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Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

Begleiten Sie mich also auf dem Weg durchs Winzerjahr. Hinterlassen Sie Ihre Kommentare oder stellen Ihre Fragen, damit aus diesem Blog ein lebendiges Kommunikationsmittel wird.

Ihre Iris Rutz-Rudel



Dimanche 28 octobre 2007
Die letzte Woche war wieder mit einer entscheidenden Etappe bei der Weinbereitung gefüllt: die Maische in den Edelstahltanks war duchgegoren, die natürlichen Hefen hatten ihre Arbeit getan und allen Zucker, trotz schon kühlerer Kellertemperaturen, in Alkohol umgewandelt, die Weine eine kräftige Farbe im Kontakt mit der Maische angenommen und dem Abstich stand nach sorgfältiger Verkostung nun nichts mehr im Wege.

Für die kleineren Mengen des Pinot und der Assemblage aus Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot und Petit Verdot haben wir uns diesmal von einem Freund eine kleinere Presse ausgeliehen und uns die große Presse, die treue Leser schon aus den vergangenen Jahren kennen (siehe hier), für den großen Tank mit dem Mourvèdre aufgespart.

Nachdem der Saft oder Vorlauf durch die Schläuche mittels Schwerkraft hinunter in den Keller in die Barriques abgelaufen war, hatte ich wieder das große Vergnügen, die Tanks von Hand zu leeren und die aromatisch duftenden Traubenreste, den Trester, in das Holzrund der Presse zu füllen.



petit pressoir - kleine-presse-1

Das ist jedes Jahr wieder ein sinnliches Vergnügen für Augen, Nase und Hände, auf das ich nicht verzichten möchte. Hier begreift man den Wein im wahrsten Sinne des Wortes.


petit pressoir - kleine-Presse-2

Man sieht, dass noch viele ganze Trauben im Trester enthalten sind, die erst im sanften Pressgang ihren Saft, der so in der Beerenhaut vergoren wurde, entlassen werden.


Iris-an-presse Pinot 2007
Auch hier wird die Arbeit wieder durch das rhytmische Klick-Klack des Mechanismus der Presse begleitet und vom Plätschern des abfliessenden Weins. Kellermusik!

gâteau de marc - Trester-Kuchen

Übrig bleibt der Tresterkuchen, Mischung aus Trauben, Kernen und Rappen, die sich gleichzeitig auf der Presse nützlich erwiesen haben, da sie für ein besseres Ablaufen des Saftes sorgten und auch schon Hefen und Trübstoffe ausfiltern halfen.

Erst nach Abschluss des Pressvorgangs kann der Winzer die jeweiligen Erntemengen in Hl wirklich kennen. Jede Traube hat eine andere Saftausbeute und jeder Jahrgang liefert, je nach Klima, unterschiedliche Saftmengen. In diesem Jahr der hoch konzentrierten Beeren war die Saftausbeute beim Pinot besonders gering, dafür wird der Jahrgang aber auch wieder gehaltvoller als z.B. der Jahrgang 2005 ausfallen.

Aber es ist noch ein langer Weg - und im nächsten "Kapitel" werden wir erst mal die neuen Heimstatt des jungen Weins im Keller kennenlernen.
par Iris Rutz-Rudel publié dans : Kellerarbeit
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Mercredi 17 octobre 2007
Während hier in Europa langsam auch die letzten Winzer die diesjährige Ernte abgeschlossen haben und auf das Fallen des Herbstlaubs warten, um den Winterschnitt zu beginnen,  erlaubt die Welt der Blogs,  anderswo schon wieder am neuen Austrieb der jungen Blätter (und den damit verbundenen Gefahren) teilzunehmen.  Eine interessante Fotostrecke findet man hier, auf dem Johner Blog, der zweisprachig nicht nur an der Ernte in Deutschland, sondern auch am schon begonnenen Austrieb in Neuseeland teilnehmen läßt.

