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30 novembre 2005 3 30 /11 /novembre /2005 18:58



Das hat eine französische Marketingagentur herausgefunden, die untersucht hat, was in der Konzeption eines Flaschenetiketts Franzosen zum Kauf reizt oder davon abhält. Sie legten 300  ausgewählten Verbrauchern  je 50 Etiketten französischer und ausländischer Weine vor, die sie bewerten sollten. Dabei wurde methodisch einer Bewertung nach dem Kriterium „mag ich, mag ich nicht“, kaufe ich, kaufe ich nicht“ bevorzugt, es ging nicht um Kommentare.

Nach dieser Studie geht es Franzosen eher um Etiketten, die als „Adelsbrief für den Wein“ gelten können, also eher klassische Modelle. Nach Aussagen der Agentur ist ein zu gestyltes Design- Etikett eher kontraproduktiv für die Kaufentscheidung. Dabei stimmten die Vorlieben der 300 Probanden überein, unabhängig von Alter, Geschlecht, Beruf oder Ort des Einkaufs.

Die Lektüre dieses Artikels hat mich nicht ganz überzeugt, ich wüsste doch gerne mehr über die Zusammenstellung der Gruppe der Befragten – und natürlich würde es mich sehr interessieren, ob bei einer Umfrage in Deutschland ein ähnliches Ergebnis zustande käme.

Wenn man die vielen Künstleretiketten bedenkt, die auf internationalen, aber auch französischen Flaschen inzwischen auch florieren, wären die ja dann alle „am Markt vorbei“ produziert worden.

Die Frage stellt sich sicher auch unterschiedlich, ob der Wein nun in einem neutralen Supermarktregal gewählt wird, oder nach vorheriger Beratung durch einen Weinfachhändler, der sicher sowieso mehr Gewicht auf den Inhalt als auf die Verpackung legen wird.

Auch beim Direktverkauf ab Gut habe ich noch nicht bemerkt, dass das Etikett für die Kaufentscheidung eines Besuchers noch eine Rolle spielt, da zählt wohl nur der Wein im Glas.

Aber ich gebe zu, dass man sich als Winzer schon Gedanken darüber macht, wie man seine Kinder anzieht. Nach so langer Sorge und Sorgfalt sollen sie ja auch schön in die Welt entlassen werden und irgendwie sollen sie ihre Eltern ja auch würdig vertreten.

Dabei ist die Geschichte unserer Etiketten für die Lisson Weine sicher recht amüsant. Jahrelang (denn die Planung, Rodung und Pflanzung und erste Pflege unseres Weinbergs hat natürlich Jahre gedauert) hatten wir eher die Vorstellung, unsere Weine einmal mit einem Etikett zu versehen, das einen Teil unseres Lebensgefühls hier in Lisson widerspiegelt, ursprüngliche, wilde Landschaft, eine kleine Kulturinsel der Natur abgetrotzt, ein altes Gemäuer mit steinernen Spitzbögen unterm Dach und einem kühlen Gewölbekeller  - unsere einfache Lebensart ohne viel moderne Technik , die Vorliebe fürs Authentische, bei Menschen, Dingen und Gedanken –  vereint mit unserer Liebe zur alten Musik, Gregorianik in romanischen Kapellen – da schien alles auf einen Entwurf im Stil mittelalterlicher Lettrinen  (Leitbuchstaben) hinauszulaufen, ein stilisiertes L am linken Rand, für Lisson, vielleicht eine winzige Vignette  aus dem Jahreslauf des Weinbergs, unser Name – das wär’s.

Und dann kam alles anders.

Eines Tages brachte uns ein Bekannter, Paul Driessen, der den Sommer immer in seinem Haus in Olargues verbringt, eine Weinflasche zum Abendessen mit, die er originell mit einem kleinen ovalen Aufkleber versehen hatte, einer Karikatur, die eindeutig Claude und mich darstellte, umrankt von Schnörkeln und „gekrönt“ von ein paar Trauben.

Die Flasche wurde getrunken (ich glaube, es war ein Wein der Coopérative aus Berlou), die Zeichnung wurde abgelöst und aufbewahrt. Bei den ersten Weinen aus Lisson, die als Fassproben zu Freunden mitgenommen wurden, dienten mir Fotokopien des Ovals als Schmuck, die Freunde waren von unserer gut getroffenen Darstellung begeistert – und ein Jahr später entstand so auf der Basis von Pauls Karikatur das erste Etikett, ein Modell, dass mit nur leichten Abweichungen bis heute unsere Lissonweine schmückt.



Jedes Jahr, wenn ich die DIN A 4 Bögen mit jeweils 9 fotokopierten Etiketten auseinander schneide und über das Krönchen stolpere, dem natürlich nur mit der Nagelschere richtig beizukommen ist, verfluche ich zwar einige Tage lang den „Erfinder“ des Schnörkels, aber der gehört schließlich inzwischen auch zum handgearbeiteten Markenzeichen unseres Weins.



Bisher bekam nur der Ausnahmewein Bel Hazard ein neues Etikett. Da dieser schöne Zufall ja einmalig ist, wurde er von Klaus mit einem Entwurf, der zu seiner dunkel-lachsrosa Farbe und der schlanken 0,50 l Flasche passt, bekleidet. Die Feder fand ich beim Gang über den Weinberg in einem kleinen Waldstück, mehr hatte der Fuchs nicht übrig gelassen von ihrem ursprünglichen Besitzer.



und noch ein kleines Spiegelbild von Lisson, für die, die bis zum Ende gelesen haben.


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Published by Iris Rutz-Rudel - dans gelesen oder gehört
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