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Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

Begleiten Sie mich also auf dem Weg durchs Winzerjahr. Hinterlassen Sie Ihre Kommentare oder stellen Ihre Fragen, damit aus diesem Blog ein lebendiges Kommunikationsmittel wird.

Ihre Iris Rutz-Rudel



Mercredi 6 février 2008
undefinedNachdem ich den ganzen Tag nun schon damit beschäftigt war, immer wenn ich in die Nähe des Computers kam, die neuesten  Beiträge der  anderen Teilnehmer für die 8. Weinrallye, deren Thema ich mir nur selber zuzuschreiben habe,  zu  sichten und  sie hier  anzukündigen, ist es jetzt höchste Zeit, meinen eigenen Beitrag  in die Tasten zu schlagen.


Auch für mich liegen die  Verkostungen der  klassischen Etiketten aus der Kathegorie mindestens einmal im Leben,  weit zurück und ich habe auch schon ausführlich darüber berichtet. Einen anderen Teil meines Pulvers habe ich dann vor 14 Tagen für die französische Weinrallye, die Vendredis du Vin # 10   verschossen, für die ich diesmal auch verantwortlich zeichnete. 

Wer jetzt sagt, dass ich es mir mit dieser doppelten Themensetzung aber sehr einfach gemacht habe, dem werde ich natürlich entgegnen, dass das Ziel eine komperative Studie sozio-kultureller Einflüsse beim Weinkauf nach hedonistischen Kriterien in einer durch ihr partielles Freizeitverhalten definierten und Web 0.2 orientierten multikulturellen Verbrauchergruppe war.  Ätsch!


Nachdem dort nur Weine aus meinem privaten Weinkeller vorgestellt wurden, zu denen ich eine besondere Beziehung habe, weil ich die Winzer  (oft sogar die Trauben) kenne und  alle eins gemeinsam haben: sie sind nicht mehr oder waren nie im Handel,  habe ich mir für heute eine Flasche aufgehoben, die ich wirklich nur  aufgrund ihrer Ausstattung,  wie man das nennt,  erstanden habe. 


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Objektbeschreibung:

Ein Rotwein in einer schönen, schweren Burgunderflasche  hell-milchkaffeefarbener Kapsel  und einem diskreten, leicht verformten, crèmefarbenen Halb- oder Viertelmond auf büttenartigem Papier auf der Vorderseite.

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Lesen kann man darauf  in handschrift-ähnlicher Kalligraphie : rendez-vous du soleil. Erst auf dem Rückenetikett erfährt man, dass es sich einen Vin de Pays Côtes de Brian 2002 von Nicole und John Bojanowski, Winzer aus St-Jean de Minervois, 34 360 France handelt. 13,5% Alkohol. 

Saint Jean du Minervois liegt in der Kalklandschaft des Minervois im Hérault, Languedoc, also auch nur ca. 30 km südwestlich von Lisson. Alles, was man über die Winzer und das Weingut "Clos du Gravillas" wissen möchte, findet man auf ihrer zweisprachigen (fr - en) Webseite.

Der Mond taucht auf mehreren ihrer Weine als Etikett auf, u.a. auch auf einem Douce Providence genannten Muscat de Saint-Jean, für den das Dorf eigentlich berühmt ist.

Kultureller Background:

Rendez-vous du Soleil erinnert jeden Franzosen sofort an den Refrain des  berühmten Chansons von Charles Trenet:

Le soleil a rendez-vous avec la lune, mais la lune n'est pas là et la soleil l'attend..

Da sowohl Nicole Bojanowski als auch Charles Trenet aus Narbonne stammen, ist sie wohl auch mit dieser Melodie im Ohr aufgewachsen.

Wer es hören möchte - mit Text in Französisch und englischer Simultanübersetzung - kann das hier .

Nach dem Rückenetikett stammt der Wein von alten Carignanreben (bis zu 91 Jahre alt), die zu den ersten Weinbergen des kleinen Guts gehörten. Durchschnittliche Ertragsmenge: 20 hl/ha. Nach der Webseite wird bei den aktuellen Jahrgängen ein geringer Prozentsatz Cabernet Sauvignon beigemischt, wie im Priorat.

Der Selbstversuch:

onlineverkostung


Und nachdem ich jetzt lange genug geschrieben habe, um dem Wein etwas Zeit zu lassen, sich von der mit 10°C doch für Rotwein recht eisigen Temperatur unseres Kellers zu erholen, kommt der spannende Moment, in dem ich den Korken ploppen lasse (ich hasse Schraubverschlüsse!) und mir ein Glas einschenke:

In der Farbe dichtes dunkles, fast schwarzes Rot mit stark ausgeprägten Schlieren am Glasrand. Im Geruch, auch bei so wenig Lüftung und immer noch gefühlen 15°C (also für Rotwein noch arg kalt) intensiver Duft von dunkelroten kompottierten Früchten, einer leicht vegetale, für jungen Carignan typische Noten und einer mentholischen Frische.

Im Mund dann deutlich wärmer durch den Alkohol, aber immer noch mit einer erstaunlichen Frische, Pflaume, Eukalyptus, keine sperrigen Tannine und ein nachhaltiger, fast sanfter Abgang, der eine ganz leichte Süße hinterläßt, ohne dabei den Rachen zu verkleben. Dann wieder Rückkehr dieses anhaltenden Frischegefühls.

Fazit: die Neugier wurde belohnt - leider erinnere ich mich nicht mehr an den Preis (ehrlich gesagt achte ich hauptsächlich darauf, nicht zu billige Weine zu kaufen - ich weiß einfach, was es kostet, einen guten Wein zu produzieren:-)). Das Gut ist übgrigens inzwischen, nach Anfangsjahren bei Terra Vitis, im biologischen zertifizierten Anbau, also Label AB.

Hmmm, der dürfte gleich hervorragend zum Lebergeschnetzelten in süß-saurer Sauce passen!







par Iris Rutz-Rudel publié dans : Weinrallye
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