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4 mai 2007 5 04 /05 /mai /2007 16:58
Ich hätte meine Eindrücke auch für die dritte Ausgabe der vendredis du vin (die französische Ausgabe des "wine bloging wednesday") Ende Mai, zurückhalten können, die der neue „Präsident für einen Monat“ Emmanuel Delmas von blog Sommelier-Vins.com den „Vins de Femmes“ = Weine von Frauen, gewidmet hat.

Denn an der Spitze von Château Coujan, wo ich einen sehr angenehmen Abend mit Verkostung sowohl im Keller als auch während des anschließenden ausgezeichneten Essens verbracht habe, befindet sich seit 1990 eine Frau: Florence Guy, fünftes Glied der Winzerfamilie Guy auf Coujan und Tochter von François Guy, einer der bedeutendsten Persönlichkeiten in der Geschichte des Weinbaus im Languedocfür die letzten 50 Jahre. (Für die, die auch meinen französischen Blog lesen, Sie erinnern sich vielleicht? „François Guy de Château Coujan, grand homme du vin et précurseur des cépages nobles dans la région avec ses Vins de Pays Cabernet-Merlot, ses Mourvèdres de sa propre sélection massale était notre premier idole...“)

So kam ich also Montag am späten Nachmittag über die kleine Straße von Murviel, die durch die sanften Hügel auf die Ländereien des Château führt (100 ha, davon 65 mit Weinreben bepflanzt). Kurz davor überraschten mich wunderschön blühende Felder - diese wogenden lila Blumen, die ich erst für Disteln hielt, stellten sich später als Phacelia heraus, eine schöne Illustration dessen, was man hier Bienenbrachen nennt.

phacelie.jpg

Unter den beeindruckenden Platanen auf dem Vorplatz des Herrenhauses von Coujan wartet schon eine Gruppe von deutschen Weinliebhabern aus Hamburg, die hier auf ihrer 5. und letzten Etappe einer Winzerrundreise im Languedoc angekommen sind. Sie sind in Begleitung von Torsten Tesch, dem rührigen Weinhändler und Traiteur, durch den sie schon viele Weine der Gegend in seiner Weinbar « Guter Wein » in Eppendorf, einem guten Wohnviertel der Hansestadt, kennengelernt haben.

Florence Guy, die ich seit unserer gemeinsamen Zeit auf der Weinbauschule in Béziers in den 80ziger Jahren kenne, hat mich zur Hilfe gerufen, um während der Kellerbesichtigung und Verkostung als Übersetzerin zu fungieren.

Wir folgen François Guy, immer noch so faszinierend und schelmig, trotz seiner fast 90 Jahre, zunächst in die romanische Kapelle des Gutes, wo ein Teil des römischen Mosaiks untergebracht ist, das hier vor Jahren beim Arbeiten auf dem Vorplatz ausgegraben wurde. Dieses Mosaik ist, auch wenn es mit seinen schwarz-grau-weißen geometrischen Formen nicht an Abbilder von Trinkgelagen aus Herkulaneum heranreicht, doch der Beweis, dass hier eine römische Villa, gestanden hat. Man kann sich den römischen Würdenträger vorstellen, der hier, wie im Prospekt von Coujan angedeutet, "verführt von der Landschaft, in der Weinberge, Olivenhaine und Zypreen eine Mittelmeerlandschaft von florentinischem Charme bilden" seinen Wohnsitz wählte..
Ein Teil der Kapelle stammt aus dem 11. Jahrhundert - da sie nicht als Baudenkmal klassifiziert wurde, obliegt die Renovierung den Besitzern.


chapelle-coujan.jpg

Wieder im Freien, empfängt uns der Chor der Pfauen,

paon.jpg

die hier zahlreich frei in Park und Weinberg leben und jeden Gast mit ihren, leider im Vergleich zu ihrer äußeren Schönheit eher abschreckenden Schreien empfangen und begleiten. François Guy erklärt uns vor dem Keller das besondere Terroir des Gutes: eine Insel versteinerter Korallen, ein ehemaliges Atoll des Helvetischen Meeres aus dem Jura, dessen röhrenförmige Struktur dem Boden sein fantastisches Drainagepotential gibt und gleichzeitig hilft, bei großer Hitze genügend Frische aus dem Untergrund wieder hervorzubringen.

corail.jpg

Anschließend treten wir ein in die Kühle des Kellers, der mit seinen zu beiden Seiten aufgereihten Fassreihen schon fast einer Kathedrale ähnelt: Eichenfuder von 210 hl Inhalt, das sieht man selbst im Languedoc nicht mehr oft. Am Eingang steht beiläufig eine alte Kutsche und erinnert an die Zeit der Marquis, der Herzöge. Im Hintergrund eine Ansammlung von merkwürdigen "Öfen", die sich als Geräte für die Fabrikation von heißem Dampf herausstellen, mit dem die Fässer desinfiziert und das Holz feucht gehalten wurde. Alle Fuder werden nicht mehr gefüllt, da für ihre Reperatur inzwischen das notwendige Fachpersonal in der Gegend fehlt (auch Küfer ist ein Beruf, der nicht mehr so vertreten ist, wie noch vor 100 Jahren).

