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31 décembre 2005 6 31 /12 /décembre /2005 20:53
Hinter der leicht staubigen Vitrine des kleinen Ladens Nr. 5, rue Laplace, ist es schwierig, sich zwischen Regalen, Kartons und Kisten mit Flaschen und dem kleinen Tresen durchzuschlängeln, ohne etwas um zu stoßen.


Claire, die nette junge Dame, die den Empfang betreut, nimmt meine Personalien auf, kontrolliert, dass ich auch wirklich angemeldet bin und weist mir dann den Weg hinab in die Unterwelt der Grains Nobles, der „edlen Beeren“, in die man über eine Wendeltreppe gelangt. In einem alten Gewölbekeller, dessen Steine von allen Handystrahlen wohltuend abschirmen, wird gleich die Verkostung beginnen.


Ich wähle einen Platz nahe dem Podium, am anderen Ende des Saales, so, wie man es mir geraten hatte und nehme mir die Zeit, die übrigen Weinliebhaber zu beobachten, die an dieser Ausnahmeverkostung zum Jahresende teilnehmen werden.

Der Herr am Platz mir gegenüber gibt seiner Freude Ausdruck, dass mit mir ein weibliches Element an der Verkostung teilnehmen wird, das ist wohl nicht immer der Fall. Nun, der Abend wird ihn noch weiter überraschen: je mehr sich der Saal füllt, umso höher wird der Anteil des weiblichen Geschlechts, und bald gehe ich in dem Drittel der Teilnehmer, das wir am Ende bilden, fast unter. Was mich aber noch mehr überrascht und erfreut, ist der Hohe Anteil von Weinliebhabern unter – na sagen wir mal – 35. Ich gehöre ja schon lange nicht mehr zu dieser Gruppe, aber das gibt Hoffnung für die Zukunft des Weins – und verweist mein Vorurteil, dass so Prestige beladene Weine, wie die des heutigen Abends, in erster Linie von älteren Liebhabern umschwärmt werden.

Die Atmosphäre ist freundlich, sogar herzlich, zufällige Tischnachbarn stellen sich einander vor und so erfahre ich, dass der Herr zu meiner Linken extra aus den USA angereist ist, einer von schräg gegenüber aus Bordeaux – ich habe also nicht einmal das Privileg der weitesten Anreise. Ich würde am liebsten meine kleine informelle Umfrage weitertreiben, um auch über die 20 anderen Gäste mehr zu erfahren, ich bin halt von Natur aus neugierig, aber dann halte ich mich doch zurück.

Auf den Tischen vor uns ein weißes Platzdeckchen aus Papier mit Kreisen, für die 6 Gläser, ein Spucknapf und die Liste der Weine des heutigen Abends:

Domaine de la Romanée-Conti, Bourgogne, Jahrgang 2002

Echezeaux – Grand Echezeaux - Romanée Saint Vivant – Richebourg – La Tâche – Romanée-Conti


Drei Herren nehmen schon auf dem Podium Platz, der in der Mitte meint scherzend, er sei heute Abend aber besonders gut eingerahmt und ich profitiere von dieser entspannten Stimmung, um – ganz vom Blogger-Virus gefangen – die Erlaubnis für ein Gruppenbild einzuholen.



Der Charme des Herrn in der Mitte überzeugt mich sofort und ich bin sehr zufrieden, als ich erfahre, dass es sich um Aubert de Villaine, einen der Mitbesitzer des Gutes handelt. Ich lasse mir erklären, dass zu seiner Rechten Bernard Burtschy gerade sein Laptop aufgeklappt hat, auf dem er seine Notizen nehmen wird und zu seiner Linken Michel Bettane, dessen Anblick mich immer noch leicht erröten lässt, wenn ich an die Anekdote aus den Anfangszeiten unseres Weinguts denke, die ich verspreche, meinem Tischnachbarn nach der Verkostung zu erzählen...

Das Publikum ist inzwischen vollständig versammelt (23 Personen) und Aubert de Villaine eröffnet den Abend mit dem „Film“ des Jahrgangs 2002 in Burgund:

Wie so oft typisch für Burgund, folgte auch in diesem Jahr nach einer Periode, in der sich die Natur eher von ihrer feindlicheren Seite gezeigt hatte eine Wendung zum Guten und das Zusammenspiel beider führte dann doch noch zu einem guten Jahrgang.

