Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in
Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher
statisch aufgebaut. Ein Blog (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und
auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.
Begleiten Sie mich also auf dem Weg durchs Winzerjahr. Hinterlassen Sie Ihre Kommentare oder stellen Ihre Fragen, damit aus diesem Blog ein lebendiges
Kommunikationsmittel wird.
Une fois n'est pas coutume - also keine Angst, dieser Blog wird sich nicht in einen Kochblock verwandeln - da gibt es viele geeignetere Autoren - zumal das Kochen in Lisson schon vor Jahren
von Klaus übernommen wurde - die Winzerin wird nur für Hilfsarbeiten, wie Kartoffeln schälen und würfeln, Gemüse putzen und die gelegentliche Produktion von Kartoffelpurée
beschäftigt - dafür darf ich den Wein zum Essen auswählen.
Aber zum jüngsten Start der Knöedel in die Blogosphäre passt doch unbedingt dieses Riesenexemplar, das uns gestern zum Abendessen bei deutschen Freunden im Tal serviert wurde.
Aufmerksame Leser kennen sie übrigens schon von unseren Weinernten, Heiner und Anja sind
inzwischen Spezialisten für den Clos des Cèdres. Auch in unserer Linkliste sind sie mit ihren Ferienwohnungen
vertreten, die sich aufgrund ihrer Lage hervorragend als Ausgangspunkt für Ausflüge in die umliegenden Weingebiete, wie Faugères, Saint Chinian, die Coteaux du Languedoc und an die
Mittelmeerküste eignen.
Auch in La Licorne stand diesmal der Mann am Herd. Bei unserer Ankunft wurde gerade der Teig für die "Sättigungsbeilage" gemischt: eine Schüssel
trockenes, zerkleinertes altes Baguette eingeweicht in lauwarmer Milch, zehn getrennte Eier, das Eisweiß (wofür hat man
Handlanger) von Anja zu steifem Schnee montiert, etwas Mehl sowie Salz, Pfeffer und eine Prise Muskat als Gewürze: all das zu
einem lockeren Teig vermengt, am besten mit kühlen Händen. Das Ganze anschließend kurz ruhen lassen, dann auf ein gebuttertes Küchentuch gelegt, das oben gut
zugeknotet wird und anschließend in einem passenden Topf mit simmernden Salzwasser zweimal ca. eine halbe Stunde ziehen lassen. Dabei zur Hälfte
der Zeit das Bündel umdrehen, damit der Kloß bis in den Kern gart - fertig ist der größte Serviettenknödel, den ich bisher gesehen habe.
Die Butter auf der Innenseite des Tuches ist das"truc", das kleine Geheimnis, das ein Ankleben des Teigs an der Hülle verhindert.
Dazu ein traumhaft zarter Schweinebraten - schön saftig und natürlich der unabdingbare Saucenlieferant:
Und als Gemüsebeilage hausgemachter geschmorter Rotkohl mit pikantem Nelkenaroma.
Fertig war der ebenso nahr- wie schmackhafte Hauptgang. Wobei der in Scheiben geschnittene Serviettenknödel durch seine lockere Leichtigkeit
überraschte: ein idealer Saucenbegleiter.
Als Wein bot sich ein Roter aus der benachbarten Appellation Faugères an, von
Château Haut Fabregues, dessen dunkle Fruchtnoten und erstaunlich sanfte Tanine für einen noch jungen Wein aus Carignan, Grenache, Mourvèdre und Syrah, ihn zu
einem durchaus angenehmen Begleiter für den Gang machten.
Und da 4 Personen trotz guten Appetits nur schwerlich mehr als die Hälfte des Riesenknödels schaffen konnten, weiss ich schon, was es heute Abend in beiden Haushalten zum Essen geben wird -
natürlich Scheiben vom restlichen Serviettenknödel, kurz von beiden Seiten in der Pfanne gebraten - an einem kalten Frühwinterabend wie heute auch ein
Genuss.
Das war's von der Unterwanderung der mediterranen Küche durch die Knödel - Fortsetzung sicher immer wieder bei den Foodbloggerinnen der Knödels.
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