Pages

Kalender

Mars 2008
L M M J V S D
          1 2
3 4 5 6 7 8 9
10 11 12 13 14 15 16
17 18 19 20 21 22 23
24 25 26 27 28 29 30
31            
<< < > >>

Kommentare

Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

Begleiten Sie mich also auf dem Weg durchs Winzerjahr. Hinterlassen Sie Ihre Kommentare oder stellen Ihre Fragen, damit aus diesem Blog ein lebendiges Kommunikationsmittel wird.

Ihre Iris Rutz-Rudel



Dimanche 30 mars 2008

Eine Hommage auf Alexander Grothendieck, der in diesem Jahr irgendwo in Südfrankreich seinen 80. Geburtstag vielleicht nicht einmal feiert, findet sich in der letzten Ausgabe der Zeit - online auch hier.


Bild: © Erika Ifang aus Die Zeit

Winfried Scharlau, emeritierter Professor für Mathematik an der Universität Münster und Biograph von Alexander Grothendieck widmet ihm unter der Überschrift "In höheren Dimensionen" einen Artikel, der den Lebenslauf dieses 1928 in Berlin geborenen Mannes, der als einer der bedeutendsten Mathematiker des 20. Jahrhunderts gilt, nachvollzieht, bis zum Jahre 1991, in dem er sich vollkommen aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat.

Auch die Zeitreisen des Deutschlandfunks Kultur widmen ihm einen ausführlichen
Artikel Geometrie und Revolte von Agnes Handwerk und bei  Heise erinnert man ebenfalls an das Phantom der Mathematik.

In den Jahren vor seinem vollständigen Rückzug aus der Öffentlichkeit, vor allem  nach 1968, war Grothendieck auch eine führende Figur der Bewegung "Vivre et Survivre", in der sich viele Gründer der internationalen Umweltschutzbewegung,  die  damals erst in den Kinderschuhen steckte, zusammenfanden.

Er lebte in dieser Zeit im Hinterland von Montpellier, am Rande des Larzac, führte ein offenes Haus, engagierte sich für u.a. als Illegale in Frankreich unerwünschte budhistische Mönche, schahrte aufgrund seiner wohl sehr charismatischen Persönlichkeit junge Menschen um sich, zu denen zeitweise auch Claude Rudel gehört. Lisson, heute als Weingut bekannt, ist indirekt auch ein wenig das Ergebnis seines Wirkens in jener Zeit.

Ein "verlorenes" Darlehen von 10.000 FF - eine enorme Summe zu jener Zeit, wenn man nicht zu den Menschen mit einem klassischen Bonitätsprofil bei den Banken gehörte, half den Brüdern Rudel, Weinbauernsöhnen aus einem kleinen Dorf bei Lodève, sich gemeinsam ihr erstes Stück Land zu kaufen.


die Brüder Rudel Ende der 60ger Jahre - Claude ganz rechts neben seinem Vater


Die Lektüre dessen, was Winfried Scharlau über den Artikel in der Zeit hinaus auf seiner Webseite zusammengetragen hat, macht mir diese Anfangszeit wieder lebendig. Die Liste der Mutants, der Menschen, die in Grothendiecks gleichnamiger Meditation ein neues Zeitalter vorwegnehmen, von Hahnemann über Darwin, Râmakrishna, Kropotkine, Steiner, Ghandi, Neill, Tailhard de Chardin, Krishnamurti, klingt vertraut für mich - eine ganze Generation von "Hippies", wie man sie damals hier in der Gegend nannte, wurden von ihren Schriften oder dem, was sie über sie hörten, beeinflußt. Andere kamen hinzu - aber vor allem galt es, seinen eigenen Weg  zu finden.

Lisson hieß dann der Besitz, den Claude Rudel 1976 alleine erwarb - immer noch mit dem Ziel, ein Stück Land wieder urbar zu machen und im Respekt der Umwelt einen Ort zu schaffen, an dem Leben und Arbeit im Einklang stehen können - und so hörte ich Anfang der 80ger Jahre zum ersten Mal den Namen Grothendieck, ohne die Person jemals persönlich kennen zu lernen.
Lisson 1975 - 15 Jahre vor der Kreation des Weinbergs hinterm Haus

Ich wünsche Alexander Grothendieck, dass er einen solchen Ort gefunden hat und danke Winfried Scharlau, dass er an ihn erinnert.