Der Austrieb der Trauben war früh und sehr großzügig, aber eine regnerische Periode Anfang Juni hatte eine starke Verrieselung zur Folge. Eine neue Schönwetterperiode um den 10. Juni herum ließ andere Weinstöcke noch später austreiben und führte zur Entwicklung sehr großer Trauben.

So wurde schon relativ früh klar, dass alles auf zwei verschiedene Erntetypen hinauslaufen würde:

a)    einen mit den edleren Gewächsen der alten Rebflächen mit kleinen Trauben, geringer Ertragsmenge und einem schönen Gleichgewicht
b)    einen von den größeren Stöcken, an denen fettere Trauben eine reichere Ertragsmenge ankündigten.

An den Stöcken des Typus a schien das Klima im Juli und August, mit den abwechselnden Perioden von Regen und Sonnenschein im richtigen Augenblick, die Häute der Beeren abzuhärten, so dass sie den Herbst bei perfekter Gesundheit erreichten. Trauben des Typus b zeigten schon Ende August Spuren von Fäulnissporen, die bei anhaltendem Regen zur Katastrophe geführt hätten – aber das dann einsetzende sonnige Wetter, das bis zum 15. Oktober anhielt, rettete den Einsatz.

Ab dem 3. September schritt die Reifung schnell voran und man konnte eine Steigerung um 1 bis 2° pro Woche messen. Es wurde also beschlossen, am 20. September mit der Ernte zu beginnen und in den folgenden 10 Tagen Trauben mit einem potentiellen Alkoholgehalt von 12,8 bis 13° Volumen einzubringen.

Die Ernte ging in zwei Schritten vonstatten: zunächst die alten Rebstöcke des Typus a mit ihren feinen, perfekt gesunden Trauben, und 3 Tage später die Trauben des b-Typus, nicht ganz so gesund, also mit viel mehr Sorgfalt auszulesen. Sie wurden letztendlich hauptsächlich für die Erarbeitung des Vosne Romanée 1er Cru  verwendet.

Neben den Jahrgangseinflüssen, gibt es noch einige generelle Regeln, die vor allem die Qualität der Trauben beeinflussen.

Die Domaine wird seit 1985 nach den Prinzipien des biologischen Anbaus bewirtschaftet, unter anderen beraten von Claude Bourgignon, der uns im übrigen davon erzählt hatte, als er 1990 nach Lisson kam, um unsere Bodenanalysen durchzuführen.

Diese biologischen Methoden führen zu einem Reifevorsprung der Trauben, der bis zu einer Woche betragen kann, Grund dafür ist vermutlich auch das Fehlen von zu dicken Ablagerungen von Spritzmitteln auf den Blättern, die die Fotosynthese zur Zuckerentwicklung behindern.

Die Weinberge sind sehr dicht bepflanzt, im Mittel 10 000 Stöcke pro Hektar und werden so geführt, dass die durchschnittliche Ertragsmenge zwischen 27 und 30 hl/ha liegt (Davon kann ich in Lisson nur träumen – ein Dreifaches meiner Erträge beim Pinot). Die Weinpflanzen stammen aus einer internen Selektion des Gutes, von heute 60 verschiedenen Klonen, die aus dieser Selektion hervorgegangen sind, hofft man, für die Zukunft auf 100 bis 120 verschiedene Klone aufstocken zu können, um so die Diversität der Biomasse zu erhalten. „Inzwischen kennen wir uns da aus, heute haben wir alle Elemente unter Kontrolle, um Fortschritte zu machen. Selbst ein Gut wie das unsrige hat noch Spielraum, um besser zu werden.“ (dixit AdV)

Natürlich hängt die Arbeit auf dem Gut auch von der Qualität der Mitarbeiter ab. 30 Personen sind ganzjährig beschäftigt, die Qualität der Erzeugnisse aufrecht zu halten. Für den Rebschnitt kann aber selbst hier nicht das Prinzip des spätmöglichsten Schnitts (nichts ist so gut, wie der Schnitt im März) voll beachtet werden, da das noch mehr Personal und Koordination erfordern würde.

