Samedi 6 octobre 2007 6 06 /10 /Oct /2007 14:33
"Was tut der Winzer eigentlich nach der Weinernte?" fragt und erklärt Bernard Fiedler in seinem letzten Blogartikel.

Nun, das kommt drauf an, zu welcher Kathegorie er zählt.  Bernard gibt da einige Hinweise auf  die Möglichkeiten der "additiven Oenologie", die man sich mal langsam auf der Zunge zergehen lassen sollte (oder vielleicht bessser doch nicht?).

Einen kleinen Vorgeschmack darauf hatte ich hier auch schon einmal unter dem Titel "Was ist daran noch natürlich?" gegeben.

Jetzt habe ich eine schöne bildliche Illustration auf einer meiner Lieblingsblogseiten gefunden.

Bertrand Celce, bekannt durch seine so hervorragend illustrierten Winzerbesuche in ganz Europa (Sie erinnern sich vielleicht  an den Moonshine-Wodka...), hat es diesmal in ein Fachgeschäft für Winzerbedarf verschlagen - irgendwo in Frankreich - aber sicher auch in allen anderen  weinproduzierenden Ländern so zu finden.

Damit das Verständnis nicht an der Sprache (er veröffentlich in Englisch) scheitert, habe ich mir seine Erlaubnis eingeholt, den Artikel zu übersetzen - für  Nicht-Anglophoniker folgt hier also der Text seines Artikels in deutscher Übersetzung.

"Irgendwo in Frankreich ...
Es ist Erntezeit und damit auch wieder die Hochsaison für die Biotech-Labore und die Chemiekonzerne, die hinter der ständig wachsenden Zahl von Produkten stehen, die inzwischen den Winzern, sowohl in der alten als auch der neuen Welt zur Verfügung stehen......Während ein Großteil dieser Geschäfte diskret über Post oder Internet abgewickelt werden, gibt es auch ein paar reale Läden, in denen Önologen und Winzer einkaufen können und auch in letzter Minute noch Hefen, Enzyme oder z.B. Taninpulver erwerben können. Willkommen in der realen (aber versteckten) Welt des modernen Weins.
Sie haben vielleicht bemerkt, dass die Weingüter und Winzer die auf Wineterroirs vorgestellt werden, oft diejenigen sind, die keine biotechnischen Produkte benutzen und in dieser Hinsicht eher in die „natürliche“ oder „echte“ Weine Kategorie fallen, was bedeutet, dass ihre Weine ohne irgendeins der zahlreichen chemischen Produkte entstehen, die die Speziallabore seit 10 oder 20 Jahren auf den Markt geworfen haben.  Trotzdem sollte man natürlich offen bleiben und alle Arten von Wein probieren und genießen, auch die, die mit modernen Weinzusätzen produziert wurden, aber es wäre doch nur fair, wenn die Verbraucher ein wenig mehr darüber erführen, was dieser Wein alles mitbekommen hat. Aber können Sie sich wirklich vorstellen, dass diese „modernen Weingüter“ in ihren wunderschönen Verkostungsräumen über all die magischen chemischen Zusätze kommunizieren würden, mit denen sie ihren Wein vollgestopft haben?  Das wäre in der Tat nicht sehr romantisch und noch verbindet man ja eine mystische Reinheit mit der Aura des Weins, es gibt starke Hemmungen auf allen Seiten, inklusive der Weinmedien und Weinschreiber, das Thema zu stark zu vertiefen.
Nicht dass ich hier den Spielverderber machen wollte, aber hier folgt zur Abwechslung einmal ein kurzer Blick in einen Laden für Zusatzstoffe, was eine sehr gesunde Erfahrung sein kann und uns hilft, mehr über unsere Weine nachzudenken und die richtigen Fragen zu stellen.