Auch wenn uns die Welt der
Mathematik, für die er so bedeutend ist, eher fern erscheint, der Respekt von Natur und Umwelt gehört zu unserem Leben und unserer täglichen Arbeit...

par Iris Rutz-Rudel publié dans : Strandgut
ajouter un commentaire créer un trackback

Dimanche 16 mars 2008
Während  auf der diesjährigen Prowein in Düsseldorf jetzt gerade das Treffen der Weinblogger um  12:00 Uhr im Meininger Weinsalon in der Halle 6, Stand G 70  stattfindet, um das ich alle Teilnehmer beneide, kann ich nur weiter meinen Erinnerungen an vergangene Besuche  nachhängen.

Dazu gehören die interessanten Gespräche mit interessierten Fachbesuchern, denen man die Besonderheiten einer Appellation oder eines Weins erklärt genauso, wie die  Dreiecksübersetzungen bei den Verhandlungen mit Interessenten aus Russland, vor einigen Jahren, die ihre eigenen Dolmetscher dabei hatten, denen man dann aus dem Französischen ins Englische oder Deutsche die erwünschten Auskünfte übersetzte, die dann ins Russische übertragen werden mussten und wieder zurück. Dabei kam man sich manchmal vor, wie bei einem Tennismatch in slow motion, wenn alle Köpfe während des komplizierten Hin- und Hers geduldig von rechts nach links und von links nach rechts folgten....  Aber ein guter Abschluss ist die Mühe ja allemal wert.

Und um Kontakte, die lohnende Abschlüsse versprechen, geht es ja auf einer Fachmesse, für die die meisten Aussteller weite Wege auf sich genommen haben, einige Tausend Euro und viel Mühe bei der Vorbereitung durch Mailings an alte und potentielle Neukunden investiert haben, Broschüren und Tarife aufsetzten, die übersetzt und gedruckt wurden, Hostessen, Dolmetscher und sonstige Helfer eingestellt haben. 

Zweieihalb Tage Messe müssen diesen Aufwand in ihrem Ergebnis rechtfertigen. Der  dritte Tag  ist wegen der am Nachmittag schon wieder beginnenden Abbauarbeiten und der immer wieder auf geheimnisvollen Wegen einfallenden Horden von plündernden Schnäppchenjägern, die, bewaffnet mit riesigen Taschen und selbst Einkaufswägen,  in der Lage sind, den Flascheninhalt eines Standes auszuräumen, wenn man ihnen nur eine Minute den Rücken kehrt, meist kein vollwertiger Messetag mehr.

Aber auch an den übrigen Tagen kommt es zu delikaten Situationen, wenn, vor allem am Sonntag,  sich zahllose  Nicht-Fachbesucher durch die Alleen drängen, die eine der gegehrten Einladungen von ihrem Weinhändler oder einem befreundeten Restaurantbesitzer ergattert haben und nun alleine oder in Zweier- und Dreiergruppen von Stand zu Stand ziehen und sich die größte kostenlose Weinprobe des Jahres von Herzen schmecken lassen  und auch den zahlreich angebotenen Häppchen munter zusprechen. Oft erkennt man sie an den mit Einzelflaschen gefüllten Taschen, die sie eingesammelt haben - ein Facheinkäufer weiß, dass er jederzeit Proben nachgeliefert bekommen kann und wird sich damit an einem anstrengenden Messetag nicht belasten.

Im Laufe des Nachmittags macht sich bei diesen Weinliebhabern auch der steigende Alkoholpegel bemerkbar, da sie oft zu den vehementen Spuckgegner gehören.... Für neuere Aussteller von kleinen Betrieben, die zudem nicht deutsch sprechen, sind sie oft nicht sofort zu erkennen, selbst die obligatorische Frage nach der Visitenkarte ist im Zeitalter der heimischen Drucker ja kein Ausschlusskriterium mehr. An fachmännischen Gesten bei der Verkostung mangelt es nicht, auch Kommentare fließen reichlich und der Neuling fühlt sich ob des gezeigten Interesses geschmeichelt. Leider kommt dabei am Ende aber höchstens die Frage nach der Lieferung eines Sechserkartons zum Händlerpreis an die heimische Adresse in Neukirchen-Fluyn oder das Versprechen heraus, beim nächsten Frankreichurlaub mal auf dem Gut zu einer weiteren kostenlosen Verkostung vorbeizukommen.... Die Auftragsbücher füllt eine so verbrachte 1/4 oder gar 1/2 Stunde leider nicht.

