, ohne jede störende Säure - durchaus lecker ohne Begleitung, aber sicher noch besser zu einem guten Essen.
Leider kann man nicht gleichzeitig am Komputer und am Herd sein (ich zumindest nicht - und nebenbei war ich heute tagsüber auch im Weinberg), also testete ich die Kombination: rechts das Glas
mit dem Wein, links ein Nem frisch aus der Pfanne - na ja, nicht ganz überzeugend. Also wurde das Nem gegen ein Stück guten reifen Schweizer Käse ausgetauscht - und siehe da, das
passte perfekt zusammen ( für perfekte kulinarische Beschreibungen in Weinrallyebeiträgen sollte man sich an die unübertroffeneSvetlanahalten).
Alles in Allem also eine erfreuliche Entdeckung mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis und für mich so die Möglichkeit, einen kleinen Beitrag zu diesem göttlichen Thema zu leisten, bevor
dieKompleteingeläutet wird.
Die Zusammenfassung mit den Links zu allen Beiträgen dieser Weinrallye findet sich inzwischenhier, bei dem, der das Alles ins Leben gerufen hat, unserem
unverzichtbaren Thomas Winzerblogger Lippert.
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