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30 décembre 2005 5 30 /12 /décembre /2005 19:33
24 Stunden in Paris – mein diesjähriges „Weihnachtsgeschenk“ – schon vor dem Fest genossen, aber die Freude hält noch an – und da geteilte Freude bekanntlich doppelte Freude ist, werde ich etwas ausführlicher darüber berichten – zumal es in erster Linie natürlich um Wein ging.

Obwohl mich Paris an diesem 16. Dezember genauso grau, windig und feucht empfing, wie mich Düsseldorf verabschiedet hatte, war schon die Fahrt im Taxi vom Gard du Nord zu meinem Hôtel am Panthéon ein großes Vergnügen. Nach vorweihnachtlich belebten Straßen und Gassen in den großbürgerlichen Häuserschluchten, die Fahrt über den Place du Louvre mit seiner Glaspyramide und die Seinebrücke – die engen Gassen des Rive Gauche, Erinnerungen an lange Fußmärsche an milderen Tagen durch dieses Viertel und schließlich Ankunft Place du Panthéon im 5. Arrondissement – das Gebäude verschwindet aus meiner Perspektive fasst hinter einer Hecke aus Weihnachtsbäumen, die mich irgendwie an Macbeth erinnern – das kommt wohl vom Wetter.



Mein Zimmer ist noch nicht bereit, aber jetzt gewinnt die Neugier Oberhand über die Reisemüdigkeit und ich stelle nur schnell mein Gepäck in die Lobby und wage mich dann raus in Wind und Regen.

Zwei Ecken weiter und schon stehe ich auf einer belebten Straße voller kleiner Läden, die, wie in vielen Vierteln von Paris abseits der Grand Boulevards, eher an eine rührige Kleinstadtstraße als an die Kapitale mit dem großen K erinnert. Es ist die rue Saint Jacques, die dieses den Universitätsinstituten gewidmete Viertel durchquert. Ich beschließe, nicht in einem Restaurant zu essen, sondern lieber ein paar Kleinigkeiten für einen improvisierten Imbiss im Hotelzimmer zu kaufen, der Magen und Gaumen vor der großen Verkostung am Abend bei Grains Nobles nicht zu sehr belastet. In einer Fromagerie – einer kleinen Käsehandlung, wie man sie so wohl nur in Frankreich findet – gibt es sogar das berühmte Pain Poilâne, echtes Brot – wie mich hier mein deutscher Chauvinismus sagen lässt – und dazu eine so große Auswahl an Rohmilchkäsen, dass die Qual der Wahl die Entscheidung wieder schwer macht. Schließlich lasse ich mir eine Ecke Brie de Meaux, bien fait, abschneiden, damit ist mein leibliches Wohl bis heute Abend schon garantiert.

Und einige Schritte weiter, wo ich vor dem Nass unter der Markise eines islamischen Buchladens Schutz suche, fällt mein Blick sofort auch auf das ideale Geschenk für meinen Gastgeber des heutigen Abends, der mich mit seiner Einladung zur Verkostung hierher gelockt hat. Für einen solchen Weinliebhaber, was könnte man besseres finden, als diese große, mit poetischen Fotos und unzähligen Kalligraphien versehene Ausgabe der 40 besten 4zeiler des persischen Poeten Omar Khayyâm über Sein und Nichtsein, die Liebe und den Wein. (Leider finde ich hierzu keinen Link, der auf eine gute Übersetzung ins deutsche verweist, die Beispiele, die es gibt, scheinen mir nicht angemessen – schade).



Immer noch rue Saint Jacques, auf dem Rückweg zum Hotel, entdecke ich einen Weinhändler, „Les Caves du Panthéon“ wie auch anders in dieser Nachbarschaft und eine Tafel, auf der mit Kreide eine Verkostung für später am Nachmittag angekündigt wird: Weine aus Bandol an der Côte d’Azur, also ist das Programm für die paar Stunden, die mir bis zum Abend bleiben, schon gemacht.

Endlich im Hotelzimmer gibt es aber erst mal ein heißes Bad (wir haben kein Bad und kein fließend heißes Wasser in Lisson, es handelt sich also um ein seltenes Vergnügen!)