Die Balance zwischen immer gebotener Höflichkeit und pragmatischem Geschäftsinterese zu finden, ist nicht immer einfach - da sind professionnele Vertreter größerer Hersteller und Verbände meist besser aufs Abwimmeln trainiert, als ein Winzer, der spontan jeden Weinliebhaber, der sich für seine Produkte interessiert, als potentiellen Freund zu empfangen gewohnt ist.

Nach einigen Jahren Messeerfahrung erkennt man seine Pappenheimer schnell, hat auch gelernt, die Reaktionen der Kollegen in ihren Nuancen zu deuten - und dadurch immer größere Schwierigkeiten, selber in einer der wenigen Pausen den Weg durch die Hallen anzutreten und sich in die Reihe der Verkoster ohne Bestellformular im Hintergrund einzureihen und den Kollegen ihre kostbare Zeit zu stehlen.

Dabei gehören die Begegnungen mit den Kollegen, der Winzergruppe von der Mosel, die mal sehen kommt, was die Franzosen so machen, sich auch als solche vorstellt und mit der man natürlich sofort in ein Fachgespräch über die Auswirkung der Klimaerwärmung oder die Vor- und Nachteile der Dauerbegrünung einsteigen kann, oft zu den emotionalen Highlights eines Messetages, oft enden solche Gespräche mit dem spontanen Austausch von Flaschen, die dann als Einzelstücke im Keller noch nach Jahren an diese spezielle Messe erinnern. Schließlich ist der Winzer einen großen Teil des Jahres über ein Einzelarbeiter in Weinberg und Keller und genießt den Austausch mit Gleichgesinnten.

In den letzten Jahren wurde mein Schnellrundgang durch die Messehallen in einer gepferten Mittagspause aber auch zu einer Entdeckungsreise in die kulturellen "Seitenprodukte" einer solchen Messe. Dazu gehörte dann z.B. dieses Triptichon von Nina Stölting, die zu ihrer Serie von Weinbildern sagte:

"Ich gebe zu, ich mag Wein. Sehr. Seine Facetten berühren mich, die geschmacklichen wie die übertragenden. Seine Vielfalt. Seine Fähigkeit, Zeit festzuhalten.
Faszinierend ist jeder Versuch, das Wesen eines Weines einzufangen, die Ebene der Sinne zu wechseln. Der geschmackliche oder olfaktorische Reiz wird zum optischen, könnte man sagen, aber das ist viel zu theoretisch. Im Grunde ist es pure Lust der Sinne, reine Sinnlichkeit. Konzentration auf die eigene Empfindung, ein sublimiertes Spiel mit Farben, Material und Oberflächen. Authentische Erfahrung, Besinnung. Das ist die Welt, in der ich lebe."



undefinedNina Stölting - Pinot Noir - aufgenommen auf der Prowein 2006


Auch die Serie der Gemälde, die einen essentiellen Bestandteil des Terroirs, nämlich den jeweils individuellen steinigen Untergrund zum Ausgangspunkt und Material einer ganzen Serie von großformatigen Bildern machte, fand so Eingang in meine Sammlung.
 


undefinedCoteaux Charitois


undefinedSteine Charitois


Wer von den  Messebesuchern unter den Weinbloggern entdeckt wohl das diejährige künstlerische Überraschungsei zwischen Bloggertreffen und großer Bordeauxverkostung in der Rheinterrasse?

Ich freue mich schon auf Eure Fundstücke!




par Iris Rutz-Rudel publié dans : Allgemeines
ajouter un commentaire créer un trackback

Dimanche 16 mars 2008

Die Prowein 2008 in Düsseldorf, eine der größten internationalen Fachmessen für Wein- und Spirituosen, hat gerade erst ihre Tore für das Publikum geöffnet und schon ein Rückblick? Nein, so schnell geht das nicht, selbst bei den Weinbloggern im Internet gab es bisher nur Vorausschauendes und geplante Treffen, an denen ich zu meinem großen Bedauern nicht teilnehmen kann, weil es terminlich dieses Jahr nicht zu einer Reise nach Düsseldorf gelangt hat.