cave-coujan-copie-1.jpg

Auf dem Gut wird eine breite Palette von Rebsorten angebaut : Die der : AOC Saint Chinian - Mourvèdre 17 ha, Grenache 9 ha, Syrah 7 ha, Cinsault 7 ha, aber auch Merlot, Cabernet Sauvignon, Rolle und Sauvignon Blanc für die vins de pays - die Landweine.

gamme des vins Château Coujan

Die Cabernet- und Merlottrauben stammen von echten vieilles vignes - alten Reben, weil François Guy schon vor über 40 Jahren ein Vorreiter des Qualitätsanbaus war, der auf den Böden von Château Coujan, lange bevor die Gurus des örtlichen Weinbaus über qualitätsverbessernde Rebsorten nachdachten und bevor der warme Regen der europäischen Subventionen auch die anderen Bauern ermutigte, das "Risiko" auf sich zu nehmen, etwas anderes als den Massenweinbau zu betreiben, bei dem lange Quantität mehr Ertrag brachte als Qualität.

Dégustation Château Coujan 2007



Wir verkosten also zunächst die Palette der AOC Saint Chinian, aus Syrah, Grenache und Mourvèdre mit der Cuvée Bois Jolie und der Cuvée Gabrielle de Spinola (welch ein Genuß, François Guy aus dem offiziellen notariellen Vertrag rezitieren zu hören, der vor Jahrhunderten zwischen der edlen Marquise de Spinola und ihrem Pächter auf Coujan abgeschlossen wurde und diesen verpflichtete, jedes Jahr ein Fass vom feinsten Rotwein des Gutes nach Murviel zu bringen, wo dieser besondere Wein auch dem König von Frankreich ausgeschenkt wurde, wenn er auf seinen (seltenen) Besuchen beim Landadel, hier Station machte!) Wir kosten Weine voller Frucht, aber auch mit ausgewogenen Tanninen, die uns jetzt schon gut schmecken, obwohl sie auch noch einige Jahre lagern können



Le Divin d'Achille 2006

Anschließend folgen dieVins de Pays, cuvée Kenza-Marie 2003, ein Mischsatz aus Merlot, Cabernet und Mourvèdre, noch etwas eckig und vom Holz des Ausbaus in 600 l Eichenfässern beeinflußt – sein Vorgänger, der Vins de Pays de Coteaux de Murviel 1998, zeigt sich da schon zahmer und macht Platz für den Ahnherrn dieser Cuvée, von dem es tatsächlich noch einige seltene Flaschen zu kaufen gibt, den Jahrgang 1977, ein Wein, der sich hervorragend gehalten hat, wie es sich für einen Wein, der die Zusammensetzung eines Saint Emilion (70% Merlot, 30% Cabernet) hat, gehört, ein Genuß durch seine verschmolzenen Tannine und seine delikaten Frucht- und Tertiäraromen.

Und jetzt hätte ich beinahe vergessen, auch von den Weissweinen zu sprechen, Weiße von lebhafter Frische und voller Bouquet, als AOC die cuvée Bois Jolie aus den Rebsorten Rolle (Vermentino), Grenache blanc und Roussanne und die neue Cuvée Le DiVin d'Achille, die dieses Jahr aus Trauben von Sauvignon und Muscat geboren wurde. Der AOC Saint Chinian rosé mit seinen originellen Noten roter Beerenfrüchte und dem Duft der Garrigue (Strauchheide) erfrischt uns. Schließlich folgt noch ein Süßwein aus edelfaulen Beeren, wie in Sauternes, (Ertragsmenge 5hl/ha), der nicht jedes Jahr eingebracht werden kann und Aromentiefe, Süße und Lebhaftigkeit verbindet, die Dernière Cueillette, letzte Ernte, die im November erfolgte - und die hierzulande nicht als "Spätlese" bezeichnet werden darf, da diese Name nach dem Gesetzt nur den Weinen aus dem Elsass vorbehalten ist - auch eine Form von innerfranzösischem Protektionismus.

derniere-cuillette.jpg


Eine Verkostung eines Löffels mit Olivenöl des Gutes schließt den Aufenthalt im Keller ab und hilft so, die Kehle wieder geschmeidig für das Mahl zu machen, das uns noch bevorsteht. Francois Guy erklärt noch den Unterschied zwischen "jungfräulichem" und "un-jungfräulichem" Öl, bevor wir zurück zum Haupthaus schlendern, um das herum die Pfauen inzwischen ihre Plätze in den Bäumen und auf den Dächern eingenommen haben, wo sie sicher die Nacht verbringen werden.