Dann kommt mein gutes Lagiol zur Geltung, um Brot und Käse genüsslich zu verspeisen – ein bisschen Lektüre – die neue französische Übersetzung von Khayyâm ist wirklich fantastisch – und schon geht’s gestärkt wieder hinunter zum Weinhändler um die Ecke.

Der Winzer des Tages ist Raynald Dellile von der Domaine de Terrebrune in Bandol.  Er hat drei Jahrgänge zur Verkostung mitgebracht: 2001, 1998 und 1995.



Alle drei sind, wie typisch für die Appellation Bandol, hauptsächlich mit der roten Sorte Mourvèdre erarbeitet. Hier bildet sie 80% der Cuvées, ergänzt durch Grenache und Cinsault.
Die Trauben werden entrappt, was es dem 2001 erlaubt, schon relativ weicher einher zu kommen, als unsere Lisson Weine des Clos des Cèdres. Der Ausbau erfolgt in Fudern, für mich gibt das immer eine typische Geschmacksnote, die nichts mit den Taninen von Barriques zu tun hat und die man noch häufig auch in Weinen aus dem Languedoc findet. 2001 muss auch an der Côte d’Azur ein Jahrgang mit guter Reife gewesen sein,  der Fruchtcharakter der Trauben ist sehr präsent und es bleibt sogar noch ein leicht süßer Nachgeschmack in der Kehle.  Der 1995ger zeigt sich gut ausbalanciert, ein Wein, der schon reif in der Flasche ist, komplex im Geschmack und erstaunlich fein, für einen Mourvèdre. Ich kann ihn mir gut als Begleiter bei Tisch vorstellen. Aber meine persönliche Vorliebe trifft der 1998ger, ein Wein noch voller Kraft, weniger ausgeglichen als der 1995, aber schon mit weiter entwickelten Aromen und mehr Pfeffer als der 2001.



Der Winzer wundert sich über meine detaillierten Fragen über Weinbereitung und Arbeit im Weinberg – und ich muss zugeben, dass ich nicht nur beruflich damit zu tun habe, sondern eben auch gerade die Mourvèdretraube in unserem Weinberg in Lisson kultiviere. Ich weiß nicht, ob seine Ungläubigkeit, dass es noch anderswo als in Bandol und Spanien Weine aus dieser Traube geben kann, nur Koketterie ist oder wirklich Wissenslücke.

Am nächsten Tag kommt ein weiterer Winzer aus Bandol hierher, Château Pibarnon würde mich natürlich auch sehr interessieren, die letzten Weine dieses berühmten Guts, die ich getrunken habe, stammten aus dem Jahrgang 1989 und waren 10 Jahre später hervorragend.  Ein anderer Stil als mein Lieblingsbandol von Chateau Pradeaux, aber eben auch ausgezeichnet.

Jetzt habe ich noch eine Stunde Zeit, um meine Geschmacksnerven von den Gerbstoffen des Mourvèdre zu erholen – ich hätte vorher daran denken sollen, schließlich kenne ich das Problem von zu Hause, vor allem nach einer Fassverkostung der Clos des Cèdres...

Ich suche mir ein Bistro und finde schnell das Café de la Nouvelle Mairie, rue Fossés Saint Jacques, dass durch die Scheiben einfach und gemütlich erscheint. Welche Überraschung, beim Eintritt zu entdecken, dass es hier eine schöne Auswahl an Weinen gibt, die auch glasweise angeboten werden. Auch hier eine Tafel, auf der mit weißer Kreide die aktuellen Angebote aufgeführt sind. An den Wänden humoristische Plakate und Bilder rund um den Wein. Wenn es nicht darum ginge, jetzt den Mund frei zu spülen, würde ich gerne das eine oder andere Glas verkosten.



Aber langsam wird es nun Zeit, mich dem Ziel meiner Reise zu nähern. Auf der anderen Seite der Place du Panthéon, in einer kleinen Gasse, finde ich schnell den Weinhandel von Grains Nobles, 5 rue Laplace, wo mich die einmalige Verkostung der Weine des Jahrgangs 2002 der Domaine de la Romanée Conti erwartet.





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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Essen und Trinken
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