Am Abend eines Erntetages folgt noch das Einmaischen in dem großen Raum oben im Haus, in dem die kleinen Edelstahltanks auf einem Podest aufgereiht stehen. Das ist wieder eine einfache Sache in Lisson, wie alles rund um den Wein - man braucht nur ein wenig Muskelkraft.
Die Kisten mit den ungefähr 12 kg ganzer, unbeschädigter Trauben werden einzeln in eine Bütte geleert und die Beeren werden dort leicht mit dem Holzstampfer angedrückt, bis der erste Saft austritt. Das geschieht langsam und erlaubt es gleichzeitig, die vereinzelten Blätter oder Grashalme, die sich in die Kisten verirrt haben, auszusortieren.
Nach zwei Kisten wird die Bütte mit vereinten Kräften in die oben offenen runden Tanks gefüllt, auch hier brauchen wir keinen Manitu, nur unsere Muskeln.
Ein letzter Blick in den gefüllten Tank – hmmm, ein gesunder Geruch frisch angepresster Trauben –
Deckel drauf und jetzt lassen wir der Natur ihren Lauf.
Kein Zufügen von Schwefel beim Einmaischen – keine Killer-Hefen, nach denen dann Reinzuchthefen künstlich zugeführt würden – unsere Trauben bringen alles mit, was sie brauchen, um die Transformation von Zucker in Alkohol, von Traubensaft zu Wein zur rechten Zeit zu garantieren.
Keine Temperaturkontrolle nötig, keine künstliche Abkühlung oder Erhitzung. Die Gärung wird auch so irgendwann beginnen, sofort oder in zwei Tagen, das hängt von der Außentemperatur der Gärkellers“ ab, der ein Raum oben im Haus ist, zum Weinberg hin ebenerdig, nach vorne hin auf der ersten Etage, da über dem Gewölbekeller gelegen, in dem schon die Eichenbarriques warten, die die vergorenen Säfte aus den Tanks in einigen Wochen aufnehmen werden. Ganz natürlich von oben, mittels Schwerkraft natürlich.
par Iris Rutz-Rudel
publié dans :
Kellerarbeit
créer un trackback
Wir steigen und steigen – nun, dieser Teil des Weinbergs und seine Terrassen heißen nicht umsonst: „Echelles de Lisson“, die Leitern von Lisson. Sieben kleine Terrassen sind zu erklimmen, um oben beim Cabernet Sauvignon anzukommen. Bevor man mit der Arbeit beginnen kann, muss man erst einmal verschnaufen.
Eine gute Gelegenheit, die immer wieder schöne Aussicht auf die Berge gegenüber, die Silouette der „Femme Couche“, der liegenden Frau und in der Ferne auf das mittelalterliche Stadtbild von Olargues mit seinem prominenten Turm zu genießen. Aus der Erntfernung kann man gnädig über die eher hässlichen Neubauten von Mehrzweckhalle und neuer Mittelpunktschule hinwegsehen.
Heute ist schon ein Besucher vor uns auf der Terrasse, ein Perlhuhn macht sich scheu von dannen,

noch ein Liebhaber unserer reifen Trauben.
Der Cabernet Sauvignon ist vollreif – bei der letzten Reifemessung waren es schon 13,5° potenzieller Alkohol – das sind 103 Oechsle – mehr muss nicht sein, denn der Geschmackstest zeigt reife Frucht und knackige braune Kerne.
Die Ertragsmenge ist wieder mal winzig – während ich die Trauben schneide, rechne ich im Kopf aus:
zwei Kisten mit jeweils ungefähr 12 kg Trauben von 200 Stöcken, das sind 24 kg – also so über den Daumen gepeilt 24 Flaschen mit 0,75l Inhalt – also ein kleines Glas pro Stock. Bei dieser Ausbeute wäre es schwierig, dem Beispiel einiger Weingüter zu folgen, die ihre Reben stockweise an Liebhaber vermieten und eine Flasche pro Stock versprechen... man hat Zeit beim Schneiden, solche Gedankenexperimente im Kopf durchzuspielen – ai – aber man darf sich nicht zu sehr davon ablenken lassen, sonst fließt Blut, denn ein Schnitt in den Daumen ist schnell passiert.
Jetzt aber erst mal eine kleine Pause – Gelegenheit nachzuforschen, woher dieser angenehme Blumenduft kommt, dessen Honigaroma der Nase schmeichelt: aha – es ist diese kleine stachelige Liane mit den glänzenden Blättern und den hübschen weißen Blüten -
eine Pest, wenn sie sich bis in die Rebstöcke und die Spanndrähte vorarbeitet, aber so betörend mit ihrem Duft, dass ich ihr gerne einen Platz an den Mauern und Abhängen zwischen den Terrassen reserviere.

Zwischen den Rebstöcken, die hier wegen der Enge der Terrassen nur in zwei oder drei Reihen stehen, hat der letzte Regen Majoran und Origano wachsen lassen, die den steinigen Boden bedecken – wir treten auf einen Teppich von wilder Minze – Vergnügen für alle Sinne.
Wir arbeiten uns langsam nach unten: nach dem Cabernet Sauvignon, der ganz oben wächst, folgt Cabernet Franc und ganz unten einige Reihen Malbec (Cot), an denen sich die Tiere bereits gütlich getan haben – die Beerenhäute sind weicher als die der Cabernets.
Langsam scheint die Sonne schon niedriger und der Rücken sendet Signale aus, dass es langsam genug ist, mit der Gymnastik. Die Weinstöcke sind hier im Cordon de Royat Stil geformt und geschnitten und auf Drahtverspannung gezogen, die beiden Arme des Cordon trennen sich in etwa 30 cm Höhe wagerecht vom Stamm – das ist ganz schön niedrig und man muss sich außerdem durch die Drähte schlängeln und gut unter den Blättern nachschauen, um keine Trauben auf der Rückseite der Reihe zu vergessen. Bei den letzten Stöcken geht’s nur noch auf Knien.
Klaus holt die letzten Kisten mit dem Rampi-Car, dem knallroten kleinen Kettenfahrzeug ab, dem einzigen Gefährt, das in diesem Gelände manövrieren kann. Ursprünglich sind diese Terrassen eben für die Bearbeitung mit Maultieren angelegt worden...
Unten hinterm Haus angekommen, muss noch eingemaischt werden, aber das wird ein neues Kapitel.
par Iris Rutz-Rudel
publié dans :
weingut-lisson
créer un trackback
Kommentare