Die Böden, die in den 50ger Jahre ziemlich heruntergewirtschaftet worden waren, haben sich inzwischen dank der Verwendung von Kompost aus geschreddertem Rebholz, Trester und 25% Mist, der alle 3 bis 4 Jahre in moderaten Mengen von 2 bis 3 Tonnen pro Hektar ausgebracht wird, wieder erholt.

6 bis 7 Hektar der Domaine werden sogar nach biodynamischen Prinzipien bearbeitet, aber die Erfahrungswerte zeigen bisher noch keine Überlegenheit der so erarbeiteten Produkte im Vergleich zu den „nur“ biologisch angebauten.

Es ist ein Grundprinzip, so wenig wie möglich auf die Trauben einzuwirken, denn „sobald man bei dieser Qualität von Traubengut zu viel tut, senkt man die Qualität“ (AdV)

Die Weinbereitung, die nach einer vom Jahrgang bestimmten Auslese erfolgt, findet in einfachen Behältern statt und ist auch so wenig eingreifend wie möglich. Auch die Entscheidung darüber, wie weit die Ernte entrappt wird, hängt ganz vom einzelnen Jahrgang ab. Es ist erstrebenswert, dass der Beginn der Gärung in den ganzen Beeren stattfindet „die Gärung sollte nicht erst ‚im Wein’ stattfinden“.

Jede Lage erzeugt ihre spezifischen Hefen, aber die Gärungen liegen meist sehr dicht beieinander.

Der Ausbau erfolgt in neuen Barriques mit mittlerer Tastung. Das Holz für die Fässer wurde lange Zeit vor seiner Verarbeitung sorgfältig ausgewählt, wie für die Korken und den Flaschentyp später ist auch hier schon alles „maßgeschneidert“.

Die Flaschenabfüllung erfolgt auf sanfte Art.  Für die Weine aus 2002 erfolgte sie im Februar und März 2004, während des Ausbaus erfolgte nur ein einziger Abzug. Je nach Lage und Zahl der Fässer erfolgt die Abfüllung entweder pro Fass (was manchmal zu einem leichten Unterschied zwischen den Fassabfüllungen innerhalb eines Weines, ja, nach Michel Bettane, sogar zu Unterschieden zwischen dem Beginn und den Ende einer einzelnen Fassabfüllung führen kann) oder in Gebinden von 5 Fässern in einem Tank, hier kann die Abfüllung dann homogener und nur mit Schwerkraft erfolgen.

Zu den aktuell in Angriff genommenen Arbeiten gehört die Etablierung der „Zurückverfolgbarkeit“ des Weins, vom Fass über die Flasche bis hin zum Verbraucher – eine Maßnahme, die ebenso dem Schutz des Gutes vor unerwünschten Wiederverkäufern  dient, wie der Information des Endkunden.

Und während uns all diese Informationen gegeben wurden, der „Film“ ablief, wurden uns nach und nach die Gläser, die wir vorher mit einem „kleinen“ Burgunder ausgespült hatten, gefüllt.

Für mich war es ein besonderes Vergnügen, Aubert de Villaine zuzuhören, zumal er auch bereitwillig und ausführlich auf alle gestellten Fragen antwortete. Ich hatte nicht erwartet, an der Spitze eines so berühmten und fast mythischen Gutes eine so geradlinige, einfache und zugängliche Persönlichkeit zu finden, stolz nur auf sein Produkt – und auch das in einer Form von Understatement, die aber die Liebe zum Wein und die aufmerksame Fürsorge in allen Details für die Gewächse nicht übertünchte – eben  ein echter, großer Winzer.

Nun aber zu meinen Verkostungsnotizen. Sie sind recht knapp, echte Bewunderung und Geschmacksvergnügen führen bei mir eher zu großer innerer Zufriedenheit als zu aufgeregtem Wortschwall. Das werden vermutlich andere Teilnehmer, wie Bernard Burtschy oder Michel Bettane an anderer Stelle ausführlicher veröffentlichen. Aber ich werde Ihnen doch meine Notizen in Kurzform wiedergeben:

Echezeaux 2002 : 4,5 ha, Lagenname La Poullaière.

