Während auf der diesjährigen Prowein in Düsseldorf jetzt gerade das Treffen der Weinblogger um 12:00 Uhr im Meininger Weinsalon in der Halle 6, Stand G
70 stattfindet, um das ich alle Teilnehmer beneide, kann ich nur weiter meinen Erinnerungen an vergangene Besuche nachhängen.
Dazu gehören die interessanten Gespräche mit interessierten Fachbesuchern, denen man die Besonderheiten einer Appellation oder eines Weins erklärt genauso, wie
die Dreiecksübersetzungen bei den Verhandlungen mit Interessenten aus Russland, vor einigen Jahren, die ihre eigenen Dolmetscher dabei hatten, denen man
dann aus dem Französischen ins Englische oder Deutsche die erwünschten Auskünfte übersetzte, die dann ins Russische übertragen werden mussten und wieder zurück.
Dabei kam man sich manchmal vor, wie bei einem Tennismatch in slow motion, wenn alle Köpfe während des komplizierten Hin- und Hers geduldig von rechts nach links und von
links nach rechts folgten.... Aber ein guter Abschluss ist die Mühe ja allemal wert.
Und um Kontakte, die lohnende Abschlüsse versprechen, geht es ja auf einer Fachmesse, für die die meisten Aussteller weite Wege auf sich
genommen haben, einige Tausend Euro und viel Mühe bei der Vorbereitung durch Mailings an alte und potentielle Neukunden investiert haben, Broschüren und Tarife
aufsetzten, die übersetzt und gedruckt wurden, Hostessen, Dolmetscher und sonstige Helfer eingestellt haben.
Zweieihalb Tage Messe müssen diesen Aufwand in ihrem Ergebnis rechtfertigen. Der dritte Tag ist wegen der am Nachmittag schon wieder beginnenden
Abbauarbeiten und der immer wieder auf geheimnisvollen Wegen einfallenden Horden von plündernden Schnäppchenjägern, die, bewaffnet mit riesigen Taschen und selbst
Einkaufswägen, in der Lage sind, den Flascheninhalt eines Standes auszuräumen, wenn man ihnen nur eine Minute den Rücken kehrt, meist kein vollwertiger Messetag mehr.
Aber auch an den übrigen Tagen kommt es zu delikaten Situationen, wenn, vor allem am Sonntag, sich zahllose Nicht-Fachbesucher durch die Alleen
drängen, die eine der gegehrten Einladungen von ihrem Weinhändler oder einem befreundeten Restaurantbesitzer ergattert haben und nun alleine oder in Zweier- und Dreiergruppen von Stand zu Stand
ziehen und sich die größte kostenlose Weinprobe des Jahres von Herzen schmecken lassen und auch den zahlreich angebotenen Häppchen munter zusprechen. Oft erkennt man sie an
den mit Einzelflaschen gefüllten Taschen, die sie eingesammelt haben - ein Facheinkäufer weiß, dass er jederzeit Proben nachgeliefert bekommen kann und wird sich damit an einem
anstrengenden Messetag nicht belasten.
Im Laufe des Nachmittags macht sich bei diesen Weinliebhabern auch der steigende Alkoholpegel bemerkbar, da sie oft zu den vehementen Spuckgegner gehören.... Für neuere
Aussteller von kleinen Betrieben, die zudem nicht deutsch sprechen, sind sie oft nicht sofort zu erkennen, selbst die obligatorische Frage nach der Visitenkarte ist im Zeitalter der heimischen
Drucker ja kein Ausschlusskriterium mehr. An fachmännischen Gesten bei der Verkostung mangelt es nicht, auch Kommentare fließen reichlich und der Neuling fühlt sich ob des gezeigten
Interesses geschmeichelt. Leider kommt dabei am Ende aber höchstens die Frage nach der Lieferung eines Sechserkartons zum Händlerpreis an die heimische Adresse in
Neukirchen-Fluyn oder das Versprechen heraus, beim nächsten Frankreichurlaub mal auf dem Gut zu einer weiteren kostenlosen Verkostung vorbeizukommen.... Die Auftragsbücher füllt
eine so verbrachte 1/4 oder gar 1/2 Stunde leider nicht.
Die Balance zwischen immer gebotener Höflichkeit und pragmatischem Geschäftsinterese zu finden, ist nicht immer einfach - da sind professionnele Vertreter größerer Hersteller und
Verbände meist besser aufs Abwimmeln trainiert, als ein Winzer, der spontan jeden Weinliebhaber, der sich für seine Produkte interessiert, als potentiellen Freund zu empfangen gewohnt ist.
Nach einigen Jahren Messeerfahrung erkennt man seine Pappenheimer schnell, hat auch gelernt, die Reaktionen der Kollegen in ihren Nuancen zu deuten - und dadurch immer größere Schwierigkeiten,
selber in einer der wenigen Pausen den Weg durch die Hallen anzutreten und sich in die Reihe der Verkoster ohne Bestellformular im Hintergrund einzureihen und den Kollegen ihre kostbare
Zeit zu stehlen.
Dabei gehören die Begegnungen mit den Kollegen, der Winzergruppe von der Mosel, die mal sehen kommt, was die Franzosen so machen, sich auch als solche vorstellt und mit der man
natürlich sofort in ein Fachgespräch über die Auswirkung der Klimaerwärmung oder die Vor- und Nachteile der Dauerbegrünung einsteigen kann, oft zu den emotionalen Highlights eines
Messetages, oft enden solche Gespräche mit dem spontanen Austausch von Flaschen, die dann als Einzelstücke im Keller noch nach Jahren an diese spezielle Messe erinnern.
Schließlich ist der Winzer einen großen Teil des Jahres über ein Einzelarbeiter in Weinberg und Keller und genießt den Austausch mit Gleichgesinnten.
In den letzten Jahren wurde mein Schnellrundgang durch die Messehallen in einer gepferten Mittagspause aber auch zu einer Entdeckungsreise in die kulturellen "Seitenprodukte"
einer solchen Messe. Dazu gehörte dann z.B. dieses Triptichon von Nina Stölting, die zu ihrer Serie von Weinbildern sagte:
"Ich gebe zu, ich mag Wein. Sehr. Seine Facetten berühren mich, die geschmacklichen wie die übertragenden. Seine Vielfalt. Seine Fähigkeit, Zeit
festzuhalten.
Faszinierend ist jeder Versuch, das Wesen eines Weines einzufangen, die Ebene der Sinne zu wechseln. Der geschmackliche oder olfaktorische Reiz wird zum optischen, könnte man sagen, aber das ist
viel zu theoretisch. Im Grunde ist es pure Lust der Sinne, reine Sinnlichkeit. Konzentration auf die eigene Empfindung, ein sublimiertes Spiel mit Farben, Material und Oberflächen. Authentische
Erfahrung, Besinnung. Das ist die Welt, in der ich lebe."
Nina Stölting - Pinot Noir -
aufgenommen auf der Prowein 2006
Auch die Serie der Gemälde, die einen essentiellen Bestandteil des Terroirs, nämlich den jeweils individuellen steinigen Untergrund
zum Ausgangspunkt und Material einer ganzen Serie von großformatigen Bildern machte, fand so Eingang in meine Sammlung.
Coteaux Charitois
Steine Charitois
Wer von den Messebesuchern unter den Weinbloggern entdeckt wohl das diejährige künstlerische Überraschungsei zwischen Bloggertreffen und großer
Bordeauxverkostung in der Rheinterrasse?
Ich freue mich schon auf Eure Fundstücke!
par Iris Rutz-Rudel
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Allgemeines
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