Unser Weingut ist zwar viel zu klein, um je den Aufwand und die Kosten für eine Teilnahme als Aussteller auf einer Messe dieser Größe rechtfertigen zu können, aber in meiner Eigenschaft als dreisprachige Fachfrau hatte ich viele Jahre hindurch Gelegenheit für französische Austeller unterschiedlichster Herkunft und Größe an dieser Messe in meiner Heimatstadt teilzunehmen.

So verstehe ich die nostalgischen Erzählungen französischer Winzer, die sich am Zentralstand A 140 in Halle 5 der Sopexa treffen und in einer ihrer wenigen Pausen von der Zeit sprechen, als sie mit zwei Dutzend Austellern in den Räumen einer Hotels auf der anderen Rheinseite den Grundstein zur heutigen Großveranstaltung gelegt haben. Nach dem Umzug auf das Messegelände kam dann der rasante Aufstieg - und aus einer Messehalle zu Beginn sind inzwischen 6 geworden, in denen dieses Jahr 3.058 Aussteller aus 43 Ländern um die Gunst des internationalen Fachpublikums bulen.

Auch in diesem Jahr wieder präsentiert sich allein Frankreich mit rund 400 Austellern, von den "big playern", wie sie in den Pressemeldungen genannt werden, bis bin zu kleineren Betrieben, die hier ihre Kunden suchen. Das sind übrigens nicht mehr als 2006, wo von 419 französischen Austellern die Rede war.


Ich liebe die Atmosphäre des letzten Aufbautags, an dem man sich kaum vorstellen kann, dassaus diesem Chaos aus Kartons, Kisten, Holt, Plastik und Kabeln aller Länge und Dicke über Nacht doch noch die wohlgeordneten Alleen mit den sauberen Teppichen und all die blinkenden, chromstrahlenden Stände mit ihrer individuellen Dekoration werden können, die die ersten Besucher dann am Eröffnungsmorgen empfangen.


Hut ab vor den Monteuren, die hier den Überblick behalten und unterstützt von zahlreichen Thermosflaschen mit Kaffee und sonstigen aufputschenden Getränken und beschallt von individuell mitgebrachter Musik aus diversen Kofferradios immer wieder dieses logistische Wunder vollbringen

undefined
South of France, Sud de France - Frankreichs Süden, der als neue Marketingstrategie unter dem neuen benannten Verbandsdach zum ersten Mal AOC und Landweinerzeuger gemeinsam vorstellt, wird sicher wieder viele Besucher anziehen. Hoffentlich als Logo erfolgreicher, als die zwischendurch lokal in Montpellier ausgerufene und inzwischen wohl schon wieder begrabene "Septimani", der sowohl bei den Fachvertretern als auch international trotz anfangs hoher Subventionen lokaler Politmatadoren wie George Frèche keine große Unterstützung und somit auch kein langes Leben vergönnt war.

Nachdem Biowein und alkoholreduzierte Weine zu den Trends der diesjährigen Weinmesse ausgerufen wurden, wird wohl auch der Stand der Winzerfamilie Pugibet, Domaine de la Colombette, aus der Gegend von Béziers, in Halle 5, Stand E 106, großen Zulauf erwarten können.

undefined  Francois Pugibet undefined
                                    Francois Pugibet