Wir treten in den von Gewölben überdachten nach innen offenen Hof des Herrenhauses, wo uns weiß gedeckte Tische erwarten, um hier noch einmal während der folgenden Winzermahlzeit mit regionalen Spezialitäten die ganze Palette der Weine des Hauses "in situ" zu testen und zu genießen.

coujan-la-voute-a-table.jpg

Hier wird nicht mehr heldenhaft gespuckt, wie zuvor im Keller, sondern voll genossen produits fermiers de la région regionale Produkte aus dem Umland werden uns mit Charme von Florence Guy und ihrem jungen Sohn Achille serviert.

Florence-et-Achille.jpg

Die Austern kommen aus dem Binnensee von Thau, an der Mittelmeerküste bei Sète und werden vom Rolle begrüßt. Die großzüg servierten Wurstwaren, Bergschinken, Pâté, Boudin( Blutwurst) und Hartwürste, stammen aus Lacaune, einer kleinen Stadt auf der Hochebene der ersten Cevennenausläufer im Hinterland und passen hervorragend zum Rosé, der grüne Spargel und das Mesclun von jungem Salat brauchen nur ein paar Tropfen hauseigenes Olivenöl und ein paar Spritzer Hausessig, um zusammen mit den anderen Weisweinen des Hauses unseren Gaumen zu erfreuen.


feu de grillade

Im Innenhof, vor der rustikalen Sommerküche verglühen langsam ein paar mächtige alte Rebstöcke, um die Glut zu erbringen, auf der dann dicke Scheiben der Lammkeule "à point" gerillt werden, ein "agneau fermier", so zart, so saftig und so geschmackvoll, wie ich es lange nicht mehr auf dem Teller hatte (das letzte Mal vielleicht bei meinem Kollegen Thierry Navarre in Roquebrun bei einem Abschlußessen unter Winzern zum Ende der Weinernte).Ratatouille und in kleine Würfel geschnittene hausgemachte Bratkartoffeln mit würzigen Kräutern runden das Vergnügen ab – und hier sind die Rotweine an ihrem Platz.


plâteau de fromage repas Château Coujan 2007

Die Käseplatten versammeln eine schöne Auswahl von lokalen Ziegenkäsen unterschiedlicher Reife rund um einen "Bauernroquefort", der schön fett und mit dem so köstlichen Pilz durchzogen noch einmal begeistert. – hier ist L’Ile de Corail an ihrem Platz, diese Cuvée, die nur in den besten Jahrgängen erarbeitet wird, und dann ausschließlich aus Mourvèdretrauben, die sich als empfindliche Traubensorte nur unter idealen Bedingungen voll entfalten.

Florence-Guy-Corail.jpg

Die bauchige Flasche mit dem Siegellack statt einer Kapsel und dem schmalen, eleganten Etikett um den großzügigen Bauch wird von Florence präsentiert, die stolz ist, dass ihr Baby alle Tischgenossen noch einmal begeistert. Es folgt noch eine Auswahl von Tartes, diesen typischen französischen Obstböden, hausgemacht auch sie und begleitet von einem letzten Glas Dernière Cueillette, das die Gesellschaft inspiriert, zu Ehren ihrer Gastgeber und zum Dank ein sanftes deutsches Wiegenlied anzustimmen, bevor ein letzter Café allen wieder genug Schwung gibt, um von diesem gemütlichen Innenhof Abschied zu nehmen, in dem jetzt der betörende Duft der Blüten schwebt, den sie nur nachts verströmen...


Fleur

Der Mond steht schon hoch am Himmel, als drei Großraumtaxis unsere Hamburger zurück nach Beziers zur letzten Nacht in einem Landstrich bringen, wo sie 4 Tage gesehen haben, dass "Leben wie Gott in Frankreich" kein leeres Wort ist!


Ich schlage das freundliche Angebot, auf dem Gut zu übermnachten aus (obwohl ich dabei vielleicht die schöne Ferienwohnung , den gîte rural von Coujan hätte ausprobieren können) und mache mich auf den Rückweg nach Hause, 45 km entlang des Orbtals über Roquebrun nach Tarrassac und nach Olargues, und wieder zurück in unserem verwunschenen Tal von Lisson. Es war schön, einen Abend in angenehmer Gesellschaft an diesem magischen Ort verbracht zu haben, an dem immer noch drei Generationen der Familie Guy vereint zusammenleben und uns die Früchte ihrers Engagements, ihre Weine mit so viel Liebe und Begeisterung nahebringen.

Francois-et-Florence-Guy.jpg




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Published by Iris Rutz-Rudel - dans Essen und Trinken
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Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

Begleiten Sie mich also auf dem Weg durchs Winzerjahr. Hinterlassen Sie Ihre Kommentare oder stellen Ihre Fragen, damit aus diesem Blog ein lebendiges Kommunikationsmittel wird.

Ihre Iris Rutz-Rudel


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