Und selbst da, wo es gar keine Winterruhe gibt, werden Hilfsmittel eingesetzt,  die  den Pflanzen die für ihre Regeneration und Entwicklung notwendige Winterruhe vorgaukeln soll. Auch wenn ich dem Einsatz solcher giftigen Chemikalien mit mehr als gemischten Gefühlen gegenüberstehe, lese ich doch mit viel Interesse seit längerem vom Kampf der Familie Leaky in Kenia auf dem Blog Zabibu - nicht nur gegen das Klima, sondern auch gegen ganz spezielle Diebe - um die Möglichkeit, dort Wein anzubauen und auch zu ernten. 


Noch exotischer ist der Rahmen dieses Weinguts, das  Dominique Auroy, ein schon lange in Polinesien lebender  französischer Geschäftsmann und Weinliebhaber und  Bernard Hudelot, von der Forschungsstation in Dijon in Burgund, auf dem Landstreifen um das  Atoll Rangiroa, 355km von Tahiti entfernt, geschaffen haben. Hier  kann man, da ebenfalls keine Latenzzeit (Winterruhe) im natürlichen Zyklus der Pflanzen gibt, sogar zwei Ernten pro Jahr einfahren. Die Seite gibt es in Französisch und Englisch mit vielen Bildern und Berichten über die Versuchsreihen mit mehr als 50 Rebsorten.
par Iris Rutz-Rudel publié dans : Strandgut
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Mardi 16 octobre 2007
Der Jahreszeit entsprechend ein neues Fotoalbum in der Leiste rechts mit Herbstbildern. Und da sich die Bilder von Jahr zu Jahr oft gleichen, für Liebhaber von Bildern unter neueren Lesern noch der Link zum Album von letzten Jahr (ja, wie die Zeit vergeht), das die nun anstehenden Arbeiten zeigt.


Genussblogs Awards


Meinen Glückwunsch heute auch an Mario Scheuermann vom drink tank zum PopBlog Award  2007 der Genussblogger.  Sein Blog ist wirklich sehr abwechslungsreich und von professioneller Regelmäßigkeit in der Berichterstattung. Auch wenn ich persönlich dem schreiberswein die Daumen gedrückt hatte, die Fahne der Weinblogs auf dem Treppchen zu schwingen, weil ich fand, dass er neben dem drink tank marketingmässig eher unauffällig und damit benachteiligt war - eben "ohne Zusatzstoffe".

Ich bin gespannt, wer die von Lisson gestifteten Weine als Trostpreis bekommt!
par Iris Rutz-Rudel publié dans : Strandgut
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Lundi 15 octobre 2007


action.jpg 

Lebensqualität, dazu gehört auch die Qualität unserer Umwelt. Wenn man,     wie wir hier in Lisson, das Glück hat, in einer relativ intakten Umwelt zu leben und das auch noch in einem landwirtschaftlichen  Beruf, hat man natürlich leicht reden. Strom kommt von der Sonne oder vom Wind, an beidem mangelt es in Südfrankreich nicht und das macht es leicht, auf den französischen „Atomstrom“ zu verzichten. 

energie.jpg

Wasser kommt aus einer hauseigenen Quelle, ohne Zusatzstoffe, geheizt wird mit dem Holz der Bäume, die bei den Pflegearbeiten im umliegenden Wald anfallen und unser „Produktionsmittel“ wächst gleich hinterm Haus: die Reben, die wir nicht nur aus diesem Grund ohne Chemie hegen und pflegen. Also kurze Wege – zu Fuß, denn anders ist es in den schmalen Terrassen und Steilhanglagen sowieso nicht möglich.