Ich hatte Gelegenheit, ihre alkoholreduzierten Weine der Gamme Plume vor zwei Jahren zu probieren, die ich für die Weißweine durchaus gelungen fand. Das Konzept, voll ausgereifte Trauben zu ernten, die in den letzten Jahren  im Languedoc oft eher 14° potentiellen Alkohol aufweisen, als weniger und diesen dann mit Hilfe der berühmt-berüchtigten spinning cone column einen Teil des Alkohols zu entziehen, um die Weine auf durchschnittlich 9° Alkohol zu reduzieren, wird angesichts der aktuellen Diskussionen um Gesundheit, anti-Alkohollobby und Rückgang des Weinkonsums in Restaurants wohl doch immer weiter ins Bewußtsein der Konsumenten eindringen. Auf jeden Fall gehört Francois Pugibet zu den markanten Winzerpersönlichkeiten des Languedoc. Sein Sohn und Partner  Vincent, der in Bordeaux Weinbau studiert hat und sich in Australien den Wind um die Nase wehen ließ, erklärt übrigens auch in einem Video bei youtube ausführlich und mit dem für meine Ohren so vertrauten Akzent des Midi, wie er und sein Vater auf diese zunächst nicht nur offiziell verbotene, sondern auch von Kollegen und Weintrinkern verteufelte Idee kam.

Auf der Prowein bietet sich eine ideale Möglichkeit, sich selbst ein Urteil zu bilden. Die Idee zu diesem Hinweis kam mir übrigens, nachdem fast durchgängig in allen Beiträgen zur Weinrallye mit dem Thema "Alltagswein" niedrigere Alkoholwerte bei erhaltenem Fruchtcharakter zu den entscheidenden Auswahlkriterien gehörten. Sollte also jemand die Gelegenheit zur Verkostung wahrnehmen, würde ich mich über einen Kommentar mit seinen Eindrücken sehr freuen.





par Iris Rutz-Rudel publié dans : Allgemeines
ajouter un commentaire créer un trackback

Mardi 11 mars 2008
Vor zwei Jahren fand ich auf der Jagd nach altren Weingläsern (neben ausgefallenen Kochbüchern und Büchern über Wein meine dritte Sammelleidenschaft) dieses schöne alte Fleißkärtchen bei Monique Ferrat, der freundlichen Dame, die den Laden mit den regionalen Spezialitäten und die Brocante in Olargues betreut.


bon point (Fleißkärtchen) Pasteur - Vorderseite

Ich weiß nicht, aus welcher Zeit des vorigen Jahrhunderts es genau stammt - ich würde auf die dreißiger Jahre tippen. Die Rückseite zeigt Louis Pasteur, wie Wikipädia richtig sagt, einer der bekanntesten Wissenschaftler Frankreichs, dem nicht nur das berühmten Institut Pasteur in Paris seinen Namen verdankt, sondern der auch wirklich in Frankreich wie ein Nationalheld verehrt wird.

Besonders geschätzt wird er natürlich auch in Winzerkreisen, schließlich entdeckte er als erster die Geheimnisse der Milchsäuregärung und damit der Fermentation, sondern er gewann auch neue Erkenntnisse über die Weinsäure. Der ihm zugesprochene Satz: Der Wein ist das gesundeste und sauberste aller Getränke (der auf dem Bild oben zitiert wird), zierte jahrelang Schilder am Straßenrand von Béziers ob das heute noch so ist, möchte ich angesichts des zweiten Teils dieses Artikels fast bezweifeln...


bon point Pasteur - Rückseite

Die Rückseite enthält unter der Überschrift: Nährwert des Wein  eine vergleichende Auflistung: 1 Liter Wein mit 10° Alkohol entspricht dem Nährwert von 900 gr Milch, 370 gr Brot, 585 gr Fleisch oder 5 Eiern.

Daraus schloß das unterzeichnende Nationale Propagandakommité, also so eine Art Marketingsgesellschaft des Weinbauverbandes aus Paris folgerichtig:

Der Wein ist gesund, trinken Sie Wein.

Nun, wie schon hier ausgeführt, war in noch nicht so lange vergangenen Zeiten in Frankreich der Liter Wein vom Familientisch nicht wegzudenken, was eben auch den relativ hohen Prokopfverbrauch jener Zeiten erklärt - ein alltägliches Produkt.

Wenn ich mir die heutigen Preise für die angegebenen Mengen ansehe: zwischen 0,80 und 1,60 € für die Milch  (je nach Qualität), zischen 1 und 3 € für die Eier, zwischen 5 et 15 € für Fleisch (nach oben hier allerdings offen...) und - wie bei meinem Dorfbäcker, um 2,50 € für die gleiche Menge Brot - stelle ich fest, dass all das inzwischen wesentlich teurer ist, als ein Liter Tafel- oder Landwein mit 10° Alc., sei er aus dem Midi oder aus  Bordeaux (wobei ich natürlich nicht von den Primeurweinen spreche:-)).