Bild: Die Hefe-Gondel

Der Laden, der in diesem Artikel vorgestellt wird, verkauft traditionelles Gerät für Weingüter, wie Pumpen, Handschuhe, Thermometer, Plastikbehälter und Traubenrechen, um nur ein paar davon zu nennen, aber die Gondeln und Regale mit den Weinzusätzen sind wohl am interessantesten, weil diese Abteilung in den letzten Jahren größenmäßig geradezu explodiert ist. Sie finden hier viele verschiedene Sorten von industriell hergestellten Hefen, von denen jede dem zukünftigen Wein ein spezielles Aroma vermittelt, Sie finden Taninpulver, das man dem Wein wie Mehl bei rühren kann oder die Enzyme, Nährstoffe, das Gummi Arabikum, das die Weine abrunden soll und noch jede Menge chemischer Wundermittel....Tafeln oben an den Regalen helfen dem Winzer, seine Wahl zu treffen, indem sie die Eigenheiten der verschiedenen Hefen angeben, die nach Weinsorten wie "Sauvignon", "andere Weissweine" "Universalhefen", "Rosés", "Primeur-Weine", "leichte Rotweine" and "schwere [starke] Rotweine" unterteilt sind.

Bild: Hefe-Packungen mit ins Auge fallenden Fruchtabbildungen, um die Aromen zu illustrieren

Durch einen solchen Laden zu laufen, sollte für jeden Weinliebhaber, der mehr über den Wein lernen möchte,  einmal im Leben zur Pflicht gehören. Kritiker und Sommeliers sollten auch ihre Stimme erheben und eine Lobby für mehr Transparenz über die Verwendung von Zusatzstoffen durch Weinbetriebe bilden.  Denn es handelt sich hier um eine verborgene Seite der kommerziellen Weinbetriebe, die großzügig davon Gebrauch machen, gerne im Schatten halten würden. Das hier benutzte Adjektiv (kommerziell) ist nicht perfekt und könnte leicht missverständlich sein, wenn es so verstanden würde, als ob Naturwein-Winzer  (oder Echtwein-Winzer, nennen Sie es wie Sie wollen) ihre Weine nicht verkaufen müssten, aber das Wort „kommerziell“ illustriert doch sehr gut die Philosophie hinter dem systematischen Gebraucht von Zusatzstoffen: ein vorhersagbares, risikofreies, formatiertes Produkt zu machen, dass man zum genau richtigen Zeitpunkt auf dem Markt platziert und das in großen Mengen.  Während auf der Seite der Weinbereitung oft intensiv Gebrauch von diesen Techniken gemacht wird, motiviert von einer Kultur der Effizienz und des Profits, wird der Verbraucher auf der Kommunikationsseite mit einer  anderen  Geschichte unterhalten, in der „Übermittlung“, „Tradition“, „Erbe“ und „Terroir“ in den Vordergrund gestellt werden....

Bild: Ein-Kilo-Beutel mit Taninpulver

Die Biotech-Firmen, die diese Produkte herstellen, sind dem Weintrinker nicht unbedingt alle bekannt, und während ich einige schon in meinem Artikel über Zusatzstoffe vom November 2006 , wie Laffort Oenologie erwähnt habe, sind mir andere neu, wie Littorale Oenologie  (Link zur deutschsprachigen Seite) (das kürzlich von der holländischen Gruppe DSM übernommen wurde), Martin Vialatte Oenologie, Lamothe Abiet Pinosa und Anchor Biotechnologies. Die französische Biotech-Firma Lamothe Abiet Pinosa hat sogar einen verkaufsträchtigen Namen für seine Taninpulver-Produkte gefunden (siehe Bild oben)...:-)
Kleine Erläuterung: dieser Beutel Gallo Tanin B besteht aus Kastanienbaumgerbstoffen, denen man nachsagt, dass sie die Klärung von Weiss- und Roséweinen verbessert.
Dem Kleingedruckten nach soll man eine Dosis von 5 bis 15 Gramm pro Hektoliter mit heißem Wasser vermischen (40°C), bevor man die Mischung während des Umpumpens in den Wein gießt. Die Gebrauchsanweisung empfiehlt auch, den Injektionsdosierer der gleichen Firma dabei zu benutzen.... Ich war von den niedrigen Preisen dieser Produkte überrascht, das 1 Kilo Gerbstoff Paket kostet nur ungefähr 7,50 Euro inkl. Steuern, die Hefepakete um 20 Euro. Es ist also nicht erstaunlich, dass Winzer in Versuchung kommen, diese Mittel zu verwenden... "

Na dann Prost und wohl bekomm's!



Par Iris Rutz-Rudel - Publié dans : gelesen oder gehört - Voir les 1 commentaires
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