Erinnern Sie sich noch an die kleine Knospe des Cot (oder Malbec) vom Anfang des Monats?
Knapp 4 Wochen später hat sich daraus ein schöner Trieb entwickelt, an dem sich nicht nur die Blätter entfalten, sondern
auch die kleinen Traubenstände schon deutlich zu erkennen sind.
Hier als Diashow ein Zwischenbericht:
Die Sorte gehört zu denen, die sehr früh ausschlagen (ungefähr zur gleichen Zeit, wie unser Pinot Noir) und dann ca.14 Tage nach dem
Pinot auch ihre Reife erreicht. Wir verwenden sie für unsere Cuvée Les Échelles de Lisson, in der sie mit den beiden Cabernetsorten, dem Merlot und dem petit Verdot
assembliert wird.
Nach Möglichkeit werden alle Sorten gemeinsam vergoren - wobei der Côt so etwas wie den Starter (pied de cuve) für die anderen, später reifen Sorten abgibt, gefolgt vom Merlot,
Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und schließlich dem petit Verdot, der als letzter reift.
Der Hefetrub, diese Ansammlung von Hefen, Bakterien und ausgeflockten organischen Elementen, die aus dem
neuen Wein ausfallen und sich unter Einwirkung der natürlichen Kälte im Keller während des Winters als Bodensatz in den Barriques absetzen, wird bei dem ersten Abzug im
Frühjahr vom Wein getrennt. Das war das Ziel unseres ersten Abzugs des Jahrgangs 2007 am letzten Samstag.
Mit Hilfe der Abzugsstange (liebe
deutschsprachige Winzerkollegen: Hilfe: wie heißt das Ding, das man auf dem Foto sieht in meiner Muttersprache, ich habe nirgendwo im Internet etwas Vergleichbares finden
können...) also mit diesem "Dingsbums" für Barriques (la canne de soutirage in Französisch), die durch eine Schraube am unteren Ende so geregelt werden kann, dass der Bodensatz
bei vorsichtigem Abpumpen nicht mitkommt, verlagern wir den Wein aus einem Barrique in ein anderes. Bei Bernhard Fiedler kann man hier nachlesen, wie das in großem Stil gemacht wird. Am Ende der Operation wird das fast geleerte Barrique mit dem Spundloch
nach unten gedreht und ich fange die ca. 5 L Trub (und leider immer auch etwas Wein) auf, die noch drin sind.
Rouge violacé, légèrement fade: violettes Rot, leicht fade, heißt es zum Farbton, der auf französischen Farbkarten als lie de
vin definiert wird.
Urteilen Sie selbst, wie wenig das mit der abwechslungsreichen Realität
übereinstimmt:
Ich liebe diese reiche, nuanzierte Farbpalette, immer
unterschiedlich, je nachdem ob es sich um Mourvèdre, Cabernet oder Pinot handelt- und auch von Jahr zu Jahr verschieden, abhängig von der Konzentration der
Trauben an roten Farbstoffen, also Anthozyanen. Die Konsistenz ist cremig, dicht und ich fülle jedes Jahr ein paar kleine Flaschen mit diesem gut riechenden
Satz (garantiert ohne Pestizidrückstände) ab, die ich für einen kochenden Freund verwahre, der damit seine
Saucen anreichert.
Da wir beschlossen hatten, dem schönen Jahrgang 2007 einmal wieder einen Ausbau in neuen Barriques
zu spendieren, wurde jedes Barrique sorgfältig mit
unserem Quellwasser gespült, bis nur noch klares Wasser aus dem Spundloch fließt. ..
Anschließend wird der Wein wieder in sein Originalbarrique
zurückgepumpt, weitgehend unter Luftabschluss - für mich an der kleinen Handpumpe ein zweiter workout, den meine Bauchmuskeln mir dann am nächsten Tag auch
signalisierten:-).
par Iris Rutz-Rudel
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Kellerarbeit
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Nach dem Pumpen im Keller tut der Gang in den Weinberg bei strahlendem Sonnenschein wieder besonders gut. Während ich auf dem Weg nach
oben schon viele Pausen mache, um die ersten überzähligen Knospen von den Stöcken zu streifen, die trotz eines rigorösen Winterschnitts sonst die Zahl der Triebe im Sommer durch unerwünschte
Seitensprosse an den Stämmen und vor allem im Fußbereich der Reben zu stark erhöhen würden, ist Klaus schon wieder in voller Rüstung bereit, den von nun an andauerndern Kampf um die
Eindämmung der Wuchskraft unserer natürlichen Dauerbegrünung aufzunehmen.