Aber ich vermute, dass diese Art von Fleißkärtchen in der Pädagogik heutzutage genau so politisch unkorrekt wären, wie eine mit zu positiven Bildern arbeitende Weinwerbung in Frankreich. Gott in Frankreich dürfte vielleicht noch ein Gläschen trinken (wenn er sich dabei nicht werbewirksam fotografieren läßt), Wasser in Wein zu verwandeln würde nicht nur von konkurrenzneidischen Winzern, sondern vor allem von der sehr aktiven Anti-Alkohol-Lobby angeprangert - und für Maria und ihre Schwestern sähe die Sache ganz böse aus.  
Gemäß eines ministeriellen Erlasses vom 2. Oktober 2006, müssen ab dem 3. Oktober 2007 alle Flaschen, die alkoholische Getränke enthalten, mit diesem Logo geschmückt werden:

undefined

oder den folgenden Aufdruck zeigen:
"la consommation de boissons alcoolisées pendant la grossesse, même en faible quantité, peut avoir des conséquences graves sur la santé de l'enfant" - Der Konsum von alkoholhaltigen Getränken während der Schwangewrschaft, selbst in geringen Mengen, kann schwere Konsequenzen für die Gesundheit des Kindes nach sich ziehen -.

Das möchte ich zwar als Aussage gar nicht bestreiten, da es sich aber um einen sehr langen Satz handelt, wäre es nicht einfach, ihn elegant auch noch auf's Etikett zu zwängen, das ja seit dem vergangenen Jahr auch schon den obligatorischen Warnhinweis "enthält Schwefel" aufnehmen musste. 

Also experimentiere ich jetzt auf der Suche nach dem geeignetsten Ort für das neue Logo  auf unseren Etiketten. Manchmal frage ich mich dabei, ob es in Ländern, die nicht der gleichzeitigen Anti-Alkohol-Kampagne wie Frankreich ausgesetzt sind, nicht irrtümlich als Verbot des Getränks für adipöse Personen, deren Body Mass Index  (BMI = Gewicht geteilt durch die Körpergröße zum Quadrat) höher als 30 ist und die zusätzlich noch Pferdeschwanzträger sind, mißinterpretiert werden könnte. .. an Ihre Taschenrechner  - oder dem Link folgen, da wird das für Sie online berechnet!


Hier also als Scoop die ersten Entwürfe für unseren Jahrgang 2006:

nouvelles   étiquettes
Wie Sie feststellen, haben wir uns noch nicht entschlossen, ob die abgebildete Person nun links- oder rechtsdrehend repräsentiert werden sollte. Dabei weiss man inzwischen, dass solche Entscheidungen nicht nur für den gesundheitlichen Wert von Joghurt, sondern auch für das Einkaufsverhalten von Kunden in Supermärkten von hoher Bedeutung sind - von den politischen Konsequenzen der Orientierung will ich hier gar nicht erst sprechen...

Da Umfragen aber allgemein sehr beliebt sind, möchte ich meinen Lesern und /oder Freunden unserer Weine aber auch eine Wahlmöglichkeit einräumen:


nach links (...)  oder nach rechts (...)


- kreuzen Sie Ihre Wahl an
- oder hinterlassen Sie einen Kommentar

Natürlich sollten schwangere Frauen über die Auswirkungen ihrer Ernährungsgewohnheiten auf das werdende Kind informiert werden. Das
fetale Alkoholsyndrom (FASD) kann bei starkem Missbrauch  laut Untersuchungen zu Wachstumsstörungen, körperliche Deformierungen sowie geistige und seelische Behinderungen führen. Der Intelligenzquotient der betroffenen Kinder liegt im Schnitt bei 75 (Normwert: 100). Noch gravierender sind jedoch die emotionalen Auffälligkeiten und Verhaltensstörungen, wie z. B. Hyperaktivität, Ablenkbarkeit und Auffälligkeit in der Schule

Je nach Ernährungsgewohnheiten unserer lieben Mütter (oder - für Männer, ihrer Ehefrauen), die während ihrer Schangerschaft noch nicht von einem solchen wirkungsvollen Logo geschützt und gewarnt wurden, sollten wir  ab sofort einmal in uns gehen und evaluieren, welche Schäden dieses ungeschütze Leben uns und unseren Sprößlingen zugefügt hat....

