Nach der stürmischen Tagen Ende März kündet sich der April nun wieder saisongerechter an und es macht wieder mehr Spaß, im Weinberg zu
arbeiten. Nach der Mandelblüte Ende Februar, den Pfirsischen im März, sind es nun Quitten und Reineclauden, die ihre Blütenpracht
entfalten.

Alles sprießt mit Macht, der Weinberg wird zum Gemüsegarten, denn neben dem
wilden Lauch, der schon lange dort wächst, den vielen Salatrosetten, zeigen sich auch seit einiger Zeit die zarten Köpfe des wilden Spargels
auf den Oliventerrassen.

Auch die Reben erwachen aus ihrer Winterruhe, immer noch fließen die Tränen, aber da die Sonne lacht, entfalten die ersten, frühen Rebsorten nach und nach ihre Knospen, wie
der Cot (auch Malbec genannt) auf dem Bild von heute Nachmittag.
Die Bienen und Hummeln freuen sich über die ersten Blüten, der Winzer freut sich ebenfalls, auch wenn er sieht, dass auch
in diesem Jahr wieder der Wettlauf mit den Jahreszeiten ihm eine gute Kondition abverlangen wird.
Nach dem Ende des Winterschnitts muss die Drahverspannung für die im Cordon de Royat geführten Rebsorten kontrolliert und zum Teil wieder nachgespannt werden, neben den
wilden Salaten, die seinen Speiseplan bereichern, wachsen auch alle anderen Gräser und Kräuter mit Macht, bald wird es also Zeit, wieder mit dem Mähen zu beginnen, damit
die ersten Triebe nicht im Gras ersticken.... die Elektrozäune müssen freigemäht werden, damit die Wildschweine gar nicht erst auf die Idee kommen, in die Parzellen
einzudringen, bei Windstille müssen noch an gut gesicherten Stellen die alten Rebreiser vom Winterschnitt verbrannt werden, Holzpflöcke sind zu ersetzen
- und die Liste läßt sich beliebig verlängern.
Gleichzeitig reift ja die Ernte des vorigen Jahres im Keller, wenn die Temperatur auch dort ein wenig ansteigt, kann die malolaktische Gärung in den
Barriques ihre Arbeit wieder aufnehmen, regelmäßige Chromatographien für jedes Fass erlauben es, der Entwicklung zu folgen. (Artikel über die
Kellerarbeit kann man in der entsprechenden Rubrik links unter diesem Stichwort nachlesen. Die Analysemethoden werde ich gerne in einem der folgenden Artikel näher
erklären.)
Auch die Entwicklung der flüchtigen Säure in den Weinen wird regelmäßig überwacht, die kalten Tage in der vorigen Woche gaben uns Gelegenheit, einen
Labortag einzulegen und kleine Proben aller Weine nach der Destilliermethode daraufhin zu überprüfen.
Die Ergebnisse waren sehr zufriedenstellend, auch die bisher noch nicht mit den bei uns üblichen minimalen
Schwefeldosen geschützten Weine weisen sehr beruhigend niedrige Werte auf.
Und dann wartet ja noch der Wein aus dem Jahrgang 2006 auf die Abfüllung. Überprüfung und
Verkostung ergaben, dass er jetzt reif für den Umzug in die Flaschen ist.
Zum Glück lagern die benötigten leeren Flaschen schon im Keller, denn auch in Frankreich gibt es jetzt ein Problem mit dem Nachschub, von dem deutsche
Winzerkollegen ja bereits im Herbst berichtet haben.
Die neuen Korken mit unserem Logo und dem Jahrgangsstempel 2006 müssen noch
rechtzeitig bestellt werden, dann kann auch diese, immer sehr befriedigende Arbeit in Angriff genommen werden.
Vielleicht sollten wir in diesem Jahr, das uns ja noch das Layout für den neuen Warnhinweis beschehrt hat, auch
über einen Hinweis auf all das, was nicht in unserem Wein ist nachdenken. Da die Liste, folgten wir den Analyseergebnissen der Inhaltsstoffe der üblichen
Weine
Zum Vergrößern in das Bild klicken
Vergleichende Liste der PAN Ergebnisse, die ja ausgiebig auch in der deutschen Presse und in der Blogwelt
diskutiert wurden, in der zweiten und dritten Spalte Ergebnisse älterer Studien aus Frankreich, die zwischen 2000 und 2003 durchgeführt
wurden und 2298 Weine betrafen. IFV ist das Institut Francais de la Vigne et du Vin , die Tabelle wurde zusammengestellt, um zu argumentieren, das Problem der
Pestizidrückstände sei ja schon lange bekannt, und im übrigen seien die in der PAN Studie gemessenen Werte ja auch schon viel niedriger, als die "alten"....
Jeden Franzosen erinnert das natürlich an die sehr späte Reaktion der Französischen Behörden zur Gefahr der radioaktiven Cesiumwolken nach dem Reaktorunfall in
Tschernobil, wo der Kommentar der Wissenschaftler, die als offizielle Sprecher auftraten, auch ungefähr so klang: "Eine Gefahr besteht nicht, es
gibt bei uns keine Radioaktivität und im übrigen ist sie schon dabei zu sinken..."
Die letzten beiden Spalten enthalten die dem OIV (Office Internatinal du Vin) vorgeschlagenen Grenzwerte für Rückstände im Wein, die es ja offiziell noch
nicht gibt. Und die in Frankreich gültigen Grenzwerte für Trauben für die Weinbereitung.
Da unser Weinberg all das noch nie gesehen hat, wäre es wohl einfacher, sich ein Beispiel an Randall Graham von Bonny Doon zu nehmen, der als Transparenzbeitra nun alles aufs Rückenetikett schreiben
will, was in seiner cleanen Weinbereitung an Zusatzstoffen in den Wein hineinkommt., während amerikanische Behörden noch eher darüber nachdenken, Angaben über den
Nährwert, also Zucker und Kalorien, verpflichtend zu machen.
Unsere Message on the bottle ist mit der Angabe des enthaltenen totalen Schwefels (zwischen 12 und 23 mg/L im letzten Jahr) eigentlich
schon komplett. Mehr wird außer rei fen, gesundenTrauben nicht zugesetzt - und wie schon gesagt, im Weinberg kommen nur minimale
Kupferkalksprühungen (einmal im letzten Jahr) und ebenfalls Schwefel zum Einsatz - vielleicht noch eine Kräuterspritzung. Den Rest
besorgen Nützlinge, eine beschützte Umwelt, ausgeglichenes Rebklima, nicht überdüngte Böden und eine gute
Pflege - und natürlich das Wetter:-)
Kommentare