Eine Tätigkeit, bei der man sich gut gegen den Flug von kleinen Steinen und Holzstückchen schützen muss, bei der er also nicht gerade einem
entspannten Spaziergänger ähnelt.
Polster an den Schienbeinen, feste Hosen und dicke Handschuhe, der Helm mit Visier über der Schutzbrille und die Ohrenschützer sind da Pflicht
und machen deutlich, warum die Arbeit bei steigenden Temperaturen immer beschwerlicher werden wird...
Es ist auch nicht angeraten, in der Nähe zu arbeiten, denn die Geschosse, die die Motorsense aufwirbeln kann, fliegen leicht schon einmal
10 bis 15 Meter und können auch aus dieser Entfernung noch erheblich weh tun.
So legte ich schnell eine sichere Distanz zwischen uns und stieg in die auch vom Geräuschpegel her ruhigeren Höhen des Pinot auf.
Unterwegs blühen jetzt auch an den Wegen und in den Mauern die roten Spornblumen (Centhrantus ruber), die hierzulande
poetisch Lila d'Espagne (spanischer Flieder) heißt. Sie werden uns bis in den Herbst begleiten und sind gern gesehene Gäste für Insekten und Schmetterlinge.

In den Terrassen der Echelles de Lisson schmücken noch vereinzelt alte Ranken die Drähte der Verspannung, les vrilles auf Französisch und bilden kleine Skulpturen, die an die Kraft
erinnern, mit der sich die Triebe der Reben im Sommer hier festkrallen werden.
Eine alte Sichel, die irgendwann im Gelände vergessen wurde, erinnert an die Zeit vor der Erfindung der Motorsense:
Nach ein paar Stunden treiben mich Hunger und einsetzende Müdigkeit hinunter zum Haus - die Motorsense ist nicht mehr zu hören - aber
Klaus hat ganze Arbeit geleistet: die Weinstöcke hinterm Haus recken ihre Arme freudig dem Himmel entgegen.
Diese Methode ist zwar etwas mühsamer, als ein Durchgang mit der Giftspritze und in feuchten Jahren auch öfter zu wiederholen, aber zumindest
findet man so keine Unkrautvernichtungsmittel als Rückstände in Boden, Pflanzen und Wein!
Sollten wir nach dem eher trockenen Winter einen feuchten Sommer bekommen, muss das Ganze natürlich noch ein- bis zweimal wiederholt werden ....
das Jahr wird's zeigen.
Auch wenn die Arbeit im Weinberg uns weiter in Atem hält und jede Minute schönen Wetters jetzt dort genutzt wird, so gab es am
Wochenende doch noch einmal einen Szenenwechsel. Hochdruck, Sonne und Nordwind - ideale Konditionen, um den Wein im Keller zu bewegen.
Eine besondere Freude war dabei die Abfüllung des Jahrgangs 2006. Nach fast drei Jahren Hege und Pflege, vom
Rebschnitt über die Weinbergarbeit zur Ernte, von der Gärung über den Abstich, das Keltern zum Ausbau in die Barriques, nach
Kontrolle, Abziehen, leichtem Schwefeln und wieder Kontrolle und Verkostung war es nun so weit, Flaschen und Korken lagen bereit, das Wetter ideal, also konnte diese
liebste Arbeit des Winzers, die einen Zyklus zum Abschluss bringt, zügig durchgeführt werden.
Einen ausführlichen Bericht über die dabei eingesetzte Technik gab es ja schon im vergangenen Jahre. Auch die Bilder gleichen sich dabei immer
wieder.
Nur der Wein ist jedes Jahr neu und wird natürlich auch an diesem Tag noch einmal besonders kritisch beäugt und zwischen
Zunge und Gaumen geprüft.
Tief dunkelrot, fast schwarz im Glas verströmt er seine Aromen, neben den reifen Fruchtnoten ist eine verhaltene Blumennote
erkennbar, die Tannine werden noch einige Zeit brauchen, um sich abzurunden - die für Lissonweine typische Frische läßt wieder den Alkohol in den Hintergrund treten - Mourvèdre,
Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot, Cor und Petit Verdot sind diesmal gemeinsam in der Flasche vertreten und versprechen einen Wein, der die Jahre überdauern wird.
Nach der üblichen Ruhepause - erst aufrecht, um den Wein vollständig zu entgasen, dann horizontal, um eventuelle undichte Korken zu entlarven, werden die Kinder eingekleidet und in die Welt
entlassen werden.
par Iris Rutz-Rudel
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Kellerarbeit
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