Vielleicht waren Struwelpeter, Zappelphillip und Konsorten immer schon nur die unschuldigen Opfer ihrer Eierlikör oder Pikkolöchen trinkenden Rabenmütter!


 


par Iris Rutz-Rudel publié dans : Strandgut
ajouter un commentaire créer un trackback

Dimanche 9 mars 2008

Nach der schönen und vor allem prompten Zusammenfassung der Alltagsweinrallye (Nr. 9) durch den Themengeber Harald Steffens vom Weingut Steffens-Kess folgt auch schon die Ankündigung der nächsten Herausforderung für die immer zahlreicheren Rallyeteilnehmer: Christoph Raffelt von originalverkorkt wünscht uns etwas Leichtes und Spritziges im Glas und fordert uns auf, die Rebsorte Chenin Blanc als unbekannte Vielfalt zwischen Kult- und Massenwein zu entdecken.

Für ihn
fristet Chenin Blanc, im Gegensatz zu anderen klangvollen französischen Rebsorten,  eher ein Schattendasein. Um dies ein klein wenig zu ändern und die Traube neu zu entdecken, wählt er sie als Thema der 10. Weinrallye.  

Nun, in Lisson ist der Chenin keine ganz unbekannte Größe. Um ein wenig ins Thema einzuführen und einen kleinen Vorgeschmack auf die Weine meiner Lieblingswinzer aus dem Loiretal zu geben, habe ich  aus den Archiven der französischen Ausgabe des Lisson-Blogs zwei Artikel über unseren Chenin herausgesucht. 

Vor etlichen Jahren hatten Claude und ich ein paar im Mourvèdre hinterm Haus verstreute Pfropfunterlagen dazu genutzt, um sie mit Chenin zu veredeln.  Wir wollten so im eigenen Experiment herauszufinden, ob die Rebsorte z.B. unseren Gobeletschnitt verträgt, wie die Trauben in unserem Klima reifen und ob sie, im Gegensatz zum Mourvèdre, während des Wachstums ein Stützsystem in Form von Drahterziehung oder individuellen Pflählen (wie beim Pinot)  benötigen oder nicht.

Langfristiges Ziel war die Pflanzung einer kleinen Parzelle ganz oben auf unserem Hügel (in 300 m Höhe), da, wo der Nordwind weht und vielleicht eine langsamere Reife ermöglicht, damit wir in gesundem Klima Trauben als raisins passerillés (Trockenbeeren) für einen Weißwein mit natürlichem Restzucker, wie an der Loire, ernten können. Chenin bietet dabei mit seinem hohen natürlichen Säuregehalt eine bessere Chance als z.B. Chardonnay oder die klassischen Weißweinsorten des Südens, trotz unseres heißen Klimas noch genügend Rückrat zu behalten. 

Außerdem kann man solche Weine auch in einem Betrieb wie Lisson Weißwein erarbeiten, wo bei der Weinbereitung auf externe Energie für Kühlen oder Aufheizen der Maische komplett verzichtet wird. Getreu unserer Devise: lieber slow mit no Watt - also garantiert ohne die technischen Hilfsmittel der Temperaturkontrolle, bei der oft nur Weine mit uniformen Primäraromen herauskommen. 

Hier also eine schöne Chenintraube aus der Ernte vom 30. September 2005. Diese Trauben muss ich jedes Jahr im letzten Moment vor den Erntehelfern schützen, die im Eifer des Gefechts gerne Alles abschneiden, was noch an den Stöcken hängt und so die kostbaren Trauben in den Kisten mit dem Mourvèdre verschwinden lassen könnten. Auch Klaus gehört nicht zu den Fans meiner Experimente,  er ist kein Freund der bauchigen Glasflaschen mit meinem "Weißwein", die oft genug im Ausguss enden, weil ich doch den Zeitpunkt verpasst habe, an dem ich sie hätte abziehen müssen, um sie vor der Gefahr einer  drohenden Oxydation zu bewahren, die umso größer ist, je kleiner die verarbeiteten Mengen in zu großen Gefäßen sind. Ich weiß heute, dass ich auch mir bei Mikrovinifizierungen Grenzen gesetzt sind. 