Farbe : helles Rubinrot, Duft : wie eine sehr schöne Blumenseife, Geschmack : erneut Frucht und Blumen, gute Säure, sehr fein.
Kommentar vom Podium:  « wäre gerne eine Konkurrenz für die anderen, schafft es aber nie – das nennt man eben Terroir. »

Grands Echezeaux 2002: von den beiden Flaschen, die für die Verkostung geöffnet worden waren, hatte leider die, die auf unserer Seite des Saales serviert wurde, ein Korkproblem (keinen Korkschmecker!). Daraus ließen sich die eher animalischen Noten, die in dieser Entwicklungsphase noch nicht typisch für den Wein sein sollten, erklären.
« Sehr diskret, fein, hält sich noch zurück.»

Romanée Saint Vivant 2002: dieser Wein kommt von einem Hügel mit tiefgründigerem Boden, bis auf eine kleine Felsbank im Untergrund. Der Wein ist ziemlich blass in der Farbe, etwas pfefferiger im Geschmack als die vorhergehenden – eine gute Dichte bei aller Transparenz.



Richebourg 2002 : 3,5 ha der 8 ha die diese Appellation umfasst. In der Farbe mit etwas mehr orangenen Tönen, im Duft kräftiger, im Geschmack dichter mit mehr Säure
« sehr aristokratisch im Abgang» - « jedes Jahr findet man die gleiche Persönlichkeit bei jedem der Weine, aber immer mit einem anderen Gesicht».

La Tâche 2002 : 6 ha. Pfefferiger noch als seine Vorgänger, Kraft und Dichte. « Noch in sich selbst verschlossen». Für mich in sehr « grüner » Eindruck, wie das Parfum frischen Heus. Altert noch langsamer.

Romanée-Conti 2002: 5 548 Flaschen, (unsere Flasche trägt die Nummer 4 827) 1,8 ha (= 23 hl/ha). Im Duft ein sehr reines Fruchtaroma, im Geschmack anhaltend komplex, pfefferig, leicht grün, sehr lang im Abgang.



Nachdem ich die letzten drei Weine der Reihe verkostet habe, fällt es mir schwer, die ersten der Serie unbeeinflusst neu zu kosten. Sie fallen für mich zu sehr ab – normal, schließlich ist das Bessere der Feind des Guten, wie man hier so schön sagt...  Aber für mich ist an diesem Abend im Vergleich der Unterschied in der Intensität so groß, dass sie mir platt, ohne genügend Biss erscheinen.



Wenn ich nachträglich meine Notizen lese, bedauere ich, dass ich nicht mehr Fragen zur Weinbereitung gestellt habe, den Unterschieden zwischen der Behandlung der Crus, dem Ort der Weinbereitung, denn die wenigen Elemente, die ich habe, erklären meiner Meinung nach nicht die so deutlichen Unterschiede – es ei denn, man erklärt alles mit dem Terroir-Effekt.

Auch ein Blick auf die geologischen Karten, wie sie z.B. James E. Wilson in seinem Buch « Terroir – Schlüssel zum Wein » liefert, kann mich nicht voll überzeugen. 

Jedenfalls verlasse ich diese Veranstaltung mit einem glücklichen Lächeln im Gesicht, zufrieden, dabei gewesen zu sein, mit dem Eindruck, Mitmenschen getroffen zu haben, die begeisterungsfähig und sympathisch sind, so wie eine große Persönlichkeit der Weinwelt und sehr interessante Weine, die Lust machen, mich wieder etwas näher mit den roten Burgundern  zu beschäftigen, um irgendwann besser zu verstehen, welchen Anteil Winzer und Terroir beim Entstehen großer Burgunder nun haben.

Mein großzügiger Gastgeber und ich beenden den Abend in einem sympathischen kleinen Restaurant ganz in der Nähe: Le Petit Prince de Paris, 12 rue Lanneau. Das Menü ist gut, die Atmosphäre angenehm – aber es fällt uns schwer nach dem, was wir gerade verkostet haben, einen Wein aus der Karte auszuwählen...  Schließlich entscheide ich mich für einen Chinon von Charles Jouguet, dessen Taninstruktur und Geschmacksfülle ich normalerweise sehr liebe – aber auch ihm fiel es an diesem Abend schwer, unsere verwöhnten Geschmacksknospen zu überzeugen.

Danke, Eric, für dieses mehr als nur schöne « Weihnachtsgeschenk »!












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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Essen und Trinken
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Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

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