Bei der Weinbereitung erlauben uns die so angebauten Trauben, auf Hilfsmittel bei Gärung und Ausbau zu verzichten,  auch hier ersetzten Muskel- und Schwerkraft komplizierte und energieintensive Maschinen. Nur beim Kapseln der Weinflaschen wird kurzfristig „normaler“ Strom benötigt und das Elektroagregat für Notfälle tritt in Aktion.

arbeit.jpg

Niedriger Verbrauch unserer erneuerbaren Energie ist eine Selbstverständlichkeit, nach den schon lange bekannten Sparlampen haben uns da die neuesten Entwicklungen auf dem LED Markt und Klaus erfinderischer Einsatz dieser Technik zu weiteren Einsparungen verholfen  neben dem wichtigen Reflex, nicht benutzte Energiefresser nach Gebrauch  einfach abzuschalten.

Hier gibt es keinen Laden um die Ecke und kaum öffentliche Nahverkehrsmittel, also gehört ein Auto als Transportmittel schon zur Grundausstattung. Aber auch da hilft etwas Planung bei den zweiwöchentlichen Einkaufstouren in die 20 bis 25 km entfernt liegenden Kleinstädte, dabei, die Tankstelle nur alle 6 bis 8 Wochen anzufahren. Es werden also mehr Schuhsohlen als Reifen abgenutzt – zum Glück gibt es im Dorf noch einen Schuster, der auch arg strapazierte Arbeitsschuhe noch liebevoll neu besohlt.

Mülltrennung, vor Jahren in Frankreich noch ein Fremdwort, wie „Waldsterben“, findet inzwischen in jedem Dorf statt, seit die fast wilden Müllkippen, die oft von den Gemeinden betrieben wurden, den europäischen Regelungen und entsprechenden Subventionen zum Opfer gefallen sind. Das – leider noch weitgehend ungelöste – Problem des Restmülls
lässt auch hier langsam darüber nachdenken, ob nicht die Verringerung/Vermeidung von Müll die wirtschaftlichste Methode zur Kostensenkung ist.

Warum diese Aufzählung? Nun, ich habe die Tipps auf Jans Küchenblog über Umweltschutz in der Küche mit Vergnügen gelesen und mich davon zum Nachdenken über unsere „Küchenpraxis“ anregen lassen.

Aus dem „Küchenfenster“ blickt der Kaulweinblog, dessen „Gastreferent“  Hans Reiner Schultz durchaus Vernünftiges zu den Reaktionsmöglichkeiten von Winzern auf Klimaänderungen (Dauerbegrünung, Wahl der Pflanzausrichtung usw.) zu sagen hat und auch VivaVino  verweist natürlich darauf, dass der Kauf von Bioprodukten außer der eigenen Gesundheit vor allem auch die von den Bauern bearbeiteten Flächen schützt.  (So der Anbau denn auch nicht nur auf die Vermeidung von Chemie, sondern auch auf den verantwortungsbewussten Einsatz von nicht erneuerbarer Energie bei der der Bearbeitung achtet und der Vertrieb auf Vergeudung von Energie beim Transport zum Verbraucher achten würde... es sind eben sehr komplexe Probleme, die sofort wieder auftauchen, sobald man versucht, auch „Bio“ zu industrialisieren und zu globalisieren...). Den Spamfilter gegen Produkte, die außerhalb der Saison und mit weiten Transportwegen in die Auslagen kommen, muss der Verbraucher sich schon selber auf die Einkaufsliste setzen.

Hausmannskost hat immerhin einen Wein aus „vernünftigem Anbau = lutte raisonnée“ aus dem Languedoc verkostet, dessen Winzer zwar keinen Bioanbau betreiben, deren gute Weine man aber immerhin in Deutschland bei einem Franchise-Unternehmen  „gleich um die Ecke“ erwerben kann und das, nach meiner vergangenen Erfahrung, noch wesentlich preiswerter als direkt ab Gut.

