Vendredi 16 novembre 2007
Die 5. Weinrallye,
ausgeschrieben von Wolf Hosbach vom Blog Hausmannskost, hat mich trotz eifriger Bemühungen aus der
Kurve getragen. Das Thema diesmal, Sangiovese - möglichst nicht aus der Toskana. Klingt recht einfach, wenn
man in Deutschland lebt (und nicht nur für die Toskana Fraktion). Italienische Weine sind seit vielen Jahren nicht nur in Pizzerien - wie in meiner Jugend - zahlreich vertreten.
Enotheca heißt sicher mehr als ein Weinfachgeschäft und selbst beim Discounter um die Ecke bieten die Regale reichlich Auswahl für unkonditionelle Italienfans.
Ganz anders sieht das hier in Frankreich aus. Jedenfalls wenn man außerhalb der großen Städte auf dem Land lebt, hat man kaum eine Chance, eine gute Flasche aus Italien
importierten Weins in die Hand zu bekommen. Wenn im Languedoc von italienischen Weinen die Rede ist, dann geht es meist um Tanks von Containerschiffen, die ein aufgebrachtes Aktionskommitee der verzweifelten Winzergenossen ins Meer geleert hat, ehe sie, von
heimischen Großabfüllern auf den internationalen Markt gebracht werden und so der eigenen Massenware Konkurrenz
machen können.
Supermärkte führen zwar inzwischen auch Weine aus Übersee, aber doch eben nur die "grosse cavalerie", also Nichts, was den Weinliebhaber vom Hocker werfen könnte - kurz: die Ausbeute meiner
Recherchen war mehr als mager. Ich konnte eine einzige Flasche Chianti Classico zum Preis von 2,59 € bei einer in Deutschland beheimateten Discounterkette finden, die zwar als DOC
ausgezeichnet war, deren Rückenettiket mir aber über die darin enthaltene Rebsorte nicht einmal Auskunft gab.
Ich gebe es zu, ich war feige: ich habe sie zwar gekauft, aber nicht gewagt, sie zu öffnen und hier vorzustellen.
Und so hing ich nur meinen Erinnerungen an die Reise durch das Weinangebot Italiens und speziell der Toscana nach, die ich vor Jahren bei einem Besuch auf der
Vinexpo, der weltgrößten Fachausstellung für Wein in Bordeaux, gesammelt habe. Fast jeder Wein war eine Enthüllung für unsere französischen Geschmacksknospen. Eine alte
Visitenkarte von Alessandro Francois (die Familie wanderte im 19. Jahrhundert aus Frankreich nach Italien ein), erinnert an diese Entdeckungen. Die Weine seines Castello di Querceto aus dem Greve, gehörten zu unseren schönsten Entdeckungen. Bezugsadressen in unserer Gegend gab es damals nicht - ob sich das wohl
inzwischen geändert hat?
Wolf gab mir den Tip, dass ich ja vielleicht über einen korsischen Wein berichten könne. In der Tat findet man dort (und nirgendwo anders in
Frankreich, wo es strenge Gesetze für die Auswahl der erlaubten Rebsorten gibt) Rotweine aus der als typisch geltenden Rebsorte Niellucio, die
nichts anderes ist als der aus Italien stammende Sangiovese.
Aber auch diese Piste führte nur in eine Sackgasse. Zwar weiss ich, dass die Weine aus Patrimonio schon auf dem französischen Festland
angekommen sind. Einer der bekanntesten Winzer mit Charakter ist Antoine Arena, der vor allem im Kreis der Liebhaber naturreiner Weine seine Berühmtheit hat. Ich fand wunderschöne Fotos seiner Weinberge, enthusiastische Besprechungen seiner Weine, aber 50 km in der Runde (und so weit sind die
nächsten Fachgeschäfte - hier Caviste genannt - entfernt), keine einzige Flasche.
Und so muss die Weinrallye diesmal ohne einen flüssigen Beitrag aus Lisson weiterfahren - schade, denn ich fühle mich in ihrem Pulk schon recht heimisch. Vielleicht habe ich bei der
nächsten Etappe mehr Glück - ich bin schon gespannt, wohin die Reise gehen wird!
Da die winterliche Kälte inzwischen bis nach Südfrankreich vorgedrungen ist, hier aber noch ein korsisches Sprichwort, das man sich zu Herzen nehmen kann:
"e donne e u venu scaldanu l'omu"
Frauen und Wein erwärmen den Mann!
par Iris Rutz-Rudel
publié dans :
Weinrallye
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