Nach recht langer Pause, haben die Knödel beschlossen, sich einmal wieder mit einem gemeinsamen Thema links und rechts des Rheins zu Wort zu melden.
An einem 11. November aus der Taufe gehoben, hat dieser lose Verbund von Französinnen, die in Deutschland leben und (bis
auf eine) auf Französisch bloggen und von 3 versprengten Deutschen Bloggerinnen, die in Frankreich lebend, zweisprachig oder gleich auf Englisch antreten. Immerhin hatte ich pflichtschuldigst
schon einen XXL-Knoedel beigetragen, mit passendem Wein natürlich.
Nachdem weder Weihnachten noch der deutsche Karneval einen freien Platz in den vollen Kalendern der Damen boten, haben wir uns für den 6.
Juni entschieden, außerhalb Deutschlands sicher bekannter als der D-Day, 1944 Tag des Beginns der Invasion in der Normandie.
Welche Verbindung mit einer Bande von Food (und Drink) bloggenden Expats? Nun, in den Sendungen von Radio BBC London wurden
persönliche Nachrichten wie: Les carottes sont cuites (die Möhren sind gar), Il faut cueillir les tomates (die Tomaten müssen gepflückt werden), les fraises sont dans leur
jus (die Erdbeeren sind in ihrem Saft) als kodierte Botschaften verwendet.
Der Gedanke, Karotten/Möhrenrezepte zu veröffentlichen, wurde fast einhellig verworfen (dabei hätte ich Klaus Rezept für Möhrengemüse
durcheinander wie bei Muttern beisteuern können...).
So sollten dann also heute Anekdoten rund um unsere bi-nationalen Esserfahrungen zum Besten gegeben werden.
Mir fallen da spontan zwei Situationen ein, die wohl als typisch für den culture-clash bei ersten Begegnungen sein könnten.
Die erste Situation spielt in Deutschland: zu Besuch mit einem französischen Begleiter werden wir spontan von deutschen Freunden eingeladen, doch noch zum Abendessen zu bleiben.
Gesagt, getan - der Tisch wird mit Tellern und Besteck gedeckt, in die Mitte kommt eine Platte mit Aufschnitt und ein Korb mit Brot. Ein typisches deutsches Abendessen. Jeder bedient sich, belegt
sein Brot, ißt es, mit oder ohne Messer und Gabel, greift noch einmal zu - bis auf den Franzosen. Er wird zu einer zweiten Schnitte ermuntert, nach der er wieder das Messer und die Gabel
ordentlich neben dem Teller platziert.
Die erneute freundliche Aufforderung, sich wie zu Hause zu fühlen und doch gerne nochmals zuzugreifen, bekomme ich einen leicht verzweifelten Blick zugeworfen und er flüstert: "mais j'attends la
suite..." (ich warte auf das, was danach kommt...), Tja, mon pauvre, mein Lieber, Pech gehabt: das hier ist ein typisch deutsches Abendbrot - wie der Name schon sagt: am Abend gibt es oft
eben nur Brot und was drauf, hat nichts mit assiette de charcuterie als kleiner, appetitöffnender Vorspeise vor dem Hauptgang, gefolgt vom Käse und Dessert zu tun. Und der Wein dabei: nun,
Fehlanzeige, zur Wahl gab's dazu Kaffee oder Tee, da Bier abgelehnt wurde...
Zweite Situation, liegt noch weiter zurück: ein deutsches Pärchen auf seiner ersten Frankreichreise (ja, ja, ich gebe zu, ich war der weibliche Teil). Abends geht's in ein kleines
Restaurant (in Südfrankreich, irgendwo zwischen Olargues und Bédarieux). Auf der Karte steht ein einfaches Menue - wir verstehen nicht alles, aber nichts klingt wirklich gefährlich,
also bestellen wir mutig.
Schon nach kurzer Zeit kommen zwei Salatteller, aha, die Beilage. Jetzt warten wir nur noch auf den Teller mit dem Fleisch und den Kartoffeln, den Salatteller haben wir schon
sorgfältig nach rechts gerückt. Trockenes Brot steht auch auf dem Tisch. Wir wagen es nicht, den Roséwein auf nüchternen Magen zu trinken, aber der Krug mit dem Kranenwasser ist uns auch
nicht ganz geheuer - normalerweise waschen wir uns mit sowas nur die Hände.
Also warten wir, erst geduldig, dann langsam etwas unruhig - gab's einen Zwischenfall in der Küche, dass das Hauptgericht nicht kommt, zu dem wir wie gewohnt den Salat gerne essen würden?
Scheinbar nicht, am Nebentisch wird es gerade serviert... aber halt, da war doch was: die haben alle zuerst ihren Salat gegessen, vielleicht sollten wir das auch so machen, vorher gibt's
hier offensichtlich nichts anderes - tja, und siehe da, so geht's, sobald die letzte Tomate verschwunden ist, stellt man uns den Rest hin - jetzt haben wir verstanden, wie es die Franzosen
schaffen "mehrgängige" Menues zu produzieren, die servieren einfach alles in Einzelschritten, statt auf einmal. Wir fühlen uns ein wenig gegängelt, aber mit der Zeit gewöhnt man sich auch
daran - und die Restaurantbesitzer haben Glück, dass wir nicht zu den deutschen Gästen gehören, die ganz in Gedanken und alter Gewohnheit zu Beginn der Mahlzeit erst mal die für das halbe Lokal
gedachte Wurstplatte abräumen...(soll auch schon mit Käseplatten passiert sein:-). Immerhin haben uns ein paar Stücke trockenes Brot zum Salat geholfen, uns an den Wein zu wagen - und nach dem
zweiten Glas sprachen wir schon fast perfekt Französisch: "terminé?" " - "oui, merci"!
Moral: Andere Länder andere Sitten - und beides ist auch schon sehr lange her...
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