Das Schlusswort überlasse ich einem meiner Lieblingsweinblogs, schreiberswein:  „Denn nur wer sich selbst mit allen Fehlern und Eigenheiten voll annehmen kann, tut dies auch bei seinen Mitmenschen. Der Respekt für alles Leben und der achtsame Umgang mit der Natur ist dann eine der "Nebenwirkungen". 

insekten-Kopie.jpg

Zu allen anderen „Nebenwirkungen“ warten wir nicht auf unseren Arzt oder Apotheker, sondern informieren uns selbst und fangen auch außerhalb von Aktionstagen zu Hause und überall da, wo wir Einfluss nehmen können, mit der Arbeit an – es gibt viel zu tun!



par Iris Rutz-Rudel publié dans : Strandgut
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Mercredi 10 octobre 2007
weinrallye-200.jpg
Die vierte Weinrallye hat auf Aufruf von Mario Scheuernann vom Drink Tank schon um Mitternacht begonnen und die ersten Teilnehmer sind bereits durchs Ziel. Also schnell Gas gegeben, damit mein Beitrag über den Vulkanwein noch heute über die Ziellinie geht!


Beim Lesen des Themas fiel mir sofort eine Landschaft ein, die ich besonders liebe und die nur 40 km östlich von Lisson liegt: die bizarre rote Landschaft der Ruffes , Ton-Sand-Böden, um den Lac de Salagou und damit die Weine von Guilhem Dardé aus Octon am Ufer des Sees.

Salagou-ruffes.JPGFoto: Claude Desneux - http://eldorad-oc.midiblogs.com/

Während es sich bei diesen Formationen, die wie eine exotische Wüstenlandschaft anmuten, um Ablagerungen aus dem Perm handelt, gibt es auch noch zahlreiche Basaltformationen, die von späteren vulkanischen Aktivitäten in der Gegend zeugen und heute versteinert wie große Kamine aus dem ringsum erodierten Gestein herausragen.

pierre-basaltiques-Salagou.JPGFoto: Claude Desneux - http://eldorad-oc.midiblogs.com/


Hier im Dörfchen Octon kultiviert Guilhelm Dardé, ein alter Kämpfer der linken Bauerngewerkschaft rund um den Larzac seine Weinberge. In dieser Tradition stehend versucht er, die Umwelt durch schonende Methoden im Weinberg (keine  synthetischen Spritzmittel und auch Kupferkalk wird nur in sehr geringen Dosen verwandt) intakt zu erhalten.

Der Name des Gutes "Mas des Chimères" könnte Programm sein für seine Weine. Sein Logo zeigt dieses Fabelwesen aus der griechischen Mythologie, ein 
Mischwesen mit drei Köpfen: dem eines Löwen, im Nacken dem einer Ziege, und als Schwanz den Kopf einer Schlange.

mas-de-chimeres.jpg

Mischwesen sind auch einige seiner Weine, ein roter, der als Mischsatz aus Cabernet, Merlot und Syrah als "Hérétique" also Heretiker in der gewohnten Landschaft der Appellationen Frankreichs auftritt und auch der Weiße, den ich mir für diese Weinrallye ausgesucht habe, ist ein solches Geschöpf:

Vin de Pays des Côteaux du Salagou: Mas des Chimères 2003

Eine Mischung aus Chazan (oder Chasan), selber eine Neuzüchtung aus Palomino und Chardonnay, Terret Bourret (einer alten Sorte aus dem Languedoc, die die Säure beitragt) und Viognier ergibt diesen Weißen von schöner gelber Farbe. In der Nase eine sehr stoffreiche Mischung aus Birne, weißem  Pfirsisch, Mandeln, dem Duft weißer Blüten und Fenchel, im Geschmack rund und reif mit viel Frische und einer schönen Länge. Das Ganze für 8 bis 9 Euro die Flasche, je nach Bezugsquelle,  ergibt außerdem ein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis.

Heute gibt es dazu kein Bild von Flasche und Glas, denn diesen Wein trinke ich mit Vorliebe in einer kleinen Ferme-Auberge nicht weit vom Salagou, von deren Terrasse aus der Blick weit über das Tal, die Weinfelder und den See und die umgebenden Hügel reicht.


 

par Iris Rutz-Rudel publié dans : Weinrallye
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