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8 mars 2008 6 08 /03 /mars /2008 00:00

undefinedDie Franzosen verzichten zum Essen immer häufiger auf ihr Glas Wein und trinken statt dessen Wasser oder andere alkoholfreie Getränke.

So ist der Konsum von 135 L/pro Kopf im Jahr 1960 kontinuierlich auf 75,6 L im Jahr 1994/95 und auf 66,6 L pro Kopf der Bevölkerung  im Jahr 2005/2006 (in der Altersgruppe über 14 Jahre) gesunken (siehe auch hier).

Während noch 1980 Wein und Wasser bei der Hälfte aller Malzeiten getrunken wurden, ist das heute nach einer aktuellen Studie der Universität von Montpellier nur noch bei einem Viertel der Fall.

Selbst im Restaurant hat Wasser in Flaschen (früher bestellte man eigentlich immer das kostenlose Pichet, den Krug mit dem Leitungswasser)  schon weitestgehend den Platz des Weins eingenommen, Wein gilt als teuer und als ein Risikofaktor bei Alkoholkontrollen. Und selbst zu Hause ersetzt die Wasserflasche heute den Wein auf vielen Tischen.

Während 1980 noch 47% Leitungswasser und nur 24% Mineralwasser (oft ohne Kohlensäure) zum Essen getrunken wurde und der Wein auf 50% kam,  war dieser Prozentsatz in der letzten Viniflhor Studie von 2005 schon auf 27% gesunken. Gleichzeitig mit dem Wasser ist auch der Anteil der Erfrischungsgetränke ohne Alkohol  (Limonaden, Fruchtsäfte, Cola und Sirup-Getränke) von 5 auf 14% gestiegen. Wenn man dazu noch weiß, dass Wein vor allem in der Gruppe der über 35 Jährigen als regelmäßiges Getränk geschätzt wird, kann man sich auch vorstellen, welche Geschmacksrichtung in den jüngeren nachwachsenden Generationen durch diesen Trend gestärkt wird. Selbst die Zahl der Konsumenten, die angeben, regelmäßig alkoholhaltige Getränke zu trinken, ist zwischen 1990 und 2005 von 28% auf 19% gesunken.

Der Anteil der regelmäßigen Weinkonsumenten nimmt von Generation zu Generation ab, schon heute gehören die 30 bis 40 Jährigen nur noch zu den gelegentlichen Weintrinkern, die 50 bis 60 Jährigen sind die Hauptkonsumenten und die über 70 Jährigen die einzige Gruppe, die noch regelmäßig Wein zum Essen trinkt.

Studien gehen davon aus, dass sich der Geschmack zwar im Laufe des Lebens wandelt, so dass aus bis 25 Jährigen, die überhaupt nicht zu den regelmäßigen Weinkonsumenten zählen, durchaus noch gelegentliche Konsumenten werden können, zu regelmäßigem Weinkonsum wurde aber der Grundstein nicht mehr gelegt. 

Immerhin kann man daraus ableiten, dass der Weg in den Alkoholismus nicht durch Weinkonsum bestimmt wird
.


Bei den über 25 Jährigen wird Wein eher zu gehobeneren, geselligen Malzeiten im Freundeskreis gewählt (27%), der meiste Wein wird aber immer noch als Begleiter für die tägliche Mahlzeit erstanden.  Dabei ist allerdings zu bedenken, dass auch diese tägliche Mahlzeit im Familienkreis immer seltener wird – auch in Frankreich sind Fastfood und Fertigprodukte, die sich jeder individuell aus der Tiefkühltruhe in die Mikrowelle schaufelt und dann vor dem Fernseher (oder Computer)  wegschlingt, im Vormarsch.

Der zunehmende Einfluss der Anti-Alkohol-Lobby (ANPAA) , die schon seit Beginn der 90ger Jahre an Boden und staatlicher Unterstützung gewinnt, wird diese Situation nicht verbessern. Schon Anfang 1991 wurde das nach seinem Verfasser, Claude Evin, benannte Gesetzt (Loi Evin) zum Kampf gegen Tabak- und Alkoholsucht  verabschiedet, das genau bestimmt, innerhalb welchen Rahmens eine Werbung für Getränke, die Alkohol enthalten, erlaubt ist und alle anderen, nicht ausdrücklich genannten Werbeträger ausschließt. Internet war 1991 noch nicht populär genug, um in die Reihe der genannten Werbeträger aufgenommen zu werden, was in den letzten Wochen zu einiger Unsicherheit auch unter Weinbloggern in Frankreich geführt hat, ebenso wie die Verurteilung einer großen Zeitung, die eine Artikelserie über den „Triumpf des Champagners“ veröffentlicht hatte, die als verbotene Werbung durch Glorifizierung eingestuft worden war, zu Protesten in der nationalen und internationalen Presse führte.

Schaut man zusätzlich auf die Ausgaben der französischen Haushalte (hier eine Aufstellung von 2004), so sieht man, dass preislich die Durchschnittsausgaben pro Liter mit 2,69 € auch nicht wesentlich über denen deutscher Konsumenten liegen.  Es wird angenommen, dass  dabei  Importweine im Preissegment unter 1 € mit 30% zu Buche schlagen, vermutlich handelt es sich um spanische und italienische Importe (was dann auch wieder erklärt, dass der Zorn der militanten Winzerkommitees aus dem Languedoc sich gerne in Sète (dem Einfuhrhafen für solche Importe in Containern) entlädt...

Soweit zum Thema Alltagsweine in Frankreich. Das sie, wie in Deutschland, hauptsächlich in Supermarkt- und Diskounterketten gekauft werden, wo auch die praktischen BIBs einen immer größeren Marktanteil erreichen, kam ja schon bei der vorletzten Weinrallye - alles außer Glas - zur Sprache.

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Ich gehöre, obwohl nicht mehr unter 25, nicht zu den täglichen Weintrinkern. Mein Geschmack hat sich im Laufe der Jahre immer mehr weg vom leichten, süffigen Wein hin zu körperreicheren Kredenzen hinbewegt . Ich trete gerne in einen Dialog mit dem Wein ein, der sich in meinem Glas befindet, möchte, dass er mir etwas erzählt, von seiner Herkunft und seinem Erzeuger, das mich berührt und beschäftigt, zum Nachdenken und Träumen bewegt. Deshalb ist mein Wein immer ein besonderes Ritual, ein Zusammentreffen mit einem neuen (oder alten) Freund, für das ich mir Zeit nehme, also kein alltägliches Ereignis...

Dass ich damit den Absatz meiner Kollegen nicht unbedingt erhöhe, ist mir klar...

Jetzt bin ich gespannt auf die Ausbeute der Alltagsweinrallye im deutschsprachigen Raum, zu der
Harald Steffens vom Weingut Steffens-Kess uns für heute aufgerufen hat.

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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Weinrallye
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Swetlana 08/03/2008 00:53

Liebe Iris, das genussvolle Weintrinken ist uns beiden wohl gemeinsam, so dass wir uns beide berechtigterweise an dem Begriff  "Alltagswein" stören. Denn alltäglich sollte wohl kein Wein getrunken werden, egal, ob man nun unter oder über 25 Jahre ist! ;-)Beste Grüsse aus Berlin!Swetlana

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