Jeudi 15 décembre 2005 4 15 /12 /Déc /2005 00:00

Paris-Köln mit Thalys

Kleine Panne nach dem Start: die heiß ersehnte und mit einem1. Klasse Ticket bezahlte Steckdose liefert keinen Saft. Auf  Nachfrage bei der freundlichen Hostess wird mir mitgeteilt, dass ich auf den Kontrolleur  warten muss, der allein das Geheimnis des kleinen Knopfes kennt, auf den man in einem solchen Fall drücken muss.

Leider werden wir diesmal ausnahmsweise zwischen Paris und Brüssel nicht kontrolliert.
Erst in Brüssel taucht einwichtiger Herrin den mausgrauen Farben von Thalys auf, dem ich mein Anliegen mitteilen kann- und kurze Zeit später verkünden ein sonores Spannungsgeräusch und ein rotes Lämpchen an der Steckdose neben meinem Knie, dass das magische Knöpfchen gedrückt worden ist.

Aber diesen kleinen Fehler kann ich doch schnell verzeihen, denn das kleine Klapptischchen wird für das  Tablett des am Platz servierten und im Preis einbegriffenen Mittagessens gebraucht. Und da häufig die erster Klasse Tickets günstiger angeboten werden, als die regulären Preise der 2. Klasse, wird jeder verstehen, warum  ich nur noch 1. Klasse reise und mich auf eine kurzweilige Benutzung meines Schlepptops freue.

Dazwischen bleibt auch noch Zeit für einen kurzen Blick aus dem Fenster, der je nach Landschaft auch mal länger ausfallen kann- aber auf der Fahrt von Paris nach Köln lohnt das nur auf der Strecke durch die Ardennen, der Rest ist – vor allem bei grauem Himmel – doch zu trist und flach und eintönig, das „platte land“ eben.

Zum Mittagsmenü (kaltes Fleisch mit Sauce, einer Beilage und kleinen Gemüsen, einem Stück Camembert, Butter und einer Mischung aus französischem Baguette und deutschem Brötchen, belgischem Tafelwasser und immer einem schmackhaften Dessert, gibt es eine reiche Auswahl an Getränken. Nachdem ich mich beim ersten Mal mit Tafelwasser zufrieden gegeben hatte, war ich diesmal fest entschlossen, den Wein zu testen.  Immerhin gibt es drei Sorten in kleinen Fläschchen mit Schraubverschluss zur Auswahl. Neben Weißwein, locken zwei rote, die als Bordeaux und als Cabernet Sauvignon angekündigt werden.  Kurz entschlossen entscheide ich mich für Cabernet Sauvignon (und stelle mir im Stillen die Frage, was ich mir dann unter einem „typischen“ AOC Bordeaux vorzustellen hätte).

Und siehe da, es handelt sich um einen „Eindringling“ – kein Vin de Pays d’Oc, sondern ein weit gereister Wein vom Cap:

Kloof en Berg – South African Ruby Cabernet – wine of  Origin Breede River Valley, 14°

schallt mir vom Etikett entgegen.



Unter einem pastellig gemalten Bild eines Herrenhauses vor Felsmassiv und umrahmt von Rebzeilen, geht die Poesie noch weiter:

Beauty of the Cape Dutch architecture with the curling white gables of its houses scattered thought the Arcadian country side.

All das “Product of the Republic of South Africa”, aber immerhin “Selected, imported and bottled by Paul Sapin at F-71090 D – France.

Immerhin scheint Herr Tannenbaum der Hoflieferant der Eisenbahngesellschaft zu sein, denn auch die beiden Bordeauxweine stammen aus seiner Abfüllung, unter dem fantasievollen Markennamen „James Deschartrons“ kommen der rote und der weiße Bordeaux ,die schamhaft ihren Jahrgang verschweigen, als AOC daher, allerdings in der Sprache Shakespeares verraten, dass sie Schwefel enthalten (contains sulphur).



Und jetzt kann ich mich nicht länger davor drücken, hier muss jetzt meine erste Verkostungsnotiz der Reise folgen.

Nun, rot war er, der Cabernet Sauvignon vom Cap, rubinrot sogar, wie auf dem Etikett versprochen – also eher die Farbe eines klassischen Pinot. Er muss für seine 14° nur sehr kurze Zeit auf der Maische verbracht haben. Das wurde dann aber sehr wahrscheinlich durch Zugabe von fruchtigen Hefen Typ englische Bonbons (die runden kirschroten Dinger, die ich als Kind immer mit Begeisterung von ihrem Holzstäbchen ablutschte, na gut, dünner, aber trotzdem aufdringlicher  Geschmack von Cassis ), ausgeglichen. Für mich hätte es auch durchaus einer der vielen ununterscheidbaren Carignan, Grenache, Cinsault aus einer Kooperative des Languedoc sein können – aber auch Merlot ist mir schon mit diesem Einheitshefengeschmack begegnet. Trinkbar, „ohne Fehler“ vermutlich, aber auch ohne jede Persönlichkeit. Schade, von einem so weit angereisten und offensichtlich sonnengereiften Herrn hätte ich zwar keine Wunder, aber durchaus etwas mehr Charakter erwartet.

Ein gutes Beispiel für die Ursachen der gegenwärtigen Absatzkrise französischer Massenweine: woanders wird genauso industriell und standardisiert gearbeitet, aber vermutlich eben doch soviel billiger, dass sich die weite Reise bis zur Abfüllanlage des Herrn Sapin lohnt – zumindest für diesen.

Den weißen AOC Bordeaux aus dem gleichen Haus, den man mir freundlicherweise für das Foto gab und dann auch noch schenkte, werde ich auch noch probieren, versprochen – aber nicht mehr heute!






Par Iris Rutz-Rudel - Publié dans : Strandgut - Voir les 0 commentaires
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