 
Wenn ein oder zwei Kisten mit den kostbaren Trauben gerettet werden konnten, folgt die zweite Hürde. Da es ja hier um eine Weißweinbereitung geht, muss sofort gekeltert werden. Unsere Presse wäre zwar für die meisten Winzerkollegen schon eine antiquarische Winzigkeit, aber hier erweist sie sich noch als viel zu groß. Vor allem für Trauben, die fast mehr Zucker als Wasser enthalten

Zum Glück können wir auf das Miniaturmodell einer vertikalen Korbpresse eines guten Freundes zurückgreifen. 
 

Aber auch damit war es noch ein schwieriges Unterfangen. Schließlich habe ich in zwei Durchgängen gepresst. Zunächst, wie für meine anderen Rebsorten mit den Rappen (Stiehlen), anschließend, angesicht der geringen Saftausbeute ein zweites Mal, nachdem ich zuvor jede einzelne Traube von Hand entbeert habe. 

Und 2005 folgte darauf sogar noch ein dritter Durchgang mit meiner kleinen Zitronenpresse - um noch ein paar Gläser mehr zu erhalten!

Der zweite Pressvorgang ohne Rappen ergab natürlich mehr Trübstoffe im Saft - das ist einer der Gründe, warum wir bei Rotweinen auf das Entrappen verzichten, da sie im Tank und vor allem auf der Presse einen natürlichen Filter bilden und so ein von Anfang an klarerer Saft in die Fässer fließt. Allerdings sind auch bei der Rotweinbereitung eventuelle Tannine aus den Rappen nicht so tragisch - vorausgesetzt, diese waren bei der Ernte ebenfalls gut gereift

 

2005 ergab diese Mühe dann die freudige Überraschung : Saft mit 17° potentiellem Alkohol.

Da kann ich nur doppelt bedauern, dass die Alea des Lebens mich bisher daran gehindert haben, die geplante, gerodete und für eine Pflanzung Anfang 2001 schon vorbereitete Parzelle wirklich zu bepflanzen...

 
2006 hatten wir übrigens das hier seltene Vergnügen die Chenintrauben komplett mit Edelfäule (botrytis cinera), wie im Sauterne, zu ernten - leider war die Menge noch kleiner als 2005. Und 2007 war die Fäule dann leider nicht mehr edel, als ich die letzten Stöcke ernten wollte:-(.

Inzwischen habe ich auch die Erkenntnis, dass die Sorte unbedingt eine gestützte Erziegung benötigt, wenn man sie in unserem dauerbegrünten Weinbergbei feuchter Witterung nicht der Gefahr durch Staunässe am Boden aussetzen will.  Ein kurzer Rebschnitt ist allerdings durchaus möglich.

Conclusion: Aus der Traube des Chenin kann durchaus auch etwas anderes als leichte, spritzige Weine machen - so das Klima mitspielt. Und für Restsüße muss man nicht in den Zuckertopf greifen. Kollegen, wie die Winzer, die in der Association Sapros zusammengeschlossen sind, haben das mit ihren natürlich konzentrierten Weinen überzeugend bewiesen. 
 
Meine eigenen Versuche sind allerdings bisher nur von partiellem Erfolg gekrönt worden (siehe oben). Deshalb werde ich für die 10. Weinrallye am 10. April mit Vergnügen eine Fremdflasche aus den Vorräten meines Keller holen und hier vorstellen - auf die Fundstücke der anderen Blogger - auch aus dem internationalen Raum -  freue ich mich jetzt schon:-) - an Christoph geht der Dank für das anregende Thema!


par Iris Rutz-Rudel publié dans : Weinrallye
ajouter un commentaire créer un trackback

Kaleidoskop

im Blog suchen

Zufallsbilder

weiter empfehlen

Cliquez ici pour recommander ce blog

Blogfamilien


 

 

W3C

  • Feed RSS 2.0
  • Feed ATOM 1.0
  • Feed RSS 2.0
 
podcasting sur over-blog.com - Contact - C.G.U. - Rémunération en droits d'auteur avec TF1 Network - Signaler un abus